Hm, okay, danke für die Aufklärung.
Der Wechsel für diese Woche wurde bisher nicht durchgeführt, warten wir mal ab. ![]()
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Es war der Tag nach Mathos Tod. Ich kaute auf dem Ende einer Feder und überlegte, was ich mit Fhionn anstellen sollte. Mir wollte einfach nicht klar werden, was sie zu dieser Tat getrieben hatte, und warum sie nicht zu mir gekommen war, um zu reden. Als es klopfte, entließ ich die Feder aus meinen Lippen und legte sie in eine Schublade. “Herein“, sagte ich und blickte zur Tür, durch die kurz darauf Orestes herein kam. Ich hob die Mundwinkel zu einem freudlosen Lächeln. “Manius. Ich nehme an, alles lief reibungslos?“ fragte ich, denn selbstverständlich wusste ich um den Opfertermin meines Verwandten, hatte ich diesen doch selbst angesetzt. “Ich muss noch den schriftlichen Bericht von Senator Tiberius abwarten, um deine Ernennung zum sacerdos offiziell einleiten zu können, aber den Eid kannst du schon ablegen“, erklärte ich und stand auf, um Orestes zum Ort des Geschehens zu begleiten.
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Rein interessehalber: Der Wochenwechsel gestern fand ja nicht statt. Gab es bei der Zurücksetzung der WiSim denn regulär Produktionspunkte? Ich hab weder am 6. noch gestern welche erhalten.
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Schmunzelnd reichte ich meinem Neffen also die entsprechende Schriftrolle und widmete mich dann wieder meiner eigenen. Es sprach schon einmal für Avianus, dass er keine weiteren Fragen hatte. Pyrrus stand ein wenig abseits und beobachtete abwechselnd meinen Neffen und mich, sortierte dann irgendwelche Papyri und legte die nachfolgenden Schriftrollen parat.
Im November war sonst nichts weiter Auffälliges zu entdecken, folglich zückte ich das Amtssiegel, siegelte und unterschrieb das Pergament und reichte es Pyrrus, der die Rolle verstaute, als das Wachs getrocknet war. Ich hatte mir bereits die nächste Rolle zur Hand genommen, als Avianus Bedenken bei einer Eintragung äußerte. Er schob mir sein Pergament her und deutete auf besagten Eintrag. "Hm?" Mit gerunzelter Stirn sah ich mir die Stelle einmal genauer an. Und tatsächlich, Summe und angegebener Verwendungszweck wollten nicht so recht übereinstimmen. "Das ist seltsam..." murmelte ich. "Ein Opfer anlässlich der Floralia? Im Dezember? Die Floralia werden im Mai gefeiert. Das kann nicht sein. Und auch die Summe ist viel zu hoch. Wer hat das eingetragen?" murmelte ich vor mich hin und ließ den Finger nach links wandern. Dort stand der Name des rex sacrorum, Fabius Antistes. Erstaunt lehnte ich mich zurück. "Da muss ein Irrtum vorliegen." Er hatte es selbst unterzeichnet, zumindest in diesem Punkt schien alles einwandfrei zu sein. Dennoch erforderte der Eintrag, dass man genauer nachforschte. "Ich denke, Tiberius, wir werden dem rex sacrorum einen Besuch abstatten müssen", sagte ich und schüttelte, immer noch verwundert, den Kopf.
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Erneut war es an mir, sie erstaunt anzusehen. Weise? Ich? Ganz allmählich breitete sich ein Grinsen auf meinem Gesicht auf, und ich schüttelte schließlich den Kopf. "Und ich dachte immer, Weisheit käme mit dem Alter... Nun, ich denke, ich habe die Anspielung verstanden", sagte ich und zwinkterte ihr zu. "Vielen Dank, jedenfalls."
In der weiteren Unterhaltung bewies Seiana noch einmal, dass sie für Überraschungen gut war. Sie kam direkt zur Sache und erzählte mir von diesem Geschäft, das sie zu erwerben beabsichtigte. Ihre Beweggründe legte sie mir offen, und sie erschienen mir logisch. Mit einer Hand am Kinn lauschte ich interessiert ihren Ideen und Plänen, die mir insgesamt recht ausgereift erschienen. Während sie erzählte, sagte ich nichts, sondern ließ sie alles darlegen, bis sie schließlich endete. Es war durchaus sinnvoll, dass sie ihre Unterlagen parat hatte, auch wenn sie meine Entscheidung noch gar nicht kannte. Angesichts der Tatsache allerdings, dass sie dieses ganze Unterfangen sehr strikt durchplant zu haben schien, tendierte ich dazu, sie als meine Klientin zu akzeptieren. "Du hast eine recht klare Vorstellung von deiner geschäftlichen Karriere", bemerkte ich. "Das gefällt mir. Ich würde mir deine Unterlagen gern einmal ansehen, auch wenn ich nicht den Eindruck habe, dass du dich beim Kauf eines Geschäfts über den Tisch ziehen lassen wirst." Ich wartete, bis sie mir die Unterlagen ausgehändigt hatte. Einer der beiden in Frage kommenden Betriebe schien situiert zu sein als der andere, allerdings war das für eine Töpferei wohl eher irrelevant, da die meisten Geschäfte dieser Branche ohnehin seperate Stände auf den Märkten hatten. "Nun", sagte ich schließlich und legte die Papyri zurück auf den Tisch. "Beide Betriebe scheinen gut zu laufen. Ich würde dir jedoch vorschlagen, sie noch einmal unangekündigt zu besuchen. Der Erwerb eines solchen Betriebs ist nicht immer risikolos, und gerade, wenn auf de Pergament alles glänzt, sollte man sich besser vor Ort noch einmal selbst davon überzeugen", riet ich ihr und legte locker die Hände im Schoss zusammen.
"Was du für mich tun kannst? Nun, ich denke, vergünstigte Töpferwaren, gegebenenfalls auch einmal größere Mengen, wären vorerst genug. Ich lege zudem Wert darauf, über einschneidende Ereignisse informiert zu werden, wie beispielsweise eine Heirat und dergleichen. Du musst nicht jeden Morgen herkommen und dich zu den anderen gesellen, doch erwarte ich, dass du zu mir kommst, wenn du Hilfe benötigst oder Probleme hast. Was deine Fragen betrifft, bin ich zudem gern bereit, dir zu helfen. Ich weiß zwar um Meridius' Engagement für seine Familie und möchte nur ungern gegen seinen Willen in dieser Sache handeln, allerdings hast du deutlich gemacht, was dich zu diesem Entschluss geführt hat, und gerade deswegen bin ich gern bereit, dich zu unterstützen, Seiana. Ich kann nachvollziehen, was du dargelegt hast. Und was deine Vorstellungen anbelangt, so haben sie Hand un Fuß, sind nicht überdimensioniert, sondern erscheinen mir gerade richtig." Ich musterte sie noch kurz, dann lächelte ich und reichte ich ihr die Hand, wie es üblich war, wenn man ein Geschäft abschließen wollte. "Wenn wir darin also übereinstimmen, akzeptiere ich dich als Klientin."
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"Ja, ein weißes Pferd mit prächtigen Schwingen", wiederholte ich. "Kastor und Pollux sind die Sohne des Zeus. Du musst wissen, dass die griechische Athene die Schutzgöttin der Stadt Athen in Griechenland ist. Einst trugen sie und Poseidon, der Gott der Meere, einen eigentümlichen Wettkampf um das Schutzpatronat für Athen aus, das damals noch keinen Namen trug. Derjenige sollte gewinnen, der den Menschen Athens ein Geschenk machte, das von großem Nutzen für das Volk sein würde. Poseidon richtete seinen möchtigen Dreizack auf den Boden, der daraufhin ein prächtiges Pferd gebar. Dieses Pferd war Celeris, und sein Erscheinen sorgte für die Meinung unter den Göttern, dass Poseidon wohl gewinnen würde, schließlich können Pferde große Strecken bewältigen, Lasten ziehen und den Menschen damit entlasten. Doch sie hatten nicht mit Athenes Weitsicht gerechnet. Die Göttin ließ einen Olivenzweig aus dem Nichts erscheinen. Zuerst lachten die Götter, doch als Athene ihnen erklärte, wie nützlich Holz, Frucht und Blätter für die Menschen sein könnte, und dass dieser Zweig ein Symbol des Friedens sei, wohingegen ein Pferd das Zeichen des Krieges war, entschieden die Götter, dass Athene die rechtmäßige Gewinnerin sei. Poseidon war daraufhin derart aufgebracht, dass er Celeris mit seinem Dreizack aufspießte. Seit diesen Tagen heißt die Stadt Athen, benannt nach ihrer Schutzherrin." Ich schwieg, nachdem ich die Geschichte erzählt hatte. Was genau Kastor mit Celeris angestellt hatte, darüber waren sich die Quellen uneins. Wie der Geflügelte allerdings sein Ende gefunden hatte, das war seit jeher überliefert worden. "Habt ihr auch solche Geschichten in Germanien?"
"Ja, das meine ich. Sprichst du von Vorurteilen? Dann hatte dein Vater recht. Es ist nicht gut, sich zu früh eine Meinung zu bilden. Allerdings ist es auch nicht immer leicht, es nicht zu tun", erwiderte ich. Ich selbst hatte schließlich auch Erfahrung damit. Wer hatte die nicht? Ich schwieg einen Moment und fragte sie dann "Vermisst du ihn sehr?" Mir wurde klar, dass ich gar nicht wusste, ob er noch lebte oder ebenfalls in Gefangenschaft geraten war. Siv sprach nicht oft von ihrer Familie, und ich hatte nie nachgefragt, denn ich wusste, dass es augenblicklich den Schmerz wieder heraufbeschwor, wenn man laut davon sprach. Das war bei mir nicht anders. Ich dachte an meinen Vater und konnte meine eigene Frage für mich mit einem Ja beantworten. Ich vermisste ihn.
"Im Norden", sagte ich. Im Nordwesten gab es noch viele freie Germanenstämme. "Oh. Na dann habe ich noch einmal Glück gehabt, hm?" Ein wenig melancholisch grinste ich Siv an, dann hob ich die Schultern. Es wurde allmählich kühl hier draußen, definitiv zu kühl, um zwischen Hinterteil und Boden nur eine dünne Decke zu haben. "Gehen wir hinein?" schlug ich vor. Ich war müde, und auch Siv musste doch müde sein.
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Meinen maiordomus. Ich starrte grimmig Orestes an, ganz so, als sei er mitverantwortlich dafür. Die steile Falte, die sich zwischen meinen Brauen gebildet hatte und sich bis weit in die Stirn hinaufzog, musste ohnehin Bände sprechen. Ich wandte bei seinen Worten den Kopf und sah in die Schatten, in denen ich nun tatsächlich einen menschlichen Schemen ausmachen konnte. Fhionns Gesicht konnte ich indes nicht Erkennen, dafür wandte ich mich nun an Siv. "Bring sie in mein Arbeitszimmer und sorg dafür, dass sie es nicht verlässt", presste ich hervor, und, nachdem ich kurz innegehalten und Siv eindringlich gemustert hatte, fügte ich hinzu: "Und gib auf dich acht." Nur kurz noch ruhte mein Blick auf Siv, der ich ohne weiteres zutraute, diesen Befehl ausführen zu können - immerhin war sie Germanin, Vertreterin eines kämpferischen Volkes. Dann wandte ich mich zu Orestes um. "Komm", sagte ich nur und setzte mich auch sogleich in Bewegung, um vorauszugehen. Siv und Fhionn ließ ich einfach stehen, ungeachtet dessen, was sich hier noch ereignen würde.
Als wir auf den Hof hinaustraten, tanzten nur noch wenige kleine Flämmchen auf dem Öl der zu Bruch gegangenen Lampe. Dennoch reichte das wenige Licht aus, um zu erkennen, dass es wahr war - Matho war tot. Er lehnte, halb sitzend und halb liegend, an der Wand und starrte mit weit aufgerissenen Augen in unsere Richtung. Ich presste die Lippen aufeinander und ging näher heran. Matho lag in einer Blutlache, abgestochen wie ein Opferschwein, verschmiert mit seinem eigenen Blut und bedeckt mit einer Unmenge an Stichen und Schnitten. Ich ging zögerlich neben ihm in die Hocke, streckte die Hand nach der großen Ader an seinem Hals aus und berührte ihn flüchtig. Dann schloss ich seine Augen und erhob mich wieder. "Törichte Sklavin", murmelte ich und schüttelte den Kopf. "Ihr muss klar sein, was das bedeutet." Und zwar das Kreuz. Immerhin hatte Matho sie nicht angegriffen, es gab weder eine Waffe noch ein Motiv, noch waren Kampfspuren zu sehen. Erneut schüttelte ich den Kopf. Ich verstand nicht, wie das hatte passieren können. Dieser Vorfall würde für Unruhe und Furcht innerhalb der Sklavenschaft sorgen, und noch dazu stellte er mich vor das Problem, einen geeigneten neuen maiordomus zu erwählen.
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"Das mag sein. Meine Amtszeit ist nun bald zu Ende, ich habe allerdings nicht halb soviel geschafft, wie ich eigentlich geolant hatte. Die Bürokratie ist manchmal müßig, Manius, insbesondere, wenn man ständig darauf warten muss, dass jene Zeit haben, die man konsultieren möchte oder muss." Ich seufzte. "Nun ja, wir werden sehen, was nach dieser Amtszeit geschehen wird. Ob man mir die Senatorenwürde zuteil werden lässt oder ob ich noch warten und mich beweisen muss. Ich könnte letzteres niemandem verübeln." Und die Quästur würde ich vielleicht aus freien Stücken noch einmal wiederholen, irgendwann. Ich mochte es nicht, wenn ich selbst unzufrieden mit meinen Leistungen war.
Zweifelnd betrachtete ich Orestes. "Sofern es erforderlich wäre und sich tatsächlich kein anderer eignen würde - ja. Allerdings wird dies so schnell nicht eintreten, und darum bin ich auch ganz froh", erwiderte ich. Schließlich erfreute sich der magister noch bester Gesundheit und großer Beliebtheit, und mein Ziel war es ohnehin nicht, rasant im collegium auszusteigen, sondern vielmehr meine Arbeit gewissenhaft zu erledigen. "Nun denn, das sind alles Spekulationen. Was die Bruderschaften betrifft, so wäre alles als günstig zu erachten. Es ist die Pflicht eines Patriziers, sich in einem dieser Gremien zu betätigen. Mit Gaius und Tiberius habe ich darüber auch noch nicht gesprochen, vielleicht könntest du dich mit ihnen kurzschließen? Im Grunde soll mir alles recht sein, ich selbst bin derzeit noch magister der collinischen Salier. Allerdings möchte ich dieses Amt in absehbarer Zeit abgeben, ich hatte es lange genug inne und möchte auch anderen die Möglichkeit geben. Die palatinischen Salier werden von Flavius Aquilius geleitet, soweit ich weiß. Er ist ein guter Freund von mir, also wäre es vermutlich auch kein Problem, dich dort unterzubringen. Die Arvalbrüder indes werden sozusagen von den Tiberiern dominiert, ihr magister ist ein halsstarriger Tiberier, genannt Vitamalacus. Du kennst ihn vielleicht, er wurde während des Krieges in Ermangelung eines Mannes mit weitreichenderem Verstand ins Amt des Legaten der Ersten erhoben. Ein Jammer, dass der Decimer verschollen ist", erzählte ich und hob die Schultern. "Wie dem auch sei, diese Wahl überlasse ich ganz dir. Es wäre mir ganz lieb, wenn du Tiberius und Gaius dabei ein wenig unterstützen könntest."
Ich streckte mich und unterdrückte ein Gähnen. Scheinbar wurde ich langsam alt. Allerdings machte das Wetter mich träge. Ich fuhr mir übers Gesicht und seufzte. "Ja, Niki. Sie ist die gute Seele dieses Hauses und hat schon für uns gekocht, als Vater noch lebte. Insofern hatte wohl er Glück mit ihr, wir profitieren nur von seinem Gespür", entgegnete ich und grinste. Dann schwang ich die Beine von der Liege und sah Orestes an. "Manius, würdest du mich wohl entschuldigen? Ich fühle mich heute nicht besonders gut und würde gern noch ein wenig dösen", sagte ich und machte Anstalten, aufzustehen.
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__________________________"Aber nein", erwiderte Telesinus und blickte den Senator milde lächelnd an. "Wie könnte er das, wo du ihm doch mit einem Opfer gedenken möchtest? Ich werde sogleich jemanden entsenden, entschuldige mich bitte einen kurzen Moment." Cadius Telesinus neigte den Kopf und entfernte sich dann gemessenen Schrittes. Kurz darauf verließen zwei Jünglinge den Tempel des Merkur aus einem der zahlreichen Seitenausgänge, um ein geeignetes Opfertier zu erstehen und es gleichsam entsprechend vorzubereiten. Telesinus indes kehrte zurück zu dem wartenden Senator, lächelte diesen an und deutete einladend auf einen der Altartische, die sich zu beiden Seiten in den Nischen befanden. "Beginnen wir doch schon mit dem Voropfer", schlug er vor und versuchte erneut mittels Blicken herauszufinden, ob der Senator entsprechende Kleinigkeiten mit sich gebracht hatte.

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Als der Claudier geendet hatte, nickte ich gefällig. "Sehr gut. Ich denke nicht, dass deine Ernennung lange auf sich warten lassen wird, Claudius. Damit wäre vorerst alles erledigt. Du wirst einen Brief erhalten, wenn alles seinen gewohnten Gang gegangen ist. Ich wünsche dir viel Glück und die Gewogenheit der Götter", sprach ich und reichte dem Claudier zum Abschied die Hand. "Vale."
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"Ja, ich bin gespannt, wohin uns diese Versammlung führen wird. Es ist lange her, dass die Aurata sich zusammengefunden hat, und viele sind wir ja nicht unbedingt", erwiderte ich und neigte den Kopf, um Meridius interessiert zu mustern.
"Das heißt, dass du bereit bist, wieder ein Kommando zu übernehmen? Darf ich fragen, woran du gedacht hast?" Eben noch hatte Meridius über ein Aedilat gesprochen, jetzt über ein Kommando. Entweder, er wusste mehr als ich über Valerianus' Absichten, oder er schwankte noch zwischen den Möglichkeiten, die ihm blieben. -
"Vielen Dank", erwiderte ich, glücklich, dem Einkauf gerade noch einmal entronnen zu sein. Die Flavierin schien zuerst ein wenig erstaunt, ging dann jedoch bereitwillig auf den allzu offensichtlichen Themenwechsel ein. Insgeheim hoffte ich, dass sie meine Aversion dem Einkaufen gegenüber vermerken und nicht auf die Idee kommen würde, mich je über die Märkte und von einem Stand zum anderen zu ziehen. "Katzen? Hm", machte ich und dachte nach. Um die aurelische villa herum gab es so einige, doch wagten sie sich nur des Tags in unseren Garten, wenn die Hunde nicht in der Nähe waren, die nächtens unangeleint dafür sorgten, dass wir vor unliebsamem Besuch verschont blieben. Ich wiegte den Kopf ein wenig. "Nennt man die ägyptischen nicht felis silvestris?" glabte ich mich zu erinnern. Hier in Rom streifte ein Vielzahl bunt gemusterter Tiere herum, die Farbpalette reichte von schwarz über Braun- und Röttöne bis hin zu weißen Vertretern der felinen Art. Manche davon waren hässlich, ausgemergelt oder extrem fett, doch andere waren durchaus schön anzusehen und zeigten nicht gleich die Krallen, wenn man sie beruhrte. Alle jedoch hatten eine eigentschaft gemein, die ich sehr schätzte: Sie erlegten Ungeziefer und verhinderten so indirekt Krankheiten. "Um ehrlich zu sein, habe ich bisher nicht darüber nachgedacht, ob ich Katzen mag oder nicht. Ich schätze allerdings den Dienst, den sie für uns als Mäusefänger und Rattenerleger tun", erwiderte ich einen Moment später. "Besitzt du denn ein solches Tier? In Ägypten galten die Katzen damals als heilige Tiere, ganz so wie in unserer Kultur wohl niemand darauf kommen würde, die Gänse der Iuno zu schlachten." Eines wusste ich mit Sicherheit: Unsere Hunde waren mir suspekt. Das waren sie schon immer gewesen, ich mochte sie einfach nicht, allein der langen Zähne und der starken Kiefer wegen. Aber ob ich deswegen mehr ein Katzen- denn ein Hundemensch war? Ich erinnerte mich an den buntgefiederten Papagei, den ich Lucilla zu ihrer Hochzeit mir Senator Avarus geschenkt hatte. Schön anzusehen war der Vogel ja durchaus gewesen, doch hatte ich nicht die Zeit, mich genügend mit einem solchen Tier zu beschäftigen, darum schaffte ich mir erst gar keines an. Und von Pferden fing ich lieber erst gar nicht an zu sprechen. Ein Tier, das man nicht beschäftigen musste, wäre wohl das richtige gewesen für mich. Da fiel mir ein, die wenigen Zierfische im aurelischen Garten, die mochte ich.

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Ich? Dafür bist du doch zuständig!

Wieder Platz. -
Gemeinsam mit Claudius Brutus betrat ich diesen geschmückten Raum und deutete auf das schmale Sims mit den kleinen Statuen der Götter. Eine seitlich angebrachte, marmorne Tafel auf Augenhöhe verkündete jenen den Eid, die ihn nicht auswendig aufzusagen wussten.
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Ich studierte nur kurz den Bericht des Tiberiers, dann legte ich ihn vor mir ab und nickte. "Dann fehlt im Grunde nur noch eines: Du musst den Eid vor den Göttern ablegen. Ich werde den Ernennungsantrag dann unverzüglich dem rex sacrorum zukommen lassen." Ich schob den Stuhl zurück und erhob mich. "Folge mir bitte", sprach ich und führte den jungen Claudier zu dem Ort, an dem er noch seinen Eid ablegen musste.
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Selbstverständlich hatte Caecus - dessen Name ja blind bedeutete und nicht einäugig
- zwei Augen. Nur eines war unempfindlich für Licht, Farbe und Bewegung, weswegen es untauglich zum Sehen war und nur ausdruckslos und blass aus seiner Höhle starrte. Caecus war dort als Junge mit einer Substanz in Berührung bekommen, doch er erinnerte sich nicht mehr daran. Er hatte gelernt, sein Leben auch mittels nur der halben Sehkraft zu meistern. "Ich werde es ihm ausrichten", erwiderte der Sklave und nickte zum Abschied. Sorgfältig verschloss er die Tür und machte sich auf den Weg zurück dorthin, von wo er gekommen war. ![Freude :]](https://imperium-romanum.info/images/smilies/smiley102.gif)
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Ein Klopfen kündigte an, dass jemand vor der Tür stand, der eingelassen werden wollte. Es handelte sich um Caecus, ein Sklaven, der nur auf einem Auge sah. In seinen Händen hielt er einen Brief für den jungen Catulus, und er reichte ihm jenen, als er nach Aufforderung eingetreten war. "Salve, dominus. Der Herr Corvinus bat mich, dir diesen Brief zu bringen. Er sagte, es handelt sich um ein Schreiben, dass du bei deiner Vorstellung bei Senator Purgitius benötigen wirst", verkündete er.
M. Aurelius Corvinus Sp. Purgitio Macris s.d.Senator, ich schreibe dir mit einer Bitte meinen Vetter Gaius Catulus betreffend. Er sucht nach einer Anstellung, die ihm einen Einblick in politische und verwaltungstechnische Aufgaben gewährleisten kann. Da die diesjährige Amtszeit des cursus honorum bereits weit fortgeschritten ist, besteht leider keine Möglichkeit, ihn bei einem der Magistraten als scriba personalis unterzubringen. Ich hatte gehofft, dass vielleicht du ihm hier helfen könntest, indem du ihn an deiner Seite beobachten und lernen lässt. Zweifelsohne sind deine Tätigkeiten als curator aquarum, Senator und Vorsitzender der factio Russata sowohl vielschichtiger als auch interessanter Natur.
Gaius ist fleißig und ehrgeizig, zudem habe ich ihn als lernwillig in Erinnerung. Ich würde ihn selbst als meinen scriba aufnehmen, doch begleitet mich bereits seinen Bruder bei meiner Arbeit. Ich wäre dir sehr verbunden, würdest du ihm diesen Einblick gewähren.
Vale.
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Die Priivatgemächer des
Gaius Aurelius Catulus~~~
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"Solltest du es gar nicht finden, frag einfach danach. Die meisten Römer kennen die domus. Sogar die, die nicht lesen können - über der Tür prangt ein großes Kupferschild", erzählte ich und zwinkerte Seiana erheitert zu. "Bisher verlief sich noch alles im Sande, was es an Beschwerden gab. Mach dir darüber mal keine Gedanken", fuhr ich fort und dachte daran, dass Aelia und ich ohnehin alles lasen und absegneten, ehe es veröffentlicht wurde.
Ein Räuspern ließ mich über die Schulter sehen. Pyrrus sah mich vielsagend an und blickte hernach bedeutungsvoll in den Himmel. Ich folgte seinem Blick - die Sonne stand bereits beträchtlich tief am Himmel, was auf den späten Nachmittag hindeutete. Und in der Tat verspürte ich langsam einen nur bald noch schwer zu überspielenden Hunger. Ich nickte meinem Schreiber zu und wandte mich wieder an Seiana. "Nun, ich werde mich jetzt verabschieden. Ich würde mich freuen, bald etwas von dir zu lesen, Seiana, und ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen werden", sagte ich und erhob mich von der Bank. Sie war eine angenehme Gesprächspartnerin. "Möge Minerva dich beim Verfassen der zukünfigen Artikel leiten", scherzte ich und zwinkerte ihr zu. Und nach einer angemessenen Verabschiedung verließen Pyrrus und ich den kleinen Park.
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Betont ausdruckslos wartete ich darauf, dass Siv sich umwandte und verschwand. Die Augenblicke zogen sich schier endlos in die Länge, tropften träge wie Wachs auf ein Pergament. Ich missbilligte zutiefst, dass sie Matho angegangen war, doch noch ungeheuerlicher war der Fluchtversuch, den sie sich geleistet hatte. Und ich hatte ihr vertraut. Hatte sie belohnen wollen, indem ich ihr gestattete, mit den anderen in ihre Heimat zu reisen. Nie hätte ich vermutet, dass ausgerechnet Siv sich als schwach und verräterisch entpuppen würde. Jedem anderen hätte ich es eher zugetraut, doch ihr? Umso größer war die Enttäuschung, dass sie das faule Glied in der Kette gewesen war.
Innerlich aufgewühlt und erzürnt, ließ ich mir äußerlich nichts anmerken. Bei ihrer Bewegung fokussierte ich den Blick auf den Brief in ihren Händen, den sie mir nun entgegenhielt. Ich nahm ihn auch, ließ ihn jedoch mit der gleichen Bewegung in den Papierkorb fallen, ohne den Blick von ihren Augen abzuwenden. Ich wollte nicht wissen, was sie dort aufgeschrieben hatte, es war mir egal. Das sagte ich mir recht erfolgreich, zumindest für den Moment. Einen kurzen Moment später wandte sie sich ab und verließ mein Arbeitszimmer, ohne mich noch einmal anzusehen. Sie war bereits einen Moment fort, als ich tief seufzte und mich umwandte, ehe ich erneut Platz nahm. "Steh auf", fuhr ich Matho an, der sich daraufhin leicht ächzend erhob und mich mit einer Mischung aus Neugier und Erwartung musterte. Er hielt sich nicht einmal mehr die Stellen, die Siv getroffen hatte, wie ich nebenbei bemerkte. "Sie wird ab sofort niedere Dienste tun. Lass sie die Latrinen reinigen, in der Küche helfen, Wasser schleppen - es ist mir gleich. Sie wird das Haus nicht ohne Begleitung von mindestens zwei anderen verlassen. Die Stallungen sind tabu für sie, und den Garten wird sie nurmehr mit Aufsicht betreten. Ich wünsche, dass diese Regelungen eingehalten werden und jedem bekannt sind. Und jetzt lass mich allein", ranzte ich. Matho nickte nur knapp, dann verließ auch er das officium. Er freute sich schon darauf, jedem von diesen Neuigkeiten zu erzählen. Ich selbst indes konnte mich nicht genug tadeln dafür, dass ich ihr mein Vertrauen geschenkt hatte.
~ finis ~