Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus hörte auch diesem Kandidaten mit positiven Gefühlen zu. Der Flavier war für Durus einer der honorabelsten Personen, die er kannte und war ihm nicht nur als stolzer Römer, sondern auch als gewissenhafter Pontifex aufgefallen.


    Dass er allerdings seine Mitgliedschaft im Collegium Pontificium nicht erwähnte, obschon dies doch eine hohe Auszeichnung für jeden Senator war, wunderte ihn allerdings ein wenig.

    Kaum war Publius gegangen, als schon wieder eine neue Anhörung begann: Es handelte sich um einen älteren Geschäftsmann, der jedoch gleich seinen Advocatus (einen Bekannten von Durus) mitgebracht hatte. Ein Blick auf die Wachstafel zeigte dem Praetor, dass es um Veruntreuung ging und als er den Beklagten und seinen jungen, unerfahrenen Anwalt sah, glaubte er bereits zu wissen, wer die überzeugenderen Argumente bringen konnte. Durus war leicht gelangweilt, daher begann er sofort.


    "Hiermit eröffne ich die Hauptverhandlung im Falle Caius Ateius Drusus versus Marcus Iulianus Pansa. Die Kläger haben das Wort."


    Der Rhetor, der im Senat jedoch eher zu dem Pedarii gehörte, erhob sich und trat vor die Sella Curulis. Nach einer um Ruhe heischenden Pause begann er.


    "Verehrter Praetor Urbanus,


    ich vertrete heute meinen Klienten Ateius Drusus, Inhaber der Großbäckerei Ateia gegen seinen Verwalter Iulianus. Zu Beginn schildere ich kurz den Tathergang, um ein besseres Bild von der Sache zu ermöglichen:


    Mein Klient ist Inhaber mehrerer Bäckereien im Stadtgebiet von Rom - als solcher backt er übrigens auch Brot für die Cura Annonae - und hat daher für die einzelnen Betriebe Procuratores eingesetzt, wie es üblich ist.


    Zu diesen zählt auch der Beklagte Iulianus Pansa, der namentlich für die Bäckerei an der Via Portuensis. Diese produziert am Tag etwa eintausend Brote, die auf dem Markt verkauft werden und wird dafür von Ostia aus mit dreitausendfünfhundert Modii Weizen beliefert."


    Durus unterbrach den Anwalt, bevor er am Ende anfing, die einzelnen Maschinen der Bäckerei zu erklären.


    "Tut das etwas zur Sache?"


    Der Anwalt blickte auf, wirkte kurz aus dem Konzept gerissen und meinte dann.


    "Ja, natürlich. Dazu komme ich jetzt: An den Kalenden des Februarius wurde nun die Monatsabrechnung für den Ianuar diesen Jahres gemacht und mein Klient stellte fest, dass in der Bilanz etwa CCXXXII Sesterzen fehlten, also der Preis für CCXXXII Laibe Brot.


    Genauere Recherchen ergaben, dass ante diem VII vor den Kalenden des Februar (26.1.2008/105 n.Chr.) zwar wir üblich MMMD Modii Getreide durch unserem Zulieferungsbetrieb in Ostia geliefert, jedoch nur DLV Laibe Brot gebacken wurden. Folglich fehlt eine Menge von etwa CXXI Modii Getreide, die zwar geliefert, jedoch nicht verbraucht wurden.


    Da sie aber auch nicht gelagert wurden - die Menge der im restlichen Monat produzierten Brote nahm nicht zu und das Lager war am Kalenden des Februar leer - muss die Anklage schließen, dass die CXXI Modii Getreide vom Beklagten gestohlen wurden.


    Tatsächlich wurde festgestellt, dass der Beklagte in finanziellen Sorgen ist und offensichtlich der Trinkerei und dem Glücksspiel zugetan ist, sodass unser Verdachtsmoment durchaus naheliegend ist."


    Durus hörte zu. All die Zahlen schwirrten ihm durch den Kopf, doch es drang durchaus genau zu ihm durch, worum es ging. Und Trunksucht und Spielerei waren keine Dinge, mit denen man bei Gericht punkten konnte. Dennoch war er gespannt, welche Beweise die Anklage vorlegen konnte...

    "Ich weiß es nicht."


    '...aber ich habe auch keine Lust, ihm hinterherzulaufen!' fügte er in Gedanken an. Ihm war die Familie zwar wichtig, aber wenn jemand nicht mit seinem Platz zufrieden war und damit den Frieden gefährdete, war dies Durus ein Gräuel.


    "Appius müsste es wissen. Wie ich hörte, hat er noch eine ganze gute Beziehung zu Antoninus."

    Direkt nach dem Opfer entdeckte Durus Iuvenalis, was ihn mit Freude erfüllte: Er hatte befürchtet, der Alte hätte zu viel auf dem Palatin zu tun, um zur Familienfeier zu erscheinen. Doch offensichtlich waren die Ahnen ihm doch wichtiger als die Korrespondenz des Kaisers...oder besser gesagt, der Behörde, die den Kaiser vertrat.


    "Ave, Appius! Leg dich zu uns! Wir haben gerade erst angefangen!"


    Er bedeutete ihm, sich neben ihn zu legen und griff sich auf dem Rückweg der Hand gleich ein Mostbrötchen. Erfreut stellte er fest, dass sie mit Anis und Kümmel gewürzt waren - hervorragend! Und dazu der fein zubereitete Käse - ein Gedicht!


    "Wie geht es dir? Ich nehme an, im Palast geht alles drunter und drüber?"

    Durus hörte zu, obwohl er natürlich schon von all dem gehört hatte.


    "Bevor wir diese Frage erörtern, sollten wir allerdings die wichtigsten Punkte abhaken. Die Equirria in diesem Jahr laden nicht nur junge Fahrer, sondern auch erfahrene Aurigae der Rennställe ein."


    Er 'vergaß' zu bemerken, dass Avarus die Equirria veranstaltete, andererseits wusste es ohnehin jeder.


    "Ich war so frei, für den Staffellauf unsere befreundete Factio Russata als Ergänzung anzufragen. Allerdings liegt mir noch keine Antwort vor.


    Gibt es irgendwelche Einwände, dass Dareios für den Durchlauf der Erfahrenen und Hermes für die Jungfahrer startet?"


    fragte er dann in die Runde.

    "Oh, durchaus, durchaus! Aber opfern wir nun zuerst einmal."


    meinte Durus und ließ sich einen Becher Wein reichen. Mit ausgestrecktem Arm hielt er ihn dann in die Höhe und begann dann ein kurzes Gebet.


    "O divi parentes! An diesem Tage opfern wir Euch, wie wir es immer getan haben. Segnet uns und die unseren auch das kommende Jahr und teilt nun unsere Tischgemeinschaft!"


    Dann goss er den Wein vorsichtig in die Öffnung, die durch einen Kanal ins Innere des Mausoleums führte, sodass die Toten in ihrem Heim etwas von diesem köstlichen Wein hatten.


    Nachdem das Ritual vollzogen war, sah er zu den Sklaven. Er hatte das Opfer möglichst rasch hinter sich bringen wollen, denn er hatte großen Hunger - gestern Abend war ihm noch ein wichtiger Fall hereingeschneit, daher hatte er die Cena ausfallen lassen.


    "Beginnen wir!"

    Durus kratzte sich nachdenklich am Kinn. Antoninus? Mit Schaudern dachte er an diesen jungen Mann zurück. Einerseits behauptete er ja, ein hervorragender Ringer - oder so etwas ähnliches - zu sein, andererseits traute er dem Burschen nicht über den Weg. Abgesehen davon schien der Bursche ihn in keinster Weise zu mögen - er ging ihm aus dem Weg und war seines Wissens ohnehin nicht in Rom.


    "Ja, er hat einige sehr...gewöhnungsbedürftige Freizeitbeschäftigungen. Du kannst ihn gerne mitnehmen - allerdings müsstest du mit ihm reden. Mir geht er konsequent aus dem Weg."


    Einen Augenblick überlegte er. Vielleicht würde Antoninus das gar nicht schaden, mit seiner Schwester zusammen zu sein. Außerdem würde er sie zweifelsohne beschützen!


    "Nungut, wenn er mit kommt...und drei meiner Sklaven, darfst du von mir aus reisen."

    Durus sah zu den Sklaven. Es war Zeit aufzutragen. Zwar würde vor dem Essen ein besonders großes Trankopfer stattfinden, doch würde der Hauptteil der Opferhandlung erst nach dem Essen folgen.


    Wie gesagt - es roch jedenfalls bereits köstlich und alle Tiberier schienen sich bereits sehr auf das Essen zu freuen - die Toten wie die Lebendigen.


    "Sabina, hast du die Vorbereitungen für die Feier beaufsichtigt?"


    fragte er dann - er hatte sich jedenfalls nicht darum gekümmert!

    Durus musste einen Augenblick überlegen, als sie einen potentiellen Begleiter ansprach. Er selbst konnte jedenfalls nicht mitkommen - er war immerhin Praetor Urbanus! Aber vielleicht konnte er jemanden als Begleitung auftreiben...einen vertrauenswürdigen Sklaven vielleicht? Hätte er doch Jakobus nicht auf das Familiengut nach Syria geschickt!
    Und Antoninus? Nunja, der war auf Corsica, Lupus schien ein wenig kränklich. Sicherheitshalber fragte er nach.


    "Welchen? Lupus?"

    Durus zog eine Augenbraue nach oben, als Sabina vor ihm auf die Knie fiel und ihn anflehte. Natürlich hatte er Mitleid, aber...


    "Geziemt es sich für eine Römerin, so zu betteln? Steh auf!"


    Er ergriff ihre Hände und zog sie hoch, dann erhob er sich ebenfalls.


    "Ich bin dein Tutor und für dich verantwortlich. Ich verstehe deinen Schmerz, aber verstehe du auch meine Vorbehalte."


    Er ließ Sabina stehen und umrundete den Tisch, während er die Arme hinter dem Rücken verschränkte und nachdenklich zu Boden sah...

    Als die Tiberier am Grab angekommen waren, stellte Durus erfreut fest, dass die Sklaven alles sehr gut vorbereitet hatten. Er bot seinen Verwandten einen Platz auf der dicksten Decke auf dem Pflaster vor dem Grab an, er selbst nahm den Platz nahe dem Loch für die Trankopfer.


    Es dauerte ein wenig, bis er sich auf der ungewohnt harten Unterlage bequem hingelegt hatte, dann jedoch stützte er sich auf ein Kissen und sah in die Runde, sein Blick blieb jedoch auf dem massigen Bau und dem Fresko mit seinen Ahnen haften.


    "Da wären wir also."


    Ihm zog bereits der Duft von lukanischen Würsten in die Nase...

    "So ist es."


    bestätigte Durus und dachte an gewisse Möchtegern-Einflussnehmer, die in den Hallen des Senats saßen und gänzlich ungeeignet für diese Aufgaben waren...
    Dann kehrten seine Gedanken zum Praktischen zurück. Und da die Damen des Hauses, die traditionell für den Haushalt zuständig waren, schon da waren, meinte er


    "Ich wünsche, dass wir unsere Vorräte aufstocken. Möglicherweise ist das eine überzogene Vorsichts-Maßnahme, aber besser jetzt zu viel als am Ende zu wenig."


    Einen Augenblick dachte er daran, die beiden Damen auf sein Landgut nach Misenum zu verfrachten - doch dem hätten sie sicher nicht zugestimmt in dieser gefährlichen, aber eben auch spannenden Zeit! Daher fügte er an


    "Und vielleicht schreibe ich meinem Vilicus in Misenum, dass er die Villa bereit macht - nur zur Sicherheit..."

    Durus hatte den Brief gerade zu Ende gelesen, als Sabina einfach eintrat und auf ihn einredete. Der Praetor lehnte sich erst einmal zurück. Nach Alexandria? Dieses junge Mädchen? Allein? Nein, das war unmöglich.


    "Rufinus hat mir ebenfalls geschrieben."


    Er sagte lieber nicht, dass es möglicherweise schon zu spät war und eine Schiffsreise nach Alexandria im Winter überaus gefährlich war und mindestens zwei Wochen dauerte. Bis dahin konnte ihre Mutter längst tot oder wohlauf sein...je nachdem.


    "Beruhige dich erst einmal."


    meinte er stattdessen mit steinerner Miene. Er selbst hatte auch einst seine Mutter verloren, auch sein Vater war von ihm gegangen, ehe er es erwartet hatte, daher regte er hinter seiner harte Fassade doch ein wenig Mitleid für das Mädchen.


    "Du möchtest also nach Alexandria?"

    [Blockierte Grafik: http://img217.imageshack.us/img217/1300/campuscallidusop6.jpg| Campus Calidus


    Der Trainer hatte heute - wie üblich - eine saubere Chlamys über der Tunica, beides in verschiedenen Blautönen gehalten. Einen Augenblick sah er in die Menge, nahm den Becher von Narcissus entgegen und stellte ihn auf ein Tischchen in der Nähe, ehe er begann.


    "Lang ist's her, dass wir uns getroffen haben und viel ist passiert. Vor allem der Verlust unserer Lenker Diokles und Rothar ist natürlich schlimm. Besonders Rothar hat gerade zum Ende seiner Karriere noch große Leistungen in Mogontiacum und Alexandria gezeigt.
    Unsere Wägen entsprechen wie immer dem neuesten Stand der Technik, besonders die Zwei-Komponenten-Bauweise aus Fichte und Esche hat unsere Wägen leichter und schneller gemacht.
    Wie mir Capreolus Grando versichert hat, haben sich auch die nordafrikanischen Stuten, die wir im letzten Monat eingekauft haben, bereits ganz gut bewährt.


    Unser einziges Problem sind also die Fahrer: Dareios ist bereits 37. Natürlich hat er dafür eine Menge Erfahrung, doch das Alter macht ihn für Verletzungen anfälliger. Hermes ist mit 28 zwar noch vergleichsweise jung, muss jedoch noch weiter als der baldige Leit-Fahrer der Veneta aufgebaut werden.
    Ich würde vorschlagen, dass wir uns ein wenig auf dem Transfer-Markt umsehen. Mir ist vor allem Hakor, ein junger Mann, der mir vor allem bei den Spielen in Alexandria aufgefallen is. Er steht nirgends unter Vertrag - zumindest unter keinem, der eine hohe Ablösesumme kostet, aber ich denke, wir sollten schnell sein - sonst könnte er leicht von den anderen Factiones vor der Nase weggekauft werden."


    Er sah in die Runde, dann zu Durus. Was würden die Herren Vorstände sagen?

    Als Durus die Korrespondenz des Tages durchging (während sich im Atrium die Klienten zur Salutatio versammelten), stellte er überraschend fest, dass Quintus ihm geschrieben hatte. Rasch überflog er die Zeilen, las sie noch einmal.


    Quintus hatte offensichtlich den neuen Kaiser anerkannt, wohl schon längst zum Imperator ausgerufen. Sie waren also vor Wochen, als der Brief geschrieben wurde, noch vor Dura Europos gestanden. Durus versuchte zurückzurechnen, wann er dann wohl aufgegeben worden war, kam jedoch zu keinem Ergebnis: Die Boten des Kaisers waren sicher schneller als die Armeepost, theoretisch konnte Quintus den Brief also auch am Tage des Todes geschrieben haben.


    Fast hätte er sofort die Antwort geschrieben, doch beschloss er, noch einige Tage zu warten - vielleicht geschah etwas, was Quintus noch wissen musste...

    Tatsächlich waren alle noch in Trauer, obwohl Durus persönliche Niedergeschlagenheit verflogen war. In der Tat las er gerade den Brief von Rufinus und freute sich, dass dieser an ihn dachte, obschon er im fernen Alexandria weilte.


    Als es daher so energisch klopfte, sah er etwas ungehalten auf und rief


    "Wer klopft denn da so unverschämt?"


    Sicher wieder irgendein Sklave - wahrscheinlich Stesichoros mit irgendeinem unbedeutenden Bittsteller!

    Tiberius Durus erschien am Tage nach der Schreckensmeldung in seiner schwarzen Toga zur Sitzung. Auch seinen Bart hatte er heute Morgen nicht scheren lassen, sodass er fast ein wenig zerknautscht wirkte.


    Nervös plauderte er vor der Sitzung mit seinem alten Amicus Fabius Vibulanus, dann jedoch erschien der Consul. Schweigen legte sich über den Sitzungssaal, dann begann der nun tatsächlich "erste Mann des Staates" zu sprechen.


    Die Legionen hatten den neuen Imperator also akzeptiert, Quintus war natürlich nicht über seinen Schatten gesprungen. Ein Brief, der ihn tags darauf erreichen würde, würde dies bestätigen. Folglich blieb dem Senat kaum etwas anderes übrig, wenn er keine Armee auf Rom zumaschieren lassen wollte...


    Durus erhob sich, um als einer der ersten seine Meinung abzugeben - immerhin war er der amtierende Praetor Urbanus und damit nach den Consuln der dritte Mann im Staate.


    "Ich unterstütze den Antrag der Consuln, möchte jedoch vorschlagen, den Caesar nach Rom zu bitten und ihm erst hier den Augustus-Titel anzubieten. Eine so bedeutende Ehrung sollten wir ihm persönlich übertragen und nicht in absentiam."


    Damit würden die Senatoren möglicherweise noch ein wenig Verhandlungsspielraum haben und vielleicht das eine oder andere Vorrecht herausschlagen können...