Sie war ganz froh, dass sie den Boden der Politik verlassen hatten, auch wenn die Stellung der Frauen in der römischen Politik immer wieder ihre Aufmerksamkeit gefunden hatte, seit sie davon erfahren hatte. Vielleicht war sie zu lange von der wirklichen Welt entfernt gewesen, als sie Titus in alle Ecken des Imperiums begleitet hatte, und die Welt hatte sich schneller verändert als sie es gedacht hatte - zumindest was die Stellung der Frauen anging. Als sie geheiratet hatte, war solcherlei noch undenkbar gewesen, und nun waren Frauen Senatorinnen und sprachen selbst ihre Meinung offen und frei aus. Sie konnte nicht vor sich verhehlen, dass sie dieser Weg reizte, aber gleichzeitig wagte sie es nicht, sich in Kleidung mit dem latus clavus vorzustellen, den sie sich selbst verdient hatte, ohne zu heiraten.
Sanft erwiederte sie das Lächeln ihres Bruders, und in diesem Augenblick fühlte sie sich so zufrieden wie schon sehr lange nicht mehr. Innerhalb kurzer Zeit waren sie in Rom gut angekommen, er ging der Tätigkeit nach, die er sich gewählt hatte, ihre Arbeit konnte den Haushalt finanzieren, was wollte man mehr? Es schien, als seien die Götter den Iuliern wieder gnädig, nachdem so lange kein Iulier mehr in den Geschicken der urbs aeterna eine Rolle gespielt hatte, hatten sie sich die Hintertür geöffnet und blickten in die bunte Welt Roms wie zwei Kinder, die noch vieles zu lernen hatten - und lernen würden. Sie würde ihm sagen müssen, wie stolz sie auf ihn war, und wie sehr er es noch immer schaffte, ihr Herz klingen zu lassen, weil es ihn gab. Für Constantius, ihren letzten und jüngsten Bruder, hätte sie wahrscheinlich alles getan.
"Irgendwie fällt es mir noch immer schwer, in den Germanen ein Volk zu sehen, das die römische Herrschaft gut angenommen hat. Ein Teil von ihnen scheint vollkommen wild und bar jeder Vernunft, die Legionen immer anzugreifen ist doch auch wahrlich idiotisch, und wieder andere scheinen sich so an uns angepasst zu haben, dass sie römische Namen tragen und römisch leben. Herrscht denn gar keine Einigkeit unter diesen Wilden? Ein Römer ist doch stets ein Römer, egal, wo er weilt," sagte sie nachdenklich und enthüllte damit einen Gedankengang, der ihr schon öfter gekommen war.