Nachdem sich Artorius Corvinus nicht äusserte, nickte sie leicht und nahm die Wachstafel wieder zur Hand. "Dann kommen wir zum nächsten Oberpunkt meiner List, dem Hafenfest in Ostia," erhob die Magistrata wieder das Wort und blickte zwischen den drei Männern hin und her.
"Artorius Corvinus, ich bat Dich vor einiger Zeit, einen Preisvergleich ansässiger und römischer Händler durchzuführen, was die benötigten einfachen und etwas besseren Waren angeht. Was haben Deine Recherchen bisher ergeben?"
Beiträge von Iulia Helena
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"Wenngleich man sich überlegen sollte, ob man einen solchen Betrag tatsächlich von der Regio dann in Anspruch nimmt oder nicht - die Finanzierung des Hafenfests zu Ostia wird meines Erachtens nach keinen Zuschuss benötigen," sagte sie gelassen. Als ob sie von der Regio abhängig wären für ein Fest, das wäre ja noch schöner.
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"Wenn ich mich recht entsinne, ist die Wahl eines Mannes oder einer Frau als Duumvir durchaus ein Akt der Anerkennung dieser Person für die bisher erbrachten Leistungen - ob man sich nun entscheidet, für die curia noch zu kandidieren oder nicht, ist eine andere Sache. Sollen jene Duumvir, die sich alleinig auf die Amtsgeschäfte in ihrer Stadt konzentrieren, mit einer wieder eingeführten Curien-Abstimmung übervorteilt werden? Ich wüsste gerne, wieso Du diese nicht verabschiedete Alternative wieder einbringen möchtest, Sergius Epulo. Geht es Dir um eine strengere Kontrolle eines reinen Ehrenstandes?" Sie blickte fragend in die Richtung des Sergiers.
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Sie lauschte den gesprochenen Worten ohne eine wirklich sichtbare Regung - und wartete abermals ab. Sollten die Männer ihre Querelen klären, sie würde mit der Allgemeinheit abstimmen und nicht vorpreschen.
Sim-Off: Boah Leute, ihr habts eilig
da ist mal mal einen Tag nicht da *ächz*
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Wenn sie sich nicht ganz getäuscht hatte, schien ihre Aufmachung ihm zu gefallen und sie beglückwünschte sich innerlich dazu, nicht die schlichte, geschäftsmäßige Kleidung gewählt zu haben, die sie ansonsten bevorzugte. Einem Mann wie Crassus durfte man nicht mit zuviel Understatement gegenübertreten - und seine Worte klangen zumindest was das Kompliment anging, sehr aufrichtig. "Ich danke Dir," sagte sie lächelnd und trat an seine Seite, um eine einladende Bewegung zu einer der Sitzbänke zu machen.
"Diese Casa erinnert uns Iulier stets an das, was war - und auch an die Verantwortung, die wir unseren Ahnen gegenüber tragen. An manchen Tagen ist die Erinnerung eine Bürde, an anderen ein Ansporn," erwiederte sie und blickte für einen Moment in das Lararium hinein, zu jenen Masken, die sie nur zu gut kannte. Manchmal schien es ihr, als würde sie die Gesichter auswendig kennen, als hätte sie diese bereits lebendig gesehen.
Dass er allerdings ein Gastgeschenk mitgebracht hatte, überraschte sie, aber die Freude überwog dann doch deutlich, vor allem, als sie die Schatulle verdutzt öffnete und den Inhalt betrachtete. "Das ... das wäre doch nicht nötig gewesen," sagte sie leise und hob den Blick zu ihm. "Ein so kostbares Geschenk für eine mehr dienstliche Zusammenkunft?" Kurz glitten ihre Finger über einen der Schmuckarmreifen, dann atmete sie tief ein. "Ich danke Dir, Caecilius Crassus, und ich werde Dein Geschenk sicher in Ehren halten."Noch immer war sie wie vom Donner gerührt. War das seine übliche Art oder wollte er sie mit seiner Großzügigkeit beeindrucken? Es war ihm durchaus gelungen, und sehr behutsam stellte sie die Schatulle auf einem Tischchen ab, während eine Sklavin die Leibwache des Präfekten bat, ihr in einen Nebenraum zu folgen, wo sie sich aufhalten konnten. "Kann ich Dir etwas zu trinken anbieten?" erhob Iulia Helena wieder die Stimme und blickte Crassus wieder direkt an.
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Alles Liebe zum Geburtstag wünsch ich Dir - und dass sich Deine Wünsche für das nächste Jahr erfüllen
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Es war einer ihrer kleinen Tricks, einen Gast ein bisschen warten zu lassen. Die meisten erkannten dann im Nebenraum die Ahnenmasken, erkannten, wen sie darstellen sollten und vor allem, in welchem Haus sie sich befanden - das half den Übermut allzu selbstbewusster Gäste zu dämpfen und rückte die Stellung der gens Iulia zumeist in die richtige Richtung zurück, zumindest gedanklich. Und gerade Crassus würde es guttun, die Stille des abendlichen Atriums und des Larariums zu genießen, hatte sie sich gedacht und ein klein wenig länger gebraucht, sich ins Atrium zu begeben, als sie es sonst brauchte.
Als sie schließlich den Raum betrat, schritt sie würdevoll und gemessen hinein, als sei dies nicht der Empfangsraum der Casa Iulia, sondern ein ungleich wichtigerer Ort. "Salve, Caecilius Crassus," sagte sie mit einem weichen Lächeln auf den Lippen und trat ihm entgegen, mit einer dunkelblauen Stola angetan, die einen dünnen, kaum wahrnehmbaren Goldrand besaß. Ihr Haar war hochgesteckt und unter der durchsichtigen Palla blitzte das Gold dezenter Ohrringe hervor, anscheinend hatte sie an diesem Abend durchaus Mühe auf ihr Äußeres verwandt - allein der Hals schien schmucklos, nur ein Lederband lag darum, dessen Anhänger unter ihrem Kleid verborgen lag, vielleicht ein Amulett oder etwas derartiges. "Willkommen in der Casa Iulia. Ich freue mich sehr, dass Du meiner Einladung gefolgt bist."
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Als sie die curia verließ, schien es, als hätte sich der Alpdruck des vergangenen Tages aufgelöst. Dass erwachsene Männer, die sich im Allgemeinen auf ihre dignitas und gravitas beriefen, so miteinander umgingen, war ihr ein Rätsel - unter Soldaten wäre der rauhe Ton verständlich gewesen, aber doch nicht unter Vertretern der wichtigsten Städte Italias. Ihr Sklave, den sie inzwischen immer mitnahm, wenn sie in Roma unterwegs war, hatte gerade zu ihr aufgeschlossen, als sie den Ruf hörte, für einen Moment verwirrt darüber, dass sich jemand erdreistete, ihren cognomen ohne das nomen gentile zu verwenden.
"Aurelius Corvinus," erwiederte sie höflich, als sie den Rufenden erkannte und blieb stehen, um ihn zu erwarten, nicht ohne sein nomen gentile ein klein wenig betont zu haben.
"Ich nehme an, dies war auch Deine erste Erfahrung mit der sogenannten großen Politik? Man sollte meinen, es würde nicht wie bei den Germanen zugehen, aber inzwischen glaube ich, dass selbst die Germanen gesitteter miteinander interagieren als gewisse ... Mitglieder ... der curia." Seine Einladung war ausgesprochen frech. Sogar dreist. Aber sie hatte Witz und nach diesem Tag war ihr ein klein wenig Abwechslung durchaus recht. "Ein normaler Spaziergang klingt nicht schlecht nach diesem Tag, der wahrlich durchwachsen genug war. Zieht es dich wieder zu den Schmuckständen?" stichelte sie gutmütig und ließ die Worte von einem leichten Lächeln begleitet sein. -
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Was für ein süsses Täubchen ihm da doch in den Laden geflattert war! Für eine solche junge Dame nahm er sich natürlich gerne Zeit. Vielleicht auch ein bisschen mehr als üblicherweise, immerhin wusste er den Anblick eines Lächelns sehr zu schätzen und erwiederte das ihre offen und freundlich.
"Oh, empfehlen kann ich Dir mancherlei, junge Dame, aber solange ich Deinen Geschmack nicht kenne, wird es sehr schwierig sein, Dich zu befriedigen," entgegnete Barundius verschmitzt. "Wie wäre es beispielsweise mit den Dattelküchlein? Ein Schmalzgebäck, in das ich eine Paste aus gesüsstem Dattelfleisch gestrichen habe, das wird Dir geradezu auf der Zunge zergehen!"
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Der ianitor schien auf diesen Besuch vorbereitet, denn er nickte bedächtig und betrachtete Crassus für einige Momente lang deutlich genauer als seine Eskorte. Schließlich sagte er laut und vernehmlich:
"Du mir folge in Atrium, Herrin Dich erwarte." Und schon gab er den Weg ins Innere frei, damit Eskorte samt Präfekt eintreten konnten. -
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Wonga schritt bedächtig den Prätorianern und ihrem Präfekten voraus in das Innere der Casa Iulia, welcher man durchaus anmerken konnte, dass hier die ordnende Hand einer Frau tätig war: Das Atrium war sehr aufgeräumt, einige kunstvoll verzierte Vasen griechischer Kunsthandwerkstätigkeit setzten Akzente in dem hohen Raum, eine flache Schale mit einem gemalten Heldenkampfbild fand sich ebenso wie ein kleiner Beistelltisch neben gepolsterten, bequemen Sitzbänken, auf dem grüne Gläser für den durstigen Besucher bereit zu stehen schienen.
"Du hier warte, ich werde Herrin sage, dass Du hier," sprach der ianitor den praefectus praetorio an und wandte sich dann um, ins Innere des Hauses am impluvium vorbei tretend, um seiner Herrin Bescheid zu geben - vorerst schien Crassus mit der stillen Betrachtung des Atriums allein gelassen. Die Tür zum Lararium stand offen und ließ den Blick auf die Ahnenmasken der Iulier frei, allen voran die des Princeps Augustus und des Caius Iulius Caesar.
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Sie hob amüsiert die Brauen an, wohl schien Andreia die Acta nicht zu lesen, dass sie von der Arbeit ihrer Verwandten noch nichts mitbekommen hatte - aber es war auch kein großer Fehler, sich von diesem Klatschblatt fernzuhalten.
"Nun, ich bin inzwischen Duumvir von Ostia," erklärte sie lächelnd. "Und das hat naturgemäß mit so einigen Akten zu tun, das darfst Du mir glauben. Wäre Ostia nicht so nahe an Rom gelegen, könnte ich nicht so oft hier weilen, in sofern ist es ganz praktisch so." Auch sie gab ein kleines Trankopfer her, und meinte dann sinnierend: "Was hältst Du davon, die Zimmer in verschiedenen Stilrichtungen zu dekorieren? Also eines im achaischen Stil vielleicht, eins im ägyptischen ... Gäste haben immer verschiedene Geschmäcker."
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Eine der hervorstechendsten Eigenschaften des ianitors der Casa Iulia war die Fähigkeit, selbst im Moment des größten Erstaunens so stumpf dreinzublicken wie sonst auch. Man sah zwar nicht jeden Tag gleich vier Prätorianer, aber es gelang dem hühnenhaften und breitschultrigen Nubier, den Klopfenden so anzusehen, als hätte er einen x-beliebigen Haussklaven vor sich.
"Was Du wolle?!" gab er sein übliches Sprüchlein von sich, vielleicht ein bisschen zackiger als sonst. Potenzierter Militarismus färbte eben ab. -
Abermals darf sich der Sklave durch die Gluthitze Roms quälen, um eine Nachricht an der Casa Caecilia abzugeben.
An
Gaius Caecilius Crassus
Praefectus Praetoriae
Casa Caecilia, RomaSalve, Caecilius Crassus.
Der Termin passt mir sehr gut und ich würde vorschlagen, dass Du die Casa Iulia aufsuchst. Allzu überraschend dürfte es doch aussehen, wenn ich mich zu Dir begeben sollte.
Bitte teile mir die Mannstärke Deiner Eskorte mit, solltest Du mit einer solchen kommen, damit die Männer angemessen versorgt werden können.Vale,
Iulia Helena
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Ein Sklave der Casa Iulia gibt eine Nachricht an den Praefectus Praetoriae ab und verweist darauf, dass diese nur persönlich übergeben werden soll.
An
Gaius Caecilius Crassus
Praefectus Praetoriae
Casa Caecilia, RomaSalve, Caecilius Crassus.
Da sich in den letzten Tagen einige Ereignisse ergeben haben, ob derer ich Deinen Rat suchen muss, bitte ich Dich um die Mitteilung eines Dir passenden Termins in den Abendstunden, um diese zu besprechen - es handelt sich um einen gemeinsamen Bekannten, dessen Gesundheit durch dritte Hand erheblich gelitten hat. Zudem wäre ich Dir verbunden, könnte dieses Gespräch in einem weitgehend nichtöffentlichen Rahmen stattfinden, um nicht zuviel Aufmerksamkeit auf das Geschehen zu lenken, wegen welchem ich Dich aufsuche.
Vale,
Iulia Helena
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Auch Iulia Helena hob ihren Weinbecher auf das verlobte Paar, allerdings achtete sie darauf, dass sie es nicht vor Andreia tat, der Verwandten ein freundliches, offenes Lächeln zugedenkend. Sie stellte fest, dass sie diese vom ersten Moment an gemocht hatte und hoffte, dass dieses gute Omen ein günstiges Licht auf die Zukunft zu werfen imstande war.
Während die Männer sich über Zukunftspläne unterhielten, blieb sie mit Andreia lieber bei den wirklich wichtigen Themen des Lebens - einkaufen."Ich möchte einige der Zimmer für Gäste neu einrichten, aber ich habe bisher nicht die rechte Zeit dafür gefunden. Hast Du Lust, mir dabei zu helfen? Mir sind irgendwann auch die Ideen dafür ausgegangen, und inzwischen schiebe ich es nur noch vor mir her, in der Hoffnung, dass ich irgendwann die Erleuchtung bekomme. Und in all den Akten aus Ostia ist es schließlich vollkommen untergegangen," malte sie das Bild ihres Versäumnisses ein bisschen schwärzer, als es eigentlich war, denn die Zimmer waren sehr wohl benutzbar, aber hoffnungslos unmodern. Es war eben schon lange keine Frau mehr in der Casa wirklich zugegen gewesen und so gab es vieles aufzuarbeiten.
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Sie warf einen amüsierten Seitenblick auf ihren Bruder und stellte etwas fest, das sie bei ihren anderen Brüdern, aber auch der sonstigen, soldatischen Verwandtschaft allzu oft hatte sehen müssen: Die Begeisterung für die Fremde, die einen eigentlich vernünftigen jungen Mann sehr schnell dazu brachte, sich der Legio anzuschließen, einige Jahre im Dreck zu waten und vermutlich dann in irgendeiner fernen Provinz auf dem Schlachtfeld gegen Gegner zu fallen, von denen man zuhause in Roma noch nie etwas gehört hatte. Und wie stets waren es die Frauen, die zurückblieben, und schweigend erdulden mussten, dass ihnen Väter, Ehemänner, Brüder und Verwandte genommen wurden, ohne dass sie etwas dagegen tun konnten.
"Ich will mir gar nicht vorstellen, in welcher Gefahr unser Vater schweben könnte - es ist nur gut, dass Mogontiacum eine befestigte und gut gesicherte Stadt ist, sodass ihm nichts geschehen kann," sagte sie leiser, etwas nachdenklicher, ein wohl deutlicher Kontrast zur Begeisterung ihres Bruders. Und ebenso leise betrat eine Sklavin den Raum und blickte zu ihrer Herrin, näherte sich aber erst, als sie das Zeichen dazu erhielt und entschwand wieder eilig, als sie ihre Botschaft ausgerichtet hatte. Noch bevor Tiberius Vitamalacus auf die versteckte Frage antworten konnte, erhob sie sich und ein bedauerndes Lächeln zeichnete sich auf ihren Zügen ab. "Es tut mir leid, dies sagen zu müssen, aber ich werde mich nun wieder der Vorbereitung unseres Gastmahls widmen müssen - die Zeit vergeht, und ansonsten werde ich unsere Gäste heute abend eher abschrecken, weil meine Haare noch zu Berge stehen oder die Schminke nicht fertig ist." Vergnügt ob des beschriebenen Bildes lächelnd - eine wahre Vogelscheuche wäre sicherlich eine interessante Atraktion für ein Gastmahl - nickte sie den beiden Männern zu.
"Es hat mich sehr gefreut, dass Du uns besucht hast, Tiberius Vitamalacus, und ich hoffe, es wird nicht das letzte Gespräch sein, das wir miteinander führen konnten, ich weiss Deine Ansichten sehr zu schätzen," sagte sie freundlich zu beider Gast und wandte sich dann zu jenem Bereich des Atriums, der weiter in die Casa hinein führen würde, am impluvium vorbei. Auch für Constantius würde es bald Zeit sein, sich vorzubereiten, aber glücklicherweise schienen Männer für dergleichen deutlich weniger Zeit zu brauchen als Frauen. Manchmal waren sie wirklich sehr zu beneiden. "Vale bene," verabschiedete sie sich mit einem Lächeln in Richtung des Gastes, dann auch zu Constantius, und wandte sich schließlich dem Gang zu ihrem cubiculum zu, um sich der Herausforderung der anspruchsvollen römischen, weiblichen Verschönerungskunst zu stellen.
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Sie erhob sich, als er aufsprang, und blickte ihm schmunzelnd nach. In diesem Augenblick war wieder alles so wie früher - er rannte zurück zur castra wie er früher gerannt war, wenn aus der Ferne der elterlichen Casa das Läuten zur mittäglichen cena erklang, immer ein bisschen schneller als sie, und seine Ausrüstung schien seine Kraft kaum bremsen zu können. Für diesen Moment schien die somemrliche Hitze Tarracos zurückzukehren, der süße Duft nach Blüten und den in voller Reife stehenden Feldern, durch die sie gern getollt waren, der Geruch nach dem salzigen Meerwasser und nach Freiheit und tausend Abenteuern, wenn sie an den Klippen unterwegs waren und sich abends dafür die gebührende Tracht Prügel einfingen - sie hatten wirklich eine goldene, wundervolle Kindheit gehabt, überlegte sie wehmütig und ihre Gedanken glitten zu ihren eigenen Kindern, deren Leiber im felsigen Boden Syrias bestattet worden waren.
Irgendwann wollte sie wieder einen Sohn haben, den sie genauso wohl würde prügeln müssen, wenn er über die Stränge schlug - und der seiner Schwester vielleicht irgendwann auch eine Taube schnitzen würde, das Symbol der gens Iulia. Leicht seufzend ließ sie sich wieder auf das Bänkchen sinken und hätte sich fast auf das Körbchen gesetzt, in dem die Meeresfrüchte gelagert waren. "Oh, da sind ja noch welche drin," sagte sie überrascht, hatte sie das alles doch vollkommen vergessen. Und mit durchaus viel Genuss und zurückkehrendem Appetit machte sie sich daran, das Körbchen nun doch zu leeren, während ihre Gedanken in eine Vergangenheit schweiften, die von spannenden Expeditionen in Keller, Felder und an Klippen angefüllt gewesen war, gemeinsam mit ihrem liebsten, jüngsten Bruder. Sollte sie jemals wieder einen Sohn bekommen, würde er Caius heissen ...
~* Ende *~
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"Nein, im Augenblick wüsste ich keinen Mann, der für sie als Ehemann geeignet wäre. Am Besten wäre wohl ein Gemahl, der ihr einige Jahre Erfahrung voraus hat und der sie leiten kann, scheint sie mir doch noch sehr ungestüm und freiheitsliebend - ein junger Mann wird diesen Wesenszug nicht unbedingt mit Geduld und Nachsicht ausgleichen können, und vielleicht auch nicht wissen, wann es richtig ist, Grenzen aufzuzeigen. Wenn sie Glück hat, findet Numerianuns einen vermögenden eques, der in die Politik einsteigt und seine Karriere mit dem ordo senatorius zu krönen imstande ist," sagte sie nachdenklich und atmete tief durch. Der Gedanke, einen passenden Mann für Livilla suchen zu müssen, gefiel ihr nicht, sie fand ja nicht einmal für sich selbst einen geeigneten Kandidaten, beziehungsweise gab es niemanden, der derzeit um sie selbst warb, wo sollte man also jemanden für ihre Cousine auftreiben? Dieser Gedanke musste also erst einmal zurückgestellt werden.
Sachte strich sie mit dem Handrücken über seine Wange, als könnte sie ihn und sich selbst damit von den Gedanken über Livillas Zukunft ablenken, aber der beruhigen sollende Effekt stellte sich nicht bei ihr ein. "Diese Maßnahmen scheinen mir angemessen und passend für ihr bisheriges Verhalten," sagte sie nach einer Weile, nachdem sie sich seine Anordnungen durch den Kopf hatte gehen lassen. "Vielleicht sollten wir ihr eine Leibsklavin kaufen, damit sie ein wenig mehr Gesellschaft hat, Du bist den ganzen Tag ausser Haus und ich ebenso, kein Wunder, dass sie sich davonstiehlt und Unsinn treibt. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn Du mit ihr zum Sklavenmarkt gehen würdest, um nach einer Sklavin Ausschau zu halten, die sich um Livilla kümmern kann und ihr die Zeit vertreibt, wenn nötig. Das Geld dazu kannst Du von meinem Konto nehmen."
Müßiggang war wirklich keine gute Lebensart für eine unverheiratete Frau, und sie war fast froh, dass sie selbst niemals in diese Verlegenheit gekommen war, in ihrer Ehe hatte es stets etwas zu tun gegeben, und sei es nur, ihren Mann abends aufzuheitern. "Vielleicht wirst Du Milius aus der culina damit beauftragen wollen, ihr zu folgen. Er ist klein, schmal und kennt sich in Rom so gut aus wie der Straßendreck selbst - und er geht so gut mit der Schleuder um, dass er die Ratten im Keller jagt, also er könnte ihr im Notfall einiges an Luft verschaffen, wenn es sein muss." Und Milius war ein treuer Haussklave, der schon in der Casa zur Welt gekommen war, der Sohn des früheren vilicus, ein blitzgescheiter Knabe, den eine passende Ausbildung irgendwann einmal sehr weit führen konnte. Er würde sich sicher auf einige Kniffe verstehen.
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Sanft fuhren ihre Finger über das Holz, dieses Stück Holz, das über zehn Jahre alt war. Hätte sie damals geahnt, dass er noch mit vollem Eifer an einer Erinnerung für sie an ihren Bruder gearbeitet hatte, während sie unruhig und voller Angst vor dem fremden Ehemann in jener Nacht kaum Schlaf gefunden hatte, hätte sie sich wahrscheinlich mehr gegen die Abreise gewehrt, als sie es damals getan hatte. Stattdessen war sie in eine Sänfte gesteckt worden, nach einer viel zu kurz scheinenden Verabschiedung von ihren Eltern und ihren Brüdern, ganz besonders dem so müde wirkenden kleinen Constantius, der so enttäuscht geblickt hatte.
Heute wusste sie endlich, warum er so verletzt gewirkt hatte, so verloren inmitten der Erwachsenen, denen sie entschwunden war, um eine Ehe zu beginnen, die zu Anfang für sie nur schrecklich und furchtbar gewesen war. Dass sich doch etwas Gutes daraus entwickelt hatte, war vor allem Titus' letztendlicher Geduld zu verdanken gewesen, der sein eheliches Recht nicht zu oft gefordert hatte und ihr auch ihre Fehler vergab. Sanft legte sie die Hand auf den Stoff der Stola, unter welchem sich der Anhänger befand, um den Blick zu ihm zu heben, die Augen noch immer vor Rührung schimmernd. So war erneut ein Band zwischen ihr und ihrem Bruder geschmiedet worden, das sie nicht vergessen würde, eine Verbindung für die Ewigkeit eines Lebens. Noch einmal würde sie ihn nicht verlassen können, nicht, wie es damals gewesen war, dafür war er ihr viel zu sehr ans Herz gewachsen.
"Du wirst immer meinem Herzen am Nähesten sein, Caius," sagte sie leise und lächelte sanft. "Heute, morgen, in der Zukunft. Was ich tun kann für Dich, werde ich tun, heute kann ich es endlich, damals konnte ich es noch nicht. Solange wir uns nur nie verlieren oder uns gram werden wegen was auch immer, ich werde bei Dir sein." Feierlich klangen die Worte, und sie hatte sie ausgesprochen, als würde sie einen besonderen Eid schwören, den zu brechen diese Welt nicht ausreichen konnte. Denn letztendlich hatte sie es auch so gemeint - denn dafür liebte sie ihren Bruder viel zu sehr, als ihn alleine lassen zu wollen. Wahrscheinlich hätte sie sich auch eine Rüstung der Cohortes Urbanae angezogen und wäre mit einem pilum und einem scutum durch die Straßen marschiert, um ihn aus irgendeinem Schlamassel heraus zu ziehen - zumindest der Wille dazu stand deutlich in ihren Augen. Sachte richtete sie sich auf und ihre Lippen berührten vorsichtig seine Stirn, die Worte mit einem geschwisterlichen, liebevollen Kuss besiegelnd.