Kaum war Publius gegangen, als schon wieder eine neue Anhörung begann: Es handelte sich um einen älteren Geschäftsmann, der jedoch gleich seinen Advocatus (einen Bekannten von Durus) mitgebracht hatte. Ein Blick auf die Wachstafel zeigte dem Praetor, dass es um Veruntreuung ging und als er den Beklagten und seinen jungen, unerfahrenen Anwalt sah, glaubte er bereits zu wissen, wer die überzeugenderen Argumente bringen konnte. Durus war leicht gelangweilt, daher begann er sofort.
"Hiermit eröffne ich die Hauptverhandlung im Falle Caius Ateius Drusus versus Marcus Iulianus Pansa. Die Kläger haben das Wort."
Der Rhetor, der im Senat jedoch eher zu dem Pedarii gehörte, erhob sich und trat vor die Sella Curulis. Nach einer um Ruhe heischenden Pause begann er.
"Verehrter Praetor Urbanus,
ich vertrete heute meinen Klienten Ateius Drusus, Inhaber der Großbäckerei Ateia gegen seinen Verwalter Iulianus. Zu Beginn schildere ich kurz den Tathergang, um ein besseres Bild von der Sache zu ermöglichen:
Mein Klient ist Inhaber mehrerer Bäckereien im Stadtgebiet von Rom - als solcher backt er übrigens auch Brot für die Cura Annonae - und hat daher für die einzelnen Betriebe Procuratores eingesetzt, wie es üblich ist.
Zu diesen zählt auch der Beklagte Iulianus Pansa, der namentlich für die Bäckerei an der Via Portuensis. Diese produziert am Tag etwa eintausend Brote, die auf dem Markt verkauft werden und wird dafür von Ostia aus mit dreitausendfünfhundert Modii Weizen beliefert."
Durus unterbrach den Anwalt, bevor er am Ende anfing, die einzelnen Maschinen der Bäckerei zu erklären.
"Tut das etwas zur Sache?"
Der Anwalt blickte auf, wirkte kurz aus dem Konzept gerissen und meinte dann.
"Ja, natürlich. Dazu komme ich jetzt: An den Kalenden des Februarius wurde nun die Monatsabrechnung für den Ianuar diesen Jahres gemacht und mein Klient stellte fest, dass in der Bilanz etwa CCXXXII Sesterzen fehlten, also der Preis für CCXXXII Laibe Brot.
Genauere Recherchen ergaben, dass ante diem VII vor den Kalenden des Februar (26.1.2008/105 n.Chr.) zwar wir üblich MMMD Modii Getreide durch unserem Zulieferungsbetrieb in Ostia geliefert, jedoch nur DLV Laibe Brot gebacken wurden. Folglich fehlt eine Menge von etwa CXXI Modii Getreide, die zwar geliefert, jedoch nicht verbraucht wurden.
Da sie aber auch nicht gelagert wurden - die Menge der im restlichen Monat produzierten Brote nahm nicht zu und das Lager war am Kalenden des Februar leer - muss die Anklage schließen, dass die CXXI Modii Getreide vom Beklagten gestohlen wurden.
Tatsächlich wurde festgestellt, dass der Beklagte in finanziellen Sorgen ist und offensichtlich der Trinkerei und dem Glücksspiel zugetan ist, sodass unser Verdachtsmoment durchaus naheliegend ist."
Durus hörte zu. All die Zahlen schwirrten ihm durch den Kopf, doch es drang durchaus genau zu ihm durch, worum es ging. Und Trunksucht und Spielerei waren keine Dinge, mit denen man bei Gericht punkten konnte. Dennoch war er gespannt, welche Beweise die Anklage vorlegen konnte...