[Blockierte Grafik: http://img175.imageshack.us/img175/3885/priestervj9.jpg] | Sacerdos Militaris
Als endlich alle erschienen waren, trat der leitende Sacerdos, der unter seinem Mantel eine rote Soldatentunika trug, hervor. Anders als in Rom war dies ein Feldgeistlicher, der neben seinem Priesteramt in den Schlachten den gleichen Dienst verrichtete, wie ihn die gewöhnlichen Soldaten versahen. Doch nebenbei war er vertraut mit religiösen Praktiken und so war es seine Aufgabe, die diesjährige Saturnalienfeier zu übernehmen. Da er die Männer aber kannte, hatte er das lange Ritual, das in Rom abgehalten wurde, geschickt gekürzt, bevor jemand einschlief.
"Willkommen zu den Saturnalia!
Der Kreis des Jahres teilt sich in vier Teile, und in den Ländern unserer Heimat und unserer Provinzen ist die dunkle Zeit von der Sommersonnenwende zur Wintersonnenwende die Zeit zu pflügen und den Boden zu bestellen und den Samen auszustreuen.
Wenn dies getan ist ruhen die Menschen aus in der Winterzeit, bis zur Rückkehr der Sonne.
Drei alte Götter werden in dieser Zeit geehrt: Saturnus, Ops und Consus sind ihre Namen.
Nun hört den Mythos von Saturnus' Herrschaft:
Lange bevor unsere Väter lebten, herrschte Saturn gemeinsam mit Ops, seiner göttlichen Gemahlin, über alle Götter und Menschen.
Als sein Sohn Iuppiter jedoch die Herrschaft übernehmen wollte, trat Saturnus nicht beiseite und wurde geschlagen. Gemeinsam mit seinem Weib segelte er dorthin, wo unsere Väter einst ihre Stadt, das mächtige Rom erbauten.
Er lehrte unsere Väter alle nützlichen Künste, die Jagd und den Ackerbau, aber auch Münzen zu schlagen und zu verwenden."
An dieser Stelle hörte man ein rauhes Auflachen aus den Reihen der Legionäre. Etwas wie "Das hab'n meine Väter besonders gut gelernt" war zu hören, dann hatte der zuständige Centurio wieder für Ruhe gesorgt.
"Seine glückliche Herrschaft wurde das Goldene Zeitalter genannt und niemand litt Not, sondern teilte alles mit seinem Nachbarn, sodass niemand lügen, stehlen oder kämpfen musste.
Doch schließlich verließ er sein Reich, um die Herrschaft abzugeben und er bestieg ein Schiff nach Hyperborea, wo er jetzt schläft.
In dieser kältesten Zeit des Jahres gedenken wir also jenem alten, goldenen Reich und erwecken den guten König, um ihn erneut zu uns zu bitten. Möge er mit uns jene kurze Zeit leben und feiern!
Bona Saturnalia!"
Damit war die Saturnalienansprache beendet und die Soldaten konnten einen Augenblick über die Worte nachdenken - oder einen Schluck Wein nehmen, falls sie ihn in die Principia geschmuggelt hatten.

SACERDOS - LEGIO II GERMANICA