Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Warum sie das Pferd sehen wollte, von welchem er noch vor ein paar Augenblicken sprach, konnte er nicht einordnen. Vielleicht würde es ihm später, wenn es schon zu spät sein sollte, einfallen, dass sie von dem Pferd auf sein Alter schließen könnte. Aber nun dachte er an etwas anderes.
    Ihre weiteren Äußerungen kommentierte er bloß mit einem Lächeln. Worte waren hier, so meinte er, sowieso fehl am Platze, denn diese Stille und die Zweisamkeit wollte auch er nicht aufgeben.


    Ihre Reaktion war die, welche er sich indess erhofft hatte. Sie zog ihre Lippen nicht zurück, sondern kam ihm das kleine Stückchen entgegen, welches den weiteren Verlauf ihrer noch so frischen Beziehung bestimmen würde bis zum Schluss. Nun war die platonische Freundschaft gewichen, gewichen dem Verlangen nach dem jeweils anderen und der zur Fleisch gewordenen Versuchung. Noch nie machte dem Flavier etwas unerlaubtes solch eine Freude, ließ ihn innerlich erbeben. Noch nie brach er die Regeln der Moral und Sitte bewusst, dies war ein Novum. Ein Novum, welches lieblicher nicht schmecken konnte.
    Ihre Lippen waren seine Sünden und die Versuchung, welche er bislang innerlich gespürt hatte. Der zarte Kuss, welchem er einen leidenschaftlicheren folgen lassen wollte, wurde von ihr je unterbrochen und dem Flavier stand für einen Augenblick die Angst in den Augen geschrieben. Die Angst sie hätte es sich nun doch anders überlegt und der Versuchung widerstanden. Ihr Lächeln ließ ihn jedoch aufatmen.
    Der Satz jedoch, welchen sie so leichtfertig hatte an ihn gerichtet, löste ein ungehemmtes Verlangen nach ihr aus, welches vor keinem Auge, vor keiner anderen Störung würde halt machen wollen.
    So lächelte er, wie ein Raubtier nur seine Beute konnte anlächeln, und stand auf, wobei er simultan ihre filigrane Hand ergriff und durch seine Gestik bedeutete ebenfalls aufzustehen.
    Als sie dies getan hatte, schlang sich seine Rechte gekonnt um ihre Taille, um diese im gleichen Augenblick gegen sein Becken zu drücken. Diese körperliche Nähe war ein weiterer Schritt in dieser Abfolge kleiner Schritte, die in einem Vergnügen für beide würden enden - das stand für ihn schon fest.
    Ein kurzes Wimpernzucken, ein Blick in ihre wunderschönen Augen und sein Verlangen mündete in einen leidenschaftlichen Kuss, welchen er ihr gab, welchen er genoss und welchen er nicht würde so schnell beenden wollen.
    Die Gefahr von den selbigen Sklaven entdeckt zu werden, welche sie selbst von dannen geschickt hatten, war für ihn auf eine gewisse Art und Weise stimmulierend, anregend. Schon lange blickte er der puren Gefahr nicht in die Augen und auch wenn diese Gefahr im Vergleich zu der auf dem Schlachtfeld eine andere war, so war sie für ihn doch entscheidend, denn durch sie könnte er seinen guten Ruf, seine Freunde, seine Familie und nicht zuletzt sein angestrebtes Consulat verlieren. Und um dies zu verhindern, das entschied der Flavier in jenem Augenblick, würde er auch vor dem Äußersten nicht zurückschrecken.
    So schnell wie diese Gedanken gekommen waren, so schnell waren sie auch hinweggefegt, denn das Verlangen erstreckte sich fortwährend über jeden Winkel seines Körpers.
    Und so lösten sie sich nach einer Weile. Ein wenig außer Atem war er schon, denn solch eine pure Leidenschaft kostete auch ihn Kraft.
    "Ich denke du bist die zum Leben erwachte Wollust, meine Schöne.", hauchte er ihr zu und gab ihr einen kurzen und leichten Kuss.
    Leicht strich er ihr mit dem Daumen über das Kinn, er liebkoste sie, denn sie war nun sein für diesen Tag.

    Sie versuchte wohl die Abwesenheit der Sklaven mit einem ausgiebigen Gespräch zu überbrücken. Das verstand er sofort, als sie eine Frage nach der anderen stellte, sobald die Sklaven aus der Sichtweite entschwunden waren. Kurz lächelte er darüber, befand jedoch über die Fragen seines Gastes ein wenig zu sinnieren. Und selbst diese Zeit blieb ihm nicht, denn sie stellte noch mehr Fragen, so dass der Senator langsam versucht war die Hände in abwehrende Haltung zu bringen, um ihr wiederum zu bedeuten, dass die Aufnahmefähigkeit eines Mannes auch nur begrenzt war. Wie eine Vase voller Wasser lief auch er irgendwann vor Fragen über.
    So schüttelte er leicht den Kopf und versuchte die Fragen in ihrer gestellten Reihenfolge sachgemäß zu beantworten.
    "Ich war noch recht jung, als ich zur Legio ging, weil man damals auch als Patrizier durchaus zu de Fußsoldaten hatte gehen können. Kurz vor meiner Abreise schenkte mir mein Vater ein Pferd. Es war kein Gewöhnliches, schließlich war es pechschwarz und nicht sonderlich groß, doch dafür so schnell wie der Wind. Kein hiesiges jedenfalls. Ich gab ihm den Namen Anubis, wie den Gott des Todes der Aegypter, und fand nach einiger Recherche heraus, dass er aus Arabien kam, also dem heutigen südlichen Syria. Also konzentriere ich mich auf diese Pferdeart, wobei ich natürlich der Versuchung nicht hatte widerstehen können die heimische mit der syrischen Art zu kreuzen, was mir durchaus gelungen ist, wie ich meine. Und Anubis habe ich bis heute. Zwar ist er nicht mehr der Jüngste, doch immer noch recht schnell."
    Und nun kam ein Wort zur Sprache, welches den Moment hatte erschüttern können. Ihr Ehemann. Langsam beschlich ihn das Gefühl, dass diese Frau nicht aus freien Stücken seine Nähe suchen könnte, sondern durchaus von ihrer Pflicht als gute Ehefrau dazu genötigt werden konnte. Diesen Gedanken schob er jedoch recht schnell zur Seite. Er war zu abstrus, zu abwegig. Er schmeichelte dem Furianus nicht.
    "Du weißt recht wenig über mich.", antwortete er dann nüchtern, jedoch gefolgt von einem leichten Lächeln. Anschließend nahm er einen Schluck und holte danach ein wenig weiter aus.
    "Wenn du mich kennen würdest, wüsstest du, dass ich Princeps Factionis der Purpurea bin. Wenn ich nicht irre, ist es dein Ehemann ebenfalls. Darum sind wir sozusagen Konkurenten.", und das sicherlich nicht nur in dieser einen Hinsicht, dachte er bei sich.
    "Du und insbesondere er werden wohl verstehen, dass ich meine besten Pferde nicht der Konkurenz werde schenken wollen.", sagte er gepaart mit einem Augenzwinkern und als er gerade nähere Ausführungen hinsichtlich seiner Pferdeleidenschaft machen wollte, stieß sie fast mit ihm zusammen. Sofort hielt er inne und blickte ihr in die Augen. Ihre Frage nach seiner Frau nahm er kaum wahr, denn ihre Münder hatten eine Grenze überschritten, welche vorher stets gewahrt worden war. Ganz behutsam reckte er den Kopf ihr entgegen und flüsterte in kaum wahrnehmbarem Ton: "Ihr geht es sicherlich nicht so gut wie mir."
    Ein leichtes Recken noch, nicht einmal ein Digitus, und die Grenze des heißen Atems der beiden Münder wurde durchbrochen, als er seine Lippen auf die ihren legte. Leicht und vorsichtig war sein Kuss, doch nicht ohne eine gewisse Leidenschaft. In diesem kurzen Augenblick wartete er, ließ ihr den Freiraum vor ihm wegzuschrecken und diesen Augenblick ruckartig zu beenden, doch sowohl er ihr diese Chance gab, gab er ihr auch die seinen Kuss zu erwidern. Und in diesem Bruchteil eines Herzschlages erstarrte sein Brustkorb nicht vor Aufregung, nicht vor Leidenschaft, sondern vor der Spannung auf die nächsten Sekunden und ihre Entscheidung.

    Sie schien gänzlich unbefangen, insbesondere als sie sich federleicht auf die Kline warf. Ein wenig irritierte es den Flavier, denn er wusste nicht, ob sie diese Unbefangenheit nur in Anwesenheit ihrer Sklavin spielte und die Augenblicke wenige Minuten zuvor gänzlich verdrängt hatte oder ob sie wirklich eine von diesen Frauen war, welche solche Momente zu leichtfertig hinnahmen.
    Doch die Zeit für weitere Spekulationen wurde ihm genommen, als sie sich für kulinarische Würstchen entschied und dies in ihm gewisse Assoziationen zu erwecken anfing. Vielleicht spielte sie nur mit ihm und dieser Gedankengang betrübte ihn. Nicht aufgrund der dahinter stehenden moralischen Seichtigkeit des Tuns, sondern vielmehr aufgrund der Tatsache, dass er für gewöhnlich diese Rolle inne hatte. Er war der Spieler. In der Rolle des Opfers hatte er sich noch nie gesehen und wollte es nicht.
    So blieb er abwartend liegen und deutete mit einem leichten Nicken, dass die Sklaven abgehen und die Speisen entweder holen oder zubereiten sollten, während die beiden Herrschaften warteten. Er beschloss in diesem Moment den Unnahbaren zu spielen. Sicherlich beging er Fehler, doch niemals zweimal und so würde sie auf ihn zukommen müssen, wenn sie bereit für das war, was er sich vor ein paar Momenten wieder vor Augen musste führen - ein Bild der intimsten Zweisamkeit.
    "Nun, es kommt auf den Gang an.", nahm er das Gespräch dann wieder an, indem er auf ihre Frage zu antworten sich im Gemütszustand fühlte: "Der erste sollte deftig sein, sollte sättigen. Anschließend möchte ich gerne etwas Süßes, welches mich irgendwann vor Freude trunken in die Kline gleiten lässt, so dass ich vollkommen entspannen kann."
    Dass dies auch gewisse Assoziationen erwecken könnte, war ihm durchaus bewusst. Und er wusste auch, welche Süßigkeit er sich jetzt am liebsten gönnen würde. Etwas warmes würde es sein, etwas leichtes, was er mit einer gewissen Wonne würde sich schmecken lassen. Und dies zeigte er ihr mit einem charmanten Lächeln.
    Die Sklaven waren entschwunden und nun war er selbst in der Situation, in welcher er kein Drängen würde zulassen können. So nahm er vergnügt seinen Becher und trank einen Schluck. Dabei hatte der liebliche Wein seine Lippen mit einem dunklen Rot benetzt und er strich diesen lasziv mit seiner Zungenspitze.

    Knapp eine Woche nach dem dezenten Hinweis war nun vergangen und der Gesetzesentwurf des Flaviers nahm jeden Tag Gestaltung an.
    An einem lauen Morgen stand jener auch auf der Liste der zu behandelnden Themen, so dass der Flavier, nachdem ihm der amtierende Consul das Wort erteilt hatte, sich in die Mitte der Halle aufmachte.


    "Salvete, Kollegen!


    Wie schon aus der Rangordnung ersichtlich, ist es nun an mir euch den von mir initiierten Tagesordnungspunkt einzuführen.


    Es liegt uns nichts ferner, als unsere Gesetzestexte möglichst übersichtlich, transparent und für jeden Mitbürger verständlich zu halten. Zudem sollen alle Eventualitäten von unserem römischen Recht abgedeckt werden, dass dies eine Aufgabe ist, die an Utopie grenzt, muss ich nicht weiter ausführen.
    Und doch bemühen wir uns aus der inneren Verpflichtung heraus die Rechtsordnung stets zu komplettieren und darum stehe ich hier, aufgrund jener Verpflichtung.


    Und zwar bin ich zu der Einsicht gekommen, dass unsere Rechtsordnung die Geschäftsfähigkeit völlig ausser Acht lässt.
    Manigfaltige Beispiele in der Rechtsordnung belegen, dass diese Thematik verfestigt werden sollte, um weitere Rechtsstreitigkeiten und damit eine weitere Belastung für die ohnehin ausgelasteten Gerichte zu vermeiden.
    So habe ich einen Entwurf bei mir, welche, meiner Ansicht nach, alle Eventualitäten der Rechtsunklarheit in dieser Hinsicht zu beseitigen weiß. Der Name meines Gesetzes zur Geschäftsfähigkeit ist: Lex Flavia de operositas."


    Der Geräuschpegel stieg ein wenig, als die letzten Senatoren begannen die schon vorab ausgeteilten Kopien aufzurollen.


    Lex Flavia de operositas


    1 § über die Gültigkeit (de bonitas)


    Mit sofortiger Wirkung vom XXX tritt dieses Gesetz in Kraft.


    2 § Bestimmung (definitio)


    1. Die Geschäftsfähigkeit ist die Fähigkeit Verträge, Geschäfte und Pflichten aufzunehmen.
    2. Frauen sind keine Träger von Pflichten.


    3 § über die Geschäftsunfähigkeit (de infantia)


    1. Geschäfte von Geschäftsunfähigen sind nichtig.


    Geschäftsunfähig ist,
    2. wer das siebente Lebensjahr nicht vollendet hat (infantes).
    3. wer sich in einem dauernden Zustand geistiger Störung befindet (furiosi).


    4 § über die beschränkte Geschäftsfähigkeit (de impuberes infantia maiores)


    1. Geschäfte von beschränkt Geschäftsfähigen sind schwebend unwirksam und bedürfen der Zustimmung des Vormundes. Dies gilt nicht für Geschäfte, durch welche der beschränkt Geschäftsfähige lediglich bereichert wird.
    2. Beschränkt Geschäftsfähige sind keine Träger von Pflichten.


    Beschränkt geschäftsfähig ist,
    3. wer Sklave ist
    4. wer ein Verschwender (prodigus) im Sinne des Zwölftafelgesetzes ist.
    5. wer das vierzehnte Lebensjahr nicht vollendet hat (pubertas).
    6. wer unter einer Patria Potestas steht.


    Sim-Off:

    Die durch Klammern eingerahmten Begriffe sind insbesondere hinter den Paragraphen die genaueren Bezeichnungen.
    Ich habe beides aufgeführt, das Deutsche wie auch das Lateinische, ob man nun beides so stehen lässt, oder entweder das Deutsche (wie bei der Lex flavia de frumentationibus) wegstreicht, kann man ja dann noch kurz erruieren.


    Indess sprach der Senator unbeirrt weiter.


    "Ich habe bewusst die Negation gewählt, da sich die Einschränkungen bzw. die Unfähigkeit der Geschäftsfähigkeit besser darstellen lassen, als die Auflistung der jeweiligen Berechtigten.", mehr wollte er dazu nicht sagen, bevor die Kollegen nicht alles durch gearbeitet hätten.


    "Zudem würde ich einen zweiten Punkt der Debatte mit einführen.
    Und zwar finde ich es praktikabler und transparenter, wenn man einen Codex Commercialis erschaffen würden. In diesen mündet dann außer dieser Lex, so denn sie ratifiziert wird, entsprechende Lex Mercatus, Lex Flavia de frumentationibus, sowie die Lex Germanica Servitium, welche ich gerne mit in ein neues Gesetz über das Sachenrecht einfließen lassen würde, da Sklaven ohnehin in der allgemeinen Rechtsordnung wie übliche Sachen angesehen werden."


    Damit endete er und wartete auf Reaktionen sowohl hinsichtlich seiner Gesetzesvorlage wie auch zu dem Codex Commercialis, welcher für ihn quasi unabdingbar war, schließlich war die römische Wirtschaft ein großer Antreiber sowohl des kleinen Bürgers wie auch der höchsten Gremien dieses Landes durch die Steuern, mit denen das ganze zusammen gehalten wurde. Wenn es einen Codex Militaris gab, so hatte man einen Codex, welcher das Wirtschaftsleben regelte, unbedingt nötig, schließlich finanzierte man ein Reich nicht mehr durch Kriege, sondern vielmehr durch Steuern.
    Außerdem waren Bestandteile des Codex Iuridicalis, wie der Begriff der Sache, nicht geklärt. Das war nun auch wieder höchst erforderlich, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.

    Nippend an seinem Becher lauschte der Flavier dem Senator. Vor diesem fühlte sich Furianus sehr wohl jung, vielleicht nicht absolut jung, aber doch relativ zum Matinier.
    "Nun ja, dann solltest du dem ein Ende machen. Dass du zu alt dafür bist, kann man dir zwar vorwerfen und eine Gegenstategie wäre nicht so einfach, aber die Tatsache du seist verrückt ist recht leicht aus der Welt zu schaffen.", erklärte er in voller Überzeugung und glaubte selbst nicht an die Gerüchte, welche sich um den alten Matinier rankten. Schließlich schien er hier und jetzt bei vollem Verstand, zwar war die Reaktion auf das Angebot der Factioführung recht ungewöhnlich, doch man konnte sich mit diesem Mann gut unterhalten. Keine Anzeichen irgend einer Absonderlichkeit, was den Flavier doch dazu brachte über eine Gesetzesvorlage nachzudenken, die ihm länger im Kopf herum spuckte. Er würde sich noch heute daran setzen und etwas in diese Richtung erarbeiten. Mündigkeit, besonders hinsichtlich des Geschäfts, hatte in heutiger Zeit höheren Stellenwert als noch zu den alten Zeiten des Zwölftafelgesetzes.
    "Du hast aber Recht, Publius, ich werde demnächst kandidieren. Zumindest hoffe ich auf einen Erfolg dabei. Du weißt ja, dass nicht jeder mir wohlgesinnt wird sein können.", damit versuchte er schon einmal zu erforschen, was der verdiente Mann von ihm dachte. Es war ihm durchaus wichtig.

    In die Ferne blickte er, als sie ihm ihre Frage stellte. Vielleicht hätte eine Antwort genügend, die bloß ein Schulterzucken war, schließlich war dies eine von diesen Fragen, die Philosophen über Jahre hinweg erruieren.
    "Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Ich versuche es jedoch damit zu umschreiben, dass es eine giftige Liebe ist. Die Politik und ich.
    Wenn ich in ihr aufgehe, dann schwächt sie meinen Körper, fordert jedoch meinen Geist, auf der anderen Seite kann ich nicht ohne sie leben. Ich bin Lucius Flavius Furianus, ein Mann kaiserlichen Geblüts, geboren, um an Rom mitzubauen und diesem Reich zu dienen. Ich bin stolz, Tiberia Septima, und ich werde es mir nicht eher erlauben von Rückzug zu sprechen, ehe ich nicht kurz vor dem endgültigen Ende stehe."

    Und dieses Ende lag noch in ferner Zukunft, dachte er bei sich. Vor einiger Zeit erwartete, sehnte er sich nach dem Tod, doch seitdem er wieder einigermaßen gesund war, verflogen diese Gedanken.


    Eine eigenartige Stille lag über ihnen, vielleicht blendete der Senator die Geräusche auch nur aus, aber es war wie jenes Bild an den Triumphbögen, starr und in dem Moment verfangen.
    Und diese Stille endete jäh, als sie sich aus seiner Liebkosung entzog. Zuerst stand der Senator neben sich, doch nach einigen Schreckenssekunden, und als diese konnte er dies sehr wohl bezeichnen, musste er jedoch reagieren. Sie entzog sich ihm und der Mann, der gewohnt war alles zu bekommen was er wollte, konnte nicht anders als eine latente Wut zu entwickeln. Der Flavier wusste selbst nicht, ob dies eine Wut auf sie war oder auf ihn selbst, der sein Drängen hatte bis jetzt nicht ablegen konnte. Es war stets in ihm gewesen, das Unbedachte, Aufbrausende, das Schnelle und vor allem der Drang alles sofort und im Bruchteil der Zeit anderer zu bekommen und verlangen zu können. Vielleicht war diese Wut eine Mischung aus beidem, seinem und ihrem Wesen. Dem Flavier wurde schlagartig klar, dass er sich hier und jetzt hatte selbst bloßgestellt und vor allem bloßstellen lassen - und das von einer Frau.
    Seine Kiefer begann zu vibrieren, was nur davon zeugen konnte, dass er in latenter Wut seinen Kiefer zusammenbiss, wie er es schon immer getan hatte, wenn seine Wut unterdrückt und die Contenance gewahrt werden sollte. Aber er vermochte es nicht zu sprechen.
    Gerade in dem Moment, in welchem er sich nicht hätte beherrschen können und wohl etwas unüberlegtes getan hätte, vielleicht etwas Forderndes, legte diese Frau, die ihn noch vor einigen Augenblicken hatte in die höchsten Gefilde der Raserei entschwinden lassen, ihre Hand behutsam auf seine Brust.
    Wie vom Schlage getroffen erstarrte er und sein Atem setzte aus, die Worte einhauchte, welche sich in seiner Brust dermaßen einbrannten, dass diese ganze angestaute Wut wie von selbst entwich und er befreiter nicht sein konnte.
    Noch nicht, das waren ihre Worte. Das hieß für ihn nichts weiter als die baldige Erfüllung seiner Sehnsucht und sein drängerisches Gemüt fing an die Sekunden zu zählen, obwohl er dieses "noch nicht" kaum deuten konnte. Sprach sie von Minuten, Stunden, Tagen oder gar Wochen? Am liebsten hörte er Herzschläge, Sekunden, doch er wusste, dass diese Frau es nicht würde zulassen wollen, wenn er sie jetzt nahm.
    Und er wollte sie nehmen, denn nun hatte sie etwas in ihm entfacht, was über jegliches Verlangen bei Lucius Flavius Furianus hinaus ging. Nun machte er aus seiner Begierde ein Ziel, aus dem Verlangen wurde eine lebensnotwendige Erfüllung. Ohne diese würde er sich nicht zur Ruhe setzen können.
    So ergriff er galant ihre Hand, als sei nichts geschene, setzte die Maske vor den Sklaven auf, die er bereits erfolgreich getragen hatte - spielte den charmanten und galanten Gastgeber, einen guten Freund. Einen guten Freund mit für die Aufpasser arglistigen Gedanken, aber diese Aufpasser waren ihm herzlich egal, er würde selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Und ein paar Sklaven, die fehlten, mussten keinem Aureliern Kopfschmerzen bereiten, stellte er in diesem Moment fest.
    "Ich denke die Liebe zum Versteck beschränkt sich nicht nur auf Senatoren.", antwortete er ihr kokett mit einem verschmitzten Lächeln. Und nur sie war es, die diese eindeutige Zweideutigkeit würde erkennen können. Sklaven waren, so denn sie dies auch so genau wussten, nicht in der Lage solcherlei Gedankengänge zu verstehen, insbesondere, wenn es sich um Wilde handelte.
    Und zweifeslohne sahen ihre Sklaven wie einstige Wilde aus.


    So schritten sie gemeinsam wieder um das Haus herum und im Vorbeigehen wollte der Senator seinem Leibsklaven Anweisungen geben, welche und wie viele Speisen zu dem versteckten Ort hergebracht werden sollten, doch das war taktisch unklug. Er wartete also ab, bis sie den kleinen Hain am westlichen Flügel der Villa erreichten, der idyllisch war gelegen auf einer Erhöhung und von allen drei Seiten mit wildem Wuchs geschützt. Die offene Seite breitete die ganzen Felder vor den Augen der Anwesenden aus und man konnte, wenn das Wetter klar war, durchaus bis an das Meer schauen. Dreimal hatte sich dem Senator schon so ein Blick erkenntlich gezeigt, aber heute war kein solcher. Galant führte er seine Begleitung zu einer Klinengruppe, die aus Marmor gehauen und mit weichen Polsterkissen bestückt um ein Marmortischchen gruppiert war. Heute durfte sie ausnahmsweise liegen, wobei seiner Meinung nach sich dies in aller Öffentlichkeit für Frauen nicht ziemte. :P
    Er selbst legte sich neben sie auf jene Kline, die mit jener der Tiberia einen rechten Winkel bildete. So waren ihre Gesichter nur einige Zentimeter voneinander entfernt, so dass sie nicht über einen Tisch oder die ganze Klinengruppe hinweg miteinander reden konnten, sondern ganz ruhig und in besinnlich vertrautem Tone plaudern konnten. Bei dem Senator manifestierten sich im Laufe des Tages zwar gänzlich andere Bilder als die plappernder Gastgeber und Gäste, doch das musste man ja nun nicht wissen.
    "Hast du kulinarische Vorlieben?", fragte er dann ganz direkt, ehe er an seinem Wein nippte.

    "Ich wäre jeden Tag hier, wenn ich nur könnte.", säuselte er leise und bedächtig. Mehr zu sich selbst, als an sie gewandt. Gar eine Offenbarung, doch er würde dies nicht laut sagen wollen.
    Als sie hinab schritten, fragte sie ihn sodann nach seinen Reitkünsten. Ohne zu übertreiben konnte er das sicherlich bejahren.
    "Seit meiner Kindheit reite ich gerne. Ja, ich würde sagen, dass ich gut darin bin.", schließlich war dies auch keine Übertreibung und sah ihm nicht gerade ähnlich. Vielleicht hätte er ein wenig mehr sagen sollen, gestand er sich just in diesem Moment ein und bereute dies schon wieder.


    Gerade wollte er die Weite in sich aufnehmen, einen tiefen Seufzer der Zufriedenheit in die Lüfte entfliehen lassen, als seine Begleitung nach einem Getränk verlangte. Amüsiert drehte sich der Flavier um.
    "Cassander, zeige den Sklaven wo sie hier Wasser oder Saft finden.", wies er seinen Sklaven an, damit jene mit diesem abgingen. Nun entgingen sie den Höllenhungen des Tartarros. Zumindest kam ihm diese Sage nun entgegen und er blickte wieder gen der Weite.
    "Wie viele Tiere ich habe? Das weiß ich nicht genau. Es sind genug, um jeden einzelnen beim Namen zu kennen. Sie sind gut genährt, die Wiesen fruchtbar, ja."
    Doch dies war nun zur Nebensächlichkeit geworden. So blickte er sich gar ängstlich nach den Sklaven um, die nun verschwunden waren, ehe er sachte ihre Hand streichelte.
    "Hast du Hunger?", sagte er währenddessen und schaute sie vielsagend an. Das Feuer in seinen Augen loderte und sie musste einfach verstehen was er damit meinte. Er hatte es schon vor seinem geistigen Auge, ein Bild der Sinnlichkeit, wenn sie beide auf einer Kline lagen, gehüllt in den kleinen Hain, den er oft zum Speisen aufsuchte, ganz abgeschieden und entlegen. Ein bisschen Obst, ein wenig Wein und der Rest würde sich ergeben.
    Und damit sie ihn auch nicht missverstand, ergänzte er, ohne sich von ihren Augen zu lösen: "Ein Hain, versteckt in dem wilden Garten auf der linken Flügelhälfte des Anwesens. Ich würde mich freuen, wenn du mir Gesellschaft leistest."
    Seine Brust bewegte sich nun gut sichtbar schneller und überschritt hiermit die fragile Grenze der Intimität, als er sich ihr ein wenig näherte, so dass er ihren Atem gar spüren konnte.

    Die Frage mit den Rosen wäre unter anderen Umständen sicherlich unverfänglich, doch besonders in dieser Umgebung verstand der Flavier die Brisanz sofort. Leicht lächelte er und blickte ein wenig gen der Sonne.
    "Meist gehen sie bei mir ein. Ich bin wohl nicht so sanft mit ihnen, wie man sein sollte.", und ein keckes Zwinkern in ihre Richtung sollte der doch ein wenig scherzhaften Antwort den letzten Rest an Seriösität nehmen.


    Und auch jetzt lauschte er an ihrer Seite dem Zwitschern der Vögel, bevor er ihr ruhig zustimmte. Vielleicht gar im Flüsterton.
    "Meist weiß man erst, dass man etwas vermisst hat, wenn es vor einem steht.", und dabei blickte er ihr tief in die Augen, um wieder nach zwei Herzschlägen weiter zu gehen.
    Es war ein dringliches Verlangen, welches ihn nun gänzlich in den Bann gezogen hatte. Vielleicht waren es die Düfte um ihn herum, vielleicht ihr Duft, die Farbe der Rose oder doch eher das kräftige und sinnliche Rot ihrer Lippen? Er bemerkte, dass sein Körper drängte, doch sein Geist verlangte von ihm etwas ganz anderes. Er sollte die Contenance wahren, denn noch wartete er auf eindeutigere Zeichen, noch würde er nicht den Schritt wagen den nebligen Schleier, der die Intimität zwischen ihnen durchtrennte, zu entfernen. Noch befanden sie sich in einem der Gesellschaft üblichen Rahmen. Doch er selbst wusste nicht wie lange diesen Zustand er noch würde aushalten können.
    Langsam setzte er sich in Bewegung und zog sie damit unweigerlich mit.
    "Nun ja, Pferde sind auch meine Leidenschaft. Nur sind Blumen auf ihre eigene Art und Weise auch etwas Besonderes, quasi ein Gegenstück zu den kraftvollen und aufbrausenden Tieren in den Ställen. Dort finde ich die Freiheit und die Stärke, hier die nötige Stille und Besinnlichkeit."
    Langsam durchschritten sie den Garten und kamen an einen Säulengang, der sie auf eine Art Veranda führte, die einen weitläufigen Blick auf das Umland bot.
    "Und das hier ist die Weite, die ich so schätze. Ganz anders als das beengende Rom, geradezu majestätisch diese Hügel da vorne.", und ein Bild der Assoziation setzte sich in seinem Kopf fest, als er sie automatisch anblickte und dann im nächsten Moment krampfartig von ihren Erhöhungen gewandt werden musste. Es waren vollkommene Rundungen in seinen Augen und die Bändigung seiner Geister wurde zunehmend strapaziöser.
    Die Sklaven, welche ihnen noch immer folgten, nahm er nun jedoch wahr, als wären sie erst jetzt aufgetaucht. Und er fragte sich, ob sie ihr treu ergeben waren oder doch einer ihrem neuen Ehemann etwas berichten würde. Zweifelsohne waren sie Balast und mussten abgeschüttelt werden - am besten von ihr, doch er wusste nicht, wie er sie dazu bringen sollte.

    Mit einem kurzen Nicken gab der Flavier zu verstehen, dass er sich zu Wort melden würde.


    "Durchaus hätte ich noch einige Fragen an den Vertreter der Cohortes Urbanae.", er überflog noch kurz seine Notizen und wandte sich dann an den Centurio.
    "Centurio, wie kam es denn zur Ergreifung des Angeklagten? Wenn dies vertraulich ist und Informanten geschützt werden, so muss dies hier nicht weiter ausgeführt werden, doch wenn nicht, wäre es sehr hilfreich.
    Zudem erwähnt der Bericht nicht die Waffe, oder Waffen, so denn es zwei Messer waren. Hat man diese gefunden? Sogar an dem Opfer?"

    Wie stets quittierte er ihre Antworten mit einem freundlichen Lächeln und schritt, wie schon am Forum zuvor, mit geschwellter Brust an ihrer Seite. Ihre Anwesenheit schien ihn wie immer zu verjüngen und die Kopfschmerzen, welcher er seit dem heutigen Morgen hatte, waren quasi seinem Kopf entschwunden, als er sie sah. Vielleicht verdrängte er sie ja auch nur, er selbst konnte es nicht sagen.
    Ein lieblicher Luft umspielte seine Sinne. Sie musste Durftwasser benutzten, aber er konnte es nicht ganz zuordnen - es war vermutlich eine Mischung vieler Blumenextrakte und davon verstand er insbesondere als Mann recht wenig. Zwar parfümierte er sich auch, aber die Hauptsache bei seiner morgendlichen Toilette war es schnell und effizient frisch und gesund auszusehen. Bei ihr schien es anders zu sein, Frauen hatten da auch wesentlich mehr Zeit zur Verfügung.
    "Mein Anwesen möchtest du sehen? Nun, wirklich das ganze Anwesen? Dafür bräuchten wir den ganzen Tag und du ein besseres Schuhwerk.", sagte er lächelnd, während er zeitgleich an ihr hinunter blickte und auf die fein gearbeiteten und eleganten Sandalen hinwies, welche zwischen den ganzen Steinen und nicht geebneten Wegen sehr zu leiden hatten. Zwar hatte es seinen Reiz, wenn sie nicht mehr gehen konnte die Hübsche zu tragen, aber es erschien ihm doch ein wenig zu viel des Guten.
    "Gehen wir erst einmal in den Garten, er ist schuhfreundlicher, als die Ställe.", und er führte sie direkt in die Villa, wo sie das ganze Gebäude in der Höhe durchschritten und schließlich in dem kleinen Hortus, welcher im hinteren Gebäudeteil angesiedelt war, erreichten.
    "Dies ist einer der schönsten Orte hier. Ruhig und beschaulich, der Springbrunnen ist hier das Lauteste im Ensemble und die Vögel setzen sich auch zahlreich zur Ruhe. Siehst du die Rosen dort hinten? Die hat mir mein Vater aus Sardinia zugeschickt. Prächtig, nicht wahr? Er ist leidenschaftlicher Züchter dieser zierlichen Pflanzen und versteht sich darauf mehr als jeder Gärtner, wie ich meine."
    Vielleicht hatte wirklich jeder Mensch eine gewisse Ablenkung nötig. Er hatte sich bis dahin mit Pferden beschäftigt. Bis dahin, denn nun hatte etwas anderes seine Aufmerksamkeit und er erwischte sich in jenem Moment selbst, als er mit einem leichten Lächeln zu ihr hinüber blickte. Ganz verträumt vergaß er sich für einen Herzschlag und es war ihm außerordentlich unangenehm, so dass er den Blick rasch zur Seite wandte.
    "Und hier sind Pflanzen aus Hispanien. Diese musst du auch sicherlich kennen."

    Noch ehe der Sklave, welcher eindeutig die markanten Konturen eines Griechen trug, antworten konnte, zeichnete sich eine Silhouette am Eingang des Hauses ab und ein gut gelaunter Senator schritt, nicht gerade schlicht, in einer weißen Toga den Weg hinab, um seinen Gast zu begrüßen.


    "Tiberia Septima! Welch´Freude dich hier empfangen zu dürfen, nun kann selbst die trübe Sonne den Tag nicht verderben.", was sie wohl auch nicht vor hatte, schließlich stand sie majestätisch golden leuchtend über ihnen und ließ keine einzige Wolke Schatten werfen.
    Der Flavier verbeugte sich kurz galant vor der jungen Dame und bot ihr seine Hand an.
    "Du musst sicherlich ein wenig erschöpft sein. Möchtest du kühles Quellwasser, kalten verdünnten Wein oder gar kalte Milch?", schließlich kannte er ihren Geschmack in dieser Richtung noch nicht. Und da sie sich hier auf dem Land befanden, so konnte man annehmen, dass sie vielleicht auch gute Milch zu schätzen wusste. Schließlich tat es der Flavier selbst ab und an mal. Und die Betonung, dass alles kalt sein konnte, hatte der Senator bewusst gewählt. Wer konnte schließlich behaupten in seinem Hause Eis zu haben, welches von den Berggipfeln bis hierher tagein und tagaus transportiert werden musste?
    Zusammen mit ihr schritt er den Weg hinauf.
    "Ich bin wirklich froh, dass du heute mein Gast bist. Es ist oft einsam hier. Und so einen schönen Tag verbringe ich doch lieber mit einer reizenden Begleitung, anstatt alleine."
    Ja, es war recht beschaulich und ruhig. Weit von Rom. Und respektive den Sklaven gab es hier nur seine Pferde und ein kleines Gehöft in der Nähe, welches auch ihm gehörte und frische Lebensmittel liefern konnte.
    Die Sklaven, die mit ihr gekommen waren, beachtete der Senator nicht. Wie immer waren sie für ihn nur Gegenstände.

    Eine große Last fiel von seinen Schultern, als Agrippa zustimmte.


    "Das freut mich. Ich bin jedenfalls gerene bereit einige Pferde beizusteuern, wenn die Purpurea in Not ist. Ich habe ein Gestüt vor den Toren Roms.", sagte er, nachdem er das erste Mal an seinem Becher nippte.
    "Was ich dich schon seit geraumer Zeit fragen wollte ist, ob du noch einmal in die Politik drängen wollen würdest?"
    Schließlich war dies ein ehemaliger Censor.

    Überrascht, dass der Senator keinerlei Reaktion darauf zeigte, ließ der Flavier einige Sekunden verstreichen, bevor er mit einem Nicken bejahte.
    Ein wenig beleidigt war er darob schon, war dies Angebot doch recht barsch gewesen und traf ihn vollkommen unvorbereitet. Eine kleine Reaktion wäre da sicherlich angebrachter gewesen.

    Ad
    Imperator Caesar Augustus
    - zu Händen des Kaisers höchstselbst -



    Heil dir, mein Kaiser!


    Wie in jedem Jahr, so hat die Gemeinschaft der Arvales Fratres für den Schutz und die Gesundheit deiner Familie wie auch dir selbst den Göttern ein Opfermahl dargebracht. Da dies mit einer Litatio abgeschlossen worden ward, so sind wir auch dieses Jahr erfolgreich gewesen.


    Dir, Caesar, sind die alten Riten und Bräuche unseres Reiches wohl vertraut, so dass du weißt wie wichtig es den Bürgern, und auch uns ist, diese zu wahren und zu behüten. Darob schreibe ich dir als Magister der Arvales Fratres.
    Seit Divus Augustus ist es Brauch und Sitte, dass der amtierende Imperator Caesar Augustus ein Mitglied unserer Gemeinschaft ist. Dein gnädiger Vater, Divus Iulianus, wie auch sein Vater und dessen Vater waren ständige Mitglieder der Arvales Fratres.
    So entsende ich dir in meiner Funktion als Vertreter der Bruderschaft die Bitte, die alten Bräuche und Riten zu wahren und sich uns anzuschließen, wie es die Tradition gebührt.
    Ich bin mir sicher, dass dies Zeichen der Solidarität und Besinnung auf unsere Ahnen ein deutliches wird sein können und die Götter weiterhin wohlwollend die schützende Hand über unser aller Volk halten.


    Mögest du Weiterhin in Weisheit, mit gerechter Hand und von den Göttern behütet unser aller Schicksal leiten, Frater Arvales.


    Der Götter segen und unser aller Wohlwollen,



    gez. Lucius Flavius Furianus
    Magister Arvales Fratres
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    Metaphern, die von seinem Vetter Gracchus eingeleitet, schienen nun den weiteren Verlauf zu bestimmen. Dem wollte sich der Flavier nicht entziehen und dachte an den Mörtel, den die Aelier zu dem ersten Pfeiler würden beisteuern müssen.
    Die ulpische Herrschaft zu sichern war ein großes Zugeständnis, schließlich bedachte der verstorbene Kaiser einst ein Kind flavischen Schoßes damit seine Nachfolge anzutreten. Die Sicherung des aelischen Thrones, als nichts weiteres sah es der Flavier an, wäre den Aeliern also was wert gewesen? Es war ihm, wie auch seinem Vetter Gracchus, fern solch ein Zugeständnis an irgend eine vergangene Fehde zu knüpfen, geschweige denn diese als Bezahlung dafür zu halten. Nein, es musste etwas sein, von dem die künftigen Generationen, wenn nicht schon diese, zehren konnten. Wenn sie um ihre Ambitionen den Thron betreffend beseitigt wurden, mussten die Aelier dafür etwas Gewichtiges in die Waagschale werfen. Was es sein sollte, konnte sich der Flavier konkret nicht vorstellen.
    Sein erster Gedanke war ein flavischer Rex Sacrorum, doch sah sich Gracchus selbst aus dem Vorgespräch nicht in der Lage dergleichen auszufüllen. Und dem Furianus selbst fehlte der religiöse Eifer dazu - Piso hingegen war zu jung und stand noch vor seiner Karriere.
    Er selbst visierte nur das Consulat an, was jedoch kaum die Interessen der gesamten Gens abdecken konnte. Zudem war dies recht persönliche Ziel auch ohne die Hilfe der Aelier möglich.


    "Dieser erste Pfeiler der flavischen Vertreter erfordert meiner Meinung nach einen starken aelischen Mörtel.", entgegnete er sodann recht vage.
    Die Frage war nun, was die Aelier imstande waren zu geben, damit die Flavier sich öffentlich für die Sicherung des Kaiserthrones aussprachen und damit auch andere alte Geschlechter mit sich in diese Richtung zogen.
    Langsam glitt sein Blick zu seinem Vetter, ob denn dieser seinen Satz würde fortführen können. Piso hatte er dahingehend noch nicht bedacht, war er doch zu jung, um solch Evidentes zu entscheiden.
    Auf der Zunge lag ihm noch seit geraumer Zeit ein Vorschlag, der jedoch kaum nur der Gens ein Anliegen war. Eine öffentliche Abkehr der Aelier von den Frevlern der Germanicii kitzelte seine Zunge, doch auszusprechen dies traute er sich indess noch nicht. Es war auch ein Ansinnen der Tiberier und somit würde er diesen Mörtel nicht so leicht verbrauchen wollen - vielleicht war es auch ein wenig zu viel des Guten, war Quarto schließlich mit einer aus dieser Sippschaft verheiratet, auch wenn nicht blutsverwandt.

    Ein leichter Schauder schlich sich ein, als sie bejahte zu kommen. Der Flavier war sichtlich erregt, versuchte jedoch dies durch seine stets perfekte Fassade der Gleichgültigkeit zu verbergen. Bald würden sie quasi alleine sein und er hatte damit die Chance, nur die Chance, denn Sicherheit gab es nie, dieser jungen Frau näher zu kommen. Seine Geister wurden wacher, auch wenn er nur daran dachte. Und sicher wäre sie nicht abgeneigt, denn er bemerkte oft, dass sie seine Nähe suchte und ihn wohl für bewundernswert hielt, vielleicht nicht ob seiner Erscheinung, wohl eher ob seines Standes, seiner Erfahrung, seiner Macht - vielleicht sah sie in ihm auch nur den Vater, den sie nie hatte. Aber das war ihm letztlich egal, denn das Entscheidende war die verjüngernde Nähe dieser Frau, sein Jungbrunnen. Flavius Furianus wäre nicht er selbst, hätte er an einer näheren Beziehung mit dieser Frau keine egozentrischen Vorteile gezogen. Sie hielt ihn jung und das gab ihm die Kraft, die er zur Zeit brauchte.
    Ein kurzes Lächeln zu ihr, ein freundliches und ehrliches, unterstrich seine Freude, die er zu verbergen versuchte so gut es ging.
    "Mir gefallen nicht die schönen Dinge ihrer Schönheit wegen, sondern ihrer Seltenheit. Schließlich ist es nur wenigen Auserwählten bestimmt in diesen Genuss zu kommen, was wiederum eine Exklusivität darstellt. Ich würde eher sagen, dass ich dem Exklusiven zugetan bin.", und er schloss sie mit ein.
    Sie würden nicht viele Männer berühren können und das war mitunter ein so großer Reiz wie ihre Schönheit.
    "Ich freue mich, dass du meine Einladung gewillt bist anzunehmen. Ich schicke eine Sänfte mit einem kundigen Sklaven zu deinem Domizil."
    Und das war nicht nur eine nette Geste, sondern würde vermutlich den Gesprächsstoff eindämmen können, wenn eine flavische Sänfte mit nur zwei Damen zu einer flavischen Villa fuhr, als eine tiberische. Und der Sklave würde Stillschweigen bewahren - unter Einsatz seines Lebens.
    Sie würde sehr gerne kommen. Bei diesen Worten hätte der Flavier, so denn er in vertrauter Einsamkeit schwelgen würde, wohl jetzt ein breites Grinsen aufgesetzt oder sonstwie seinen Freudentaumel kund getan, doch in der Öffentlichkeit wahrte er eisern seine Maske. Er nickte ihr freundlich zu, mehr bekam sie nicht, obgleich er sie, ganz im alten jugendlichen Eifer, am liebsten in eine dunkle Seitengasse gezogen hätte.
    Stattdessen beherrschte er sich und hielt schließlich auf die Sänften zu, die ein wenig abseits wurden vor ihnen getragen.
    "Es tut mir sehr leid, aber ich muss noch dringende Geschäfte erledigen. Ich bedanke mich für diesen schönen Spaziergang und bin voller Vorfreude auf deinen Besuch, Tiberia Septima.", fing er dann gekonnt an, ehe er sich von ihr löste, was ihm schwerer fiel als damals das Training bei der Legion, um sich kurz zu verbeugen.
    "Es war mir eine große Freude, komme gut nach Hause.", anschließend entglitt er ihren Blicken, stieg in seine Sänfte und es ging gen dem Gerichtsgebäude.

    Leicht ertappt fühlte er sich ohnehin, als sie nun doch so direkt antwortete. Natürlich war ihr aufgefallen, dass er sich um die Antwort wand wie eine Katze vor dem Wasser. Es hätte auch seine Laune gänzlich verdorben, würden sie nun darüber sinnieren, ob sein Alter schon als alt galt oder noch verträglich war. Also nickte er ihr lächelnd zu und nahm dies so hin. Mehr würde er dazu auch nicht sagen.
    Sie hatte durchaus recht, er fühlte sich um Dekaden jünger. Ganz zu schweigen diese Blicke, er achtete besonders hierauf. Nicht auf ihre, sondern auf jene, welche ihm von anderen zugeworfen wurden. Mochten sie denken, was sie wollten, mochten sie ihm unterstellen er würde gänzlich auf sein Geld oder seinen Status reduziert, so sagte doch sein triumphaler Blick etwas anderes. Er war sich bewusst, dass sie ihn beneideten und er wollte sie alle spüren lassen, dass diese schöne Frau an seiner Seite seine Beute sein würde. Im übertragenen Sinne, aber das musste wiederum auch nicht erläutert werden, ihm genügte es die neidvollen Blicke zu ernten, die er durch die Schönheit an seiner Seite zu hauf erhielt.
    Die Libelle gefiel ihr also und er nahm dies Schmuckstück fachmännisch in die Hand, beäugte es und nickte.
    "Wunderbare Arbeit. Filigran und doch so gut gearbeitet, dass sie nicht nach einmaligem Benutzen zerfallen sollte."
    Und dann übermannte es ihn. Kurzerhand blickte er sie lächelnd an und steckte die Libelle forsch, jedoch behutsam und gar liebevoll, in die Haare seiner Begleiterin.
    "Wundervoll.", entgegnete er mit einem Lächeln, als er Septima mit diesem Schmuckstück sah. Sogleich hob er die Hand: "Ich bestehe darauf, dass du mir die Freude zukommen lässt dir dies als Geschenk zu machen. Es wäre gänzlich ein Frevel gegen die Ästhetik, wenn ich diese Libelle aus deinem Haare entferne."


    Sim-Off:

    Angebot in der WiSim annehmen bitte. ;)


    Ein Sklave, welcher ihnen unbemerkt gefolgt war, rechnete währenddessen mit dem Händler ab. Für solche Gelegenheiten hatte dieser immer ein Beutelchen mit Goldmünzen dabei, schließlich war es nicht selten, dass den Herrn die Kauflust packte. Dessen Finger, die mit goldenen Ringen schmuckvoll verziert waren, zeugten oft davon.
    Flavius Furianus war stets ein Mann gewesen, der auf sein Auftreten achtete. Stets trug er die Zeichen seines Standes, war gar oft ein wenig zu elegant gekleidet und schätzte die feinen Dinge wie Goldringe und eine gute Rasur. Dafür nahm er sich gerne die Zeit - und das Geld.


    Bevor sie ihren Protest entgegnen konnte, reichte er ihr seine Hand, um anzudeuten, dass sie weiter den Weg flanieren konnten.
    Dass sie das politische Gespräch nun für beendet erklärte, stimmte ihn umso froher, schließlich befand er schon immer, dass dies nichts für Frauen war. An ihre Antwort musste er jedoch anknüpfen, zu verlockend schien dieser günstige Satz.
    "Eine cena? Nun, die nächste Möglichkeit wäre...nein, das geziemte sich wohl nicht.", haderte er kurz, bevor er fortfuhr: "Die nächste Möglichkeit wäre in zwei Wochen auf meiner villa suburbana vor den Toren Roms. Du musst nämlich wissen, dass ich schon immer eine Leidenschaft für Pferde pflegte und vor den Toren Roms meine Pferde halte. Meine Gemahlin versteht dies nicht, wenn ich einmal im Monat hinaus fahre, um dort nach meinem Besitz und den Tieren zu schauen. Aber es ist für mich wie ein kurzer Urlaub, sogar angenehmer als in Baiae. Ich halte auch hispanische Pferde, schließlich war ich ja Statthalter und habe in dieser Hinsicht oft viele Geschenke solcher Art erhalten.
    Aber ich fürchte, dass solch eine cena vor den Toren Roms dir nicht zusagt, zumal dies auch schnell zu unvorteilhaftem Gesprächsstoff ausarten könnte."

    So große Bedenken, die er hegte, hatte der Flavier im Grunde nicht. Keineswegs. Schließlich war so eine Einladung unverfänglich, die junge Tiberia konnte auch mit einer Matrone anreisen, welche in gesellschaftlicher Hinsicht eine Aufsichtfunktion inne haben könnte. Dass man diese schnell ablenken oder abschütteln konnte, musste niemand wissen. Kurz begegnete er ihren Augen und hoffte sie würde seine wahren Absichten darin nicht erkennen. Schließlich brannte es in ihm und die einzige Tatsache, die ihn vor Fehlern bewahrte war seine gesellschaftliche Stellung und ihre Beziehung zu Durus. Sie war ihm anvertraut und der Flavier sein bester Freund, zumal verheiratet. Und doch loderte es und er begann Fantasien zu spinnen von lauwarmen Abenden unter Kerzenlicht in einem der verborgenen Zimmer seines Landhauses.
    Der Unschuldige, den er vorgab, war er schon lange nicht mehr.

    "Über diese Personalie kann ich mir kein Urteil erlauben, dafür kenne ich ihn zu wenig.", entgegnete der Flavier trocken.
    Cyprianus konnte durchaus einen Gegenpol mit Vescularius bilden. Diese Sorge dem Quarto zu implementieren war durchaus zu begrüßen. Dafür konnte er aber nicht alleine solche Kommentare von sich lassen, denn langsam schien die Skepsis zu überwiegen. Und wenn das geschah, wurde seine Glaubwürdigkeit zu recht angezweifelt. Ein wenig Unterstützung hinsichtlich der desolaten Position des Kaiserhauses hätte er doch gerne gehabt.


    Also schmeckte er ab und an die Speisen ab und verhielt sich dezent.

    Nach dieser höchst amüsanten Frage musste der Flavier ehrlich lachen. Natürlich würde er sich in ihrer Gegenwart als alt bezeichnen, aber das wäre völlig unschmeichelhaft - zumindest für ihn. Außerdem trug dies schwerlich zur Stärkung seiner Position bei, also entgegnete er - in seinen Augen jedenfalls - recht geistreich:
    "Weißt du, wenn man über Jahre hinweg in einer Kammer voller Greise sitzt, die über die Götter und die Welt debattieren, dann fühlt man sich recht alt. Aber wenn ich mit dir an meiner Seite durch die Straßen Roms schreite, so fühle ich mich in meinen besten, jugendlichen Jahren. Man ist so alt, wie man sich fühlt, denke ich."
    Eine gute Antwort, welche sogleich die ultimative Antwort nach seinem Alter gekonnt umschiffte. Also sagte er erst einmal nichts und konterte dann doch.
    "Wir alt ich bin? Wie denkst du denn? Nach welchem Alter komme ich denn?"
    Eine grandiose Antwort, welche ihn innerlich geradezu kichern ließ. Nun hatte sie die Bürde auf ihren Schultern und würde ihn sicherlich nicht älter machen, als er war, wohl eher deutlich jünger, auch wenn es nur der Höflichkeit halber sein sollte. Darauf würde er dann stillschweigend lächeln und alles auf sich beruhen lassen. Dann würde sie nie mehr fragen und er müsste sein wahres Alter nicht preis geben. Die Strategie war geboren, nun musste sie nur noch in die Richtung gehen, in die er sie latent geschubst hatte.


    Das Klimpern ihrer Ohrringe brachte seine Aufmerksamkeit, welche für einen kurzen Moment einer vollbusigen blonden Schönheit galt, wieder zu ihr. Wieder setzte sich geschmeichelte Züge fest, als sie sein Drängen durchaus für realistisch befand. Vielleicht würde er dies ein wenig mehr in ihrer Gegenwart kund tun können - das machte immerhin jünger. Zumindest wirkte man jünger.
    "Vielleicht ist dies aber auch meine Taktik, wer weiß das schon. Vielleicht zügele ich mich nur, bin ein Wolf, welcher sich das Schaafsgewand hat angelegt, um im richtigen Moment die Zähne zu zeigen.", antwortete er mit einem kecken Grinsen im Gesicht und steuerte mit ihr auf einen Laden zu, dessen lauthalsiger Verkäufer Schmuck jeglicher Art und Coleur anbot.
    "Gefällt dir etwas davon? Gold ist schön, an einer Frau ist es atemberaubend und doch unterstreicht es nur die Schönheit einer Frau, es macht diese nicht aus."
    Nun begab er sich auf ein recht unbekanntes Territorium. Schmeicheleien, das Bezirzen durch Geschenke und anderweitige Gefälligkeiten war terra incognita für ihn. So etwas gab es zuvor nie in seinem Leben. Vielleicht lag es auch daran, dass er sich damals in seinen besten Jahren für die Politik mehr erwärmen konnte, als Röcken hinterher zu laufen.


    Die politische Antwort auf ihre Frage war doch ein wenig difficiler, denn er musste ein wenig nachdenken, ehe er Antwort hab. Vielleicht bemerkte sie es auch nicht, schließlich glänzte hier so viel.
    "Die Betrachtung muss von beiden Seiten erfolgen, finde ich. Wenn man dem Statthalter nun die Freiheit gibt, sendet dies gewisse politische Signale aus. Ist der Stab eines Statthalters dann verhältnismäßig groß, beansprucht dieser natürlich viele Personalkosten für sich, auch wird von Kontrahenten wohl die Ansicht vertreten, dass ein Statthalter, der sich einen großen Stab hält somit die eigene Inkomptenz retuschieren wollte. So eine Behauptung würde sich keiner von uns gefallen lassen - es ist mitunter auch ein Politikum. Außerdem könnte man das nicht frei überlassen, irgendwo muss der Aspekt der Kontrolle ebenfalls mit hinein wirken, sonst würde dies ausufern. Auch Vetternwirtschaft wäre somit begünstigt. Für einen Statthalter wäre es somit auch kein Problem ein Amt für einen Klienten oder Verwandten zu schaffen, nur um diesen zu beschäftigen oder zu fördern. Willkür wäre an der Tagesordnung.
    Auf der anderen Seite spricht vieles, wenn es optimal läuft, dafür den Bedarf an Personal dem Statthalter selbst zu überlassen.
    Derzeit wird das strikt vom Gesetz geregelt. Vielleicht ist es an der Zeit diese Regelung zu überarbeiten - oder die Provinzen selbst. Wir werden sehen, in welche Richtung der Senat tendiert. Ich persönlich könnte mich für beides erwärmen."