Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Sim-Off:

    Mogontiacum: Servius Artorius Reatinus



    Ad
    Servius Artorius Reatinus
    legio II Germanica in Mogontiacum
    Germania



    M. Aurelius Corvinus S. Artorio Reatino s.d.


    Lange ist es her, dass ich dir schrieb. Ein Versäumnis, für das ganz allein ich die Schuld trage. Zu vieles ist passiert in den zurückliegenden Wochen, ich vermag kaum alles zu nennen, was mich dieser Tage bewegt. Von des Kaisers Tod hast du gewiss schon selbst erfahren. Dennoch finden die Wahlen statt, zu denen ich mich für das Amt eines Quästors habe aufstellen lassen, zusätzlich zu meinen Pflichten als septemvir und auctor der Acta Diurna. Ich verlasse mich auf deine Unterstützung, Artorius, und versichere dir nochmals die meine. Mein Neffe Titus Ursus hat sich für ein freiwilliges Tribunat beworben. Wenn ihm Fortuna hold ist, wird sie ihn zu euch führen oder hier in Rom belassen. Auch übersende ich dir meinen nachträglichen Glückwunsch zur Beförderung.


    Wie ist es dir ergangen im finstren Germanien? Ich hoffe, der Winter hat euch nicht zu stark zugesetzt. Hier in Rom ist es hauptsächlich der schneidende Wind, der den Winder verkörpert. Doch ich muss gestehen, dass ich den Schnee und das Schlechtwetter nicht gerade vermisse.


    Ich habe noch eine Bitte an dich. In Kürze werde ich einige meiner Sklaven nach Mogontiacum schicken. Sie sollen in der villa nach dem Rechten sehen und einige Dinge hier nach Roma transferieren. Ich werde sie anweisen, dich aufzusuchen, sollten sie unvorhergesehen Schwierigkeiten haben oder Problemen entgegensehen. Kannst du dich ihrer annehmen, falls dies der Fall sein sollte?


    Nun muss ich schließen, ein Besucher wartet vor der Tür zu meinem officium, wenn wir Glück haben, ist es ein weiterer Bürger, der sein Leben den Göttern verschreiben möchte.


    Vale.



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    ROMA, ANTE DIEM IV ID MAR DCCCLVIII A.U.C. (12.3.2008/105 n.Chr.)

    Glücklicherweise hatte ich den Sklaven noch rechtzeitig nach Hause geschickt, damit er Ursus mitteilte, dass ich aufgehalten worden war und später nachkommen würde. Dieses Später war jetzt. Ich passierte die porta und wurde von einem kleinen Sklavenjungen ins tablinum geleitet, wo ein erster Blick ergab, dass schon einige sodales anwesend waren.


    "Salve Senator, vielen Dank für die Einladung. Entschuldige meine Verspätung, ich wurde in der regia aufgehalten. Ich hoffe, dein Nachwuchs und deine Gemahlin befinden sich wohl?" grüßte ich Meridius, als ich in seiner Nähe angelangt war. Die Damen meines eigenen Hauses begrüßte ich mit einem flüchtigen Kuss auf die Wang, Matticus reichte ich die Hand und den übrigen Gästen nickte ich vorerst nur zu, da ich keinen von ihnen weiter kannte.

    Nachdenklich musterte ich meinen Patron. Seine Worte waren nur zu wahr. "Ich nehme an, er befindet sich bereits auf dem Weg nach Rom?" fragte ich, da mir solche senatsinternen Dinge noch verwehrt blieben, zumindest solange, bis man sie dem Volk preisgab. "Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass Valerianus seinem Vater ein würdiger Nachfolger werden wird. Auch wenn er eher militärisch veranlagt ist, so wird er sich doch in die Politik hineinfinden." Wie es jeder tuun musste, von dem es erwartet wurde.


    "Die Wahlen werden aber doch wie gehabt stattfinden, nehme ich an? Dieser Tage erscheint es mir unabdingbar, dass am Ansehen und Wohle des Staates gearbeitet wird." fuhr ich fort und neigte den Kopf leicht zur Seite. Ein prüfender Blick glitt zu Siv, die eher teilnahmslos an einer Säule lehnte. Vermutlich war es ihr peinlich, zuvor falsch reagiert zu haben.

    Ein flüchtiges Stirnrunzeln folgte auf die Worte des Spotts, und ich beschloss, nicht darauf einzugehen. Der junge Mann schien recht selbstbewusst zu sein, konnte mit dieser Art jedoch gewiss bei dem ein oder anderen Römer auf die Nase fallen.


    "Davon ist auszugehen. Und die Paarungen liegen dir noch nicht vor, nehme ich nach deiner Frage diesbezüglich an. Auch das dürfte interessant werden. Das Preisgeld müssen sich die factiones dann ebenfalls teilen, nehme ich an?"

    Zitat

    Original von Marcus Aurelius Corvinus
    Derzeit eingeschränkt unterwegs, da Handgelenk fast unbrauchbar.


    Optimal ist das noch nicht wieder, aber ich denke, kleinere Beiträge sollten nun vertretbar sein.
    @ Gracchus: Danke für den Link. Ist tatsächlich eine Überlegung wert, denn die Vista-Spracherkennung reicht kaum zum Surfen aus.

    Letztendlich hatte Priscas Sanftheit doch eine tröstliche Wirkung auf mich. Ich fühlte mich eigenartig, seltsam befremdlich. Ganz so, als wäre ich gegenwärtig nicht anwesend in meinem eigenen Körper, sondern stünde etwas entfernt von der ganzen Situation. Priscas Nähe erschien mir in gewisser Weise flaumig, als spürte ich sie, könnte sie jedoch zugleich nicht ganzheitlich wahrnehmen. Ihr Bemühen, mir die zweifelhafte Wahrheit vor Augen zu führen, ließ mich vage lächeln, und ihrer Versuche zum Trotze antwortete ich mich einem simplen "Ja."


    Abwesend und gleichermaßen befangen kaute ich auf meiner Unterlippe herum, den Blick auf die unregelmäßigen Fugen des steinernen Bodens gerichtet und doch nichts weiter sehend als mein Versagen. Wer wäre nicht beschämt gewesen, fehlte das Vermögen, das Schiff der Familie um Riffe und Sandbänke herum zu steuern? Ich bewies tatkräftig, dass ich es nicht vermochte. Zumindest kam es mir so vor, auch wenn zuerst Siv und nun Prisca mich treuherzig vom Gegenteil zu überzeugen suchten. Ich rechnete ihnen diesen Umstand an, doch Glauben schenkte ich ihnen freilich nicht. Natürlich war mir bewusst, dass sie in ihrer Loyalität auch gar nichts anderes behaupten wollten. Ich erwiderte Priscas Blick, kaum dass sie mich ansah, und lächelte matt. "Die Fehler mancher wiegen schwerer als die anderer", gab ich zurück und hob eine Schulter. Vielleicht sollte ich dankbar sein, dass ich nur privat solche Last hatte, und nicht auch noch bei den mir sonst anvertrauten Aufgaben für den Staat. Im nächsten Moment zeichnete Verblüffung mein Antlitz und wurde kurz darauf abgelöst von einem melancholischen Lächeln. "Caius kann sich sehr glücklich schätzen, wenn er dich zur Frau bekommt, Prisca. Ich muss sehr mit mir kämpfen, um nicht allzu neidisch zu sein." Flüchtig huschte ein lausbubenhafter Ausdruck über mein Gesicht, dann küsste ich Prisca auf die Wange. "Du wirst mir stets willkommen sein, uns allen", fuhr ich fort, hielt einen Moment inne und fragte mich, ob es angemessen war, weiterzusprechen. Letztendlich fügte ich es dann doch hinzu: "Ich liebe dich, kleine Nichte." Schließlich hatte es Prisca doch geschafft, zumindest oberflächlich ein wenig der patinaähnlichen Trübsal abzukratzen, die mich umgab. Ganz nach innen jedoch würde wohl niemand vordringen außer mir selbst, wenn überhaupt.


    "Darf ich dich etwas fragen?" fragte ich sie dann unvermittelt. "Was meinst du, wie.. Wie soll ich mit Helena umgehen? Ich kann unmöglich tun, als sei nichts gewesen. Ich wüsste nicht einmal, was ich sagen sollte, wenn ich sie besuche. Aber ich kann ihr auch nicht ewig aus dem Weg gehen." Ein missratenes, zerknirschtes Lächeln untermauerte meine Unsicherheit. Eine Empfindung, die ich niemandem sonst gegenüber zugegeben hätte.

    Ein wenig wunderte sich Matho schon, warum er nicht nur wie jeden Morgen den Hausherren aufsuchen sollte, sondern zudem nach der salutatio nochmals das Arbeitszimmer des Corvinus aufsuchen sollte. Doch er tat, wie ihm aufgetragen ward, nicht ohne sich ein wenig mulmig zu fühlen. Ob ihm die Säuberungsaktion nicht zufriedenstellend genug ausgeführt worden war? Vermutlich hatte die unnütze Bagage irgendetwas vergessen zu putzen. Oder war es gar doch etwas anderes? Schließlich erklang von drinnen das Geheiß, einzutreten, und Matho betrat den Raum. "Du hast nach mir schicken lassen?" fragte der maiordomus, während er die Tür schloss.


    Ich saß hinter meinem Schreibtisch, zurückgelehnt im bequemen Stuhl und die Fingerkuppen aneinander gelegt. Matho unterzog ich einer kurzen Musterung. "Korrekt. Ich habe einen Auftrag für dich, Matho, genauer gesagt wirst du eine Reise unternehmen", erwiderte ich einen Moment später. Matho, welcher nun direkt vor dem Schreibtisch stand, sah mich an wie ein besonders seltenes Insekt. "Und...wohin, Herr?" fragte er widerstrebend. Ich konnte förmlich sehen, wie die kalte Hand der Angst um seine gegenwärtige Position im Haushalt nach ihm griff. "Germanien. Das aurelische Anwesen dort dürfte dir noch bekannt sein. Ich habe eine Liste der Dinge angefertigt, die du von dort mitbringen sollst, wenn du zurückkehrst. Zudem sollte man notwendige Reperaturarbeiten durchführen lassen und gleichsam nach jemandem suchen, der zeitweilig nach dem Rechten sehen wird, da ich nicht bereit bin, allenthalben wichtige Arbeitskräfte nach Germanien zu entsenden", fügte ich an, während Matho nur starrte. "Wann.." queitschte er, räusperte sich dann und setzte von Neuem an. "Wann soll die Reise losgehen?" "Das werde ich dir zum gegebenen Zeitpunkt mitteilen. Du wirst indes nicht allein reisen, Matho. Siv wird dich begleiten, ebenso wie Hektor und Fhionn. Eventuell Tilla, je nach Gesundheitszustand... Wir werden sehen. Ich wünsche, dass du ein Auge auf sie hast."


    Matho starrte. Siv. Siv! Um ein Haar hätte er verächtlich geschnaubt. Er hatte schon gedacht, dass er wichtig genug sei für eine solche Aufgabe - und vor allem, sie allein zu bewältigen - und dann sollten die zwei Schicklsen mit ihm kommen, eventuell sogar das stumme Kind oder gar noch mehr von den anderen. Nur Scherereinen würden sie ihm machen, das wusste er jetzt schon. Wenigstens würde er Alexandros nicht mitnehmen müssen - und wenn doch, würde er sich weigern! Der Kerl mit seinen roséfarbenen Tuniken war doch der Lacher schlechthin... Matho war sich nicht sicher, ob dieser Auftrag nun eine Strafe darstellte oder eine Prüfung. Er war allerdings fest davon überzeugt, dass es es das dämlichste Unterfangen war, von dem er je gehört hatte. Die zwei wohl fluchtgefährdetsten Sklaven zurück in die Heimat zu schicken, um gewisse Dinge zu holen.... Beinahe hätte er abwertend den Kopf geschüttelt, aber da er ja maiordomus bleiben wollte, ließ er das besser. "Mit Verlaub, dominus", sagte er daher. "Wäre es nicht vielleicht besser, bewährte Sklaven zu schicken?"

    "In manchen Fällen lohnt es sich durchaus, ein wenig Geduld zu investieren", gab ich zurück und schmunzelte.
    "Als auctor verfügt man zwar über gewisse Vorteile, was Informationen anbelangt, doch Hochoffizielles trägt sich zumeist erst nach der Benachrichtigung des Senats zu mir", erwiderte ich, während ich Hungaricus folgte und mich setzte. Kaum getan, hob ich verblüfft die Brauen. Konnte es tatsächlich sein, dass er noch nicht wusste, welches Unglück Rom widerfahren war? "Ja, das tue ich. Ich wollte es selbst nicht glauben, als einer meiner Klienten mich davon in Kenntnis setzte: Auf dem forum wurde verkündet, dass Ulpius Iulianus in Parthien gefallen sei. Ich habe mich überzeugt, die consules bestätigen dies. Das ist ein schwerer Schlag für Rom und mag vielleicht den Zorn der Götter darstellen, der in letzter Zeit so häufig um sich gegriffen hat. Es bleibt zu hoffen, dass sein Sohn stark genug sein wird, um das Erbe anzutreten - man munkelt, er sei krank." Sorge zeigte sich auf meinem Gesicht. Es wäre denkbar schlecht für Rom, wenn dem Vater auch der Sohn folgen würde.

    Die richtige Lage und die richtige Situation waren in vielerlei Hinsicht essentiell, nicht nur das Reiten betreffend. Eine meiner Brauen wölbte sich vielsagend in Verbindung mit einem Schmunzeln, doch weiter ging ich auf das Thema nicht ein, sondern beließ es dabei.


    Versunken in meine eigenen Gedanken, dachte ich nicht mehr daran, dass Sivs Verständnis von meiner Sprache ihr Schwierigkeiten bereiten würde, wenn ich mir keine Mühe gab, nur leicht verständliches Vokabular zu nutzen. Ich ordnete ihren erstaunten Gesichtsausdruck daher der falschen Ursache zu, und glaubte, sie sei erstaunt über meine geäußerten Ansichten bezüglich der Menschen. Stumm saß ich auf der grobwollenen Decke am Fuße des Baumes und betrachtete das silbrigmatte Antlitz der Germanin. Mit leicht zur Seite geneigtem Kopf und wachsamen Augen manifestierte sich allmählich ein schwaches Lächeln auf meinen Zügen. "Es sollte so sein, ja. Es ist aber nicht so. Von dir hat man erwartet, dass du Ragin eine gute Ehefrau wirst, obgleich du es nicht wolltest", gab ich zu bedenken. "Ein jeder muss sich anpassen, Siv. Manchen fällt es leichter als anderen, und wieder andere scheitern gänzlich." Ich zuckte mit den Schultern und brachte beide Hände hinter meinen Oberkörper, um mich abzustützen, derweil ich Sivs Worten mit verengten Augen zu folgen suchte. Wie ungläubig sie mich fragte, ob ich hilflos sei... Es klang so verständnislos, und doch überraschte mich diese Reaktion in keinster Weise. Auf fremde Völker mussten wir Römer unfehlbar wirken. Wir nahmen ihre Ressourcen, ihre Söhne und Töchter, ihr Land und ihre Freiheit. War es da nicht purer Hohn, von Hilflosigkeit zu sprechen? Seit unser Sklavenstand größtenteils aus entwurzelten Angehörigen fremder Völker bestand, bekam ich ein Gefühl für solcherlei Ansichten, was gewiss nicht hieß, dass ich sie teilte. Doch wenn man tagtäglich indirekt oder auch direkt mit den Unterschieden und Gefühlen von Menschen fremder Völker konfrontiert wurde, gewann man einen weitaus besseren Einblick als durch das bloße Studieren von Schriftstücken zu diesem Thema.


    Mit keiner Wimper zuckte ich, als sie mir über die Wange strich, welche bereits wieder zu kratzen begann. Es war einen Schererei mit dem Bart. Und nun war es erneut Siv, ob derer ich die Brauen leicht hob, als ich spürte, wie sie sich an mich lehnte. Ihr delektabler Duft stieg mir nur wenig später in die Nase, und ich richtete den Blick hinauf in den Himmel, um die helle Mondscheibe auf samtenem Grund zu betrachten. Ich hatte den Wunsch, Siv einen Arm um die Schultern zu legen, mochte mich aber nicht recht entscheiden, ob das wirklich sinnvoll war. Ganz gleich, was die Situationen zwischen uns mir auch vorgaukeln mochten, dies hier war nicht, wie es schien. Sie war eine Sklavin, ich hatte sie gekauft. Damit war sie mein Besitztum, nicht mehr und nicht weniger. Sie besaß zwar eine ganze Reihe an Vorzügen, aber was würden sie wert sein, wenn es darauf ankam? Und doch... Was war so falsch daran, sich einer Illusion hinzugeben, einer privaten Inszenierung, persönlich und exklusiv? Langsam wandte ich den Kopf und sah von schräg oben zu Sivs Kopf an meiner Schulter herunter. Solange ich darauf achtete, sie weder bevorzugt den anderen gegenüber noch ungebührlich ob ihres Standes als Leibsklavin zu behandeln, barg ein solches Spiel keine Gefahr. Ich wandte mich kurz um, blickte hinter mich und rutschte dann ein Stückchen zurück, um mich gegen den kühlen, knorrigen Stamm des Baumes zu lehnen. Die Beine winkelte ich an, die Füße stellte ich auf und Siv zog ich zu mir heran, sodass sie vor mir saß und sich anlehnen konnte, geborgen zwischen den Knien des Römers, dem sie gehörte. Nachdenklich lehnte ich auch den Kopf an die zerfurchte Rinde, den Himmel nach bekannten Sternbildern abtastend. Es verging eine geraume Weile, in der ich nichts weiter tat als so zu sitzen und in den Himmel hinaufzuschauen.


    "Meine Mutter war krank. Als sie starb, ist mein Vater ihr aus freien Stücken gefolgt. Zu diesem Zeitpunkt war ich in Germanien stationiert, bei der legio secunda. Ich habe es durch einen Brief erfahren, den mein Vater selbst geschrieben hatte, ehe er Mutter ins elysium folgte", sagte ich schließlich mit belegter Stimme. "Seit dem Tod meines Vaters bin ich für die Familie verantwortlich, Siv. Mir obliegt es, sie zusammenzuhalten, sie zu stützen und zu lenken. Aber es läuft alles aus dem Ruder. Titus...hasst mich, ich weiß nicht weshalb. Camilla und ihre Söhne zogen nach Mantua. Meine Verlobung endete in einem Fiasko. Und Helena... Nun, du weißt, was sie getan hat, und das war meine Schuld. Ich frage mich, warum ich versage, Siv. Immer und immer wieder. Titus wirft mir vor, die Zügel zu fest zu halten. Er begreift nicht, dass ich nicht auch ihn noch auf diesen Weg lenken will. Helena wird mich nun gewiss hassen. Es ist nicht gerecht. Aber das Leben ist wohl nie gerecht." Versonnen starrte ich das Coma Berenices an, das Haar der Berenike, dessen nur verhalten glühende Sterne ich neben dem Bären entdeckt hatte. "Einst opferte die Königin Berenike ihr rabenschwarzes Haar der Aphrodite, da ihr König, Ptolemaios, den Sieg gegen die Seleukiden errungen hatte. Am Morgen nach dem Opfer war ihr Haar nirgends mehr aufzufinden, und die Priester erklärten, dass der Göttin diese Gabe so sehr gefallen hatte, dass sie sie auf ewig am Himmel sichtbar gemacht hatte. Selbst Catull hat darüber geschrieben", sinnierte ich leise vor mich hin, den Blick versunken im dunklen, mit Lichtpunkten gespickten Nachhimmel. "Manche behaupten allerdings, es sein nicht das Haar der Berenike, das dort prangt, sondern lediglich die Schwanzquaste des benachbarten Löwen..." Verwundert war der Tonfall, mehr geistesabwesend denn bei Sinnen, und als ich den Blick schließlich wieder senkte und Siv erneut gewahrte, lächelte ich milde. "Erzählst du mir, was dich bewegt? Warum Kopf und Herz nicht ruhen können?" fragte ich sie.

    Der Odeur ihrer weichen Haut, ihres Haares und der Leidenschaft verband sich zu einer explosiven Mischung. Marginal hob ich einseitig die Oberlippe, was mir ein teils verwegenes Aussehen gab, in jedem Falle aber deutlich machte, was mir vorschwebte. Meine Züge waren entspannt, der Ausdruck auf dem Gesicht konnte begehrlicher nicht sein. Ihre verführerischen Lippen so nah, strichen sie an den meinen entlang und entlockten mir einen kehligen Laut und den Reflex, die Augen genießend zu schließen. Ich musste an mich halten, um mir nicht augenblicklich das zu nehmen, wonach es mir gelüstete - um des Spieles Willen. Der Kuss, fordernd wie eindeutig zugleich, führte schließlich die Wende herbei. In zwei Anläufen, da der erste leicht verunglückte, kam ich ihr näher als nie zuvor.


    Die Hitze ihres Schoßes, die feuchte Umarmung, ihre Hände auf meiner Haut, die Geräusche, die Reibung, der Duft - all das verschmolz zu einem leidenschaftlichen Ambiente, und jenes war es auch, das meinen Sinn für alles andere ausblendete und mich nurmehr an das denken ließ, woraufhin unsere kleine Jolle nun zusteuerte. Der Abgrund, der zugleich höchster aller Berggipfel und tiefste aller Erlösungen war. Die hauchzarten Berührungen ihrer Lippen auf meinem Gesicht verursachten eine leichte Gänsehaut bei mir. Von süßer Qual gezeichnet, blickte ich auf und bewegte meine Hüfte um eine Nuance, woraufhin augenblicklich tausende und abertausende winziger Funken durch meinen Körper zu kriechen schienen, entflammend, was noch nicht entflammt war, entfachend, was noch nicht entfacht war und verbrennend, was noch zweifelte, auch wenn dieser Teil praktisch nicht mehr existent war. Mein Herz klopfte zum Bersten tief in meiner Brust, und bereits nach einigen wenigen Bewegungen musste ich innehalten, überrascht wie resigniert zugleich, um einige Momente der Erholung zu erhaschen. Welche mir Siv nicht zugestand. Deutlich spürte ich ihre Fersen, ihre Hände und die samtweiche Haut ihres sich räkelnden Körpers unter mir. Selbst wenn ich untätig verharrte, verlangte sie meiner Willensstärke doch das Letzte ab, allein mit den vielen kleinen Berührungen, die mich immerfort weiter reizten und mir allmählich das Steuerruder aus der Hand nahmen.


    Die Innigkeit des Kusses schließlich raubte mir jegliche Kontrolle. Einige Male noch brachte ich mich ihr so nahe, wie ich es vermochte, dann war es mir nicht länger möglich, an mich zu halten, und mit leicht zurück geneigtem Kopf und einer Hand im Laken des Bettes verkrallt ritt ich auf der Schaumkrone der Welle, welche die kleine Jolle anhob und fort spülte. Die Lider geschlossen, einen langgezogenen Seufzer kundgebend, wallte die Entspannung durch meinen ermattenden Körper, und ich bettete die Stirn an Sivs weiche Haut, auf unsere rasenden Herzen lauschend und den raschen Atem. Beide waren wir schweißbedeckt und hatten ein Bad nötig. Langsam lockerte sich der Griff meiner Hand, ebenso wie die Umklammerung ihrer Schenkel. Ein guter Start in den Tag. Anders war dies wohl kaum zu nennen.


    Nach einer Weile richtete ich mich halb auf, schmunzelte die zierliche Sklavin an und rollte mich von ihr herunter auf die Seite. Feuchte und leicht zittrige Finger fuhren die Linie ihres Kieferknochens nach, versonnen von meinem Blick verfolgt. "Guten Morgen", sagte ich schließlich leise und grinste schief.

    Die Leichtigkeit, mit der die germanische Sklavin meine Sprache assimilierte, gereichte mir stets von Neuem zum Staunen. Sie hatte meiner Ansicht nach ein Sprachgefühl sondergleichen, was in Verbindung mit der ihr eigenen schnellen Auffassungsgabe dazu führte, dass sie recht schnell ins Lateinische fand und täglich besser wurde. Was man von mir nicht behaupten konnte, denn mein Germanisch war bisher kaum zu verstehen. Ich jonglierte wild umher mit Konjugationen, Verben, Deklinationen und Vokabeln, so wild, dass es manchmal ein Wunder war, dass Siv überhaupt etwas verstand, von der miserablen Aussprache einmal abgesehen. Zahlen waren da viel eher mein Metier.


    Interessiert ruhte mein Blick auf Sivs Gesicht. Sie konnte also nachempfinden, wie ich mich fühlte, wenn ich reiten musste. Ich musterte den silbernen Anhänger an dem ledernen Band und erwiderte leicht ihr Lächeln, als sie wieder aufsah. Andeutungsweise runzelte ich dann die Stirn und hob den Kopf ein wenig an - ich wurde nicht schlau aus ihr. Schlief sie wirklich draußen? Hier? Ich sah auf die Decke hinab und mir wurde klar, dass es kein Scherz gewesen war. Verblüfft lenkte ich meine Aufmerksamkeit wieder Siv zu, den geschwungenen Lippen, welche gegenwärtig so munter drauflos plapperten. Kurz darauf hatte ich ihren Ellbogen zwischen meinen Rippen und schwankte leicht zur Seite, grinsend, doch nicht lachend - ich war so gut wie nicht kitzelig. Der Ausdruck verwandelte sich in ein hinterlistiges breites Grinsen, als Siv vom Reiten sprach. Ich fing ihre Hand ein und erwiderte: "Es klingt in der Tat reizvoll, sich mit dir zusammen an schnellen Bewegungen zu erfreuen." Ich ließ den Satz kurz wirken und fügte hinzu: "Beim Reiten, versteht sich." Dann ließ ich ihre Hand los und zwinkerte ihr zu. Mir stand der Sinn gegenwärtig nicht nach körperlichem Vergnügen, vielmehr fand ich das Gesprächsthema interessant.


    Dass es ihr nicht behagte, war ihr nur zu deutlich anzusehen. Siv wich meinem Blick aus, sie grübelte und fühlte sich sichtlich unwohl. Doch da musste sie nun durch. Aufmerksam verfolgte ich, wie sie sich durch die Worte quälte. Diesmal half ich ihr nicht, sondern ließ sie einfach reden, selbst darum bemüht, keine Regung preiszugeben, bis sie geendet hatte. Auch danach sah sie mich nicht an, sondern hielt den Blick gesenkt. Ich betrachtete ihr von silbriggoldenem Haar eingerahmtes Gesicht einige Momente lang, dann verriet ein leises Rascheln von Kleidung, dass ich den Arm ausstreckte und ihr zwei Finger unter das Kinn legte, um es sanft nach oben zu heben, damit sie mich ansehen musste. Wieder wartete ich einen Augenblick, dann lehnte ich mich vor, stützte mich mit der freien hand auf dem Boden ab - und küsste ein einziges Mal ihre Lippen. Eigentlich hatte ich etwas sagen wollen, doch der Moment war zu verlockend gewesen. Er ging vorüber, und als ich mich neben ihr sitzend und ihr ein wenig mehr zugewandt wiederfand, umspielte ein marginales Lächeln meine Mundwinkel. "Wir alle haben ein uns eigenes Wesen, Siv. Manches Potential geht verloren, weil die Möglichkeit fehlt, es zu entfalten, manches bleibt unentdeckt und manches wird unterdrückt. Letztendlich sollen wir alle die Menschen sein, die unsere Mitmenschen in uns sehen, und doch gleichen wir uns nicht, auch wenn es so scheint. Sieh dir Eier an, jedes ist anders, von Gleichheit kann nur oberflächlich die Rede sein", erwiderte ich leise und zog einen Mundwinkel nach oben. Hernach hob ich erneut die Hand, unschlüssig, ob ich erneut von ihr kosten sollte oder nicht, strich ihr dann aber doch nur über die Wange. "Es tut uns beiden gut, Ruhe zu finden", sagte ich vor mich hin und meinte es doch ehrlich. "Zorn ist vielschichtig, er kann Antrieb sein, aber auch zermürben und schwächen. Und ich fühle mich zermübt und hilflos, Siv, und zwar eindeutig zu oft in der letzten Zeit."

    Der Mond leuchtete vor dem sternenklaren Himmel, einem bleichen Käselaib gleich. Lauer Wind strich durch die Blätter der silbrig glimmenden Zweige - und Siv strahlte, was ich erfreut zur Kenntnis nahm. Ein paar Momente lang saß ich einfach nur da, den Kopf nach rechts gewandt, und beobachtete das hellhäutige Gesicht, welches halb in den Schatten verborgen lag. Die Welt war ein Hort voller dunkler Farbnuancen hier draußen, und ob des Strahlens in ihren sonst blauen Augen zeigte sich je ein winziger Lichtreflex auf den Pupillen.


    "War", sagte ich automatisch, als Siv Schwierigkeiten mit dem Lateinischen hatte. "Oder 'ist krank gewesen'. Ah, sehr gut. Es freut mich, wenn es nichts Ernstes ist. Sie soll sich ruhig noch etwas schonen", fuhr ich fort. "Verschleppte Krankheiten sind nicht gut." Matho hatte ohnehin die Anweisung, bei Krankheitsfällen - wenn nötig - die anfallenden Arbeiten zugunsten des Kranken zu verteilen. Allerdings hatte die junge Tilla im Vergleich zu den anderen Sklaven ohnehin nur wenige und zudem leichte Aufgaben. Ich zog einen Mundwinkel nach oben und schüttelte den Kopf, als Siv mich erneut mit so vielen germanischen Wörten überrollte, die mir größtenteils noch nicht bekannt waren. "Ja, scheuchen", bestätigte ich und machte mit beiden Händen eine entsprechende Geste von mir fort. "Aber das hat schon mal jemand versucht und ist daran gescheitert. Als ich in Germanien war, hat ein Klient von mir versucht, mich das Reiten zu lehren. Du dürftest es also mit einem besonders schwierigen Fall zu tun haben, Siv. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht lernen will. Vielmehr...stehe ich mir selbst im Weg. Meine Hände werden feucht und ich habe einen Kloß im Hals, wenn ich weiß, dass ich reiten muss." Keiner meiner Sklaven wusste dies von mir. Nicht einmal Deandra gegenüber hatte ich diese widernatürliche Angst derart detailliert zugegeben. Ich hob die Hand, strich mir übers Gesicht und seufzte. In das zwanglose Gespräch war der Ernst gekrochen.


    Ruhig sah ich Siv an, nun wieder beide Hände hinter mich gestreckt und mich so auf der Decke abstützend und einigermaßen aufrecht haltend. Sie wirkte nun ebenfalls ernst, was gewiss nicht zuletzt von meiner Frage herrührte. Ihr Zögern bei der Antwort war mir nicht entgangen. "Ich bin auch nur ein Römer", erwiderte ich und betrachtete sie aufmerksam. Durchaus darüber im Klaren, dass ich ihr damit allmählich die Fluchtwege nahm, blickte ich sie unverwandt an und harrte ihrer Antwort oder einer Reaktion.

    Ahnungslos ob der poetischen Ader meines Gesprächspartners - und daraus resultierend auch ahnungslos seine lautmalerischen Gedanken betreffend - legte ich unwillkürlich die Fingerspitzen aneinander, die Unterarme auf die Oberschenkel gebettet. Ich hob einen Mundwinkel zu einer Art flüchtigem Lächeln, während Gracchus von der Schwierigkeit sprach, die man als politisch und religiös engagierter Mann haben konnte. "Du vergisst, dass ich im letzten Dreivierteljahr durchaus Zeit hatte, mich ausschließlich den Pflichten eines septemvir zu widmen", erwiderte ich. "Das wird sich im kommenden Jahr ändern, sollte ich gewählt werden. Du als Senator dürftest es da um einiges schwieriger haben, all jene Pflichten zu vereinen." Gracchus war schließlich nicht nur pontifex, sondern auch Senator, was bedeutete, dass seine Zeit ohnehin schon knapp bemessen war. Noch dazu, wenn er für ein weiteres Amt kandidierte.


    "Gerade jetzt, da der alte imperator im elysium weilt und sein Nachfolger noch nicht in Rom ist", pflichtete ich Gracchus bei und nickte beflissentlich. Auf seine ermordete Schwester spielte ich nicht an, denn ich wollte alte Wunden nicht neuerlich aufreißen. Ohnehin fiel es den alten Herren in den Collegien teilweise schon schwer, die Treffen nicht nur mit Gaumenfreuden und Weingenuss zu verbringen. Das merkte ich stets bei den Treffen der Siebenmänner. "Ich danke dir, Gracchus", erwiderte ich schlicht auf sein Versprechen, mich zu unterstützen. "Gleiches kann ich dir ebenfalls versichern, auch wenn es gegenwärtig noch ohne Belang ist, da ich dem gremium nicht angehöre. Den Cornelier dürftest du indes mit Leichtigkeit ausstechen. Vielleicht bietet sich gar die Möglichkeit, einer Sache gemeinsam nachzugehen, sollten wir beide gewählt werden und in Rom bleiben dürfen. Dies würde mich freuen." Und dem war tatsächlich so. Einem Magistraten Roms oblag es, den Bürgern der Stadt mit gutem Beispiel voranzuschreiten. Es würde mir ein Vergnügen sein, dies an Gracchus' Seite zu tun.


    In der hernach aufkommenden, kurzen Pause dachte ich an die Möglichkeit, aus Rom fortgeschickt zu werden. Ich sollte meinen Wunsch daher auch gegenüber meinem Patron kundtun, denn seine Meinung war angesehen und er wurde als Person und Politiker geschätzt unter den Senatoren. Gleich morgen würde ich ihn aufsuchen, zur Zeit der salutatio, die für mich dankenswerterweise stets nur bei besonderen Obliegenheiten Anwesenheitspflicht bedeutete. Vielleicht würde ich Siv mitnehmen, damit sie lernte, wie sie sich außerhalb der villa zu benehmen hatte. Ja, die Idee schien eine gute. Gracchus' Worte erforderten nunmehr wieder meine ganze Aufmerksamkeit, und so wandte ich meinen Blick neuerlich ihm zu, dem geschwungenen Mund und den sprühenden, braunen Augen. Marginal schürzte ich die Lippen, hing gleichsam an den seinen und lehnte mich schlussendlich ein wenig zurück, um meinerseits etwas zu entgegnen und unterdessen nachdenklich den Kopf zu wiegen. "Und wieder kann ich dir nur beipflichten, Gracchus. Ich stelle in letzter Zeit häufiger fest, dass wir einander gar nicht so unähnlich sind." Ein angedeutetes Schmunzeln umspielte meine Mundwinkel, und ich griff erneut nach meinem Becher und nippte an der schweren Flüssigkeit darin. "Du wirst doch gewiss auch Spiele ausrichten? Dein Verwandter, der junge Lucanus, suchte mich vor zwei Tagen auf und eröffnete mir im Zuge der Unterredung, dass er an den Spielen des gegenwärtigen Aedils mitwirken würde. So kann man also auf gleich zwei Ereignisse der Superlative hoffen", sagte ich und verkniff mir ein allzu breites Grinsen.

    "Ich muss gestehen, dass ich noch nicht darüber im Bilde bin, wie die Rennen dieses Mal abgehalten werden sollen. Es gab bisher keine Versammlung der sodales auratae, daher nehme ich an, dass der Senator bereits die Gespanne gemeldet hat. Ich gehe davon aus, dass neben Quintus Arius dem Jüngeren auch Helios und Patroklos an den Start gehen, oder zumindest einer der beiden letzteren", erwiderte ich, nachdem ich Pyrrus einen Wink gegeben hatte. Der scriba angelte nach einer Karaffe und goss verdünnten, roten Rebensaft in zwei Becher ein, von denen er den einen vor Lucanus platzierte und den anderen vor mir. Unnötig, zu erwähnen, dass er unterdessen ein griesgrämiges Knautschgesicht machte.


    "Das klingt interessant", gab ich zurück, das Kinn leicht auf die Rückseite meines Zeigefingers gestützt. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Aurata Interesse an einem Bündnis mit der Russata hegt, allein schon deswegen, weil die beiden principes langjährige Freunde sind. Der Purpurea und der Praesina dürfte es nicht schmecken, sich einen Verbündeten suchen zu müssen. Und die Albata... Nun, die Weiße wird froh sein, wenn sie sich einem der anderen Rennställe anschließen darf, schätze ich. Vielleicht nimmt die Veneta sie unter die Fittiche", sinnierte ich und trank einen Schluck. "Wie sollen denn die Rennen überhaupt ablaufen?" hakte ich nach, um die bisherige Planung zu erfahren. Wie Rennen an sich abliefen, war natürlich bekannt, doch im Speziellen konnte schließlich jeder etwas anderes planen, der Spiele in Rom ausrichtete.

    Es dauerte länger als gewöhnlich, bis mein Patron das atrium erreichte. Eben noch hatte ich über Siv geschmunzelt und Zeit gefunden, um ein wenig mit ihr zu plaudern, und doch war er dann ganz plötzlich anwesend. Seine Worte hätten vermutlich dann wie ein sachter Vorwurf für mich geklungen, hätten wir nicht zuvor die Absprache getroffen, die gemeinhin allmorgendlich übliche salutatio nur bei besonderen Begebenheiten abzuhalten. So neigte ich aber nur grüßend den Kopf und öffnete gerade den Mund, um etwas zu erwidern, als Siv vortrat und ihrerseits etwas sagte.


    Ein überraschter Blick streifte sie, einen kurzen Moment sah ich sie irritiert an, dann trat Verstehen in meinen Ausdruck, obgleich ich doch nicht recht verstand, was sie so hatte reagieren lassen - dafür war ich zu sehr Römer und diese Situation hier zu normal. Ich wandte mich wieder ab und richtete meine Aufmerksamkeit nunmehr wieder auf meinen Patron. "Salve patronus, und entschuldige meine vorwitzige Sklavin. Es ist ihr erster Besuch in einem anderen Haushalt", sagte ich entschuldigend und hoffte, dass damit die Sache gegessen sein würde. "In der Tat ist unser letztes Treffen lange her. Es gab allerdings auch nichts zu berichten, was du nicht ohnehin bereits vor mir erfahren hättest. Die Neuigkeit, die Rom seit dem Morgen bewegt, wird dein Ohr gewiss auch schon erreicht haben", fuhr ich fort und spielte damit auf den Kaisertod an, der auf dem forum publik gemacht worden war. Meine eigene Wahlkandidatur stellte ich hinten an, sie war im Vergleich zu den sonstigen Geschehnissen von viel zu geringem Stellenwert.