"Ich glaube nicht, dass ein Mann, der Dich nicht ausdrücklich zum cliens nimmt, Dein Patron ist, und ich würde auch kein Familienmitglied dafür wählen, Gabriel. Was, wenn es der Familie einmal schlecht ergeht und alle ihren Einfluss verlieren? Suche Dir einen einflussreichen Mann ausserhalb der gens Didia, den Du kennst und dem Du vertrauen kannst, und wähle ihn dir als patronus, das ist mein guter Rat an Dich. In Momenten wie diesem hättest Du dann jemanden, der Dir ebenso zur Seite stehen kann wie ich es zu tun versuche - nur mit mehr Nachdruck und der Legitimation durch eure Verbindung. Rom ist vor allem eine Stadt der Hintertüren, je mehr Du Dir offen hältst, desto besser ..."
Das war jetzt unpraktisch, aber nicht zu ändern. Sie notierte auf ihrer Wachstafel das Wort patronus und strich es durch - der Didier war zu weit entfernt und sie kannte ihn nicht, konnte ihn also nicht ansprechen, somit fiel diese Option flach.
"Es ist nun geschehen, wie es geschah, Gabriel, mach Dir keine Vorwürfe. Du wirst Deine Kraft nötiger brauchen, um zu gesunden, das ist jetzt wichtiger. Du hast mit ihm über die Frau gesprochen, und es lässt sich nicht rückgängig machen. Wichtig ist, dass niemand sonst von dieser Sache erfährt. Vielleicht noch ein Vertrauter, dem Du Dein Leben ohne Sorge in seine Hände geben würdest, aber niemand sonst. Allzu leicht wird ein Name befleckt und in den Dreck gezogen, und eine Frau, die in der Öffentlichkeit steht, hat kein privates Leben mehr. Die Frage, ob nun etwas geschehen soll, wird bei Dir liegen, Gabriel - ob Du Vergeltung suchst für das, was Dir angetan wurde." Als er leise stöhnte, hielt sie inne und atmete ein. Sie durfte ihn nicht überfordern, kein Wunder, dass es ihm schlecht ging - und nun kam sie mit ihren Fragen und Gedanken und machte alles schlimmer. Und als er den Anschlag erwähnte, wurde ihr klar, um wen es sich handeln musste.
"Mache Dir keine Sorgen um mich, Gabriel, ich fürchte diesen Strabo nicht und auch nicht, was er tun könnte. Er wird es nicht wagen, Hand an einen Magistraten zu legen, denn er ist sicher kein so vollkommener Idiot. Opportunisten überleben dadurch, dass sie sich stets im Klaren darüber sind, wen sie in den Hintern treten können und wer danach liegenbleibt ...was sie nicht davor schützt, andere zu unterschätzen. Gebrauche Deine Kraft nun, um gesund zu werden, Gabriel, das ist das wichtigste, alles weitere werde ich versuchen, in die Wege zu leiten - wenn Du das möchtest." Crassus. Ja, eine gute Idee, vielleicht die Beste von allen. Langsam erhob sie sich und trat an einen Tisch, der an der Wand des Raums stand und auf dem sich eine Schüssel mit kaltem Wasser befand. Sie tauchte einen frisch zugeschnittenen Verband hinein, wrang ihn aus und kehrte zu Gabriel zurück, um ihm das kühlende Tuch sanft auf die Stirn zu legen, damit es ihm ein wenig Linderung verschaffen konnte.