Beiträge von Marcus Petronius Crispus

    Endlich war es Abend und Crispus saß bei seiner Öllampe. Er würde nur noch an Avitus schreiben, dann ging es ins Bett - morgen musste er wieder Soldaten zusammenschreien!


    Ad
    Primus Pilus L Artorius Avitus
    Legio I Traiana Pia Fidelis
    Mantua, Italia



    Crispus Avito s.p.d.


    Tiberius Vitamalacus ist wieder bei der Armee? Richte ihm meine besten Grüße aus. Habe lange nicht mehr von ihm gehört, obwohl er angeblich mein Patron ist. So wie ich ihn kenne, wird er dir die meiste Arbeit auf dem Exerzierplatz abnehmen - er liebt den Campus!


    Bei uns im hohen Norden geht es geruhsamer zu als bei euch. Scheinbar hat sich herumgesprochen, dass es hier tatsächlich Arbeit bedeutet und einem nicht wie im schönen Mantua die gebratenen Hühner in den Mund fliegen und die Legion den ganzen Tag auf dem Campus liegt und die Sonne genießt. Aber Spaß bei Seite. Nicht nur innerhalb der Legion, auch außerhalb ist es völlig ruhig, auch wenn es wohl bald einen neuen Kommandeur gibt. Ich kenne ihn nicht, aber er soll nicht gerade der größte Krieger aller Zeiten sein, so wie Decimus Meridius. Der alte Haudegen wird jetzt sicher von seiner Beute leben und sich ein kleines oder großes Gut in Misenum kaufen. Naja, eines Tages schaff ich sowas vielleicht auch...etwas abgespeckt als Bauernhof in Obergermanien eben.


    Habe ich dir eigentlich schon von meiner bald angetrauten erzählt? Sie heißt Heilaruna (ich nenne sie nur Heila, ich weiß schon, wie sie heißt!) und ist die Tochter eines germanischen Handwerkers. Wird auch höchste Zeit, sonst können meine petronischen Söhne niemals Ruhm und Ehre verdienen!


    Da ein Brief an "Iulius" (in meiner Centurie gibt es allein drei davon) wohl kaum ankommen würde, wäre es schön, wenn du ihn für mich fragen könntest.


    Aber nun zur Hispana. Ich schreibe tatsächlich hin und wieder an meinen alten Laelius. Vielleicht erinnerst du dich, der Kerl, mit dem sich Flavius Aristides einmal geprügelt hat. Ist der übrigens noch bei euch oder hat es ihn inzwischen zu seinen patrizischen Verwandten ins friedliche Rom gezogen?
    Der Hispana geht es ähnlich wie uns, nur dass das Vicus ein bisschen römischer ist als hier - also wie zu unserer Zeit. Sie hatten einmal einen Mord im Lager, weil ein besoffener Legionär sich mit der Wache angelegt hat, aber sonst ist dort alles so friedlich wie hier - die Cohors VI Austurum nimmt ja alle interessante Arbeit weg. Aber die Treidelpfade sind dort wohl auch wieder fällig.


    Wie du siehst, ist bei uns alles beim Alten - leider. Mögen die Götter dich schützen und die mantuischen Frauen dir gnädig sein!


    Crispus
    ANTE DIEM XVII KAL MAI DCCCLVII A.U.C. (15.4.2007/104 n.Chr.)


    Er legte es auf den Stapel von Dingen, die sein Bursche morgen früh erledigen musste und machte sich anschließend bettfein.

    Nach dem Appell zum Kaisergeburtstag schälte sich Crispus aus seiner Rüstung und machte sich mit einem kleinen Säckchen auf zur Legionskasse - es galt das Donativum abzuholen und anschließend teilweise auf den Kopf zu hauen! Heila brauchte sicher wieder eine schöne Kette oder ähnliches...


    So reihte er sich in die Schlange ein. Währenddessen dachte er darüber nach, wie sich Heila freuen würde, wenn sie die Kette bekäme und wie sie sich revanchieren würde, doch endlich kam er an die Reihe kam, nannte er kurz Namen und Dienstgrad.


    "Marcus Petronius Crispus, Centurio."


    Und hielt den Sack auf, denn ein Centurionen-Donativum war schon etwas umfangreicher...

    Crispus lauschte dem üblichen Geschwafel von Loyalität, Disziplin, Pflichterfüllung und Ergebenheit, die es bei jedem Kaisergeburtstag und zu allen möglichen Feierlichkeiten im militärischen Festkalender gab. Diesmal hatte er das Gefühl, es handele sich um die gleiche, wie die des letzten Jahres - ob das daran lag, das Meridius sich gedanklich bereits von seinem Posten verabschiedet hatte?


    Endlich endete die Ansprache und Crispus und seine Männer stimmten in die Jubelrufe an den Kaiser ein.


    "Lang lebe der Kaiser!"

    Sim-Off:

    oder soll ich mich deiner annehmen?


    Die Probati begannen damit, sich mit Ringergriffen zu traktieren und Crispus schubste einen, der bereits begann, das Gesicht seines Gegners zu malträtieren, zurück. Dabei lächelte er.


    "Gut, das ist eine Übung. Aber für den Ernstfall gut."


    Dann wurde seine Miene wieder eisern.


    "Es gibt ein paar Stellen, die sind sehr empfindlich. Der Hals, das Gemächt, der Kopf. Ein gezielter Tritt kann manchen Kampf beenden, bevor er begonnen hat. Wir machen das jetzt aber nicht, da ich Männer und keine Kastraten in meiner Centuria will! Passt auch sonst auf, aber zeigt keine falsche Scheu. Das ist schließlich eine Legion und nicht das Atrium Vestae!"


    Damit ließ er den wilden Probatus los, woraufhin dieser sich sofort aufmachte, erneut auf sein Gegenüber einzudreschen, diesmal jedoch nicht auf den Kopf.

    Der Centurio stand wieder vor dem Horreum IV. In den Gängen zwischen diesem und den anderen Lagern hatten sich die Legionäre bereits daran gemacht, die Fuhrwerke aufzubauen. Eines war bereits fast fertig, andere schienen noch in einem weitaus früheren Stadium zu stecken.
    Ein Rad, dessen Aufhängung herausgebrochen war, lag auf der Seite gemeinsam mit einigen Bauteilen, die offensichtlich morsch geworden waren.


    Doch kaum tauchten die die Probati auf, drehte sich Crispus zu ihnen um und blickte in Richtung Sonne.


    "Ich habe der Sonne beim Wandern zusehen können, so lange habt ihr gebraucht!"


    "Los, an die Arbeit!"


    Wieder einmal - wie so oft - trat eine Ader an der Schläfe des Centurio hervor, als er die Männer anbrüllte. Wie konnte man nur so viel Inkompetenz in einer Centurie haben?

    Crispus rannte am Morgen des Kaisergeburtstages höchstpersönlich durch die centuria seiner centuria und riss die Männer aus dem Schlaf. Heute würde der Legatus sicher höchstpersönlich die Eiderneuerung auf dem Imperator abnehmen. Also hatte alles blitzblank zu sein.


    Seine eigene Ausrüstung war von seinem Burschen gereinigt und auf Hochglanz poliert worden, sodass er nun in seinen Beinschienen mit einem Stiermotiv darauf - Crispus hatte sie in Erinnerung an seine Heimatprovinz herstellen lassen - , dem klimpernden Panzer - schon länger spielte Crispus mit dem Gedanken, sich ein bequemeres Kettenhemd anzuschaffen - , dem Tragesystem für seine Phalera, die einst für seine guten Dienste als Sekretär verliehen worden war, und mit dem sorgsam gebürsteten Rosshaarbusch auf dem Helm zum Exerzierplatz marschierte und seine gesammelte Centurie mit sich brachte. Dort angekommen flogen rasch ein paar kurze Kommandos über den Platz, auf dem sich die gesamte Legion sammelte.


    "In Aciem venite!"


    "State!"

    Mit dem gleichen, hasserfüllt wirkenden Blick kontrollierte er die Linie der Männer, dann blieb er beim letzten stehen und blickte ihm ins Gesicht.


    "Schon besser. Vielleicht könnt ihr doch sehen!"


    brüllte er dann, dass der Legionär kurz zusammenzuckte und von einem Tropfen Speichel getroffen wurde. Tatsächlich fand Crispus die Linie ziemlich gut, aber dennoch - gute Übung beinhaltete stets auch Schikane!


    "Pergite Cursim!"


    "State!"

    Crispus blickte auf, als er den Optio Tabellarii erblickte, der für die Postzustellung zuständig war. Schweigend nahm er den Brief und überflog ihn. Dann blickte er auf. Hatte er den Brief gerade geöffnet bekommen oder täuschte ihn sein Kurzzeitgedächtnis?
    Einen Moment trafen sich die Blicke der beiden Soldaten, dann sagte der Centurio rasch


    "Danke."


    legte den Brief ab und führte seine Schreibarbeit fort. Heute Abend würde er ein Antwortschreiben verfassen - wenn dieser zwielichtige Optio endlich weg war...

    Der Centurio wand seinen Blick zu Reatinus, als dieser fiel. Offensichtlich doch schwerer getroffen...
    Sein Blick traf einen schaulustigen Legionär, der gerade um die Ecke bog.


    "Du, nimm den Optio und hilf ihm ins Valetudinarium!"


    befahl er, bevor er sich weiter der Wunde des Tesserarius zuwandte. Sah wirklich sehr unangenehm aus...wo steckte nur der Medicus?

    Crispus stellte sich genau so, dass er die gedachte Linie vor dem Auge hatte.


    "So, jetzt schau'n mal alle auf ihre Füße und vergleichen sie mit dem Nachbarn. Schäbig!


    Aber weil ich heute so gut gelaunt bin..."


    Der Centurio hörte sich keineswegs gut gelaunt an, ging jedoch einen Schritt nach vorn und zog dann mit dem vitis eine gerade Linie in den Staub.


    "Gebe ich euch das hier als Anhaltspunkt. Und nochmal!"


    "Pergite cursim!"


    "State!"


    kam es aus ihm heraus und die centuria hetzte los.

    Sim-Off:

    da sich niemand meldet und ich schon den Job als Ausbilder hab, würd ich sagen: Machs selbst - sonst isses auch mit Absprechen bissl komplex...außer natürlich, jemand will doch - dann soll er sich eben einmischen...


    Da die Männer ein wenig ratlos herumstanden, schubste Crispus einen der Probati auf seinen potentiellen Gegner.


    "Was ist los, habt ihr noch nie gerauft? Hab' ich hier etwa eine centuria voller Muttersöhnchen?"


    brüllte er und endlich begannen die ersten, sich auf ihre Gegner zu stürzen.

    Mit Argusaugen verfolgte er die Befehlsausführung.


    "Das war ja lächerlich! Zum Glück seid ihr keine Architekten, nach deren Linien andere bauen! Eure Häuser würden ausnahmslos einstürzen!"


    brüllte er los und schubste einige Legionäre mit dem vitis zurück, andere packte er am Halstuch und zog sie ein paar Fingerbreit nach vorn, sodass sie schließlich eine Reihe bildeten. Bei Legionarius Quintus blieb er stehen.


    "Du hast wohl zu viel Flüssigkeit, dass du ausläufst!"


    Er trat zurück.


    "So, damit Quintus seinen Flüssigkeitsaustausch verbessern kann und ihr's lernt, machen wir jetzt mal einen kleinen Lauf zwischen den Übungen! Einmal vor, einmal zurück!"


    "Pergite cursim!"


    fügte hinzu und sein Gesicht rötete sich vor Anstrengung ein wenig. Er trat zur Seite und trieb die Männer über den Platz und wieder zurück. Dann beendete er das ganze mit einem plötzlichen


    "State!"

    Der Centurio wollte gerade etwas von 'Centurio Petronius' sagen, als er bemerkte, dass auch sein Optio getroffen war oder zumindest eine Wunde unter seinem Helm hatte. Scheinbar hatte der Optio vom Magazin auch ihm einen minderwertig gepolsterten Helm verteilt - er würde dringend mit dem Burschen reden müssen!


    "Beim Pluto!"


    fluchte er zuerst los. Dann fasste er sich und machte sich ein Bild der Lage. Der Optio schwankte, der Tesserarius war halbtot. Da würde sich die Personalverwaltung ärgern...


    "Optio, setz' dich! Legionarius Ovius, du holst sofort einen Capsarius...nein, besser gleich den Medicus!"


    verteilte er die Aufgaben und kniete sich zum Tesserarius hinunter. Er war kein besonders begabter Mediziner, aber er kannte solche Verletzungen nur von Schlachtfeldern. Der Ziegel hatte verdammt gut getroffen!

    Während die Optiones sich erleichtert austauschten, betrachtete Crispus seine blutende Hand. Das war eindeutig ein Fall für den Medicus. Er sah sich um. Erwartungsgemäß war hier kein Capsarius unterwegs, den er um einen Verband hätte bitten können. So schnitt er mit seinem Dolch ein Stück Tunika aus dem eigenen Kleidungsstück und verband sich notdürftig die Hand. Der Alkohol weitete seine Gefäße, weshalb er besonders stark blutete - aber das wusste Crispus natürlich nicht...


    "Männer, ich geh' ins Castellum und lass' mich zusammennähen!"


    erklärte er den Milites und schlurfte los, während er sich die verbundene Hand hielt...

    Der Centurio musterte die Männer, die erschienen waren. Ein kurzer Blick sagte ihm, dass nicht viele fehlen konnten.


    "Gut, heute wird mal wieder etwas für das Äußere getan. Man kann nie wissen, wann wir es brauchen."


    Also Crispus wusste es schon - bald würde es einen neuen Legatus Augusti pro Praetore geben, wie er erfahren hatte. Aber seine Männer konnten ruhig ein wenig überrascht werden...


    "Fangen wir also ganz einfach an.


    "Movemini!"


    "State!"


    brüllte er und verfolgte die Handlungen der Legionäre.

    Crispus war mitten aus der Verwaltungsarbeit geholt worden. Sabinus Crassus, ein Bursche von durchschnittlicher Leistung - besonders von Denkleistung - aber künstlerischer Begabung - zumindest, was Kritzeleien in der Latrine betraf - hatte ihm japsend und leicht aufgelöst von dem Unfall berichtet. Der Centurio hatte nur laut geflucht und war losgeeilt. Ausgerechnet der Tesserarius!


    Binnen kürzester Zeit war er da und ein kurzer Blick zeigte die Lage: Offensichtlich waren die Dachziegel von centuria VI locker. Es waren bereits mehrere heruntergefallen, wie die Scherben am Boden zeigten. Und eine wohl auch auf den Tesserarius, der auf dem Boden lag und blutete.


    "Wo steckt der Capsarius?"


    fragte er in gewohntem militärischen Ton. Sein gesamtes Auftreten ließ darauf schließen, dass er sich weniger um den Tesserarius sorgte, als sich über den Zwischenfall zu ärgern.

    Glücklicherweise hatte der Centurio gerade einer Gruppe von Legionären zugesehen, die ihr Fuhrwerk bereits zur Hälfte zusammengebaut hatten. Dies war deshalb möglich, da sie routinierte Hilfsarbeiter waren und daher auch ihr Werkzeug aus der Unterkunft mitgebracht.
    Nun war jedoch einer der Probati dumm genug, den Centurio auf ihre Unfähigkeit hinzuweisen. Zuerst fragte Crispus sich, ob Sabinus einen Scherz machte. Dann fragte er sich, ob das Schlitzohr von Optio am Magazin vielleicht die Hämmer für das neu ausgerüstete Contubernium eingespart und in der Stadt verscheuert hatte. Das wäre aber doch zu dreist gewesen. Zudem erkannte er nun bei genauerem Hinsehen, dass die Probati keinerlei Werkzeug mitgebracht hatten.


    "Dann solltest du gleich in die Fabrica gehen und einen neuen bestellen."


    bemerkte er mit todernstem Gesicht.


    "Oder du und deine Freunde laufen im Eilmarsch zur Unterkunft und holen ihr Werkzeug und zwar auf der Stelle!"


    brüllte er dann und funkelte Crassus an. So dämlich konnte doch kein Probatus sein! Hatten die nicht die einfachste Lektion des Soldatendaseins gelernt: Zuschauen und nachmachen?


    Eine Strafe wollte er vorerst unterlassen, merkte sich aber den Fehler.