Nur mäßig überrascht - denn ich hatte erwartet, dass der Flavier eher von der vorgezeichneten Bahn abweichen würde - hob ich eine Braue, kaum dass Gracchus beteuerte, die meisten Ädile würden sich der breiten Masse zuwenden. Amüsierend fand ich, dass er scheinbar weder ein Anhänger eines Rennstalls war noch Spiele im circus zu mögen schien. "Bittet die Flavia nicht seit jeher Fortuna um Glück für die Purpurnen?" hakte ich daher nach. "Du klingst, als machst du dir nichts aus Rennen." Ein Griff zum Weinbecher und anschließendes Nippen verbargen mein Schmunzeln. Gewiss war ihm nicht unbekannt, dass ich selbst der Aurata angehörte, wie die gesamte Aurelia ohnehin - auch wenn ich allmählich zweifelte, dass das Begründen dieser Tradition meiner Ahnen eine weise Entscheidung gewesen waren. Doch verbot allein der Stolz, einen anderen Rennstall zu wählen. Schließlich wollte man nicht das Fähnchen nach dem Wind drehen, und die Goldene brauchte definitiv einen Aufwind. Doch dies war eine andere Sache.
Bezüglich des jungen Claudiers und ob Gracchus' Worten runzelte ich ein wenig die Stirn, nickte jedoch bald, als er den Blick aus seinem Winkel beschrieb. "Gewiss bist du nicht der einzige infrage kommende Prüfer. Es erschien mir ob deiner familiären Beziehung zu den Claudiern allerdings angemessen, dich zuerst zu fragen. Ich verstehe deine Beweggründe, und es macht keine Umstände, jemand anderen um den Vorsitz zu bitten", versicherte ich Gracchus und lächelte flüchtig. "Der junge Claudius selbst erscheint mir noch ein wenig illusioniert zu sein. Ich gehe davon aus, dass er Rom der Unabhängigkeit wegen verlassen will. Wir werden noch erfahren, ob dem so ist, nehme ich an. Claudius Menecrates indes scheint den Wunsch seines Sohnes gutzuheißen. Über die Gründe könnte ich nur mutmaßen, da wirst du Antonias wegen allerdings besser informiert sein als ich." Eine Sklavin trat an uns heran und schenkte Wein nach, dann zog sie sich wieder zurück und rief dabei wieder einen Gedanken in mir wach. "Ah, ich wollte dich noch etwas fragen, oder eher, dich um etwas bitten. Mein vilicus berichtete mir, dass du den Zuschlag für einen gelehrten Sklaven aus Achaia erhalten hast. Bei den derzeitigen Zuständen ist das eher selten, der Markt wird von Parthern ja nahezu überschwemmt gegenwärtig. Ich selbst bin schon eine ganze Weile auf der Suche nach jemandem, der etwas gegen die desolaten Lateinkenntnisse meiner Sklaven tun kann. Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber ich lege durchaus Wert auf eine Aussprache, bei der sich meine Nackenhaare nicht sträuben", sagte ich und grinste schief. "Wäre es möglich, diesen Gelehrten für ein paar Stunden in der Woche auszuborgen? Gegen entsprechende Entlohnung, versteht sich."