Irgendwie schien es Cadhla doch zu helfen, dass ich sie tröstend hielt. Warum sonst sollte sie sich an mich drücken und mich gleichsam umarmen? Eine geraume Weile saßen wir einfach nur so da, die Leidenschaft hatte sich in etwas wie geheuchelte Besonderheit verwandelt, vermengt mit einer gewissen Portion an Zuneigung und Sorge. Ich fühlte mich in gewisser Weise wächsern. Ganz so, als prallte alles an mir ab, als würde ich mich selbst entfernt beobachten, wie ich mit Cadhla auf dem Schoß auf dem Boden hockte und Trost spenden wollte, obwohl ich dessen nicht im Ansatz fähig war.
Ihre Worte drangen wie durch einen Nebelschleier an mein Ohr, wanden sich nur langsam in meinen Verstand und sickerten träge in mein Bewusstsein. Sie löste sich und blickte mich an. Ich sah ihre Augen feucht schimmern, die Pupillen jedoch blieben im Dunkel verborgen. Während sie sprach, schwieg ich und gab mich stattdessen damit zufrieden, ihr Verhalten zu studieren. Sie schien nicht nur befangen, sondern auch verwirrt. Trauer und Tragik mischten sich auf ihrem Gesicht mit den vielen weiteren Nuancen, die ihre Worte auslösten. Sie wich meinem Blick aus, und ich begann, sie als jemanden zu schätzen, der mich zu verstehen schien, zumindest im Ansatz. Sagte sie nicht genau das, was ich dachte?
"Du wirst jemanden finden, Cadhla. Früher oder später wirst du frei sein, und dann findest du deinen Seelenverwandten", sagte ich aufmunternd und stellte gleichermaßen fest, dass ich tatsächlich meinte, was ich sagte. Nachdenklich hielt ich inne und betrachtete eine auf dem Boden liegende Sandale. Deandra war nicht der meine gewesen. Vermutlich gab es keine verwandte Seele auf dieser Erde für mich. Als ich merkte, dass ich mich einmal mehr dem Selbstmitleid hingab, seufzte ich tief und verbannte die Gefühle hinter der Mauer, die ich sorgsam aufgebaut hatte und pflegte. Ich sah sie nun wieder an. "Ich danke dir für die netten Worte, aber Zärtlichkeit, Anstand und Humor sind eben nicht alles, und ich fürchte, ich bin für den Rest einfach ungeeignet. Ich möchte keine Marionette an meiner Seite, die unglücklich ist und sich meinen Tod wünscht, damit sie wieder frei ist, verstehst du? Ich freue mich für Caius und Prisca, und gleichzeitig bin ich ihr Neider. Selbst wenn sie sich nicht lieben, so kann man dennoch ihre Verbundenheit spüren, wenn man sie zusammen sieht." Ich dachte an Priscas fröhliches Gemüt und schluckte. Meine Hände legten sich an Cadhlas Wangen, und ich lächelte bitter, als ich weitersprach. "Letztendlich werde ich meine Anforderungen soweit zurückschrauben müssen, dass ich jemanden finde, der mit mir leben kann und mit dem ich leben kann. Rom erwartet von seinen Würdenträgern ein standesgemäßes Leben, und dazu gehört die Ehe ebenso dazu wie die Stärke, Cadhla. Und wenn mich das dereinst zerstört." Ich ließ ihr Gesicht los. "Es war gedankenlos von mir. Mein Vorhaben. Ich wollte dich nicht verwirren. Es ist nur....es lenkt ab, weißt du", sagte ich und deutete ein Lächeln an.