ZitatOriginal von Marcus Aurelius Corvinus
SimOff ist er deutlich definiert, SimOn jedoch wirft er einige Fragen auf.
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ZitatOriginal von Marcus Aurelius Corvinus
Sohn von Varus Aurelius Regulus und Herminia Melina
Gleiches gilt für Aurelius Avianus. -
Das Stück hatte soeben begonnen, da neigte ich mich mit meiner Tüte kandierter Nüsse zu Prisca und Celerina zu meiner Linken hinüber. "Kresh...ein ziemlich ausgefallener Name für den Protagonisten, ob das ein parthischer Name ist?" fragte ich sie schmunzelnd und knusperte weiter vor mich hin. Nachdem alle vorgestellt waren und sich mein Verdacht erhärtet hatte, dass es in diesem Stück um Parthien ging - welcher König hatte sonst einen so unaussprechlichen Namen wie Faquus? - schritt der Mann mit der traurigen Maske von der Bühne und der erste Akt begann. Der Name Flavius Gracchus stand für mich für Intellekt und Tiefgründigkeit, also hatte ich eine ganz bestimmte Erwarungshaltung, was das Stück anbelangte. Zugegebenermaßen wollten indes die beiden Gestalten auf der Bühne nicht ganz so dazu passen, doch ich ließ mich überraschen. Das kleine Kerlchen namens Esel - der Name war im Übrigen äußerst passend, wie ich befand - hüpfte soeben auf und ab und um diesen Kresh herum, dann schloss sich der Vorhang und ich hob amüsiert eine Braue, als ich mich an meine vier Mädels wandte. "Sehr exzeptionell. Ich bin gespannt, was der weitere Verlauf mit sich bringt. Um ehrlich zu sein, mutet mir dieser Kresh fast wie ein Germane an." Breit, plump und schwerfäillig hatte ich mir das Nordvolk auch immer vorgestellt. Bis ich schließlich mein Tribunat im Norden absolviert hatte. Ich reichte die Tüte mit den Nüssen herum und wartete darauf, dass sich der Vorhang wieder teilte.
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Verwundert sah ich Prisca an und lauschte ihrer Erklärung, mir dabei nachdenklich über das Kinn reibend. Mattiacus schließlich bestätigte ihre Vermutung, dass Hektor eigenmächtig gehandelt hatte, und das wiederum führte dazu, dass ich in leichtem Missfallen die Stirn runzelte. Sicherlich war die Gesundheit der Sklaven wichtig und Matho war berechtigt, notwendige Schritte einzuleiten, doch wenn er davon gewusst und mir nichts gesagt hatte, würde das ein Nachspiel haben. Ich war nicht gern über Dinge im Unklaren, die sich im Haus abspielten - doch das gehörte ganz sicher nicht hierher, wenn der medicus noch anwesend war. Später würde ich mit Prisca darüber reden, und mit Matho.
"Wenn das so ist..." erwiderte ich und wog den Kopf. "Allerdings sehe ich davon ab, sie irgendwohin zu schicken, damit sie sich kurieren kann. Ich kann nicht noch mehr Sklaven abziehen und fortschicken, und allein wird sie nirgendwo hingehen." Solange wir in Rom auf Sparflamme liefen, weil einige wichtige Sklaven in Germanien weilten, war sowas einfach nicht möglich. Zudem war Tilla eine Sklavin. Eine meiner Nichten indes hätte ich mit Sicherheit ans Meer geschickt. Ich runzelte die Stirn und deutete ein Kopfschütteln an. "Und du sagst, Helena geht es besser?" hakte ich noch einmal nach und wollte damit mehr Informationen aus Mattiacus herauslocken.
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Dem Blick - schien er mir nur voller Genugtuung oder war er es tatsächlich? - vermochte ich nicht lange standzuhalten. Viel lieber betrachtete ich die geschwungene, bauchige Form der Weinkaraffe und nagte an der Unterlippe herum. Auf ihre Belehrung gab es nichts zu erwidern. Sie hatte recht, natürlich hatte sie das. Nur kurz streifte mein Blick ihre Augen, zwang ich mich, sie anzusehen, dann glitt er weiter, blieb diesmal an einem Pfosten ihres Bettes hängen. In Anbetracht der Größe des Kloßes in meinem Hals, hätte ich inzwischen schon halb erstickt im Sessel sitzen müssen, doch irgendwie schien die Luft doch durch die Verengung zu gleiten. Als Helena schließlich schwieg und mir ihre Worte noch in den Ohren rauschten, gemeinsam mit dem Blut, wagte ich erneut einen Blick und stellte erleichtert fest, dass sie den ihren abgewandt hatte, um ihr Handgelenk zu begutachten. Automatisch sah ich ebenfalls dorthin, auf die deutlich sichtbare, gerötete Narbe, die wohl ewig zu sehen sein würde. Augenblicklich wurde der Druck der Schuld schwerer, die auf meinen Schultern lastete, und wieder war ich froh zu sitzen, da ich sonst gewiss in die Knie gegangen wäre.
Eines jedoch verwirrte mich in nicht geringem Maße: Helena sprach in der Vergangenheit. Nicht, dass ihre Worte keine gelinde Erleichterung in mir auslösten - doch klang sie so, als würden all ihre Empfindungen in weiter Ferne liegen, kaum mehr greifbar und nicht mehr als eine verblasste, unliebsame Erinnerung. Empfand sie tatsächlich so oder gab sie es nur vor? Wer konnte so rasch zu lieben aufhören? Die Schlussfolgerung war einfach. Ich erinnerte mich an die Worte von Ursus und Prisca. Ich sollte ihr zeigen, dass ich für sie da war - nur wie? Nervös strich die Zungenspitze über meine Lippen, tastete ich nach Worten, um sie zu verwerfen und neue heranzuziehen. Doch zu langsam, wie ich war, war es erneut Helena, die mir zuvor kam und mich mit Worten bedachte, die mich mehr trafen als eine mit allen nur erdenklichen Flüchen begleitete Ohrfeige. Entgeistert starrte ich sie an und vergaß darüber sogar, dass mir dies unangenehm war. Die Kehle war mir zugeschnürt und kein Wort würde ihr entweichen, geschweige denn ein Atemzug.
War mir wirklich das immer das Wichtigste gewesen? Ich riss den Blick los, wandte ihn ab, schaute beschämt zu Boden. Aufgewühlt rang ich nach Worten. Ich erhob mich, vermied Helenas Blick und begann eine kleine Wanderung im ihr entferntesten Bereich des Zimmers, auf der ich die Hände entweder zu Fäusten geballt hatte oder mir nervös durchs Haar fuhr. Selbst die Bekanntgabe meiner ersten Kandidatur im Senat war längstens nicht so schwer gewesen wie das, was diese Szenerie mir abverlangte.
Schließlich gab ich zumindest den Anschein, ruhiger zu sein, auch wenn ich mich bei weitem nicht so fühlte, und blieb in der Mitte des Raumes stehen. "Ich habe nie gewollt, dass dir oder sonst jemandem aus der Familie leid widerfährt, Helena. Und doch habe ich genau das zu verantworten. Ich weiß, dass es meine Schuld ist, und ich kann sie nicht wiedergutmachen, ganz gleich, was ich auch tun könnte. Ich weiß das." Ich schluckte. "Ich weiß, dass ich versagt habe." Die Lippen waren zu einem blutleeren, bitteren Strich zusammengepresst, als ich dieses Eingeständnis machte, nun auch vor Helena. Prisca hatte ich mich bereits anvertraut. "Ich möchte versuchen, für dich da zu sein, aber ich glaube nicht, dass ich das allein schaffe. Du wirst mir helfen müssen, wenn..." Mein Blick wanderte gen Boden und wieder zurück zu ihren Augen. "Wenn du das überhaupt möchtest."
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Im officium
"Wer?" "Flavius Callistus, dominus." "Hm, ich wusste gar nicht, dass er in Rom ist? Aber gut, ich komme sofort, richte ihm das aus", erwiderte ich, woraufhin der Knabe sich verbeugte und sich wieder davonmachte. Flavius Callistus, der Sohn meiner Tante, und damit einer meiner wenigen Vettern. Wenn man es recht bedachte, so hatte sie Fortuna doch auf ihrer Seite gehabt mit Callistus, bedachte man, dass meine anderen Onkel und Tanten kaum einen Sohn hatten und oftmals nur Töchter vorweisen konnten. Ich unterzeichnete noch vier weitere Dokumente, die Pyrrus mir vorlegte, dann erhob ich mich und verließ das officium. Nur wenig später war ich im atrium angelangt.Im atrium
"Appius, sei gegrüß!" sprach ich beim Betreten des atrium und strebte dabei auf meinen langjährigen Brieffreund zu. Ich hatte unsere Korrespondenz stets gemocht und war in jungen Jahren sogar einmal für wenige Wochen in Hispanien gewesen, doch konnte ich dieser Provinz rein gar nichts abgewinnen, und so hatte sich unsere Freundschaft seitdem auf rein brieflichen Kontakt beschränkt. Sogleich fiel mir die Kleidung des Flaviers auf, und ich hob amüsiert eine Braue - er war also immer noch der Alte. Einer freundschaftlichen Umarmung folgten zwei, drei Schulterkläpse, dann grinste ich ihn an. "Tut gut, dich zu sehen, alter Freund. Was hat dich denn aus deinem spanischen Exil hergeweht?" zog ich ihn auf und deutete hernach einladend auf die Sessel am Rand, um langsam darauf zu zu schlendern. -
Im cubiculum
"Tiberius und Gaius? Nein tatsächlich?" fragte ich fasziniert den Jungen, der mich soeben beim Umkleiden erwischt hatte, und ließ die Arme sinken, was sich beim Anlegen der toga als weniger sinnvoll erwies. Natürlich bestätigte er dies, entsprach es doch der Tatsache. Die beiden Sklaven hielten geduldig inne, doch mich selbst hatte nun die Ungeduld im Griff, weswegen ich die Falten des weitläufigen Stoffes von der Schulter rutschen ließ und mich selbst wieder aus den weißen Bahnen schälte. Dafür erntete ich einen tadelnden Blick von Sofia und Dina, die ich jedoch ignorierte und so also nur mit einer an Saum und Kragen besticken tunica das atrium aufsuchte.Im atrium
"Gaius, Tiberius! Was für eine Überraschung, wir hatten gar nicht mit euch gerechnet! Warum habt ihr eure Ankunft nicht angekündigt?" begrüßte ich die beiden gut gelaunt, noch während ich näher kam und, als ich angekommen war, einen nach dem anderen umarmte und ihnen auf die Schulter klopfte. "Ihr habt Titus um drei Wochen verpasst, er hat doch noch ein Tribunat abbekommen und ist inzwischen in Germanien bei der Zweiten", erzählte ich, während ich bereits zu den Sitzgelegenheiten hinüber ging und mich setzte. "Wie geht es Melina, sie ist doch wohlauf?" fragte ich und erspähte eine Bewegung aus den Augenwinkeln - Tilla. Ich winkte sie heran. "Tilla, das sind Tiberius Avianus und Gaius Catulus", erklärte ich und wandte mich wieder den beiden zu. "Ihr werdet doch jetzt sicher eine Weile hierbleiben, oder nicht?" -
"Hispania also." Ich runzelte die Stirn und fragte mich, was um der Götter Willen den Claudier in die westliche Provinz trieb. "Nun", erwiderte ich langgezogen und zog eine tabula heran. "Es ist selten, dass ein junger, ambitionierter Mann nicht in Rom bleiben möchte. Besonders, wenn dieser junge Mann ein Patrizier ist." Ein skeptischer Blick traf den Claudier. Ob er nicht wusste, wie wenig Provinzialpriester in Rom zählten, selbst wenn sie es in eines der Provinzcollegien schafften?
"Nun denn." Ich schrieb seinen Namen auf die Tafel und stützte hernach das Kinn mit der Hand. "Wenn ich dich richtig verstanden habe, präferierst du keine Gottheit? Dann werde ich dich nach Gutdünken zuteilen und dich informieren, wo du dich wann einzufinden hast, um geprüft zu werden - du lebst doch noch in der villa Claudia? Hast du sonst noch Fragen?"
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Viel mehr, als auf Callidus' Worte hin zu Nicken, blieb mir nicht, es war bereits alles gesagt. Dann beobachtete ich ihn dabei, wie er den Namen meines Klienten auf eine Tafel schrieb. "Ich bin davon überzeugt, dass Artorius Reatinus sich darüber im Klaren ist, dass auf den Caesar hier in Rom Dinge von wichtigerem Ausmaß warten als Standeserhebungen", versicherte ich dem procurator. "Ich werde ihm in der Zwischenzeit berichten, dass sein Anliegen in den besten Händen ruht. Hab Dank für deine Mühe, Aelius. Sollten diesbezüglich noch Fragen auftauchen, die ich die beantworten kann, zögere nicht, an mich heranzutreten."
Ich lächelte und lehnte mich etwas zurück. "Mein zweites Anliegen ist geschäftlicher Natur. Wir sprachen ja bereits unverbindlich über den Anbau, den ich gern vornehmen lassen würde. Nun würde ich das gern konkretisieren und dich bitten, mir ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten." Immerhin war die Gelegenheit günstig, die villa erweitern zu lassen, während verhältnismäßig viele Sklaven mit Ursus in Germanien weilten. "Legst du auch Mosaike oder kannst jemanden empfehlen, den ich ansprechen könnte?" fragte ich und meinte natürlich nicht Callidus selbst, sondern seinen Betrieb.
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"Durchaus", erwiderte ich, fasziniert vom euphorischen Klang ihrer Stimme. Selten traf man Weibsbilder an, die sich so begeistert zeigten. Bisher war mir nur eine Frau mit ähnlich überschwänglicher Art begegnet, eine Claudierin. Was ich davon halten sollte, war mir (noch?) nicht so ganz klar, also betrachtete ich Flavia Celerina interessiert und nachdenklich von der Seite und fragte mich, ob sie noch weitere Leidenschaften pflegte und wenn ja, welche das sein mochten und ob sie ihnen in ähnlich enthusiastischer Weise nachging. Einerseits war mir eine Frau mit Verstand viel lieber denn ein tumbes Heimchen, andererseits bargen besonders gewitzte Frauen stets ein gewisses Risiko. Ich stutzte, als ich bemerkte, dass ich die Flavia bereits hinsichtlich einer möglichen Verbindung analysierte, und nahm mir vor, dies zu unterlassen. Vorerst. "Ich bin mir sicher, dass du dereinst die großartigen Bauwerke Ägyptens wirst bewundern können, Flavia. Und dann wirst du mir davon berichten müssen", entgegnete ich und lächelte sie verschmitzt an. "Allerdings glaube ich nicht, dass das ammonische Orakel so sehr anders sein wird als die Sibylle." Womit ich verriet, dass auch ich bereits das römische Orakel aufgesucht hatte.
"Ah, na das macht doch nichts. Es ist interessant zu sehen, worin sich beide Werke unterscheiden und was ihnen gleich ist, findest du nicht?" fragte ich sie. "Nun, es ist nicht zuletzt der Verdienst meines Vaters, dass die aurelische Bibliothek umfassend bestückt ist. Mit seiner Sammlerpassion einher ging sein Bestreben, mich zu einem ebenso begeisterten Leser zu machen, was, so fürchte ich, nur teilweise gelungen ist." Ich schmunzelte. "Ich schätze gute Lektüre zwar durchaus, doch gilt meine Passion vielmehr den exotischen Vertretern des Pflanzenreichs, zumal mir selten Zeit bleibt, um mich mit einer angenehmen Schriftrolle zurückzuziehen."
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Amüsiert wölbte sich meine Braue ob ihrer Antwort. "Das klingt, als hättest du ein handfestes Konzept zur Hand", erwiderte ich schmunzelnd. "Hättest du denn für die Acta auch Verbesserungsvorschläge? Leider bekommen wir viel zu selten konstruktive Rückmeldungen." Rückmeldungen an sich gab es hin und wieder durchaus, auch wenn sie dann zumeist negativer Natur waren und wenig bis gar keine Vorschläge enthielten, was besser zu machen sei. Nachdenklich blickte ich das nun gefaltete Pergamentpapier an und zuckte schließlich mit der Schulter. "Immerhin weiß man dann, was man an der Acta hat, wenn solche Blätter kurz im Umlauf sind."
Mein Schmunzeln wandelte sich zu einem Lachen, als Seiana von der beim Schopf gepackten Möglichkeit sprach. Ich deutete auf die Imago und sagte: "Naja, für zwei Asse hat man notigenfalls noch eine Alternative zu dem, was man auf öffentlichen Latrinen so nutzen kann..." zugegebenermaßen ein im wahrsten Sinne des Wortes schmutziger Witz, sonst ganz und gar nicht meine Art. "Spaß? Hmm", erwiderte ich und wog den Kopf. "Es geht eine nicht zu unterschätzende Verantwortung mit der Aufgabe des auctor einher. Das weißt du vielleicht auch schon von deiner Verwandten, Decima Lucilla - eine wirklich herzliche Frau, sie war ja auctrix, ehe man mir den Posten antrug. Teilweise ist es eine Arbeit, die mit viel Stress verbunden ist. Ich habe alle Artikel zu lesen und freizugeben, ihren Platz in den Rubriken festzulegen und darauf zu achten, dass sich niemand diffamiert fühlen wird. Zudem schreibe ich selbst den ein oder anderen Artikel - aber ja, doch, es macht auch Spaß, das kann man so sagen. Und natürlich wäre die Acta nicht halb so erfolgreich ohne die Hilfe und das Engagement der subauctores, auch wenn ich gestehen muss, dass wir derzeit erstaunlich wenige Schreiber haben, was sich auf den Umfang der Ausgaben auswirkt." Ich warf Seiana einen Blick von der Seite zu.
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Nicht nur, weil es von einem Magistraten Roms erwartet wurde, sich in der Öffentlichkeit präsent zu geben, sondern gleichsam, weil ich es versprochen hatte und obendrein höchst interessiert war, erschien ich überpünktlich im theatrum marcelli. In meiner Begleitung befanden sich - anstelle der nicht vorhandenen Ehefrau - einige ganz reizende junge Damen, die mir ebenso begierig auf das Stück zu sein schienen wie ich selbst. Als auctor der Acta Diurna war mir die Anzeige natürlich bereits vor der Veröffentlichung in die Hände gefallen, und - ich konnte mir nicht helfen - der Titel des Stücks erinnerte mich viel zu sehr an jenes, was auf der Feier zu den Meditrinalia so einiges an Aufsehen erregt hatte. Ich wünschte Gracchus indes, es möge eine bessere Wirkung erzielen als besagte cena pro uno.
So flanierten wir als einige der Ersten durch den Eingang des Theaters und an den zahlreichen kleinen Ständen vorbei, die allerhand Leckereien und kuriose Süßigkeiten anboten, manche davon sogar grün und in Form eines recht dicken Römers mit, so schien es, Fanfaren in den Ohren. Gut gelaunt sorgte ich dafür, dass jeder der Damen eine Leckerei ihrer Wünsche in den Händen hielt, ehe wir die Plätze ansteuerten, die Brix so vehement gegen weitere Besucher verteidigte.
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Gehe suchend durch den Abend,
bin nicht rastend, ruhelos,
wohin geh ich, wohin will ich,
warum laufe ich denn bloß?Ein Gedanke, viele Worte
und ein Name treibt voran,
Du bist nichts und Du bist alles,
wo, warum es nur begann?Weiche aus, tief in die Schatten,
keiner sieht was ich getan,
wie viel Leid erträgt die Seele,
wie fing dieser Wahn nur an?Weiß ich, was ich machen werde,
höre ich, was besser sei?
Spreng die Ketten Deines Herzens,
hole Luft und Du bist frei…"dominus?" Brix' Stimme zerriss entfernt die Stille, die mich umgab, hier draußen auf der Terrasse, wo ich fröstelnd dem Sternenhimmel harrte. Ich regte mich nicht, noch sagte ich etwas. "dominus? Hat jemand Corvinus gesehen?" Ein Murmeln drang an mein Ohr, gefolgt von hastigen Schritten, zuerst auf Mosaik, dann auf Stein, schließlich gar nicht mehr. Ich blickte ausdruckslos zur Seite, wo Brix nun stand und mich ein wenig ratlos musterte. Vermutlich überlegte er, ob er es wagen könnte, mich anzusprechen. Nervös blickte er zurück ins Haus, nestelte an der Kordel seiner tunica herum und räusperte sich schließlich. "dominus, da ist jemand im atrium für dich, ein gewisser Sisenna Neratius Flaccus. Er sagt, es sei dringend."
Was folgte, war vorerst keine Reaktion. Zu deutlich sah ich die warm leuchtenden Locken zwischen Realität und Wunschdenken aufblitzen, und fragte mich, ob mich nun tatsächlich dem Wahn anheim gefallen war. Eine ganze Weile stand ich einfach nur weiter mit vor der Brust verschränkten Armen da und starrte die fernen Tannen an, deren benadelte Zweige sich leicht in der Brise bewegten. "dominus?" fragte Brix erneut, und mit diesen Worten und einem Blinzeln verblassten die Strähnen allmählich. Ich neigte den Kopf zur Seite. "Neratius Flaccus? Ich kenne keinen Neratius. Was will er?" fragte ich, woraufhin Brix erleichtert schien, dass ich antwortete, statt ihn weiterhin zu ignorieren. "Das hat er nicht gesagt, nur dass es dringend sei und er jetzt sofort um ein Gespräch mit dir bittet. Wenn es dir nicht zusagt, richte ich ihm aus, dass er morgen nach der salutatio wiederkommen soll", fügte er an. "Nein, ist schon gut. Ich höre mir an, was er zu sagen hat. Was wissen wir über den Mann?" gab ich zurück, ließ die Arme sinken und setzte mich in Bewegung. Brix tat es mir gleich, und gemeinsam gingen wir nach drinnen. "Neratius Flaccus, etwa Anfang vierzig und verheiratet mit einer Senatorentochter. Er besitzt ein kleines Handelshaus in Ostia und einige Schiffe, die regelmäßig zwischen Ostia und Tylus verkehren", informierte Brix mich. "Gut. Danke, Brix", entgegnete ich und betrat das atrium, während der Germane selbst stehen geblieben war und mich allein den Besucher empfangen ließ.
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Ein aufmerksamer Beobachter würde wohl die kleinen Bewegungen erkennen, die das harte Aufeinanderbeißen meiner Kiefer zur Folge hatten. Zuerst geschah gar nichts, dann jedoch wich Helena ein wenig seitlich zurück und gab den Weg in ihr Gemach frei. Bis ich mich dazu bewegen konnte, hineinzugehen, verging nochmals eine kleine Ewigkeit, doch dann setzten sich meine Beine mechanisch in Bewegung und verfrachteten mich in ihr cubiculum, wo ich vor der nächsten Frage stand: setzen oder stehen bleiben? Uneins mit mir selbst, wagte ich zunächst den Blick zu Helena, um in Erfahrung zu bringen, was sie tun würde. Sie setzte sich aufs Bett und legte die Rolle fort. Ich stand immer noch auf halbem Weg im Raum an der gleichen Stelle, als sie begann zu sprechen. Ihre Worte lösten augenblicklich das schlechte Gewissen in mir aus, zumal mir nicht entging, welche Überwindung es sie kosten musste, mir das zu sagen, ja, überhaupt mit mir zu sprechen.
Statt einer Antwort riss ich den Blick von ihrem Gesicht, betrachtete flüchtig eine der schönen Wandmalereien und lenkte meine stocksteifen Schritte schließlich zur Sitzgruppe, um den ihr am weitesten entfernten Sitzplatz anzusteuern und in Beschlag zu nehmen. Ihre Versicherung, ich müsse mir keine Sorgen machen, war eine Floskel, das war mir bereits klar gewesen, noch ehe sie sie ausgesprochen, noch ehe ich ihr Zimmer betreten hatte. Wenn es etwas gab, das ich tun konnte - und musste - so war es, mich zu sorgen. Und das tat ich wirklich, denn aus keinem anderen Grund - sah man von meiner jämmerlichen Furcht einmal ab - hatte ich den Besuch bei ihr so lange herausgezögert. "Ich mache mir aber Sorgen." Meine Stimme klang ganz anders, passte gar nicht zu mir und wirkte belegt. Verwirrt runzelte ich die Stirn und räusperte mich kurz darauf. "Der...der Brief, ich wusste nicht..." Natürlich hatte ich es gewusst. Es war sowohl sinnlos als auch naiv, jetzt verbergen zu wollen, dass ich blind für sowas war, selbst nachdem sie mir auf dem Fest eröffnet hatte, was sie fühlte. Die Linke malträtierte ganz unbewust die lederbezogene Armlehne, man konnte die Knöchel weiß hervortreten sehen. "Ich meine, ich...hatte gedacht, dass es nicht so....hm, stark sei?" Seltendämlich. Ich machte eine zerknirschte Grimasse und quälte mich weiter. "Also, nun... Du hast uns allen ganz schön Angst eingejagt", wich ich auf die anderen aus, womit ich ebenfalls nicht glücklich war. Ich seufzte tief, beugte mich ein wenig vor und stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel, um meinen Kopf schwer in die Hände zu betten, Helena immer noch ansehend. "Es tut mir so leid", sagte ich leise mit zusammengezogenen Brauen. "Wieso nur wolltest du gleich den Tod wählen?"
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Ihren Kommentar sollte ich erst sehr viel später verstehen, nachdem ich ausreichend Zeit gehabt haben würde, nochmals darüber nachzudenken. In jenem Moment allerdings erschloss sich mir nicht, dass eine Sklavin neiderfüllt auf die Einkaufsgelüste zweier Patrizierinnen blicken könnte, weil ihre eigene ein wahrer Muffel war, wenn es um exzessives Geldausgeben ging. "Das werde ich gern tun", erwiderte ich daher also auf die Worte und überging den ersten Teil somit schlicht, bis auf das Lächeln, das ich erwiderte, zumal sie soeben ein Kompliment aussprach.
Dann war mein Interesse auch schon geballt auf die Schriftstücke gerichtet, das eine prall gefüllt mit Informationen und dem Neuesten aus Rom und der Welt, das andere ein einzelnes Blättchen mit - wie ich jetzt bemerkte - einem großflächig dargestellten, halbnackten Mann. Schon weiteten sich meine Augen im Unglauben, und ich hob den Blick, um Seiana sprachlos anzusehen, da präsentierte sie mir eine Erklärung. Mit gerunzelter Stirn warf ich erneut einen Blick auf das Papierchen - anders war es wirklich nicht zu bezeichnen - und nahm es dann, um es genauer anzusehen. Eine meiner Brauen wölbte sich bereits, als ich den Namen unter dem Bild las, die andere, als ich den so genannten 'Verlierer der Woche' studierte. Nun zierte auch mein Gesicht ein breites Grinsen, und ich reichte Seiana das Pergament zurück, ohne noch einen weiteren Blick darauf zu werfen. "Das da würde ich nicht als Konkurrenz bezeichnen. Das ist vielmehr ein billiger Abklatsch, wenn überhaupt, und allenfalls etwas für ausgiebige Latrinennutzer", sagte ich und verkniff mir ein Lachen. "Es wurde schon oft versucht, die Acta Diurna zu kopieren, doch bisher hat sich keines dieser Schmierblätter länger gehalten als ein paar Monate. Meistens so lange, bis den Beitreibern das Geld ausgeht und sie sich doch lieber für die Miete ihrer insula oder häufigere lupanarbesuche entscheiden als für die Publikation solcher Mätzchen. Beim nächsten Mal - sollte es eines geben - kannst du dir die zwei Asse sparen."
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Mehr beiläufig als gewollt fiel mein Blick auf das schreiend bunte Pergament in den Händen der Decima, und fragend blickte ich darauf hinunter, ehe sie es mit der Acta verdeckte und an einen Ort legte, den ich besser nicht so intensiv betrachtete wie eben noch die Abschrift der Staatszeitung. Decima Seiana hatte etwas Kindliches an sich, das jedoch nicht fehl am Platze war, sondern vielmehr zu ihr passte und ihr Liebreiz verlieh. Ich setzte mich und wandte mich ihr zu, als sie mich musterte. "Beide sind wohlauf und plündern vermutlich soeben die Märkte", erwiderte ich scherzend und blinzelte in die helle Sonne. "Ich werde sie gern von dir grüßen, wenn du möchtest."
"Ja, es war doch recht angenehm. Allerdings kann ich mich an keine Begebenheit im Hause Decima erinnern, die nicht angenehm gewesen wäre. Senator Meridius ist ein ausgesprochen guter Gastgeber." Erneut huschte mein Blick zu den zwei Gegenständen auf ihren Oberschenkeln. Kurz sah ich ihr in die Augen, dann deutete ich mit daraufgerichtetem Blick und einem dezenten Wink meiner Rechten wieder auf die beiden Pergamente. "Das obere sagt mir etwas, aber was ist das darunter?" fragte ich sie. Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit wusste sie, dass ich der auctor der Acta war, und wenn nicht, so würde sie meinen Namen gewiss im Impressum gelesen haben. Neugierig musterte ich Seianas Gesicht und harrte der Auflösung des Rätsels.
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Unvermittelt blieb die Flavierin stehen, und ich tat es hr gleich und sah sie aufmerksam an. Ob sie etwas gehört hatte? Im nächsten Moment jedoch verwies sie auf den Duft, den ich erst wahrnahm, als sie mich darauf aufmerksam machte. Verdutzt betrachtete ich Celerina.
"Ja, ein wunderbarer Anblick", pflichtete ich ihr bei, als sie sich in Bewegung setzte, um die Bank anzusteuern, und ich mich wieder gefangen hatte. Ich nahm an ihrer Seite Platz, strich abwesend eine Falte meiner toga glatt und sann über den eben verflogenen Moment nach. Ob sie rare Pflanzen schätzte? Bisher hatte ich noch niemanden getroffen, der diese meine Passion nicht belächelte, sondern teilte. Mandelbäume waren seit der Einfuhr aus den entfernten östlichen Gebieten des imperium beinahe allgegenwärtig geworden in römischen Parks. Im milden, italischen Klima gediehen sie gut, was sie für mich nicht mehr ganz so interessant machte wie schwer zu ziehende Pflanzen, obgleich sich auch im aurelischen Garten der ein oder andere Baum dieser Art fand.
Celerina erlangte ein weiteres Mal meine Aufmerksamkeit, ihre Begeisterung steckte förmlich an und verleitete mich zu einem breiten Schmunzeln. "Es ist auch mein Wunsch, einmal die südlichste Provinz zu erkunden. Allerdings haben meine privaten Wünsche jenen nachzustehen, die das Reich betreffen. Als einer der Siebenmänner und vor allem als Magistrat Roms ist es nicht möglich, viel Zeit außerhalb Roms zu verbringen, um die Welt zu erkunden. Achaia und Germania müssen demnach diesbezüglich genügen", erwiderte ich auf ihre Worte hin. Als Senator würde mir ein Besuch in Ägypten schlussendlich vollkommen verwehrt bleiben. Milde lächelte ich. "Du scheinst mir eine begeisterte Forscherin zu sein, was die alten Autoren anbelangt", entgegnete ich und schüttelte sogleich den Kopf. "Es ist nicht verkehrt, wenn sich eine Frau von Schriften angezogen fühlt. Hast du auch die Ilias Latina gelesen?"
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Das Lächeln, das die blonde Sklavin mir schenkte, ließ die Sonne auch in meinem cubiculum aufgehen und nicht nur vor den schweren Vorhängen, durch die das Sonnenlicht nur verhalten hindurch drang. Flüchtig runzelte ich die Stirn, als sie mir einen seltsam klingenden Laut als Erwiderung auf meine Worte eintgegenschnurrte, schloss hernach genießend die Augen, als ihre sanften Finger meine Lippen berührten.
Eine gute halbe Stunde später stand ich mit ausgebreiteten Armen im Raum und ließ mir die toga anlegen. Saba und Dina waren recht souverän bei den hierfür erforderlichen Handgriffen, und Siv hatte ich entlassen, damit sie sich ebenfalls waschen und mit dem Haus vertraut machen konnte. Zur salutatio würde ich so vermutlich ein wenig zu spät kommen, doch das war nicht weiter schlimm, schließlich wurden meine Klienten in der Zwischenzeit bewirtet, damit ihnen das Warten leichter fiel. Als ich entsprechend eingekleidet war, verließ ich meine Gemächer und machte mich auf den Weg ins tablinum, wo eine bunt gefächerte Schar mit den verschiedensten Problemen bereits ungeduldig auf mich wartete. An diesem Tag würden sie in ihren sportulae neben den gewöhnlichen Dingen auch jeweils ein Stück besten Schinken finden, was die Gemüter deutlich heben sollte.
~ finis ~
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"Ich danke dir", erwiderte ich und folgte der Geste, indem ich Platz nahm. "Sicher ist viel zu tun, seit Iulians Tod? Ich hörte, sein Sohn sei bereits auf dem Weg hierher. Es dauert bestimmt nicht mehr lang, bis er in Rom ankommt. Nun ja, ich möchte dir auch gar nicht viel Zeit stehlen, dir gleichsam allerdings meine Hilfe anbieten, wo sie vonnöten ist und du sie annehmen möchtest. Als quaestor urbanus ist mein Aufgabenbereich zwar deutlich umrissen, doch habe ich bereits nach diesen wenigen Wochen seit meiner Wahl festgestellt, dass mir selbst mehr Zeit zur Verfügung steht als während dem Vigintivirat", sagte ich und lächelte.
"Nun ja. Ich wollte meine Empfehlung meinen Klienten Artorius Reatinus betreffend an dich herantragen. Er dient derzeit der legio Secunda Germanica als centurio. Während meines Tribunats in Germanien habe ich mir ein umfassendes Bild über seine Fähigkeiten machen können - damals war er noch optio. Er ist ein kaisertreuer Mann mit viel Potential und großen Ambitionen. Ich kann mich nur pro Artorius aussprechen und bin mir sicher, dass auch sein Legat eine Standeserhebung befürworten würde", trug ich vor.
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An den Thermen vorbei führte unser Weg vom Saturntempel zurück zur villa Aurelia. Wieder war ich zu Fuß unterwegs. Einerseits, um die Sonne zu genießen, andererseits, um ein wenig Bewegung zu haben. Seit Appius in Ägypten war und Ursus in Germanien weilte, hatte ich nicht mehr viel Abwechslung, was das Ringen angeht oder Thermenbesuche anbelangte. Aquilius war oft zu beschäftigt gewesen während seiner Zeit im cursus honorum, und nun steckte ich selbst wieder darin. Freizeit hatte ich während der Quästur seltsamerweise mehr als zur Zeit meines Vigintivirats. Die Bücher der Staatskasse zu prüfen war eine recht angenehme Arbeit, verglich man diese Tätigkeit mit dem Schreiben der Briefe die Erbschaften betreffend.
Um dem Dreck der römischen Straßen zu entgehen, schlug ich mit meinen zwei Leibwächtern und Pyrrus im Schlepptau einen kleinen Umweg ein, der durch einen grünenden Park führte. Hier war es angenehmer zu gehen, das Zwitschern der Vögel wurde nicht durch das Geräusch krakeelender Händler oder torkelnder Trunkener überdeckt - und auch die schlanke Gestalt einer mir bekannten jungen Frau blieb nicht unentdeckt. Ich steuerte Decima Seiana an, die lesend auf einer Bank saß und ganz vertieft in ihre Lektüre schien. Das Knarzen der Kieselsteine verriet mein Näherkommen, und schließlich grüßte ich sie. "Ah, ja, in der Sonne sitzen und lesen ist recht angenehm. Salve, Decima Seiana. Darf ich?" Und ich wies auf die Bank neben ihr, während sich die Sklaven dezent und Pyrrus leise maulend etwas zurückzogen.