Durus nahm sich von den pikanten Würsten, die er so sehr schätzte, aber auch ein Schälchen Bohnen ließ er sich kredenzen. Bei diesen dachte er gleich an den Entsühnungsritus, den man zu den Lemuria im eigenen Haus machte. Ob die Planerin des Mahles absichtlich diese gerade mit den Toten verbundenen Früchte gewählt hatte?
Jedenfalls löffelte er mit einem Stück Brot etwas von den Bohnen in seinen Mund. Vorzüglich, vorzüglich!
"Aber gut, ich denke, Antoninus wird sich in jedem Fall vor dem Familiengericht verantworten müssen. Bis dahin sollten wir uns erfreulicheren Dingen zuwenden."
Herzhaft biss er in seine Wurst.
"Ich denke, diese Tage sind geeignet, an unsere Ahnen zu denken. Mein Vater hat mir einmal die Geschichte des Tiberius Allodius erzählt - unser aller Ahn."
Durus war sich sicher, dass alle Familien-Mitglieder die Geschichte des sagenhaften Gründers kannten, dennoch liebte er es, von diesem zu erzählen. Das war noch ein echter Liebling der Götter gewesen!
"Er lebte einst im fernen Misenum, wo wir bis heute eine Villa besitzen. Als direkter Abkömmling der Könige von Alba Longa gehörte er zu den mächtigsten Männern des Municipium, saß im dortigen Senat und war selbst mehrmals Duumvir der Stadt gewesen. Manche sagen sogar, er hätte die Trompete des Misenus gefunden - aber das dürfen wir wohl in die Welt der Sagen stellen."
Er lächelte. Genaugenommen handelte es sich bei dieser Geschichte insgesamt um einen Mythos, aber die Römer liebten Herkunftsmythen und so war es kein Wunder, dass Tiberius Allodius ebenso wie Romulus und Remus von den mythischsten Königen der Welt abstammte.