Seit dem ersten Treffen zwischen Heila und Crispus war bereits mehr als ein Jahr vergangen. Viele Treffen hatten seit jenem Date in der Basilica stattgefunden und die Liebe war entflammt. Heila hatte den Optio ihren Eltern vorgestellt und obwohl der Sigubald den Römern gegenüber eher misstrauisch war, hatte Crispus Anschluss an die germanische Familie gefunden. Besonders die Mutter hatte ihm dies erleichtert.
Schließlich war Crispus zum Centurio gemacht worden und als der frischgebackene Offizier die ersten Anteile an seinem Sold für seine Freundin abgeliefert hatte, hatte deren Vater seine Abneigung gegen römische Soldaten langsam abbauen können und den Petronier in seiner Familie geduldet, wenn auch nicht vollständig akzeptiert.
Wie so oft führten die Schritte des Centurio nach der Schreierei auf dem Exerzierplatz direkt ins die Außenbezirke Mogontiacums in die Töpfergasse. Diese lag nahe dem Rhein, weshalb Crispus die gesamte Stadt durchqueren musste, um dorthin zu gelangen. Mit einer freundlichen Begrüßung der Mutter im Vorbeigehen trat er ohne zu fragen - darüber war er hinaus - durch die Verbindungstür in den Wohnbereich des Hauses.
-------------------------------------------------------------------
| Heila
Heila war gerade dabei, mit einem Reisigbesen den Tonstaub, der sich ständig in den Gang zwischen Hinterhof und Laden legte, zusammenzukehren. Den ganzen Tag hatte sie gekocht, eingekauft, geputzt und Mutter im Laden geholfen. Dementsprechend sah sie ein wenig schmutzig aus.
"Heile, Marcus!"
grüßte sie ihren Quasi-Ehemann freundlich und fragte sich, ob das Geburtstagsgeschenk des Kaisers bereits bei diesem angekommen war. Dem Haus fehlte der eine oder andere Ziegel und da würde das Geld ganz recht kommen.
-------------------------------------------------------------------
"Heile, Heila!"
grüßte Crispus zurück und drückte der Germanin einen Kuss auf die Lippen.
"Wie war'n die letzten Tage? Ich hatt' keine Zeit - die neuen Probati!"
Genaugenommen hatte Crispus nicht wirklich so unglaublich viel zu tun, aber zum einen hatte er sein Donativum etwas ausgeben müssen - sonst würde Heila es noch schneller los sein, als er 'Exerzierplatz' sagen konnte - zum anderen war seine erste Verliebtheitsphase vorbei und er musste das Treffen mit der Geliebten immer mit den Versuchen des Vaters, den Centurio zu einem Töpfer zu machen, abwägen. Und außerdem hatte er eigentlich wirklich vie zu tun gehabt...
-------------------------------------------------------------------
| Heila
Sie stellte den Besen beiseite und stemmte die Fäuste in die Hüften. Mit anklagendem Blick sagte sie
"Marcus, es ist höchste Zeit! Unser Dach ist undicht und Papa ist krank."
-------------------------------------------------------------------
Nachdenklich kratzte sich Crispus am Kinn.
"Aber es hat doch eh' nicht geregnet."
Manchmal waren Frauen und ihr Anhang wirklich unangenehm - Laelius hatte es ja immer gesagt: "Frauen sind nur sinnlos investiertes Geld!"
"Aber hier..."
Er warf den Sack, mit dem er vor wenigen Tagen sein Donativum abgeholt hatte, auf den Esstisch und setzte sich auf die Eckbank. Selbstverständlich war der Sack beiweitem leerer als an dem Abend, an dem er mit dem Tribun getrunken hatte, aber es war noch ein anständiges Zusatzhaushaltsgeld.
-------------------------------------------------------------------
| Heila
Ihre Augen leuchteten geradezu auf, als sie den Sack verbunden mit dem Klimpern in dessen innern erblickte. Nicht, dass sie Marcus nur des Geldes wegen geheiratet hätte - aber was wollte der schon damit in seinem Castellum, wo ohnehin alles umsonst war? Vater jammerte oft genug, dass er sie nun nicht mehr verheiraten konnte und sie überhaupt ständig durchfütterte - dabei brachte Marcus weitaus mehr Geld ins Haus als es ihr Vater wohl jemals können würde!
Sie nahm neben ihrem Geliebten Platz und seufzte zufrieden.
"Weißt du eigentlich schon 's neuste? Iska hat tatsächlich Knuz den Spinner geheiratet! Und dabei hat Nandrad nicht'mal 'ne ordentliche Munt zu bieten!"
erzählte sie munter von einer Hochzeit in der Nachbarschaft.
-------------------------------------------------------------------
Crispus kannte Iska tatsächlich, aber Knuz sagte ihm überhaupt nichts. Allerdings interessierte ihn all das kaum, denn er war heute erstaunlich müde. Vielleicht würde er sogar vor seiner Rückkehr ins Castellum ein kleines Schläfchen halten - vielleicht sogar mit Heila zusammen? So erzählte Heila noch eine ganze Weile Neuigkeiten aus der Stadt und Crispus hörte mehr oder weniger zu...