Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    "Corvinus?" "Mmmh?" Konzentriert blickte ich auf das Schreiben vor mir, die Wasserabrechnung, die Cotta mir gegeben hatte. "'s gibt ne neue Liste." Ich sah auf und blickte in ein miesepetriges Gesicht mit einer großen Nase. Mein scriba personalis Livius Pyrrus stand vor mir und schwenkte eine tabula hin und her. "Wie?" fragte ich verwirrt. "Na, eine neue Listeheheeee! Du weißt doch, all die dicken Senatoren, die an Fettleibigkeit sterben, die Witwen, die sich zu Tode heulen, die Kinder, die auf der Straße überf-" "Das reicht", fiel ich Pyrrus angesäuert ins Wort und fischte die hin und her schwingende Tafel aus der Luft vor meinem Gesicht. Ich schlug sie auf und sah hinein. Mein Blick wurde ungläubig. "Sind das alle oder ist das nur mein Anteil?" fragte ich Pyrrus, der inzwischen Platz genommen hatte und die Beine über die Lehne des Stuhls geschwungen hatte. "Alle." "Alle. Alle?" wiederholte ich. "Jaaa, alle. Scheinbar gibt's derzeit eine Fülle von Diäten und Ehemännern. Aber wart's mal ab, bis der Krieg rum ist. Dann ist die Liste sicher länger." Ich zog eine Grimasse. "Ist gut. Danke, Pyrrus, du kannst dann wieder gehen." Manchmal wurden die Launen dieses hageren Kerl mit der großen Nase selbst mir zu viel. "Oh, gut, Niki wartet schon auf mich, wir wollen mal wieder-" "Hinaus!" "Ist ja gut..." Entnervt massierte ich meine Schläfe, als der Schreiber fort war. Dann machte ich mich an die Arbeit.




    Besitz vorhanden:


    Didia Veronia
    -> 494.12 HS;
    20 Brot, 15 Fisch, 2 Garum, 10 Eier, 1 Suppenhuhn
    ---> Erbberechtigte/r: Gaius Didius Sevycus (Vater)


    Marcus Iulius Clemens
    -> 6.76 HS;
    ---> Erbberechtigte/r: Tiberius Iulius Drusus (Bruder)


    Lucius Sabbatius Sebastianus
    -> 103.08 HS;


      [*] Tongrube Sabbatia, Tongrube (IV)
      [*] Töpferei 'Figuli' Sabbatia, Töpfer (IV)
      [*] Weinkelterei 'Vinetum' Sabbatia, Weinkelter (III)


    3 Sklaven, 3 Grundstücke
    ---> Erbberechtigte/r: Staat


    Nero Iunius Serenus
    -> 490.00 HS;
    ---> Erbberechtigte/r: Appius Iunius Decula, Appius Iunius Lucullus (Brüder)


    Appius Decimus Sicca
    -> 490.00 HS;
    ---> Erbberechtigte/r: Titus Decimus Cursor, Marcus Decimus Triarius, Lucius Decimus Subrius (Brüder)


    Caius Didius Octavianus
    -> 30.92 HS;


      [*] Vino dei Cinque Terre, Weinkelter (I)
      [*] Dolce Vita, Imkerei (I)
      [*] Taberna Quattro Stagioni, Taberna (I)
      [*] Cinque Terre, Weingut (II)


    190 Trauben, 5 Ton, 260 Landwein (Kanne)
    ---> Erbberechtigte/r: Germanica Aelia (Tante)


    Decimus Pompeius Strabo
    -> 166.31 HS;
    1 Sklave, 1 Perlenschmuck
    ---> Erbberechtigte/r: Manius Pompeius Severus (Onkel)


    Tiberius Antonius Marius
    -> 837.58 HS;
    ---> Erbberechtigte/r: Staat


    Caius Claudius Cunctator
    -> 1699.30 HS;
    3 Bier (Fass)
    ---> Erbberechtigte/r: Galeo Claudius Myrtilus (Onkel)


    Marcus Tiberius Gracchus
    -> 1833.30 HS;
    1 Sklave, 3 Bilder
    ---> Erbberechtigte/r: Manius Tiberius Durus (Bruder)


    "Hm? Oh, unsere Schilde werden im Heiligtum des Quirinus aufbewahrt, die der palatini im Heiligtum des Mars", erklärte ich auf dem Rückweg. "Eine tunica picta und eine trabea müsst ihr euch noch anfertigen lassen, aber das sollte ja kein Problem sein. Meinen Glückwunsch übrigens zur Aufnahme. Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Schritte bis zum Armilustrium besser sitzen als bei Quadratus", witzelte ich und lachte. Aber das würden "meine Pappenheimer" schon hinbekommen, da war ich ganz zuversichtlich. :]

    Bereits früh am Morgen war ich wach gewesen, hatte ein stärkendes Frühstück eingenommen und den Himmel begutachtet. Obgleich die Sonne nicht von Wolken verborgen war, so war es doch ein recht frischer und damit idealer Tag für den Waffentanz, den es später am Tage zu tanzen galt. Ursus und Cotta hatten ihre Ausrüstung ein paar Tage zuvor aus dem Heiligtum des Quirinus erhalten, Pegasus besaß seine bereits. Mit der tunica picta und dem eisernen Brustschutz bekleidet, hatte nurmehr die purpurne trabea gefehlt, um uns wie waschechte Salier aussehen zu lassen. Bewaffnet mit ancile und enis waren wir schließlich guter Dinge und mit Kampfgeist im Herzen zum comitium gezogen, wo neben unseren Waffenbrüdern auch die salii palatini sich bereits eingefunden hatten. So, wie es auch zu den Anfängen gewesen sein musste, als Sabiner und Latiner ihre Heere im Kriegsfalle gestellt hatten, auf dass sie zu einer einzigen Streitmacht verschmolzen und jedwedes Übel abwandten, das die kleine Siedlung, die Rom einst war, bedrohte.


    Jeder nahm seinen ihm zugedachten Platz ein, ich selbst begab mich an die Spitze "meiner" Salier und grüßte leicht verdutzt Aquilius, welcher der neue magister zu sein schien. Doch gebot es dieser Festtag, die Verwunderung zumindest vorerst beiseite zu schieben - schließlich hatten wir einen Tanz zu tanzen! Gemeinsam mit unseren Waffenbrüdern zogen wir salii collini über das forum romanum und darab vorbei, stolz die Köpfe erhoben, ernsten Gesichtsausdrucks und feierlich schreitend. Unser erstes Wegziel war das velabrum, und als wir jenes und vielerlei auf uns gerichtete Augenpaare passiert hatten, würde nach dem forum boarium der Aventin folgen, der südlichste der sieben Hügel Roms und einer der traditionsreichen Aufführungsorte des Waffenreigens der Salier. Im Gleichschritt, das einschneidige Schwert fest in meiner Rechten und rhythmisch auf das ancilium schlagend, sang ich tieftönend und aus vollem Halse das carmen saliare.


    Schlussendlich waren wir dort angelangt, wo man den Saliern bereits einen umgrenzten Bereich zugedacht hatte. Gegenüber nahmen wir Aufstellung, hinter Aquilius sein "Heer" und hinter mir das meine. Herausfordernd glühten unsere Augen, wir wollten das Beste geben. Im Gleichtakt schlugen unsere Schwerter auf die Schilde, stampften die Füße den hartgebackenen Boden Roms. Inbrünstig schmetterten wir das carmen saliare, und auch wenn Claudius Frugi in Gedanken bereits bei der anschließenden cena saliares war und Cloelius Quadratus in der letzten Reihe einen Patzer nach dem anderen praktizierte und ab dessen bereits ebenso rot vor Scham wie eine tunica war, so konnte man doch jedem einzelnen ein gewisses Maß an Stolz ansehen.

    Also, mMn diskutieren wir hier gerade über zwei Paar Schuhe, zum einen die ungewollte Entdeckung dieser Liebelei, zum anderen die germanische und die römische Sittenrechtslage.


    Zu letzterem möchte ich mal auf folgendes hinweisen:
    castitas (dt. Keuschheit) bedeutete im antiken Rom nicht die generelle 'Keuschheit' im Sinne sexueller Enthaltsamkeit, sondern einen 'züchtigen Lebenswandel' im Sinne der Treue einer Frau zu ihrem Ehemann. Da Clara rechtlich gesehen Römerin ist - und da kann selbst die ampsivarische Abstammung nichts dran ändern - und sie keinen Ehemann mehr hat, sollte doch eigentlich alles rechtens sein?


    @ Hungi: In der lex Iulia de adulteriis coercendis steht folgendes:
    "Der Ehebruch eines verheirateten Mannes blieb straffrei, sofern er nicht den Tatbestand des stuprums erfüllte, nämlich die Verführung von Jungfrauen und Witwen sine vi (ohne Gewalt)."
    Da stellt sich mir nun dir Frage: Cupidus ist zwar nicht verheiratet und kein Bürger, verführte Clara aber ebenfalls ohne Gewalt, wenn man das so sehen möchte. Dann müsste doch theoretisch das Recht ähnlich greifen wie im Falle einer Verführung durch einen verheirateren Bürger?*


    ____________
    edit: Oder bedeutet der obenstehende Satz, dass die gewaltfreie Verführung von Jungfrauen und Witwen einer Schändung gleichgesetzt wurde? -.^
    ________________



    Natürlich kommt's dann immer drauf an, ob die Sache überhaupt jemals publik wird, was sicher nicht im Ermessen aller Beteiligten läge. SimOn betreffend fänd ich persönlich eine eimvernehmliche Einigung zwischen den beiden und der Moderatorin Venusia am praktikabelsten für alle.



    * War das verständlich? Irgendwie bin ich heute etwas durchn Wind. :D

    Während der Takt rhythmisch kam und Aemilius Plautus die Schrittfolge mehrmals hintereinander vormachte, und wir anderen sie gemeinsam durchexerzierten, hörte man aus der hinteren Reihe manchmal ein "Au" oder "Autsch" oder so manch anderen gemurmelten Fluch, als Cloelius Quadratus entweder über seine eigenen Füße stolperte, sich nach rechts statt nach links wandte oder seinen Nachbarn in irgendeiner Weise behinderte.


    Im Grunde genommen war ich zufrieden mit der Übung, als wir sie beendeten. "Am besten, jeder von euch geht die Schritte zu Hause nochmals durch. Wir treffen uns dann eine halbe Stunde vor Beginn des Zuges auf dem comitium an der rostra. Dort treffen wir auf die salii palatini. Anschließend werden wir gemeinsam durch das velabrum zum forum boarium und von dort aus auf den Aventin ziehen, wo auch die Feier stattfinden wird", gab ich bekannt. Noch ging ich davon aus, dass Flavius Gracchus der magister der palatini war, denn davon, dass deren Führer gewechselt hatte, hatte ich schließlich nichts mitbekommen. "Vergesst eure Schilde nicht. Ah, und ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass die anschließende cena diesmal mit den palatini gemeinsam begangen wird. Wollen wir doch mal sehen, wer trinkfester ist", witzelte ich und grinste. Claudius Frugi lachte kehlig. "Mich säuft keiner unter die Liege", behauptete er.


    "Nun gut. Dann beende ich die heutige Sitzung hiermit. Möge Quirinus unsere Schritte lenken - in jeder Hinsicht", gab ich schlussendlich das Ende der Sitzung bekannt und wartete, bis die sodales nach und nach die curia verließen. Anschließend begab ich mich mit Cotta und Ursus ebenfalls auf den Heimweg.



    [SIZE=7]edit: Rechtschreibung...[/SIZE]

    Während Gracchus und seine Gemahlin opferten, trat Durus zu mir. Ich musste mir eingestehen, dass ich ihn schlicht vergessen hatte, und sogleich schlug das schlechte Gewissen ein. "Durus!" grüßte ich zurück. "Wie schön, dass du noch kommen konntest. Ich hatte dich vorhin kurz zwischen den anderen entdeckt und war schon beinahe auf dem Weg gewesen, um dich angemessen zu begrüßen. Entschuldige bitte, Unaufmerksamkeit ist sonst nicht ganz meine Art - es sind einfach sehr viele Gäste, aber gerade das macht den Abend zu etwas Besonderem. Meinen Glückwunsch im Übrigen zu deiner inauguratio, es war eine festliche Zeremonie", sagte ich und gab damit preis, dass ich unter den Anwesenden gewesen war.


    "Aber gehen wir doch ins tablinum, das Theaterstück fängt gleich an. Ich bin gespannt, welchen Charakter es hat, meine Nichte Prisca hat es einstudieren lassen", erzählte ich und machte mich mit Durus im Schlepptau gemächlich auf den Weg ins tablinum. Mir fiel Helena wieder ein. Vermutlich war das kein sonderlich guter Zeitpunkt, um sie Durus vorzustellen - zumal auch das Stück gleich beginnen würde - doch aus dem Kopf geschlagen hatte ich mir diese Idee deswegen nicht. Ohnehin wollte ich noch ein kleines Gastmahl geben, während dem man sich besser kennenlernen konnte, und vielleicht kristallisierte sich sogar eine Zuneigung heraus...

    Während wir immer noch bei der gustatio waren, lauschte ich den Gesprächen um mich herum mit Interesse. Neben mir sprach man von der Jagd, einem Ereignis, dass ich einst mit Aristides geplant hatte, als jener noch nicht in den Krieg gezogen war, weit vor meinem Tribunat in Germanien. Ich hoffte, dass sich die Gelegenheit bieten würde, wenn er erst einmal wieder daheim war und sie hier wieder eingelebt hatte.


    Indes sich Macer, Hungaricus und Durus sich über Senatsangelegenheiten und Politik unterhielten. Einzig Decimus Meridius schien ebenso schweigsam wie ich selbst. Die Damen des Hauses hatten ebenfalls nichts mehr zu tuscheln, wie es schien. Ich ließ mir noch ein Stück Siebenschläfer kredenzen, da der Hauptgang noch auf sich warten ließ, und behielt vorerst den Status eines aufmerksamen Zuhörers bei.

    Zitat

    Original von Tiberius Duccius Lando
    Nichtsdestotrotz: würden die Duccier die knallharte Linie des Stammes spielen, auf den sie sich zurückführen (die Amsivarier), müssten wir die betreffende ID wohl im Moor versenken.


    Hm, da gäbe dann wohl eine Doppelhinrichtung? ;)

    Zitat

    Aber wenn es wie in diesem Fall ist, und jemand in der gens-eigenen Casa "seinen Spaß hat" und ein fremder Mann abends ein Zimmer betritt und erst morgens das Haus wieder verlässt, dann , tut mir leid, dass so sagen zu müssen, wäre es wohl eher unrealistisch, dass dies keiner mitbekommt.


    Also, ich hab es damals durchaus geschafft, jemanden an meinen Eltern vorbei in mein Zimmer zu schmuggeln. Zudem war einerseits die Tür abgeschlossen, und selbst wenn man durchs Schlüsselloch gelinst hätte, so sollte es für den aufmerksamen Leser doch offensichtlich gewesen sein, dass Clara und Cupidus am Fenster standen und nicht im Bett lagen.


    Sicher passiert im Leben immer wieder mal etwas, das man so nicht wollte worauf man keinen Einfluss hat. Dennoch ist hier die Unterscheidung zu machen, dass das IR ein Spiel ist, und Spiele spielt man, um Spaß zu haben. Daher halte ich es für angemessen, dass zuvor zumindest nachgefragt wird. Ob und inwiefern das passiert ist, weiß ich nicht und es geht mich im Grunde genommen auch nichts an. Es ist nur schade, dass - und so ist das für mich als Außenstehenden ersichtlich - jemandem ein Spiel kaputt gemacht wird, an dem er doch Spaß hat. Da frage ich mich nach dem Grund, und da komme ich nach etwas Nachdenken auf eine Privatstreiterei, für die man SimOn ein Ventil sucht. - Alles reine Spekulation, aber das ist mMn der falsche Weg.

    Im weiteren Verlauf des Stückes wurde der Wunsch nach einem plötzlichen Loch im Boden zu meinen Füßen immer übermächtiger. Bedauerlicherweise war er so solide wie eh und je. Endlich fing dann Prisca meinen Blick auf. Ich deutete ein Kopfschütteln an und schloss schließlich einige Sekunden lang die Augen. Gerade beklagte sich Falivus Castus über seine graissierte Kleidung. Hoffentlich verstand Prisca.


    Ich spürte einige Blicke auf mich gerichtet. Gracchus selbst schien sich für den Moment zu amüsieren, was mich jedoch nicht einmal ansatzweise beruhigte. Und Menecrates? Wo steckte er eigentlich? Sein Weib unterhielt sich mit Callista, ihr roter Schopf weiter vorn war selbst im Halbdunkel unverkennbar. Ich wandte den Kopf. Ursus sah mich an, und in seinem Blick erkannte ich die gleiche Frage wie jene, die in meinem lag: Was soll denn das? Ich hielt einem vorbeiilaufenden Sklaven meinen leeren Becher hin und ließ beiläufig nachschenken. Ursus erntete eine schiefe Grimasse. Allzu offensichtlich wollte ich schließlich auch nicht überrascht wirken von dem, was sich dort vorn auf der Bühne abspielte. Abgespielt wurde. Und so hautnah an der Realität, dass es mich beinahe gruselte. Die Sklaven schinen hundertprozentig bei der Sache zu sein, ja sogar Spaß zu haben. Und wen wunderte das, immerhin konnten sie einem Großteil der Familie ordentlich was zurückgeben. Camilla konnte froh sein, dass sie nicht in dem Stück parodiert wurde - denn Sofia war auch mit von der Partie, und die beiden mochten sich schließlich so gern wie Hund und Katze.


    Auch den Blick meines besten Freundes fing ich auf. Aquilius schien...fassungslos? Ihm erwiderte ich den Blick mit einem zerknirschten Grinsen, das noch dazu nicht so überzeugend rüberkam, wie es sollte. Ich seufzte. So konnte aus einem gemütlich geplanten, feucht-fröhlichenAbend noch noch ein Fiasko werden. Und welcher Name würde dann in aller Munde sein? Aurelius. Und im schlimmsten Fall hing dann noch mein cognomen mit dran. Wie - hm - deplorabel!

    Als Camilla zurückkehrte, war sie um einiges freizügiger gekleidet als bei ihrer unfreiwilligen Bekanntschaft mit Honig und Leckereien. Für ihr Alter hatte sie sich zwar recht gut gehalten, aber ich bevorzugte dennoch eher Blicke in jüngere Ausschnitte. :P


    Ob ihrer Worte musste ich lachen. "Ein Versäumnis?" Tja, vielleicht war es das. Wobei ich selbst das nicht beurteilen konnte. Genaugenommen konnte das wenn überhaupt nur Camryn beurteilen, was eigentlich ausgenommen schade war. Ich schob die Gedanken fort und eine Traube in den Mund. Gerade rief ich mir wieder ins Gedächtnis, dass Camilla zuvor etwas von Cotta gesprochen hatte als es ihr wohl auch wieder einfiel. Ich lehnte mich also zurück und machte mich auf eine etwas längere Geschichte gefasst. Bei den meisten Frauen zumindest dauerte eine solche Unterhaltung länger, und deswegen erstaunte es mich auch, dass Camilla begann, nach Worten rang und beinahe augenblicklich wieder verstummte. "Appius? Ach, das wird nur eine seiner Launen sein, Camilla. Mach dir da mal keine Gedanken. Die Finanzen der gens liegen in senen Händen, vermutlich hat ihn das etwas zermürbt. Aber sicher freut er sich nicht minder als ich, dich hier zu haben." Nun gut, wobei Cotta ja von Natur aus eher aufgeschlossen war. Näheres seine Mutter betreffend, wusste ich nicht. "Und Manius...ja, offen gestanden macht er mir auch Sorgen. Er lebt sehr zurückgezogen, seit er hier ist. Dass er dem Wein sehr zugetan ist, habe ich auch schon gemerkt. Vielleicht redest du mal mit ihm...etwas Beschäftigung wird ihm sicher besser tun als das zurückgezogene Leben, das er jetzt führt." Genaugenommen hatte ich Philonicus seit seiner Ankunft nur weitere zwei oder drei Male gesehen, und zwar beim Essen. Er sah stets ausgelaugt und müde aus, und immer haftete ihm der Geruch nach vergorenem Rebensaft an, wie seiner Kleidung Schmutz. So konnte das nicht weitergehen, das war mir natürlich auch klar, doch ich hatte bisher einfach keine Zeit gefunden, mich darum zu kümmern. Es war in dieser Hinsicht also nicht schlecht, dass Camilla nun hier war. Vielleicht konnte sie sich auch um Lupus kümmern, der sich in letzter Zeit eher wie ein Hund benahm denn wie ein Mensch. Ich seufzte tief. "Ah, und entschuldige das Gebaren der Sklavin vorhin. Das war Sofia, am besten merkst du dir Namen und Gesicht und machst einen weiten Bogen um sie. So gut wie nichts, was sie anfasst, gelingt", erklärte ich. "Aber sie beherrscht die Musik sehr gut."

    Zu der Festsache nickte ich: "Gut. Dann werde ich es dich wissen lassen, sobald ich es selbst weiß. Wie gesagt, mein Vetter organisiert das meiste. Ich selbst bin quasi nur der Geldgeber." Grinsend stellte ich den Becher fort.


    "Und es ist keiner auf die Idee gekommen, sich an den jeweils anderen zu wenden und zu fragen, wo du eigentlich steckst? Meine Güte. Da sieht man mal wieder, was hier in Rom passiert: Keiner scheint sich für den anderen zu interessieren." Ich schüttelte den Kopf und überlegte. Man forschte hier nur nach, wenn etwas passierte. Aber andererseits hätte ich selbst auch nicht gedacht, dass sich Aquilius ohne Gedächtnis in einer prekären Lage befand, sondern tatsächlich in religiösem Auftrag unterwegs war. Im Zweifelsfall ging der Verstand schließlich immer von der einfachsten Lösung aus. "Mit den immer gleichen Aufgaben? Das klingt ganz danach, als hättest du keine Freude mehr an der Ausübung deines Amtes", bemerkte ich und richtete einen forschenden Blick auf Aquilius. Er war sicherlich niemand, der aufgrund einer langatmigen Phase einfach den Kopf in den Sand steckte, aber dennoch glaubte ich eine gewisse Resignation aus seinem Ton heraus zu hören. Doch als er von den zwei Mädchen berichtete, musste ich lachen. "Caius, also wirklich, und dann macht dir der Dienst keinen Spaß mehr? Das kann ich kaum glauben!" Feixend lehnte ich mich zurück. Wenn man da nicht den Bock zum Gärtner gemacht hatte... Ich selbst stellte mir lieber nicht vor, wie es wäre, Schülerinnen zu betreuen. Entweder, ich würde zu gar nichts mehr kommen, oder aber, man würde mir ein hyperkritisches Festbeißen in der Materie nachsagen.


    "Mein Ziel? Mein nächstes Ziel habe ich erreicht, wenn diese Amtszeit zu Ende geht und jeder, dem ein Erbe zusteht, eben dieses auch rechtmäßig erhalten hat. Was die Amtspause anbelangt... Nun ja, mir liegt die Untätigkeit nicht, Caius. Ich hatte sogar schon daran gedacht, um eine Aufnahme in den cultus deorum zu ersuchen, obgleich ich nicht glaube, dass ich geeignet wäre, mit souveräner Hand große, öffentliche Zeremonien zu führen" erzählte ich.

    Zitat

    Original von Appius Terentius Cyprianus
    Sind Handlungen durch fremde IDs die zum großen Nachteil einer anderen ID führen, ohne daß die andere ID da zugestimmt hat, eh durch die Spielregeln untersagt? (Habe des irgendwie im Hinterkopf kann mich auch irren)


    Hm, das ist da etwas schwammig formuliert, es geht dort eher um die Zweckerstellung einer ID.
    Aber wie hieß es im anderen Thread so schön?
    ;)


    Zitat

    Original von Ioshua ben David
    Manches gebietet der normale Menschenverstand.

    Caecus indes ließ nicht zu, dass Tilla sich verdrückte. Er hielt sie fest, blieb dabei aber so behutsam, wie es ihm möglich war. "Ich denke, wir nehmen den Oberarm. Den linken", sagte er zu Hanno. Das war eine Stelle, an der das Tätowieren nicht ganz so schmerzhaft war. Caecus rollte die tunica ein wenig weiter auf und sagte zu Tilla: "Schau nicht hin. Wenn man hinschaut, tut es nur noch mehr weh." Er würde Tilla nicht loslassen. Und Hanno hatte indes die Nadeln in der richtigen Reihenfolge angeordnet und war bereit. Auf ein Nicken Caecus' hin drückte er die groben, etwa anderhalb Zentimeter vorlugenden, heißen Nadeln mit aller Kraft in die unversehrte Haut Tillas. Caecus hielt sie fest. Dann zog Hanno die Nadeln aus dem Fleisch und legte das Marterwerkzeug fort. Augenblicklich bildeten sich Bluttropfen in den Einstichstellen. Hanno nahm einen Becher zur Hand, in der sich tiefschwarze Tintenfischtinte aus dem Rotmeer befand. Mit einem Läppchen rieb er die Flüssigkeit in die eben verursachten Wunden ein. Es musste höllisch brennen, würde in einigen Stunden aber nachlassen und spätestens morgen verschorft sein. Und sobald der Schorf abgefallen war, würde jeder an Tillas Oberarm erkennen, welchem Hause sie angehörte.

    Ihr eigentliches Anliegen überraschte mich. Das sah man meinem Gesicht deutlich an. Hatte sich herumgesprochen, dass ich Sisennas tutor war, oder warum wollte sie mit mir über die Zukunft des Mädchens sprechen?
    "Du kommst wegen des Mädchens? Nun, in diesem Falle muss ich leider dich enttäuschen. Sisenna ist bereits jemandem versprochen und wird daher nicht in den Kult der Vesta eintreten können." Im Grunde stimmte das nur halb, denn ich hatte mich noch nicht mit Aristides über die Pläne seinen Sohn Serenus betreffend unterhalten. Aber der Vestakult war auch so nichts für das kleine Mädchen. Ich wollte sie unter gar keinen Umständen von der Familie fortschicken, nachdem ihr bisheriges Leben schon so lieblos verlaufen war. "Ich bedaure, aber ich muss daher leider ablehnen." Es blieb zu hoffen, dass keine captio durchgeführt werden würde.



    Sim-Off:

    Dieses Posting spiegelt Sisennas Entscheidung wider.

    Zitat

    Original von Ioshua ben David


    Manches gebietet der normale Menschenverstand. Nicht alles muß in Form von Regeln gegossen sein.


    Dennoch gibt es IDs, die nicht an der WiSim teilnehmen und trotzdem Spaß haben. Ob wir nun im Kingdom Far Far Away spielen oder in deinem Schmalzland. Daraus schließt mein normaler Menschenverstand, dass die WiSim nicht obligatorisch ist. Denn sonst hätte ja jeder ein Konto.... :D