Nachdem der Ankläger auch noch behauptet hatte, der Beklagte hätte das Getreide, das übrig war, in die eigene Tasche gesteckt und an andere Bäckereien verkauft, kam man zu dem Schluss, dass alle Voraussetzungen für eine Veruntreuung gegeben waren.
Nun trat der Verteidiger vor. Er hüstelte leicht und wirkte sehr nervös, was Durus ungemein störte. Er hasste es, wenn Anwälte ihn mit ihrem Herumgetue und ihrer Angst langweilten. So sah er den jungen Mann auffordernd an. Noch einmal räusperte er sich und sah auf seine Tafel, dann trat er hervor.
"Ehrenwertes...Gericht."
Er machte eine Pause, sodass der Praetor beinahe darum gebeten hätte, er möge fortfahren. Doch der Anwalt kam ihm zuvor.
"Wir haben uns hier versammelt, um zu ermitteln, ob mein Mandant Iulianus Pansa hier"
Er deutete auf seinen Mandanten, der schluckte und zum Tribunal des Praetors hinauf sah.
"tatsächlich, wie mein Kollege hier behauptet, schuld ist am Verschwinden, oder sagen wir besser an der Nichtverwendung des Getreides."
Er räusperte sich noch einmal und fuhr wieder fort.
"Ich muss meinem Kollegen tatsächlich beipflichten und jeder wird bestätigen können, dass die genannten Mengen wahr sind. Aber eigentlich muss man die Sache anders sehen, da das Mehl, das meinem Mandanten geliefert wurde, nämlich gar nicht weiterverarbeitbar war.
Es war nämlich zum Teil verdorben, was viele-"
Ateius und sein Advocatus hatten sich zugegrinst, als der junge Mann dem Vorredner beigepflichtet hatte und Durus hatte das Gefühl, er hätte ein abschätziges Tuscheln über den unsauberen Lebenswandel des Beklagten gehört, doch der Grund zur Unterbrechung der Rede, war ein anderer: Plötzlich war der Junge leiser geworden. Zwar verstand der Praetor ihn noch einigermaßen, aber Durus hatte keine Lust, sich vorbeugen zu müssen, um der Rede problemlos lauschen zu können.
"Könntest du etwas lauter sprechen?"
schnarrte er den Redner daher an, woraufhin dieser errötete und sich erneut räusperte.
"Natürlich - ähm, wo war ich stehen geblieben?"
Wieder kam ein Lachen von der Anklagebank, was den Advocatus noch mehr verunsicherte, sodass er sogar sein Notiz-Täfelchen holte und nachlesen musste - was für ein Fehler! Seit alters her rezitierten die Redner vor Gericht ihre Reden aus dem Gedächtnis und so ein schlechter Vortrag war wohl nicht einmal für die Rednerschule in Misenum gut genug.
"Aja, richtig: Das Getreide, das meinem Mandanten geliefert wurde, war nämlich verdorben. An diesem Morgen war nämlich wie üblich der Karren erschienen, hatte seine Getreidemenge in die Luke, die sich an der Seite von jeder Großbäckerei befindet-"
"Langweile auch du mich nicht mit farbenprächtigen Beschreibungen!"
fuhr der Praetor erneut dazwischen, sodass der junge Mann noch einmal der Faden verlor.
"Jedenfalls stellte sich heraus, dass das Getreide verdorben war - nicht alles, aber ein ganzer Teil. Und dieser ließ sich logischerweise nicht weiterverarbeiten, weshalb es zu diesen Ausfällen kam. Aus diesem Grund hat mein Angeklagter, der übrigens kein Trinker und Spieler ist und in keinster Weise das verdorbene Getreide weiterverkauft hat, keine Schuld an den Verlusten und ist der Veruntreuung nicht schuldig."