Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ich nickte beflissentlich. "Dann werde ich gleich morgen früh ein entsprechendes Schreiben aufsetzen und dir zukommen lassen, Gaius. Ratschläge habe ich keinen für dich, ich kenne den Senator leider nicht näher, weiß aber, dass er hoch im Ansehen bei seinen collegae und Klienten steht. Er scheint mir Wert auf Offenheit und Ehrlichkeit zu legen, also bist du gewiss gut beraten, wenn du dies berücksichtigst", entgegnete ich und wiegte den Kopf hin und her. "Soweit ich weiß, sind zudem die Wagenrennen seine Passion, er hängt der Russata an und steht ihr meines Wissens nach sogar vor." Allerdings würde ich ihn kaum in ein Gespräch darüber verwickeln, wenn ich selbst nur halbherzig dem Rennsport geneigt wäre, dachte ich bei mir.


    "Was die Finanzen anbelangt, werde ich dem vilicus Bescheid geben, dass er dir eine Einweisung angedeihen lässt. Im Grunde gilt es nur, die Buchführung zu überprüfen, was allerdings durchaus eine langwierige Angelegenheit sein kann." Und da sprach ich aus Erfahrung. Erneut wurde ich Zeuge des gar außergewöhnlichen Verhältnisses der beiden Brüder, wunderte mich abermals über die liebevolle Ansprache und hegte insgeheim doch Argwohn, dass sie sich auch privat so verhalten würden. Schlussendlich allerdings nickte ich. "Gut. Dann werden wir uns gleich morgen Vormittag nach der salutatio im aerarium Saturni treffen, Tiberius. Du solltest eine tabula mitbringen. Und Geduld", fügte ich an und grinste breit.

    Sim-Off:

    Ich wusste, ich habe etwas vergessen. Die WiSim-Überweisung kam ein paar Tage nach meinem letzten Beitrag hier. Wenn sie wieder aktiviert ist, schau also mal in deinen WiSim-Account.


    "Dem Händler nach wurde dieser Asklepios im Nildelta angefertigt. Sicher sein kann man den Worten allerdings nicht, doch ich finde, das Stück spricht ganz für sich, auch ohne genaue Angaben zu seiner Herkunft. Der kleine Kerl wird gewiss dein officium zu schmücken wissen", erwiderte ich auf die Frage des medicus hin und schmunzelte flüchtig.

    Ich musste lachen und anschließend beipflichtend nicken. "Oh ja, Niki ist ein Goldstück. Du wirst ihre Künste noch verfluchen, wenn du erst ein Talent zugenommen haben wirst", kommentierte ich, winkte ab und grinste breit. "Ich stelle mir das friedliche Miteinander teilweise schwierig vor, wie du es schilderst. Zweifelsohne wissen auch die Mitglieder der Ekklesia ganz genau, dass sie nur ihren Geschäften nachgehen dürfen, weil der Kaiser es billigt. Nun ja, aber solange es funktioniert..."


    Ich hob die Schultern gleichsam mit dem Weinbecher und schmunzelte. "Gern", erwiderte ich, dann blickte ich Orestes ein wenig zweifelhaft an, war ich mir doch nicht sicher, ob er seinen Trinkspruch ironisch oder wahrhaftig ernst meinte. So entgegnete ich lediglich "Auf unsere gens", und trank nach einem Schluck für die Götter ebenfalls ein wenig. "Auch, wenn ich glaube, dass deine Sicht der Dinge ein wenig weltentrückt ist", gestand ich und lächelte entschuldigend. "Großartig ist die gens schon länger nicht mehr, auch wenn ich zumindest versuche, das Ruder herumzureißen und uns wieder zurück auf einen ehrenhaften Pfad zu lenken. An meine Quästur wird sich womöglich die Senatorenwürde reihen, und ich hege die Hoffnung, nicht zu lange allein im Senat zu sitzen. Umso mehr freut es mich natürlich, dass du ebenfalls einen Senatssitz anstrebst, Manius." Denn von Sophus wollte ich lieber nicht sprechen, seine Trägheit bereitete mir nur allzu oft Kopfzerbrechen.

    "In Ordnung, tu das. Und mache dir schon einmal Gedanken bezüglich des Voropfers. Du wirst in jedem Fall eines abhalten müssen, alles weitere lässt sich ja schwerlich vorweg planen." Ich schmunzelte und nickte nochmals. "Gut. Dann sehen wir uns zum Abendessen in der villa."


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    Ja, auch in Rom gab es durchaus Menschen, die einfach nur leben wollten und sich nicht groß um die politischen Größen des Reiches scherten - auch wenn sie eher in der Minderheit waren. :D
    Cadius Telesinus neigte in weise anmutender Art den Kopf bei den Worten des Senators und erwiderte das etwas erzwungene Lächeln seinerseits offen und ehrlich. Er war ein Menschenfreund, gerade deswegen machte ihm die Arbeit im Tempel wohl auch so viel Spaß. "Ah, der Krieg", kommentierte Telesinus und nickte zweimal. "Gerne stehe ich dir bei deinem Anliegen zur Seite. Hast du dir bereits ein Opfertier erwählt?" Denn dass er eine leitende Hand dabei haben wollte, ershien Telesinus deutlich zu sein. Allerdings konnte er auf den ersten Blick weder Gefolge noch Opfergaben bei dem Senator entdecken, was aber nicht weiter schlimm würde sein, da der Tempel diese zu ein wenig angezogeneren Preisen auch selbst veräußerte.






    Sim-Off:

    Angesichts der derzeitig inaktiv geschalteten WiSim gibt es vorerst keine Opfer-Angebote. Sollte sie bald wieder funktionstüchtig sein, hast du die Wahl zwischen dem Kauf eines ganzen Opfers oder der notwendigen Zutaten, die du dem CD per Privatangebot zur Verfügung stellen kannst, um dein Opferpaket zu erhalten.


    Hiermit werden Decima Seiana und Titus Aurelius Ursus als vollwertige subauctores in die Redaktion der Acta Diurna aufgenommen. Beide haben bereits einige Zeit lang die Leserschaft mit ihren Artikeln erfreut und bewiesen, dass sie das Zeug zum redaktionellen Schreiber haben.


    Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und die kommenden Artikel.


    Die Redaktionsleitung



    Sim-Off:

    edit - nicht mein Tag heut


    Ad
    Manius Tiberius Durus
    villa Tiberia in Roma



    M. Aurelius Corvinus M' Tiberio Duro s.d.


    Tiberius, einmal mehr tritt das collegium septemvirorum bittender Weise an dich heran. Erneut geht es um den Vorsitz bei einer Priesterprüfung, der Prüfling ist mein Vetter, Manius Aurelius Orestes. Dies ist auch der Grund, aus dem ich selbst dich bitten möchte, dem Wunsch des collegium zu entsprechen, da es verständlicherweise ganz in meinem Sinne ist, meinen Vetter nicht selbst prüfen zu müssen.


    Er möchte später in einem Tempel seinen Dienst zu tun, der dem Iuppiter geweiht ist. Als Prüfungsort ist daher das Kapitol erwählt worden, wo Aurelius Orestes ein Opfer zum Gemeinwohle des Staates abhalten soll. Der Tempelvorsteher heißt Messius Iuvenalis und wird informiert werden, so du dich positiv äußerst.


    Ich würde dich bitten, dich zwecks des Prüfungstermin wieder mit mir in Verbindung zu setzen, damit ich meinen Vetter und auch den Vorsteher über alles Weitere informieren kann.


    Vale.



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    ROMA, PRIDIE ID MAI DCCCLVIII A.U.C. (14.5.2008/105 n.Chr.)


    Sim-Off:

    Angesichts der Tatsache, dass dort gegenwärtig bereits ein Plot läuft, könnte man auch einen entsprechenden neuen Thread anlegen :)


    Ich nickte erfreut und lehnte mich wieder ein Stück zurück. "Sehr schön, das freut mich. Ich werde dir eine Einladung zukommen lassen. Du magst doch Meeresfrüchte?" hakte ich nach und schmunzelte. Danach betrachtete ich Prisca. Sie würde es gewiss nicht stören, wenn ich Aquilius bat, sie nach Hause zu geleiten, doch ob er Minervina und Helena ebenfalls mitnehmen würde? Ich selbst verspürte noch keine große Lust, nach diesem erfrischenden Stück zurück zur villa zu streben. Nachdenklich ruhte mein Blick auf Prisca und Aquilius. Die beiden schienen zufrieden mit der in Aussicht stehenden Verbindung, und beinahe verspürte ich etwas wie Neid in mir aufkeimen, drückte die Empfindung jedoch nieder und richtete meine Aufmerksamkeit zu Ablenkungszwecken kurz auf die Menge, die sich drängelnd vorwärts schubste. Doch die Worte meines Patrons hallten in mir wider....und wann willst du endlich heiraten? Gut, so salopp hatte Hungaricus es nicht formuliert, doch die Botschaft kam so oder so deutlich rüber. Ich seufzte leise. Wenn doch nur Valerianus bald Rom erreichte und seine Absichten kundtat...

    Fein säuberlich aufgereiht in einem hohen Regal mit vielerlei beschrifteten Fächern direkt hinter dem Schreibtisch befanden sich zahlreiche Schriftrollen. Die Einnahmen und Augaben wurden auch rückwirkend noch mehrere Jahre lang aufbewahrt, gesetzt den Fall, dass Unstimmigkeiten auftraten oder einfach zum besseren Nachvollzug der Geldflüsse. Der Saturnpriester bot mir seinen Stuhl dar und erklärte kurz das System hinter der Ordnung des Regals.


    "In diesem Fach befinden sich sämtliche Finanzaufzeichnungen diesen Jahres. Jede Schriftrolle ist mit einer Nummer versehen, sodass der Fortlauf die Reihenfolge ergibt. Weiter links findest du die vorangegangenen Jahre, und in diesem Fach hier rechts sind die Dinge verzeichnet, die monatlich, jährlich, vierteljährlich und so weiter ausgegeben werden müssen, Vormerkungen und dergleichen, donativa, kaiserliche Zuwendungen, Geldmittel für bauliche Maßnahmen und so weiter. Wenn du dich nicht zurecht findest oder noch eine Frage hast, findest du mich bei den Altären, quaestor." "Vielen Dank, sacerdos. Ich denke, ich werde mich zurechtfinden", erwiderte ich und nickte. Daraufhin verließ der Priester das officium und ließ mich allein mit Pyrrus und vielen hundert Papyri zurück.


    "Du hast es gehört, Pyrrus. Fangen wir also an", sagte ich zu meinem scriba personalis, welcher daraufhin etwas murmelte und mir die Schriftrolle mit der Nummer 1697 reichte, die erste des neuen Amtsjahres. Ich rollte sie aus und begann, sie eingehend zu betrachten und nach Fehlern und Unstimmigkeiten zu suchen.

    Mehr als ein Lächeln erwiderte ich diesmal nicht auf ihr Eingeständnis, denn das Thema war damit abgehakt, wie ich fand. Viel lieber ging ich auf das Terrain ein, in dem ich mich sicher bewegen konnte. So nickte ich nur, hob hernach aber eine Braue und musterte die lachende Flavierin neben mir interessiert. Über ihr Fernweh hatten wir uns schon einmal unterhalten, und ich hatte meinen Wunsch dargelegt, Ägypten einmal zu bereisen. Jedoch allerdings in die östlichen Länder zu reisen - allein der Flora wegen - das hätte ich nie erwogen. Zumal die Ostländer als gefährlich galten und diese begehrten Pflanzen aus Regionen stammten, die teilweise nicht mehr zum Römischen Reich gehörten... "Nun, ich sehe, was sich machen lässt", war meine schmunzelnde Antwort darauf. Wieder einmal fragte ich mich, wie eine Frau ein solch reges Interesse an seltenen Pflanzen zeigen konnte, und warum sie ausgerechnet mir über den Weg gelaufen war.


    "Ah, ja.... Ich habe meine Schwester und meine Cousinen stets bemitleidet, weil sie sich im strahlendsten Sonnenschein drinnen der Handarbeit widmen mussten, während meine Brüder und ich draußen mit Holzgladii gespielt haben", erinnerte ich mich und schüttelte amüsiert den Kopf. "Ich habe mich stets gefragt, ob ihr das macht, weil es euch gefällt, oder weil es einfach verlangt wird, dass eine Frau geschickt weben kann. Dein tunica recta hast du aber gewiss selbst gewebt?" fragte ich sie und spielte damit auf ihre vorangegangene Ehe an. Schließlich galt es als unglückselig, webte die zukünftige Braut das Hochzeitsgewandt nicht selbst. Bei der Erwähnung ihres Lasters hob ich fragend eine Braue, musste dann aber lachen, als sich dieses frevlerische Tun als Einkaufswahn herausstellte. Nun, als Flavierin verfügte sie gewiss über nur schwer zu erschöpfende Geldmengen, da war eine solche Passion beinahe die logische Schlussfolgerung. "Das sieht man durchaus, deine Gewandung ist stets ein geschmackvoller Anblick", erwiderte ich lächelnd und sah dann an mir hinab. "Was man von mir eher nicht behaupten kann. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt der Kleidung wegen die Märkte aufgesucht habe. Das muss Jahre her sein. Ich lasse lieber kaufen, als es selbst zu tun."

    Wie sie so dastand, tintenbesudelt und mit diesem zerknirschten Ausdruck auf dem Gesicht, tat sie mir beinahe schon wieder leid. Doch ich rief mir mit allem Nachdruck die Enttäuschung ins Bewusstsein zurück, und die Tat, welche sie begangen hatte, ohne nachzudenken. Den Vertrauensbruch, der damit einher ging. Und meine Miene blieb starr, weil ich - wie die meisten Patrizier - schlichtweg gelernt hatte, emotionslose Masken zu tragen, wenn es notwendig war. Auch, wenn ich diese Übung niemals bis zur Perfektion gemeistert hatte.


    Etwas in ihrem Blick wandelte sich. Die rasende Glut darin erlosch und etwas anderes flackerte auf. Ich möchte den neuen Ausdruck nicht. Er erschien so drängend, flehend. Bettelnd. Und er passte nicht zu Siv, das war eindeutig. Automatisch runzelte sich meine Stirn, als ich an die Träume dachte, die mich heimgesucht hatten, besonders an den letzten, in dem Siv mich gebeten hatte, sie nicht allein zu lassen. Aber hatte sie nicht genau das selbst verschuldet? Mit harscher Miene taxierte ich sie, als sie zu sprechen begann. Und dann sprudelte alles aus ihr heraus, doch ich unterbrach sie mitten in ihrem Erklärungsversuch, indem ich die Augen schloss, den Kopf ein wenig abwandte und Einhalt gebietend die Hand hob. Erst als Siv verstummte, sah ich sie wieder an. "Ich will nichts hören. Nicht ein Wort, Siv. Ich habe dir vertraut, und du hast dieses Vertrauen mit Füßen getreten. Das ist also dein Dank", sagte ich ruhig, nachdem ich die Hand wieder hatte sinken lassen. "Ohne Mathos Einsatz wüsste ich nicht einmal von deinem Vergehen. Du solltest ihm dankbar sein, dass ich genug Zeit zum Nachdenken hatte, ehe ihr hier ankamt. Und nun geh, bis ich mir überlegt habe, was ich mit dir machen werde. Verschwinde, ich will dich nicht mehr sehen."


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    Publius Cadius Telesinus, seines Zeichens sacerdos im Merkurtempel, hatte den kräftigen Ruf des Aeliers zuerst nicht gehört, da er ein einer Opfernische einen jungen Priesterschüler bei einem Opfer beaufsichtigte. Erst, als ein zweiter Schüler ihn darauf aufmerksam machte, verließ Cadius Telesinus den kleinen Altar und begrüßte den Gast.


    "Salve, mein Name ist Publius Cadius Telesinus. Willkommen im Tempel des Merkur", begrüßte er den Besucher in seiner ruhigen, tiefen Tonlage. "Senator Aelius Quarto? Dein Name ist halb Rom ein Begriff. Bitte, tritt ein und äußere dein Begehr."




    Ich mochte meinen Augen nicht trauen. Matho hatte die Tür beinahe geschlossen, da wurde sie ihm einfach aus der Hand geprellt und krachte unschön in den Putz der Wand, wo der Knauf einen kahlen Abdruck hinterließ. Viel Zeit, mich darüber aufzuregen, blieb mir indes nicht, denn das Spektakel ging in eine zweite Runde. Sivs nun wieder sichtbarer Gesichtsausdruck hatte inzwischen eine schwer deutbare Form angenommen, und die Farbe ihres Gesichts war eine Mischung aus käseweis und Zornesröte. Im nächsten Moment war ein heftiger Schlag zu hören. Mathos geräuschmalerische Reaktion darauf ging in Sivs Wutschrei unter, und als die Germanin ihm nachsetzte und bereits die ersten erschrockenen, teils auch einfach nur neugierigen Gesichter in der Tür erschienen, brüllte Siv ihre Flüche herum, von denen ich weniger als die Hälfte verstand. Mit dem Eintreffen der Nachricht hatte ich auch aufgehört, mir die Wörterlisten anzuschauen, die Siv mir vor der Abreise hinterlassen hatte.


    Matho hielt sich inzwischen irritiert an der Türkante fest und schien derart perplex zu sein, dass er Siv nichts entgegenzusetzen hatte. Diese jedoch holte aus und trat nach dem maiordomus, dabei nicht an Beschimpfungen und übelsten Flüchen sparend. Matho, der sich inzwischen sein heiligstes Heiligtum hielt, machte gar keine Anstalten mehr, sich zu wehren, sondern taumelte schmerzverzerrt zurück und griff mit einer Hand nach meinem Schreibtisch. Keine zehn Sekunden waren bisher vergangen, seitdem Siv die Tür aufgestoßen hatte. Gerade glitt Matho stöhnend zu Boden und riss dabei ein Tintenfass mit sich zu Boden. Ich machte einen Schritt nach vorn, löste die Arme aus ihrer Verschränkung vor der Brust und donnerte "Siv", sie scharf ansehend. Sie reagierte nicht sofort. Es brauchte seinen Moment, bis sie mich ansah, und sie würde eine Enttäuschung in meinem Blick erkennen, die bisherig nur schwerlich daraus zu lesen gewesen war. "Geh mir aus den Augen", sagte ich kühl und deutete mit dem Kinn hinaus aus dem Raum, in dem sie sich erdreistet hatte, meinen Hausverwalter anzugreifen. Matho atmete schwer, sein Gesicht war immer noch schmerzverzerrt, doch er war klug genug, seinerseits meine Nerven nicht weiter zu strapazieren, indem er Siv Schimpfwörter an den Kopf warf. Die Beobachter verzogen sich diskret und schnell. Mit anprangerndem Blick wartete ich, dass Siv verschwand. Ich mochte sie nicht mehr sehen.

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    Eigentlich hatte sie nur schnell Dina helfen wollen, der etwas hingefallen war, aber da war ihr Siv in die Quere gekommen und hatte sie zu Boden gerissen. Statt sich anständig zu entschuldigen, rappelte sich die Germanin sich wortlos wieder auf und lief zu der Tür, hinter der eben der Hausherr mit Matho verschwunden war. Sofia setzte einen eindeutig missbilligenden Blick auf, schürzte die Lippen und hievte sich selbst wieder auf die Beine, nur um danach mit in die Hüften gestemmten Armen und einer unheilvollen Miene zu Siv zu marschieren und sie böse anzufunkeln. "Hast du jetzt etwa auch keinen Anstand mehr? Erst wirst du zur Belohnung nach Hause geschickt, dann haust du undankbar ab und jetzt sagst du nicht mal Entschuldigung, wenn du hier jemanden über den Haufen rennst! Pah!" Und damit wandte sich Sofia um und stolzierte von dannen, nicht ohne sich den schmerzenden Musikandenknochen zu reiben. Dass die Tür derweil aufgestanden hatte, war ihr herzlich egal gewesen, ebenso wie Sivs unfassbare Miene.



    Matho hatte inzwischen Platz genommen, ich stand mit vor der Brust verschwänkten Armen schräg vor dem Regal in meinem Arbeitszimmer und lauschte mit gerunzelter Stirn den Worten des maiordomus. "...ich schon schrieb, dominus. Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist. Dein Neffe hat sie in Begleitung zweier Soldaten zur villa gebracht, und dann..." sagte jener gerade, als mit einem mal die Tür aufgerissen wurde und Siv auf der Schwelle stand. Ich sah ihr mit einer Mischung aus Überraschung, Ärger und Enttäuschung entgegen, bis sich Sofia in die Tür schob und Sivs Aufmerksamkeit verlangte. Kaum war sie fort, blickte ich Siv wieder an. "Schließ die Tür, Matho", wies ich den maiordomus an, ohne dabei den Augenkontakt zu Siv zu unterbrechen. Und Matho erhob sich und strebte zur Tür, wo er Siv mit Genugtuung ansah und ganz allmählich das Holz wieder in die Türöffnung zurückschob...

    "Es ist eine Gratwanderung. Ich weiß. Aber es wird dennoch erwartet, dass man nicht srürzt, da kann die Klippe noch so steil sein", erwiderte ich und wiegte sachte den Kopf hin und her. Ich fand es nicht unangemessen, dass sie sich an mich lehnte, und ich beurteilte dieses Verhalten auch nicht negativ, sondern nahm es ganz schlicht als gegeben hin. Als ihre Hand allerdings meine fand, sah ich ein wenig überrascht darauf hinab, weiter reagierte ich indes nicht, sondern lehnte nur das Kinn ein wenig mehr an den hellblonden Haaransatz.


    "Kleine Lichter, die die Götter an den Himmel tun? Tatsächlich?" murmelte ich erstaunt. Mir waren schon eine Menge Geschichten untergekommen, zumal ich mich mit der Materie gern beschäftigte, da sie ungemein faszinierend war, doch dass germanische Götter die Sterne an den Himmel gesteckt hatten, war mir neu. "Siehst du das dort, rechts? Das ist das Equuleus. Es ist ganz klein, aber man kann dennoch einen Pferdekopf erkennen, wenn man genau hinsieht. Du kennst doch den Pegasos? Der Geflügelte hatte einen Bruder, sein Name war Celeris. Der Götterbote Hermes schenkte Kastor dieses Pferd, der seinerseits der Bruder des Polydeukes war." Kastor und Pollux, das unzertrennliche Brüderpaar... Siv musste doch schon von ihnen gehört haben? Mir fielen auf einmal so viele Geschichten ein. Sagen, die ich Sisenna erzählt hatte, Märchen, die Mutter oder die Amme damals uns Kindern erzählt hatte. Ich lächelte milde vor mich hin und seufzte. Das Gespräch wandte sich ernsteren Themen zu.


    "Du lernst gern", stellte ich fest. "Ich habe schon davon gehört, und ich finde es gut. Man lernt sein ganzes Leben lang, zumindest sollte man das, wenn der Geist nicht erlahmen soll. Du bist noch nicht so lange hier wie andere, Siv, aber es ist nicht unentdeckt an mir vorbeigezogen, dass dein Stolz von bemerkenswerter Intensität ist." Ich schmunzelte. "Manchmal ist es gut, wenn man Urteile neu überdenken muss. Auch, wenn das schwieriger ist, als pauschal alles und jeden zu hassen." Und gerade für Siv würde es noch viel schwerer sein, bei ihrer Halsstarrigkeit und ihrem Stolz, überlegte ich. Allmählich wurde mir kalt. Es war eben doch noch nicht so warm wie in den lauen Sommernächten, die in Italien gang und gäbe waren. In ein paar Wochen wäre es wohl soweit, dass man bis zum Zubettgehen draußen sitzen konnte.


    "Genauso wie wir niemals zugeben würden, dass ihr unsere Expansionsabsichten teilweise ganz schön gefährdet", entgegnete ich und lachte leise. "Und jetzt? Jetzt sitzt du vor einem langweiligen Römer auf dem Boden und musst dir Sternbilder anschauen und dazu Kindergeschichten anhören", spottete ich über mich selbst. "Ja, doch, das ist schon ein Abstieg, würde ich sagen."

    Schmunzelnd blickte ich der davonrauschenden Prisca hinterher, nicht ohne meinerseits ein "Bis später" zu erwidern. Es dauerte noch eine geraume ( :D ) Weile, bis das Soffchen endlich besagten Beutel gefunden und unversehrt hergebracht hatte. Dankend nahm ich der blonden Sklavin das geschmeidige Leder ab und schnürte den Beutel auf. Ich langte hinein und zog eine kleine, etwa handtellerhohe Statue hervor. Sie zeigte einen filigran gearbeiteten Mann, der einen Stab hielt, um den sich eine Schlange wand - Asklepios. Diesen kleinen Kerl reichte ich nun dem Decimer, dann schnürte ich den Beutel wieder zu. "Es ist nur eine Kleinigkeit, aber mir stach die außerordentliche Detailtreue ins Auge. Gewiss sollst dies nicht alles sein für deine Hilfe. Der Inhalt ist ebenfalls dein." Und damit reichte ich dem medicus nun das Leder. "Und selbstredend ist auch mein Dank dir gewiss. Falls es je etwas gibt, wobei ich dir behilflich sein kann, zögere nicht, es auszusprechen."

    Unter den Namen schrieb ich nun, nickend, auch die präferierte Gottheit meines Vetters, dann schob ich die tabula beiseite und lehnte mich ein wenig zurück. "Ich werde jetzt jemanden auswählen, der deine Prüfung abnehmen wird, und gleichzeitig in Absprache mit den anderen Siebenmännern bestimmen, in welchem Tempel sie stattfinden wird. Den Termin und den Ort bekommst du dann schriftlich mitgeteilt. Wobei ich in deinem Fall auch einfach Bescheid geben könnte, doch die Bürokratie ist nicht immer logisch, also muss es wohl dennoch ein Schreiben geben", erwiderte ich und grinste flüchtig. "Hast du denn sonst noch Fragen, Manius?"

    Ein Schnauben entwich mir. "Willst du leugnen, dass du ohne meine Reaktion, ohne diese Reaktion je auch nur daran gedacht hättest, dein Leben wegzuwerfen?" fragte ich sie und schüttelte im gleichen Moment den Kopf. Eben noch hatte sie mir ein schlechtes Gewissen machen wollen, oder nicht? Und jetzt versuchte sie, mich zu beruhigen? Da stimmte etwas nicht. Ich setzte mich neuerlich in Bewegung und steuerte meine Schritte zum Fenster hin, dem ich dann den Rücken zuwandte, um Helena angesichtig zu werden. Kaum wies sie mein Hilfegesuch zurück und teilte mir mit, dass sie ein Aus-dem-Weg-gehen bevorzugte, senkte ich den Blick und musterte mit regem Interesse meine Sandalen. Als sie geendet hatte, schüttelte ich den Kopf, seufzte und sah sie erneut an. "Ich werde dir sicherlich nichts auszwingen, was du nicht möchtest. Besonders nicht jetzt. Es ist bisher nichts nach außen gedrungen von...der Sache, und Mattiacus wird nichts sagen. Ich möchte dir helfen, Helena, wirklich, aber ich weiß nicht wie. Vielleicht möchtest du eine Weile fortgehen aus Rom? Nicht, dass du denkst, ich würde dich loswerden wollen. Es ist nur... Ich weiß nicht, was du dir nun wünschst. Ich meine..." Außer dem Erwidern? Ich schüttelte verloren den Kopf und hob schlussendlich die Schultern. "Du bist doch meine Base, Helena. Ich möchte, dass es dir gut geht und es dir an nichts fehlt. Wenn es etwas gibt, dass ich tun kann, lässt du es mich wissen. Ja?" Ein zerknirschter Blick ruhte auf Helena, ein zaghaftes Nachfragen mittels einer Geste. Letztendlich würde sie es sein, die in dieser Angelegenheit entschied, was auch immer dies sein würde.