Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    "Das macht nichts", erwiderte ich und sparte mir das Suchen nach einem Tuch, denn ich wusste, dass ich keines mit mir führte. Doch die junge Frau schien selbst eines dabeizuhaben, denn sie förderte kurz darauf zunächst eine Tasche und dann ein Taschentuch zu Tage.


    "Es freut mich, dich kennenzulernen, Duccia Clara, wenn auch aufgrund unglücklicher Umstände. Ich bin Aurelius Corvinus. Varus war mein Bruder", erklärte ich. "Er ist von einer Seereise nicht wieder heimgekehrt." Das war schon lange her, mit Sicherheit gut sechs Jahre. "Gestattest du mir die Frage... Wie nahe habt ihr euch gestanden, du und mein Bruder?" Es blieb zu hoffen, dass sie kein versetztes Techtelmechtel war, denn dann wären Kinder wahrscheinlich der Grund, aus dem sie nun hier war und Reguluns sprechen wollte.


    "Caelyn - verdünnten Wein für mich, bitte", wies ich die Sklavin an.

    "Nein", entgegnete ich gut gelaunt und schüttelte den Kopf, nur kurz von ihrem Arm ablassend. "Nur Schreibarbeit." Als senatorischer Tribun hatte man eben nichts zu tun, außer Papierstapel zu verschieben, Lager zu kontrollieren und solche Dinge eben.Gänzlich unspektakulär, im Grunde. Worüber ich allerdings nicht ganz traurig war, immerhin konnte ich besser den stilus schwingen als ein Schwert, und ein Tribun, dem beim Anblick eines Toten - der nicht einmal selbst umgenietet worden war - bereits übel wurde, hätte wohl für so manchen Lacher gesorgt bei den Truppen. "Ich habe noch niemanden getötet", sagte ich daher. "Aber ich könnte ja heute Nacht damit anfangen." Wieder grinste ich wölfisch und näherte mich dem Arm. Das helle Lachen klang angenehm und stachelte die Albernheit noch weiter an, die seltsamerweise von mir Besitz ergriffen hatte - wo immer sie auch hergekommen war. Ihr Germanisch sagte mir wieder rein gar nichts, also konzentrierte ich mich auf das fröhliche Lachen und ihren Arm. Mit den Lippen zupfte ich an den feinen Härchen, die sich aufgerichtet hatten. Plötzlich spannten sich indes ihre Muskeln, und ich sah auf, um sie fragend anzublicken.


    Was ich wollte? Sie schien erbost und hätte wohl wild mit den Armen gefuchtelt, wenn sie nicht auf einen gestützt hätte und der andere nicht in Beschlag genommen worden wäre. Ich zog die Stirn zusammen und die Nase kraus, wieder brach ein germanischer Wortschwall über mich herein, unterbrochen von ein paar Brocken Latein, die allerdings alleinstehend keinen Sinn ergaben. "...soll das?" schlug ich daher scheinbar hilfsbereit vor, grinste jedoch dabei breit. "Um ehrlich zu sein, weiß ich das auch nicht. Aber es macht mir gerade Spaß." Ich zwinkerte, ließ jedoch dann von ihr ab und ließ mich mit einem tiefen Seufzer auf den Rücken und in die beqzemen Kissen sinken. Kurz darauf wandte ich den Kopf. "Dein Latein ist schlecht", sagte ich zu Siv. "Du musst es lernen." Ich verschränkte die Arme hinter dem Kopf und studierte das, was man von Sivs Körper so sehen konnte. Ich löste die Linke und zwirbelte nun wieder in ihren Haaren, an denen ich ganz offensichtlich einen Narren gefressen hatte. Lange Haare, seidig glänzend im Licht, von ungewöhnlicher Farbe... Der Ausdruck in meinem Gesicht änderte sich und wurde nun etwas weicher. Ich griff gedanklich den Schnee wieder auf, wenn auch in anderem Zusammenhang. Ihre Haut war beinahe so hell wie Schnee... Und Siv selbst war äußerst anziehend, wenn sie wütend war.

    Oh, ich war mir durchaus der Tatsache bewusst, dass ich mit Informationen hinter dem Berg hielt. Das hatte einene einfachen Grund: Es passte zur Situation, in der ich Cadhla schlicht verwirren wollte, zum anderen bereitete es mir Vergnügen. Schmunzelnd rollte ich die Kordel zusammen und legte sie dann achtlos auf den Tisch. Der Blick, den sie mir anschließend entgegensandte, ließ ein gewisses Mitgefühl aufkeimen, und unschlüssig wie untätig stand ich kurz noch vor ihr, ehe ich mich in die Hocke sinken ließ und damit nun kleiner als sie war und meinerseits zu ihr aufschauen musste. Aufmerksam studierte ich ihr Gesicht, mit einer Hand auf der Lehne ihres Sessels die Balance haltend, damit ich nicht einfach umkippte. Was sie sagte, war eindeutig, zeugte zugleich auch von ihrer Angst. "Dann ist es heute das erste Mal wieder seit viele Jahren", entgegnete ich leise. Warum es für mich interessant war, war indes eine gute Frage. "Die meisten sind anders als du, Cadhla. Mir gefällt, wie du bist. Ich will dir nicht weh tun und das werde ich auch nicht. Ich halte mein Wort." Das besagte, dass ich nichts tun würde, was Cadhla partout nicht wollte. Einen Moment ließ ich noch verstreichen. Dann sagte ich: "Schließ die Augen und lass sie zu."


    Als sie die Augen geschlossen hatte, hob ich die Hand und strich ihr seitlich über das rote Haar. In Griechenland war es oft vertreten, hier eher selten. Dunkles Haar dominierte Italien. Auf der Höhe ihres Kieferknochen führte ich die Hand auf die Haut, strich bis zum Kinn und drehte dann die Hand so, dass der Handrücken der Wange zugewandt war. Zart strich ich darüber, wendete die Hand wieder und fuhr nun zusammen mit den Fingerspitzen der anderen Hand die Augenbrauen entlang bis zu den Schläfen. Dort hielt ich an und legte die Hände seitlich um ihr Gesicht, um das meine näher zu bringen. Dicht vor ihren Lippen verhielt ich für einige Atemzüge, die ihre Haut wie ein warmer Sommerwind streiften. Zunächst zaghaft berührten sich unsere Lippen, ich fing sie ein, schloss die Augen und ließ die Gedanken treiben. Zärtlich war ich in den seltensten Fällen, oftmals beschränkten sich abendliche Techtelmechtel schlicht auf das Wesentliche, aber das hier hatte einfach ein ganz anderes Flair. Ich kostete den Moment so aus, wie ich Cadhla kostete, die etwas nach einer Mischung aus Naschwerk und Wein schmeckte, in der Ganzheit jedoch betörend auf mich wirkte. Schließlich löste ich mich wieder ein Stück von ihr, ließ die Hände an Ort und Stelle und betrachtete die Reaktion auf ihrem Gesicht. "Du kannst sie wieder öffnen", flüsterte ich dicht vor ihrem Gesicht. Mir war angenehm warm, und ich war ebenso begierig darauf, ihre Reaktion zu erfahren, wie ich danach gierte, ihr abermals einen Kuss zu rauben.

    Es kam, wie es kommen musste. Nicht einmal annähernd so lange, wie ich gehofft hatte, hatte Helena sich Zeit gelassen für diese Frage. Dass ich sie damit mehr verwirrte als ihr half, leuchtete mir nicht ein. Ich sah zu ihr herunter, was möglich war, da sie etwas abgerückt war von mir. Die blauen Augen strahlten aus dem käsigen Gesicht wie zwei kleine Leuchtfeuer inmitten einer rabenschwarzen Nacht. Die Hoffnung darin war unschwer zu erkennen. Sie verursachte einen deftigen Kloß in meinem Hals. Ich hasste diese Situation, und ich hasste mich sogar selbst dafür, dass ich das sagte, was nur wenig später über meine Lippen kam. Lippen, die nur unwesentlich von den ihren entfernt waren. Vermutlich hätte ich diese Situation mit dem benebelten Kopf vom gestrigen Tage schlichtweg ausgenutzt, ohne an die Folgen zu denken. Es war gut, dass Cadhla mich zurückgehalten hatte. Ich sah zur Seite. Dabei konnte ich nicht in ihre Augen sehen. Die Enttäuschung, die Wut, die Trauer - all das wollte ich nicht sehen.


    "Du bist meine Base", sagte ich halbherzig, als würde das allein schon alles erklären, was es natürlich nicht tat. "Es darf nicht sein. Du weißt, welche Strafe auf Inzest steht. Helena, ich..." Ich schluckte, doch der Kloß verschwand nicht. Warum auch hatte immer ich die ganze Scheiße am Arsch! ich atmete gepresst aus und sah sie nun doch an. "Ich habe die Verlobung gelöst. Und ich weiß einfach nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Titus ist mir gram - Menecrates vermutlich ebenfalls, von Deandra ganz zu schweigen -, das Theater war ein Fiasko, die vestalis maxima ist tot... Ich habe jetzt schlichtweg keinen Kopf dafür. Es ist...verzwickt. Ich hab dich wirklich sehr gern, aber... ich möchte die Helena haben, die du, hm, vorher warst." Ein Stück meiner Deckung war dahin, ich selbst hatte sie niedergerissen, indem ich preis gab, was mich derzeit bewegte. Zumindest einen Teil davon, denn es gab noch mehr Unschönes. Hoffend sah ich zu Helena hinunter. Ich hoffte wirklich, dass sie meine Worte nicht missverstand.

    Während ich die im goldenen Licht daliegende Germanin musterte, verglich ich sie beinahe automatisch mit Camryn. Jener Keltin, die ich fortgeschickt hatte, damit sie Nachforschungen betrffend meinen vermeintlichen Neffen anstellte. Sie war nun schon gut ein paar Wochen außer Haus, hatte sich aber noch nicht gemeldet. Ich ließ den Gedanken fallen und widmete mich erneut der zarten Gestalt an meiner Seite. Den Spott in ihren Augen bemerkte ich, und ich konnte es ihr nicht verübeln. Dieser Thor war also einer der heidnischen Götter, und nicht ihr Gefährte. Vermutlich hätte er, wäre er dies wirklich gewesen, aber auch nicht viel gegen die jetzige Situation tun können, immerhin wusste jeder Römer, dass die römischen Götter die einzig wahren waren, und gegen so einen heidnischen Gott würden sie gewiss mit Leichtigkeit siegen. Die Vorstellung entlockte mir ein Schmunzeln, dass angesichts der nächsten Offenbarung jedoch recht schnell wieder verschwand. Die Feindseligkeit, welche sie mit ihren Augen versprühte, schein für einen Sekundenbruchteil praktisch greifbar im Raum zu schweben, doch ich griff nicht danach, sondern ging gar nicht auf die Spitze ein. Zweifellos hatte sie anderes erwartet, womöglich aufgebrachte Zurechtweisung oder einfach eine wütende Bemerkung. Ich aber tat nichts dergleichen, sondern spielte nur weiter mit dem goldenen Haar, ließ das Ende einer Strähne über meinen Daumen gleiten und betrachtete das Schauspiel fasziniert.


    Als sie sich bewegte, spürte ich ganz deutlich ihr Bein an meinem. Ein wohliges Gefühl breitete sich in mir aus, doch ich entschied recht schnell für mich, dass es nicht reichte, um die Müdigkeit aus den Gliedern zu vertreiben, welche sich bereits dort eingenistet hatte. Siv lag jetzt da wie ich, nur spiegelverkehrt. Die Decke fiel, angepasst an die Kontur ihres seitlich daliegenden Körpers, sanft von den Schultern hinab zur Taille, nur um sich anschließend in rasantem Bogen an die Hüfte anzuschmiegen. Allein diese Form sprach mich bereits an.


    "Ja. Ich weiß. Ich war auch in Germanien. In der Legion", erklärte ich. "Der Winter ist sehr kalt. Viel kälter als hier. Vermisst du den Schnee?" fragte ich sie abermals und musste grinsen, als sie mir ihr germanisches Kauderwelsch entgegenspuckte, von dem ich nicht einmal im Ansatz verstand, was es bedeutete. Allerdings - ein paar Brocken hatte ich während meiner zwei Jahre in Mogontiacum aufgeschnappt. Also räusperte ich mich und sagte auf germanisch, aber mit grauenhaftem Akzent: "Holunderbeerbusch. Man trinkt ein rundes Haus auf mir." Was - laut diesem germanischen Wicht - soviel bedeutete wie 'Herhören, die nächste Runde geht auf mich.' Tja, soviel dazu. Da es, wie ich fand, prima zur Stimmung passte, kitzelte ich Siv mit ihrem eigenen Haar nun am Ohr. "Ja, ihr habt wenig Sonne, im Vergleich zu hier. Hier scheint oft die Sonne..." murmelte ich. Ihre Haut schien mich magisch anzuziehen. Dieser helle Farbton. Auch Cadhla hatte solch helle Haut, wie es bei den Nordvölkern nun einmal gewöhnlich war, auch wenn ihr Körper mit Sommersprossen bedeckt war. Siv hingegen wirkte wie ein formschönes Stück Elfenbein. Makellos, sah man von den verblassenden Wunden ab, die im Schein der Lampe besser sichtbar waren als vorhin im Zwielicht.


    "Vor", stimmte ich ihr grinsend zu. Ich war in Spiellaune, und zwar durch und durch. Deswegen schnappte ich mir auch den Arm, auf dem sie sich nicht aufstützte, und tat so, als ob ich gleich kräftig zubeißen würde. "Und vielleicht solltest du besser Angst haben. Wir fressen gern schöne Germaninnen." Ich senkte den Mund auf den Arm, küsste sie jedoch flüchtig, statt sie zu beißen. Dann grinste ich Siv breit an.

    Stumm musterte ich meine Cousine. Sie war recht hübsch, trotz der Blässe in ihrem Gesicht und der paar Kilos, die ihr auf den Rippen vielleicht fehlen mochten. Unbehagliches Schweigen breitete sich aus, und ich warf einen Blick zu der Bürste, in der sich ein paar der dunkelbraunen Haare verfangen hatten während des Kämmens. Plötzlich entfernte sich Helena. Eine schnelle Bewegung, die man gut mit einer Flucht vergleichen konnte. Sie schien verzweifelt, ein Umstand, den ich in puncto Liebe nicht ganz nachempfinden konnte, wohl aber im Bezug auf den Tod meiner Eltern. Und plötzlich zierte eine verkniffene Miene aus Nachdenklichkeit und Mitleid mein Gesicht.


    Helenas Ausbruch traf mich, und ich musste einiges an Kraft aufbringen, um nicht ihrem Blick auszuweichen und zur Seite zu sehen. Ihr Anblick, vor allem die Tränen, berührten mich indes mehr als es ihre Worte vermochten. Ich hatte es nie leichtfertig hinnehmen können, wenn Frauen weinten, erst recht nicht durch mein Verschulden, ob beabsichtigt oder nicht. Beklommen stand ich schließlich auf, nachdem das Schweigen sich abermals im Raum ausgebreitet hatte. Für einen Moment unschlüssig, verweilte ich kurz an Ort und Stelle, dann ging ich auf Helena zu, schloss sie in meine Arme und drückte sie an mich. Eine Hand ruhte auf ihrem Hinterkopf und zwang sie mit sanfter Gewalt, den Kopf an meine Brust zu betten. Meinen eigenen lehnte ich an den ihren. Vermutlich war das nicht unbedingt die praktischste Lösung, immerhin hatte ich ihr zu sagen, dass ich nicht der sein konnte, den sie sich wünschte - meine eigenen Gedanken diesbezüglich hin oder her. Dennoch erschien mir diese Handlung als die einzig sinnige, denn wenigstens konnte ich so den Versuch starten, sie zu trösten. Selbst wenn sie jetzt fort wollte, hielt ich sie dennoch fest. Der angenehme Duft ihrer frischgewaschenen Haare stieg mir in die Nase. Erst nach einer ganzen Weile lockerte ich die Umarmung etwas. Ich wollte etwas entgegnen, doch was? Jedes Wort schien falsch zu sein, würde wie blanker Hohn in ihren Ohren klingen. Wo waren die sorgfältig zurechtgelegten Worte hin? Ich schien sie beim Eintreten abgestreift zu haben. "Ich hab dich sehr gern, Helena", flüsterte ich unbeholfen und in Ermangelung besserer Worte, froh darüber, sie dabei nicht auch noch ansehen zu müssen.

    Die Platte leerte sich allmählich, was an sich gut war, denn die darauf liegenden Köstlichkeiten waren lediglich wohlschmeckende Zwischenhappen gewesen, die aber Speck ansetzten. Wirklichen Hunger hatte ich nach der cena zudem keinen mehr verspürt. Cadhla indes schien die kleinen Geschmacksexplosionen auf dem Gaumen zu genießen, denn immer wieder schnappte sie sich eines der Teilchen und ließ es in der Dunkelheit verschwinden. Ich erwiderte den Blick, als sie mich scheinends verwundert ansah. "Hmmja?" fragte ich im gleichen Tonfall wie sie mich gefragt hatte, ob ich auch tatsächlich wollte, dass sie bei mir schlief. Mit welcher Frau ich auch das Lager teilte, diese Ehre erhielten die wenigsten. Ich war des Morgens zumeist nicht sonderlich gut ansprechbar - ein Grund, aus dem ich mir das ientaculum meistens auch aufs Zimmer bringen ließ, um es allein einzunehmen und dann gestärkt und vor allem wach den Tag zu beginnen. Die Sitten waren eben überall anders, und zumeist kamen einem die Unterschiede sehr gravierend vor, wenn man eigentlich ganz anderes gewöhnt war.


    Dass Cadhla dann jedoch so offen aussprach, was sie dachte, brachte mich zugegebenermaßen leicht aus dem Konzept. Eine Braue wanderte nach oben, und ersteinmal sagte ich nichts. Und ausgerechnet Saba... Die ornatrix besaß ein so loses Mundwerk, dass man in ihrer Gegenwart tunlichst die Klappe halten sollte, wenn man nicht gefahr laufen wollte, dass innerhalb einer Woche halb Rom wusste, was man fallen gelassen hatte. Zudem entsprach nicht nur ihr Wesen, sondern auch ihr Äußeres ganz und gar nicht meinem Beuteschema, so einfach war das. Camryn war da ganz anders gewesen. Sie ähnelte Siv, was mir sofort auffiel, nun da ich darüber nachdachte. Und in gewisser Weise fiel auch Cadhla in diese Kategorie. Kurzum schien ich eine Schwäche für Herausforderungen zu haben. Und, dachte ich, schließlich war auch Deandra eine solche gewesen, auch wenn diese Herausforderung anders zu betrachten war. Gewesen war. Ich sinnierte allzu lange über diese Gedanken, was ich letztendlich selbst bemerkte und die Notbremse zog, indem ich meine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz auf Cadhla - oder vielmehr ihren Vorschlag - richtete. Es wäre gelogen, würde ich nun behaupten, dass es mir gar nicht darum ging. Natürlich war das der Fall, andererseits konnte ich guten Gewissens behaupten, dass es mir eben nicht nur darum ging. "Weil ich möchte, dass du heute Nacht bei mir bleibst", erwiderte ich schlicht und sparte mir damit eine umfassendere Erklärung.


    Ob der Dunkelheit erkannte ich ihre Reaktionen auf meine Berührung nicht. Wohl aber nahm ich mit den geschärften Sinnen in der dunklen Umgebung ihre Atmung wahr. Eben aß sie den letzten Happen, und ich griff nach dem Wein, um die aufkeimende Erregung besser kontrollieren zu können, indem ich mich auf kleine Schlucke konzentrierte und damit den Weinpokal leerte. Mehrdeutige Geräusche in beinahe völliger Dunkelheit waren das reinste Festmahl für die Fantasie. Das leere Glas stellte ich zurück auf den Tisch, erst dann riskierte ich wieder einen Blick zu Cadhla. Schließlich erhob ich mich, blieb vor dem Sessel stehen und fingerte an der Kordel, die meine tunica über der Hüfte zusammenraffte.

    Ganz allmählich runzelte sich meine Stirn. Der sarkastische Ton war mir zuwider, doch ich konnte nachvollziehen, warum sie so reagierte. Also sprang ich nicht auf dieses Pferd auf, sondern bemühte mich, ruhig und gefasst zu bleiben, was mir letztenendes nicht schwer fiel. Ich blickte auf ihre arbeitenden Hände, schloss kurz die Augen und sah sie dann neuerlich an. Ganz offensichtlich war sie aufgewühlt, zornig und vor allem verletzt. Diese Mischung ließ schließlich den Trotz hervorbrechen, den ich von damals noch kannte. Früher hatte sie oft so reagiert, ehe ich nach Griechenland geschickt worden war, um dort eine angemessene Ausbildung zu absolvieren. In letzter Zeit war mir dieser Ton fremd geworden, Helena war zur Frau gereift. Nur kurz musterte ich sie noch im Ganzen, dann legte ich den Kopf etwas schief und betrachtete nur ihr Gesicht.


    "Ich habe zu viel getrunken. Mir ging es nicht gut. Du solltest froh sein, dass Cadhla mich zurückgehalten hat, denn ich war schon halb auf dem Weg hierher, was gewiss nicht angenehm für dich geworden wäre", erwiderte ich leise und hielt kurz inne. Sollte ich von Deandra erzählen? Ich entschied mich vorerst dagegen, denn es war einfach nicht relevant. Später war immer noch Zeit. "Es erfordert Mut, jemandem das zu gestehen, was du mir gestanden hast", bemerkte ich nach einer Weile in Ermangelung besserer Worte, die den Gram aus Helenas Gesicht würden vertreiben können. "Und es tut mir leid, dass ich nicht eher zum Reden gekommen bin." Was faktisch stimmte. Immerhin war Helena stets für mich da gewesen, wenn ich jemanden gebraucht hatte.

    Das Naschwerk war allzubald von meinen Fingern verschwunden. Cadhla hatte scheinends penibelst darauf geachtet, mich nicht zu berühren. Dennoch führte ich den Daumen zum Mund und leckte ihn ab. Dann nahm ich mir selbst eines der Türmchen. Bedauerlicherweise griff Cadhla nur zu gern das Thema Ursus auf. Ich dachte an unseren erneuten Disput am Nachmittag, und eine steile Falte bildete sich auf meiner Stirn. Wenigstens strengte er sich bei überhaupt etwas an, dachte ich resignierend, und ging nicht näher darauf ein, sondern nickte nur. Eine im Dunkel des Raumes wohl eher hörbare als sichtbare Geste. Ursus' Glück war, dass ich Cadhlas verräterisch gerötete Wangen tatsächlich nicht gewahrte, und so ging der Kelch des aurelischen Zorns an mir vorüber.


    Ein Schluck des süffigen Weines spülte die Reste des käsigen Happens hinfort. Eine Hand langte bereits erneut nach der Weinkaraffe, um Cadhla und mir selbst nachzuschenken. Ihre Worte entlockten mir ein Schmunzeln, und als ich mich zurückbeugte, bemerkte ich den zarten Blütenduft, den sie umgab. Eine angenehme Nuance, nicht zu aufdringlich. Meine Worte waren indes anders gewesen, sie implizierten eine freie Entscheidung, und keinen Wunsch, der eigentlich ein Befehl war. Dennoch war mir ihre Antwort genehm, was das Schmunzeln bewies. Ihre Frage hingegen fand ich drollig, so sehr, dass sie mir damit ein leises Lachen entlockte, nicht zuletzt wegen der seltsamen Satzstellung, die normale Worte wie einen Singsang wirken ließen. Die Rechte legte sich in meinen Nacken, und als das Lachen verklungen war, streckte ich mich. "Ich hoffe nicht, dass mir Gefahr droht. Aber wenn doch, bin ich mit dir wohl mehr als gut beraten", entgegnete ich aufrichtig und lächelte. "Nein, ich möchte einfach, dass du heute Nacht bei mir bleibst", stellte ich schließlich klar. "Das Bett ist groß genug für zwei, und es ist viel weicher als deines", fügte ich an und zwinkerte ihr gutgelaunt zu. Natürlich wusste sie das, immerhin war sie diejenige, die mein Bett an jedem Morgen ordnete. Was aber genau meine Absichten waren, verschwieg ich. Neuerlich nippte ich an dem Wein, dann erhob ich mich und bedeutete gleichzeitig Cadhla, dass sie sitzenbleiben sollte. Das Mondlicht spiegelte sich für einen flüchtigen Moment auf dem Siegelring, den ich trug und welchen ich nur des Nachts vom Finger zog. Ich ging um Cadhlas Sessel herum und legte dann vorsichtig meine Hände auf ihre Schultern. Ihr Duft war hier intensiver als zuvor.


    Nur kurz verweilten meine Hände auf ihren Schultern. Vermutlich hatte sie sich sonstwas dabei gedacht, aber genau das war Sinn und Zweck. Ich nahm sie also fort und nestelte an ihrem Haarband herum, bis ich das geschmeidige Leder schließlich lösen konnte und damit das schöne, duftende Haar befreite. Zufrieden lächelte ich und legte das Band auf den Tisch. Mein Werk wollte ich nun von vorn betrachten, und so nahm ich wieder Platz auf meinem Sessel, lehnte mich jedoch vor, um Cadhla im Dunkel besser erkennen zu können. Die Zufriedenheit war nicht von meinem Gesicht gewichen. "Viel besser", kommentierte ich, strich ihr kurz über die nun wieder haarumrahmte Wange und ließ die Hand dann wieder sinken.

    "Ich fordere? Du hältst mir vor, dass ich nichts gebe?" echote ich fassungslos. Nicht einmal Wut gewann die Oberhand, so verblüfft war ich. Ein trockes Lachen bahnte seinen Weg nach draußen.


    "Titus, mir scheint, du bist derjenige, der nichts versteht. Wie könnte ich dir ein simples Ja oder Nein auf deine Fragen antworten, wo ich nicht einmal weiß, wovon konkret du sprichst? Ich kaufe keine Katze im Sack. Wenn du etwas von mir willst, musst du es schon konkretisieren, damit ich darauf reagieren kann." Es war schließlich unsinnig, jetzt zu versprechen, ihm irgendetwas zu zeigen, wenn sich nur Minuten später herausstellte, dass dies keinen Sinn hätte oder nicht machbar war. Was er dann aber sagte, schlug dem Fass den Boden aus. Veranschaulichung der Theorie? Fassungslos schüttelte ich den Kopf. Das konnte doch nicht wahr sein!


    "Es hält dich niemand in der villa, wenn Festtage öffentlich zelebriert werden. Es sperrt dich ebensowenig jemand in deinem Zimmer ein, wenn eine Feier oder ein einfaches Essen mit Gästen hier im Hause stattfindet. Ganz im Gegenteil, es steht dir frei, gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen, ob auswärts oder hier im Hause." Als Magistrat wurde das sogar nicht nur von mir erwartet, sondern auch von Rom. Nur wie er auf die Idee kam, ich hätte dies untersagt, war mir mehr denn schleierhaft.


    "Ich bremse dich doch nicht aus - wo denn bitte sehr? Einen Brief wirst du ja wohl selbst schreiben können, wenn du das noch nicht gelernt hast, wirst du in der kommenden Amtszeit ein erhebliches Problem haben", entgegnete ich sarkastisch und schüttelte den Kopf. Ich wünschte mir ein Weinglas herbei, mein Mund war ausgedörrt. "Zugang zu den Unterlagen? Es verbietet dir doch niemand, die Bibliothek aufzusuchen, ebensowenig wie dir verboten ist, Appius anzusprechen oder mich konkrete Dinge zu fragen. Ich kann dein Dilemma nicht nachvollziehen, Titus. Ich hätte dir mehr zugetraut, als das hier. Du bist alt genug, selbst etwas in die Hand zu nehmen, und du brauchst auch niemanden mehr, der dich führt."

    Die Abwesenheit von Sklaven erstaunte mich zugegebenermaßen etwas, insbesondere unter dem Aspekt, dass Helena scheinbar soeben ein Bad genommen hatte. Eine Winzigkeit eher, Marcus... Plötzlich war sie aschfahl geworden, und die strähnigen, nassen Haare verstärkten den Kontrast noch. Als unsere Blicke sich im Spiegel trafen, hielt ich ihr stand, und schließlich war sie es, die den Augenkontakt löste und etwas anderes betrachtete.


    Ihre abweisende Stimme bewirkte, dass ich mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren konnte, und schlussendlich löste ich mich von dem Platz, an dem ich kurzzeitig festgewachsen war, um mich ihr zu nähern. Bei ihrem nächsten Haarstrich griff ich nach der Bürste und nahm sie ihr schlicht und ergreifend weg, drehte sie einen Moment unschlüssig in den Händen und legte sie dann auf das Tischchen aus dunklem Holz vor sie hin. "Reden." Ich hatte überlegt, ob es nicht sinnvoller sein würde, wenn ich sie weiter kämmte, da ich ihr Gesicht nur durch den Spiegel hindurch würde betrachten können. Eine künstliche Barriere sozusagen, die eigentlich keine war. Andererseits wäre sie wohl kaum glücklich mit mir als Kämmendem, ich war darin nicht geschickt und würde sie wohl nur unnötig quälen.


    Ich sah mich kurz um, erspähte einen Stuhl und zog ihn heran, mit der Lehne zu Helena, und setzte mich darauf. Die Arme legte ich locker oben auf die Lehne, das Kinn bettete ich auf die Arme. In dieser Weise sah ich meine Base aufmerksam an. Sie hatte mir dieses Geständnis gemacht, also würde sie ganz bestimmt nun auch anfangen zu sprechen. Immerhin hatte ich mich schon dazu überwunden, überhaupt herzukommen. Ich fand, nun war sie an der Reihe.

    Was nun folgen sollte, löste so einiges an Empfindungen in mir aus. Zum einen ärgerte ich mich über Ursus, da er meiner Meinung nach aus einer Mücke einen Elefanten machte. Noch dazu aus einer Mücke, die nicht einmal immer anwesend war - denn was hätte er schon für die Familie tun können? Was gab es da noch, das erledigt werden musste, abgesehen von den Finanzen, auf die man ein Auge werfen sollte, abgesehen von zu treffenden Entscheidungen, von der Verwaltung von Ländereien, Betrieben und sonstigen Besitzen, und abgesehen vom Epmfang gelegentlicher Besucher, die meistens ohnehin konkrete Anliegen hatten. Abgesehen davon gab es so gut wie nichts. Gespräche mit dem maiordomus, organisatorische Dinge und sofort zählte ich nicht einmal dazu, genausowenig wie salutationes. Es lag also auf der Hand: Ursus wollte Cotta die Finanzbuchhaltung streitig machen, oder er war einfach unwissend und hatte in Achaia nicht sonderlich gut aufgepasst. Zudem gingen mir diese fortwährenden Diskussionen schlichtweg auf den Senkel. Ursus forderte stets nur, eingebunden zu werden. Nur in was, das sagte er nicht. Auf entsprechende Nachfragen kamen stets nur grimmige oder gar freche Worte zurück.


    Eie gänzlich andere Empfindung war die Verwunderung darüber, dass er nun Griechisch sprach und die rhetorischen Finten einzusetzen versuchte, die ich selbst auch in mich aufgenommen hatte. Mir kam es vor, als das Jahrzehnte her, doch in Wirklichkeit waren seitdem nicht einmal eine Dekade vergangen. Eines jedenfalls hatte Ursus erreicht: Ich hörte genauer hin als zuvor. Das war zwangsläufig so, wenn man sich nicht in der Sprache unterhielt, die einen seit seiner Geburt begleitete. Schnell jedoch stellte ich fest, dass Ursus nicht unbedingt präziser oder gar besser Argumentierte. Er redete wie ein Wasserfall, machte zwischendurch kleine Abstecher zurück ins Lateinische und ließ Pausen, mit denen er mich scheinends verhöhnen wollte - immerhin hatte ich vor ihm Griechisch gelernt und war geübt in dieser Sprache, vielleicht sogar geübter als Ursus selbst. Ebenso missbilligte ich seine fortwährenden Wiederholungen und die weit übertriebenen Betonungen bestimmter Dinge. Er tat ganz so, als sei ich nicht ganz richtig im Kopf. Ich schwieg beharrlich und wartete auf ein Ende, dass allzu bald jedoch nicht in Sicht war. Immer weiter steigerte sich Ursus in seine Verbitterung hinein, und ich fragte mich, was ihn wohl hatte so werden lassen. Sein überaus großzügiges Angebot, die vorausgegangenen Gespräche unter den Teppich zu kehren, nahm ich mit einer hinaufrutschenden Braue zur Kenntnis. Vielleicht, überlegte ich mir, hatte Ursus bei der Überfahrt von Griechenland hierher einen Schlag auf den Kopf bekommen? Oder aber, ihm waren seine vorausgegangenen Worte peinlich, und er schlug deswegen den vermeintlichen Kompromiss der Vergesslichkeit eingehen. Dann plötzlich verstummte Ursus, und Stille breitete sich im Raum aus. Sicherheitshalber wartete ich, doch dies schien keine der Denkpausen zu sein, die er während seines Monologs des Öfteren eingelegt hatte. Also war ich nun an der Reihe. Ich faltete die Hände und ließ sie locker auf meinem Bauch liegen, die Daumen berührten einander und bildeten ein kleines Dach. Dann räusperte ich mich. Auch ich sprach griechisch, dieses Spielchen wollte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen.


    "Dann fasse ich das mal zusammen. Du willst lernen. Du willst etwas für die Familie leisten. Du möchtest Arbeit übernehmen und dich einbringen. Korrekt?" fragte ich und sah mit nach unten geneigtem Kopf meinen Neffen an, als würde ich mit einem Geschäftspartner verhandeln. "Weiters kritisierst du mein Verhalten, was dir zweifellos zusteht. Niemand ist perfekt, Titus, das weiß ich mit ebensolcher Bestimmtheit zu sagen, wie ich behaupten kann, dass am Morgen die Sonne aufgeht. Mein Verhalten mag für dich nicht immer zum Vorteil gereichen, es mag dir auch nicht immer einleuchten, was ich tue, was ich anordne oder sage, doch ich gebe mir wahrhaftig Mühe, das Richtige zu tun. Manchmal ist das Richtige nicht klar und deutlich, und manchmal erscheint es auch falsch. Dies ist der Grund, aus dem ich unsere vorausgegangenen Gespräche nicht vergessen werde, denn ich finde, dass sie einen essentiellen Beitrag geleistet haben: Sie haben uns hingeführt, wo wir uns nun befinden. Ich kann nicht guten Gewissens behaupten, dass es mir gleich ist, wenn du mir nicht vertraust. Ganz im Gegenteil, es enttäuscht und verletzt mich. Doch ich kann nachvollziehen, dass manche Lektionen nicht einfach sind, denn diese Erfahrung habe ich auch schon kennengelernt, und dass man gerade in solchen Situationen einfach ein Ventil sucht. Wenn ich jenes Ventil bin, dann kann ich das akzeptieren."


    Ich musterte Titus ruhig und löste die Hände, um die Rechte auf die Lehne des Stuhls zu legen. "Ich habe mich beispielsweise gefragt, warum du gerade mir grollst und nicht Appius. Ich bin hier zu keinem Schluss gekommen, einzig hege ich die Vermutung, dass ich es bin, da ich die Fäden zusammenhalte." Denn was hatte ich getan, dass ihn derart verärgerte? Hatte er nicht immer schon mit neiderfülltem Blick auf mich gesehen? Oder hasserfülltem? "Du kannst jederzeit mit meiner Unterstützung rechnen, Titus. Wie wir auch zueinander stehen, wie viele Zwiste wir noch austragen werden - es ist wichtig, dass wir nach außen hin als unerschütterliches Bollwerk dastehen, nicht als windschiefe Hütte, deren Fenster aus den Angeln kippt, wenn man die Tür zu wuchtig schließt." Vielleicht hatte er bemerkt, dass ich anwesend war, als er seinen Amtseid abgelegt hatte. Dann würde er wissen, was ich meinte.


    Ich erinnerte mich nun an seine Aufforderung, weder rhetorisch kunstvoll noch umschiffend zu antworten. Diesen Befehl ignorierte ich auch weiterhin, immerhin hatte er selbst soeben glanzvoll vorgeführt, was er mir kurz darauf untersagen wollte. "Ich möchte dir eine ganz simple Frage stellen, Titus, um meine eingängliche Frage wieder aufzugreifen: Was genau möchtest du tun?" Und diese Frage interessierte mich nun wirklich, ja sie brannte förmlich unter den Nägeln. Hier würde sich nun zeigen, ob sich diese ganze Diskussion überhaupt lohnte, ob sie es wert war.

    Eine Nacht hatte ich im Delirium verbracht, vom Tag darauf gar nicht erst zu reden. Einzig Cadhla hatte ich zu verdanken, dass mir das Gespräch noch bevorstand, welches ich nicht führen wollte und daher so lange vor mir hergeschoben hatte. Der erste Gedanke nach dem Erwachen indes hatte Helena gegolten, doch nicht ihr als Person, sondern ihren Worten, welche einer regenschwangeren Wolke gleich über mich hereingebrochen waren. Waren wir denn alle verrückt in diesem Hause? Wie lange hatte ich darüber nachgesannt, was ich ihr sagen, wie ich ihr schonend erklären sollte, dass ich scheinends einfach dazu bestimmt war, keine engeren Beziehungen zu führen. Nur ob sie mir Gehör schenkte, mir glaubte - dies stand auf einem anderen Blatt.


    Mit zunehmender Nähe zur Tür des Zimmers, hinter welcher ich Helena wähnte, wurden meine Schritte langsamer. Es war nun bereits früher Nachmittag, und vielleicht war sie auch gar nicht zugegen. Schließlich blieb ich stehen und hob die Hand, um zu klopfen, was ich jedoch noch hinauszögerte. Ich hatte ein Geräusch gehört. Was bedeutete, dass sie anwesend war. An einen Rückzieher war nun nicht mehr zu denken, ich wäre nichts weiter als ein feiger Hund, wenn ich mich nun umwandte und wieder ging. Und jemand, der eine Verlobung ohne das Wissen seiner Verlobten gelöst hatte, würde vor seiner Cousine auch keine Angst haben. So einfach war das. Ich sog die Luft ein und klopfte.


    In den auf das Klopfen folgenden, stillen Sekunden wünschte ich mir insgeheim, sie sei nicht gesellschaftsfähig und würde mich nun ihrerseits auf ein andermal vertrösten, doch dann erklang die ungewünschte Aufforderung zum Eintreten, und ich leistete - wenn auch widerstrebend - Folge. Mein Blick wanderte sogleich zum Frisiertisch, vor welchem die meisten Frauen oft und gern saßen, und tatsächlich fand mein Blick auch Helena da und kämmte sich die Haare. Ich strich geistesabwesend die dunkelgrüne, goldverzierte tunica glatt und steuerte langsam durch den Raum. "Helena", sagte ich schlicht als Begrüßung und blieb dann stehen, untätig. Mein Kopf war mit einem Mal wie leergefegt, alle sorgsam zusammensortierten und zurechtgelegten Worte und Begründungen fortgewischt. Etwas verloren stand ich in dem großzügig und edel ausgestatteten Raum, auf halber Strecke feststeckend. Ich blickte in den Spiegel und durch ihn in Helenas Antlitz. Das meine sah ich ebenfalls: Eine Mischung aus stoischer Ruhe und Ausdruckslosigkeit zierte es - den Göttern sei Dank.

    Ihr Erstaunen blieb beileibe nicht unbemerkt. Ganz im Gegenteil, ich nahm es mit einer gewissen inneren Befriedigung wahr, ebenso wie ich erfreut über den Versuch ihrer Lockerheit war. Der Spazierstock schien sich plötzlich in Luft aufgelöst zu haben. Eingehend beobachtete ich Cadhla dabei, wie sie sich ein mit garum bestrichenes Türmchen aussuchte und es einem Gourmet gleich genüsslich verspeiste. Mit einem gönnerhaften Lächeln nahm ich das verzückt anmutende Gesicht in mich auf und suchte alsbald nach einer dieser käsegefüllten Delikatessen mit dem Huhn. Diese Teile waren meine persönlichen Favoriten, und ich fand auch recht schnell eines und nahm es auf. Statt es jedoch selbst zu essen, richtete ich mich etwas auf und hielt es auf komfortable Höhe vor Cadhlas Gesicht. "Koste das hier", forderte ich sie auf und lächelte. Zwischen Daumen und Zeigefinger meiner Rechten wartete das kleine kulinarische Kunstwerk darauf, dass die keltische Sklavin ihre Lippen teilte und es in sich aufnahm.


    Ihre Erklärung war zum einen simpel, zum anderen einfach stimmig. Sie tat damit zwar in gewisser Weise ab, dass ich es nur ihr zu verdanken hatte, nicht von Helena postwendend wieder aus dem Zimmer geworfen worden zu sein, aber das war nur zu verständlich in ihrer Position. Milde lächelnd verfolgte ich ihren Griff zum Wein und ertappte mich für eine Winzigkeit bei dem Gedenken daran, dass ich gern mit dem Pokal tauschen würde, den sie so bereitwillig an ihre Lippen führte. Doch wenn ich mir nun nahm, was ich mir jederzeit nehmen konnte, wäre ich nicht nur den bisher bestrittenen Weg umsonst gegangen, sondern hätte auch das sich langsam festigende Vertrauen Cadhlas verloren. Und mir war noch recht gut im Gedächtnis, was sie mir im balneum sehr anschaulich demonstriert hatte. Ursus' Übungsstunden interessierten mich nur insofern, dass er dazu Cadhla benötigte. Jetzt allerdings zu hören, dass er sich recht gut machte, verwunderte mich schon etwas. "Nimm ihn ruhig ordentlich ran", trug ich Cadhla auf. "Dann wird vielleicht doch noch etwas aus ihm. Auch, wenn er während des Tribunats wohl eher nicht wird kämpfen müssen." Immerhin war das eher ein Verwaltungsamt als alles andere, was ich selbst auch am eigenen leib erfahren hatten. Unglücklich darüber war ich allerdings nicht gewesen. Mit dem Schwert konnte ich eben weniger gut umgehen als mit dem stilus. Das war immer schon so gewesen und würde sich wohl auch nicht mehr ändern, selbst wenn ich einhundert Jahre alt wurde.


    "Erfolgreich weniger. Eher ermüdend. Ich muss mich erst noch an diese langatmigen Sitzungen der septemviri gewöhnen", erklärte ich und winkte ab. Opimius Naso war eben ein Schwätzer. Er kam nicht nur vom Hölzchen aufs Stöckchen, sondern auch vom Kieselchen aufs Staubkorn. Ich ließ mir ein weiteres Häppchen schmecken und bedauerte, kein fantasieanregendes Glitzern auf Cadhlas benetzten Lippen sehen zu können, da sie das wenige Licht im Rücken hatte. "Bleibst du heute Nacht bei mir?" fragte ich sie, und ich formulierte bewusst eine Frage und keine Aufforderung.

    Cadhlas Antwort war mehr denn nüchtern. Ich argwöhnte allmählich, dass sie sich ganz absichtlich so gab. Gut, eines musste man schon zu ihrer Entlastung sagen - ich ließ auch keinen Zweifel daran, was ich am heutigen Abend erwartete. Allerdings mit gänzlich anderem Hintergrund.


    Genüsslich kauend und lässig zurückgelehnt, betrachtete ich Cadhla. Sie hatte das silbrige Mondlicht nun im Rücken, was ihrer Gestalt eine schimmernde Kontur verlieh. Würde sie sich nur etwas lockerer geben und hätte sie das Band gelöst, welches ihr Haar zurückhielt - sie wäre eine durchaus verlockende Frau gewesen. So aber... Sie saß da wie eine gichtkranke Matrone, der man einen Spazierstock ans Kreuz gebunden hatte, damit sie gerade saß. Ihr Gesicht wirkte steinern und ausdruckslos, ihre ganze Haltung angespannt. Ich seufzte ergeben. "Entspann dich, Cadhla. Lehn dich zurück, iss etwas. Niki hat sich wieder einmal selbst übertroffen", versuchte ich ihr die Lockerheit ebenso wie die variantenreichen Happen schmackhaft zu machen. Es blieb dennoch abzuwarten, ob die Keltin etwas lockerer werden würde. Zielstrebig griff ich nach der parat stehenden Karaffe, drehte zwei der Weinbecher herum und schenkte beide halbvoll. Nachdem ich den Krug mit einem gedämpften Geräusch auf dem Holz des Tisches abgestellt hatte, schob ich Cadhla ihren Kelch hinüber. Meinen eigenen ließ ich auf dem Tisch stehen. Unbewusst glitten meine Fingerkuppen über das kühle, alexandrinische Glas.


    "Ich habe mich noch nicht bei dir bedankt", begann ich unvermittelt und klaubte einen Traubenzweig von der Platte. "Dafür, dass du darauf bestanden hast, nicht in meinem Zustand zu Helena zu gehen. Es wäre vermutlich etwas zu waghalsig ausgedrückt, behauptete ich, du hättest mein Leben gerettet, aber ich danke dir dennoch." Ein Schmunzeln umspielte meine Mundwinkel, ehe ich eine Traube zwischen die Lippen schob und die saftige Frucht im Mund zerplatzen ließ. An das Gespräch mit Helena wollte ich nicht denken, ich verbannte es mit aller Kraft aus meinem Kopf. Erstaunlicherweise gelang dies sogar sehr gut. Ich entschloss mich zudem, Cadhla zunächst in ein harmloses Gespräch zu verwickeln. "Wie klappen die morgendlichen Übungen mit meinem Neffen?" erkundigte ich mich im Plauderton und zupfte nach und nach sämtliche Früchte vom Traubenzweig. Ob Cadhla das Spielchen mitmachte, würde sich zeigen.

    Als ich die Tür zu meinem cubiculum öffnete, sah ich zunächst nichts. Es dauerte eine geraume Weile, bis sich meine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, doch Schemen und Umriss nahm ich bereits nach kurzer Zeit wahr. Zumal sich die weibliche Silhouette Cadhlas im schwachen Mondlicht deutlich abzeichnete. Wie lange sie gewartet hatte, vermochte ich nicht zu sagen. Ich hatte indes angenommen, sie würde erst nach mir eintreffen. Dass kein Licht die Schatten des Zimmers in ihre Ecken verwies, missfiel mir zunächst, doch als die Tür geschlossen war und ich mehr wahrnahm als unterschiedlich dunkle Farbflächen, bemerkte ich den Reiz, den ein solches Spiel haben konnte.


    Lautlos - nur das leise Rascheln meiner Kleidung verriet, dass ich mich bewegte - trat ich näher an die Sklavin heran. Etwas verwunderte mich, dass sie ihr Haar so streng zurückgebunden hatte. Ich mochte es offen, wenn es weichen Wellen gleich ihr Gesicht umfloss und den harten Ausdruck daraus verbannte, der sich so oft zeigte, wenn sie sich unbeobachtet wähnte. Bevor ich nahe genug kam, um dicht hinter sie zu treten, wandte sie sich um. War es Absicht oder Zufall? Ich unterdrückte die aufkommende, enttäuschte Miene und suchte stattdessen nach ihren Augen. Zwei matten Murmeln gleich lagen sie in den Höhlen des scharf konturierten Gesichts. Ich blieb stehen, ließ den Blick jedoch nicht von ihr ab.


    "Ich hätte dich nicht so früh erwartet", sagte ich schließlich und gab damit ebenso das Schweigen auf, wie ich ein Stück weit die zwielichtige Atmosphäre zerstörte. Ich hatte nicht vergessen, was sie mir vor Wochen über den einzigen Besitz erzählt hatte, der ihr noch geblieben war und den sie hüten wollte wie ihren Augapfel. Darüber sann ich einen Moment bedauernd nach und kurz darauf setzte ich mich wieder in Bewegung, ging an Cadhla vorbei und setzte mich mit einem Seufzer in einen der einladend zur Verfügung stehenden Sessel. Ich saß gerade, als es klopfte. Nach meiner Aufforderung betrat Saba das Zimmer, eine kleine Platte mit Köstlichkeiten auf der Hand balancierend. Sie würdigte zunächst weder mich noch Cadhla eines Blickes, sondern stellte das Naschwerk auf den Tisch und zog sich stumm zurück. Ehe sie den Raum verließ, traf ein neid- (oder hass-?) erfüllter Blick die Keltin, dann waren wir wieder allein. Einige Herzschläge lang taxierte ich Cadhla, dann machte ich eine einladende Geste zu einem weiteren Sessel hin und nahm mir in der gleichen Bewegung einen der kunstvoll angerichteten Happen. "Setz dich ruhig."

    "Ich mochte dich einfach näher kennenlernen", erwiderte ich mit einem hintergründigen Lächeln. Natürlich wollte ich das, und ebenso hoffte ich insgeheim darauf, dass er sich während der beiden Tage wie auch immer verriet und ich meine Entscheidung treffen konnte. In Gedanken war ich bereits bei dem Gespräch mit Prisca. Daher bemerkte ich Tilla auch nicht sofort, als sie hinter einer Säule des peristylium hervortrat, zumal Pegasus mich gleichzeitig auf Prisca ansprach. "Ja", erwiderte ich schlicht. Er schien zumindest ehrlich überrascht. Vermutlich hatte er mit dieser Schwierigkeit auch einfach nicht gerechnet...


    "Tilla", grüßte ich sie. "Das ist Pegasus. Er ist neu hier. Deshalb möchte ich, dass du ihm etwas zur Hand gehst und ihm alles zeigst, was er sehen möchte." Ich blickte nun zu Pegasus. "Ihr Name ist Tilla. Wundere dich nicht, sie ist stumm. Achte auf die Zeichen, die sie mit den Händen macht, dann wirst du sie verstehen. Falls es gar nicht geht, nutzt sie eine Tafel und schreibt", wies ich ihn an. "Ich werde jetzt mit Prisca reden, du findest mich danach in meinem Arbeitszimmer, falls etwas sein sollte. Ansonsten sehen wir uns heute Abend bei der cena." Ein Nicken folgte, dann verließ ich mit ausgreifenden Schritten den Säulengang und ließ Tilla und Pegasus allein.

    "Das wird nicht allzu oft passieren, Cadhla. Und wenn, dann wird sich eben ein anderer Sklave darum kümmern", erklärte ich sorglos und hob die Schultern. Dass dies durchaus für Zwist innerhalb der Sklavenschaft führen konnte, war mir nicht bewusst.


    Kaum war die rothaarige Sklavin zurück, wunderte ich mich, warum sie Tücher und eine Schüssel mitgebracht hatte. Fiebrig war ich schließlich nicht, und Wadenwickel - sofern die Utensilien hierfür bestimmt waren - nicht nötig. Aber ich vertraute ganz auf ihre Fähigkeiten als germanische Kräuterhexe und begab mich nur zu bereitwillig in ihre Fänge. "Das bedeutet", begann ich, während ich meine tunica klaglos über den Kopf zog, "dass mein Wort über dem jedes anderen steht, was dich betrifft. Und das bedeutet auch, dass du keine zusätzlichen Arbeiten verrichten musst außer jenen, die ich dir auferlege. Es sei denn, es ist dein Wille. Du wirst deine Schlafstatt nicht mehr mit bei den anderen Sklavinnen haben, sondern mehr in meiner Nähe." Ich schmunzelte kurz. "Du wirst mich bei Besuchen begleiten und auch diverse andere Vorzüge gegenüber den anderen genießen können." Ihr Bett würde weicher sein, ihre Kleidung wäre hochwertiger, sie würde sich öfter und mit besseren Ölen waschen können als bisher. Es gab so einiges, das sich in ihrem Leben verbessern würde. Nicht zuletzt stieg mit einem verlässlichen Verhalten auch die Aussicht auf die Freiheit, eines Tages.


    Die Waschung ließ ich klaglos über mich ergehen, doch bei dem Kräutersaft, den sie mir zu trinken gab, verzog ich angewidert das Gesicht. Schließlich trank ich ihn doch. Statt mich allerdings zu stärken, ließ er eine bleierne Schwere in meine Glieder gleiten, und ebendiese Schwere griff nur allzu bald auf meine Lider über. "Das hast du gewusst", murmelte ich noch, nur halb so anklagend wie ich es beabsichtigt hatte. Dann glitt mein Geist auf schwerelosen Schwingen in die Dunkelheit eines erholsamen Schlafes. Aus dem Besuch bei meiner Cousine wurde daher nichts - zumindest nicht heute - und Cadhla hatte ihr Ziel damit erreicht, worüber ich am nächsten Morgen zugegebenermaßen ziemlich dankbar war.



    ~ FINIS ~

    "Salve. Setz dich doch", erwiderte ich und deutete auf den noch verwaisten Stuhl vor dem wuchtigen Schreibtisch. Während ich aufmerksam lauschte, was der Fabier mir zu sagen hatte, schaukelte Pyrrus mit den Beinen und nervte mich damit. Einen Blick später hatte er damit aufgehört und starrte nurmehr den Besucher an. Musonius...nein, das sagt mir nichts. Allerdings war es auch unmöglich, jeden sacerdos im Reich zu kennen. Mir erschien der Besucher etwas nervös, was nicht so recht zum Alter passen wollte.


    "Es freut mich, dass du dich für den Dienst an den Göttern entschieden hast. Du kommst also wegen des praktischen Teils? Hast du dir die theoretischen Grundlagen bereits angeeignet?" fragte ich nach, und Pyrrus rutschte von der Fensterbank und ging zum Regal hinter mir, wo er im Hispania-Fach die Unterlagen zum entsprechenden discipulus heraussuchte. Angesichts der vielen, eng gerollten Schriftrollen dauerte dieses Unterfangen etwas.

    "Mir scheint, dass du noch einiges lernen musst, Titus - und das meine ich ganz bestimmt nicht herablassend. Glaub mir, ich weiß wie es ist, wenn alle erwarten, dass man stets das richtige tut. So aber ist die Welt, auch wenn kein Mensch immer das Richtige tun kann, denn niemand vermag den Göttern in die Karten zu schauen. Vielmehr ist das Leben ein beständiges Streben nach Perfektion. Diese Lektion habe auch ich lernen müssen, und da war ich nicht viel jünger als du jetzt." Zugegebenermaßen Worte, die eher in den Mund eines Greis gepasst hätten denn in meinen, und doch sprach ich in meinen Augen wahr. Es konnte doch nicht angehen, dass Ursus sich ständig nur selbst bejammerte und mich aufgrund seines Selbstmitleids als den bösen Buben bezeichnete.


    "Was ich möchte", erwiderte ich betont langsam und betont ruhig, die Stirn dabei leicht vorgeneigt und Ursus fest musternd, "ist, dass du aufhörst, mir in einem fort zu misstrauen und Dinge in meine Worte zu interpretieren, die ich weder gesagt habe noch so meine, wie du es dir einredest. Titus, wir sind eine Familie, und als solche haben wir an einem Strang zu ziehen und uns gegenseitig nach bestem Können zu unterstützen. Damit beantwortet sich auch deine Frage von ganz allein: Du bist mein Neffe. Weder verurteile ich dich noch gestehe ich dir nicht die Kraft zu, etwas zu ändern." Herrje, hoffentlich würde er nun nicht wieder genau das tun: interpretieren und mir Worte in den Mund legen. "Du bist vigintivir. Das ist ein Anfang", fügte ich in versöhnlichem Tonfall zu. Vielleicht nicht unbedingt glücklich gewählte Worte, doch wenigstens war der Tonfall echt und nicht gespielt.