Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ich wollte eben den Hinweis geben, da fand der Senator seine Erinnerung wieder. Bestätigend nickte ich noch einmal, neigte dann den Kopf ein wenig. "Soweit ich weiß, hat er einen Leitfaden für die nachfolgenden decemviri erstellt. Bereits zu meiner Zeit kostete es viele unnötige Stunden der Einarbeitung in die Materie der Erbschaften, selbst wenn man sich zuvor mit der lex Iulia et Papia vertraut gemacht hatte. Ich kenne seinen Entwurf nicht detailliert, bin aber davon überzeugt, dass er den folgenden decemviri zur Arbeitserleichterung dienen wird", erwiderte ich.


    Dass der Senat neuen Magistraten für ihre - deutlich sichtbaren! - Bemühungen in ihrer Amtszeit keine Ehrungen mehr zuteil werden ließ, hieß ich nicht gut. Wie viele Männer des Reiches wurden nach der Anzahl ihrer Orden bemessen oder an der Summe ihrer Auszeichnungen? Jemanden, der deutliche Erfolge vorweisen konnte, genauso zu behandeln wie einen Magistraten, der sich auf den Lorbeeren seines nomen gentile ausruhte, empfand ich als dem Gemeinwesen wenig förderlich. Wer konnte es da den Nachwuchspolitikern verübeln, wenn sie sich wählen ließen und dann nicht einen Finger krümmten? "Gibt es einen bestimmten Grund, aus dem der Senat selbst bei deutlichen Erfolgen auf eine Auszeichnung verzichtet? Ich selbst hatte nach meiner Amtszeit gehofft, bedacht zu werden", gestand ich und blickte Hungaricus an. "Ich war der festen Überzeugung, meine Arbeit tadellos erledigt zu haben."

    Da gab es nur eine Schwierigkeit, denn viele Senatoren schienen gar keine Töchter zu haben, die sie hätten verheiraten können. Und die Tochter meines Patrons war noch bei weitem zu jung. :D


    Ich wog bedächtig den Kopf hin und her. "Laut Aussagen des cursus publicus befindet sich Valerianus bereits in Italien, es dürfte also nicht mehr lange dauern, bis er Rom erreicht", sagte ich. Und dann würde man sehen, was er mit den Flaviern anstellen würde. Es wäre ein großer Verlust für mich, würde er sie ins Exil verbannen, allein schon wegen Aquilius.


    "Senator, ich habe noch ein weiteres Anliegen", fuhr ich dann fort. "Mein Neffe, Titus Ursus, war im vergangenen Jahr einer der decemviri. Ich würde mich gern dafür einsetzen, dass er vom Senat eine Anerkennung für seine Arbeit erhält, da ich mich jedoch noch nicht selbst hierfür starkmachen kann, wollte ich dich bitten, dies in der curia Iulia zur Sprache zur bringen. Sofern man noch Auszeichnungen vergibt, heißt das", denn so sicher war ich mir da nicht mehr. Meines Wissens nach war Flavius Gracchus der Letzte gewesen, dem man auf diese Weise seine Arbeit bestätigt hatte, was sich zudem mit dem kürzlich in der Acta erschienen Artikel deckte. Woran diese Trägheit lag, vermochte ich nicht einzuschätzen.

    Keine bulla also, das erleichterte so einiges. Ich nickte abschließend und zog eine leere tabula heran. Was der Junge vor mir dann allerdings sagte, ließ mich ihn mit geringfügig zusammengekniffenen Augen nochmals mustern. "Da hast du dir ja hehre Ziele gesteckt, wie mir scheint", bemerkte ich trocken. "Aber dir ist sicher bewusst, dass du deine Prüfung hier in Rom wirst ablegen müssen. Gleichsam wirst du mitnichten versetzt, sobald du nach einer erfolgreichen Prüfung deinen Dienst aufgenommen haben wirst. Darf ich fragen, welcher Provinz dein Interesse gilt?"



    Sim-Off:

    Also weißt du auch nichts Näheres. :D

    Die Reaktion auf mein Klopfen folgte augenblicklich. Ich trat ein und schloss die Tür hinter mir. "Salve, Aelius", grüßte ich den procurator a libellis hinter seinen papyri und tabulae . "Ich hoffe, du kannst ein wenig Zeit für mich erübrigen?" fragte ich mit Blick auf seine viele Arbeit und trat näher an den Schreibtisch heran.


    "Ich komme wegen zweierlei Dinge. Es geht zum einen um einen Vorschlag zur Standeserhebung, zum anderen um deine Fähigkeiten als Architekt", eröffnete ich ihm. Wenn er keine Zeit haben würde, konnte ich ihn auch privat noch einmal aufsuchen.

    Mit einem Arm den Stoff der toga angemessen haltend, schritt ich einher. Ich zog das Gehen recht oft vor, besonders für kürzere Wege war es mir viel zu umständlich, die Sänfte herrichten zu lassen, und meistens dauerte genau das dann viel länger als der eigentliche Weg zum Ziel. So war mir die Bewegung nicht fremd oder unangenehm, und ich dachte nicht weiter über sie nach. Wohl aber sann ich über die Worte der Flavia nach. Sie ging also gern einkaufen und hielt sich oft zu Hause auf. Zudem schien sie gern zu lesen, und somit war sie entweder eine gebildetere Frau oder eine, die niedergeschriebene Lyrik oder - noch schlimmer - Romanzen verschlang. Ich musterte sie eingehend von der Seite, versuchte jedoch, dabei möglichst unbemerkt zu bleiben. Welcher Typ Mensch sie wohl war?


    Im Grunde war sie recht nett anzusehen, und ob sie nun viel Geld für unnützen Tand ausgab oder nicht, war mir zumindest im Moment recht gleich. Allerdings würde es spätestens dann ein Problem damit geben, wenn die villa überquoll vor Unnützem, ob das nun die flavische oder eine andere sein würde. Die Vorstellung, den ianitor - gerade den flavischen! - auf einer Welle von Krimskrams aus dem Haus gespült zu sehen, erheiterte mich ungemein. Noch hing ich diese Gedanken nach, und die Flavia schwieg. Ob aus Ratlosigkeit, was es weiters zu sagen gab, oder aus Scham, war dahingestellt. "Wenn du Schriften magst, solltest du Alexandrien besuchen. Die Bibliothek dort soll viele tausend Pergamente umfassen. Es heißt, dass es dort alles gibt, was sonst nirgends zu finden ist", sagte ich.

    Mit einer edlen Dame, Flavia Celerina, an meiner Seite, umschwärmt von einigen Sklaven, hatte ich bald die Sklavenmärkte verlassen. Nur die Rufe der Händler drangen noch gelegentlich an unsere Ohren. Den Weg zur villa Flavia kannte ich, es war ein recht netter Frühlingstag und meine Gesellschaft bot gutes Unterhaltungspotential. "Hast du bereits viel unternommen, seitdem du in Rom weilst?" fragte ich sie. Bestimmt war Gracchus' Gemahlin hin und wieder recht gelangweilt und freute sich über Abwechslung.


    Pyrrus lief neben uns her und zog Grimassen. Er hasste es, zu laufen, und da wir nun diesen Umweg nahmen, würde der Weg zum Saturntempel um einiges länger als er sich wohl erhofft hatte. Wenigstens schwieg er. Ich konnte gegenwärtig keinen mürrischen, maulenden scriba gebrauchen.

    "Mitnichten wirkst du unbedarft", widerprach ich, wie es sich gehörte. Ob sie während des Heimweges in ihrer Sänfte sitzenbleiben wollte? "Ich fürchte, dies wirst du nur durch einen Kauf herausfinden, wenn überhaupt. Wahrscheinlicher aber ist, dass du einige aurei umsonst wirst ausgegeben haben", erwiderte ich schmunzelnd. "Ich war auf dem Weg in den Tempel des Saturnus, doch wird er mir nicht fortlaufen. Entschuldige mich nur einen kurzen Moment. - Wollen wir?" fragte ich, nachdem ich in der Kurzen Pause einige vertraute Worte mit Brix gewechselt hatte.


    Ich signalisierte meinen Begleitern, dass ich den Markt zu verlassen gedachte, und augenblicklich bahnten sie eine - wegen der Sänfte etwas breitere - Schneise durch die Umstehenden hindurch. Wegen der Enge kam die Sänfte nur sehr schleppend voran, und bereits nach einigen Schritten steckten wir fest. Ich wandte mich zu Celerina in der Sänfte um. "Vielleicht möchtest du ein paar Schritte mit mir gehen? Ich fürchte fast, sonst kommen wir nicht weiter."



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    edit: Link

    Na holla, gleich noch einer....
    Dich stecken wir zu deinem Bruder Serapio. Damit bist zu ebenfalls Sohn von Varus Aurelius Regulus und Herminia Melina.


    Willkommen und viel Spaß im Spiel. ;)

    Guten Abend,


    das klingt gut. Dann wollen wir ihn mal bei seinem Drang unterstützen. Ich nehme dich auf, und zwar als Sohn von Varus Aurelius Regulus und Herminia Melina.


    Willkommen in der Familie! :)

    Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    nix genaues weiß ich nicht.


    Na da samma ja schon zwei. :D


    Wenn nicht noch jemand ausreichend fundiertes Wissen beisteuert, denke ich mir Dinge aus, um die Amtszeit gescheit auszusimmen. Das nur schon mal als Anmerkungen, falls in einigen Monaten jemand meine Schandtaten liest und sie für absoluten Quatsch hält (weil er doch noch eine Quelle entdeckt hat).


    Nichtsdestotrotz hoffe ich weiter auf jemanden, der diesbezüglich schlauer ist als ich (und Durus 8) ).

    Flavius Aristides war ihr Onkel? Ich kniff ein wenig die Augen zusammen und dachte nach. Aristides hatte ich doch bereits kennengelernt. Wo war das gewesen? Nicht in Mantua, auf jenem Fest, dass Claudius Menecrates zur Rückkehr seiner Tochter Epicharis gegeben hatte? Und nun war er mit ihr verlobt, war es schon vor dem Krieg gewesen. Wobei die Zeit hier relativ war, immerhin hatte bisher niemand, den ich kannte, Decima Lucilla und Germanicus Avarus übertrumpfen können. Ich erinnerte mich daran, mit Aristides ausgemacht zu haben, dereinst an einer Jagd teilzunehmen. Vielleicht, so überlegte ich im Hinblick auf meine neue Bekanntschaft, war es ein günstiger Zeitpunkt, ihn nun daran zu erinnern, zumal er aus dem Krieg zurückgekehrt war. Doch nicht zu schnell, schließlich wusste man nicht, was der neue Kaiser mit den Flaviern plante. Valerianus war aelischer Abstammung, und es existierte eine unausgesprochene Fehde zwischen den beiden Familien.


    Zu ihren Worten, Minervina betreffend, nickte ich lediglich. Es war gut, wenn meine Nichte Freunde hier fand und sich von der Abwesenheit ihres Bruders ablenkte, und auch für die verwitwete Flavierin vor mir war es gewiss von Vorteil, wenn sie nicht ständig über den Ehemann nachdenken musste, den sie verloren hatte. "Es ist lediglich meine bescheidene Meinung", erwiderte ich und neigte ein wenig den Kopf. "Seine Verletzungen sprechen nicht gerade für seine Friedfertigkeit. Selbstverständlich will ich dir aber nicht vom Kauf abraten. Vermutlich ist er nach einer gewissen Lehrzeit ein ganz vorzüglicher Leibwächter." Was ich ehrlicherweise nicht glaubte. Andererseits sagte mir Ursus ein Faible für schwierige Fälle nach, was sich bei meinem letzten Sklaveneinkauf von Fhionn als wahr herausgestellt hatte. Flüchtig dachte ich an das kleine Grüppchen, welches nach Germanien aufgebrochen war, lenkte dann jedoch meine Aufmerksamkeit wieder zurück auf die Sänfte. "Wenn du gestattest, würde ich dir für den Rückweg gern meine Begleitung anbieten, so du überhaupt zur flavischen villa zurückkehren möchtest." Auf dem Weg ließe sich sicherlich besser eine Unterhaltung führen als hier im Gedränge.

    "Hispania also." Ich nickte. Aquilius besaß selbst auch hispanische Wurzeln. Vielleicht war er gar näher Verwandt mit Flavia Celerina? Ich nahm mir vor, ihn bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit hierzu zu befragen, sollte mein nomenclator nicht imstande sein, dies herauszufinden. Das war eleganter, als die zarte Dame in ihrer Sänfte mit Fragen zu ihrer Verwandtschaft zu langweilen. Ein kleiner, dicker Mann durchbrach soeben stolpernd die Reihe der Sklaven und rempelte mich an. "Tschuldigung, Herr", nuschelte der dickliche Knilch, berappelte sich und nahm reißaus. Missbilligend sah ich ihm hinterher.


    "Es wird sie sicher freuen, zu hören, dass du so über sie denkst", griff ich den Faden des Gesprächs wieder auf. "Und ja, das glaube ich in der Tat. Es ist davon auszugehen, dass er sich nicht fügen wird, ganz gleich, was Titus da oben auch behauptet. Einer aus einem solch wilden und räuberischen Volk, wie die Parther es sind, wird sich kaum mit seinem Schicksal abfinden. Es bedarf hier gewiss viel Fingerspitzengefühls, um ihn zu schleifen, ohne selbst in eine ungünstige Lage zu kommen. Erwägst du, ihn dennoch zu erwerben?" erkundigte ich mich.


    Ad
    Titus Aurelius Ursus
    legio II Germanica in Mogontiacum
    Germania



    Sei mir gegrüßt, Titus!


    Wie ist deine Reise verlaufen? Ich hoffe doch, die Pässe über die Alpes waren passierlicher als seinerzeit bei meiner Reise nach Germanien. Wie steht es um Gesundheit von Mensch und Tier? Damals hatten wir auf der Reise ein Pferd verloren, es stürzte im Schneematsch und brach sich ein Bein. Ich hoffe, das Landhaus in Mogontiacum steht noch und ist ringsrum nicht gar zu verwildert? Hast du bereits mit dem Legaten wegen deines Anliegen sprechen können?


    Falls es dir langweilig werden sollte, Titus, möchte ich dir zudem einen Vorschlag machen. Schreibe für die Acta Diurna. Gerade vor Ort in Germanien haben wir nicht viele Redakteure, die uns regelmäßig Artikel übersenden. Du wärst damit eine große Hilfe, zudem würde sich dein Bekanntheitsgrad gleichsam mit jedem Artikel erhöhen. Denke darüber nach, ich würde mich freuen, wenn dir dies Angebot zusagt.


    Minervina, Helena und Prisca lassen dir herzliche Grüße ausrichten. Du bist noch gar nicht so lange fort, und doch vermissen sie dich schon. Das Haus ist weniger lebhaft seit deiner Abreise. Es gibt zudem Neuigkeiten von Appius, er hat Aegyptus erreicht und wird sich auf eine groß angelegte Expedition machen. Solch ein Unterfangen ist nicht ganz ungefährlich, doch ich hoffe sehr, dass die Götter gut auf ihn acht geben. Gerade vorhin habe ich zudem erfahren, dass Camilla an einem Husten leidet, der den Ärzten Sorge bereitet. Sonst gibt es nichts Neues zu berichten.


    Falls du auf Artorius Reatinus treffen solltest, grüße ihn doch bitte von mir. Sonst bleibt mir nicht mehr zu schreiben als dir meine besten Wünsche für deine Zeit als tribunus laticlavius zu versichern. Lass von dir hören.


    Vale.


    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/1798/macunterschriftow2id8.png]


    ROMA, KAL APR DCCCLVIII A.U.C. (31.3.2008/105 n.Chr.)



    Sim-Off:

    Wertkarte :)

    Gleich zu Beginn wurden kleine, mit Wasser gefüllte Schalen gereicht, damit man sich die Finger reinigen konnte. Auch während des Mahls würden die Sklaven gewiss hin und wieder diese Schalen reichen, auf deren Wasseroberfläche duftende Blütenblatter trieben. "Da hast du recht, natürlich ist das nicht erstrebenswert. Aber es wird ja nicht die letzte Möglichkeit gewesen sein, das Aedilat anzustreben, so dies dein Wunsch ist." Zum Eingang wurden einige Oliven gereicht, herber als jene, welche die Bäume auf meiner eigenen Plantage abwarfen, doch nicht unbedingt schlechter. "Ein neues Kommando", fuhr ich fort und überlegte. "Da täte Valerianus gut daran, Männer zu erwählen, die bereits einiges an Erfahrung vorweisen können. ich kann mich noch gut an mein Tribunat erinnern. Mein Neffe wird demnächst übrigens ebenfalls zur Zweiten aufbrechen", erzählte ich und spielte damit auf Ursus an, der sich kurz zuvor entschuldigt hatte.

    Die Zeit verstrich. Sie war nicht da. Fortuna hatte ein Einsehen mit mir. Ganz allmählich fiel die Anspannung von mir ab, auch wenn ich erst würde aufatmen können, wenn ich wieder in meinem Zimmer war und die Tür hinter mir geschlossen haben würde. Schon wollte ich die Flucht antreten und mich zurück in mein Schlafgemach stehlen, als eben jene Tür so schwungvoll aufgerissen wurde, vor der ich zuvor noch so bang gestanden hatte. Mein Herz setzte einen Schlag lang aus, um hernach mit doppelter Geschwindigkeit wieder einzusetzen. Helena sah mich ungläubig an, ihre Augen funkelten furchterfüllt. Instinktiv trat ich einen Schritt zurück und schluckte, um mich zu sammeln und nach jenen Worten zu greifen, welche ich mir zuvor schon zurechtgelegt hatte. Sie waren fort.


    "Ich..äh", entfuhr es mir als Lückenfüller in der Stille, die sich immer mehr ausdehnte nach dem Peitschenknall meines Namens. Die Kehle schnürte es mir zu, die Hände baumelten seitlich herab und die Daumenkuppen fuhren nervös über die Fingernägel der locker geballten Hände. Was sagen, was nur? Helena sah mich an. Ich starrte zurück. Ein gequälter Ausdruck trat auf meine Züge. Die Hände waren längst mit einer Eiseskälte gesegnet. "Ich... Ich wollte...mal...nach dir sehen." Ein Räuspern. "Darf ich hereinkommen oder... Wenn es ein schlechter Zeitpunkt ist, komme ich später wieder. Wirklich, das wäre gar kein Probem." Ich hoffte. Ich betete. Und ich fühlte mich hundsmiserabel, auch wenn ich den Anschein erwecken wollte, über den Dingen zu stehen. Helena kannte mich. Sie würde mitnichten übersehen, dass ich mich schuldig fühlte wie selten zuvor in meinem Leben.

    "Die Freude ist ganz auf meiner Seite, verehrte Flavia." Höfliche Floskeln waren in Rom allgegenwärtig, doch zumindest diese meinte ich tatsächlich ernst, hatte ich doch die letzte Unterredung mit meinem Patron noch allzu gut im Kopf und witterte hier ein potentiell interessantes Ziel.


    "Es tut mir leid zu hören, dass du unter diesen Umständen nach Rom gelangt bist. Du stammst aus Lutetia? Es soll dort einige sehr schöne Thermen geben." Zumindest hatte ich davon gehört. Eine sollte angeblich noch prunkvoller als die agrippinischen Thermen hier in Rom sein. "Du bist mit Minervina bekannt? Sie ist meine Nichte. Und deinen Bruder kenne ich ebenfalls, er sprach erst neulich bei mir vor." Inzwischen standen auch Menschen um uns herum und hatten den Rand des Geschehens weiter nach außerhalb verlagert. Die mich begleitenden Sklaven schirmten schirmten mich und die Sänfte so gut als möglich vor der sich drängenden Masse ab. Bei Celerinas Frage warf ich einen skeptischen Blick auf den Sklave, der sich soeben wieder aufrichtete. "Das wäre durchaus denkbar, doch die Frage ist, wie gut er damit zurecht kommt, dass er fortan einem Römer dienen muss. Der gute Titus stellt in letzter Zeit nicht gerade treu ergebene Sklaven zum Verkauf, vielmehr sind sie widerspenstig und bedürfen des Feinschliffs."

    Aus dem Inneren der Sänfte war alsbald eine Frauenstille zu vernehmen, und unauffällig trat ich einen Schritt zurück, um so bessere Sicht auf die Dame zu haben, welche dort lag und das Schauspiel betrachtete. Ich fragte mich, wen sie mit ihren Worten bedacht hatte, ob mich oder einen der nahestehenden Sklaven zweifellos flavischen Ursprungs. Pyrrus begann, breit zu grinsen, tat jedoch augenblicklich so, als ginge ihn alles nichts an - was tatsächlich der Tatsache entsprach. Da wandte die Flavierin, verhüllt von zartem Stoff, sich mir zu, was mich schließlich doch dazu veranlasste, auf ihre Worte zu reagieren.


    "Sollte dies der Fall sein, wird er sich wohl recht zäh geben, ehe die Löwen schlussendlich obsiegen", erwiderte ich mit einem Schmunzeln, denn angesicht der Tatsache, dass der Kaiser den Tod von der Hand eines Parthers empfangen hatte, schien dieses Volk mir doch mit Vorsicht zu genießen. "Verzeih", fuhr ich dann fort, mich an einen Teil meiner guten Erziehung erinnernd. "Ich wollte nicht aufdringlich erscheinen, doch stach mir das Wappen deiner Familie förmlich ins Auge. Ich bin Corvinus von den Aureliern und gut bekannt mit einigen Mitgliedern deiner Familie. Jedoch hat bisher niemand eine solch anmutige und edle Dame erwähnt."

    In Begleitung meines mürrischen scriba war ich auf dem Weg in den Tempel des Saturn, um dort die Bücher der Staatskasse einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, als eine mir bereits bekannte Stimme mein Ohr erreichte. Ein flüchtiges Schmunzeln erschien auf meinen Zügen. Dieser Tranquillus würde sich auch gut auf dem Fischmarkt machen mit seinem Organ. Mehr aus Spaß an der Freude denn aus ehrlichem Interesse an einem parthischen Kriegspfand bleib ich am Rande des Schauplatzes nahe einer Sänfte stehen und verfolgte das Geschehen. Jämmerlich sah der Sklave aus. Wenn alle Parther solche Hunde waren, so fragte ich mich, wie sie Iulianus so hart hatten trffen können.


    Pyrrus war es, der mich schließlich auf die Sänfte aufmerksam machte. Und tatsächlich, sie trug ein flavisches Wappen. Doch wer saß darin? Ich verrenkte mir zugegebenermaßen etwas unangemessen den Kopf, um einen Blick auf die Person zu erhaschen...