Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ich hob eine Braue und betrachtete die entschieden sprechende Sklavin mit dem roten Seidenhaar eingehend. Sie hatte sich also entschieden? Interessant... "Richtig", bestätigte ich auf dem Fuße folgend. "Du warst bisher meine Sklavin. Ab heute allerdings wirst du meine Leibsklavin sein, und als solche bist nicht du es, die eine Sauerei wegmachen muss." Ein rasanter Aufsteig für eine Sklavin, die kaum Latein sprechen konnte und die zudem nicht einmal das Lager mit mir geteilt hatte, dachte ich mir schmunzelnd.


    "Ja. Ja, geh schon, ich bleibe hier", entgegnete ich und winkte die Sklavin fort. Ich lehnte mich zum Schein etwas zurück in das weiche Kissen und betrachtete ihr Gesäß, als Cadhla aufstand und einige Schritte in Richtung der Tür machte. "Mhm", bestätigte ich nur, dass ich hierbleiben und warten würde, was mir allerdings nicht im Sinn stand. Als Cadhla aus dem Zimmer war, seufzte ich tief und hob einen Arm, um unter der Achsel zu riechen. Ich rümpfte die Nase. Wohlriechend war etwas anderes. Vielleicht hatte sie doch recht und ich sollte mich zuerst etwas herrichten, ehe ich Helena besuchen ging? Ich setzte mich wieder auf und fuhr mir durch die Haare. Anschließend erhob ich mich wackelig und lief im Raum umher. Von Runde zu Runde ging es besser. Dennoch setzte ich mich nach einigen Minuten wieder aufs Bett. Cadhla hatte recht. Wenn ich so zu Helena ging, würde ich sie nicht einmal trösten können, ohne dass sie sich naserümpfend von mir abwenden würde. Blieb nur noch eine Frage - Was sollte ich ihr sagen, wenn ich sie später besuchte?

    "Das könnte er", bestätigte ich und neigte mehrere Male den Kopf hin und her. "Genau das soll Camryn herausfinden, so ihr das möglich ist. In zwei Tagen kann sie das natürlich nicht schaffen, dazu ist die Zeit vel zu knapp bemessen und die Entfernung zu weit, die sie zurücklegen muss. Aber das macht auch nichts. Verräter und Betrüger kann man immer herauswerfen." Was durchaus stimmte. Und wenn sich herausstellte, dass Pegasus nicht mein Neffe war, würde ihn nicht nur mein Zorn treffen, sondern auch den der Götter, weil er unser Blut und unsere Ahnen mit Füßen trat...


    "Das stimmt", erwiderte ich auf die ungläubige Frage die Verlobung betreffend. "Deandra weiß es. Ich gehe davon aus, dass auch Menecrates dann darüber bescheid weiß. Ich hatte bisher weder Zeit noch den Mumm dazu, ihn aufzusuchen", fuhr ich fort und sah Ursus offen an. Es war ein Zugeständnis, das er vielleicht schätzen würde. Ursus schüttelte den Kopf und ich senkte den Blick. Ohne es zu ahnen, sprach ich seine gedachten Worte laut aus. "Das ist alles nicht so einfach, Titus. Gefühle können kompliziert sein. Wenn du einen guten Rat annehmen möchtest - suche dir eine Frau, die dich zufriedenstellt, aber keine, die du liebst."


    Ich räusperte mich übertrieben und provozierte damit einen Themenwechsel. Interessiert sah ich auf, als Ursus von einer Bitte sprach. Und in der Tat war es eine außergewöhnliche Bitte, die er da vortrug. Ich schwieg einige Herzschläge lang und antwortete verzögert. "Hat dein Vater dir keinen Lehrmeister gestellt, damals?" fragte ich zuerst und hob dann abwinkend eine Hand. "Wie dem auch sei. Ich bin einverstanden. Aber", merkte ich an, "tu das zu Zeiten, an denen ich Cadhla nicht brauche. Während der salutatio am Morgen wäre eine gute Zeit. Und ich gestatte dir nur die Kampfübungen mit ihr." Und nichts anderes, besagte der begleitende Blick.

    Die Kleine schien sich erschrocken zu haben. Ein Umstand, der mir ein episodisches Lächeln auf die Lippen legte. Ihre Antwort sagte mir einiges über das zarte Geschöpf dort vor mir. Zum einen sprach sie Latein ohne Beanstandung und konnte sich auch zufriedenstellend ausdrücken. Des weiteren hatte sie eine belehrende Art, die mir sagte, dass sie wohl kaum einen leichten Charakter haben musste. Hoffentlich war sie nicht ganz so aufmüpfig, mir reichten andere Sklaven dieses Haushaltes schon vollkommen aus, dahingehend. Was mir ihre Antwort ebenfalls sagte, war, dass sie keine Ahnung von Pflanzen hatte. Schmunzelnd trat ich nahe an sie heran, beugte mich leicht vor und langte über ihre Schulter, um eine der kleinen Früchte vom zweig zu zupfen. Ihr Haar roch betörend. Die kleine Frucht fand ihren Weg in meinen Mund, und während ich kaute, sah ich auf die Sklavin, die ja nun direkt vor mir stand, hinunter, und schmunzelte. "Auch eine?" fragte ich sie gelassen und hielt ihr eine zweite Frucht auf der offenen Handfläche liegend hin.


    "Im Garten wirst du demnach wohl nicht eingesetzt werden", resümierte ich trocken. "Wie ist dein Name? Erzähle mir etwas über dich." Ich ging schließlich davon aus, dass sie die Sklavin war, die Matho und Brix in meinem Auftrag hatten erwerben sollen. Das konnte in dieser Hinsicht wohl noch lustig werden....

    Üblicherweise spazierte ich entweder nach dem ientaculum oder nach der salutatio am Morgen durch den Garten, um nach dem Rechten zu sehen. Besonders in dieser rauhen Jahreszeit war es für neue Pflanzen aus dem Süden alles andere als leicht, richtig anzuwachsen und zu gedeihen. Eine kleine Adansonia digitata hatte es bereits dahingerafft, und ich hatte am Morgen angeordnet, diese afrikanische Seltenheit aus der Erde und dem Garten zu entfernen. Es war schade drum, aber eben nicht zu ändern. Der Händler hatte mir gleich vom Kauf abgeraten. Nun, vielleicht wurde aus dem zweiten Bäumchen dieser Art ja etwas.


    Gerade, als ich mich entschloss, wieder zurück ins Haus zu gehen, bemerkte ich eine Bewegung hinter einem frisch geschnittenen Maytenus mossambicensis. Ich stutzte, zumal ich kurz darauf einen hellblonden Haarschopf gewahrte. Ob das die neue Germanin war, die Matho und Brix gekauft hatten? Ich entschloss mich, es herauszufinden, änderte meine Richtung und ging auf die Sklavin zu. Sie schien Ahnung von Pflanzen zu haben. "Die roten Früchte sind gewiss nicht genießbar, was meinst du?" stellte ich die Sklavin unvermittelt auf den Prüfstein.

    "Musst du wohl", entgegnete ich in bemüht gelangweiltem Tonfall. Ursus sollte merken, dass er mich nicht mehr auf die Palme bringen würde. Zumindest äußerlich, denn innerlich war ich bereits wieder angesäuert. Doch die Blöße gab ich mir nicht, mich erneut aufzuregen. "Er ist ein Peregriner und hofft, irgendwann das Bürgerrecht zu erlangen", erteilte ich Ursus stattdessen Auskunft. Warum mein Neffe fragte, lag natürlich auf der Hand. "Mach dir um seine Entlohnung keine Sorgen. Er ist mein Klient und wird dementsprechend behandelt, dir wird nichts zur Last fallen." Größtmögliche Neutralität in diesen Worten sollte hier größtmöglichen Frieden gewährleisten.


    Schmunzelnd bettete ich das Ledersäckchen nun also auf dem Schreibtisch und nickte beifällig. Leises Klirren verriet, was sich darin befand. Wenigstens eine gute Entscheidung, dachte ich mir insgeheim, hütete mich jedoch, das laut auszusprechen. "Ja, ich zweifle daran. Ich kenne meine Neffen eigentlich, nur sein Name und auch sein Gesicht sind mir vollkommen fremd. Er taucht nicht in den Familienarchiven auf und auch nicht im tabularium. Gut, das mag daran liegen, dass Iustus ihn geheimgehalten hat...doch er trägt einen Siegelring wie diesen", erklärte ich und hob meine Hand, damit Ursus den Ring sehen konnte. Meinen hatte ich seinerzeit von Onkel Cicero erhalten. "Ich werde Camryn dorthin schicken, von wo er gekommen ist. Sie soll dort Nachforschungen anstellen, und dann werden wir ja sehen", ergänzte ich. "Und die Claudier....um ehrlich zu sein, weiß es Menecrates noch nicht."

    Nur leicht peinlich berührt saß ich auf meinem Bett und blickte zu Cadhla hinüber. Sie ist eine Sklavin, und Sklaven sind dazu da, den Dreck wegzumachen, sagte ich mir. Nichtsdestotrotz gefiel mir die Vorstellung gar nicht, dass der schmucken Füchsin diese Aufgabe zugfallen war. Ich ließ einen Augenblick verstreichen, hob jedoch die Stimme, ehe die Peinlichkeit zu sehr anwuchs. "Ahem. Nun - danke. Sollte dies nochmals vorkommen, was ich nicht hoffe, wirst nicht du es sein, die... Nun ja, es wegmachen muss", sagte ich steif und darum bemüht, nicht einem Lampion gleich zu erröten. ich hatte beileibe keinen Grund, mich zu schämen! Wenn man über die Maßen trank, konnte es eben passieren, dass man nicht so viel vertrug wie man glaubte. Zumal ich solche Exzesse nicht (mehr) gewohnt war. Das war auch schon mal anders gewesen. Ich hob die Rechte und kratzte mich nachdenklich am Ohr.


    "Kräuteraufguss. Hm. Ist vielleicht keine schlechte Idee. Das übernimmst du. Aber ich kann unmöglich den ganzen Tag im Bett liegen bleiben", protestierte ich. Dass es bereits später Nachmittag war, hatte ich zu diesem Zeitpunkt verdrängt. Dafür schob sich Helena wieder in mein Bewusstsein, nicht zuletzt Dank Cadhlas Bemerkung. "Ich habe keinen-" begann ich, beendete den Satz dann jedoch mit einem Seufzer statt mit dem Hinweis auf keinen dicken Kopf. "Vielleicht. Bring mir erstmal so einen Aufguss. Vielleicht geht's meinem Magen dann schon viel besser", sagte ich und hegte insgeheim den Hintergedanken, mich aus dem Zimmer zu stehlen, sobald Cadhla fort war, um diesen Trunk zu organisieren. Andererseits, sagte ich mir, war es kompletter Quatsch, sich ihr gegenüber so zu verhalten. Einer Sklavin. Ich seufzte tief und lehnte mich dann unvermittelt an sie, was zugegebenermaßen recht gut tat. "Du wirst das vermutlich nicht oft von mir hören, aber ich denke, du hast recht. Es ist wohl keine gute Idee, mit gelähmtem Verstand und träger Zunge eine Frau aufzusuchen, ganz gleich welche." Ich dachte an den Abend, an dem ich Deandra im Garten abgepasst hatte. Damals hatte ich auch geglaubt, dass nichts dabei war. Heute sah ich das anders.

    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/4549/sklave6mq2.jpg] | Matho


    Stets auf der Suche nach Frischfleisch, hatte man Matho heute mit Alexandros und der Kleinen hergeschickt. Während der Grieche sich für bunten Stoff begeisterte, war Tilla verschwunden. Eigentlich war dies Mathos Sorge nicht, doch wenn - falls - der Kleinen entwas passierte, würde man ihn zur Verantwortung ziehen, und das konnte unangenehm werden. Womöglich steckte man ihn sogar in die Abstellkammer...nein, das konnte er nicht riskieren! Er hasste enge Räume. Mehr oder minder begeistert machte er sich also halbherzig auf die Suche nach einem schwarzen Haarschopf. Das Problem war nur: derer gab es viele hier auf dem Markt, und fast alle befanden sich in Bewegung. Eine kleine Gestalt war in der wimmelnden Menge zudem nur schwer auszumachen. Mit einem Ohr lauschte Matho auf die steigenden Gebote.

    Theoretisch bleibt es dem vigintivir überlassen, wie er das handhabt mit der Erbverteilung. Ich hätte nicht Benachrichtigungen verschicken müssen, sondern hätte auch gleich Hungi einfach sagen können, dass X den Besitz von Y erbt. Dann wäre das allerdings ganz SimOff abgelaufen, und das fand ich unschön, deswegen habe ich mich an Gracchus' Modell gehalten (hier wurden die Briefe übrigens versandt, weil er quasi zusätzlich auch noch die Todesfälle von vor zig Ewigkeiten bearbeitet hatte), damit sich das Ganze etwas in die Spielwelt eingleidert.


    Im PN-Wechsel mit Hungi allerdings wurde durchaus klar, dass man es auf zwei Möglichkeiten abwickeln kann, SimOn und SimOff. Hinzu kommt bei inaktiven IDs noch, dass sie keinen Zugang zu ihrem WiSim-Konto haben und daher das Erbe (abgesehen vom Geld und den Betrieben) gar nicht manuell annehmen können.

    Zitat

    Original von Lucius Artorius Avitus
    aus spieltechnischen Gründen unverzichtbare?


    "Im Exil" bedeutet ja nur, dass derjenige derzeit nicht in der SimOn bespielten Umgebung sich aufhält. Daher kann er erben, wenn er dahin zurückkehrt, was sowohl mit dem Status "in exilium" als auch "desideratus" geht. Beides bedeutet ja, dass der bespielte Mensch noch lebt. :)

    Nur mit unwesentlicher Verzögerung am Ende meiner Amtszeit betrat ich die rostra.


    "Volk von Rom,
    wie es Sitte und Pflicht eines gewesenen Magistraten der urbs aeterna ist, stehe ich, Marcus Aurelius Corvinus, nun heute vor euch, um Rechenschaft über meine Taten in der vergangenen Amtszeit darzulegen. Vom Senat zum vigintivir gewählt, wurde mir das ehrenvollen Amt eines decemvir litibus iucandis zugewiesen. Fortan beschäftigte ich mich also mit den Nachlassfragen Verstorbener aus unserer Mitte, mit der lex Iulia et Papia, mit Ängsten, Sorgen, Nöten, Fragen und Bitten der Bürger des imperium. Zahlreiche Briefe wurden in alle Himmelsrichtungen entsandt, Listen erstellt, welche das Vermögen angesehener wie gleichsam unbekannter Männer und Frauen aufführten. Der acta diurna, wie auch den in den entlegensten Winkeln unseres Reiches angeschlagenen Aushängen, konnte jeder Bürger entnehmen, ob auch er von verblichenen Verwandten, Freunden und Bekannten bedacht worden war.


    Ich habe heute nun die angenehme Aufgabe, zu verkünden, dass wir annähernd alle Erbfälle bearbeiten konnten. Einzig jene Fälle, die gemäß der lex Iulia et Papia binnen der gesetzlichen Frist eine Ehe eingehen müssen, ehe sie das Erbe antreten dürfen, befinden sich im Wartestatus. Mit dem im fernen Parthien weilenden magister domus augusti wurde zudem abgesprochen, dass den Soldaten, welche derzeitig in Parthien weilen, eine Sonderbehandlung zugute kommt, welche die Rückmeldefrist für den Erbantritt auf den Zeitpunkt ihrer Rückkehr ausdehnt.


    Als decemviri litibus iucandis kommt man nicht umhin, sehr eng mit der kaiserlichen Finanzverwaltung zusammenzuarbeiten, denn jene fleißigen Mitarbeiter* sind es, welche dafür Sorgen, dass ein jeder das ihm zustehende Erbe auch erhält. Mein Dank gilt vor allem diesen Männern und Frauen.


    Sollten noch Fragen bestehen, werde ich sie nun gern beantworten."



    Sim-Off:

    *Hungi :D

    "Wie es der Zufall will, betrifft mein Anliegen erneut einen gewesenen duumvir Mantuas. Aus deiner Zeit als comes wird dir der Name Didius Albinus gewiss ein Begriff sein, und auch hernach wirst du sicherlich von ihm gehört haben, hatte er doch nach dem gescheiterten Versuch meines Onkels das Amt des italischen comes inne, bis dieses durch die lex Aelia et Octavia wegfiel. Er hat sich verdient gemacht für Mantua und auch für Rom, und ich halte ihn für bereit, die Ritterwürde zu tragen" , erwiderte ich auf Callidus' Aufforderung hin. "Daher möchte ich unseren geschätzten princeps ersuchen, ihm diese Ehre zuteil werden zu lassen. Am erforderlichen Landbesitz soll dies nicht scheitern."

    Vermutlich sah sie selbst ein, wie sinnentbehrend das Ganze doch war. Zitternd ließ sie die Hand wieder sinken, behielt den verdammten Ring. Der Umstand, dass sie zitterte, ließ auch den letzten Rest der Wut verfliegen. Sie wirkte verletztlich, eine Eigenschaft, die den Beschützer in mir wachrüttelte. Ich zog eine Grimasse, mein Blick fiel auf die am Boden liegende palla mit dem seltsamen orangerotfarbenen Ton. Regen durchnässte den hauchzarten Stoff. Deandra zitterte, weil sie fror. Frauen froren immer. Eine nüchterne, logische Schlussfolgerung. Ihre Worte lenkten meine Aufmerksamkeit wieder auf sie zurück.


    "Manchmal stellt sich die lodernde Flamme der Leidenschaft als Strohfeuer heraus, Deandra. Das bedeutet nicht, dass einem der andere nicht mehr wichtig ist. Du hast mehr verdient als ein Leben an der Seite eines Mannes, der zweifelt und dich nicht glücklich machen kann. Es hätte bei Bruder und Schwester bleiben sollen, das ist mir nun klar, und das hat beileibe nichts damit zu tun, dass ich nicht bereit wäre, im Weg liegende Steine beiseite zu schaffen. Es ist jetzt schmerzlich, aber irgendwann magst du mich vielleicht verstehen", entgegnete ich wie auswendig gelernt, was es allerdings nicht war. Mich verwunderte indes selbst der ruhige Tonfall, mit dem ich das sagte. Deandra drückte den Ring an sich und wandte sich ab. Die palla wollte sie scheinbar zurücklassen. Sie würde mir ein Grund sein, die villa Claudia aufzusuchen, um mit Menecrates zu sprechen, dachte ich gefühllos. Deswegen hob ich sie auch nicht auf, sondern ließ den Stoff liegen, wo er war. Beinahe übertönte der prasselnde Regen die leisen Worte, die mir über die zarte Frauenschulter entgegenwehten. "Und mit dir", sagte ich in tiefem Ton und blieb an Ort und Stelle, geschützt vom niedergehenden Regen, stehen.

    Ich neigte den Kopf. Trotz des kühlen Tons erwies sich Ursus als höflich und zumindest nicht erneut zanksüchtig, was mir entgegen kam. Allerdings registrierte ich den pubertären Trotz sehr wohl, der den Worten beigemengt war. Bääh, ich hab aber trotzdem alles so gemeint wie ich sagte! Im letzten Moment unterdrückte ich ein genervtes Augenrollen und gab stattdessen eine leicht desinteressierte Miene zum Besten. Da war es schon wieder. Pah, nö, von dir will ich nichts! Ob er das Geld nun brauchte oder nicht, schien dabei absolut irrelevant zu sein für ihn.


    "Ich habe nie gesagt, dass ich dich für faul, unmoralisch und bar jedes Verantwortungsbewusstseins halte", entgegnete ich müde, denn ich war es so dermaßen leid, dass mir meine Worte im Mund herumgedreht wurden. "Im Übrigen habe ich es satt, meine Ansichten ständig und überall neu darlegen zu müssen, Titus. Könnten wir uns darauf einigen, dass du der Familie wegen das Geld nimmst und dir angemessene Togen kaufst? Du wirst mehr als nur eine einzige exquisite brauchen, glaub mir das." Ich schob einen Seufzer hinterher. Sollte er ruhig sehen, dass mir dieses Gehabe auf den Senkel ging. Dass er wegen Pyrrus zusagte, erfüllte mich indes mit hämischer Genugtuung, die ich allerdings nicht zur Schau trug.


    "Sein Name ist Paullus Pegasus. Er behauptet, Iustus' Sohn zu sein. Das würde ihn zum Halbbruder Priscas machen", sprach ich dann weiter. "Und Prisca... Es ist noch nicht offiziell und ich bitte dich, ihr nichts zu sagen, doch ich weiß, dass Caius - entschuldige - Flavius Aquilius Interesse an ihr hegt." Etwas erstaunte mich, dass Ursus nicht einmal seltsam guckte, als ich von dem gelösten Bund mit Deandra sprach.

    Als ich merkte, dass meinem Gegenüber der intensive Blick auffiel, räusperte ich mich und sah auf meine Mitbringsel herunter. "Ja, in der Tat bin ich nicht nur deswegen hier. Du übernimmst die Erbschaftsverwaltung und wirst dich vermutlich ohnehin mit den anderen neun Amtsträgern zusammensetzen. Dennoch dachte ich mir, dass es nicht schadet, wenn ich dir vorab meine Aufzeichnungen überlasse." Ich schob ihm eine der beiden Wachstafeln zu, welche in aufgeklapptem Zustand meinen Teil der Erbfälle ordentlich aufgelistet vorwies, die meisten mit dem Vermerk 'erledigt'. Nur einige wenige waren unangetastet. Ich wartete, bis Ursus einen Blick darauf geworfen haben würde, und studierte zwischenzeitlich die Reaktion auf diese kleine Hilfestellung, denn immerhin gab ich hier einen Teil meiner Vorgehensweise preis.


    "Auf dieser tabula findest du Sondervermerke, die wichtig für dich sind, Titus", fuhr ich dann in geschäftsmäßigem Ton fort und klappte die zweite Tafel auf, ehe ich sie hinüber schob. "Auf Geheiß des Kaisers wurde den decemviri während meiner Amtszeit mit magister domus Augusti abgesprochen, dass sämtliche Erbfälle, die Angehörige der Legionen in Parthia tangieren, ausgesetzt werden, bis sich die Soldaten wieder in heimischen Gefilden befinden. Die Namen in der Liste, welche nicht als erledigt markiert sind, sind Soldaten, denen diese Absprache zugute kommt." Ich deutete auf die erste tabula. "Du findest dort auch den Namen der Prudentia Aquila. Gemäß der lex Iulia et Papia hat sie seit dem ANTE DIEM III KAL OCT DCCCLVII A.U.C. (29.9.2007/104 n.Chr.) einhundert Tage Zeit, um den Bund der Ehe einzugehen, um das Erbe des verstorbenen consul Prudentius Commodus anzunehmen. Tut sie dies nicht, ist das Erbe dem Staat zu überantworten."


    Ich lehnte mich zurück. Nun lag nur der Lederbeutel noch zwischen uns. Erneut räusperte ich mich. "Ich will mich dir keinesfalls aufdrängen, Titus, aber ich biete dir meine Hilfe dennoch an. Nicht, weil ich dir nicht zutraue, die Arbeit allein zu bewältigen, sondern weil ich weiß, wie komplex das Gebiet ist und wie sehr ich manchmal geflucht habe." Ernst bedachte ich ihn mit einem Blick. "Auch wenn seit unserem...Gespräch von neulich einiges im Argen ist, habe ich doch nie daran gezweifelt, dass du die Wahl gewinnen würdest. Wir waren beide kindisch, Titus. Ich für meinen Teil bedaure es und möchte mich dafür entschuldigen. Mir geht derzeit zu viel im Kopf herum. Erst heute Morgen ist jemand aufgetaucht, der sich als mein Neffe ausgibt. Prisca wird vermutlich bald heiraten, und ich habe die Verlobung mit Deandra gelöst. Ich weiß derzeit einfach nicht, wo mir der Kopf steht, Titus, und das sind alles Dinge, in denen du mir nun einmal nicht helfen kannst, selbst wenn du wolltest. Da muss ich allein durch." Ich fuhr mir mit der Hand übers Gesicht und seufzte. "Ich habe hier auch dein Geld. Du kannst es zurücknehmen, es war eine Schenkung." Mit diesen Worten schob ich den Beutel rüber.


    "Ah, und da wäre noch etwas. Ich weiß, dass du derzeit noch keinen zuverlässigen und kompetenten scriba hast. Deswegen möchte ich dir Pyrrus' Dienste leihen. Er leistet gute Arbeit, auch wenn seine Laune manchmal nervtötend ist. Er wartet vor der porta, falls du ihn gleich brauchst." Das war das Ass im Ärmel - ich war Pyrrus los und Ursus hatte ihn am Hals. :D

    :D Da fehlt ja was!


    Shamanism - "Whoaa ... Holy Shit!"
    Scientology - "For $30.000 more, we will show you really how much shit it is."
    Rock'n'Roll - "It's one for the money, two for the shit!"
    Islam (fundamentalistic) - "Don't take any shit - take hostages!"
    Calvinism - "Shit happens because you don't work hard enough."
    Lutheranism - "Shit happens, but as long as you're sorry, it's okay."


    Btw, das gibt's als Poster? 8)

    Ich schürzte die Lippen und dachte einen Moment nach. Im Grunde hatte er ja recht. Es war einfach nicht machbar, zumindest nicht solange, wie ich meine Nachforschungen laufen lassen würde. Aber sollte ich ihm gleich gestatten, sich als meinen Neffen auszugeben? Nur eines Ringes wegen? Gedankenverloren strich ich mir übers Kinn und wiegte kurz den Kopf. So flammend, wie er sprach, würde er einmal ein guter orator werden, soviel stand fest. Ob er nun ein Aurelier war oder nicht.


    "Zwei Tage", sagte ich schließlich und blickte auf. "Gib mir zwei Tage. Ich denke nicht, dass dies zuviel verlangt ist. Meinetwegen kannst du es der Familie schon vorher mitteilen. Ich muss nur erst mit..." Wieder viel mir Prisca ein, und ich seufzte. "Es gibt da etwas, das du vermutlich wissen solltest - du hast eine Schwester. Eine Halbschwester, wenn es wahr ist, was du sagst, Pegasus. Ihr Name ist Prisca. Sie ist eine sehr liebenswürdige junge Frau. Ich mache euch bekannt, aber erst muss ich mit ihr reden. Sie wuchs wie du in dem Glauben auf, der einzige Spross zu sein. Ich kann dir nicht sagen, wie sie darauf reagieren mag." Und da mich ebenso brennend interessierte, wie mein vermeintlicher Neffe auf diese Neuigkeit reagieren mochte, taxierte ich ihn ganz genau, während ich sprach, um jede noch so winzige Regung aufzunehmen. Vielleicht bot sich während der angesprochenen zwei Tage die Möglichkeit, ihn und seine Vergangenheit näher kennenzulernen. Das musste dann eben reichen für eine Entscheidung, sollte ich währenddessen nicht an nähere Informationen herankommen. Ich würde Camryn schicken.


    Nach erneuter, eingehender Beobachtung fällte ich schließlich eine vorläufige Entscheidung. "Ich werde dir eine Sklavin schicken, die dir ein Zimmer richten und ein Bad bereiten lassen soll. Zudem brauchst du dringend Kleidung zum Wechseln, scheint mir. Lasse dich im Haus herumführen, damit du weißt, wo alles ist. Ich erwarte dich dann heute Abend zur cena im triclinium", wies ich ihn knapp und eventuell auch etwas unangebracht an. Wenn er ein Patrizier war und auch gelebt hatte wie einer, wäre er mit solchen Dingen sehr wohl vertraut.


    Ich winkte Matho herbei, der nicht weit entfernt Laub zusammenfegte, und trug ihm auf, eine Sklavin zu organisieren, vorzugsweise Tilla oder Cadhla, meinetwegen auch beide zusammen. Caelyn und Siv waren mir noch zu frisch, um hier pflichtbewusst zur Hand zu gehen, zumal Caelyn Ursus' persönliches Eigentum war und ich nicht ohne Rücksprache mit ihm über sie verfügen wollte.