Einmal mehr war sie ihrem verstorbenen Gemahl mehr als dankbar dafür, dass er vor einigen Jahren Wonga gekauft hatte, denn ohne den hühnenhaften Sklaven hätte es für die Duumvir Ostias wohl kaum ein Durchkommen durch die Menschenmenge gegeben, welche sich für die Ehrenparade angesammelt hatte. Wonga allerdings ließ mit seinen breiten Schultern, den Schmucknarben auf dem Gesicht und seinem gewohnt stumpf-eindringlichen Blick die Menschen ausweichen und solange sie sich in seinem Kielwasser bewegte, kam sie sehr gut voran. Hier jemanden zu entdecken, den sie kannte, war fast unmöglich, aber sie blickte sich dennoch um, ein wenig Hoffnung konnte schließlich nie schaden. So nickte sie ab und an grüßend zu Leuten, die sie zu erkennen glaubte und setzte hinter Wonga ihren Weg fort, vielleicht würde es auch bis ganz nach vorne reichen, immerhin wollte sie von der Parade mehr sehen als nur Köpfe.
Beiträge von Iulia Helena
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Auch die Iulierin hatte ihren Platz in der Curia eingenommen und musste noch mit diesem seltsamen Gefühl zurecht kommen, mit einem Male in einem Gremium zu sitzen, dem viele wichtige Entscheidungen für eine gesamte Regio oblagen. Dennoch, man hatte sie gewählt, und es war Zeit, die Stimmen ihrer Wähler zu rechtfertigen, indem sie für Ostia, aber auch für Italia selbst an den Entscheidungen partizipierte, die anstanden.
"Der Winterschlaf ist nun vorbei, darin stimme ich Dir zu," antwortete sie mit klarer, tragender Stimme auf die Worte des Vesuvianus. "Doch sind wir nun alle anwesend und können uns selbst darum bemühen, diese wichtige Angelegenheit anzugehen." Schließlich waren sie keine Kinder mehr, die das Gängelband des Vaters brauchten, um irgend etwas zustande zu bringen.
"Ich denke ebenfalls, dass der freie Platz von Mantua besetzt werden sollte, so wir ein geeignetes Verfahren finden, welches keinen der nachrückenden Kandidaten benachteiligt. In Ostia wurde unter stimmgleichen Kandidaten für die Curia mit einer Beobachtung des Vogelflugs entschieden und ich würde vorschlagen, dass dieses procedere hier ebenso angewendet wird - die Kandidaten stellen sich der Curia vor und wir überlassen die Entscheidung dem Willen der Götter. Allerdings," damit machte sie eine kleine Pause."..möchte ich zu bedenken geben, dass es mich nachdenklich stimmt, dass Männer, denen angeblich so viel am Wohl der Regio gelegen ist, dass sie mit ihrem Wort und ihrem Namen für sie einstehen wollen, es nicht schaffen, sich zu einem festgelegten Termin der Öffentlichkeit zu präsentieren, wenn es ganz offensichtlich für alle anderen Anwesenden hier keine Schwierigkeit bestand, den Termin einzuhalten. Wie ernst zu nehmen ist dann der Wille jener, die es versäumten, zur rechten Zeit zu kandidieren? Wenn ich mich recht entsinne, ließ unser geliebter Augustus eine nachträgliche Kandidatur auch nur aus triftigen Gründen zu, und eine bloße Terminversäumnis gehört nicht dazu."
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"Es wäre schade um das verschenkte Potential. Er ist kräftig, stolz, er hat eine gute Haltung und einen breiten Hintern, was will man von einem Pferd mehr haben?" meinte sie lächelnd und blickte kurz zu Ajax, der abermals schnaubte, als wolle er ihre lobenden Worte bestätigen. "Und er hat seinen eigenen Kopf, das finde ich fast noch wichtiger. Das macht das Reiten zwar schwieriger, aber er hat wenigstens Feuer." Ihr gefiel der Gedanke irgendwie, irgendwann vielleicht an einer Weide stehen zu können, um Ajax' wilden Nachwuchs zu begutachten, der als halbstarke Füllen wahrscheinlich schon versuchte, der Herr der Weide zu sein, um dann von den älteren Stuten belustigt mit den Köpfen geschubst zu werden, mit dem stolzen Vater dahinter, der dieselbe blasierte Miene zur Schau tragen würde wie er es bereits jetzt tat. Die Vorstellung ließ sie leicht schmunzeln, und sie dachte daran, wenn genug Geld im Haus war, wieder Pferde anzuschaffen, wie sie es früher in Tarraco auch gehabt hatten.
Zu seinen geflüsterten Worten lächelte sie nur sachte. Hatte er Angst vor dem Gerede, das vielleicht kommen würde? Oder gefiel ihm etwa der Gedanke, mit ihr als ein Liebespaar angenommen zu werden? Zu gerne hätte sie in diesem Moment in seinen Kopf geblickt. "Wenn die Menschen reden, dann werden sie immer irgend etwas finden, um einen mit Schmutz zu bewerfen, in sofern - wir wissen, was geschah und ich denke nicht, dass wir uns deswegen irgend etwas vorzuwerfen haben, dass wir unter einer Klippe Schutz suchten und im Sonnenschein spazieren gingen, um zu trocknen. Ich für meinen Teil sehe darin nichts Verwerfliches." Das klang recht entschieden, und mit einem leichten Nicken bestätigte sie den Klang ihrer Worte noch einmal. Mochten die Leute doch denken, was sie wollten - sie hatte nichts unrechtes getan, sie waren beide verwitwet, sie musste ihre Pflicht der Familie gegenüber nicht mehr zwingend beweisen, und er ebensowenig. Dass er bereitwillig auf die Vasenneckerei eingng, ließ auch sie wieder vergnügt schmunzeln.
"Na, das überlege ich mir aber noch. Wenn Du Deine Wahlversprechen nicht einhältst, dann werde ich alle schmutzigen Details zum Volkstribunen tragen und Deine Schande öffentlich machen, ich werde bald mit ihm verwandt sein," drohte sie scherzhaft zurück und lachte leise auf dabei. Allein der Gedanke, Florus von einem Vasenmord zu erzählen, war herrlich absurd, wie er wohl schauen würde, wenn sie ihm ein solches Thema auftischte?
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~* Officium der Iulia Helena *~
Dies ist das Officium der amtierenden Duumvir von
Ostia, Iulia Helena. Hier ist sie anwesend, um Schriftstücke
zu bearbeiten, sich mit ihren Mitarbeitern zu beraten oder
Besucher zu empfangen. Eine Anmeldung bei einem Scriba,
wenn man mit der Duumvir sprechen möchte, ist zwingend
erforderlich.In diesem Raum befinden sich neben einem großen, fast
wuchtigen Schreibtisch und einem Stuhl mit hoher Lehne
dahinter auch zwei bequeme Besucherstühle vor dem
Schreibtisch, einige Regale sind an den Wänden des
geräumigen Zimmers untergebracht und beinhalten recht
viele Akten und Schrifttafeln. Neben einer Büste des Kaisers
lassen sich hier auch mehrere Vasen mit Günpflanzen
entdecken, dazu eine gemütlich wirkende Sitzecke mit
ebenfalls bequemen Stühlen und einem hohen Tisch, auf
dem zwei Karaffen Wein und Wasser für Besucher
bereithalten. Die hohen Fenster sind von sonnengelben
Vorhängen umrahmt, die im Zweifelsfall die schlimmste
Sonnenhitze draußen halten. -
~* Officium des Magistratus Titus Octavius Dio *~
Dies ist das Officium des Magistratus Ostiae
Titus Octavius. Hier empfängt er seine
Besucher und arbeitet an allen Akten,
die im täglichen Gebrauch anfallen. Besucher
mögen sich bei einem Scriba anmelden. -
~* Officium des Magistratus Decimus Artorius Corvinus *~
Dies ist das Officium des Magistratus Ostiae
Decimus Artorius Corvinus. Hier empfängt er
Besucher und arbeitet an allen Schriftstücken,
die im täglichen Gebrauch anfallen. Besucher
mögen sich bei einem Scriba anmelden. -
Langsam räumte sie ihre Sachen zusammen, es war nun das zweite Mal, dass sie ihr Officium räumte und in ein anderes umziehen würde - diesmal das des Duumvirs. Was war doch in den wenigen Wochen alles passiert - noch immer war sie erstaunt darüber, dass alles plötzlich eine solche Eigensdynamik gewonnen hatte. Aber so musste es wohl auch sein. Lieber viel zu tun haben als nichts, dachte sie lächelnd und nahm die Grünpflanze hoch, um auch sie in ihrer Umzugskiste zu verstauen, die einem der Sklaven der Curia anvertraut wurde. Ein letztes Mal blickte sie sich wehmütig um - wer würde dieses Officium erhalten, Corvinus oder Dio? Aber das würden die Männer unter sich ausmachen müssen, ihr Platz war nun an anderer Stelle. Leise schloss sie die Tür ihres ehemaligen Officiums hinter sich und als sie ging, hatte dieser Klang etwas endgültiges.
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Die Worte des augurs schmerzten, und dennoch ... sie behielt die ruhige Miene aufrecht, auch wenn ihr im Augenblick eher danach war, mit der geballten Faust gegen eine Wand zu schlagen, um festzustellen, dass dies die Realität und kein schlechter Traum gewesen war. Nun galt es, die Scherben einzusammeln oder besser, sich mit der Realität anzufreunden - Octavius Dio würde nun seine Chance haben und sie nutzen müssen, so gut er es vermochte, dann würden sie weitersehen.
Still blickte sie in den Himmel und folgte mit ihrem Blick den Vögeln. Manchmal verstand sie die Wege der Götter wirklich nicht, aber sie war schließlich auch nur ein Mensch ... war es Iuppiters Wunsch, sie an Herausforderungen wachsen zu sehen? -
Lächelnd streichelte sie die Nüstern des Hengstes und griff schließlich nach seinem Zügel, um ihn mit sich zu führen, während sich ihr Blick wieder auf Tiberius Vitamalacus richtete. "Er ist ein Hengst, was wundert es Dich, dass es ihn immer wieder zum Weib treibt?" sagte sie lachend und blinzelte Ajax verschwörerisch zu. "Du solltest ihm demnächst eine rossige Stute gönnen und danach wird er Dir sicher wieder so sanft folgen wie ein Lämmchen, da bin ich mir sicher." Dass ein Hengst ab und an auch eine Stute brauchte, lag nun einmal in der Natur der Sache und diese Art von Wissen hatte sie schon als Kind erlangt und sah keinen Grund darin, darüber zu schweigen, hoffte sie doch, dass er wusste, wie diese Worte zu nehmen waren. Ajax schien durchaus mit ihrem Vorschlag einverstanden, schnaubte er doch unternehmungslustig. Fohlen aus seiner Erbreihe würden sicherlich nicht minder stattlich werden als der Hengst selbst, dachte sie und lächelte still vor sich hin.
"Du gehörst also zur Spezies der gemeinen Vasenmörder," sagte sie schließlich grinsend und hob tadelnd den rechten Zeigefinger, mit Ajax' Zügeln kurz in der Luft wedelnd. "Na warte, solltest Du mich jemals ärgern, werde ich Deine Verbrechen auf der rostra aufdecken und dann wird Dich sicher niemand mehr wählen!" Der Gedanke allein ließ sie wieder lachen und sie schritt vergnügt an seiner Seite auf Ostia hinzu, das mit dem lockeren Thema langsam aber sicher ein wenig von seinem Schrecken eines beendeten Gesprächs verlor. Einige Fischer am Strand, die gerade ihre Boote umdrehten, um das Wasser auszukippen, welches sich beim Regenguss darin angesammelt hatte, blickten ihnen neugierig hinterher.
"Aber solchen Unsinn hat wohl jeder einmal angestellt, da ist es gut, wenn es jemanden gibt, der einem ein wenig hilft und für einen da ist, damit man nicht dauernd nur bestraft wird." -
Sollte sie ihre Cousine glauben? Worte waren süss, und sie täuschten fast immer. Sie hatte geglaubt, wenigstens innerhalb der Familie nicht getäuscht zu werden, aber es war ein Fehler gewesen, das zu glauben. Sie war müde, müde der Lügen, aber auch müde der Beteuerungen. Worte reichten ihr nicht mehr, nicht zu dieser Stunde. Den Worten würden Taten folgen müssen, um etwas wieder aufzubauen, das grob niedergetrampelt worden war.
"Versuch jetzt zu schlafen, Livilla," sagte sie nicht unfreundlich und nahm den Becher wieder an sich, um ihre Cousine sanft am Ellenbogen zu berühren und in Richtung ihres Betts zu dirigieren, bis sie sich gesetzt hatte. "Wir werden morgen darüber sprechen, wenn Du Dich ausgeruht hast. Solche Dinge sollten mit Ruhe und einem ruhigen Herzen besprochen werden, und ich hoffe, dass die Götter Dir heute Nacht ruhige Träume schenken werden, damit Du Dich erholen kannst." Ihre Mundwinkel hoben sich ein klein wenig an, dann jedoch ließ sie los und schritt zur Türe, sich noch einmal zu Livilla umblickend. "Eine gute Nacht wünsche ich Dir, Livilla." Die Türe öffnend, schritt sie endgültig hinaus und wandte sich in Richtung des Zimmers, in dem sie ihren Bruder nun vermutete.
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Sie versuchte Corvinus' Blick ermutigend zu erwiedern, aber innerlich klopfte ihr das Herz bis zum Hals. Den Willen der Götter so direkt auf die Probe zu stellen hatte sie lange nicht gewagt, und so wollte ihre Nervosität nicht weichen, sondern schien sich von Augenblick zu Augenblick eher zu verstärken. Es fehlte nicht viel, und sie wäre wohl unruhig auf und ab gegangen, aber stattdessen verkrampfte sie die Finger ineinander und versuchte, äusserlich ruhig wirkend, die Sache auf sich zukommen zu lassen.
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Als sie eintrat, konnte sie noch das Echo des vorangegangenen Streits in der Luft liegen fühlen. Sicher, es war nichts Greifbares, aber die Stimmung knisterte, und Livillas unsicherer Blick sprach Bände. Waren sie beide froh, dass sie sie unterbrochen hatte? überlegte Helena, während sie den Becher zu Livilla trug. "Hier, ich habe Teremun etwas mischen lassen, das Dir für diese Nacht den Schlaf bringen wird. Morgen früh wirst Du mich zum Tempel der Iuno begleiten, damit wir ihr zum Dank opfern können, ich werde Dich hier abholen, Livilla," sagte sie und blickte ihre Cousine eindringlich an, dann glitt ihr Blick zu Constantius. "Wenn ihr mit eurem Gespräch fertig seid, würde ich Dich gern sprechen, Constantius."
Sie reichte Livilla den Becher und blickte die Cousine erwartungsvoll an - sie würde nicht umhin kommen, den Becher auszutrinken, denn bevor sie sich nicht selbst davon überzeugt hatte, dass Livilla davon getrunken hatte, würde sie das Zimmer nicht verlassen. Das Vertrauen, welches sie ihrer Cousine entgegen gebracht hatte, war mit diesem Abend verbraucht worden, so sehr sie auch ein gewisses Mitgefühl für sie empfand - aber manche Arten des Verhaltens waren schlichtweg unentschuldbar. Auch wenn sie selbst in ihrer Jugend nicht immer getan hatte, was ihr Vater ihr geboten hatte, war es doch ein Unterschied, ob man sich wissentlich in Lebensgefahr begab oder ob man einfach nur aus Trotz widersprach. Die Miene der Iulierin blieb ernst, und ihr Tonfall hatte angedeutet, dass sie keinerlei Widerspruch in der Sache mit dem Opfer zu dulden bereit war.
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"Sagen wir, wir waren beide nicht besonders für die Regeln und Anweisungen unserer Eltern zu haben. In Tarraco gab es viel zu viel zu entdecken, um uns im Haus zu halten - und da ich mich um Constantius mit gekümmert habe, seit er auf die Welt kam, war unser Verhältnis immer sehr eng. Wahrscheinlich hat er sich all seine schlechten Eigenschaften von mir, zumindest fürchte ich das heute," meinte sie vergnügt und überlegte, ob sie ihm von den heimlichen Aktionen erzählen sollte, die sie mit ihrem Bruder immer wieder durchgeführt hatte. Aber manche Dinge musste er auch nicht unbedingt wissen, am Ende hielt er sie vielleicht wirklich noch für eine Wilde ohne jegliches Benehmen. "Die Stadt war einfach deutlich anziehender als jede mögliche Lektion unserer Lehrer oder das sticken und nähen. Manchmal glaube ich, wir haben unsere Eltern ziemlich zur Verzweiflung getrieben, aber mein Vater hat sich nie etwas anmerken lassen."
Was er allerdings erzählte, ließ einen mitfühlenden Ausdruck in ihren Augen erscheinen. Ein Kind, das gedrillt wurde, was war denn das für ein Leben? Sie konnte sich so etwas für sich selbst nicht vorstellen und als er sprach, drückte sie sachte mit der Hand seinen Arm, als könnte ihn das über die erlittenen Kindheitsjahre hinwegtrösten, auch wenn sie sich sicher war, dass es nichts ändern konnte. "Wer traut sich schon, gegen eine gestandene Köchin anzutreten? Donna führte in unserer Küche zuhause auch immer ein strenges Regiment, aber sie hatte auch immer irgendwelches Zuckerzeug für uns übrig." Wieder veränderte sich ihr Gesichtsausdruck, wurde wärmer und weicher bei der Erinnerung, auch wenn sie Ostia bei jedem Schritt näher kommen sah, wie schon einmal das Forum beider Weg beendet hatte. Dass sich Ajax allerdings aufmerksamkeitsheischend zwischen beide drängelte, quittierte sie mit einem Lachen. "Er ist eifersüchtig, weil Du zuviel mit mir sprichst und zu wenig mit ihm," sagte sie lachend und blickte sich nach dem Hengst um. "Na komm schon, Du musst nicht hinter uns her laufen, mein Dickerchen," neckte sie das Tier und streckte die freie Hand nach dem stolzen Hengst aus.
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Itsenmut gab neues Wasser in die inzwischen von ihr ausgewaschene Schüssel und trat so an Tiberius Durus heran, dass die Schüssel sich auf der Höhe seines Nackens befand, während der Meister selbst damit begann, das Wasser aus der Schüssel zu schöpfen und über sein Haar zu gießen, immer und immer wieder, bis die Strähnen langsam eine gewisse Grundnässe angenommen hatten. Das überzählige Wasser tropfte auf das um Durus' Schultern liegende Handtuch herab, wenngleich es nicht allzu viel war, auch hier arbeitete Nephetep geschickt und schnell.
"Hast Du schon von diesen furchtbaren Morden gehört? Dauernd scheint es in den letzten Tagen Tote zu geben, und langsam bekommt man richtig Angst, sich noch des Nachts auf die Straße zu begeben. Ein Mann soll sogar in seinem Haus erstochen worden sein und wurde dann auch noch ausgeraubt!" -
"Hier," sagte der Ägypter schmunzelnd und bedeutete Itsenmut, den kleinen Bronzespiegel aus der Tasche zu nehmen, den sie immer für Kunden mitnahmen. Er war zwar schon etwas älteren Datums, aber doch gepflegt und Durus konnte sein Bild darin durchaus noch erkennen. "Sollen wir dann gleich mit dem Haarschnitt fortfahren?"
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"Na, das hoffen wir doch!" sagte der Barbier fröhlich und strich sanft mit dem Rasiermesser über die Wange des Tiberius Durus, dort einen weiteren Schwung Haare beseitigend. "Ich frage mich, ob bei der nächsten Wahl wieder irgend jemand niedergestochen wird oder ob die Redner sich demnächst deswegen Leibwächter mitbringen, damit sie ihre Reden auch überleben."
Kritisch beäugte Nephetep sein Werk und fuhr noch einmal einen Strich nach, bevor er zufrieden nickte und Itsenmut ein Zeichen gab. Die Ägypterin reichte Tiberius Durus ein befeuchtetes, sanft nach Blüten duftendes Tuch, damit er sich selbst sein Gesicht abwischen konnte - die meisten Kunden bestanden darauf, es selbst zu tun, und so gab er auch Durus die Möglichkeit dazu. -
Mit einer sanften Geste bedeutete sie Wonga, an der Türe stehen zu bleiben, denn die Wahrscheinlichkeit, im valetudinarium der cohortes urbanae von jemandem angegriffen zu werden, war ausgesprochen gering, und trat hinter Octavius Sura langsam an das Bett des verletzten Vigilen heran, um dort stehen zu bleiben. Entweder er hatte ein absolutes Talent, jeden Tag eine andere Form der Prügel anzuziehen und dann auch einzustecken, oder aber es hatte jemanden gegeben, der ihm wirklich Übles gewollt hatte. Sie musste sich mühen, nicht zu deutlich vor seinem Anblick zurück zu schrecken, und lächelte tapfer in die Richtung Gabriels, hoffend, dass er auf die Worte Octavius Suras reagieren würde.
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Sie atmete leise ein und betrachtete den Augur von der Seite, dann Corvinus und den Comes. Ahnten sie etwas von ihrer Nervosität? Nicht, dass sie etwas gegen Octavius Dio gehabt hatte, es würde sicherlich eine sehr konstruktive Zusammenarbeit werden, zumindest hoffte sie das - aber sie hätte lieber Corvinus auf der freien Stelle gesehen, sie kannten sich länger und sie schätzte seinen verschmitzten Widerspruchsgeist, der stets eine neue Seite einer Sache zu beleuchten wusste.
Mit ihm hätte sie einen zweiten gewählten Mann an ihrer Seite, auf den sie sich verlassen konnte, den sie nicht erst würde kennenlernen müssen - und so starrte auch sie in den Himmel, jenen nach vorhandenen Vögeln und deren Flug absuchend. Mögen die Götter dieser Sache gnädig sein, dachte sie. Sie würde Iuppiter ein Dankopfer darbringen, wenn es Corvinus würde, das nahm sie sich fest vor.
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Sinnierend nickte sie zu seinen Worten über die verschiedene Führung einer Stadt und eines Castellums, denn damit hatte er sicher Recht. Soldaten waren darauf gedrillt zu gehorchen, Zivilisten nicht, und da lag das größte Problem. Zivilisten musste man überreden, man musste um sie werben und sie langsam durch eine Mischung an Strenge und Freundlichkeit dazu bringen, was man wollte, zumindest funktionierte das meistens. Die klassischen Punkte der Menschenführung allerdings würden sowohl beim Heer als auch in der Stadt benötigt werden, und das war für sie der entscheidende Punkt.
"Du hast eine sehr direkte Art, das ist wahr, und neben all den freundlichen Lügen der römischen Politik empfinde ich das als sehr erfrischend," meinte sie mit einem ermutigenden Lächeln auf den Lippen. "Aber die Dinge, die Du haben willst, in Worte zu kleiden, die auch allen schmecken, ohne dass sie allzu sehr anstoßen, wirst Du sicherlich sehr bald lernen. Manchmal genügt nur eine etwas variierte Formulierung und Du erreichst genau dasselbe wie mit dem soldatischen Ton, den Du hoffentlich nie vollkommen verlieren wirst, denn das ist es, woran sich alle Männer stets erinnern werden, die jemals bei der Legion waren und nun unter dem Wahlvolk stehen. Dieser Tonfall könnte Dir unter Umständen sogar Vorteile gegenüber Kandidaten bringen, die von ihrer Art her eher dem Müßiggang zugewandt sind - denn er verrät Dich stets als das, was Du bist und wofür Du stehst. Dass Du ein Soldat bist, ist nicht zu übersehen oder zu überhören," meinte sie schmunzelnd und zwinkerte ihm zu.
Für einige Momente lang wirkte er nachdenklich, fast gedankenverloren, aber als er wieder lächelte, hoffte sie, die richtigen Worte gefunden zu haben. "Glaube mir, ich war ein wildes Kind und habe meine Eltern oft genug zur Verzweiflung getrieben - und mein Bruder genauso. Die Wildheit scheint bei uns genauso vererbt zu werden wie eine hemmungslose Sturheit und eine Gier auf Meeresfrüchte," sagte sie vergnügt, um dann leise zu seufzen. Er hatte leider nur zu Recht, sie hatte ihre übliche Pause schon auf das weiteste Maß ausgedehnt, das es geben konnte. "Ja, leider ... die Akten werden mich schon sehnsüchtig vermissen," meinte sie leise und seufzte abermals. Alles Schöne musßte wohl irgendwann einmal enden.
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Freundlich nickte sie ihr zu und betrachtete die junge Frau ein weiteres Mal eingehend. "Natürlich ... ich hoffe, Du hast noch einen schönen Tag, Iunia Maecia! Vale!" Als sie die Tür hinter sich schloss, blickte ihr die Magistrata sinnierend nach und atmete dann leise ein. Eine weitere Frau in der Verwaltung konnte wirklich nicht schaden, aber ob sie sich nun wirklich darauf einlassen würde ... man würde es sehen.