Naja, es ist ja auch nichts Neues, dass im IR mindestens zwei Sorten von Spielern vertreten sind. Solche, die des Rollenspiels wegen hier sind und solche, die der Simulation des antiken Roms wegen hier sind. Die WiSim ist ein freiwilliges Angebot und sollte das auch bleiben, und wenn ich ganz ehrlich bin, dann habe ich selbst auch nur ein Konto, weil ich ein Amt ausübe und weil man zum Beispiel zum Sklavenkauf eben WiSim-Geld haben muss. Es ist ein nettes Zusatzelement, das so einigen das Spiel attraktiver gestaltet, aber mehr ist es auch nicht. ![]()
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Original von Ioshua ben David
Der Vergleich hinkt aber. Denn egal ob ich in die Politik gehe, zum Militär oder als fahrender Händler mich verdinge, ich bin beteiligt am Wirtschaftskreislauf. Ich muß essen, kleide mich ein, etc......was du alles auch so ausspielen kannst. Dazu braucht man keine WiSim.

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Bereits als Saba vortrat und die Rollen der Sklaven vortrug, nahm das Gefühl der Mulmigkeit in mir immer mehr zu. Claudus Menetekel... Falivus... Verstohlen schielte ich zu Menecrates, Gracchus und Aquilius. Im stillen begann ich bereits, zu den Göttern zu beten, dass ihnen entweder die erschreckene Namensähnlichkeit nicht auffiel oder sie diesen Umstand als Scherz auffassen würden. Im Verlauf des Theaterstücks gesellte sich zu diesen stummen Stoßgebeten noch der Wunsch hinzu, schamhaft im Boden versinken zu können, wenn ich später darauf angesprochen werden sollte, was der Blödsinn denn sollte.
Und dennoch musste ich an manchen Stellen dieser ersten Szene schmunzeln, spiegelten doch Camr...Camyllas Erklärungen für das Fernbleiben einiger Familienmitglieder erst kürzlich stattgefundene Szenen wider. Bei der Vorstellungsrunde und Menetekels Gehabe musste ich breit grinsen - das war Menecrates, wie er leibt und lebt! Erschrocken wandte ich den Kopf, als man Flavius Gracchus auf der Bühne karikierte. In perfekter Manier spielte Caecus, der halbseitig Blinde, den Flavier. Mimik, Gestik, sogar die Worte - es war unmissverständlich, wer damit gemeint war. Aus den Augenwinkeln warf ich einen Blick auf Gracchus, der ganz in meiner Nähe saß. Verstand er es als Spaß oder würde er gleich aufstehen und gehen? Und die anderen Gäste? Erneut suchte ich Priscas Blick. Ich sah schon die Schlagzeilen in der acta: "Verrückt gewordene Aurelier beleidigen halb Rom" oder "Wahnsinns-Weinfest: Wer wird die noch wählen?" oder vielleicht "Skandal zwischen Ranken! Theaterstück avanciert zur beleidigenden Frechheit". Mein Mund war trocken. Seneca hatte zwar einmal über ein Gelage geschrieben, doch dies war ganz sicher nicht von Seneca. Ich winkte einen der bedienenden Sklaven heran. Ich brauchte jetzt Wein.
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Es sollte zum feinen Ton gehören, einen solchen Verlauf des Spiels (=Entdeckung einer geheimen Angelegenheit egal welcher Art) zuvor mit den direkt involvierten Personen abzuklären.
Just my two cents. -
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Original von Ioannis
Es gibt immerhin 13 Weingüter und 12 Weinkelter.Und jeweils einer gehört Avitus. :D:D
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Weiß. Ich verzog keine Miene. Gerade hatte ich mich zum Affen gemacht. Ich rettete mich in eine hastige Bestätigung. "Ja, natürlich gefällt es mir!" Vermutlich reichte das nicht. "Die, ähm, palla passt hervorragend zu dem, hm, Weiß der tunica, Prisca. Aber du wärst auch ohne diesen Putz eine herausragende Schönheit." Mit einem zufriedenen Ausdruck auf dem Gesicht lehnte ich mich etwas zurück und musterte meine Nichte. Würde das an Komplimenten genügen? In Modesachen war ich ja nun wirklich der falsche Ansprechpartner.
Der richtige Ansprechpartner indes war ich für das Anliegen, das Prisca scheinbar für diese Sergierin vorbrachte. Ich war froh, mich nicht länger mit Kleidungsfragen aufhalten zu müssen. Interessiert beugte ich mich etwas vor. Dass ich einen paedagogus suchte für Sisenna, war schließlich kein Geheimnis. Kein Wunder, dass auch die Sergierin davon etwas mitbekommen hatte. Wollte nicht jemand sogar einen Aushang tätigen? "Hmm", machte ich langgezogen und strich mir übers Kinn. "Wir könnten sie natürlich erstmal zur Meditrinalia einladen. Um zu sehen, ob sie sich überhaupt mit Sisenna versteht", schlug ich vor. Ich hielt das für eine recht sinnige Idee, denn wenn sich die beiden nicht verstanden, hatte eine Anstellung ohnehin nicht den gewünschten Effekt: Sisenna sollte mit Begeisterung lernen, und die war ohne eine sympathische Basis nur schwer zu erzeugen. "Ich lasse sie auf die Gästeliste setzen", beschloss ich schließlich und nickte absegnend. Als Prisca dann die Thematik vor der Kleidung erneut aufgriff, seufzte ich und tat zuerst so, als hörte ich sie nicht. Ob des fragenden Blickes aber konnte ich nicht weiterhin einfach so tun, also entschloss ich mich, den Ahnungslosen zu spielen, in der Hoffnung, sie möge aufgeben: "Hm?"

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Original von Aulus Octavius Avitus
Also die Anzahl der Betriebe muss begrenzt werden. Der Warenbestand muss einmalig vernichtet werden. Öffentliche Spenden, Geschenke und Gastgaben sind als persönliche Angebote abzugeben.Diese Forderungen finden in mir z.B. schon den ersten Gegner, da sie Blödsinn sind.
Außerdem sind die Betriebe begrenzt: Patrizier dürfen nicht aus der vollen Palette ihre Betriebe wählen und generell darf eine ID nur 4 Betriebe haben. -
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Original von Theodoros Alexandreus
Dann braucht man einen Römer, der sich bereit erklärt, das Kind als Vater anzunehmen.
Oder jemanden, der den Peregrinen als Sohn annimmt, damit dieser das Bürgerrecht erlangt.
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Inzwischen hatte ich mich mit Durus, Gracchus und seiner Frau ebenfalls ins tablinum begeben. Wir hatten noch gute Plätze ergattert, denn da sich ausschließlich Prisca um das Stück gekümmert hatte, war ich nicht minder gespannt als die Gäste. Mein Blick streifte kurz die versammelte Schar, blieb für einen Augenblick an Helena hängen und schweifte sodann weiter.
Erwartungsvoll sah ich zu Prisca...und erstarrte. Gebannt sickerten die Worte in meinen Verstand. Werwiewas? curator mulierum? Corvus?! Verstohlen linste ich nach rechts und links, um die Reaktion der Gäste aufzufangen. Ein vages Gefühl beschlich mich. Konnte es sein, dass...? Nein, nein. Nein, das hatte sie gewiss nicht getan...oder doch? Ich versuchte, Priscas Blick aufzufangen, doch im Halbdunkel - denn nur die Bühne war beleuchtet - konnte ich nicht auf mich aufmerksam machen, ohne herumzuhampeln. Mit nicht geringer Nervosität harrte ich also der Dinge, die kommen würden...
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Original von Aulus Octavius Avitus
Es geht doch nicht um die Ware die gekauft wird. Sondern die Überschüsse, die produziert werden. Erinnert mich an die Butterberge, aber gut, dass ist ein anderes Thema.Und?
Das liegt mMn daran, dass man eben produziert, wenn man Geld hat, damit die Steuern nicht die Hälfte auffressen. Dann produziert man eben weiter, statt den oder die Sklaven aus dem Betrieb zu nehmen. Finde ich aber auch nicht sonderlich schlimm... -
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Original von Aulus Octavius Avitus
112.980,2 Sesterzen, der Wert aller Lebensmittel auf dem Markt.
Daher ein weiterer Vorschlag, ein Brand oder eine Krankheit, sollte einmal alle Waren auf dem römischen Markt vernichten.Ich frage mich gerade, ob du Langeweile hast.

Irgendwer wird auch die freien Waren auf dem Markt gekauft haben, wie Ursus schon sagte. Wo liegt also hier die Diskussionsgrundlage?
edit: Ich habe z.B. 600x Brot gekauft und die umsonst angeboten. Da hat keiner ein Minusgeschäft gemacht.Dann die Idee mit dem Brand... Nun ja, wenn das passiert, dann haben plötzlich alle ihre Betriebe außerhalb Roms. Zudem wäre ein Brand, der sämtliche römischen Güter vernichtet, SimOn sehr schlecht zu erklären. Rom ist groß und nicht alle Waren lagern an einem Ort...
Was die Kontrolle des "Diebstahls" angeht - man könnte auch die Waren für 0.01 HS einstellen, dann sieht man, wer sich bedient, und die SL hätte weniger Arbeit.
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Folgen hinsichtlich was? Ansehen?
Da ein Großteil der lupae Peregrine waren, würde ich mal behaupten, dass es "normal" war, wenn man eine Affäre mit einer solchen hatte. Andersherum ist das ohne Zweifel auch möglich gewesen. Ein/e Peregrine konnte sich ja auch adoptieren lassen, dann war auch eine Heirat möglich - Beispiel Decimus Meridius/Iulia Severa.

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Ich äußere mich mal, dazu, weil es ja mich gerade betrifft.

Geschenke werden nur zu besonderen Anlässen gemacht, wie beispielsweise einem Fest oder sonstigem Anlass. Auch betreffen sie nur eine bestimmte Personengruppe, im Normalfall Gäste. Ich denke nicht, dass wegen einiger kostenloser Waren, die für eine Woche in der WiSim einem eingeschränkten Personenkreis zur Verfügung stehen, die WiSim an sich darunter leidet.Stelle dir mal die Arbeit vor, die du hättest, würdest du jedem einzelnen deiner Gäste Wein, Trauben, Brot, Eier, Huhn, Fisch, Oliven, Würste, .... per persönlichem Angebot einstellen wollen.
In diesem Rahmen weise ich auch mal auf mein Posting der letzten Woche hin: klick
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Dass eine so kleine Person so in Rage geraten konnte, faszinierte mich. Beeindruckt musterte ich Lucilla von der Seite. Da bekam der Ausspruch 'klein, aber oho' doch eine ganz andere Bedeutung. Allerdings musste sie wohl auch oho sein als auctrix der acta diurna. Was sie bisher schon für Geschichten erlebt hatte, das wollte ich lieber nicht wissen...oder vielleicht doch? Siche waren so einige Kuriositäten dabei. Grinsend quittierte ich die Senatorenbemerkung. Ich konnte nicht widerstehen, sie folgendes zu fragen: "Ist dein Verlobter nicht auch ein Senator?"
Was folgte, war ein Augenzeugenbericht, oder eher ein Ohrenzeugenbericht von den Feierlichkeiten der Soldatenhochzeit. Mein Blick richtete sich, nun, da er weniger auf das Pflaster vor meinen Füßen gerichtet war, auf den Mund, der nicht stillhalten konnte. Einerseits amüsant, herzlich und weltoffen, andererseits am frühen Morgen direkt nach dem Aufstehen sicherlich ein Grund für pochenden Kopfschmerz. Eine Frau, die gleich begann zu plappern, wenn sie morgens die Augen aufschlug...nein, das wäre nichts für mich gewesen. Ich war eindeutig ein Morgenmuffel, und vor dem Frühstück sprach man mich besser nicht an. Nur selten frühstückte ich daher mit anderen zusammen. Avarus würde vermutlich hart durchgreifen müssen, sofern er mir in dieser Hinsicht ähnlich war. Schmunzelnd folgte ich den Gedankensprüngen der Decima. Während sie kicherte, fiel mir auf, dass sie genau diese Losgelöstheit - trotz des Plappermäulchens - anziehend machte. Ich fragte mich, wann sie wohl ihren Senator endlich heiraten würde, immerhin galt die Verlobung der beiden schon als Legende. Und wenn sogar ich davon wusste, musste das etwas heißen.
Überrascht war ich indes, also sie von Africa schwärmte. "Du warst schon dort?" fragte ich daher interessiert. "Ich überlege, während des nächsten Jahres für einige Wochen Alexandrien zu besuchen", gestand ich. Immerhin konnte ich ohnehin nicht gleich erneut kandidieren, und etwas Erholung tat mir sicherlich auch ganz gut, zumal meine letzte Phase der Untätigkeit noch vor meinem Duumvirat in Mantua gewesen war. Andererseits war ich einfach nicht dazu geschaffen, untätig herumzulungern. Das hatte weder etwas mit Stand noch Ehrgeiz zu tun, sondern schlicht mit meiner Persönlichkeit. Insgeheim graute mir schon vor der kommenden temps légère... Und die Erkundung Alexandriens und der Provinz im Süden war durchaus eine lohnenswerte Erwägung. Als Senator, so ich jemals einer werden würde, würde mir diese Reise ja verwehrt bleiben. Nun ja. Später war noch genug Zeit, darüber nachzudenken. Jetzt galt es erst einmal, Hirrius Crassipes zu besuchen.
Lucilla schien eine Weile mit sich zu hadern, ehe sie sich schließlich selbst überredete. Dass so etwas möglich war, hätte ich nicht einmal vermutet. Dennoch quittierte ich ihre Entscheidung mit einem ebenso erfreuten wie entschlossenen Nicken. "Sehr schön, das freut mich natürlich. Dann wollen wir mal." Ich strebte der mit Holzschnitzereien verzierten Eingangstür entgegen. Die Soldaten nahmen strategisch sinnvolle Plätze ein, und ein mich begleitender Sklave kopfte. Kurz war es still, dann hörte man ein Schlurfen jenseits der porta, und schlussendlich steckte ein kleinwüchsiger Mann mit krausem, grauem Haar seinen Kopf durch die Tür und krächzte: "Wer da?" "Salve! Dies sind der decemvir litibus iucandis Aurelius Corvinus und die auctrix der acta diurna, Decima Lucilla. Sie erbitten Einlass und würden den Hausherren gern in einer Erbschaftsangelegenheit sprechen", trug der Sklave formvollendet vor, ehe er sich verbeugte und zurücktrat, um Lucilla und mir Platz zum Eintreten zu machen.
Der Mann hinter der Tür schien einen Moment entsetzt. Er tuschtelte mit jemandem, den wir von außerhalb nicht sehen konnten, dann setzte er ein überfreundliches Lächeln auf und öffnete die Tür ein Stück weiter. "Oh. Oh! Natürlich, magistratus. auctrix. Tretet doch bitte ein." Der Mann - ich konnte seinen Stand nicht erkennen, es hätte entweder ein Sklave oder genauso gut Crassipes' Verwandter sein können - trat beiseite und deutete ins Haus hinein. "Nach dir", sagte ich zu Lucilla und ließ sie vorangehen. Drinnen roch es nach frisch gebackenem Brot. Der Grauhaarige holperte an uns vorbei und führte uns durch einen schmalen Gang, in dem es eindeutig an Licht mangelte. Wir passierten die culina, in der eine junge Frau mit einem Holzlöffel in einer großen Schüssel rührte. Ein kleiner Junge zupfte an ihrer Schürze und jammerte. Wir bogen nach links ab und betraten das tablinum. Ein Mädchen im heiratfähigen Alter, das in einem Sessel nahe des staubigen Fensters gelesen hatte, erhob sich und eilte mit gesenktem Blick an uns vorbei. "Fundula! Sage deinem Vater, dass ein decemvir hier ist! Und jemand von der Zeitung." raunzte der Grauhaarige das Mädchen an und deutete dann auf eine kleine Sitzgruppe, die mit verblichenem Grün bespannt war. Das Mädchen verschwand. Der Grauhaarige mit der Hakennase fuhr mit schartiger Stimme und abweisendem Ton fort: "Mein Bruder wird gleich hier sein. Einen Moment." Dann verließ auch er den Raum.
Ich dankte knapp und tauschte einen vielsagenden Blick mit Lucilla. "Falls das hier alles mit rechten Dingen zugeht, wird Crassipes sein Erbe wohl in einer kompletten Neuaustattung anlegen", vermutete ich. Fast alles hier wirkte alt und war staubig. Sogar die Menschen schienen vergilbt. Ein paar Sklaven zum Saubermachen waren sicher auch sinnvoll. Andererseits bot diese Behausung durchaus Grund für einen Betrugsfall. Ich setzte mich und ließ den Blick schweifen.
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Dass Helena nicht begeistert war, war mir mehr als sonnenklar. Ich an ihrer statt wäre es vermutlich auch nicht gewesen. Ich ließ sie kommentarlos an mir vorbeiziehen, blieb noch einen kurzen Moment in mich gekehrt dort stehen, wo ich stand, und wandte mich dann erneut um. Die meisten Gäste befanden sich noch im atrium, auch wenn sich viele besreits in Bewegung gesetzt hatten. Am Altar stand niemand mehr, sonst hätte Leone das Stück sicher noch nicht angekündigt. So viel Grips hatte gewiss selbst ein Nubier.
Innerlich aufgewühlt und verwirrt, verstand ich es dennoch, mich gelassen und fröhlich zu geben. Tiberius Durus und Annaeus Florus fielen mir wieder ein, die eben angekommen waren und welche ch noch nicht begrüßt hatte, und natürlich Flavius Gracchus samt seiner bezaubernden Gattin - welche gerade selbst auf mich zusteuerten. So kam ich ihnen einige Schritte entgegen und grüßte herzlich, denn Gracchus war ein Gast, den ich nicht nur um seines Standes oder Amtes Willen auf die Gästeliste gesetzt hatte. Der Mann schien sich zwar allmählich zu einer der Stützen Roms zu etablieren, was auch seine Ernennung vor zwei Tagen zum pontifex allzu deutlich machte, doch vielmehr fand ich sein Wesen interessant, da es eine Vollkommenheit ausstrahlte, an der es mir selbst meiner Meinung nach noch bedeutend mangelte. Es musste den Flaviern im Blut liegen, gleichsam vielschichtig wie normal zu sein, so war es schließlich auch mit Aquilius nicht anders. Seine Gemahlin war eine Claudia, auch wenn mir der Name entfallen war. "Flavius Gracchus, es ist mir Freude wie Ehre gleichermaßen, dich und deine Gattin doch noch begrüßen zu dürfen. Ich hatte fast angenommen, ihr hättet besseres vor an einem so wundervollen Abend", grüßte ich losgelöst und mit einem Lächeln. "Verehrte Claudia, es freut mich sehr. Gestatte mir die Bemerkung: du siehst hinreißend aus." grüßte ich auch Claudia Antonia. "Meinen herzlichsten Glückwunsch im Übrigen zu deiner Ernennung zum pontifex, Flavius. Das collegium pontificium hat eine sehr gute Wahl getroffen. Ah, ihr habt doch eine kleine Opfergabe erhalten?" fragte ich und sah auf den Sklaven, der die kleinen Miniatur-Amphoren trug. "Darf ich euch zum Altar geleiten? Die Ansprache ist schon vorüber, und das Theaterstück soll in wenigen Augenblicken beginnen, aber stört euch nicht daran. Den Göttern gebührt die ungeteilte Aufmerksamkeit, alles andere kann warten bis nach der Darbringung des Opfers", erklärte ich. Ich würde schon dafür Sorge tragen, dass man nicht eher anfing, ehe auch wirklich jeder bereit war. Die Schale, welche anstelle des foculus das doch nicht geringen Weinopfer aufnehmen sollte, war schon recht gut gefüllt. Die Kohlen glommen noch, und hin und wieder verpuffte eines der rußigen Weihrauchkörner mit einem lauten Knacken. Ich trat respektvoll zurück und wartete in der Nähe, bis die beiden ihre Opfergaben würden dargebracht haben.
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Entschuldige...die ganzen sich beschwerenden Erben...du verstehst das ja.

Ist wieder Platz. -
Während nicht weit entfernt also Leone sein Verslein aufsagte und damit die Gäste einlud, an Helena und mir vorbei ins tablinum zur Theateraufführung zu strömen, sagte sie mir also, dass... Ich blinzelte. Ausdruckslos starrte ich ihr ins Gesicht, und mit ebenso großen Augen starrte sie zurück. Irgendjemand lachte. Ein anderer sprach gerade über die desaströsen Zustände im cursus honorum die ersten Gäste kamen. Und ich starrte immer noch.
Hatte sie gerade wirklich das gesagt, was ich dachte, dass ich gehört hatte? Ich kniff die Augen etwas zusammen und forschte in Helenas Blick. Während der logische Teil meines Verstandes bereits zwei und zwei zusammenählte und alle bisherigen Situationen zwischen Helena und mir unter diesem neuen Gesichtspunkt analysierte, mahnte mich mein Unterbewusstsein, das Theater nicht zu vergessen, obwohl auf dieses Geständnis eine Aussprache zwingend folgen musste. Tja, und der Rest meines Geistes war sozusagen platt. Baff. Schockiert. Langsam hob ich die Hand, um mich am Hinterkopf zu kratzen. Dabei nahm ich den Blick von Helena, dachte einen weiteren Moment nach und versuchte, aus der geistigen Starre zu kommen, die mich gefangen hielt.
Als ich sie erneut ansah, hatte ich einen wehmütigen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Was sollte man in so einer Situation schon sagen? Wann immer wir zusammen gewesen waren, hatte ich nicht...nun, ich hatte sie nicht so betrachtet. Sie war das kleine Mädchen meines Onkels. Schon allein die Blutsverwandtschaft, die ja bei Deandra nicht gegeben war, verbot solche Gedanken bereits im Voraus. Ich setzte dazu an, ganz allmählich den Kopf zu schütteln. "Helena", murmelte ich dabei nur und sah sie mit leicht zerknirschter Miene an. Wie zum Henker sagte man etwas in dieser Art, ohne dass man sein Gegenüber vor den Kopf stieß? Die ersten Gäste passierten uns und ich stand immer noch da und wusste nicht, was ich erwidern sollte. Vielleich wusste ich, welche Worte zu wählen waren, nachdem ich darüber geschlafen hatte? "Vielleicht...lass uns morgen darüber reden, ja? Bitte. Das hier ist ein sehr ungünstiger Zeitpunkt. Das Stück beginnt gleich und die Gäste..." Jaha, Marcus, die Gäste... Um keine Ausrede verlegen. Ich sah fort, denn ihrem Blick konnte ich nicht standhalten. So erwartungsvoll blinzelten die blauen Augen mich an! Ein schlechtes Gewissen machte sich in mir breit, ohne dass es einen Grund gegeben hätte, eines zu haben. Ich deutete ins tablinum. "Wir sollten jetzt gehen und den Abend ausgelassen begehen. Es zumindest versuchen", korrigierte ich mich gleich und wartete darauf, dass Helena vorausging. Ich fühlte mich in einen Hinterhalt gelockt. Gerade ging Deandra vorbei.
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Vollkommen perplex starrte ich Helena an und hatte sogar vergessen, was ich eben noch sagen wollte. Was hatte denn keine Zeit auf so einem Fest? Was war sehr wichtig? Die Situation in ihrem cubiculum drang mir neuerlich ins Gedächtnis. Tila trat eben vor und tat, wie ihr gehießen worden war: Sie suchte mit einer verkleinerten Ausführung einer Fanfare die Aufmerksamkeit der Gäste zu erlangen. Ich wandte das Gesicht von Helena ab, um die Wirkung der musischen Klänge auf unsere Gäste zu verfolgen, als Helena mich ungehörigerweise am Arm ergriff und mit sich zog. Da ich im ersten Moment vollkommen überrumpelt war von diesem Verhalten, ging ich zunächst mit, auch wenn meine toga verrutschte und ich zunehmend wütender wurde über so ein ungeschicktes, unangebracht kindisches Verhalten. Schlussendlich befreite ich mich von Helenas Griff und funkelte sie erbost an. "Was soll denn das? Was in Iuppiters Namen ist so verdammt wichtig, dass es nicht Zeit bis nach dem Fest hat, Helena?" herrschte ich sie gepresst an. Schließlich sollte nicht unbedingt halb Rom mitbekommen, was hinter diesem Blumenkübel ablief.
Verärgert versuchte ich, mir mit der freien Hand selbst die Falten meiner toga zu richten. Ein Unterfangen, das so gut wie hoffnungslos war. Und Alexandros, mein vestispicius, befand sich mir blonder Perücke auf der Bühne. Na prima! Düster blickte ich Helena an und wollte sie neuerlich ungehalten anfahren, als ihre Fragen in mein Bewusstsein drangen. Die Luft entwich unverrichteter Dinge, als ich sie verständnislos anstarrte. "Ahmwie?" fragte ich. Und dann fiel es mir ein: Sie meinte diese Heiratsgeschichte. Entnervt seufzte ich. "Helena - es wird nichts entschieden heute Abend. Lernt euch erstmal kennen, das ist alles, was ich v-"
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Das atrium war zwar groß, doch angesichts der vielen Menschen, die sich momentan um das mit dunkelroter Flüssigkeit gefüllte impluvium herum aufhielten, erschien es mir winzig. Hinter der toga des Senators Purgitius gewahrte ich Annaeus Florus mit Gattin, derer sich bereits Ursus angenommen hatte. Kurz kam mir der Gedanke, es sei vielleicht doch keine so gute Idee gewesen, so viele Leute zu laden, da man sich als Gastgeber nicht zerteilen konnte, um allen gleichermaßen Aufmerksamkeit zu schenken, aber andererseits war dies ein Fest, auf dem die Förmlichkeiten und Reden einmal hintenan stehen sollten.
Gracchus und seine Frau rückten entfernt in mein Sichtfeld, und auch Durus betrat kurz darauf den Raum. Schon wollte ich mich zur Begrüßung in Bewegung setzen, als mir einfiel, dass ich meine zwei Mädels ja auch gleich mitnehmen konnte. Ein kurzer Blick verriet mir, dass Prisca sich gerade noch mit Aquilius unterhielt, während Helena - nanu? - auf mich zu kam. Sie sah alles andere als zufrieden aus, und ich ahnte, warum sie mich so ansteuerte. Mit diesem Blick. Ein Seufzen unterdrückend, ging ich ihr gemächlich entgegen. Ihre Bitte verwunderte mich nur zum Teil. Dass sie irgendwann mit mir reden wollte, war mir klar gewesen, nur dass es heute sein musste, und ausgerechnet jetzt, das hätte ich nicht vermutet.
"Helena", begann ich leise und sah sie streng und gleichermaßen bittend an. "Hat das nicht Zeit bis morgen? Ich trage dir nichts nach, sei unbesorgt. Amüsiere dich nur. Dort hinten ist übrigens jemand, den ich dir gern vorstellen wurde: Senator Tiberius Durus. Er ist vorgestern zum pontifex ernannt worden und-" Verdattert brach ich ab, als Helena mich unterbrach.
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Ihre Reaktion auf meine Frage nach ihrer Familie machte mir deutlich, dass ich soeben ein grober Klotz gewesen war. Ich verzog einen Mundwinkel. Mir wäre sogar beinahe eine Entschuldigung herausgerutscht. Doch ich schwieg und sah Cadhla nur betreten an. Obwohl sie hier von ihrer Familie sprach, ihren Eltern und vielleicht ihren Geschwistern und ihrer weiteren Sippe, so wirkte sie dennoch gefasst. Ich musterte sie deutlicher - war es nur Schein? Natürlich war ich mir dessen bewusst, dass römische Soldaten für ihre Gefangennahme und womöglich auch für den Tod ihrer Familie verantwortlich waren, doch taten auch die Soldaten nur ihre Pflicht. Zudem profitierten die Überlebenden, die kooperierten, in den meisten Fällen von uns zivilisierten Römern. Denn dass die barbarischen Völker kaum Kultur und nur Bruchstücke des Wissens von dem hatten, was wir besaßen, lag auf der Hand. Wie sonst würde man auf die einfältige Idee kommen, Frauen an die Waffen zu lassen? Sie gehörten hinter den Herd, wenn überhaupt, und ansonsten hatten sie schön auszusehen und ab und an etwas Sinnvolles zu sagen.
Dass Cadhla sich plötzlich zur Gänze unter Wasser befand, hatte ich nicht beabsichtigt. Vermutlich war mein Griff um ihre Handgelenke doch eine Spur zu fest gewesen und hatte sie in die Knie gezwungen. Schon wollte ich sie hastig wieder an die Luft befördern, als sie einer Fontäne gleich emporschoss und meine Schulter plötzlich schmerzte, als hätte sie Feuer gefangen. Verdattert hatte ich Cadhla bereits losgelassen und griff mir mit der unbefangenen Hand an die Schulter, ein erschrockenes wie gleichsam schmerzerfülltes Keuchen ausstoßend. Nur allmählich verebbte der Schmerz und ließ ein dumpfes Gefühl zurück, um bei jeder Bewegung der Schulter erneut seine glühenden Zähnchen in meine Muskeln zu schlagen. Cadhla stand nun neben mir, ich spürte ihre Finger auf meiner Haut. Es war weder angenehm noch sonderlich ehrenvoll, wie sie mich im Griff hatte, und zugegebenermaßen war ich froh, dass dieses Fiasko niemand mitbekam. Ölige Schlieren formten kleine Strudel auf der allmählich wieder zur Ruhe kommenden Wasseroberfläche. Ich drehte den Kopf zur Seite und sah auf Cadhla hinunter. Das Wasser ging uns bis knapp unter den Bauchnabel. Was sie sagte, stimmte. Ich erwägte in diesem Moment allerdings ernsthaft, Trautwini durch sie ersetzen zu lassen. Dem Germanen sah man an, dass er sich - und nötigenfalls auch mich - zu verteidigen wusste. Aber Cadhla hätte den Überraschungseffekt auf ihrer Seite. Später, Marcus.
Stille breitete sich aus, weil ich nichts erwiderte. Ich wartete nur, allmählich wieder gefasst, dass sie ihre Hand zurückzog und mich aus ihrem Griff entließ. Mein Blick sprach Bände: Sie würde Anerkennung, Überraschung und auch ein wenig Missfallen daraus ablesen können, sofern sie genau hinsah. Das Wasser schwappte träge hin und her, und ich ließ mich langsam wieder ins Wasser sinken. Kleine Tropfen lösten sich aus dem roten, nassen Haar der keltischen Sklavin, welches nurmehr einem fuchsigen Braun glich. Kristallenen Globuli gleich perlten sie in der Halsbeuge, fügten sich zu Tränen zusammen und zogen in feuchter Bahn über feuchte Haut tiefer. Mein Atem ging nun wieder ruhiger, auch wenn die Schulter noch schmerzte. "Erstaunlich", sagte ich und ließ offen, was genau ich damit meinte. Der Keim der Lust war auf fruchtbaren Boden gefallen. Ich ließ mich tiefer ins Wasser sinken, bettete den Kopf wieder auf das am Rand liegende Kissen und schloss die Augen halb. Mein Blick ruhte auf Cadhla, und träge streckte ich einen Arm aus, um sie erneut zu berühren, auch wenn der Sonnenbrand ihre Haut empfindlich machte. Ob sie in ihrer Heimat wohl jemandem versprochen gewesen war? Oder gar verheiratet?
Was kümmerte es mich. Ich hatte sie gekauft. Und trotzdem war ich keiner von jenen, denen das Wort Rücksicht gänzlich fremd war. Doch als Realist, der ich war, sagte ich mir, dass sie ihren Geliebten ohnehin niemals wiedersehen würde. Meine Fingerspitzen fuhren über die zarte Haut an ihrer Seite. Stumm wartete ich darauf, dass sie mich weiter wusch. Ich ließ es drauf ankommen. Was würde sie tun?