Ein leicht süffisantes Grinsen zeigte sich um meine Mundwinkel, als ich Cadhlas Skepsis gewahrte. Sie hatte eben negative Erfahrung mit Römern gemacht, rief ich mir ins Gedächtnis. Welchem Sklaven ging es nicht so? Aus meiner Warteposition im angenehm warmen Wasser heraus verfolgte ich ihre Reaktionen und studierte ihr Verhalten genau, selbst wenn ich mich unbeteiligt gab. Bei meiner Berührung schien sie panisch zu werden, was mir vermutlich eine Antwort auf die vorangegangene Frage gewährte. Entweder, sie hatte wirklich noch nie bei einem Mann gelegen, oder aber, sie fürchtete sich nur vor dem Römer, der sie gekauft hatte. Prüfender Art taxierte ich die hellhäutige Rothaarige mit den schönen Augen. Feurig, dachte ich.
"Wie alt bist du, Cadhla?" zerschnitt meine Stimme schließlich die dunstige Stille, die sich im Raum ausgebreitet hatte. Ungeachtet ihrer panisch anmutenden Versuche, den Hautkontakt mit mir mittels eines Übermaßes an Seife zu vermeiden, nahm ich meine Hand nicht fort, sondern strich, im Gegenteil, über den Arm bis hinauf zum Schlüsselbein, wo ich verhielt und nur die Fingerkuppen leicht kosend kreisen ließ. Die Ader an meiner Schläfe trat etwas weiter hervor und pochte im schnelleren Rhythmus meines Herzens, des Herzen eines Jägers auf der Jagd. Für einen kurzen Moment musste ich an mich halten, um nicht über Cadhla herzufallen wie ein ausgehungerter Wolf über ein Rehkitz, doch mit geschlossenen Augen, gepressten Kiefern und der vagen Vorstellung einer wahllosen, schier unendlichen Zahlenkolonne konnte ich das Verlangen vorerst niederkampfen. Als ich die Augen neuerlich öffnete jedoch, konnte ich mich eines Blickes auf die zarten Rundungen der Keltin nicht erwehren, und sogleich glitt die Hand in sanftem Streicheln an den Brustansatz.
Die Augen richtete ich nun wieder auf Cadhlas Gesicht und bemerkte aufs Neue ihre große Angst in den grünen Augen. Es kostete mich zwar einiges an Willensanstrengung, doch ich zog meine Hand wieder zurück, richtete mich etwas auf und räusperte mich leise. Trotz aller mich durchströmender, rhythmisch pulsierender Leidenschaft war ich dennoch kein Mann, der sich, brandschatzenden, mordenden und hurenden Soldaten gleich, einfach nahm, wonach es ihm gelüstete. Meine Gedanken kreisten sich kurz um Camryn, doch dann manifestierte sich die jetzige Situation wieder. "Du brauchst dich nicht zu fürchten, Cadhla. Ich werde dich zu nichts zwingen. Dazu gibt es keinen Grund", sagte ich, und doch gab gewiss nicht nur mein Blick bereitwillig Auskunft darüber, wonach es mich gelüstete. Dennoch. Ich hatte nicht vor, die für jeden in diesem Haushalt geltenden Grundsätze selbst zu übergehen. Sie zog mich an und ich begehrte sie, besonders in jenem Moment. Ich hatte sie gekauft, sie befand sich in meinem Besitz, hatte mir zu gehorchen... Erneut glitt mein Blick über den verführerischen Körper. Ich bedauerte, dass die spiegelnde Wasseroberfläche allzuviel von dem verzerrte, was sich im Wasser verbarg, nicht einmal eine Armeslänge von mir entfernt...
Andererseits, flüsterte die Stimme in meinem Kopf, konnte ich ihr genauso gut verbieten, jemals mit jemandem darüber zu reden, wenn ich sie zwang, sich mir hinzugeben. Doch - und das war das Manko daran - wie konnte ich mir dann sicher sein, eines Tages nicht erdolcht auf meinem Lager zu liegen? Nein, sagte ich mir. Das war es nicht wert. Und dennoch war die Waschung nicht das einzige, was mir den Hauch einer Gänsehaut bescherte. Unter Wasser berührte mein Knie ihren Oberschenkel. Unbeabsichtigt, aber dennoch nicht ohne Folgen. Wohlig schloss ich die Augen und vergrößerte den Hautkontakt etwas. Sonst lag ich recht entspannt im warmen Wasser, sah man von einer Verspannung ab, die vorhanden war, seitdem Cadhla zu mir ins Becken gestiegen war.