Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Überrascht hob ich eine Braue. Der junge Flavier half schon bei der Rennkoordination? Interessant. "Gern, nur zu. Ich denke, ein solches Gespräch kann man guten Gewissens schon als die Götter tangierend werten. Immerhin wird es vor den Rennen ein Opfer geben. Was die aurata allerdings anbelangt, solltest du dich wirklich an den Senator wenden, er ist unser princeps, und bedauerlicherweise fanden letztlich keine Treffen statt. Vielleicht kann ich dir aber doch helfen." Ein Schmunzeln umspielte meine Mundwinkel, und ich schon die tabula beiseite, lehnte mich ein wenig zurück und hörte Lucanus nur zu gern zu.

    Es war mir damals vielleicht noch nicht so bewusst gewesen, doch Prisca war immer schon so herzlich gewesen. Dass sie gerade in Germanien zu uns anderen gestoßen war, konnte man wohl guten gewissens als glückliche Fügung bezeichnen. Sie war sozusagen in genau jenem Moment erschienen, da ich eine unvoreingenommene Vertraute brauchte. Und wie sehr wünschte ich mir nun, sie wäre schon früher gekommen und hätte mich vor Dummheiten bewahrt. Doch die Vergangenheit vermochten nicht einmal die Götter zu ändern, wie also konnte ein Sterblicher darauf hoffen?


    Auf ihre Frage hin schwieg ich, noch zu sehr verwirrt von meinem eigenen Verhalten ihr gegenüber. Das Lächeln vermochte zwar mein Innerstes zu erreichen, erzeugte jedoch kein Echo auf meinen nur mühsam beherrschten Zügen. Mir war elend zumute. Seit ich von Helenas Vergehen erfahren hatte und den Grund kannte, suchten mich Mahre heim und Schuldgefühle, und immer wieder fragte ich mich, was geschehen wäre, hätte ich Helena zumindest für eine Nacht nicht zurückgestoßen. Es war unsinnig, darüber nachzudenken. Ich wusste es, doch abstellen ließ es sich einfach nicht. Priscas Worte quittierte ich mit einem matten, gequälten Lächeln, einen entfernten Baum flüchtig anblickend und doch nichts sehend. Hernach sah ich auf, der tröstliche Ausdruck in ihren Augen ließ mir das Herz ein wenig wärmer werden, doch der Rest blieb kühl und elend.


    Ohne zu Überlegen zog ich den zarten Körper meiner Nichte näher an mich heran und dirigierte sie so, dass sie auf meinen Oberschenkeln würde Platznehmen müssen. Wieder würden böse Zungen Verwerfliches behaupten, doch war meine schlichte Intention hinter dieser Geste der Wunsch nach Vertrautheit. Zudem war es angenehmer, im Sitzen zuzuhören, und reden wollte ich. Alles aus mir hinaussprudeln lassen. "Ich wusste es seit den Meditrinalia. Das mit Helena. Sie hat es mir gesagt, direkt vor der Inszenierung. Ein paar Tage später war ich dann bei ihr, ich wollte es klären, weißt du?" sagte ich und sah Prisca von der Seite her an, darauf hoffend, Verständnis in ihrem Blick zu sehen. "Das Ganze ist... Nun, sie hat darauf gehofft, ich würde genauso empfinden. Ich sagte ihr, dass dem nicht so ist, und daraufhin hat sie... Sie hat mich herausfordern wollen und hat mich geküsst. Dann bin ich gegangen." Eine kurze Pause folgte. "Ich hätte nicht einfach gehen sollen, sondern mit ihr reden müssen. Es ist meine Schuld, Prisca. Wenn ich doch nur geblieben wäre. Das alles wäre nicht geschehen. Ich bringe meiner Familie nur Unglück. Helena hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Titus hasst mich. Appius und Camilla ziehen es vor, in Mantua zu bleiben, Deandra hält mich für ehrlos - was kommt als nächstes?" redete ich mich in Rage und schüttelte den Kopf, ehe ich ihn matt hängen ließ.

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    Was in den folgenden Minuten passieren sollte, war nicht Mathos Schuld. Zumindest redete er sich das recht erfolgreich ein. Vielmehr waren es jene Sklaven, die weniger bevorteilt waren was die Intelligenz betraf. Die waren es, welche die Sauerei veranstalteten. Zunächst aber nickte Matho nur beflissentlich, als der Bärtige seine Frage stellte. Vielleicht hatte er geglaubt, Matho hätte es nicht gehört. Da hatte er sich allerdings verschätzt. "Genau so ist es", bestätigte er nämlich. "Diese Lotterei hat jetzt ein Ende. Wer sagt uns, dass solcher Unrat nicht im ganzen Hause verteilt ist? Niemand. Außerdem hat die villa ohnehin wieder einen Routinefrühjahrsputz nötig."


    Als ausgerechnet das kleine, stumme Mädchen vortrat und sich des Problems aufgenblicklich annahm, traute Matho seinen Augen nicht, nickte hernach aber wohlwollend. "Seht ihr, genau so sollte...." Er verstummte, als Tilla die Krümel im impluvium versenkte und starrte sie mit offenem Mund an. So eine Dreistigkeit! "Bist du von allen Göttern verlassen!?" fuhr er sie an und zeterte sogleich weiter in einer Manier, die hier besser nicht aufgezeigt wird. Unterbrochen wurde die Litanei nur von Dina, die an Tilla vorbeisegelte und ein Bad im Wasserbecken nahm. Mathos Gesicht hatte nun die Farbe eines überreifen Granatapfels angenommen. Ihm bleib nicht einmal mehr Luft zum Schimpfen. Man hätte es vermutlich ohnehin nicht vernommen bei all dem nun vorherrschenden Gelächter im atrium. Wütend wandte sich Matho um und stapfte eine Runde um die Statue des Aurelius Crassus herum, um wieder ruhiger zu werden.


    "Saubande, elende!" rief er dann. "Zwei Tage. Wenn ihr meint, ihr müsstet sie SO verplempern, gut. Aber Mars sei euch gnädig, wenn übermorgen die villa nicht strahlt wie ein Edelstein!" Und damit rauschte er von dannen.

    Irritiert blinzelte ich Siv an, als sie mich wiederholte und die Wörte noch einmal differenzierter betonte. Ein Grinsen war die einzige Reaktion, die ich zeigte, auf die Worte selbst ging ich nicht noch einmal ein. Sie hatte mich schließlich verstanden, was angesichts der bisherigen Unterstunden auch anzunehmen gewesen war. Zwar konnte ich mich nicht gerade als besonders guten Schüler bezeichnen, doch gab ich mir Mühe und fragte Siv bei so mancher Sitzung Löcher in den Bauch. Ab und an gestaltete sich die Kommunikation schwierig, da sie einen Sachverhalt nicht auf Latein zu erklären vermochte und ich ihr Germanisch nicht hinlänglich verstand, doch mit Achen und Krachen und Händen wie Füßen gelang es uns doch zumeist.


    "Ja, und zwar für einige Tage. Caius und ich haben schon früher solche Unternehmungen gemacht. Ich denke, es wird dir gut tun, für ein paar Tage aus der Stadt zu kommen. Derzeit bin ich noch am Überlegen, wen ich außerdem mitnehmen werde. Vielleicht Sertorio und Hektor. Wie geht es eigentlich Tilla, ich hörte, sie sei krank?" Genaugenommen war Tilla mir seit einer geraumen Weile nicht mehr über den Weg gelaufen, doch Matho hatte mich nicht darüber informiert, dass ein medicus gerufen worden war. Also konnte es nichts Schlimmes sein. Sivs angestoßenes Bild gereichte mir wieder zu einem Schmunzeln. "Nein, das wird nicht nötig sein. Aber es wäre von Vorteil, jemanden dabei zu haben, der sich mit Pferden auskennt." Zwar bezweifelte ich, dass Aquilius niemanden dabei haben würde, bei dem dies ebenfalls der Fall war, doch sicher war sicher. "Oder der mich wieder hinaufscheucht, wenn ich am Boden liege", fuhr ich fort und verpasste Siv einen scherzhaften Ellbogenstoß, begleitet von einem leisen Lachen. Anschließend zuckte ich mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. Ich mag sie einfach nicht. Bestimmt gibt es auch etwas, das du nicht magst. Hunde, Katzen - Wildschweine? Es gibt doch etwas, das du nicht magst, oder?" fragte ich sie und richtete hernach den Blick auf den mondbeschienenen Anhänger an ihrem Hals. Resümierend betrachtete ich das kleine Pferd einen Moment. "Außer uns Römern, meine ich", sagte ich leise.

    "Senator Purgitius", sagte ich und nickte ebendiesem zu. "Ob der gegenwärtigen Situation des Reiches erschien es mir sinnvoll, meine Wahlrede kurz und prägnant zu formulieren; eine zweite res gestae vorzustellen hielt ich gleichsam für unangemessen. Das Wichtigste erwähnte ich bereits, doch wenn gewünscht, werde ich gern detaillierter." Ich lächelte Macer kurz an und fuhr fort. "Die Leitung der acta diurna ist eine vielschichtige Aufgabe, die ein gewisses Maß an organisatorischen Fähigkeiten erfordert. Der Überblick will gewahrt werden, verschiedenste Aufgaben wollen koordiniert und administriert werden. Anfangs war es nicht einfach, all jenes zu vereinen, doch mit der Zeit fiel es mir leichter, nicht zuletzt mittels der Unterstützung der auctrix ppa und meiner Vorgängerin. Ich bin zuversichtlich, dass mir diese Kenntnisse und die, welche ich in den vorangegangen bekleideten Ämtern erwarb, mich hinreichend für das Amt eines Quästor rüsten. Auch bei meinen Aufgaben als septemvir war mir bereits einiges hiervon von Nutzen."

    Mit fiele da spontan der medicus Apollonius von Samothrake ein, dessen Beitrage stets eine Bereicherung für das Rollenspiel waren. Er befindet sich im Exil, vielleicht möchte er ja auf lange Frist gesehen wieder einsteigen... :)

    Als ich die Stimme des Sprechenden als die von Durus erkannte, nickte ich ihm kurz zu. Förmlich, wie es angebracht war, antwortete ich.
    "Es obliegt allein dem Senat, mir jenes Amt zuzuteilen, für welches mich dieses gremium als geeignet erachtet. Es würde mich jedoch freuen, würde der Senat bei seiner Entscheidung meinen Wunsch berücksichtigen, in Rom bleiben zu dürfen, damit ich meiner Tätigkeit als septemvir auch weiterhin nachgehen kann."
    Vordringlich war dies der Grund, doch andere informierte Senatoren außer Flavius Gracchus würden vielleicht wissen oder erahnen, dass es hierbei auch um meine weiblichen Verwandten ging, die ich nur ungern allein Rom zurücklassen würde. Denn das würden sie sein, sollte der alte Kaiser Ursus' Wunsch nach einem Tribunat bei einer Legion entsprochen haben oder der neue ihm noch entsprechen.

    Ein Schmunzeln folgte ob der Worte des Flaviers. "Das ist korrekt. Bedauerlicherweise herrscht in Rom schließlich derzeitig ein akuter Mangel an Priestern, sodass ein Rotationsverfahren unumgänglich geworden ist dieser Tage." Weswegen es um so strategischer war, wenn der junge Flavier nun dem cultus deorum beitreten wollte. Auf kaum einer anderen Position konnte man sich besser ins rechte Licht rücken, ehe man den Weg in die Politik beschritt. Gedanken, die mich an meine eiene Kandidatur denken ließen, was situationsbedingt nicht sinnvoll war zum Gegenwärtigen Zeitpunkt.


    "Sehr gut. Dann wirst du also bald von mir hören", bestätigte ich mit einem Nicken und schloss die vor mir liegende Wachstafel. "Kann ich denn sonst noch etwas für dich tun?"

    Bei weitem weniger aufgeregt als beim letzten Mal, doch längst nicht routiniert, hatte ich mich heute am gleichen Ort wie vor zwei Jahren eingefunden, um meine Kandidatur zum Quästor vor dem Senat Roms bekanntzugeben. Als ich aufgerufen wurde, folgte ich der Aufforderung des consul und trat vor.


    "Werte patres conscripti,
    vor zwei Jahren gewährtet ihr mir die Gunst, dem imperium als decemvir litibus iucandis zu dienen. Hernach wurde ich in die ehrbaren Reihen der septemviri berufen und man übertrug mir zudem die Leitung der acta diurna. Würden, deren einhergehende Pflichten ich bestmöglich zu erfüllen trachte. Heute nun stehe ich, Sohn des Aurelius Antoninus, vor euch und tue meine Kandidatur zum Amte des quaestor kund. Ich bitte euch um eure Stimmen."

    Ich hob eine Braue und traute meinen Ohren nicht. Mein Unterkiefer schob sich im Versuch der Beherrschung eine Winzigkeit nach vorn, und ich warf Ursus einen Blick zu. "Ich gebe dir zwölf aurei, kein einziges As mehr. Schließlich muss ich sie mir selbst ausbilden lassen. Für das nächste Mal solltest du dir überlegen, welche Waren du in einem Haushalt anpreist, und vor allem, wie du es tust, Händler. Dein Auftreten überzeugt in keinster Weise, und du kannst dich glücklich schätzen, dass du gegenwärtig noch hier vor mir stehst und dich nicht dein Hinterteil reibend vor der Tür wiederfindest", sagte ich streng und deutete abschließend auf die Sklavin. "Kommen wir ins Geschäft?" fragte ich Tolmides kühl.

    Das Zornesfunkeln in Fhionns Augen war die einzige Reaktion, die überhaupt erfolgte. Allmählich gelangte ich zu dem Schluss, dass es besser sei, den Sklaventreiber samt seines Sortiments hinauswerfen zu lassen. Von Qualität konnte hier schließlich kaum die Rede sein. Diese Gedanken schienen mir wohl aufs Gesicht geschrieben zu sein, denn plötzlich kam etwas wie Wallung in dem Mann auf, und er schickte sich endlich an, unaufgefordert Informationen fließen zu lassen. Warum war ihm das nicht schon eher eingefallen? Da die Sklavin ohnehin keine Anstalten machte, in irgendeiner Weise die gewünschte Auskunft zu erteilen, wandte ich den Blick dem Händler zu.


    "Was du nicht sagst", murmelte ich, als er Fhionn als Kriegerin anpries. Vielleicht konnte sie von Cadhla lernen. Und zwei kriegerische Geheimwaffen in petto zu haben, stellte ich mir äußerst amüsant vor. Nachdenklich musterte ich Fhionn, die letztendlich doch noch etwas sagte. Sie schien ihre Meinung geändert zu haben und nun doch gekauft werden zu wollen. Eine weise Entscheidung. "Wie viel?" fragte ich gefasst und wandte mich wieder Tolmides zu.

    "Anderes habe ich auch nicht erwartet, um ehrlich zu sein", erwiderte ich auf die Bestätigung meiner Vermutung hin. "Dein Onkel hat bereits einiges an discipuli ausgebildet." Ich nickte anerkennend und hob hernach eine Braue. "Du möchtest dem cultus Iunonis beitreten? Nun, ich nehme an, auch das hast du dir gut überlegt. Allerdings wirst du dann von einer Vielzahl an Priesterinnen umringt sein. Es gibt natürlich auch Prieste, aber ihre Zahl ist eher gering. Die meisten jungen Männer möchten in einem Tempel des Mars oder Iuppiter dienen", erlärte ich und machte dabei einen entsprechenden Vermerk auf die Wachstafel.


    Dann sah ich Lucanus erneut an. "Allerdings denke ich, dass frischer Wind den Matronen dort recht gut bekommen wird. Ja, wieso eigentlich nicht." Ein erneutes Nicken folgte. Die Vorstellung gefiel mir. Lucanus, wie er die Iunopriesterinnen auf Trab hielt."Du bist noch in der villa Flavia wohnhaft? Dann werde ich dich schriftlich über Ort und Datum deiner Prüfung in Kenntnis setzen, sobald ich nähere Informationen habe."

    Es gab einiges zu tun. Ich hatte Brix aufgetragen, den scriba herzuholen, den Ursus eingestellt hatte. Wir kannten uns bisher noch nicht, allerdings war ich beim Überfliegen der Abrechnungen über seinen Namen gestolpert, und wo er da nun schon einmal draufstand, konnte er mir auch zur Hand gehen. Vielleicht war es ein etwas entspannteres Arbeiten als zusammen mit Livius Pyrrus.


    Ich saß hinter meinem Schreibtisch und trommelte nachdenklich mit den Fingern auf der Schreibtischplatte herum. Dann endlich klopfte es, und als ich aufsah, blickte mich der germanische Sklaven an. "Iulius Cincinnatus ist jetzt hier, dominus", sagte er und ließ den scriba ein, ehe er sich zurückzog. Ich sah dem Mann entgegen. "Sei gegrüßt, Iulius. Wir kennen uns noch nicht - ich bin Aurelius Corvinus. Nimm doch bitte Platz", grüßte ich und deutete auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. "Wie geht es dir, hast du dich gut eingefunden?"



    EDIT: Spieler verschollen --> ~ closed

    Dass sie meine Frage nicht verstanden hatte, glaubte ich eher weniger. Immerhin hatte ich inzwischen einen recht guten Überblick darüber, welchen Umfang ihr Wortschatz besaß. Das Wörtchen "öfter" zählte definitiv dazu, und die anderen Worte der Frage durfte sie ebenfalls verstanden habem. Doch ich hakte vorerst nicht weiter nach, sondern sah mich im Garten um. Was sie behauptet hatte, stimmte. Im Unterholz und zwischen den Büschen knisterte es leise, der Wind ließ gelegentlich das Blattwerk rascheln und der Mond tauchte dies alles in eine mystische Atmosphäre. Fast wünschte ich mir den feuchten Glanz von Regen auf die dunklen Blätter, damit sie das Licht des Mondes zurückwerfen konnten.


    Die kraus gezogene Nase entging mir ob meiner Beobachtungen bedauerlicherweise. Diese Eigenschaft Sivs war eine, die mich amüsierte und zugleich faszinierte, zeigte sich doch in der daraus resultierenden Grimasse eine Spur Kindlichkeit, welche ihr eine ganz eigene Ausstrahlung verlieh. Ob ihrer Worte runzelte ich kurz fragend die Stirn, klamüserte mir hinter der Stirn jedoch den Sinn des germanischen Satzes zusammen und grinste schließlich. "Ist...nah - wahr?" gab ich zurück und versuchte, mich an den richtigen Klang des germanischen Wortes zu erinnern. Unsinnig oder sinnig, die bisherigen, gemeinsamen Germanischstunden waren sowohl abwechslungsreich als auch ablenkend gewesen. Zwei Faktoren, die schlichtweg gut waren, denn ob des Lernens vergaß ich für eine Stunde all das, was ich sonst mit mir herum schleppte. Zudem bot es einen Vorteil, wenn ich des germanischen mächtig war - ich würde die Sklaven verstehen, wenn sie sich unterhielten. Ob das Wissen um eine barbarische Sprache nun verpönt war oder nicht, war mir dabei herzlich egal, solange es nicht untersagt war uns Spaß machte. Mein Grinsen schwächte sich zu einem Schmunzeln ab, als Siv sich neben mich setzte und mir eine Antwort auf die Pferdefrage gab. Diesmal verstand ich kaum etwas, als sie in ihre Heimatsprache wechselte. Mit konzentriert gerunzelter Stirn wiederholte ich ihre für mich unsinnigen Worte. "Du fühlst dich...wie, wenn dich ein Pferd schlägt? ....tritt meinst du?" Dann jedoch trat die Erleuchtung auf mein Gesicht, und ich nickte verstehend. "Ah, so... Hm. So habe ich das noch nie gesehen. Ich kann auch nicht sonderlich gut reiten. Nun ja, eigentlich kann ich es gar nicht, was für einen Patrizier schon ausgenommen peinlich ist. Allerdings bin ich bisher recht gut drumherum gekommen. Das war in Germanien zwar etwas schwierig, hat aber geklappt. Hmm", machte ich und runzelte nachdenklich die Stirn. "Ich frage mich, ob du wohl gern mitkommen würdest. Caius und ich werden demnächst einen Ausflug machen - mit Pferden. Da könnte ich unter Umständen ein wenig Hilfe gebrauchen. Mitnehmen wollte ich dich ohnehin", fuhr ich fort und sah sie von der Seite her an. Dass sie von meiner Aversion Pferden gegenüber bereits von den anderen Sklaven wusste, stand außer Frage. Nur ob sie wusste, weshalb ich Pferde nicht mochte? Prüfend musterte ich sie einen Moment. Dann entschloss ich mich, es ihr anzuvertrauen. Ich vertraute darauf, dass Siv nicht damit hausieren gehen würde. Immerhin war sie in beinahe jeder Hinsicht anders als die Sklavinnen, die ich bisher nahe an mich herangelassen hatte. Sie war weniger kämpferisch als Cadhla - oder zumindest auf eine andere Art kämpferisch, sie war bei weitem nicht so fixiert wie Camryn und keinesfalls so rebellisch, wie es Merit-Amun gewesen war. Siv war einfach...Siv. "Pferde sind zwar nett anzuschauen, aber sie sind unberechenbar. Sie sind groß, sie sind schnell, und sie sind mir unheimlich", gab ich preis und zog eine Grimasse.

    Sim-Off:

    :patsch: Sorry


    "Nun", erwiderte ich und schmunzelte. "Ich lege auch keinen Wert darauf, dass du in deiner Sprache lesen und schreiben kannst, sondern in meiner. Aber du wirst es gegebenenfalls schon lernen. Was deine musikalische Ader betrifft... Sagt dir das Wort Kithara etwa? Oder Laute? Flöte?" fragte ich sie und hob in Erwartung der Antwort eine Braue. "Oder kannst du kochen, hast du eine besondere Begabung - irgendetwas, das dich für einen Kauf nteressant macht ?" Gleichsam blickte ich nun den Händler an, dessen Ware bisher in keinster Weise überzeugt, vielmehr enttäuscht hatte. Ich war tatsächlich kurz davor, diesen Tolmi-Irgendwas vor die Tür setzen zu lassen, was teils an seinem Angebot lag, teils an seinem Auftreten.

    "Nein", entgegnete ich schlicht. Natürlich hatte mir dies Kopfzerbrechen bereitet, doch vertraute ich Prisca und hielt sie für sehr vernünftig, sodass der leicht negative Geschmack alles gewesen war, was ich gespürt hatte. Von Zweifel und Sorge um ihre Ehre war da keine Spur gewesen, ebensowenig von Argwohn ob ihres Verhaltens. Sollte ich dereinst eine Tochter zeugen, so wünschte ich mir, sie würde Prisca im Wesen ähneln. Ihre offenkundige Beschämung war mir zudem genug der Folter, und so schüttelte ich nur lächelnd den Kopf, um zu verdeutlichen, dass sie sich nicht gerügt fühlen musste. "Gut. Ich werde alles veranlassen", erwiderte ich und blickte hernach zweifelnd auf das Stückchen Käse auf meinem Teller. Der Appetit war mir ob des heikleren Gesprächsthemas Helena betreffend verflogen, und so blieb das gelbe Stückchen unangetastet liegen.


    Prisca sagte zunächst nichts, sondern sah mich nur an. In diesen Augenblicken fragte ich mich, wie viel sie wusste, wenn sie denn etwas wusste. Dann lief eine Veränderung durch ihre Haltung, und diese Veränderung löste ein starkes Unwohlsein in mir aus. Gewiss verurteilte sie mich. Doch es kam anders, denn sie erhob sich und kam um den kleinen Tisch herum auf mich zu. Als sie ihre Frage stellte, wich ich ihrem Blick aus. "Ich hätte-" begann ich, hob jedoch die Schultern und verschluckte die weiteren Worte. Wieder war da der Zorneskeim, resultierend aus Verzweiflung über das Geschehene und Unwissenheit über das, was zu tun erforderlich war. Ich kompensierte die Wut, indem ich die Hände kurz hilfos zu Fäusten ballte. Aus einem harmlosen Frühstück war nun wieder ein Desaster geworden. Vielleicht stand es mir einfach nicht zu, etwas wie ein unkompliziertes Familienleben zu haben, überlegte ich sarkatisch, derweil ich den Honig anstarrte. Zumindest, bis Priscas Finger durch mein Haar glitten. Ich seufzte tief und schloss die Augen, um alle Gedanken auszublenden und den flüchtigen Moment des Friedens ganz in mich aufnehmen zu können. Die Nähe zu Prisca war immer schon etwas Besonderes gewesen, und diese Besonderheit spürte ich auch jetzt wieder, als sie versuchte, mich zu trösten. Ihre Gesten waren zärtlich, die Bewegungen tröstlich - und mir war einfach nur danach zumute, mich gehen zu lassen. Behutsam legte ich einen Arm um ihre Hüfte, die Hand nach und nach fester in den kostbaren Stoff krallend, die Züge allmählich entspannend.


    Und doch war da plötzlich diese vollkommen absurde Angst davor, dass Prisca und Helena eine ganz bestimmte Sache miteinander gemein hatten. Ich wollte nicht auch noch Prisca deswegen verlieren. Meine Haltung erstarrte, ich hielt die Luft an. Was, wenn sie...auch...? Schwindel überkam mich, und ich wollte von ihr ablassen, um auch nicht die geringste Möglichkeit ihr zu bieten, auch nur zu denken, dass... Doch da sprach sie erneut, und was sie sagte, löste alle Bedenken in sagenhafte Erleichterung auf. Abermals seufzte ich, legte nun auch den anderen Arm um ihre zarte Gestalt, lauschte und genoss das Gefühl, mich einmal nicht rational und beherrscht geben zu müssen. Es kam ohnehin viel zu selten vor.


    Schuld keimte in mir auf, als sie von dem gewünschten großen Bruder sprach - den es ja wohl tatsächlich gab, der jedoch das Weite gesucht hatte, als er von meinen Nachforschungen erfahren hatte*. Andererseits war ich wohl für den Moment auch eifersüchtig genug, diese Position für mich allein zu beanspruchen, Onkel hin oder her. Prisca verstummte. Auch nach einigen weiteren Herzschlägen sprach sie nicht weiter. "Es ist die Liebe, Prisca. Es ist immer die Liebe", erwiderte ich flüsternd. "Sie ist allgegenwärtig, und ihr gegenüber bist du ebenso machtlos wie ein Säugling." Ich ließ noch einen Moment verstreichen, löste mich dann von Prisca und sah resigniert zu ihr auf. "Was ich auch anfasse, es endet stets in einem Fiasko, sobald Gefühle im Spiel sind. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen, Prisca. Vielleicht ist das mein Fluch. Mein Schicksal? Dass ich einsam zugrunde gehen werde, und eine Spur hinter mir her ziehe, bis es endlich soweit ist. Ich weiß es nicht." Das verräterische Glitzern ihrer Augen ließ einen Kloß in meinem Halse erwachsen, und ich griff nach ihren Händen und drückte sie sanft. Mir fiel das vorausgegangene Gesprächsthema wieder ein, und ich hob zerknirscht einen Mundwinkel. "Bitte verzeih mir, ich wollte dir deine Zukunft nicht zerreden. Es ist nur..." Der Satz endete in einem Schulterzucken.




    Sim-Off:

    *soll Pegasus' Inaktivität erklären [edit:SimOff vergessen]