Warum sie das Pferd sehen wollte, von welchem er noch vor ein paar Augenblicken sprach, konnte er nicht einordnen. Vielleicht würde es ihm später, wenn es schon zu spät sein sollte, einfallen, dass sie von dem Pferd auf sein Alter schließen könnte. Aber nun dachte er an etwas anderes.
Ihre weiteren Äußerungen kommentierte er bloß mit einem Lächeln. Worte waren hier, so meinte er, sowieso fehl am Platze, denn diese Stille und die Zweisamkeit wollte auch er nicht aufgeben.
Ihre Reaktion war die, welche er sich indess erhofft hatte. Sie zog ihre Lippen nicht zurück, sondern kam ihm das kleine Stückchen entgegen, welches den weiteren Verlauf ihrer noch so frischen Beziehung bestimmen würde bis zum Schluss. Nun war die platonische Freundschaft gewichen, gewichen dem Verlangen nach dem jeweils anderen und der zur Fleisch gewordenen Versuchung. Noch nie machte dem Flavier etwas unerlaubtes solch eine Freude, ließ ihn innerlich erbeben. Noch nie brach er die Regeln der Moral und Sitte bewusst, dies war ein Novum. Ein Novum, welches lieblicher nicht schmecken konnte.
Ihre Lippen waren seine Sünden und die Versuchung, welche er bislang innerlich gespürt hatte. Der zarte Kuss, welchem er einen leidenschaftlicheren folgen lassen wollte, wurde von ihr je unterbrochen und dem Flavier stand für einen Augenblick die Angst in den Augen geschrieben. Die Angst sie hätte es sich nun doch anders überlegt und der Versuchung widerstanden. Ihr Lächeln ließ ihn jedoch aufatmen.
Der Satz jedoch, welchen sie so leichtfertig hatte an ihn gerichtet, löste ein ungehemmtes Verlangen nach ihr aus, welches vor keinem Auge, vor keiner anderen Störung würde halt machen wollen.
So lächelte er, wie ein Raubtier nur seine Beute konnte anlächeln, und stand auf, wobei er simultan ihre filigrane Hand ergriff und durch seine Gestik bedeutete ebenfalls aufzustehen.
Als sie dies getan hatte, schlang sich seine Rechte gekonnt um ihre Taille, um diese im gleichen Augenblick gegen sein Becken zu drücken. Diese körperliche Nähe war ein weiterer Schritt in dieser Abfolge kleiner Schritte, die in einem Vergnügen für beide würden enden - das stand für ihn schon fest.
Ein kurzes Wimpernzucken, ein Blick in ihre wunderschönen Augen und sein Verlangen mündete in einen leidenschaftlichen Kuss, welchen er ihr gab, welchen er genoss und welchen er nicht würde so schnell beenden wollen.
Die Gefahr von den selbigen Sklaven entdeckt zu werden, welche sie selbst von dannen geschickt hatten, war für ihn auf eine gewisse Art und Weise stimmulierend, anregend. Schon lange blickte er der puren Gefahr nicht in die Augen und auch wenn diese Gefahr im Vergleich zu der auf dem Schlachtfeld eine andere war, so war sie für ihn doch entscheidend, denn durch sie könnte er seinen guten Ruf, seine Freunde, seine Familie und nicht zuletzt sein angestrebtes Consulat verlieren. Und um dies zu verhindern, das entschied der Flavier in jenem Augenblick, würde er auch vor dem Äußersten nicht zurückschrecken.
So schnell wie diese Gedanken gekommen waren, so schnell waren sie auch hinweggefegt, denn das Verlangen erstreckte sich fortwährend über jeden Winkel seines Körpers.
Und so lösten sie sich nach einer Weile. Ein wenig außer Atem war er schon, denn solch eine pure Leidenschaft kostete auch ihn Kraft.
"Ich denke du bist die zum Leben erwachte Wollust, meine Schöne.", hauchte er ihr zu und gab ihr einen kurzen und leichten Kuss.
Leicht strich er ihr mit dem Daumen über das Kinn, er liebkoste sie, denn sie war nun sein für diesen Tag.