Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Zitat

    Original von Lucius Iunius Silanus
    Und genau daran wirds wohl liegen. Eine Menge Leute wollten sich wieder einmal wichtig machen und haben sich eingemischt. ;)


    Ich mische mich in der Tat ein, wenn Dinge über mich in Umlauf gebracht werden, die der Unwahrheit entsprechen. Soviel mal dazu. ;)
    Lösungen wurden bereits vorgebracht: Aristides und Epicharis bieten den erwünschten Ausweg, der bei den Betreffenden Zustimmung findet. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Menecrates die beiden Spielerinnen tatsächlich zwingen will, die IDs aus dem Spiel zu ziehen. Das wäre niederträchtig, und ich halte ihn eigentlich für vernünftig, wenn schon nicht kompromissbereit. Im Grunde hätte jeder was davon: Die Sklavenspielerinnen ihren Spielspaß und Menecrates endlich die von ihm gewünschte Ruhe.

    Bei allem Respekt Corvus, eine friedliche Lösung im Fall Fiona/Minna wäre wünschenswert gewesen, aber scheint allmählich Wunschdenken zu sein. Eine Menge Leute haben sich die Finger wund getippt für eine für alle Seiten akzeptable Lösung, aber gegen einen Tunnelblick kommt man so leider nicht an. Deplorabel.

    Es kam ein Hilferuf nach gescheiterter privater Klärung. Im Zuge dessen verwies man auf Neutralität der Spielleitung hierzu und bat die User, sich doch bitte selbst zu einigen, was nach meinem Kenntnisstand bis dato allerdings nicht geglückt ist.


    edit: Fionas Posting kann man allerdings entnehmen, dass es ihr vielmehr um die allegemeine Situation geht denn um ihre eigene.

    "Als Patrizier kann man sich eine Liebesheirat nur sehr selten leisten, Cadhla", erwiderte ich und vermochte den bitteren Unterton nicht gänzlich aus meiner Stimme zu verdrängen. Arrangierte Ehen waren nun einmal üblich. Nur selten hatte man das Glück, dass seine Liebelei jener gens angehörte, mit der man ein politisches Bündnis eingehen wollte. Was mich wieder nachdenklicher werden ließ, denn immerhin erwartete man auch von mir, dass ich mir bald eine Frau nahm. Nur wer kam in Frage, nachdem die Claudier für mich nun ebenfalls wegfielen? Allzu viele Möglichkeiten gab es da nicht mehr. Ich verdrängte den Gedanken daran, was mir angesichts Cadhlas Zusagen auch nicht schwer fiel. Ich musterte sie ernst, einen melancholischen Ausdruck auf dem Gesicht. Die kräftige Rothaarige. Sie würde bestimmt oft siegen, nur was, wenn sie einen zu hohen Preis würde bezahlen, was wenn sie einen flüchtigen Moment lang nicht auf ihre Deckung acht gab und niedergestreckt wurde? Mir ging es nicht um die Investition hierbei. Vielmehr hatte ich die Sklavin lieb gewonnen. Sie sollte ihren Lohn für ihre Loyalität erhalten, wenn es soweit war. Ich nickte schließlich. "Also gut, dann ist es eine beschlossene Sache. Du wirst in einer Gladiatorenschule ausgebildet werden. Ich werde Matho damit beauftragen, eine geeignete zu finden." Vorzugsweise hier in Rom, damit ich ihre Fortschritte auch würde begutachten können.


    Stille folgte, und obwohl die Situation nicht im Ansatz amüsant war, so musste ich dennoch schmunzeln, als sie die Metapher mit dem Pferd erwähnte. "Nun", sagte ich und lächelte. "Ich glaube, in meinem Fall würde ich ohnehin eher einen weiten Bogen um das Tier machen als wieder aufzusteigen." Meine Aversion gegen Pferde war gewiss nicht unbekannt in der Sklavenschaft. Wie oft sie zu Scherzen und Flachs führte, wusste ich zwar nicht abzuschätzen, aber dass sie zum Amusement gereichte, war mir nur zu klar. Dennoch sträubte sich alles in mir, das zu ändern. Ich sah Cadhla an, nahm sie nun wieder vollwertig wahr und war mir auch ihres Körpers - und ihrer Sitzposition - bewusst. Das Gespräch verlor zudem allmählich wieder an Ernsthaftigkeit, was dazu führte, dass in dieser Situation andere Dinge wieder in den Mittelpunkt meines Denkens rutschten. Mit dem Unterschied, dass sie mir nun unangebracht schienen. Ich klopfte ihr zweimal mit der flachen Hand auf den Oberschenkel. "Wie sieht es aus, trinkst du noch einen Becher Wein mit mir oder möchtest du lieber allein sein?"

    Die Lippen schürzten sich im Verständnis, als ich den Kopf neigte ob der Worte Gracchus’. Letztendlich blieb es unser Umfeld, was uns beurteilte, kritisierte und vom Taugenichts zum angesehenen Mann erhob. Die Welt, wie sie einen jeden von uns sah, war ein Teil unseres Seins. Es schien keine passende Antwort auf Gracchus’ Formulierung zu geben, zumindest wollte mir keine in den Sinn kommen, und so schwieg ich, versonnen in meinen Gedanken und den Blick nachdenklich auf ihm ruhend. Das Gespräch hatte eine ebenso unerwartete wie jähe Wendung genommen, wie ich ein wenig verwundert feststellte. Hinfortgeweht war der Sturm, in welchem Gracchus in die villa gesegelt war, und was zurückgeblieben war, ähnelte am ehesten einer sanften Brise in der Abenddämmerung. Ich hob einen Mundwinkel und sagte schlussendlich doch noch etwas dazu, unterbrach so die mir unbewusste Musterung seitens meines Besuchers. „Man sagt zwar, dass die Kunst des Lebens darin bestehe, zu lieben was man tut, statt zu tun was man liebt, doch habe ich selbst bisher die Erfahrung gemacht, dass das Sein leichter ist, wenn man beides beherzigt und nicht nur eines.“ Und auch, wenn ich in einem Punkt damit gehörig auf die Nase gefallen war, so bemühte ich mich doch, nicht nur die Pflichten zu erfüllen, die meine Position innerhalb der Familie und auch innerhalb der Gesellschaft mit sich führte, sondern versuchte gleichsam, das zu tun, was ich gern tat – auch, wenn dies selten nur möglich war. Gracchus würde schon verstehen, wie ich es meinte.


    Auf seine erneute Beteuerung hin erwiderte ich nichts. Ich war nicht sonderlich nachtragend, und angesichts der Umstände, die Gracchus hierher geführt hatten, war ich nicht gewillt, ihm einen Vorwurf zu machen. Zudem baldig eine Verbindung unserer beider Familien anstand, und ein Zwist keine gute Basis hierfür war. Danach stand mir nicht der Sinn. Ein erheitertes Schmunzeln zeigten meine Züge, kaum dass Gracchus auf seine Entgleisungen in meiner Gegenwart anspielte. “Dies ist auch meine Hoffnung, doch ich glaube nicht, dass es allzu viele Punkte gibt, die wir absolut gegensätzlich betrachten.“ Vermutlich gab es sogar gar keine. Zumindest keine, welche den Senat tangierten. Immerhin schienen wir auch der gleichen Auffassung zu sein, was die Familie anbelangte, und Gracchus’ nachfolgende Bemerkung erinnerte mich nur zu deutlich an mich selbst. “Ein Umstand, denn ich vollumfänglich nachvollziehen kann“, bemerkte ich daher und neigte den Kopf ein wenig zur Seite, die Lippen zu einem ebenso feinsinnigen wie beschämten Lächeln verzogen. Nur noch schwach sah man die Schnitte auf meinen Unterarmen und Händen, die von meiner eigenen Entgleisung Helena betreffend zeugten, aber dennoch waren sie vorhanden und erinnerten mich an meine eigene Fehlbarkeit. Doch wohl nichts konnte die Seele eines Mannes so sehr belasten wie die Erkenntnis, keinen Erben zeugen zu können. Obwohl inopportun, brachte ich Gracchus mein tiefstes Mitgefühl hierfür entgegen, doch hütete ich mich davor, ihm das zu sagen. Ich selbst wäre mir erniedrigt vorgekommen, wie musste er sich dann erst fühlen, wo er über die Phase der Spekulation bereits hinaus zu sein schien? Nein, ich schwieg besser. Es langte bei weitem, wenn Gracchus sich seine Gedanken machte, da musste nicht auch noch jemand ihn vor den Kopf stoßen.


    Ich stellte den Glaspokal auf die ebenmäßige Oberfläche des Tischchens, die aus kleinen Mosaiksteinchen in verschiedensten Blauschattierungen bestand, und musterte Gracchus ein weiteres Mal. Es war gewiss keine unglückliche Verkettung von Zufällen, dass Aquilius Gefallen an ihm gefunden hatte, ihn gar liebte. Sie waren sich ähnlich und doch wieder divergent, gleich einer piacevolen Melodie, der man gern lauschte. Dem Umbruch des Gesprächsthemas schloss ich mich, nachdem den Blick losgerissen hatte, gern an, auch wenn ich zweifelnd drein sah. Immerhin konnte mein Vigintivirat nicht ganz so erfolgreich gewesen sein, wie Gracchus behauptete. Gewiss hätte man mich dann für eine Auszeichnung in Erwägung gezogen, was jedoch noch nicht der Fall gewesen war bis dato. „Das ist eine Frage, die ich mir schon eine geraume Weile selbst stelle, wenn ich ehrlich bin. Es ist nicht so, dass ich in Eile wäre. Vielmehr strebe ich danach, meine Aufgaben gewissenhaft zu erledigen, und was meine Position als septemvir angeht, muss ich gestehen, dass ich noch nicht allzu zufrieden mit den von mir erbrachten Leistungen bin. Ich habe mich letztendlich allerdings doch für die Kandidatur zum quaestor entschlossen, da ein Amt im cursus honorum meine Tätigkeit im religiösen Sektor nicht gänzlich ausschließt. Meine Hoffnung hierbei ist, vom Senat in Rom eingesetzt zu werden. So kann ich dem Septemvirat auch weiterhin achgehen. Zudem gedenkt mein Neffe, das freiwillige Tribunat abzuleisten, und wird aufgrund dessen mit Sicherheit die Stadt verlassen. Ich würde ungern meine Basen und Nichten auf sich allein gestellt hier zurücklassen, sollte man mich in einer Provinz sehen wollen.“ Helena, Minervina und Prisca allein unter Sklaven – das konnte nicht gut gehen... Ich verdrängte den Gedanken daran. “Und wie steht es mit dir? Wenn ich nicht irre, käme für dich das Amt des aedilis curulis in Frage. Wirst du dich zur Wahl stellen?“

    "Nun, den hast du auch gefunden", witzelte ich und grinste. Gleichzeitig stellte ich mir die Frage, warum explizit mich der junge Flavius aufsuchte. Dass er in die Fußstapfen seines...Onkels?...Aquilius treten wollte, war wohl das Naheliegendste. "Setz dich doch bitte", bot ich an und wies auf den bequemen Besucherstuhl. Während der Saturnalienfeier hatten wir leider nicht die Gelegenheit, uns eingehender kennenzulernen.


    "Dienstlich gesehen", wiederholte ich und konnte ein Schmunzeln nicht verbergen. Also hatte ich recht gehabt mit meiner Vermutung. Langsam nickte ich. "Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Flavier diesen Weg einschlägt. Die nötigen theoretischen Kenntnisse* besitzt du bereits, nehme ich an?" sagte ich respektvoll und zog eine frische tabula heran. Erstaunt sah ich hernach zu Lucanus auf. "Du scherzt", meinte ich und lächelte. "Wie konnte ich einen ambitionierten jungen Mann aus gutem Hause einfach wieder fortschicken? Hast du bereits Vorstellungen, in welchem Tempel du später eingesetzt werden möchtest? Je nach dem werde ich diesen Wunsch bei der Organisation deiner Prüfung berücksichtigen."



    Sim-Off:

    * probatio rerum sacrarum I

    Sivs Nervosität war nicht nur sichtbar, sondern auch deutlich zu spüren. Die vielen kleinen Gesten, die nur unfertig oder viel zu schnell ausgeführt wurden, sprachen Bände. Instinktiv machte sie es richtig und folgte mir in nur wenig Abstand, und ich beglückwünschte mich zu der Entscheidung, sie mit hierher genommen zu haben. So konnte sie lernen, wie sie sich außer Haus verhalten sollte, ohne dass ich gleich dumm dastehen würde. Ihr Hinweis, der ianitor habe mich gefragt, verblüffte mich einigermaßen. Stets hatte ich es als gegeben hingenommen, wenn Sklaven ankündigten, erklärten oder baten an Stelle des eigentlich gemeinten. So wurde es erwartet und so musste man es machen. Da würde sie also nicht drum herum kommen. "Das hat er zwar, aber du solltest antworten. Das ist eben so", erwiderte ich. Sivs anschließender Fluch amüsierte mich, meine Mundwinkel zuckten.


    Der Sklave verließ uns kurz darauf, um Hungaricus Bescheid zu geben, und so fanden Siv und ich uns also im atrium wieder. Ob ihres bösen Blickes verkniff ich mir das breite Grinsen mit letzter Mühe, musste aber dennoch leise lachen, als sie vom Lernen sprach. "Ein Geist, der das Lernen aufgegeben hat, rostet ein, Siv. Du solltest froh darüber sein, wenn du noch Dinge findest, die du lernen kannst", erwiderte ich und lächelte sie flüchtig an. Ihre Hände schienen eine ganz eigene Vorstellung davon zu haben, was sie tun wollten, und ich lehnte mich zu Siv und sagte aufmunternd: "Sei einfach aufmerksam und entspannt, Siv, das ist alles."

    Ohne Vorwarnung riss Pyrrus die Tür auf und beugte sich hinaus. Er hatte nahe der Tür gestanden, was ihn dazu befähigt hatte, die Klinke bereits zu drücken, als das Klopfen noch nicht volltständig verklungen war. "Hä?" fragte er nun und musterte den Klopfer von oben bis unten. Als er unten angekommen war, erspähte sein geschultes Auge den Elfenbeinhalbmond, und augenblicklich wurde Pyrrus' Gesichtsausdruck eine Spur freundlicher. "Oh. Äh. Salve. Komm rein."


    Er hielt dem Flavier die Tür auf und schloss sie mit einem gezielten Fußtritt wieder, ehe er sich wieder an die Wand neben der Tür lehnte und zu mir hinübersah. Ich selbst saß am Schreibtisch zwischen einigen tabulae, warf Pyrrus einen tadelnden Blick zu und erntete hierfür ein Schulterzucken. Meinen Besucher kannte ich von der Saturnalienfeier der Flavier. Umso überraschter war ich, dass er nun hier war. "Flavius Lucanus", sagte ich und legte den Griffel fort. "Das ist aber eine Überraschung. Wie geht es dir? Und was kann ich für dich tun?"

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    Matho rollte entnervt mit den Augen, als nun auch noch Leone durchs atrium brüllte. "Dich hab ich auch nicht gerufen!", brüllte er zurück, und die Ader an seiner Schläfe pochte deutlich ob des Missfallens, welches sich allmählich anstaute. Dämliche Kanalratte, dachte er sich und wandte sich wieder zu den anderen, als Sertorio endlich ankam.


    "An deiner Stelle würd ich beim nächsten Mal als erster hier stehen, sonst kannst du eine Woche im Stall nächtigen", grollte Matho dem Neuankömmling zu. Brix sah er nur an, und als er sich erneut die versammelte Bande besah, entdeckte er auch Alexandros zwischen den anderen, der gerade Hektor einen verträumten Blick zuwarf. Matho rollte mit den Augen und schloss sie dann, um sich zu sammeln. "In einer Reihe aufstellen", kommandierte er und verfluchte die rothaarige Keltin, die immer noch fehlte. Kaum einen Herzschlag später verschränkte er die Hände auf dem Rücken und begann, vor den anderen auf und ab zu gehen.


    "Dieses Haus ist ein Patrizierhaushalt. Die Herrschaften leben hier, sie arbeiten hier und hier machen sie auch Dreck. In diesem Haus sollte es dennoch weder Staub noch Schmutz oder anderen Unrat geben." Mathos Stimme hatte stetig an Intensität zugenommen, und nun blieb er stehen und warf feurige Blicke unter seine Mitsklaven. "Und was", bellte er anklagend und hob den rechten Zeigefinger, um ihn nach kurzer Verweildauer auf die Ecke zu richten, "ist dann bitte sehr DAS DA?!"


    In der Ecke lag ein winziges Stückchen angeschimmeltes Brot. Der Schimmel zeugte davon, dass es schon eine Weile dort liegen musste. Da sich von den Herrschaften allerdings niemand je in einer Ecke hinter einer Statue aufhielt, musste es noch von der kleinen Sisenna stammen. Für Matho allerdings kein Grund, milde zu sein. "Ich will", fuhr er fort und begann nun wieder mit dem Auf-und-ab-gehen. Er wäre gewiss ein formidabler centurio geworden. "Ich will, dass ihr sofort eure Hintern bewegt und das Haus auf Vordermann bringt. Ab heute befindet sich diese villa in einem Ausnahmezustand. Und zwar im Frühjahrsputz-Zustand. Habe ich mich klar ausgedrückt? Ihr werdet putzen, kehren, wienern, fegen, wedeln, reinigen und polieren, was das Zeug hält. Dafür habt ihr zwei Tage Zeit - und ich rede nicht nur vom atrium, sondern von sämtlichen Zimmern in diesem Haus. Verstanden?"

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    Ein frostiges, geringschätziges Lächeln umspielte Mathos Mundwinkel, als er Siv und Sofia anrücken sah. Die beiden Taugenichtse kamen also mal zuerst...öfter mal was Neues? Er runzelte bei Sivs Frage die Stirn, musterte sie knapp und erwiderte - nichts. Schließlich wollte er nicht zehnmal das Gleiche erklären. Außerdem verstand sie eh nur die Hälfte, wenn überhaupt.


    Matho sah, wie die Neue zu den anderen trat. Im gleichen Moment brüllte ihm jemand unvermittelt ins Ohr. Der maiordomus schloss entnervt die Augen und zuckte nur einmal kurz mit der Wimper. Was für ein Sauhaufen. Manchmal überlegte er wirklich, seinen Posten freiwillig an den Nagel zu hängen. Andererseits war es doch hin und wieder eine wunderbare Genugtuung, wenn er Strafarbeiten nach Gutdünken austeilen konnte. Matho spießte Hektor zwar mit einem Blick eine Klinge durchs Herz, reagierte aber sonst nicht weiter auf diese Unverschämtheit. Griechen waren eben doch Barbaren.


    Gallier scheinbar auch. Matho sog überrascht die Luft zwischen den Zähnen ein, als sich ein unvermittelter, punktförmiger Schmerz in seinem Nacken ausbreitete, fuhr herum und erspähte Caelyn, die Vorlaute. Er schnaubte verächtlich, ließ sich aber auch hier zu keinem weiteren Kommentar herab. Gerade traf Tilla ein. Die Göre, die überall ihre Spielsachen herumliegen ließ. Erst neulich wäre um ein Haar jemand auf dieser dämlichen Murmel ausgerutscht, die still und verlassen im tablinum gelegen hatte. Dina war inzwischen auch da. Wer fehlte? Dieser nichtsnutzige Sertorio, die Keltin, Brix, Saba und der Knabe. Na prima. Mathos Kiefer mahlten aufeinander. Er hatte dafür nun keine Geduld. "Was ist mit den anderen?" grollte er eine Frage an alle Anwesenden und verschränkte erneut die Hände vor der Brust.

    Kurz ruhte mein Blick auf der nervösen Sklavin, streifte den Sklaven schräg neben uns und wanderte hernach hin zu dem ianitor, welcher soeben geöffnet hatte. Siv schien einen Frosch verschluckt zu haben oder aber war sich nicht darüber im Klaren, was sie zu tun hatte. Kurz fragte ich mich, ob sie denn tatsächlich bisher mit keinem Sklaven über Aufgaben und Pflichten während eines Besuchs gesprochen hatte, doch dann trug ich kurzerhand selbst mein Anliegen vor, ehe der arme ianitor sich gänzlich die Beine in den Bauch stehen würde. "Vortrefflich, ihn wünsche ich auch zu sprechen."


    Derweil wir dem Sklaven (an dem anderen Sklaven vorbei :P ) ins Innere des Hauses folgten, raunte ich Siv im Gehen einige Worte zu. "Beim nächsten Mal bist du dran. Hier bin ich bekannt, der Senator ist mein Schutzherr, also war es nicht so schlimm, dass du nichts gesagt hast. Du wirst das alles schon noch lernen." Ein flüchtiges Schmunzeln in ihre Richtung später, setzte ich wieder die leicht besorgte Miene auf, die ich seit der Nachricht vom Tod des Kaisers trug.

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    Es klopfte kurz darauf, und Brix trat ein. Er deutete sogleich eine Verbeugung an und richtete dann seine Worte zuerst an beide Anwesenden, hernach an den Arzt. "Entschuldigt die Störung, ich bin auch gleich wieder fort. Ich soll dir nur ausrichten, dass der Hausherr dich nach deinem Besuch bei der domina zu sprechen wünscht, Herr. Ich werde vor der Tür warten, um dich später zu ihm zu bringen. Lass dir ruhig Zeit", sagte Brix und lächelte flüchtig. Dann war er auch wieder hinaus.

    Ich zog erstaunt eine Braue hoch, als der Fremde sich als Decimus vorstellte. Mein Blick glitt zu Lucilla hin und wieder zurück zu dem Decimus. Sie schienen nur entfernt verwandt zu sein und sich nicht zu kennen, sonst wäre sie ihm zuvor nicht so an den Karren gefahren. "Da geht deine Schätzung in die richtige Richtung", bemerkte ich mit einem schiefen Grinsen.


    Kurz darauf war Schweigen geboten, denn die Konsuln betraten die rostra. Vom einen auf den anderen Moment herrschte eine beinahe unnatürliche Ruhe auf dem Platz, und als einer der beiden zu sprechen begann, hallte seine grave Stimme effektvoll über die Köpfe fer Leute auf dem forum hinweg. Die Worte indes waren wie ein Schlag ins Gesicht. Der Kaiser war tot. Es stimmte. Es war wahr. Meine Brauen zogen sich besorgt zusammen, der Mund formte eine flache Linie. "Ihr Götter..." murmelte ich und schüttelte nachdenklich den Kopf. Gewiss würde man den Caesar nun zum Kaiser aufrufen, doch wenn die Gerüchte stimmten, die in Rom das Tagesgeschehen bereicherten, war auch er nicht gerade von bester Gesundheit. Wohin sollte das führen? Vor meinem inneren Auge sah ich bereits die ersten Machtkämpfe sich anbahnen und stattfinden. Wäre der Caesar kräftig und gesund, würde es soweit vermutlich gar nicht erst kommen. Immerhin war er ein Feldherr und konnte vermutlich mühelos die militärische Stärke Roms um sich scharen, um nötigenfalls zu erzwingen, was ihm gebührte...


    Ich dachte noch nach, während um uns herum bereits wieder Tumulte ausbrachen. Der Kaiser hatte mich persönlich zum Tribunen der legio secunda ernannt. Er war ein guter Mann gewesen, ein fähiger... Sein plötzlicher Tod stellte nun alles in den Schatten, begonnen bei der Zukunft des Kaiserhauses und endend mit der Wahl. Die Wahl... Ein Gespräch mit meinem Patron war angesichts dieses Wandels zwingend notwendig. Irgendwo am Rande meines Gesichtsfeldes plapperte Lucilla optimistisch drauflos, und auch der Decimer bewegte seinen Mund. Nicht weit entfernt ritten zwei Prätorianer vorüber, irgendwo weinte ein Kind und man hörte selbst einige Hühner gackern - es war das perfekte Chaos, und ich wie betäubt mittendrin. Rom war im Wandel inbegriffen. Wir Aurelier waren schon immer kaisertreu gewesen. Was würde folgen? Wer würde folgen?

    Eine ganze Weile war verstrichen seit meinem letzten Besuch in diesem domus. Heute stand ich jedoch vor der porta. Ich hatte Siv im Schlepptau. Irgendwann würde sie lernen müssen, wie man sich verhielt, wenn man zu Besuch war. Meinen Patron schätzte ich so ein, dass er eventuelle Fehltritte ihrerseits nicht allzu sehr kritisieren würde, also hatte ich es für eine gute Idee gehalten, sie neben den beiden Leibwächtern ebenfalls mitzunehmen.


    "Du brauchst nicht zu klopfen", sagte ich zu ihr und deutete auf den Mann, der mit seinem Sklaven bereits neben der Tür stand. Er hatte eben schon geklopft. Es war an sich auch kein Wunder, dass Hungaricus' Wohnsitz eine beliebte Anlaufstelle für seine Klienten war. Indes war ich nur froh, dass ich andere Auflagen hatte, was persönliches Erscheinen anbelangte. "Du kannst dich an den anderen Sklaven orientieren", fuhr ich zu Siv gewandt fort und strich über eine der Falten meiner toga. Zu Anfang war sie mir lästig erschienen, unpraktisch und umständlich. Inzwischen hatte ich mich an dieses Kleidungsstück jedoch so gewöhnt, als wäre es eine zweite Haut. Dennoch kam es ab und an vor, dass Falten einfach nicht richtig saßen.