Und welcher Flavius ist das?
[SIZE=7]Ich finde ja, er hat ein wenig Ähnlichkeit mit Gracchus... [/SIZE]8)
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Einer kleinen Prozession gleich hatten sich all jene des aurelischen Hausstandes, die Zeit und Muße gefunden und sich wohl genug befunden hatten, auf den kurzen Weg bis zum flavischen Anwesen gemacht. Bereits der Weg, den man der Einfachheit halber ebenso wie der Gemeinsamkeit wegen zu Fuß zurückgelegt hatte, waren Neckereien und Witze ausgetauscht worden. Geplant war, dass die heitere kleine Festgesellschaft - die Familie mit den engsten Sklaven - sich bei den Flaviern mit eben jenen und den Claudiern vereinte.
Die porta war dieses Mal nicht von dem grimmigen Miesepeter besetzt, der sonst die Tür hütete und Bettler wie Unentschlossene davon fernhielt. Ich nannte den Namen meiner Familie, und sogleich wurden wir weitergeleitet. Die genauen Blicke des behelfsmäßigen ianitor bemerkte ich nicht einmal. "Dass du mir keine Schande machst", raunte ich Ursus zu, grinste dabei aber und schenkte ihm sogar ein scheinbar ausgelassenes Zwinkern. Kurz darauf nahm man und Mäntel und Umhänge ab, und unsere Mitbringsel wurden etwas abseits seicher verwahrt.
Das atrium war prächtig dekoriert, wohin man sah, erblickte man Grün und viele kleine Säcklein. Einige Sklaven waren bereits anwesend, ich erkannte auch Aquilius' Sklaven, welcher rund zweitausend Jahre später gewiss mit Haarwachs und Bügelfalte ausgestattet gewesen wäre. Unsere Festgesellschaft strömte nun also in den Raum hinein, brandete seitlich am impluvium vorbei und kam dann zu einem Halt. "Bona Saturnalia!" grüßte ich einfach munter in die Runde aus bekannten und unbekannten Gesichtern.
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Mit einer sauberen, aber mehligen Schürze betrat Niki das triclinium und erfasste die Gäste mit einem Blick. An Ursus' Gesicht blieb sie hängen und trat ein paar Schritte näher. Der Besuch der Köchin selbst im Esszimmer war selten. Sie räusperte sich. "Verzeih, dominus, aber ich dachte, es wäre von Belang für euch, dass der Hausherr sich soeben einen Sud gegen Übelkeit hat bringen lassen. Err... Vermutlich wird er daher nicht zum Essen kommen, tippe ich." Niki lächelte schief und wollte sich gerade wieder verabschieden, als Naavi eintrat und sich zackig verbeugte. "Ffo ift daff. Der dominuff bittet um Entfuldigung. Aber....angefichtf der vielen Ffpückchen, die auf dem halben Boden feinef Tfimmerf verftreut darauf fffmachten, daff fie jemand aufwifft... ift ef wohl wirklich beffer, wenn ihr nicht auf fein Erfeinen wartet."

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Nach dem Gespräch mit Helena hatte ich eigentlich in mein Arbeitszimmer zurückkehren wollen. Doch dort angekommen, war mir nach allem, nur nicht nach dem Wälzen von Schriften, dem Vergleich von Angeboten oder dem Lesen von Berichten. Ohne mich zu setzen, machte ich gleich wieder kehrt und verließ die bereit liegenden Arbeiten unangetastet.
Eine Weile wanderte ich in der villa herum, nach Zerstreuung suchend. Doch nichts und niemand war anzutreffen, abgesehen von Arsinoe, die mich kurz im Vorübergehen anlächelte und dann ihren Weg in die Waschküche fortsetzte. Schließlich trugen mich meine Füße in mein cubiculum. Es schien ganz so, als hätten sie sich mit meinem Unterbewusstsein abgesprochen. Drinnen herrschte tristes Halbdunkel. Ich schloss die Tür und lehnte mich schwer an das kühle Holz des Türblatts. Ein tiefer Seufzer kam über meine Lippen, und ich gab mir keine Mühe mehr, die Fassade aufrecht zu erhalten. Der Hinterkopf ruhte am Holz, die Augen waren geschlossen. Meine Lippen schmeckten noch nach dem Kuss Helenas, meine Ohren klingelten von ihren Worten, und in meinem Geist schwappten die harschen Worte von Ursus allmählich wieder an die Oberfläche. Der Kloß, befindlich in meinem Halse seit dem Betreten von Helenas Gemach, wuchs auf unerträgliche Große an.
Ich stieß mich von der Tür ab, gestattete diesem Durcheinander nicht, herauszubrechen und wollte ihm auch keine Möglichkeit geben, über Umwege zu erreichen, was es beabsichtigte. Ich schleppte mich träge zu der kleinen Kommode, auf welcher die Waschschüssel stand, blieb vor ihr stehen und stützte mich mit der Rechten neben dem Spiegel an der Wand ab. Was tat ich nur? Helena? Allein der Gedanke an Eventualitäten war verboren und gehörte verbannt. Ursus? Verdammt noch mal, er war mein Neffe! Verdiente er da nicht, dass ich Milde walten ließ, dass ich nachgab? Und Deandra? Herrje, wir waren zu Fremden fürienander geworden, obgleich sie doch einst meine Schwester gewesen war! Mühsam quälte sich der Atem an dem Kloß vorbei, der in meinem Halse feststeckte. Stoßweise presste ich ich die Luft hinaus. Der stützende Arm zitterte marginal, mein Körper krampfte. Warum nur zerbrach alles um mich herum, wo ich doch genau das zu verhindern suchte? "Warum?!" Wieso war Ursus mir gram, warum verstand er nicht? Wie konnte Helena mich nur vor eine solche Prüfung stellen, warum misstraute mir Aquilius, weshalb empfand ich nur mehr Zuneigung für Deandra und nichts weiter, wieso schien mich Prisca zu meiden und, verdammt noch mal, Vater, "Warum hast du mich verlassen?" Gepresst waren die Worte, ein Zugeständnis an mein scheinbares Unvermögen, die Familie zusammenzuhalten.
Ich schnaufte und zog geräuschvoll die Nase hoch. Wen scherten schon sittsame Tugenden, es war ja ohnehin niemand zugegen. Nur der bleiche, weinerliche Mann im Spiegel, der sich an der Wand abstützte, um nicht vollends zu fallen. Zu fallen wie ein Unfähiger, der es nicht anders verdient hatte. Wie jemand, der bereits alles verloren hatte. Dem es nichts ausmachen würde, auch noch sich selbst zu opfern. Hasserfüllt starrte ich mein Spiegelbild an, schnaufte wie eine alte Matrone beim Treppensteigen. Alles zerfiel! Nichts war von Bestand, wenn es mich betraf. Wenn ich die Finger im Spiel hatte. Es war zu viel! Zu viel! Ich wünschte mir Aquilius herbei, doch allein Kraft meiner Gedanken würde er nicht erscheinen. Nur das Spiegelbild leistete mir Gesellschaft, schien mich mit seinen heißen Tränen auf dem wutverzerrten Gesicht zu verhöhnen.
Es klirrte. Es schepperte und krachte, als ich das vierte Mal mit der baren Faust auf den stattlichen Spiegel einhieb. Rot verschmierte Scherben regneten gen Boden und bildeten ein Mosaik, das mich gleich tausendfach zeigte. Ich brüllte wie ein Berserker, doch nicht vor Schmerz, sondern in Raserei, bis meine Stimme aufgab. Matho stürmte herein, verschwand jedoch gleich wieder, als er mein Gebärden erlebte. Meine Knöchel waren aufgeplatzt, die Hand und der Unterarm von Schnitten übersäht. Und allmählich, tatsächlich, wich das Gefühl, das mich in die Zerstörung getrieben hatte. Bitter lächelte ich, als ich an den unschuldigen Tisch dachte, der Aquilius zum Opfer gefallen war. Siehst du, Caius, nicht nur du bist bisweilen schwach. Die Anspannung wich, zurück blieben Leere und dieses verdammte Selbstmitleid. Ich lehnte mich an die Wand neben der Kommode, legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen. Blut tropfte rhythmisch von meiner linken Hand, und ganz allmählich beruhigte ich mich soweit, dass auch der Schmerz an Relevanz gewann. Ich zitterte, teils vor Anstrengung ob des inneren Zwangs, der mir Beherrschung gebot. So stand ich einfach nur da und versuchte, meinen Herzschlag zu beruhigen.
Sim-Off: reserved
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Mechanisch waren die Bewegungen, mit denen sie ihren Mantel schloss. Geübt, doch vermutlich nicht gewollt. Oder doch? Ich wusste es nicht. Ich schien gar nichts mehr zu wissen. Frauen, Marcus. Das liegt daran, dass sie eine Frau ist. Obwohl sich das so selbstverständlich anhörte, zweifelte ich doch an meinen eigenen Gedanken. Warum kam ich denn dann mit vielen weiblichen Personen so gut zurecht, nur mit jenen nicht, bei denen Gefühle eine Rolle - welche auch immer - spielten? Rätselnd betrachtete ich Helena, die sich gürtete und mich dann ansah. Kalt. Emotionslos. Oder nur beherrscht und resigniert? Meine Augen verengten sich etwas. Sie wirkte so gefasst. Hatte sie mich nicht verstanden?
Es schien nicht so. Sie ging schließlich zur Tür, öffnete sie und wartete darauf, dass ich ging. Noch stand ich wie angewurzelt da, nur einen Moment. Dann straffte ich mich etwas und setzte mich recht lahm in Bewegung. Auf ihrer Höhe blieb ich stehen, sah sie unverwandt an und bedauerte den Ausgang dieses, nun ja, Besuchs, denn als ein Gespräch konnte man das kaum bezeichnen. Ich hob die Hand und strich ihr flüchtig über die Wange. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sie den Kopf wegdrehen oder zurückbiegen würde, doch sie ließ es einfach geschehen und wirkte dabei...nun, gar nicht. Ich zog eine kurze, bedauernde Grimasse, dann ließ ich sie allein.
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Ich wusste mit Bestimmtheit zu sagen, dass Cadhla noch nicht oft geküsst hatte. Sie war zaghaft, beinahe übervorsichtig, so schien es. Nichtsdestotrotz schmeckte sie nach mehr als einem einzelnen Kuss. Ob es ihr ähnlich gehen mochte? Ihrem Arem nach zu urteilen, musste es der Fall sein. Hätte ich geahnt, woran sie dachte und wie mein Neffe sich scheinbar einen Kehricht darum scherte, was ich gesagt hatte und was nicht... Doch ich war arglos, und es wäre auch unklar gewesen, wie ich in jenem Moment reagiert hätte, wenn ich es gewusst hätte.
Der Ausdruck in Cadhlas Augen spiegelte Verwunderung wider, aber auch das gewisse Etwas, das ein Mann stets zu deuten vermochte - selbst wenn es eigentlich gar nicht vorhanden war, was natürlich hier nicht der Fall war. Ich sah es schließlich ganz deutlich. Feucht glänzten ihre Lippen, und auch die Zungenspitze, die darüber fuhr, lockte verführerisch und lud ein, ein zweites Mal von ihr zu kosten. Ich kam ihr abermals nahe und spürte ihren Atem auf meiner Haut, der meine Nackenhaare sich aufrichten ließ. Meine Hände gaben ihren Kopf frei und legten sich locker um sie herum und auf ihren Rücken. Ihre Frage vernahm ich mit einem Schmunzeln, ich hatte allerdings gleich eine Antwort parat. "Finde es heraus", erwiderte ich leise und ließ meine Lippen wieder ihren Mund streifen. Immer noch hockte ich vor ihrem Sessel, der dominus vor seiner serva, die jedoch keine war in diesem Augenblick der keimenden Begierde. Cadhla war gleichsam eine Frau, sie war vermutlich verängstigt und unerfahren, und zugleich doch neugierig und vielleicht gar experimentierfreudig. Ich würde es ergründen.
Der Atem strich an ihrem Kinn entlang und die Augen halb geschlossen, wartete ich auf den Moment, in dem sie sich entscheiden würde, ob sie auf das Angebot einging oder es - verängstigt oder angewidert - abschmettern würde. Dunkelheit umfing uns, hatte uns verschlungen und umschmeichelte uns, wie sie gleichsam auch meinen Wunsch zu verbergen schien, Cadhla von ihrem Sessel herunter auf meinen Schoß zu ziehen. Eine seltsame Situation, die allerdings auch eine Menge für sich hatte...
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Für Intuitionen mochte ich einen Sinn haben, wenn auch keinen besonders stark ausgeprägten, doch für weibliche Intuitionen fehlte mir im Grunde das Denkvermögen. Helena zog eine kurze Grimasse und näherte sich mir dann wieder. Ihre nahe Anwesenheit brachte mich aus dem Konzept. Nicht etwa wegen der Nähe an sich, sondern weil nicht wusste, was sie damit bezweckte. Ich musste aufpassen, dass es nicht nochmals zu einem Kuss kommen würde. Diesmal war ich gewappnet, doch Helena blieb nur stehen und sah mich an. Ihr Ton war nahezu emotionslos, die Mimik nichts über sie aussagend. Sie war mir schlicht ein Rätsel in jenem Moment.
Ihre Worte klingelten gefährlich in meinen Ohren, und mein Blick fiel auf die einzige Stelle, die sich an ihr bewegte - ihre Hände, die an der Kordel nestelten, welche ihren Mantel an Ort und Stelle hielt. Meine Gedanken waren zäh wie Harz, daher tropfte nur langsam in meinen Verstand, was Helena damit beabsichtigte. Geringfügig erschrocken und weitaus mehr erstaunt weiteten sich meine Augen, als der zarte Stoff bereits fiel und meine Base entblößt vor mir stand, wie die Götter sie geschaffen hatten. Ich heftete meinen Blick auf die Vorhänge, die ich eben schon - unfreiwillig, nun freiwillig - betrachtet hatte. Ihre Worte rieselten an mir vorbei wie Regen, den man ebenfalls nicht mit bloßen Händen einfangen konnte. Meine Lippen pressten sich zu einem Strich zusammen, nur mühsam unterdrückte ich den Impuls, den makellosen Körper nicht näher in Augenschein zu nehmen. Verdammt, Marcus!
Den Blick nun gen Boden gerichtet, bückte ich mich und nahm den dünnen Morgenmantel auf. Schweigend richtete ich mich wieder auf und knautschte den seidigen Stoff zarten Rosés einige Male. Wäre sie meine Cousine nicht gewesen, wäre sie sie nicht gewesen... So aber war sie es, sie war es leibhaftig und sie war es auch, wenn sie kein einziges Stück Stoff am Leibe trug, sie war es ebenso mit nassen Strähnen wie mit frisiertem Haar, und ich liebte sie und liebte sie doch wieder nicht, jedenfalls nicht so. Und nicht so sehr, dass mir gleich gewesen wäre, welchen Frevel ich damit an unseren Ahnen, an unserer Familie üben würde. Meine innere Unruhe, die ob der Situation entstanden war, wich einer künstlichen Ruhe, gespeist aus dem Gedanken an das, was mein Vater hätte sagen mögen über mich und das Verderben, welches ich über meine familia, über meine gens bringen würde, wenn.... Sanft legte ich ihr den kühlen Stoff um die Schultern und hielt den Mantel anschließend geschlossen, ihren Körper nicht mit einem Blick näher musternd währenddessen.
"Traue mir. Traue der Familie. Vor allem aber traue dir selbst, Helena, denn ich vermag dir nichts zu geben, was ein anderer nicht um so vieles besser geben kann. Ich werde stets für dich da sein, so wie ich es immer war. Aber ich kann dir nicht geben, was du glaubst, nur von mir bekommen zu können." Eindringlich war der Blick, mit dem ich die unheimliche Teilnahmslosigkeit in ihren Augen zu durchdringen suchte. Dass - wenn - ich dagegen ankam, so ließ sie micht nicht merken, dass dem so war. Ich ließ sie los, hatte sie eben noch an den Schultern gehalten, den Mantel gerefft. "Ich bin nicht der, den du dir wünschst", fügte ich hinzu und trat einen Schritt zurück. Meine Wange brannte minimal, ob ein Abdruck zu sehen war, konnte ich so nicht sagen, und meine Kiefer hatte ich aufeinandergepresst. Wer hätte auch geahnt, dass dieser Besuch sich als so schwierig herausstellen würde?
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Das innere Ringen Sivs bekam ich nicht mit. Für mich sah es schlicht danach aus, als sei sie ruhig und entspannt, und als würde sich nicht nur billigen, was nun folgte, sondern es gleichsam auch wollen. Die Haare umrahmten verstrubbelt ihr Gesicht, das im Vergleich zur nächtlichen Begegnung nun einiges von seinem larenhaften Zauber verloren, aber dennoch seinen ganz eigenen Reiz hatte. Dem zaghaften, ersten Berühren unserer Lippen folgte ein dünner Atemzug ihrerseits, der sacht an meiner kratzigen Wange entlangstrich. Meine Hand glitt seitlich tiefer in ihr Haar hinein, in den fremdartigen, seidigen Schopf.
Obgleich sonst anderes gewohnt, weil öfter praktiziert, genoss ich dieses langsame Spiel, das sich an allmähliches Erwachen anschloss. Sie schmeckte so unerhört süß, einer Frucht gleich, die genau die richtige Reife zum Zeitpunkt des Kostens besitzt. Meine Hand koste nicht nurmehr, sie bekam auch mehr und mehr einen stützenden Effekt, mittels dem ich Siv an mich drückte. Der Atem beschleunigte sich minimal, ging zugleich schwerer. Sivs warmer Körper tat ein Übriges, und ihm Nu war ich Feuer und Flamme. Kommunikation per gleicher Sprache war nicht so wichtig, denn diese Sprache verstand wohl jeder Mensch, gleich ob Germane oder Römer, ob Nubier oder Syrer, Gallier oder Grieche. Tastend suchte ich die Zartheit ihrer Haut zu erfassen, wo sie mich gewähren ließ, sie gleichsam schmeckend. Was war ein Moment wie dieser schon, wenn man auf stupiden Egoismus aus war? Küsse zogen eine Spur am Hals hinab, suchten die Leidenschaft vollends zu entflammen, falls sie vorhanden war.
Längst nicht mehr schier unbeteiligt neben ihr liegend, sondern den Oberkörper über sie gebeugt und mich abstützend, raubte ich ihr Kuss um Kuss und strich entflammt über die elektrisierende, helle Haut, welche teils diese garstigen Blessuren aufwies. Irgendwann hielt ich inne, barg ihren Kopf in meinen Händen und sah sie einfach nur an. Die blauen Augen, deren Ausdruck ich nicht in seiner Ganzheit zu erfassen vermochte. Ich war noch nie ein Untier Sklaven gegenüber gewesen, und Frauen im Besonderen - zumindest was das Körperliche anging. Selbst mir gegenüber hätte ich mir niemals eingestanden, dass ich bisweilen reichlich ungeschickt im gefühlstechnischen Umgang mit Frauen war. Wenn Siv allerdings nun flüchten wollte, so wäre das nun ihre Möglichkeit. Mit in den Adern rauschendem Blut betrachtete ich das Gesicht der zierlichen Germanin und suchte nach einer Reaktion, die verriet, was sie dachte.
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Die acta diurna begibt sich in die Winterpause
Da viele Mitarbeiter der acta diurna über die Feiertage auf IR-Entzug stehen (müssen), erscheint die nächste Ausgabe der Staatszeitung erst wieder in der Januarmitte.
Die Redaktion
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Ach, doch, daran würde ich mich gewöhnen können. Nicht immer vielleicht, aber so ab und an konnte man ruhig so aufwachen... Dieser katzengleiche Schnurrlaut war mir bereits von anderen Frauen bekannt, auch wenn die wenigsten derart gurrten, wie es Siv tat. Ich nahm spätestens jetzt an, dass sie hellwach war. Dass sie wusste, was sie tat. Sie schmiegte sich meiner Hand entgegen, drehte den Kopf einer Katze gleich hinein. Die auf die Brust gehauchten Küsse sandten Schauer durch meinen Körper, und dies blieb auch sonst nicht ohne Reaktion. Es kam nun auch die zweite Hand hinzu, die, gerade als sie die Augen öffnete, ebenfalls ins Haar langte und sanft mit den Strähnen spielte. Siv richtete sich halb auf und schien im Raum umherzuschauen, ehe sie den Kopf wandte und mich schließlich ansah.
Das Erschrecken in den sich weitenden, noch verschlafen und verwirrt dreinschauenden Augen ließ mich inne halten, und ich sah sie meinerseits schlicht fragend an. Als sie eine ganze Weile nichts sagte, entschloss ich mich dazu, den ersten Schritt zu machen, und so fragte ich sie: "Hast du gut geschlafen?" Ein schiefes Lächeln folgte auf die Worte, und eine Hand sank auf meine Brust, während die andere ihr das wirre Haar aus dem Gesicht und hinter die Ohren strich. Ich hatte Gefallen an ihr gefunden, das durfte ihr gewiss klar sein, und ich ging davon aus, dass auch sie gern hier lag, sonst hätte sie das Kosen schließlich nicht erwidert. Ich bugsierte Siv schließlich mit einer halben Drehung des Oberkörpers und behutsam führenden Händen von meiner Brust und neben mich, stützte mich einseitig mit dem Ellbogen auf und glitt mit der anderen Hand an der Kontur ihres Gesichts entlang, um dann an der Wange zum Liegen zu kommen. Ich beugte mich langsam vor. Was ich zu tun beabsichtigte, war wohl nur zu absehbar....
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"Ah", machte ich verständig und nickte. "Dann werde ich deinen Namen aufnehmen und auf die Liste der Prüflinge setzen. Wo bist du erreichbar? Damit ich dir Ort, Zeit und Umfang deiner Prüfung mitteilen kann, sowie den Namen deines Prüfers."
Pyrrus hatte inzwischen die Akte gefunden, zog sie unter dem ganzen Stapel heraus und legte sie auf den Schreibtisch. Beinahe im gleichen Moment tat es hinter mir trockene Geräusche, als nach und nach alle Papyrusrollen aus dem Fach purzelten und sich auf den Boden ergossen. Ich schloss entnervt die Augen, rührte mich aber sonst nicht. "Ups...""Marcus Fabius Rusticus, ja?" fragte ich dann und griff zu einem stilus, um mir einen entsprechenden Vermerk auf eine tabula zu schreiben. Pyrrus stapelte indes alle Pergamente wieder dort, wo sie ursprünglich auch gelegen hatten.
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Mit leerem Kopf sah ich im Zimmer umher, oder zumindest in dem Teil, den ich von dieser Position aus einsehen konnte. Es war früher Morgen, davon kündeten die Sonnenstrahlen, die träge die schweren Vorhänge vor dem Fenster zu durchdringen suchten. Meine tunica war irgendwie von dem Sessel gerutscht, auf dem ich sie in der Nacht drapiert hatte. Wieder wanderte mein Blick zurück zum faszinierenden Haar Sivs. Abwesend streichelte ich über die weiche Haut, hielt allerdings kurz einen Moment irritiert inne, als Siv ein tiefes Seufzen ausstieß. War sie etwa wach? Flüchtig runzelte ich dir Stirn, strich dann neuerlich über den Rücken, verspielt und in gewisser Weise zärtlich. Wenn sie wach war, hätte sie sich gewiss schon geregt.
Es war für mich unüblich, so lange nach dem Aufwachen noch im Bett zu liegen, aber ich musste zugeben, dass mich dieses Aufwachen doch ab und an reizen konnte. Es war angenehm, einen warmen Körper neben - oder eher auf - mir zu spüren, das gleichmäßige Heben und Senken eines atmenden Wesens. Siv drehte ihren Kopf nun ein wenig, und ich konnte mit einiger Verbiegung das leichte Lächeln sehen, das ihre Mundwinkel umspielte. Kurz darauf begann sie ihrerseits, mich zu kosen. Ein halb unterdrücktes, behagliches Seufzen begleitete das Ausatmen, strich über meine Brust und brachte einige einzelne, abstehende Haare Sivs zum Erzittern. Für einen Moment fühlte ich mich schwerelos, ganz von selbst strich meine Hand weiter am Rücken empor und suchte den Nacken Sivs, um sie dort einer Katze gleich zu kraulen. Dazu musste ich die Haare fortschieben. Die Finger suchten sich einen Weg in den Blondschopf, sachte führen die Fingernägel über die Kopfhaut. Ich mochte diese Art der Zuwendung selbst sehr gern, meine Mutter war mir oft auf diese Weise durch das Haar gefahren. Dass Siv eine Sklavin war, zählte in dieser Situation so gut wie gar nichts für mich. Sie war eben einfach da.
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Mit einem Gefühl tiefer Zufriedenheit in der Brust schlief ich schließlich ein, den Kopf der Sklavin nahe meinem und ihren warmen Körper in meinem Arm dicht an mich gedrückt. Es war selten, dass jemand bei mir schlief und nicht frühzeitig wieder ging. Das güldene Licht der flackernden Öllampe löste alsbald die matte Schwärze der geschlossenen Lider ab, die schwer darnieder sanken und dem Geist erlaubten, auf ungesehenen Schwingen durch den Nebel der Gedanken zu wandeln.
"Ich schlief, ich schlief -,
aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
und tiefer als der Tag gedacht. -"Der Traum... Etwas presste mich an die Wand, bedrohte mich, engte mich ein. Ein Meuchler, ein Halsabschneider? Das Schlechte Gewissen, gar die Angst? Der Orcus... Ursus' Gesicht hatte deandraähnliche Züge. Etwas schnürte mir die Luft ab. Die Lungen brannten, ich konnte nicht atmen. Kühles Wasser umspülte mich, einer Insel gleich, und - kitzelte mich in der Nase?
Und dann drang ein Zwitschern an mein Ohr, und ich öffnete mühsam die Augen, um festzustellen, dass ich nichts sehen konnte. Der Druck um meinen Oberkörper war mir aus dem Traum gefolgt, und irritiert und halb verschlafen suchte ich nach dem Grund für diesen Druck. Zuerst aber musste ich einen Wust aus blonden Strähnen von meinen Bartstoppeln zupfen, aus meinen Augen und dem Mund. Dann fiel es mir wieder ein. Die Sklavin namens Siv, die gestern Nacht in mein Zimmer gestürzt war. Sie war auch der Grund, aus dem sich mein Brustkorb beengt anfühlte, denn sie lag praktisch quer über und halb auf mir. Das Kinn aufs Brustbein gelegt, um etwas zu sehen, jedoch ohne mich zu drehen, betrachtete ich Sivs Hinterkopf und die leblos wirkende Hand, die auf meiner Brust lag. Ein Schmunzeln stahl sich auf meine verschlafenen Züge, und ich bedauerte, dass ich das Gesicht nicht sehen konnte. Vielleicht, wenn ich versuchte, sie herunterzuschieben? Ich richtete mich vorsichtig auf, stützte mich auf die Ellbogen und rutschte leicht zur Seite. Sie bewegte sich plötzlich, und ich hielt inne. Wie der Junge, den man mit den Fingern in der Keksdose ertappt hatte. Noch einmal versuchte ich, Siv von mir herunter zu bugsieren, ohne dass sie erwachte, doch ich sah recht schnell ein, dass das keinen Zweck hatte. Also legte ich mich wieder bequem und begann, gedankenverloren ihren nackten Rücken unter dem Laken zu streicheln.
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Es mochte nicht allzu viel hängen geblieben sein vom in Germanien erworbenen Sprachschatz, aber die Bezeichnung für mein Volk wusste ich schon noch. Der Tonfall, in dem sie mir das Wort entgegenspuckte, war zwar gewöhnungsbedürftig, doch hörte ich auch die nachdenkliche Nuance heraus. Und jene war es auch, die mich schmunzeln ließ. Ich richtete mich seitlich etwas auf und beugte mich dicht an ihr Ohr heran. "Germanen", raunte ich und drehte mich nun wieder so auf die Seite, dass ich ihr gegenüber lag, den Kopf wie sie mit einem Arm stützend und sie aufmerksam ansehend.
"Das macht nichts. Du kannst es jetzt lernen", erwiderte ich. "Frage Cadhla. Sie lernt auch noch und kann dir sicher helfen." Schweigen breitete sich auf unsichtbaren Schwingen im Raum aus und ließ die Flamme der Öllampe leicht flackern. Dies wiederum ließ die Schattierungen auf der hellen Haut und die unterschiedlich goldenen Nuancen im germanischen Haar lebendig schimmern, sich winden und verzerren. Eine Weile beobachtete ich das Spiel aus Licht und Schatten, aus Glanz und Stumpfheit, dann hob ich die freie Hand an Sivs Gesicht und strich ihr über die Wange. "Komm her", sagte ich zu ihr, drehte mich wieder auf den Rücken und legte den linken Arm halb um sie herum. Ich war tatsächlich müde, und etwas Nähe war alles, was ich mir gerade wünschte. Erneut stiegen einige triste Gedanken aus meinem Innersten hinauf. Ich drängte sie zurück, schloss die Augen und steckte meine Nase in Sivs gut riechendes, helles Haar. Behagliche Wärme breitete sich in meinem Körper aus, matte Trägheit machte sich breit. Ich war einfach nur dankbar, ich selbst sein zu können, mich nicht verstellen zu müssen. Und ich war dankbar, dass irgendwer Siv hergeschickt hatte.
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Von der aufkommenden und sich ausbreitenden Leere in ihrem Inneren bemerkte ich natürlich nichts. Von außen war soetwas ja schlichtweg nicht zu erkennen. Irritiert sah ich indes den sanften Schimmer in ihren Augen erlöschen. Schweigen breitete sich aus. Ich sah die Ohrfeige nicht kommen. Sie kam so plötzlich, dass ich nur erschrocken und überrascht dastand und die Arme in vollkommener Perplexität halb seitlich erhoben hatte. Der Kopf ruckte herum, und ich fand mich wieder, wie ich die schweren Vorhänge ansah. Verständnislos wandte ich den Kopf und sah Helena an. Zu verwundert, um etwas zu sagen, starrte ich schlicht.
Schon in der nächsten Sekunde hatte sie ihre Arme um mich geschlungen. Ihr warmer Atem strich an meiner Wange entlang, ich spürte ihre zarten Lippen und stand selbst noch gelähmt und absolut überrumpelt mitten im Raum. Mein Blick suchte den ihren, fand ihn aber ob der geschlossenen Augen nicht. Das Kribbeln, welches Helena nicht spürte, breitete sich dafür allmählich in mir aus. Sie schmeckte verboten, und ohne noch groß darüber nachzudenken, kostete ich die süße Frucht der Versuchung mit nurmehr halb geöffneten Augen, wollten sich meine Arme in begehrlicher Umarmung um den zarten Körper meiner Cousine legen. ....meiner Cousine!
Sie löste sich bereits im gleichen Moment, als ich mir der Tatsache bewusst wurde, was ich da anrichten würde. Der eisige, abweisende Ton wollte nicht so recht zu dem passen, was eben geschehen war, und ich blinzelte irritiert, die Hände langsam sinken lassend. Frauen! Verstand die einer! "Das....ist schade", erwiderte ich ziemlich unoriginell und mit leicht angerauhter Stimme. Sie verwirrte mich, verwirrte mich über die Maßen. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte oder was als nächstes kommen wiüde.
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Ausdruckslos musterte ich meinen Neffen. "Du hast ihn nicht nun, du hattest ihn immer. Und selbst die aktuellen Unterlagen hätte ich dir ohne zu zögern zum Einlesen gegeben, hättest du nur einmal konkret danach gefragt, Titus, so wie du mich nun zum ersten Mal konkret um etwas bittest: Ich lasse es dich wissen, wenn ich Nachricht von Sardinia erhalte. Die Betriebe unserer Familie befinden sich nahe unseres Landsitzes dort, der vilicus kümmert sich gleichzeitig um das Haus, welches ja die meiste Zeit des Jahres leersteht", sagte ich. An dieser Stelle überging ich nun zum vierten oder fünften Mal eben jene Frage, deren Antwort Ursus unter den Nägeln zu brennen schien, weshalb auch immer.
"Du findest Abschriften sämtlicher Korrespondenz älterer Jahrgänge in der Bibliothek, die aktuellen Schreiben lagern in meinem, beziehungsweise Appius' Arbeitszimmer. Ich verstehe dich sogar sehr gut, Titus, nur ist dies das erste Mal, dass du mir konkrete Dinge nennst, in die ich dir Einsicht gewähren oder Erklärungen liefern soll. Dir fällt sicherlich gerade auf, dass ich nicht mit diesen Informationen hinter dem Berg halte, denn in der Tat hast du als Mitglied dieser Familie ein Recht darauf, über solche Dinge bescheid zu wissen. Einzig mit deinen Forderungen, mitwirken zu dürfen, konnte ich nichts anfangen, da weder ich noch - so scheint es mir - du wusstest, was genau du wolltest. Mit einer klaren Bitte indes kann ich etwas anfangen." Und das stimmte so. Ich mochte Ursus zwar nicht allzu viel zutrauen - noch nicht - doch als Aurelier und als mein Neffe insbesonders sollte er durchaus Zugang haben zu den Familienangelegenheiten.
Endlich verstand ich auch, warum Ursus zeitweilig diesen Zorn in sich spürte, den er an mir ausließ. Ich zog einen Mundwinkel nach oben. "Du hast nie den Anschluss verloren. Rede dir das nur nicht ein. Es ist eben so, dass alles anders wird, wenn jemand über den Styx fährt, der einem wichtig war. ....ich weiß, wovon ich rede." Das wusste ich in der Tat. Immerhin hatten der Tod meiner Mutter und der Freitod meines Vaters mich ebenso heruntergezogen und ähnliche Gefühle in mir ausgelöst. Ich schüttelte den Kopf. "Du sollst auch nicht eigenmächtig irgendwo einbrechen, das erwartet auch niemand von dir. Du besitzt natürlich Befugnisse, Titus, aber ungefragt die Arbeit anderer erledigen oder es mit geringem Kenntnisstand zumindest zu versuchen, ist auch nicht das, was ich mir wünsche. Wenn du konkrete Fragen hast, dann frage. So, wie du das eben getan hast. Ich bin der Letzte, der dir dann eine Erklärung verwehrt, und ich denke, Appius sieht das genauso."
Ich seufzte. "Und mein Bild von dir ändert sich beständig. Glaube nur nicht, dass dein Handeln unbemerkt bleibt oder nichts bewirkt. Im Endeffekt kann ich selbst nur hoffen, dass dieser Umstand auf Gegenseitigkeit beruht."
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Eine Braue wanderte selbsttätig nach oben. Sie schien etwas einfach gestrickt zu sein. "Ah. Mir scheint, an deiner Ausdrucksweise muss noch gefeilt werden." So würde man sie nirgendwo mit hin nehmen können. Sie sprach daher wie ein Gassenjunge, und schien dabei nicht gerade auf den Mund gefallen zu sein. Sicherlich würde sie dann auch nicht die Klappe halten, wenn es eigentlich erforderlich war. - Überlegungen, die weiterhin davon ausgingen, dass dies nun meine Sklavin war. Wie Camryn und Cadhla, war Caelyn ebenfalls Keltin. Mir fiel auf, dass die Kelten es scheinbar mit Namen hatten, die mit C begannen und schier unaussprechlich für die römische Zunge waren. Verrückt, dieses Nordvolk.
"Spielst du vielleicht ein Instrument?" versuchte ich erneut, eine befriedigende Antwort aus dem Mädchen herauszukitzeln. Zu irgendwas musste sie schließlich zu gebrauchen sein, sonst hätten mein maiordomus und Brix sie doch nicht gekauft. Ich stutzte. Hatte sie nicht eben gesagt, man habe sie bereits eingeteilt. "Wer hat dir deine Aufgaben zugewiesen?" fragte ich daher forschend.
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"Das war auch meine Vermutung", besätigte ich die Annahme des Aeliers. Was folgte, war eine Erläuterung der Sachverhalte, wie sie mir tatsächlich neu war. Die Überraschung über die vermeintlichen Handlungen meines Klienten spiegelte sich ebenso auf meinem Gesicht wieder wie das Interesse an des Aeliers Berichten über dieselben. Wenn dies den Tatsachen entsprach, würde der princeps nicht lange zögern und ein Ansuchen um Standeserhebeung sogleich abschmettern, überlegte ich. Es bedurfte hier eines neuerlichen Gesprächs mit Albinus.
"Ich danke dir für deine klaren Worte, Aelius", sagte ich schlicßlich und neigte zugleich dankend den Kopf. "Ich denke, nach diesen Informationen ist es sinniger, wenn ich zufürderst nochmals mit Albinus spreche und mir den Sachverhalt auch von ihm schildern lasse. Denn wir beide wissen auch, dass der Kaiser derzeit wichtigeres zu tun hat, als sich mit Standeserhebungsgesuchen zu befassen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Ob dies der Fall sein könnte, werde ich nach einem Gespräch herausfinden. Du wirst dann von mir hören."
Dass Albinus wirklich derart rebellisch vorgegangen war, konnte ich mir nicht so ganz vorstellen, aber schließlich würde ich es schon noch ergründen. Da der offizielle Teil damit sozusagen abgearbeitet war, begann ich mit dem gemächlicheren. "Aelius, hast du nicht einen Architekten? Ich spiele seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, das triclinium zum Garten hin etwas vergrößern zu lassen."
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Ich nickte. "In Ordnung. Dann werde ich das so handhaben. Ich danke euch herzlich", erwiderte ich. Da es sonst scheinbar nichts weiter zu besprechen gab, verabschiedeten wir uns voneinander und Leone geleitete die beiden Liktoren zur Tür.
~ FINIS ~
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"Spätestens, wenn mich mein eigener Gaul abwirft, ist es dann wie damals", bemerkte ich trocken und dachte an meine Reitversuche in Germanien zurück. Das war mehr schlecht als recht gewesen, hatte aber für einfaches Auf-dem-Pferd-sitzen zwecks Emfangskommittee-spielen gereicht, und das war vordergründig Sinn der Sache gewesen. Der Ausflug würde zeigen, ob und wenn ja, wie gut ich mit Aquilius würde mithalten können, wenn er davonpreschte. Den leichten Spott in seiner Stimme, als auch er von Germanien sprach, quittierte ich mit einem Grinsen. Vielleicht, überlegte ich, sollte ich Ursus beim nächsten Mal mitnehmen. Dann war er beschäftigt und kam nicht auf dumme Gedanken. Das würde ich mir noch näher überlegen, nahm ich mir vor. "Ich denke, mein Lieber, dass eher du derjenige sein wirst, der zum Tribunat ausfliegen wirst - sofern du es denn freiwillig absolvieren wirst?" fragte ich. "Straton... Ist das der zugeknöpfte Sklave von vorhin gewesen? So einer mit verbissenem Ausruck auf dem Gesicht? Hat mich an meinen scriba erinnert" fügte ich an, "aber wenn du sagst, dass er Planungsgeschick hat, soll es mir recht sein. Wo hast du ihn denn 'hergeholt'?"
Was er indes über die Ehe sagte, erweckte in mir den Wunsch, beschämt zur Seite zu schauen, doch ich hielt dem Drang stand. Die römische Gesellschaft erwartete nun einmal, dass man sich in gewissem Alter eine Frau nahm, und zudem war in den wenigsten Fällen wirkliche Liebe mir von der Partie, denn die meisten Ehen wurden vorab geschlossen und waren damit reine Formsache. Mein Fall erschien mir plötzlich schwieriger, denn eben wegen der Gefühle hatte ich den Schlussstrich gezogen. Immerhin mochte ich Deandra, konnte nur nicht mit ihr in einer Ehe leben und wollte ihr nicht antun, dass sie wie so viele andere Frauen unglücklich wurde. Ich ging nicht näher darauf ein, in der Hoffnung, dss unangenehme, weil zum Nachdenken anregende, Thema so unter den Tisch fallen lassen zu können. Stattdessen griff ich bereitwillig nach dem nächsten. "Die Saturnalien.... Dieses Jahr ist es bei uns besonders schlimm. Wir haben letztens so viele neue Sklaven bekommen, ich weiß gar nicht, was ich alles besorgen lassen soll. Und untereinander kennen sie sich längst nicht so gut, dass ich mir Tipps holen könnte." Ich zog eine Grimasse. Wegen des Festes musste ich mir auch noch Gedanken machen. Immerhin wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir die Saturnalien nicht bei uns verbringen würden.
Der raubvogelgleiche Blick, mit dem Aquilius mich dann mussterte, machte mich schmunzeln. "Einer der septemviri ist in den Ruhestand gegangen und hinterließ einen freien Platz", erklärte ich. "Ein guter Freund von mir, Aemilius Atimetus, hat es offensichtlich irgendwie geschafft, meinen Namen einzubringen. Und plötzlich hatte ich die Erklärung der captio durch den rex sacrorum im Briefkasten. Für mich kam das Ganze auch überraschend." Ich lächelte. Natürlich freute ich mich darüber. "Es könnte also demnach sein, dass wir nun auch beruflich öfter miteinander zu tun haben werden, zumal du ja auch einige discipuli unter dir hast und ich refelmäßige Berichte über den Ausbildungsstand der angehenden Priester abzugeben habe."
Schließlich räusperte ich mich. "Caius, da wäre noch etwas. Du bist doch auch jemand, der regelmäßig die acta diurna liest. Hättest du nicht Lust, auch einmal selbst den ein oder anderen Artikel zu verfassen?"