"Nein", entgegnete ich schlicht. Natürlich hatte mir dies Kopfzerbrechen bereitet, doch vertraute ich Prisca und hielt sie für sehr vernünftig, sodass der leicht negative Geschmack alles gewesen war, was ich gespürt hatte. Von Zweifel und Sorge um ihre Ehre war da keine Spur gewesen, ebensowenig von Argwohn ob ihres Verhaltens. Sollte ich dereinst eine Tochter zeugen, so wünschte ich mir, sie würde Prisca im Wesen ähneln. Ihre offenkundige Beschämung war mir zudem genug der Folter, und so schüttelte ich nur lächelnd den Kopf, um zu verdeutlichen, dass sie sich nicht gerügt fühlen musste. "Gut. Ich werde alles veranlassen", erwiderte ich und blickte hernach zweifelnd auf das Stückchen Käse auf meinem Teller. Der Appetit war mir ob des heikleren Gesprächsthemas Helena betreffend verflogen, und so blieb das gelbe Stückchen unangetastet liegen.
Prisca sagte zunächst nichts, sondern sah mich nur an. In diesen Augenblicken fragte ich mich, wie viel sie wusste, wenn sie denn etwas wusste. Dann lief eine Veränderung durch ihre Haltung, und diese Veränderung löste ein starkes Unwohlsein in mir aus. Gewiss verurteilte sie mich. Doch es kam anders, denn sie erhob sich und kam um den kleinen Tisch herum auf mich zu. Als sie ihre Frage stellte, wich ich ihrem Blick aus. "Ich hätte-" begann ich, hob jedoch die Schultern und verschluckte die weiteren Worte. Wieder war da der Zorneskeim, resultierend aus Verzweiflung über das Geschehene und Unwissenheit über das, was zu tun erforderlich war. Ich kompensierte die Wut, indem ich die Hände kurz hilfos zu Fäusten ballte. Aus einem harmlosen Frühstück war nun wieder ein Desaster geworden. Vielleicht stand es mir einfach nicht zu, etwas wie ein unkompliziertes Familienleben zu haben, überlegte ich sarkatisch, derweil ich den Honig anstarrte. Zumindest, bis Priscas Finger durch mein Haar glitten. Ich seufzte tief und schloss die Augen, um alle Gedanken auszublenden und den flüchtigen Moment des Friedens ganz in mich aufnehmen zu können. Die Nähe zu Prisca war immer schon etwas Besonderes gewesen, und diese Besonderheit spürte ich auch jetzt wieder, als sie versuchte, mich zu trösten. Ihre Gesten waren zärtlich, die Bewegungen tröstlich - und mir war einfach nur danach zumute, mich gehen zu lassen. Behutsam legte ich einen Arm um ihre Hüfte, die Hand nach und nach fester in den kostbaren Stoff krallend, die Züge allmählich entspannend.
Und doch war da plötzlich diese vollkommen absurde Angst davor, dass Prisca und Helena eine ganz bestimmte Sache miteinander gemein hatten. Ich wollte nicht auch noch Prisca deswegen verlieren. Meine Haltung erstarrte, ich hielt die Luft an. Was, wenn sie...auch...? Schwindel überkam mich, und ich wollte von ihr ablassen, um auch nicht die geringste Möglichkeit ihr zu bieten, auch nur zu denken, dass... Doch da sprach sie erneut, und was sie sagte, löste alle Bedenken in sagenhafte Erleichterung auf. Abermals seufzte ich, legte nun auch den anderen Arm um ihre zarte Gestalt, lauschte und genoss das Gefühl, mich einmal nicht rational und beherrscht geben zu müssen. Es kam ohnehin viel zu selten vor.
Schuld keimte in mir auf, als sie von dem gewünschten großen Bruder sprach - den es ja wohl tatsächlich gab, der jedoch das Weite gesucht hatte, als er von meinen Nachforschungen erfahren hatte*. Andererseits war ich wohl für den Moment auch eifersüchtig genug, diese Position für mich allein zu beanspruchen, Onkel hin oder her. Prisca verstummte. Auch nach einigen weiteren Herzschlägen sprach sie nicht weiter. "Es ist die Liebe, Prisca. Es ist immer die Liebe", erwiderte ich flüsternd. "Sie ist allgegenwärtig, und ihr gegenüber bist du ebenso machtlos wie ein Säugling." Ich ließ noch einen Moment verstreichen, löste mich dann von Prisca und sah resigniert zu ihr auf. "Was ich auch anfasse, es endet stets in einem Fiasko, sobald Gefühle im Spiel sind. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen, Prisca. Vielleicht ist das mein Fluch. Mein Schicksal? Dass ich einsam zugrunde gehen werde, und eine Spur hinter mir her ziehe, bis es endlich soweit ist. Ich weiß es nicht." Das verräterische Glitzern ihrer Augen ließ einen Kloß in meinem Halse erwachsen, und ich griff nach ihren Händen und drückte sie sanft. Mir fiel das vorausgegangene Gesprächsthema wieder ein, und ich hob zerknirscht einen Mundwinkel. "Bitte verzeih mir, ich wollte dir deine Zukunft nicht zerreden. Es ist nur..." Der Satz endete in einem Schulterzucken.
Sim-Off:*soll Pegasus' Inaktivität erklären [edit:SimOff vergessen]