Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus


    Ad
    Titus Aurelius Ursus
    legio II Germanica in Mogontiacum
    Germania



    Titus,


    ich hoffe, wenigstens du befindest dich wohl.
    Die Götter haben unserem Haus in den vergangenen zwei Monaten Prüfungen auferlegt, von denen ich dir berichten will. Doch zuerst versprich mir, dass du dich setzen wirst.


    Die Nachricht von Camillas Tod erreichte mich bereits vor einigen Wochen. Der Husten, der sie plagte, muss aggressiverer Natur gewesen sein, als die Ärzte argwöhnten. Sie starb allein, mit niemandem an ihrer Seite. Ihre Leibsklavin fand sie des Morgens in ihrem Bett. Ich schäme mich, Titus, dich nicht sogleich hiervon in Kenntnis gesetzt zu haben, doch die Vorbereitungen ihrer Trauerfeier und die Pflichten als Magistrat dezimierten meine Zeit praktisch ins Negative. Zudem haben wir Handwerker im Hause, welche die Anbaumaßnahmen vornehmen, von denen ich dir erzählt hatte. Doch mit diesem Verlust war es nicht genug.


    Matho ist tot. Es geschah, nachdem die Truppe wohlbehalten Rom erreicht und bereits seit einigen Tagen zurück war. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich uns eine Mörderin ins Haus geholt habe - Fhionn zeichnet verantwortlich für Mathos Tod. Sie hat es bereits zugegeben und wird am morgigen Tag für dieses Verbrechen ans Kreuz geschlagen werden.


    Sei versichert, dass es deiner Schwester und deiner Cousine blendend geht, trotz der Umstände sind sie wohlauf. Tiberius macht sich als mein scriba recht gut, und Gaius konnte bei Senator Purgitius Macer unterkommen. Manius wurde vor kurzem zum sacerdos berufen und ich selbst sehe dem Ende meiner Amtszeit entgegen. Ich hoffe, dass du bald zurückkehren wirst. Es gibt viel zu erzählen, und mit deiner Rückkehr reißt hoffentlich auch die Unglückssträhne ab, die uns derzeit fest im Griff hat.


    Verzeih meine geringe Mitteilungsbereichtschaft, doch ich muss noch einiges organisieren. Ich gehe derzeit einem Fall nach, der - so sich die Vermutungen als gegeben erweisen - ein Skandal für Rom sein dürfte. Mehr kann ich darüber nicht schreiben, solange dies nicht bewiesen ist.


    Mögen die Götter über dich wachen und dir eine schnelle und sichere Heimreise ermöglichen.


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    ROMA, ANTE DIEM XV KAL IUL DCCCLVIII A.U.C. (17.6.2008/105 n.Chr.)



    Sim-Off:

    Wertkarte :)

    Während Fhionn sich noch zu sammeln schien, wartete ich voller Ungeduld darauf, dass sie versuchte, sich zu erklären, ihre Tat zu rechtfertigen. Als sie mir den Blick zuwandte, gewahrte ich die Angst darin, und ein Funken der grimmigen Genugtuung durchzuckte mich, war im nächsten Moment aber bereits wieder verdrängt von Wut und Ärger. Sie spuckte mir irgendein Wort entgegen, das ich nicht verstand, und gleichzeitig schien ein Ruck durch ihren Körper zu gehen. Sie hatte es nicht einmal nötig, den Kopf zu senken oder in sonst einer Weise Respekt oder Demut zu zeigen. Zumindest Siv hatte so reagiert, dass ich ob ihres Verhaltens nicht noch ungehaltener war also ohnehin bereits. Das besorgte Fhionn schon ganz allein, zumal ich jetzt etwas wie Stolz in ihrer Mimik erkennen konnte. Dass sie zugab, meinen maiordomus getötet zu haben, veranlasste meine Mundwinkel zu einem gefährlichen, freundlosen Zucken. Ich trat zwei Schritte näher heran und mustete sie kalt.


    "Ich habe dir Kleidung gegeben. Ich habe dir Essen gegeben. Ich habe dir ein warmes Bett gegeben und einen Platz in meinem Haus. Ich habe dir Vertrauen geschenkt, indem ich dich mit auf die Reise in den Norden schickte. Ich habe dir ein besseres Leben geboten als du hattest. Und du dankst es mir, indem du einen Mord in meinem Haus begehst und deine widerwärtige Tat nicht einmal rechtfertigen kannst?!"


    Zornesröte zierte mein Antlitz. Eine Ader auf der Schläfe pochte ebenso heftig, wie es meine Hand danach dürstete, einen allzu deutlichen Abdruck auf ihrem Gesicht zu hinterlassen. Doch ich beherrschte mich dahingehend. Sie war es nicht wert. Ich schnaubte herablassend.
    "Du kennst die Strafe, die auf eine solche Tat steht. Morgen, wenn die Sonne am höchsten steht, wirst du ans Kreuz geschlagen. Und ich werde dabei zusehen, wie die Krähen über dir kreisen und darauf warten, dass du dein jämmerliches Leben aushauchst",, sagte ich mit mühsam beherrschtem Zittern in der Stimme. Die Worte standen bereits eine Weile im Raum, als mir bewusst wurde, dass auch Siv noch hier stand. Ich drehte den Kopf und sah sie an. Täuschte ich mich, oder war es tatsächlich Furcht, was in ihren Augen stand? Meine Mundwinkel zuckten flüchtig, dann wandte ich mich ab und wieder Fhionn zu.

    Wir kamen der Aufforderung gern nach und setzten uns auf die dargebotenen Stühle. Ich selbst tat dies mit wachsamem Blick auf den Mann, den ich nicht kannte, der wohl aber Gracchus zu vertreten schien. Kurz darauf erfuhr ich auch, warum dem so war, und eine meiner Brauen rutschte überrascht nach oben. "Er ist zusammengebrochen?" fragte ich unsinnigerweise. Gracchus war doch in der Blüte seiner Jahre; wie es mir schien, musste da schon etwas Schwerliches geschehen sein, dass er zusammengebrochen war. Ob vielleicht etwas mit Antonia nicht stimmte? Gracchus war doch jemand, dem die Familie über alles ging. Was sonst hätte ihm dieses Schicksal beschert, wenn nicht etwas, das damit im Zusamenhang stand? Darauf, dass er schlichtweg einer Krankheit anheim gefallen war, kam ich gegenwärtig nicht.


    Als ich Accoleianus wieder meine Aufmerksamkeit zuteil werden ließ, saß er bereits wieder. Nachdenklich fuhr ich mir mit der Hand übers Kinn. In jedem Falle klang es ernst, wenn er noch nicht aus der Schwere der Umnachtung zurückgekehrt war. "Nun ja", entgegnete ich ein wenig zerstreut, lenkte aber den Blick auf die Schriftrolle in meiner Hand und legte selbige auf den Tisch. Es machte keinen Sinn, jetzt weiter über Gracchus nachzugrübeln. Viel eher sollten wir der Unstimmigkeit auf den grund gehen. "Ich wünsche, die Kontobewegungen des cultus deorum sowie jene des rex sacrorum Fabius Antistes einzusehen. Ursache dieser Anfrage ist eine fragwürdige Eintragung in den Finanznachweisen des aerarium Saturni. Es besteht Grund zur Annahme, dass ein unsachgemäßer Gebrauch von Geldern der Staatskasse vorliegt. Das Ganze kann natürlich ebenso gut ein Missverständnis sein. ich würde das gern nachprüfen. Konkret geht es dabei um den Zeitraum zwischen den Kalenden des december und jenen des ianuarius."



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    Ein scriba indes betrat wahrhaftig das Zimmer, an dem ich gekopft hatte, jedoch würde er kaum jene Informationen bereithalten, die der Mann vermutete, welcher dort hinter dem Schreibtisch saß und der - wie ich irritiert feststellte - nicht Flavius Gracchus war. Dementsprechend musste mein Gesichtsausdruck auch ausgefallen, als ich hineintrat in Begleitung besagten Schreibers, nämlich meines Neffen Avianus. Ich wartete, bis dieser die Tür hinter uns geschlossen haben würde und wandte mich sodann an den beleibten Herrn, der anstelle des amtierenden aedilis curulis dort saß und uns ansah. "Sei mir gegrüßt. Ich bin Aurelius Corvinus, quaestor urbanus. Eigentlich kam ich, um mit Flavius Gracchus zu sprechen. Ist er verhindert?" fragte ich, nachdem ich mich vorgestellt hatte. Vielleicht war dieser Mann sein Schreiber, und Gracchus befand sich auf einem Dienstweg, was gut möglich sein konnte. Immerhin war es an den Ädilen, die Märkte und Geschäfte zu kontrollieren und dabei auch einmal Überraschungsbesuche zu tätigen.



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    Sim-Off:

    Außer Mattiacus und mir ist derzeit kein Auratianer in Rom oder überhaupt für die factio aktiv. Wenn wir noch ein Weilchen warten, ist Ursus allerdings wieder zurück.


    Mit dem Weinbecher in der Hand verfolgte ich die kurze Ansprache, die Meridius hielt, und nickte. Ich wusste nicht, wie lange er schon princeps factionis gewesen war, doch er war es bereits lange vor meinem Beitritt gewesen. Während der Zeit meiner Mitgliedschaft war es selten sonderlich lange gut um die Aurata bestellt gewesen, leider, doch ein Fehler des Senators war dies mitnichten. Ich schürzte die Lippen, schwenkte meinen Becher und wartete, dass Meridius seinen Bericht präsentierte.

    Die Knappheit der Antwort ließ darauf schließen, dass es entweder keinen Wunsch seitens des Decimus gab, oder aber er schlicht und ergreifend nicht weiter darüber reden wollte. Eines wie das andere, so verstand ich den unausgesprochenen Hinweis und entgegnete lediglich ein Nicken und keine weitere Frage mehr.


    Was mich allerdings über die Maßen erstaunte, war Meridius' kurz darauf folgende Ankündigung. Überrascht blickte ich auf und sah ihn an. "Das ist eine unerwartete Neuigkeit", erwiderte ich nach einer Weile des Nachdenkens. "Wir sollten die Diskussion allerdings wirklich auf später verschieben, damit alle daran teilhaben können", bemerkte ich und widmete mich, nachdenklich geworden, wieder dem köstlichen Essen.


    Sim-Off:

    Nur zu gern.


    __________________________


    Glücklicherweise waren die jungen Tempeldiener stets sehr aufmerksam, wenn jemand den Tempel betrat - was dieser Tage bedauerlicherweise nicht übermäßig oft vorkam. Es bedurfte daher nur eines vielsagenden Blickes von Telesinus, um einen der Jungspunde darauf aufmerksam zu machen, dass hier noch ein wenig tempeleigenes Gut für das Voropfer benötigt wurde.


    "Ich werde gern alle nötigen Handgriffe für dich übernehmen, Senator, und dich wissen lassen, wann es an der Zeit ist, das Gebet an Mercurius zu zelebrieren", erklärte der sacerdos vielleich unnötigerweise. Mit geübtem Handgriff maß er dabei beiläufig genau die richtige Menge an Weihrauchkörnern und Kräutern aus dem bereitstehenden Gefäß ab, um sie nun über die Glut zu streuen. Alsbald stiegen nach einem Zischen die ätherischen Dämpfe an der Statue des Mercurius vorbei empor zum Tempeldach. Geräuschlos stellte der zuvor beauftragte Tempeldiener einen kleinen Korb mit Opfergaben ab, ehe er sich vorerst zurückzog. Dann hob Cadius Telesinus die Hände und blickte hinauf in das marmorne Gesicht des Merkur.


    "O Mercurius, Schützer der Händler und der Wege, flinker Herold, welcher der Maia zur Ehre gereicht! Blicke hinab auf die Welt der Sterblichen, und siehe, welche Gaben dir der ehrenwerte Senator Aelius Quarto demütig zur Ehre darbeitet! Labe dich an Speis' und Trank, o gütiger Merkur, und lausche den dankbaren Worten des Consular!" Während des zweiten Teils dieser kurzen Anrufung des Gottes wurde dem Priester eine kleine Amphore Wein gereicht, von der er drei Schlücke in kuren Abständen in den foculus goss, wo sie leise zischend verdampften. Danach fanden einige Opferkekse und ein kleines Küchlein den Weg auf den Altar. Für das Voropfer sollten diese Gaben genügen, bescheid Telesinus, und so wandte er sich um und bedachte den Senator mit einem angedeuteten Nicken.


    "Hat sie das?" fragte ich Orestes erstaunt und hob die Brauen. "Ich weiß nichts davon. War das bevor oder nachdem ich sie nach Germanien geschickt hatte?" Ich schüttelte unwillig den Kopf. Es war so oder so gleich, denn es rechtfertigte nicht das, was sie getan hatte. Erneut glitt mein Blick zu Matho hin und ich schürzte die Lippen. Orestes' Worte überging ich einfach - wer wollte sich schon eine Mörderin ausleihen, wenn nicht für schmutzige Arbeiten? Stattdessen nickte ich grimmig. "Und genau das werde ich mit ihr machen. Nachdem ich einen neuen maiordomus bestimmt habe. Gegenwärtig kommt nur Brix dafür in Frage", erwiderte ich und deutete mit dem Kinn zurück ins Haus, wohin ich mich auch sogleich in Bewegung setzte. "Kannst du mir einen Gefallen tun und ihm Bescheid geben, dass er vorerst Mathos Aufgaben übernehmen wird? Und jemand soll seine Leiche aus dem Hof schaffen und sich um seine Verbrennung kümmern", wies ich Orestes an und war froh, dass ich diese Dinge an ihn deligieren konnte. Zum ersten Mal seit seiner Abreise wünschte ich mir nun tatsächlich Ursus herbei. Da fiel mir ein, dass ich seinen Brief noch nicht gelesen hatte. Caecus hatte ihn mir am Morgen zusammen mit der übrigen Post auf den Schreibtisch gelegt, und dort lag er noch.


    "Ich werde mich jetzt um Fhionn kümmern. Die Götter mögen ihr gnädig sein, denn ich bin es nicht", sagte ich und blickte finster voraus in die von Lampen erhellte villa. Hier trennte ich mich von Orestes und strebte teils widerwillig, teils aufgebracht meinem Arbeitszimmer zu, dessen Tür ich ohne Vorwarnung öffnete. Fhionn saß auf meinem Stuhl und Siv wusch ihr vor ihr kniend das Blut von den Händen. Die derbe Begrüßung blieb mir im Halse stecken, als ich diese Geste der Freundschaft sah und Siv daraufhin fassungslos anstarrte. Hatten die beiden am Ende noch gemeinsame Sache gemacht? Mit einer knappen Geste meines Kinns befahl ich Siv, von Fhionn fort zu gehen. "Also?" bellte ich und blieb stehen, denn zum einen saß Fhionn auf meinem Stuhl, zum anderen wollte ich, dass der Keltin unbehaglich zumute war.

    Ich wandte den Kopf und sah Avianus seitlich an, zuerst skeptisch, dann grinsend. "Das dachte ich mir. Für dich ist das ja nun sozusagen eine lohnende Entdeckung. Auf diese Weise lernst du deutlich mehr als beim schnöden Durchsuchen von unendlich langen Listen", foppte ich meinen Neffen. Hernach wandte räusperte ich mich und wandte mich zu Pyrrus um. "Am besten vermerkst du, wo wir waren. Wir gehen der Sache jetzt gleich auf den Grund", sagte ich und stand auf. "Komm. Wir machen später hier weiter. Ein wenig Frischluft tut uns zudem ganz gewiss nicht schlecht." Gemeinsam mit Avianus verließ ich also den Saturntempel und begab mich auf den Weg in die Basilika.



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    In Begleitung meines Neffen und scriba personalis Avianus gelangte ich also an der Basilika an. "Merke dir gut, wohin wir gehen. Es kann sein, dass du in naher Zukunft einen Weg hierher erledigen muss", sagte ich zu Avianus, während wir die Stufen erklommen. Drinnen schlug ich den Weg zum Büro des amtierenden curulischen aedilis ein, Flavius Gracchus. Was ich nicht wusste, war dass der Flavier schon ein Weilchen außer Gefecht gesetzt und daher nicht anwesend war. Bald endeten unsere Schritte vor der Tür zu besagtem officium, und ich klopfte an, die vermeintlich fehlerhafte Schriftrolle in der anderen Hand.



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    "Celeris", wiederholte ich das lateinische Wort für Schnelligkeit. "Schnell." Dass sie das Pferd mit Freiheit assoziierte, war für mich nachvollziehbar. Es verursachte mir sogar um ein Haar ein schlechtes Gewissen, denn immerhin war ich derjenige, der ihr die Freiheit würde schenken können, wenn ich es wollte. Doch anderen gegenüber wäre es ungerecht gewesen, und rein wirtschaftlich betrachtet wäre es töricht gewesen, Siv nach dieser kurzen Zeit bei uns schon frei zu lassen. Interessiert - und angestrengt ob ihrer Lateinkenntnisse - lenkte ich meine Aufmerksamkeit der Geschichte zu, die sie nun vortrug. Flüchtig schmunzelte ich bei ihrem Zahlversuch, nickte und runzelte im nächsten Moment die Stirn. Bei den Germanen schien es um einiges rauher zuzugehen, nicht nur im normalen Leben, sondern auch unter den Göttern, wie es schien. Kein römischer Gott wäre doch je auf den Gedanken gekommen, einen seiner Gefährten als Heiratspreis auszusetzen. Im weiteren Verlauf verlor ich dann vollends den Faden, sah Siv verwirrt an und schüttelte den Kopf. "Dieser Loki hat ein Pferd geboren?" fragte ich irritiert und hob die Schultern.


    Die Lippen geschürzt, hörte ich nun eine weitere Geschichte, diesmal eine, die auf einer wahren Begebenheit beruhte. Sivs Vater war also tot, getötet worden von römischen Soldaten. Wieder runzelte ich die Stirn, diesmal aber, weil sich mir durch diese Schilderung der Grund ihres Verhaltens Römern gegenüber erschloss. "Das tut mir leid", sagte ich. "Jetzt verstehe ich, warum du meinesgleichen nicht ausstehen konntest. Kannst." Ich hob erst einen Mundwinkel zu einem schwachen Lächeln, dann die Hand, um Siv mit dem Handrücken über die Wange zu streichen. Ihre auflockernden Worte schließlich schlossen den Abend auf ihre Weise ab. Ich lächelte schwach, dann bedeutete ich Siv, dass ich aufstehen wollte. Sie rutschte nach vorn und ich erhob mich. Im nächsten Moment spürte ich ihre Lippen auf den meinen, und überrascht über diesen plötzlichen Angriff tat ich nichts, außer dazustehen. Siv löste sich recht schnell wieder und ließ mich verwundert zurück, um sich zu bedanken. Was sollte ich entgegnen? Es gab nichts, was ich hätte sagen können, zumal ich nicht einmal wusste, wofür sie sich genau bedankte. So lächelte ich also nur kurz, ergriff dann locker ihre Hand und sagte: "Dann komm."


    ~ finis

    Zufrieden verfolgte ich, wie Orestes den Eid leistete und anschließend noch einen Moment in stummem Zwiegespräch zu verhalten schien, ehe er sich umwandte. Ich lächelte ihm zu, nickte und deutete hinaus. "Damit wäre im Grunde alles getan, was getan werden musste. Ich werde deine Berufung dem rex sacrorum vorschlagen und dann sehen wir weiter. Ich gehe nicht davon aus, dass du lange warten musst auf deine Ernennung, Manius. Wir sehen uns dann heute Abend, ich habe jetzt noch einen Termin mit dem collegium pontificium. Bis später, Manius."

    Obgleich ich sonstig nicht empfänglich für schmeichlerische Worte war, wusste ich doch, dass sie meist zweckdienlich waren und eine Gegenleistung erforderten, so fühlte ich dennoch vage Zufriedenheit in mir aufsteigen, als Celerina sich in beeindrucktem Tonfall äußerte. Meine Mundwinkel zuckten nach oben und ich bedachte sie mit einem kurzen Seitenblick.


    Verständig nickte ich indes, was das Katzengetier anbelangte. "Zudem würde nichts anderes dir stehen. Ein würdevolles Tier sollte es in jedem Falle sein", erwiderte ich, wohlweißlich damit ein verborgenes Kompliment streuend. Ich war guter Dinge, darüber hinaus mochte ich den Umstand, mit mit jemandem mit rudimentär gleichen Interessen zu unterhalten, und weiters war Flavia Celerina eine angenehme Gesprächspartnerin. Die Erwähnung eines Löwen allerdings machte mich ein wenig skeptisch, und in Unglauben zog ich die Brauen zusammen. Allerdings hatte der kleine Flavier, der wohl ein Spross des heimgekehrten Helden von Circesium war, bereits des Öfteren für Furore gesorgt. Ich erinnerte mich an seinen Auftritt an der rostra - die mir und meiner res gestae auch noch bevorstand - und eine Begebenheit bei Titus Tranquillus. Da passte ein Löwe durchaus ins Bild, und so zierte ob dieses Gedankengangs bald ein angedeutetes Schmunzeln mein Gesicht. Auch, wenn man meinen sollte, der Vater des Jungen sei ein wenig umsichter bei der Wahl seiner Geschenke. "Ein Löwe, tatsächlich! Es bleibt dann nur zu hoffen, dass er domestiziert wird, solange er klein ist. Denk dir nur, ein ausgewachsener Löwe, undomestiziert, der die Klienten des Hauses in Angst und Schrecken versetzt." Ich stellte mir das Bild gedanklich vor und konnte nicht umhin, dabei zu grinsen. Letztendlich war es mir auch nicht möglich, ein kurzes Lachen zurückzuhalten.


    Vor und hinter uns beleuchteten sklavische Fackelträger den Weg. Ich haderte mit mir selbst, ob ich dennoch vorschlagen sollte, sich auf einer Bank niederzulassen, entschied mich jedoch dagegen angesichts der Dunkelheit und des Umstandes, dass sich ihre Verwandten ganz gewiss sorgten, würden wir nicht in absehbarer Zeit im Hause Flavia anlangen. "Ein schöner Abend", sinnierte ich und sah hinauf in des Himmels Zelt. "Ich würde dich gern in den nächsten Tagen einmal einladen, um dir den Garten zu zeigen. Das Angebot der Entführung steht noch, wenn du also Zeit und Lust hast, wäre es mir eine Freude, eine kleine Führung zu arrangieren." Von hier aus sah man bereits das schmiedeeiserne Tor, welches das Ende des kleinen Parks begrenzte.


    Ad
    Manius Aurelius Orestes
    villa Aurelia in Roma



    M. Aurelius Corvinus M' Aurelio Orestes s.d.


    Im Namen des magister septemvirorum heiße ich dich in der Priesterschaft Italiens willkommen.
    Das Capitolium wird vorerst dein Haupteinsatzgebiet sein, doch scheue nicht davor zurück, auch in anderen Tempeln auszuhelfen, so dies erforderlich sein wird.
    Nimm deinen Dienst dort so bald wie möglich unter der Leitung des sacerdos Messius Iuvenalis auf.


    Mögen die Unsterblichen dich behüten.


    [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/7103/siegelmacsvbx5.gif]



    ROMA, ID IUN DCCCLVIII A.U.C. (13.6.2008/105 n.Chr.)



    Sim-Off:

    Kurzum: NPC-Übernahme und Engagement bei Feiertagen ist stets erwünscht. ;)


    Nach Orestes betrat ich den geschmückten Raum. Die friedvolle Aura hier meinte man beinahe spüren zu können. Ich deutete auf die gemeißelte Tafel mit dem ius iurandum. Weiterer Worte bedurfte es nicht, und so verharrte ich schweigend, während Orestes seinen Eid ablegte.

    "Das klingt doch sehr gut", erwiderte ich erfreut. "Dann kannst du ja damit rechnen, dass du in Kürze zum sacerdos ernannt wirst. Aber zuvor der Eid... Ja, lass uns gleich gehen, Manius." Ich deutete auf die Tür und ließ meinen Verwandt vorgehen, dann schloss ich mein Büro hinter uns und begab mich gemeinsam mit Orestes zum Heiligtum.

    Wortkarg war Orestes plötzlich geworden, so erschien es mir. Hatte ich ihn etwa so unsanft hinfortkomplimentiert? Ich beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken, und ließ mich wieder zurücksinken. Schließlich stand Orestes bereits, da konnte ich genauso gut hier bleiben und noch ein wenig schlafen. In meinem cubiculum würde es vermutlich ohnehin zu warm dazu sein, schien dort doch den gazen Vormittag die Sonne hnein und heizte die Luft auf. Glücklicherweise war sie bis zum Abend immer wieder angenehm abgekühlt, sodass das Schlafen nicht zur Qual wurde.


    "Danke. Und wenn du etwas brauchst, lasse es dir bringen, irgendwer wird sich um deine Wünsche zu kümmern wissen", sagte ich. "Es ist ja nicht so, dass hier akuter Sklavenmangel herrscht." Ich grinste schief und steckte einen Arm unter meinen Kopf. "Schön, dass du da bist", sagte ich abschließend und ehe er mich allein ließ.



    ~ finis ~