Beiträge von Iulia Helena

    Das war es also, was einen Helvetier aus der sprichwörtlichen Ruhe zu bringen vermochte - Kirschen. Sie schmunzelte etwas, als sie ihn dabei beobachtet, wie er die ersten der süßen Früchte verschlang, um dann dankend zu nicken und sich genau eine einzige Kirsche aus seiner Tüte zu nehmen, die sie mit spitzen Fingern zu den Lippen führte und dann dort sachte zu kauen begann.
    "Sehr lecker," meinte sie schmunzelnd. "Wenngleich es Dich aber nicht satt machen wird, als Vorspeise sind sie nicht zu schlagen." Er hatte etwas sehr jungenhaftes an sich, zumindest im Augenblick leuchteten die Augen eher wie die eines Lausbuben denn wie die eines erwachsenen Mannes. Irgendwie fand sie das sympathisch.

    "Nun, da ansonsten die Curia voll besetzt ist, wirst Du für einen höheren Posten als den eines Scriba gegen die aktuellen Amtsträger kandidieren müssen und die Bürger zuvor also mit Deiner Arbeit davon überzeugt haben, dass Du die richtige Wahl bist - automatische Beförderungen wird es hier nicht mehr geben," meinte sie lächelnd, aber auch gelassen. Sie wollte dieser jungen Frau schließlich keine Illusionen machen, die ihr Flausen in den Kopf setzen würden.


    Sim-Off:

    bevor das nicht geklärt ist, kann ich Dich nicht einstellen, das verstehst Du hoffentlich ;)

    "Es geht um den Ausgang der Wahl zur curia provincialis. Du und Octavius Dio liegt gleich auf, das weisst Du ja, und der Comes möchte nun klären, wer von euch beiden den übrigen Sitz einnehmen wird. Er ist extra deswegen von Rom hergekommen und wir sollten ihn nicht warten lassen," sagte sie ruhig, während in den blauen Augen fast etwas wie ein gut versteckter Ärger aufblitzte, für einen guten Beobachter aber durchaus erkennbar.

    Wahrscheinlich hätte sie feiern sollen, als das Ergebnis der Wahl zu den Magistraten und der curia provincialis bekannt gegeben wurden. Sie hatte mit einer satten Stimmenmehrheit einen der beiden Plätze zur curia erreicht, und der Platz des Duumvirn war ihr ebenso in die Hände gelegt worden. Aber nach den letzten Tagen der Wahlvorbereitung, der Wahlrede, der stetigen Nervenanspannung und schließlich die häuslichen Schwierigkeiten fühlte sie sich einfach nur sehr müde und erschöpft, wenig in der Laune, einen Sieg zu feiern, da noch vieles ungewiss war und sein würde. An einem Tag wie diesem hätte sie nur zu gerne jemanden in ihrer Nähe gewusst, der sie einfach nur ohne zu fragen in den Arm nehmen würde, sie hielt und sie entspannen ließ. Doch der einzige, dem sie sich vielleicht offenbart hätte, trug sein eigenes Päckchen eines anstrengenden und kraftraubenden Dienstes - und sie wollte ihren Bruder nicht beunruhigen, musste er doch selbst erst die Last des Haushaltsvorstands langsam zu tragen lernen.


    Sie wollte ihn nicht überfordern und durch eine zu umfangreiche Last ins Taumeln bringen, dafür schätzte sie ihn viel zu sehr. Constantius war eben immernoch ihr kleiner Bruder, den sie zu schützen versuchte, so gut es nur ging, auch wenn sie genau wusste, dass vielleicht gerade der Fehler war. Still trat sie an die Wand ihres Cubiculums, nahm das gladius in seiner abgewetzten Lederscheide in beide Hände und setzte sich auf die Kante ihres Betts, um die Klinge in einer langsamen, sehr bedächtigen Handbewegung zu ziehen und ihr sich im matten Licht der Öllampe gespiegeltes Gesicht zu betrachten. "Ich bin so müde, mein Gemahl, so müde," flüsterte sie leise in die Halbschatten ihres Gemachs und hielt den Blick auf die Schneide gesenkt, mit der er so oft die Feinde des Imperiums niedergestreckt hatte. Diese Waffe hatte Titus überall hin begleitet, und nun gehörte sie ihr, eine stetige Erinnerung an die Tatsache, dass man oft genug kämpfen musste, um ein gesetztes Ziel zu erreichen. "Nun verstehe ich dich besser, mein geliebter Titus, denn oft warst Du abends so müde, dass Du nicht mehr sprechen, nur schlafen wolltest, weil Dir alles zuviel wurde. In diesen Stunden habe ich Dich gehalten, nicht Du mich, und es hat Dich besser schlafen lassen. Heute fehlen mir Deine Arme, Titus ..."


    Langsam ließ sie sich rückwärts auf das Bett zurücksinken und nahm die Waffe in ihre Arme, nachdem sie das gladius wieder in seine Lederscheide zurück geschoben hatte. Sie hielt das Schwert, als müsse sie einen Menschen umarmen, trösten und halten, doch es konnte die Stille des Raumes nicht besänftigen, in der sie nur als vages Echo einer längst verstrichenen Zeit die Stimme ihres verstorbenen Gemahls vernahm. "Titus, ich hoffe sehr, dass Du stolz auf Deine Frau bist, denn seit dem heutigen Tag bin ich Duumvir von Ostia, Roms wichtigstem Hafen. Ich habe gute Männer in der Curia angestellt, die mich bei dieser Aufgabe unterstützen werden, und ich kann nur hoffen, dass ich das Vertrauen der Bürger rechtfertigen kann, welches sie mir durch die Wahl offenbart haben. Aber es gibt noch so vieles zu tun. Der Tempel des Merkur in Ostia muss gebaut werden und es liegen dort nur Trümmer, während die Legio I. Traiana in Mantua ein verfluchtes amphitheatrum baut. Ich verstehe es nicht, wieso es so viel wichtiger sein soll als ein Tempel, aber nun stehe ich mit leeren Händen da und ich habe die Befürchtung, dass wir, wenn wir auf die Legio warten, ewig warten müssen. Es wird eine andere Lösung geben müssen, und ich wünschte, Du könntest mir einen Rat geben, mein Gemahl. Du hattest immer ein ruhiges, überlegtes Wort für mich und gerade fühle ich mich, als könnte ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.


    Die Familie macht mir auch Sorgen, Titus, und das nicht wenig. Constantius scheint derzeit zwar recht zufrieden zu sein, aber ich weiss, dass er noch immer an der Lupa hängt, die ich ihm brachte, damit er etwas Erfahrung sammelt - ich fühle mich so schuldig, dass er wegen diesem Mädchen nun traurig ist, und er spricht auch nicht darüber, Du kennst ja uns Iulier nur zu gut. Bevor wir über unser Innerstes sprechen, vergeht viel Zeit, und mein jüngster Bruder ist ein sehr iulischer Iulier. Ich hoffe, er kann mir vergeben, dass ich ihm Leid und Freude zur selben Zeit gebracht habe, ich wage ich nicht dies zu fragen, weil ich fürchte, ihm dadurch nur noch mehr Schmerz zu bereiten. Und Livilla hat anscheinend das Pech mit dem anderen Geschlecht von ihrem Vater Numerianuns geerbt, zumindest hat sie wegen einem jungen Mann eine sehr große Dummheit begangen. Ich weiss nicht, was sie sich dabei gedacht hat, und ob sie sich dabei überhaupt etwas gedacht hat, als sie sich abends aus dem Haus schlich, um diesen jungen Mann zu treffen, von dem sie behauptet, dass sie ihn nicht liebt. Und Du kennst Rom, es musste etwas passieren, und es ist auch etwas passiert. Sie wurden überfallen, und der junge Mann liegt nun verletzt darnieder, während Livilla fast hysterisch sich an allem die Schuld gibt. Ach, Titus, ich wünschte, ich könnte diese Sache zu einer Lösung führen, aber ich fühle mich so unendlich ratlos."


    Seufzend zog sie die Decke um sich, obwohl es eigentlich viel zu warm war, aber das Gefühl einer flüchtigen Geborgenheit war ihr wichtiger als die sich unter der Decke entwickelnde Hitze. Langsam tasteten ihre Finger über das gepflegte, geschmeidige Leder, die abgewetzten Stellen, die vom Einsatz im Krieg kündeten und die Geschichte seiner Kämpfe und Siege ebenso erzählten wie vom Augenblick der letztendlichen Niederlage.
    "Es bleibt mir wenig Zeit, über meine eigene Zukunft wirklich nachzudenken, und ich fühle mich derzeit sehr allein, Titus. Von all den Jahren, die wir miteinande verbracht haben, bräuchte ich Dich jetzt am nötigsten. Verzeihst Du mir, dass mich ein anderer in den Armen hielt und ich es genossen habe? Es war eine so schöne Erinnerung, und wir waren nass bis auf die Haut, weil es so sehr geregnet hatte, ein Wolkenbruch am hellichten Tag. Es war schön, verstehst Du? Einige Momente lang musste ich an nichts denken, und er war auch kein Patrizier, sondern einfach nur ein Mann, und ich war keine Magistrata, sondern nur eine Frau mit sehr nassem Haar. Wir haben uns geküsst, und ich glaube immernoch, dass es in diesem Moment das richtige war, auch wenn es natürlich schimpflich ist und meinen Namen in Verruf brächte, hätte es jemand gesehen. Aber ich kann mich nicht dafür schämen, Titus .. wir sind Freunde, und als Freunde haben wir uns in diesem Moment etwas geschenkt."


    Kurz umspielte ein leichtes Lächeln ihre Lippen, als sie sich auf den Rücken wälzte und an die halb dunkle Decke blickte. "Ich bin so verwirrt, Titus, dass ich so denke. Auch, dass ich Valerius Victor auf dem Streitwagen so umarmte, weil ich es einfach wollte, weil ich ihn fühlen wollte, seinen starken Körper mit den Armen halten und mich nur einen Moment daran zu erinnern, wie es ist, einen Mann zu berühren. Ich bin ihm seitdem aus dem Weg gegangen, weil ich immer, wenn ich an ihn denke, diesen Stich fühle, spüre, wie mir die Knie weich werden vor Begierde ... aber warum sollte es auch leicht sein? Der Dritte, von dem ich dir berichtete, gibt mir auch nur Rätsel auf. Wir hatten ein Gastmahl veranstaltet, und sowohl er als auch Victor waren anwesend - stell Dir vor, er ist einfach gegangen, ohne ein Wort, ohne eine Entschuldigung. Ich verstehe euch Männer einfach nicht, manchmal handelt ihr schlichtweg so irrational, dass man es nie und nimmer verstehen kann. Wie soll man denn da einen Mann kennenlernen, der einem allen Ernstes gesagt hat, man käme für ihn als Ehefrau in Betracht?"


    Auch jetzt schüttelte sie noch den Kopf und vermerkte diese Tatsache als eine solche, der sie nachgehen musste - morgen. Irgendwann. Wenn sie wieder Zeit haben würde für ihr müßiges, eigenes Leben. "Ach Titus, ich bin so müde," flüsterte sie leise und schloss die Augen, das Schwert noch immer in den Armen haltend, unter der viel zu warmen Decke eingekuschelt. Während ihre Gedanken noch kreisten, wie sie die nächsten Tage organisieren sollte, wurde der Tanz der Überlegungen und Sorgen langsam geringer, bis er schließlich in eine gnädige Dunkelheit versank, als Morpheus die müde Iulierin fest in seine Arme nahm und sie in dieser Nacht gnädig von allen möglichen Träumen verschonte.

    Sie hob nur kurz die Hand zur Türe von Corvinus' Officium, klopfte einmal knapp an und blickte hinein.
    "Artorius Corvinus? Komm bitte mit mir mit, es ist dringend und wichtig." Die Magistrata hatte mit einem ungewöhnlichen Ernst gesprochen, der verriet, dass weder der Tod eines nahen Anverwandten noch unabgetragene Aktenstapel ein angemessenes Gegenargument darstellen konnten - und ebenso ernst wirkte ihre Miene, das sonstige, zumeist fröhliche Lächeln fehlte gänzlich. Etwas schien sie durchaus zu beschäftigen.

    Kurz überlegte sie, wie wahrscheinlich es wohl war, dass ein Kandidat wirklich eine solche Frage gestellt erhielt - und kam zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit im heutigen Rom sehr erschreckend hoch war. Zumindest traute sie diese Art der Befragung doch so manchem zu, das bisherige politische Leben in der urbs aeterna hatte sie so manches positive Bild vergessen lassen, das sie über die Jahre hinweg aus der Ferne aufgebaut hatte. Der warme Klang seiner Stimme beschäftigte vielmehr ihre Gedanken, und sie mochte dieses freie Lächeln, das nun seine Züge erhellte. Es stand ihm ausserordentlich gut und sie wusste sehr wohl, dass sie es wahrscheinlich in der Zukunft nicht mehr oft zu sehen bekommen würde - wann hatte man schon die Gelegenheit, sich innerhalb der Gesellschaft zu bewegen und alleine miteinander zu sprechen, ohne Anstoß zu erregen? Umso mehr wollte sie die Augenblicke für sich bewahren, die sie noch teilen konnten.


    "Vielleicht ist es gerade die Herausforderung, ein größeres castellum in Ordnung zu bringen als das einer Legion," überlegte sie lächelnd. "Ich hätte vor einer Weile auch nicht gedacht, dass ich einmal magistratus einer Stadt werden würde, und doch ist es geschehen. Letztendlich funktioniert alles nach demselben Prinzip: In einen Haushalt Ordnung zu bringen ist genau dieselbe Arbeit wie in einer Stadt, nur dass die Stadt aus mehr Variablen besteht. Kennt man sie erst alle, kommt man damit zurecht - und in Rom ist einfach alles viel größer. Aber ich bin mir sicher, dass ein Mann, der Legionäre aus allen Ecken des Imperiums zur Ordnung bringen kann, sich auch in Rom gut schlagen wird. Es ist alles eine Frage der Organisation und natürlich auch der Kraft, die Du aus der Hilfe anderer schöpfen können musst." Sie klang seltsam zuversichtlich, denn gerade über diesen Punkt hatte sie lange alleine nachgedacht, als sie zur Magistrata berufen worden war - ob sie es schaffen würde und konnte. Letztendlich musste man den riesigen Berg Arbeit in kleine Häppchen unterteilen, um dann wieder Land zu sehen.


    "Du hast sie eben beide geliebt," sagte sie leise und schenkte ihm ein warmes, offenes Lächeln. "Allzu viele Männer vergessen ihre Ammen mit den Jahren, und ich bin froh, dass Du nicht zu ihnen gehörst." Es sprach für ihn, dass er dies offen zugeben konnte, und sie nickte zu seinen Worten. "Nicht nur. Meine ersten Jahre verbrachte ich in Rom, dann zogen meine Eltern nach Tarraco um, wo ich lebte, bis ich verheiratet wurde - dort ist auch mein Bruder Constantius aufgewachsen, wie auch meine anderen Brüder. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, erinnere ich mich vor allem an die hispanische Sonne und den Geruch der Felder in der Nähe der Stadt. Es war eine so friedliche Zeit ohne Sorgen - ausser wir hatten etwas angestellt, natürlich." Das verschmitzte Lächeln mochte ihm verraten, dass dies nicht allzu selten der Fall gewesen war.

    Leise klopfte die Hausherrin an die Tür von Livillas Zimmer, in der rechten Hand den Becher mit dem Schlaftrunk, wegen dem sie Teremun kurzerhand aus dem Bett geholt hatte. Aus einigen milden Essenzen hatte er schließlich etwas Beruhigendes zusammengemischt und dem Trunk noch einen lieblichen Geschmack verliehen, damit er gefällig schmecken würde und Livilla ihn nicht sofort verweigern würde, wenn sie ihn gekostet hatte.
    Die lauten Stimmen hatte sie durchaus vernommen, auch einen Teil des Gesprächs, aber sie wollte auch nicht ewig vor der Tür stehen müssen, um einen günstigen Moment abzuwarten.

    "Je nach Zuschuss-Ausschüttung der Regio Italia kannst Du ein Gehalt von bis zu vierzig Sesterzen erwarten, sobald ich den neuen Schlüssel habe, kann ich es Dir genau sagen," erwiederte sie freundlich und lächelte dann offen.
    "Nun, Deine Hauptarbeit wäre die Bearbeitung des Aktenmaterials, welches Dir von den Magistraten zugewiesen wird. Ebenso nimmst Du eingehende Briefe entgegen und leitest sie an die Personen weiter, für die sie bestimmt sind, ansonsten sind Deine Aufgaben variabel und hängen von den Dingen ab, die aktuell erledigt werden müssen."


    Sim-Off:

    Du hast da die Signatur eines Aquarius - wenn sich Dein Charakter bereits eine Arbeit gesucht hat, kannst Du hier leider nicht Scriba werden, ich würde Dich bitten, das abzuklären. Jeder Job, der eine eigene Signatur besitzt, gilt als 'Vollzeitstelle', Du solltest Dich also entscheiden, was Du tun möchtest :)


    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/albums/b620/Zacade/IR/Home/Avas/SWonga.jpg]


    Wonga führte die junge Frau in das Atrium der Casa Iulia, in welchem die Luft angenehm kühl war. Einige Grünpflanzen in Glas- und bemalten Tonvasen kündeten hier von der ordnenden Hand einer Frau im Haushalt, während neben den gepolsterten Sitzbänken für Gäste und Bewohner ansonsten wenig Möblierung vorhanden war - der Blick blieb allerdings frei in den Nebenraum, das lararium, in welchem die Ahnenmasken der gens Iulia aufbewahrt wurden und von der ruhmreichen Vergangenheit dieses Geschlechts kündeten.


    "Du hier warte," sagte der Nubier nicht unfreundlich zu ihr und fügte an. "Ich werde Herr und Herrin sage, dass Du hier sein."

    "Ein gewisser Ehrgeiz kann Dir in der Verwaltung auch nicht schaden," sagte die Iulierin und nickte sachte. Dass sie in ihrer Schwester ein Vorbild sah, hielt sie für eine gute Sache, immerhin hatte es Iunia Attica sehr weit gebracht und nahm bei Hofe eine besondere Vertrauensstellung ein, ihr nachzueifern war also keine schlechte Idee.


    "Nun, ich erwarte von meinen Mitarbeitern jederzeit eine vollkommene Offenheit und Loyalität zur Stadt. Es werden sicher einige Männer versuchen, auf Dir dafür herum zu trampeln, dass Du es als Frau wagst, Deinen Weg abseits der Ehe zu finden, und Du sollst wissen, dass ich Dir in solchen Dingen jederzeit beistehen werde. Ich bin der festen Ansicht, dass die Bekleidung eines Amtes vom Können und Einsatz eines Menschen abhängen sollte, nicht vom Geschlecht."

    Nachdem nun alle Gäste sich versammelt hatten - sie glaubte nicht mehr daran, dass Tiberia Livia und ihr Gemahl erscheinen würden, war es doch von Anfang an eine recht unsichere Sache gewesen - trat sie auf Constantius zu und flüsterte ihm leise ins Ohr, dass das Triclinium bereit für die Gäste war - aber es war seine Aufgabe als Hausherr, die Gäste dorthin zu bedeuten, während sie ihnen voran gehen würde. Auch das gehörte zum Sein als Mann im Haus dazu, und sie wollte ihn lieber frühzeitig daran gewöhnen als zu spät.
    "Nur Mut, Caius," murmelte sie leise und zwinkerte ihm ermunternd zu, ihn stolz und offen anblickend. Auch dies Hürde des gesellschaftlichen Umgangs würde er zu nehmen wissen, dessen war sie sich sicher.


    riclinium

    >


    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/albums/b620/Zacade/IR/Home/Rooms/CITriclinium.jpg]

    Hier befinden sich die Iulier beim "Gastmahl für den zahlreichen Besuch".



    Das nicht allzu oft genutzte Triclinium der Casa Iulia war für den Tag des Gastmahls geputzt und sorgsam hergerichtet worden - die Wände trugen noch immer die Malereien von tanzenden Flötistinnen, gesäumt von floralen Mustern neuerer Mode, man hatte allerdings schon vor einiger Zeit eben diese Malereien neu aufgefrischt, sodass sie nun fast wie neu wirken mochten. Zu Bacchus' Ehren waren die tragenden Ecksäulen des Raumes mit Weinlaub bekränzt worden, Öllampen, die man hoch genug gehängt hatte, dass sie nicht durch betrunkene Gäste umgestoßen werden konnten, vermittelten ein warmes, günstiges Licht für das Zimmer. Neben den Klinen waren mehrere Tische aufgebaut, auf denen die Speisen aufgetragen werden würden, damit sich die Gäste bequem bedienen konnte, ohne sich allzu weit recken zu müssen, und auch hier stand eine Sklavin für das Nachschenken von Wein und anderen Getränken bereit. Selbst einen Flötenspieler hatte man gedungen, um die Gesellschaft mit leiser, unaufdringlicher Musik zu unterhalten, und seit die Hausherrin den Befehl gegeben hatte, dass die Gäste nun in Kürze auch im Triclinium zu erwarten waren, hatte auch der Flötist, ein schlanker junger Mann mit einem sehr griechisch wirkenden Äußeren, zu spielen begonnen.

    "Kommt nur herein und lasst euch nieder," sagte Iulia Helena, als sie den Gästen voran das Triclinium betrat und einen Schritt beiseite machte, damit alle anderen ebenfalls herein kommen konnten - insgeheim hoffte sie sehr, dass die Aufmachung des Raums den Gästen gefallen würde und sie nicht auf die eher schlichte Eleganz des iulischen Haushalts herabsehen würden. Die Kline des Hausherrn - also die des Constantius - stand etwas versetzt in der Mitte, wie es üblich war, dort würde auch sie Platz nehmen, wie es sich für die Schwester des Mannes im Haus gehörte, wenn er nicht vermählt war.

    Das klang alles vielversprechend und sie passte auch recht gut in das Arbeitsmodell, das sie sich für die Curia Ostiae in Zukunft vorstellte - zwei Magistrate, zwei Scribae, und einen Duumvir. Ein junges, frisches Gesicht zu haben konnte nicht schaden, und wenn sie tatsächlich das Organisationstalent Iunia Atticas besaß, wäre sie eindeutig ein Gewinn. Die Iulierin schien einige Momente in Gedanken versunken, bevor sie leicht nickte.
    "Und wie stellst Du Dir Deinen weiteren Lebensweg vor? Als Scriba zu beginnen ist eine Sache, aber du hast sicherlich auch ein Ziel vor Augen - sei es die Hochzeit, die Mutterschaft, ein wichtiger Verwaltungsposten .. was auch immer. Was wünscht Du Dir für Deine Zukunft, Iunia Maecia?"

    Bei seiner Bemerkung über Fragen, die er nicht beantwortet hätte, lachte sie leise auf. "Also wirklich, solche Fragen stellt man doch auch keinem Kandidaten. So etwas interessiert in der Politik doch auch niemanden, und ich würde, wäre ich an Deiner Stelle auf der rostra gewesen, wohl auch jeden erbarmungslos zerpflückt haben, der mir eine solche, dämliche Frage gestellt hätte. Es ging bei den meisten Reden ohnehin viel zu wenig um wirkliche Politik und viel zu viel um irgendwelche Grabenkämpfe oder das Geschlecht einer der Kandidatinnen. So bringt man doch das Imperium nicht voran." Sie schüttelte kurz den Kopf, aber sie wollte sich auch die angenehme Stimmung im Gespräch mit ihm nicht durch politische Erwägungen verderben lassen, darüber hatte sie schon oft und lange genug nachgedacht.


    Sachte legte sie die Rechte bekräftigend auf seinen Unterarm, wo schon die andere Hand ruhte, und meinte entschieden: "Wenn Deine Ahnen Soldaten waren, und Du das soldatische Leben gelernt hast, bis es Dich schließlich zum Tribun geführt hat, dann hast Du doch längst bewiesen, dass Du Deinen Ahnen ebenbürtig bist und Du fähig bist, so zu leben, wie man es von Dir erwartet. Vielleicht ist es an der Zeit für Dich, aus dem Schatten deiner Ahnen zu treten, und als das, was Du bist, auch für Deinen Sohn mehr zu erreichen, als sie erreicht haben - und gleichzeitig Deine Mutter damit glücklich zu machen," meinte sie sinnierend und betrachtete abermals sein Amulett nachdenklich.


    "Dass Du Deine Amme besser kanntest als Deine Mutter, wundert mich nicht. Ich hatte als kleines Kind auch mehr mit meiner Amme zu tun als mit meinen Eltern, und erst, als ich heranwuchs, wurden meine Eltern mehr Teil meines Lebens. Deine Mutter wurde Dir nur zu früh genommen, aber ich bin mir sicher ... dass sie über Dich wacht." Sie blickte langsam zu ihm auf und ihre Gedanken verloren sich. Wie mochte er wohl aufgewachsen sein, als der einsame Sohn toter Eltern, in der strengen Zucht eines Großvaters, der mehr Soldat war als Vaterersatz? Dagegen war ihr Leben sehr harmonisch und voller Wärme gewesen ...

    Langsam hob sie eine Braue an, als er bei der Nennung des Bohnengerichts so zu grinsen begann. Wollte sie diese Jugendgeschichten wirklich wissen oder wären sie nur flatulenzgefüllte Farce-Erzählungen?
    "Erzähle mir davon," meinte sie schmunzelnd und hielt ihn recht genau im Blick, während ihnen ein Schwung Bürger entgegen kam und die Magistrata freundlich grüßte.

    Eine Iunierin also - keine wirklich übermäßig einflussreiche Familie, wenn man von Iunia Attica absah, aber sicher auch keine schlechte Herkunft, was für die junge Frau vor ihr sprach.
    "Möchtest Du vielleicht etwas trinken, Iunia Maecia? Einen Becher Wasser? Bei der derzeitigen Hitze kann man gar nicht genug trinken, manchmal glaube ich, die Sonne wollte uns austrocknen," plauderte sie lächelnd und betrachtete die junge Frau vor ihr.


    "Nun, bevor ich Dir sagen kann, ob ich Dich einstelle, würde ich gern ein bisschen mehr über Dich erfahren. Es ist nicht sehr üblich, dass eine Frau den Weg in die Verwaltung sucht, und der Grund dafür würde mich erfahren - ebenso, was Du bereits gelernt hast und was Du glaubst, der Curia hier an Können und Wissen beisteuern zu können."