Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Dazu zitiere ich mal Helena, denn die hat das heute Morgen schon auf den Punkt gebracht:

    Zitat

    Helena dixit:
    Man muss sich nur einmal vor der bisherigen Argumentation vor Augen führen, wieviel von der so beschworenen Spielfreiheit eigentlich vorhanden ist, wieviel von dem genutzt wird, was so vollmundig als Möglichkeit angepriesen wird: Indirekt auf die Politik nimmt hier kaum eine Frau wirklich Einfluss, denn die wenigsten Männer lassen politische Themen zuhause zu.


    Zudem hat hier Cypri recht: Wenn der Spielpartner nicht mitmacht, kann man sowas kaum ausspielen.
    Weiters ist hier die Frage, was jemand macht, der nicht nur eine Frauen-ID hat, sondern 2 oder 3 oder sogar 4. Soll er dann mit jeder das gleiche ausspielen?

    Aquilius' Worte erschienen einleuchtend, dennoch war es für mich nicht nachvollziehbar, wie engere Verwandte sich nicht über die andauernde Abwesenheit eines Familienmitglieds wundern konnten. Bei jedem entfernten Verwandten, der nur mehr ein Namensträger war, hätte ich es indes nachvollziehen können. So sagte ich nichts und hörte dafür recht interessiert den weiteren Ausführungen meines besten Freundes zu. Ein Schmunzeln schlich sich auf meine Züge. "Soso, du also auch", sagte ich und lachte amüsiert. "Vielleicht werden wir dann irgendwann Hand in Hand arbeiten können. Das würde mich sehr freuen. Aber warten wir erstmal ab. Vielleicht hast du nach der ersten Amtszeit auch ein für alle Mal genug."


    Grinsend klopfte ich Aquilius auf den Rücken, hielt jedoch wieder inne, als er vom Opfern sprach. Zweifelnd sah ich ihn an. "Es ist ja nicht so, dass ich mich fürchten würde. Nur ein Fehler, der dir in der Politik unterläuft, betrifft dich selbst, während ein Fehler während einer Opferhandlung den Zorn der Götter auf sich ziehen kann. Und das wiederum kann weitreichende Folgen haben. Aber ach, ich weiß noch nicht, was ich machen werde. Vielleicht kommt auch alles anders, als ich denke." Und es sollte ja wirklich anders kommen, auch wenn ich noch nichts ahnte.


    Wir saßen noch eine ganze Weile dort im atrium und unterhielten uns. Es gab schließlich auch viel zu erzählen. Es dunkelte bereits, als ich die villa Flavia verließ. Mit Aquilius zu reden, hatte mir gut getan, und ich nahm mir vor, nicht nochmals so viel Zeit verstreichen zu lassen bis zum nächsten Treffen.

    Zitat

    Original von Tiberius Duccius Lando
    Allerdings frage ich mich schon, ob die Karrieremöglichkeiten, die im Moment für Frauen im IR bestehen, auch so wahr- und vor allem angenommen werden, oder ob man sie nicht annimmt weil sie limitiert sind. Oder weil das Interesse der weiblichen Mitspieler an Karrierecharakteren garnicht so groß ist wie bei den Kerlen???


    Hm, auch hier wieder die Frage: Was gibt es da schon groß?
    Es wurde doch bereits gesagt (von Helena, glaube ich): Eine Frau kann sacerdos werden oder in die Verwaltung gehen, wobei hier wieder so gut wie ausgeschlossen ist, dass sie jemals höher klettern kann als eine magistra scriniorum oder - im Fall Germanias - als comes. Im CD zeigt der aktuelle Fall ziemlich gut, was man dort erwarten kann - nämlich nichts. Bleibt der Vesta-Kult, der momentan unbesetzt ist und vorher auch nicht gerade aktiv bespielt wurde. Das wiederum bedeutet, dass da wieder ein NPC zum Einsatz kommen würde, was an sich auch nicht optimal ist auf Dauer. Auch wurde gesagt, dass sich eine Frauen-ID selbst in Spielmöglichkeiten beschneidet, wenn sie Vestalin wird (nämlich im Aussimmen von Liebeleien oder Familienangelegenheiten, da die Vestalinnen eigentlich unter sich blieben) Ich kann da schon verstehen, dass kein Interesse besteht seitens der Frauen. Tja, und was gibt es noch? Die WiSim. Patrizierinnen haben da die Wahl zwischen dem 1000. landwirtschaftlichen Betrieb einer Sorte oder eben die Finger von zu lassen. Und ausgespielt wird auch so gut wie nichts, was mit den Betrieben zu schaffen hat. Man "geht schnell mal SimOff einkaufen" und fertig. Was bleibt? Das Heimchen am Herd.


    Was den Narrator betrifft, Loki, stimme ich dir vollauf zu. Man sollte - sofern es nicht vorher abgesprochen ist oder die eigene ID betrifft - neutral bleiben, auch was NPCs allgemein anbelangt. Irgendwo in den Regeln steht glaube auch, dass es Konsequenzen nach sich zieht, wenn man NPCs nutzt, um Gemeinheiten zu verbreiten o.ä., aber wie ich weiter oben schrieb, hatte ich nicht den Eindruck, dass Durus sich der Wirkung der Narrator-Worte bewusst war.

    Naja, ich denke, in Valerias Beispiel ist das Hauptproblem das Wie im Spielbereich. Dass sie nicht im Clinch mit Durus liegt, hat sie geschrieben, und ich gehe davon aus, dass sie auch versteht, warum man sie SimOff befördern möchte. Ich selbst hatte mich mit Durus gerade gestern über diese Art der Beförderung unterhalten und ich hatte dabei den Eindruck, dass dieses Hickhack mit der "Frauenquote" (die ja eigentlich auch eher eine Erfindung der Neuzeit ist...) von ihm gar nicht so beabsichtigt war. Nichtsdestotrotz ruft es aber größtenteils Unbehagen und Misslaunigkeit hervor, und wenn ich das mal neutral betrachte, würde mir das als Frau(en-ID) auch stinken und ich würde hinschmeißen. Ganz besonders unter dem Aspekt, dass mancher wahrhaftig die Karriereleiter hinaufpurzelt, während man selbst unendlich viel Zeit und Energie in die Laufbahn steckt. Ich schließe mich selbst davon auch gar nicht aus, auch wenn ich Wert darauf lege, dass meine ID sich Beförderungen oder Jobangebote genauso erarbeitet wie jede x-beliebige andere ID dies tun muss bzw. sollte.


    Zur Problematik der Frauen allgemein... Hm, da ist es wirklich schwer, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Helena hat die Kritikpunkte exakt festgestellt, da kann man nicht oder zumindest nicht groß dran rütteln. Es ist eben ein Schwanken zwischen dem historischen Hintergrund auf der einen und der Frage von Spielspaß und Spielmöglichkeiten auf der anderen. Im Endeffekt aber - und da stehe ich mit Nachdruck für ein, obwohl ich selbst auch ein Fan der Historie bin - sollte das Hauptaugenmerk nicht auf versteiftem Durchexerzieren von geschichtlich belegten Fakten liegen, sondern vielmehr auf der Freude am Spiel. Medeia hat recht anschaulich dargelegt, wie es derzeit um die bespielten Frauen-IDs steht, und das finde ich mehr als schade. Zwar magst du recht haben, Corvus, wenn du schreibst, dass ein ganzer Karrierezweig den Frauen vorbehalten ist, namentlich der Vestakult, aber hier meine Gegenfrage: Was bringt das einer Frauen-ID wenn zum einen alles an einer so gut wie inaktiven ID hängt (bzw. hing), zum anderen die Vestalinnen auch wieder sehr eingeschränkt sind in ihrer Handlungs- und Spielweise das IR betreffend?


    Ich selbst würde unter dem Aspekt des Spielspaßes allmählich mal zu Einbußen am geschichtlichen Hintergrund tendieren, denn beschnitten sind die Rechte der Frauen bei uns im IR mMn inzwischen schon genug.

    Atimetus hatte eben einen Scherz, gemacht, über den ich amüsiert lachte, als Durus hinzutrat. Mit leuchtenden Augen nahm ich seinen Glückwunsch entgegen und reichte ihm die Hand. "Ich danke dir, Tiberius, und natürlich hoffe ich ebenso auf gute Zusammenarbeit. Ich gehe davon aus, dass wir uns nun also öfter sehen werden. Darf ich dir Aemilius Atimetus vorstellen? Ihm habe ich die Ehre des Septemvirats zu verdanken." Atimetus schmunzelte und reichte Durus, eine Begrüßung murmelnd, die Hand. "Wir wollten meine Ernennung gerade gebührend feiern, hast du nicht Lust, uns zu begleiten?" fragte ich höflich. Kurzentschlossen überlegte ich, ob Helena nicht vielleicht auch zugegen sein würde, so wir denn die villa Aurelia nutzen würden.

    Mit verkniffenem Ausdruck und dem fortwährenden Zwang, ruhig und möglichst gelassen zu bleiben, saß ich in meinem Sessel und hörte zu. Auch, wenn ich ihn am liebsten gleich wieder unterbrochen hätte. Meine Gesichtsfarbe dunkelte auch recht bald wieder rötlich, sobald Ursus mich erneut als intrigant, unaufrichtig und selbstsüchtig bezeichnete. Das war mein wunder Punkt. Auch wenn ich einige wunde Punkte hatte, so war dieser doch jener, der mich am ehesten Entgleisen ließ: Die Unterstellung der Selbstsucht, obwohl ich doch nur versuchte, den Namen meiner Familie reinzuwaschen und aufzuzeigen, dass sie eben nicht nur solche Charaktere wie meinen Onkel oder den Onkel meines Vetters hervorbrachte.


    "Und welchen Vortel hätte ich davon, dich ausbremsen zu wollen? Hältst du mich wirklich für so selbstsüchtig, alles an mich zu reißen und euch an der Kandare zu führen, damit jeder zu mir aufblickt und zu niemandem sonst?" fragte ich gepresst. Den aufwallenden Zorn, einem roten Schleier gleich, kämpfte ich nieder. "Falls du das glaubst, Titus, wenn du das wirklich glaubst, dann wäre es besser, wenn du mich niemals wieder zu deinem Werdegang befragst noch etwas forderst, das mit Vertrauen oder Hilfestellung zu tun hat. Ich halte dich durchaus für einen fähigen Mann, der etwas bewegen kann, wenn er nur will. Doch du musst zeigen, dass du etwas schaffen willst, Titus. Sonst wird es dir im Dienste Roms nicht anders ergehen als hier in der Familie."


    Ich erhob mich. Der Zorn war einer melancholischen Trauer darüber gewichen, dass mein Neffe mir den Erfolg neidete, den ich mir mühsam aufzubauen suchte. Er wirkte nun ebenfalls nüchterner und sachlich. Meine Kiefer mahlten kurz aufeinander, ehe ich zu einer Antwort ansetzte. "Innerhalb von Minuten, ja. Du hast meine Schwachstelle getroffen, das ist der Grund. Es tut mir leid. Wenn deine Meinung über mich aber wirklich der Wahrheit entspricht, wiegt das schwerer als jedes Wort, das ein Neider außerhalb der Familie aussprechen könnte, und das würde mich ebenso hart treffen wie es der Verlust deines Vaters tat." Einen flüchtigen Moment noch verharrte ich, Ursus im Blick, dann klaubte ich das Pergamentblatt vom Tisch, drehte es unschlüssig und ließ es alsdann schier achtlos vor Ursus fallen. Einen kurzen Augenblick später war er allein mit sich und dem ominösen Brief, der den Auslöser dieser Eskalation dargestellt hatte.

    Den Vogel, der über Roms Dächer schwebte, sah auch ich. Es musste eine... Nein, ich hatte keine Ahnung, was das für ein Vogel war. Eine Kornweihe? Ein Rabe? Das wäre passend gewesen, immerhin stand dieser Vogel in engem Zusammenhang mit meinem Namen. Der augur konnte keine Missgunst der Götter deuten, und als er dies laut äußerte, konnte ich einen dankbaren Blick in seine Richtung nicht unterdrücken. Mit einiger Erleichterung und zugleich Stolz im Herzen vernahm ich die nachfolgenden Worte des magister und reichte ihm meinerseits ebenfalls die Hand. "Es ist mir eine Ehre, magister."


    Alle stellten sich der Reihe nach vor, doch würde ich die Hälfte der Namen ohnehin bei der ersten contio wieder vergessen haben, das war mir klar. Der Name des Fulvius Frugi allerdings blieb mir recht gut im Gedächtnis, da um seine Mundwinkel bei der Begrüßung ein recht abweisender Zug lag. Aemilius Atimetus indes klopfte mir aufmunternd auf den Rücken. Die Urkunde reichte ich sogleich an Livius Pyrrus weiter, meinen scriba personalis, welcher sie sorgsam verwahren wurde, bis wir zu Hause angelangt waren.


    Die wenigen Menschen, die sich ob dieser Ernennung versammelt hatten, begannen sich bereits wieder zu zerstreuen. Auch einige der septemviri verließen bereits den Platz. Mein Freund Atimetus machte allerdings den Vorschlag, noch auf die Ernennung anzustoßen, und gern nahm ich seinen Vorschlag an. Zusammen machten wir uns also auf den Weg zu den Sänften.

    Es überraschte mich, dass Albinus doch im römischen Domizil der Dider residierte. Mir war so, als hätte er einmal gesagt, dass er mit seinen Verwandten kaum bis gar nichts zu schaffen hatte. Aber dennoch nickte ich. "In Ordnung", erwiderte ich nickend. "Was einen Wiedereinstieg in die Verwaltung anbelangt... Ja, ich denke, dass du durchaus Möglichkeiten hättest, außerhalb Italias irgendwo einzusteigen. Und die vakante Stelle als praefectus vehiculorum ist an sich ebenfalls ein Verwaltungsposten. Soweit ich weiß, sucht der legatus augusti cursu publico händeringend neue Leute. Falls du mich nach meiner Meinung fragst - dies wäre ein Posten, den ich dir nicht nur zutrauen, sondern empfehlen würde. In kaum einem anderen Amt hat man mehr mit den Menschen zu, deren Stimme später vielleicht das Zünglein an der Wahlwage ist, als in diesem."


    Bestätigend nickte ich, doch Albinus schien eher weniger begeistert zu sein. Gut, es war wohl auch eine Frage des Geschmacks. "Ja, da stimme ich dir zu. Lass es mich wissen, wenn ich dir in irgendeiner Weise behilflich sein kann. Wir bleiben in Briefkontakt, hoffe ich? Sonst gäbe es vorerst nichts weiter. Dein Besuch und dein Anliegen haben mich gefreut."

    Es war ein Wechselspiel. Als Ursus sich setzte, war mir danach, aufzustehen und mit hinter dem Rücken zusammengefassten Händen herumzulaufen. Die Worte, die Ursus mir sozusagen vor den Latz klatschte, zeugten von Unüberlegtheit und troffen vor Sarkasmus. Als er mir vorwarf, gegen meine Familie zu intregieren, war es allerdings vorbei. Ich machte eine zornige Bewegung mit der Rechten, die man gleichfalls auch als Drohgebärde betrachten konnte. "Wage es nicht, mir solche Lügen zu unterstellen, Titus! Alles, was ich tue, mache ich für die Familie. Alles! Denkst du, es fällt mir leicht, dieses allgemeingültige Meinungsbild zu revidieren, das Sophus uns hinterlassen hat? Meinst du, es fiele mir leicht, die Taten meines eigenen Onkels zu vergessen und mich stattdessen darum zu bemühen, dass die Menschen uns sehen, wie wir selbst sind und nicht so, wie das Vermächtnis längst gefallener Sterne dies impliziert?" donnerte ich. "Dein Vater würde ich wahrlich im Grabe herumdrehen, wenn er sehen könnte, wie selbstmitleidig sein Sohn hier heute vor mir steht und mich anklagt, weil ich nicht tatenlos herumsitze und Däumchen drehe, wie sein eigen Fleisch und Blut! Du willst etwas bewirken, Titus, etwas verändern? Dann leiste etwas für dein Reich und deine Familie und warte nicht, bis man dir Tätigkeiten anträgt, derer du nicht im Stande bist, sie auszufüllen! Was denkst du, weshalb ich Appius gebeten habe, sich um die finanziellen Belange der familia zu kümmern, und nicht dich? Ich habe ihn noch nie so jammern gehört wie dich gerade, er versucht sich einzubringen, fragt nach, ist interessiert, bietet sich an. Du hingegen liegst bequem auf deiner Haut, isst mit Sklavinnen Obstsalat und wartest, das man dich bittet etwas zu tun. Hältst du dies für den richtigen Weg? Du glaubst doch nicht etwas, dass dein Vater darauf stolz wäre, oder doch? Ich habe Angst, Titus, aber nicht vor dir. Wovor ich wirklich Angst habe, ist der Umstand, dass du genauso vermessen und hochtrabend wirst wie Appius' Onkel. Dass du auch in Jahren noch untätig darauf wartest, dass man dich miteinbezieht, und ungehalten wirst, wenn man es nicht tut - so wie jetzt. Was ist es, das dich dermaßen verärgert? Das Wissen darum, dass ich recht habe? Mensch Titus, wenn du etwas leisten willst, dort ist die Tür - gehe hinaus in die Welt, packe etwas an, leiste etwas! Es gibt so vieles, das getan werden muss!"


    Ich atmete einige Male gewzungenermaßen ruhig ein und aus. Eigentlich hatte ich mich nicht so gehen lassen und in Rage reden wollen. Es war zu spät. "Du magst mich für überheblich und intrigant halten, doch wenn du weiterhin auf deinem Fleisch hockst und nichts weiter tust als zu jammern, wird dir niemand jemals etwas zutrauen. Du bist ein Teil dieser Familie, so wie ein jeder hier. Und ebenso kannst du auf Unterstützung hoffen, selbst wenn deine Kandidatur auf wackligen Beinen steht. Ich will weder dir noch sonst jemandem in diesem Hause etwas Böses, Titus, nur du musst damit aufhören, dich stets zu beklagen. Bewirke etwas, dann traut man dir etwas zu. Doch das geht nur, wenn du dir selbst etwas zutraust." Ich war nun wieder ruhiger, setzte mich in einen nahestehenden Sessel und seufzte tief. Mit einer Hand fuhr ich mir übers Gesicht. "Verzeih, ich wollte nicht ungehalten sein", entschuldigte ich mich schließlich nüchtern.

    Die Lippen zu einem blutleeren Strich zusammengepresst, schenkte ich den Worten meines Neffen Gehör. Ich musste mich regelrecht zwingen, ihm nicht dazwischen zu fahren und ihn ausreden zu lassen. "Stünde ich auf einem Podest, würde ich von oben herunterschauen, was scheinbar nicht der Fall ist", gab ich kühl zurück, denn Ursus stand noch, während ich mich bereits vor einer Weile gesetzt hatte. "Hättest du also die Güte, dich zumindest zu setzen?" fragte ich ihn neutral und grübelte kurz darüber nach, ob er wüberhaupt einmal aufgepasst hatte während der Zeit, die er in Griechenland verbracht hatte.


    "Du siehst dich also benachteiligt gegenüber Appius, ist das so? Wie kommt es, dass du nicht schon vorher darüber gesprochen hast? Und wie kommst du dazu, zu behaupten, auch Appius fühle sich unterfordert, von mir ignoriert oder wie auch immer man deine Worte auch deuten mag? Appius kam nie zu mir und klagte über Untätigkeit", erwiderte ich. "Du möchtest also Verantwortung übernehmen? Dann sage mir, womit ich dir mehr Verwantwortung übertragen kann, und ich werde mir überlegen, ob ich dich für reif genug halte, Titus. Dein momentanes Auftreten allerdings - das sage ich frei heraus - überzeugt mich nicht gerade von deiner Fähigkeit, ein politisches Amt zu bekleiden oder eine verantwortungsvollere Rolle innerhalb der familia einzunehmen. Dennoch unterstütze ich deinen Wunsch, in diesem Jahr zu kandidieren, denn du bist einer der Unseren und noch dazu mein Neffe. Es geht auch nicht darum, ob ich dich für geeignet halte, sondern darum, ob du selbst dich für bereit hältst, diese Aufgabe anzugehen. Die Politik ist kein Zuckerschlecken, Titus. Wer zaudert oder unentschlossen ist, der wird hinweggefegt von seinen Mitstreitern oder vom Volke Roms selbst."

    Ich holte bereits verärgert Luft, um Ursus die Meinung zu sagen, als dieser sogleich weitersprach und mich damit einfach überrollte. Was er sagte, war geprägt von Neid und Selbstmitleid. Beides zusammen konnte eine explosive Mischung ergeben, welche den Redner um Kopf und Kragen bringen konnte. Das Dokument, das mich zuvor in Hochstimmung versetzte hatte, lag nun unbeachtet auf einem kleinen Beistelltisch. Ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Ursus war erregt und wusste nicht, was er redete, sagte ich mir, obwohl ich gut Lust gehabt hätte, ihn gleichsam anzufahren.


    "Ich möchte zuerst einmal, dass du dich beruhigst. Dein Verhalten würde ich eher von Sisenna erwarten als von dir. Auf dieser Grundlage kann man kein konstruktives Gespräch führen", bat ich Ursus. "Wenn du das schaffst, bin ich bereit, mich angemessen mit dir zu unterhalten." Die Frage war vielmehr, ob er das wollte, denn sein Können diesbezüglich stand außer Frage.

    Gut, nahm ich den Arm also fort. Die Lautstärke und der Ton allein wären für mich schon ein Grund gewesen, Ursus zurechtzuweisen. Zwar war er jünger als ich, nur geringfügig, aber manches Mal hatte ich durchaus den Eindruck, er sei schlichtweg unreif, dann aber wirkte er sehr erwachsen. Im Moment allerdings nicht.


    Mit gefurchter Stirn setzte ich mich auf eine Liege und bedachte Ursus mit forschendem Blick. Er hatte ein Problem mit mir? Das wollte mir nicht so ganz klar werden. Was war es, das ihn störte? Mit gezwungen stoischer Ruhe betrachtete ich meinen Neffen, den Erstgeborenen meines Bruders. Ich versuchte, in seinem Gesicht zu lesen, doch erwies sich dieser Versuch als unmöglich. Nur kaum verhohlene Wut und Zynismus vermochte ich zu erkennen. "Mir fällt auf, dass du wütend bist, den eigentlichen Grund aber nicht aussprichst", entgegnete ich ruhig. "Was ist es, das dich so zerfrisst, Titus?" Er mochte ja recht haben, wenn er behauptete, dass ich viel Zeit in meinem officium verbrachte. Aber was genau störte ihn über die Maßen daran? Mir wollte es nicht klar werden.

    Sim-Off:

    JWD: Parthia, Lucius Aelius Quarto



    Ad
    Lucius Aelius Quarto
    - Feldpost -
    legio I in Parthia
    Parthia, JWD



    decemvir litibus iucandis M. Aurelius Corvinus L. Aelio Quarto s.d.


    Das Verteilen eines Erbes zählt, wie dir bekannt ist, zu den wichtigsten Aufgaben der decemviri litibus iucandes. Die gesetzten Fristen hätten unter normalen Umständen ausreichen sollen, sich rechtzeitig zurückzumelden. Dennoch ist das Anliegen deines Briefes vom ANTE DIEM V ID NOV DCCCLVII A.U.C. (9.11.2007/104 n.Chr.) ein verständliches, denn das Führen eines Krieges kann kaum als normaler Umstand bezeichnet werden. Die decemviri haben dies eingesehen und beschlossen. dem Wunsch des Kaisers umgehend zu entsprechen. Jedoch muss ich dir leider mitteilen, dass zunächst geprüft werden muss, ob in den betroffenen Fällen das Erbe nicht bereits dem Staat zugute geschrieben wurde. Ich werde dies umgehend veranlassen und dich so schnell als möglich in Kenntnis darüber setzen, ob der Kaiser gegebenenfalls seine Einwilligung dazu geben muss, den Betroffenen das ob der versäumten Frist abgeschriebene und der Staatskasse zugeschriebene Erbe aus ebendieser zu vergüten.


    Anbei findest du für deine Unterlageneine vollständige Liste jener Männer, die einen Verlust in der Heimat zu beklagen und gleichsam etwas geerbt haben.


    Mögen die Unsterblichen über euch wachen. Roma victrix!
    Vale.



    - Anlage -


    [Blockierte Grafik: http://img100.imageshack.us/img100/2062/siegelmacdliwx8.gif]



    ROMA, ANTE DIEM III ID NOV DCCCLVII A.U.C. (11.11.2007/104 n.Chr.)


    Sim-Off:

    Konkret bedeutet das: Hungi hat von mir die Listen bereits bekommen. Ich nehme an, dass er die Summen/Waren/Betriebe bereits dem Staat zugeschrieben hat. Ob er sich nochmals Arbeit machen möchte, kann ich nicht sagen, werde aber nachfragen.




    - Anlage -


    Keine/verspätete Meldung erhalten und Erbschaft dem Staat zugeschrieben von:
    Appius Iunius Lucullus
    Marcus Caecilius Decius
    Marcus Iulius Sparsus
    Marcus Decimus Livianus


    Meldung fristgerecht erhalten und Erbschaft ausgezahlt von:
    Marcus Flavius Aristides




    Sim-Off:

    Tarraco: Caius Redivivus Evander



    Ad
    Caius Redivivus Evander
    aedificia tarraconensis in Tarraco
    Hispania



    decemvir litibus iucandis M. Aurelius Corvinus C. Redivivo Evandris s.d.


    Ausgehend von deinem Brief vom ANTE DIEM XV KAL NOV DCCCLVII A.U.C. (18.10.2007/104 n.Chr.) wurde dein erhobener Erbanspruch in den Fällen Redivivus Romanus et Redivivus Maxentius geprüft. Die decemviri litibus iucandes haben beschlossen, deinem Anliegen stattzugeben. In Kürze wird dir das Vermögen der oben aufgezeigten Personen uberantwortet werden.


    Vale.



    [Blockierte Grafik: http://img100.imageshack.us/img100/2062/siegelmacdliwx8.gif]



    ROMA, ANTE DIEM III ID NOV DCCCLVII A.U.C. (11.11.2007/104 n.Chr.)


    Sim-Off:

    Das Erbe sollte inzwischen ausgezahlt worden sein, auch wenn es kein Fehler in der SimOn-Verteilung des Erbes war, sondern einfach nur Zufall, dass deine ID quasi "dazwischen gekommen" ist.


    Mein ausgelassenes Grinsen schwand allmählich einem verwunderten, mürrischen Gesichtsausdruck. Ursus' Miene sprach Bände, mehr noch als seine Worte aussagen konnten. Doch warum war er so verärgert, weshalb so verbittert? Nebenher rollte ich den Papyrus wieder zusammen.


    "Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?" fragte ich verblüfft. Dass er sich nicht für mich freute, war mir zwar etwas unverständlich, aber doch akzeptabel. Nur die Miene, welche er zur Schau trug, war mir nicht unbekannt. Wann immer ich Ursus in den letzten Wochen in einem Moment gesehen hatte, in dem er sich unbeobachtet gefühlt hatte, war da dieser verbitterte Ausdruck um seine Mundwinkel gewesen. Nur weshalb? Ich entschloss mich, der Sache gleich einmal auf den Grund zu gehen, und zu diesem Zweck drehte ich mich, legte ihm lässig einen Arm um die Schulter und schob ihn ins adedis, noch ehe er sich sträuben konnte. "Irgendetwas stimmt doch nicht mit dir. Möchtest du nicht darüber reden? Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen? Titus, du bist der Sohn meines Lieblingsbruders. Wenn du ein Problem hast, sag es mir doch."

    Die Brauen zogen sich grübelnd zusammen, als Gracchus sich zu mir beugte und von Agrippina sprach. Der Geruch eines Duftwassers stieg mir in die Nase und verwirrte für einen flüchtigen Moment meine Sinne. Während er seine Sicht der Dinge darlegte, stand ich wie gelähmt da, hörte ihm versteinert zu. Selbst in diesem Moment des Schmerzes, der ihn sichtlich ergriffen hatte, vermochte er noch derart scharf zu denken. Ich hatte nie einen Hehl aus meiner Bewunderung für diesen Mann gemacht, und obwohl es so ziemlich der unpassendste Moment aller Augenblicke war, bewunderte ich ihn auch jetzt ob seines Verhaltens. Neben uns lag seine Schwester in ihrem eigenen Blute, leblos und kalt, und er dachte an die Zukunft Roms und - so erschien es mir - nicht einen einzigen flüchtigen Augenblick lang an sich selbst, obwohl ihn der Schmerz ob dieses Anblicks doch zerfressen musste. Nein, stattdessen schien sein einziges Ansinnen zu sein, die pax deorum zu wahren, oder zumindest das, was davon noch übrig war nach dieser frevlerischen Tat. Ich hatte den Flavier fehleingeschätzt, und ich leistete in Gedanken Abbitte für diese Misslichkeit. Kurz senkte ich den Blick, die aufkeimende Scham aus meinem Blick zu vertreiben suchend, dann sah ich ihn aufs Neue an. Seine eindringliche Aufforderung, den Schein zu wahren, berührte mich tief und ließ meine ans Volk gerichteten Worte so klein und unwichtig wirken wie eine Bremse auf dem Rücken eines Pferdes. In Ermangelung besonnener Worte, die ich auf die seinen hätte erwidern können, nickte ich lediglich langsam. Gracchus war älter als ich, was an sich nicht schwer war mit meinen vierundzwanzig Jahren, doch strahlte er zudem eine solche Weisheit aus, verkörperte er gleichsam die römischen Tugenden wie niemand sonst, der mir bekannt war - es musste beinahe an Schwärmerei grenzen, welche mich gepackt hielt in puncto Manius Flavius Gracchus. Niemals hätte ich das zugegeben, eher hätte ich mir die Zunge abgebissen! Und nun stand er hier, im Blick seine tote Schwester, die virgo vestalis maxima, welche mich noch vor wenigen Tagen Sisennas wegen besucht hatte, und erteilte mir gleichsam unbewusst eine Lektion in Sachen Ehre und Vaterlandstreue, dass ich mich unweigerlich schämen musste.


    Ich gewahrte seinen Blick zu Agrippina hin, die niemals wieder die unreine Luft Roms würde atmen, studierte gleichermaßen sein Gesicht und erinnerte mich an die Art, wie Aquilius stets von seinem Vetter gesprochen hatte. Und der Blick, mit dem er mich schließlich maß, als er mir gestand, wer sie einst gewesen war und noch immer war, schien so verzweifelt, dass ich erneut schlucken musste. Ich trat einen Schritt zur Seite und damit zwischen ihn und die tote Vestalin, damit er zuwenigst von diesem Anblick verschont blieb. Das Mitgefühl hatte einen stattlichen Kloß in meine Kehle gepflanzt, sein Blick tat ein Übriges. Die so hilflos wirkende Bitte des Mannes, den ich - ja, verdammt, es war so! - insgeheim als mein Vorbild betrachtete, brachte mein Bild ins Schwanken und traf mich zugleich tief in meinem Innersten. Die Nuance meines Seins, die ich seit einigen Jahren in einem entlegenen Winkel meines Seins verschlossen hatte, befreite sich mit einem Schlag und sah in Gracchus nun mehr als einen verwundeten pontifex, der sein Leben Rom geschenkt hatte und es gleichsam widmete. Die Hand auf meiner Schulter erschien mir nun schier ebenso leb- und kraftlos zu sein wie jene der Vestalin in meinem Rücken. Ich hob die Rechte und legte sie fest auf Gracchus Hand, den Blick nicht von seinem lassend. Bar jeden Wortes, suchte ich ihm Kraft zu spenden, gleich wie. Eine Umarmung wäre mehr als unpassend gewesen, bedauerlich zwar, doch sah ich zumindest in diesem Punkte klar, denn nichts verband Gracchus und mich außer vielleicht einem vagen Band der gegenseitigen Anerkennung, wenn ich überhaupt darauf hoffen konnte. Zudem gafften um uns herum die Menschen. Nein, es wäre mehr als unklug gewesen, sich anders zu verhalten als ich es tat.


    Kein Wort vermochte wohl das Empfinden zu lindern, welches Gracchus ergriffen hatte. Meine linke Hand fand nun ihren Platz auf seiner Schulter, und so standen wir einen allzu flüchtigen Moment dort verbunden auf den Stufen des Vestatempels. "Der Mörder wird gefunden werden, Gracchus, die pax deorum und die Ehre deiner Schwester wiederhergestellt. Rom wird nicht untergehen. Es wird nicht vergehen, niemals." Eindringlich waren die Worte und eindringlich sah ich ihn an. "Ich lasse sie hineinbringen und säubern. Ich werde mich um sie kümmern, das verspreche ich, so wahr ich hier stehe", gelobte ich und nickte. Einen Moment verhielt ich noch, doch dann ließ ich den Flavier los und winkte den kleinen Trupp Soldaten herbei, welcher mich während der Ausübung meines Amtes stets begleitete und welcher gegenwärtig versuchte, den Mob im Zaum zu halten. Von den sechs Männern waren nur noch vier zugegen, die anderen beiden waren mit Sicherheit bereits unterwegs, um die cohortes urbanae zu informieren. Pyrrus stand etwas abseits mit bleichem Gesicht herum und vermied es, die tote Vestaln anzusehen. Ihn ließ ich außer acht, den vier Soldaten indes erteilte ich mit knappen Worten die Weisung, Flavia Agrippina in die schützenden Mauern des Tempels zu bringen und sie dort ihren Schwestern zu überantworten, damit sie den leblosen Körper waschen und herrichten konnten.


    Die Vestalin wurde soeben empor gehoben und entblößte einen grässlich verschmierten Blutfleck auf dem sonst strahlendweißen Marmorboden. Ich wandte mich erneut an Gracchus. "Setze deine Amtsbrüder von diesem Verbrechen in Kenntnis, Gracchus. Sie sollten es so schnell als möglich erfahren. Mein scriba wird dich gern begleiten, so du es möchtest." Ich wollte ihn nur ungern allein lassen, mich zugleich aber an mein gegebenes Wort halten und über Agrippina wachen. "Sei stark, mein Freund", fügte ich leiser hinzu und wollte einen Moment verstreichen lassen, ehe ich den Soldaten in den Tempel folgen würde. Doch da entdeckte ich einen allzu bekannten Mann, den die Menge soeben ausspuckte.


    /edit TippEx

    Kaum hatte mein Auge Ursus erfasst, änderte ich auch schon die Richtung und steuerte nun ihn an. Einer Fahne gleich schwenkte ich den Papyrus auf Brusthöhe hin und her, dabei breit grinsend. Der Spott in der Stimme meines Neffen entging mir zwar nicht, doch ich entschied spontan, dass ich wohl kaum der Auslöser für seine schlechte Laune sein konnte. "Titus, du wirst es nicht glauben", platzte ich also heraus und überging damit einfach seine spitze Bemerkung, als hätte er sie nie ausgesprochen. Ich hielt im Schwenken inne, entrollte das Dokument und hielt es alsdann meinem Neffen unter die Nase. "Schau dir das an!" forderte ich ihn auf und musterte ihn ungeduldig. Täuschte ich mich, oder las er wirklich so langsam? Nur wenige Sekunden später hielt ich es nicht mehr aus und präsentierte den Inhalt des Briefes in einem kurzen Satz: "Ich werd' zum septemvir ernannt!" Kein Zweifel, jetzt würde er sich bestimmt ebenso freuen wie ich über diese Ehre, die mir zuteil wurde. Und dass dies auch einen Vorteil für die gens bot, war ohnehin klar. Ich ließ die Hand, welche das Schriftstück gehalten hatte, also wieder sinken und grinste Ursus fortwährend an.

    In einer maßgeschneiderten toga praetexta war ich der Sänfte entstiegen, die mich bis zum Capitol gebracht hatte. Den letzten Weg hinüber zur arx war ich zu Fuß gegangen. Mit gleichermaßen Stolz wie Aufregung in der Brust, wartete ich nun darauf, dass die inauguratio vollzogen und der Götter Wille nicht gegensätzlich zur Kooptation durch die septemviri stehen würde. Der augur, der offensichtlich das Ritual durchführen und den Willen der Götter kund tun würde, war Annaeus Sophus, welchen ich bereits bei der Tempelweihe in Mantua kennen gelernt hatte. Ihm nickte ich höflich zu. Auch die versammelten acht Epulonen mit ihrem magister bedachte ich mit freundlichen und zugleich verborgen forschenden Blicken. Vor wenigen Wochen hatte ich der Inauguration von Flavius Gracchus und Tiberius Durus beigewohnt. Damals hätte ich nicht einmal annähernd vermutet, dass es nicht lange dauern würde, bis ich selbst hier stand...

    Nach Wochen der Grübeleien und tagelangem Hin- und Herüberlegen fühlte ich mich seit meinem Besuch bei der Eheregistratur wiederausgeglichener und in nicht geringem Maße frei. Ich lag träge auf einer rotbespannten Liege und starrte Löcher in das adedis. Ein kristallener Weinkelch mit tiefroter Flüssigkeit beschäftigte schwenkenderweise meine rechte Hand, während ich resümierte. Meine Entscheidung war eine gute gewesen, rein egoistisch gesehen tat sie mir nach anfänglichem (und zugegebenermaßen auch fortwährendem, wenn auch geringerem) Schmerz doch gut. Dass Deandra sich vor den Kopf gestoßen, ausgenutzt, hintergangen, ausgegrenzt oder wie auch immer fühlen musste, war mir zwar bewusst, doch ich verdrängte es schlicht zu meinem eigenen Wohle. Keine gerechte Lösung, aber eine für mich akzeptable, und ich hielt es zudem für besser, wenn wir uns nicht sahen, auch nicht befreundet, sofern das überhaupt noch möglich war nach dem Vertrauensbruch, den sie begangen hatte, und dem anschließenden scheinbaren Desinteresse. Seitdem nun aber das Verlöbnis ausgetragen und ich in gewissem Maße wieder gänzlich – und auch gedanklich - frei war in meinem Tun, gestand ich mir ein, dass mir während der vergangenen zwei Jahre etwas gefehlt hatte und ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal annähernd nachvollziehen konnte, warum genau ich mir diese Bürde der Entsagung hatte aufgezwängt. Oder aufzwängen lassen? Es war auch vollkommen unerheblich. So erleichternd war es, dem allzu menschlichen Drang nach Freiheit und der Leichtigkeit des Seins wieder nachzugeben, so befreiend...


    Mein Haar klebte nass vom Schweiß an meinem Kopf, und doch hatte eine Gänsehaut meinen Körper überzogen. Das Raubtier, welches so lange in meinem Innersten geschlummert hatte, war entfesselt worden. Gleich zwei Opfer hatte es sich auserkoren, gelenkt von einer unstillbar anmutenden Gier nach dem, was ihm so lange versagt geblieben war. Katzenhafte Bewegungen und entzückte Laute waren die Reaktion auf forsches Vorgehen, ungestüme Spielereien und raue Worte, die meiner Kehle entwichen. Solches Verlangen nach Erlösung hatte ich so lange nicht mehr verspürt. Markante Gesichtszüge mischten sich in den roten Taumel der Erregung, unwirkliche Bilder eines längst vergangenen Sommertages. Mit Feuchtigkeit benetzte Trauben und tropfender, blutroter Wein mengten sich bei und bahnten sich ihren Weg über wohlgeformte Haut. Glitzernder Freudentaumel ergriff mich, als...


    „dominus?“ Ich war schlagartig dem Traum entglitten, suchte aber dennoch mit geschlossenen Lidern an ihm festzuhalten. Eine hand berührte mich zaghaft an der Schulter, ich ergriff sie und zog sie heran. Der Sklave stieß leise einen erschrockenen Laut aus und starrte mich an. Das sah ich, weil ich ihm nun mürrisch entgegenblickte. Ja, ich trug Caecus nach, dass er den Traum nicht hatte ausklingen lassen, ehe er mich behelligte. „Äh, ehm... Da ist ein Brief für dich gekommen. Äh, Herr“, informierte mich der halbseitig Blinde nun und hielt mir einen Papyrus entgegen. Missgestimmt entriss ich ihm das Dokument und schickte ihn mit einem Kopfnicken fort. Während Caecus, sichtlich froh darüber, den Raum verließ, brach ich das offiziell wirkende Siegel.


    magister septemvirorum stand da. Nanu, was wollte denn der von mir? Hm, sicherlich hatte er geerbt. Allerdings hatte er mit mir damit wohl den falschen decemvir behelligt, denn der Name Opimius sagte mir nichts. ..beschlossen, Dich, Marcus Aurelius Corvinus, Sohn des Marcus Aurelius Antoninus, in die Reihen der Septemvires zu erheben... Ich stockte, blickte mich dann verstohlen um. Ein wirklich gelungener Scherz. Auch die Unterschrift sah recht authentisch aus. Ohne weiteres hätte ich Lupus diesen Scherz zugetraut, doch er als Kyniker hätte sich nicht einmal annähernd so gewandt ausdrücken können. Ob Cotta ihm geholfen hatte? Ich entschied, dass mein Vetter zwar den Scherzen nicht abgeneigt war, sich solch einen derben Spaß aber nicht erlauben würde. Das würde bedeuten... Erschrocken las ich den Brief ein zweites Mal. Ein drittes Mal verwundert. Ehe ich ihn das vierte Mal - und diesmal jubilierend – las, setzte ich mich auf. Ich und septemvir? In eines der bedeutendsten collegii Roms gewählt worden zu sein... Das hatte ich mit Sicherheit Aemilius Atimetus zu verdanken, denn außer ihm kannte ich keinen der Epulonen näher, sah man vom Austausch von Höflichkeitsfloskeln einmal ab. Ich erhob mich, den Brief in der Linken, und eilte aus dem Raum. Eine gute Neuigkeit war nur dann wirklich bedeutend, wenn man sie mit anderen teilen konnte, und genau das hatte ich vor. Corvinus als septemvir! Nicht einmal in meinen wahnwitzigsten Träumen hätte ich gedacht, dass ich in den Genuss einer solchen Ehre kommen würde.