Zitat
"Übermorgen kommt mir sehr gelegen, ja, wenn das für dich nicht zu früh ist."
"Keinesfalls", erwiderte ich postwendend und mit einem amüsierten Schmunzeln auf den Zügen. Diese Feier sollte zwar ausgelassen und fröhlich sein, doch zwei Tage der anschließenden Regeneration sollten mehr als ausreichend sein. Kurz darauf unterhielten sich die beiden Damen auch schon wieder, und da ich nicht stören wollte, entschuldigte ich mich auch hier wieder und begrüßte die frisch eingetroffenen Senatoren Macer, Avarus und Meridius. "Bona Meditrinalia, meine Herren! Schön, dass ihr ein Kommen einrichten konntet. Ein herrlicher Abend, um gemeinsam der Meditrina zu opfern."
In jenem Moment trat auch Caecus zu mir und berichtete mir vertraulich, dass alles bereit war und man mit dem Opfer beginnen konnte, wenn ich es wünschte. Nun, ich wollte weder die Geduld der Gäste strapazieren, noch wollte ich die noch abwesenden Gäste außen vor lassen. Vermutlich aber, so dachte ich mir, würden die noch fehlenden Gäste in Kürze eintreffen, und so nickte ich Caecus zu und verließ auch die Senatoren für einen Moment. Kurz blickte ich zu Prisca hinüber, die bei Helena und Aquilius stand und sich gut zu unterhalten schien. Mit einem Schmunzeln begab ich mich zu dem zweckmäßig im atrium errichteten Altar mit den Statuen der Meditrina und des Iuppiter. In einem kleinen foculus glommen bereits einige Kohlen und eine große, festliche Schale mit Verzierungen war aufgestellt worden, daneben zwei irdene Karaffen mit griechischen Motiven darauf.
"Meine Freunde, verehrte Seantoren - liebe Gäste! Darf ich euch einen kleinen Moment eurer Aufmerksamkeit stehlen?" fragte ich zunächst laut in den Raum hinein. Ich wartete, bis es recht ruhig geworden war, und fuhr dann fort. "Zunächst möchte ich sagen, dass ich mich - wir uns! - sehr freuen, dass ihr Zeit gefunden und Lust verspürt habt, dieses Fest mit uns gemeinsam zu begehen. Euch erwartet - neben der obligatorischen cena etwas später am Abend - unter anderem ein kleines Theaterstück, doch dazu später mehr. Jetzt wollen wir erst einmal Meditrina und Iuppiter ehren, wie es Sitte ist. Sicherlich hat ein jeder von euch zu Hause geopfert, doch ein gemeinsames Opfer, das dieses Fest einleitet, ist eine schöne Sache und lässt die Götter an diesem Abend vielleicht ihre Aufmerksamkeit etwas näher auf den heutigen Abend herabschauen."
Ich nickte einmal kurz in die Runde und drehte mich dem keinen Altar zu. Ein Sklave hatte während meiner Worte bereits etwas von der Weihrauch-Kräuter-Mischung über die Kohlen gestreut, sodass sich ganz allmählich allmählich und leise knisternd ein Wohlgeruch im atrium ausbreitete. Ganz benebeln würde er die Gäste nicht, da der leicht weißliche Rauch durch die Öffnung an der Decke abzog. Sofia spielte leise eine alte Weise auf ihrer Flöte und ich begann mit dem Opfer. "Iuppiter, Vater der Götter und Wächter der Blitze! Nimm diese Kekse und schaue mit Wohlwollen auf uns herab. Meditrina, Göttin des Weines und Göttin der Heilung, wir danken dir für die schützende Hand, die du über uns hältst, und wir danken dir für die Kraft, die du den Reben spendest, damit uns ihre Trauben den köstlichen Saft schenken, den wir begehren. Meditrina, wir trinken neuen und alten Wein, um von neuer und alter Krankheit geheilt zu werden. Nimm diese deine Gaben, denn sie stehen dir zu und wir geben sie gern." Ich brachte dem Göttervater Kekse dar und griff bei den rituellen Worten an Meditrina nach beiden Karaffen. Aus beiden ließ ich die rote Flüssigkeit fließen, und sie fügten sich zu einem Strahl zusammen, der sich plätschernd in die dafür vorgesehene Schale ergoss. Angesichts der vielen Gäste und der damit verbundenen vielen Opfergaben hatte ich beschlossen, den Wein in der Schale zu sammeln und erst anschließend Schluckweise dem Feuer zu überantworten.
Nachdem ich die Kannen neuerlich auf ihren Platz gestellt hatte, wandte ich mich wieder an die Gäste. "An der porta hat ein jeder von euch eine kleine Amphore erhalten, in der bereits der Wein vom Vorjahr mit einem aus der neuen Traubenlese vermengt wurde. Ihr mögt nun eure Opfergaben der Meditrina darbieten" sagte ich und machte Platz für diejenigen, die opfern wollten.