Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Peltrasius Crustus hatte im weiteren Verlauf der Befragung der Götter beleidigt geschwiegen. Sein neiderfülltes Gesicht war vermutlich auch schon beredt genug. Viel beachtlicher als Gracchus' Laufbahn, der ja bereits lange Jahre Erfahrung als sacerdos gesammelt hatte, fand ich jene von Durus. Vor kurzem war er zum augur ernannt worden, hatte kaum Zeit in diesem collegium verbracht und wurde nun zum pontifex ernannt. Da lag die Vermutung nahe, dass bei ihm besondere Zuwendungen im Spiel gewesen waren, doch ich war klug genug, diese Vermutungen für mich zu behalten. Wenn er seine Sache gut machte, gab es auch keinen Grund, sich zu beschweren. Wenn nicht, würde es der Kaiser erfahren und dann oblag es ihm, zu handeln. Durus war für mich indes ein guter Bekannter, und auch wenn ich mich fragte, woher der plötzliche Bedarf des collegium pontificium an einem eher unerfahrenen Mann kam, so kritisierte ich die Entscheidung nicht weiter, sondern nahm sie als gegeben hin und fand mich damit ab. Es war schließlich auch nicht das Schlechteste, wenn ein guter Bekannter zu den wichtigsten Männern Roms zählte. :D


    Um der zuschauenden Menschenmasse zu entfliehen, verließen Peltrasius Crustus und ich schon bald nach der Inauguration den Platz. Ein Durchkommen zu den neu ernannten Religionsmänner war ohnehin vorerst nicht möglich, und da nur wenige Tage später das Fest in der villa Aurelia stattfinden sollte, würde ich dort noch Zeit haben, beiden zu gratulieren.

    Mit Wohlwollen im Blick sah ich, wie die Gäste nach und nach ihre kleinen Amphoren leerten, die in der Tat eine Sonderanfertigung gewesen waren, denn nur vermengter Wein war ein der Meditrina angemessenes Opfer, und wie sonst hätte jeder Gast seinen Teil zum gemeinsamen Opfer beitragen sollen? Die Idee mit den kleinen Amphoren war Camillas gewesen. Wo war sie eigentlich? Und wo war Sisenna? Auch Philonicus und Pegasus fehlten, wie ich nach einem herumschweifenden Blick missgestimmt bemerkte, doch ich wollte mir heute keine Gedanken darum machen, was jeder von uns für Problemchen mit sich selbst oder anderen hatte. Sobald das Opfer zelebriert worden war, würde das Stück beginnen, und darauf freute ich mich bereits.


    Prisca hatte mit den Sklaven ein Stück von Seneca eingeübt, das zumindest war der letzte Kenntnisstand, den ich hatte. Ich suchte ihren Blick und neigte mit nach oben gezogenen Brauen den Kopf nach vorn - eine Geste, die sie stumm fragen sollte, ob alles lief wie geplant. Die Sklaven sollten sich jetzt bereits umgezogen haben oder zumindest schon dabei sein. Leones Aufgabe würde es sein, gleich die Gäste zum tablinum zu bitten, welches kurzerhand zum Theatersaal umfunktioniert worden war.


    Neuerlich glitt mein Blick durch den Raum und blieb an Callista hängen, meiner reizenden Bekanntschaft vom Festtag in der Stadt. Ein Lächeln stahl sich auf meine Züge, und ich zwinkerte ihr zu. Vielleicht würden sich früher oder später noch Gelegenheiten ergeben, allein zu sein, doch gegenwärtig schien sie schon mit Menecrates' Frau beschäftigt zu sein. Jener, die Deandra einen Drachen nannte. Ich suchte unwillkürlich nach meiner Verlobten und fand sie bei Prisca, Helena und Aquilius. Sie trug eine weiße tunica mit passenden Ohrringen und sah mit der gesteckten Frissur recht hübsch aus. Doch daran wollte ich nicht denken. Heute war ein Weinfest, und ich würde mich betrinken. Da fiel mir ein...warum hatte ich eigentlich noch keinen Becher in der Hand? Ich sah mich nach einem Sklaven um und gewahrte Rutger, der etwas abseits mit einigen Sklaven stand und tratschte wie ein Waschweib. Hatte er nicht vorhin etwas zu mir gesagt? Was war das doch gleich gewesen? Ich wusste es nicht mehr, denn es war unwichtig gewesen. Achja, Aquilius' Sklave war er. Hm. Ich steuerte den Pulk um ihn herum an. "Habt ihr noch einen Becher für mich übrig?" fragte ich gut gelaunt und sah in die Runde. Plotina und ihre Bekannte standen ebenfalls nicht weit entfernt, und fragenden Blickes sah ich auf ihre becherlosen Hände, ehe ich einen Sklaven zu ihr schickte, damit er ihr etwas zu trinken kredenzte. Anschließend lächelte ich ihr zu, denn sie wirkte leicht verloren, oder täuschte ich mich?


    Sim-Off:


    edit: Jeder mit WiSim-Zugang dürfte an der porta eine Opferspende erhalten haben. Holt sie euch bitte ab. Auch Wein und Trauben gibt es bereits, den Rest dann zur cena. :)

    Kritischen Blickes folgte mein Blick den Schritten und Taten des augur. Es war nicht die erste Tempelweihe, bei der ich anwesend war, und doch war ein solcher Ritus immer etwas Besonderes. Schwierigkeiten konnte auftreten, wenn die Geister nicht weichen wollten, sich zu Dämonen wandelten und fortan den Ort heimsuchen würden. Deswegen war die Arbeit des Annaeus eine wichtige. Aufmerksam beobachtete ich den alten Mann, warf aber hin und wieder auch Cotta und Ursus einen verstohlenen Blick zu, um zu ergründen, ob sie dem Ritual den nötigen Respekt zollten. Cottas Zunge schien gelöster zu sein als die Ursus', doch vielleicht war er nur aufgeregt? Ich wusste es nicht. Zuversichtlich sah ich kurz zu Modestus, ehe ich den Weg des augur weiter verfolgte.

    "Ah", entgegnete ich grinsend, als sie versicherte, dass sie nur zu meinem Schutz töten würde. "Na dann kann ich ja beruhigt sein." Mit zurückgelegtem Kopf musterte ich Cadhla aus halb geschlossenen Augen. Kurz schien sie irritiert auf etwas zu warten oder über etwas nachzudenken, dann zog sie sich die tunica über den Kopf, bückte sich beinahe hastig nach den Sandalen und pfriemelte mit fliegenden Fingern an ihrem subligaculum herum. Ich bestritt nicht, dass sie ansehnlich war. Von zwar kleiner, aber kräftiger Statur, wie es wohl einer Kriegerin auch gebührte, hatte sie wohlgestaltete Rundungen, die allzu schnell im Wasser verschwanden. Neuerlich drehten sich die Gedanken an die während des letzten Jahres so arg gepflegte Enthaltsamkeit, und ich ärgerte mich etwas, dass mich ein Weibsbild so hatte narren können. Fort schickte ich die Gedanken, denn ich wollte mich entspannen und nicht ärgern, und so konzentrierte ich mich auf Cadhla. Die Keltin mit den roten Haaren und der rötlichen Haut tat, vermutlich unbewusst, kund, wie sehr sie das warme Wasser genoss. Ohne mein Zutun antwortete mein Körper auf den leisen Seufzer, und neuerlich ärgerte ich mich über mich selbst, da ich mich nicht unter Kontrolle hatte.


    Ehre für die Familie, Schildmaid, kämpfen, Krieg... Ob dieser Gedanken legte sich die aufkeimende innere Aufruhr etwas und es war mir wieder möglich, mich anderen Dingen als den wohlgeformten Rundungen der kleinen Roten mit dem schlanken Körper zuzuwenden. Bereitwillig ließ ich den Arm heben und schloss, bequem zurückgelehnt, die Augen. Ich fragte mich, was das wohl für barbarische Götter waren, die es guthießen, wenn Frauen in den Krieg zogen. Hinfortgeswischt wurden aber die Gedanken, gleichsam des Schmutzes, den Cadhla gekonnt fortwusch. Eine Frage drängte sich hinter meine Stirn. "Und hast du Familie, Cadhla?" fragte ich sogleich und öffnete ein Auge, um ihre Reaktion zu erforschen, während ich gleichsam die angenehmen Berührungen genoss. Vermutlich war es eine Dummheit, das Thema des Gesprächs hierhin zu lenken, doch hatte ich nicht weiter nachgedacht. Ein stummer Beobachter musste sich angesichts der wiederkehrenden Patzer in meiner Anwesenheit bei Frauen sicher denken, dass Aurelius Corvinus und Frauen einfach nicht zueinander passten, was den Verstand und die Gefühle anbelangte, so denn welche vorhanden waren. Doch ich machte mir keinerlei Gedanken darüber.


    Der Gedanke, dass sie mir zeigen konnte, wie eine keltische Frau kämpfte, ließ mich grinsen und mich aufrichten. Was konnte die kleine Sklavin schon, das einen waschechten Römer zurückdrängen oder unterwerfen würde? Dennoch war der Gedanke recht amüsant. "So? Das kannst du gern mal machen", sagte ich und fügte schmunzelnd hinzu: "Jetzt gleich?" Und da hatte ich ihre Handgelenke schon gepackt und zwang sie mit nur halber Kraft unter die Wasseroberfläche. Herausfordernd sah ich sie an, um gut fünf Schritte messenden, engelassenen Becken war noch genug Platz für ein kleines Eingeständnis Cadhlas, was ihre Kampftechnik einem Römer gegenüber anbelangte. "Na?" spöttelte ich und grinste die kleinere Person mir gegenüber an.

    Ihr Entsetzen verursachte augenblicklich ein eisiges Gefühl in meiner Magengegend. Eben noch schien sie sich besser zu fühlen, und nun? Verständnislos und verwirrt sah ich ihr nach, als sie sich aus der trostspendenden Umarmung freimachte und sich entfernte. Gut, ich konnte nachvollziehen, dass der Gedanke an eine ungewisse Zukunft wie durchaus beschäftigte. Dass sie an etwas gänzlich anderes dachte, vermutete ich nicht einmal. Bestürzt sah ich den Tränen zu, die zuerst die Augen füllten und dann an den blassen Wangen hinabliefen. Erneut hatte ich jemanden zum Weinen gebracht - nur wie? Es wollte mir nicht klar werden. Etwas unbeholfen stand ich in der Gegend herum und fragte mich, was ich nun am besten tun sollte. Umarmt und getröstet werden wollte Helena offensichtlich nicht.


    Während ich noch darüber nachgrübelte und nach passenden Worten suchte, ereiferte sich Helena. Sie erteilte mir einen scharfen Verweis, fühlte sich vor den Kopf gestoßen. Doch alles, was ich in jenem Moment empfand, war tiefe Erleichterung darüber, dass sie sich keinem Unbekannten hingegeben hatte. Deswegen lächelte ich sie zuversichtlich an, auch wenn ihre Worte immer lauter wurden. Ich hätte erwidern können, dass ich es verstanden hätte, wenn sie sich nach Liebe sehnte, doch dieser Tage sprach ich selbst besser nicht von Gefühlen, sonst würde alles erneut aufwallen.


    Das vertrauliche Lächeln schwand, als Helena mich anschrie, und wich einem missbilligenden Ausdruck. Ich holte schon Luft, um sie nachdrücklich zu bitten, an sich zu halten, da Griff sie nach dem Becher und ich entschied mich anders. Sie holte aus und ich verschwand. Einer Furie in Rage ging man besser aus dem Weg. Das hatte schon Vater so gehandhabt, wenn Mutter sich aufgeregt hatte. Obwohl sie nie mit Geschirr nach ihm geworfen hatte. Ein weiterer Beweis dafür, dass es Helena an einer strengen Hand mangelte? Ich sollte eventuell eine Vorabsprache mit Durus treffen und dieses Abendessen nur zum Schein als Annäherung durchgehen lassen, während bereits alles abgesprochen und besiegelt war. Nein, dachte ich mir, als ich die Tür schützend hinter mir zuzog und mich immer noch über Helenas Verhalten wunderte. Als der Becher auf den Boden fiel, steckte ich nochmals den Kopf zur Tür hinein. "Es tut mir leid", sagte ich und meinte es ehrlich. Dann zog ich die Tür hinter mir zu und begab mich ins Peristyl. Ich musste nachdenken.

    "Danke. Ja! Ja, der bin ich. Und du warst Cotta, nicht? Entschuldige, aber ich kann mir Namen nicht so gut merken", brabbelte Cloelius Quadratus sogleich weiter. Im Stillen fügte ich hinzu, dass es sich mit Zahlen, Plätzen und Tanzschritten genauso verhielt. Manchmal fragte ich mich, wie Cloelius Quadratus es nur schaffte, sich ans Atmen zu erinnern, aber diesen Gedanken laut zu äußern, war nicht meine Art, und so schwieg ich, amüsiert grinsend. "Also gut. Claudius Frugi und Menenius Stilo", murmelte Cloelius Quadratus zerstreut, nickte Ursus nochmals dankend zu und stellte sich auf die falsche Seite. Seine Kollegen lotsten ihn an den rechten Platz und ich warf Cotta einen vielsagenden Blick zu, hatte ich ihn doch schon bei unserem Thermenbesuch von Quadratus berichtet.


    "So. Stehen alle bereit? Aemilius Plautus, würdest du beginnen? Aber langsam, wir alle brauchen vermutlich wieder etwas Zeit, um einzusteigen", bat ich den Mitsalier. Plautus nickte und trat einen Schritt vor. Das rhythmische Klopfen der Schwerter auf die Schilde fehlte uns, doch ohne Ausstattung übte es sich leichter, und da ein Sklave mit zwei Klanghölzern regelmäßige Takttöne erzeugte, hinderte und das fehlende Schild ebensowenig wie das Schwert. Ich selbst hatte mich neben den sodales eingereiht und übte selbstverständlich mit.

    Hanno tauschte einen missmutigen Blick mit Caecus. Jener sah Tilla entschuldigend an und sah zu ihr hinunter. Er hielt sie sanft fest, als sie in Panik geriet. "He... Du hast Angst, nicht?" fragte er sie und drehte den Kopf, um ihr seinen Nacken zu zeigen, der unterhalb der tunica ebenfalls tätowiert war. M. Aurel. Corv. stand dort. "Fürchte dich nicht, es tut nur kurz weh, dann ist alles vorbei." Davon, dass die kleinen Stichwunden etwas schmerzen und anschwellen würden, sagte er nichts. "Ich bleibe bei dir und passe auf. In Ordnung?" fragte Caecus und blinzelte Tilla freundlich an. Hanno rollte mit den Augen. "Kann ich jetzt endlich anfangen oder was?" fragte er und nahm das Eisen zur Hand, in das er bereits die Nadeln gesteckt hatte, die den Namen des Besitzers ergeben würden. "Du kannst dich auch auf dem Arm zeichnen lassen, Tilla. Da ist die Haut dicker als am Nacken oder über dem Ohr, und es tut nicht so weh", schlug Caecus vor. An der Innenseite des Unterarms waren in letzter Zeit zwar keine Sklaven mehr gezeichnet worden, aber Tilla war noch jung und hatte Angst, also warum nicht?

    Zitat

    "Übermorgen kommt mir sehr gelegen, ja, wenn das für dich nicht zu früh ist."


    "Keinesfalls", erwiderte ich postwendend und mit einem amüsierten Schmunzeln auf den Zügen. Diese Feier sollte zwar ausgelassen und fröhlich sein, doch zwei Tage der anschließenden Regeneration sollten mehr als ausreichend sein. Kurz darauf unterhielten sich die beiden Damen auch schon wieder, und da ich nicht stören wollte, entschuldigte ich mich auch hier wieder und begrüßte die frisch eingetroffenen Senatoren Macer, Avarus und Meridius. "Bona Meditrinalia, meine Herren! Schön, dass ihr ein Kommen einrichten konntet. Ein herrlicher Abend, um gemeinsam der Meditrina zu opfern."


    In jenem Moment trat auch Caecus zu mir und berichtete mir vertraulich, dass alles bereit war und man mit dem Opfer beginnen konnte, wenn ich es wünschte. Nun, ich wollte weder die Geduld der Gäste strapazieren, noch wollte ich die noch abwesenden Gäste außen vor lassen. Vermutlich aber, so dachte ich mir, würden die noch fehlenden Gäste in Kürze eintreffen, und so nickte ich Caecus zu und verließ auch die Senatoren für einen Moment. Kurz blickte ich zu Prisca hinüber, die bei Helena und Aquilius stand und sich gut zu unterhalten schien. Mit einem Schmunzeln begab ich mich zu dem zweckmäßig im atrium errichteten Altar mit den Statuen der Meditrina und des Iuppiter. In einem kleinen foculus glommen bereits einige Kohlen und eine große, festliche Schale mit Verzierungen war aufgestellt worden, daneben zwei irdene Karaffen mit griechischen Motiven darauf.


    "Meine Freunde, verehrte Seantoren - liebe Gäste! Darf ich euch einen kleinen Moment eurer Aufmerksamkeit stehlen?" fragte ich zunächst laut in den Raum hinein. Ich wartete, bis es recht ruhig geworden war, und fuhr dann fort. "Zunächst möchte ich sagen, dass ich mich - wir uns! - sehr freuen, dass ihr Zeit gefunden und Lust verspürt habt, dieses Fest mit uns gemeinsam zu begehen. Euch erwartet - neben der obligatorischen cena etwas später am Abend - unter anderem ein kleines Theaterstück, doch dazu später mehr. Jetzt wollen wir erst einmal Meditrina und Iuppiter ehren, wie es Sitte ist. Sicherlich hat ein jeder von euch zu Hause geopfert, doch ein gemeinsames Opfer, das dieses Fest einleitet, ist eine schöne Sache und lässt die Götter an diesem Abend vielleicht ihre Aufmerksamkeit etwas näher auf den heutigen Abend herabschauen."


    Ich nickte einmal kurz in die Runde und drehte mich dem keinen Altar zu. Ein Sklave hatte während meiner Worte bereits etwas von der Weihrauch-Kräuter-Mischung über die Kohlen gestreut, sodass sich ganz allmählich allmählich und leise knisternd ein Wohlgeruch im atrium ausbreitete. Ganz benebeln würde er die Gäste nicht, da der leicht weißliche Rauch durch die Öffnung an der Decke abzog. Sofia spielte leise eine alte Weise auf ihrer Flöte und ich begann mit dem Opfer. "Iuppiter, Vater der Götter und Wächter der Blitze! Nimm diese Kekse und schaue mit Wohlwollen auf uns herab. Meditrina, Göttin des Weines und Göttin der Heilung, wir danken dir für die schützende Hand, die du über uns hältst, und wir danken dir für die Kraft, die du den Reben spendest, damit uns ihre Trauben den köstlichen Saft schenken, den wir begehren. Meditrina, wir trinken neuen und alten Wein, um von neuer und alter Krankheit geheilt zu werden. Nimm diese deine Gaben, denn sie stehen dir zu und wir geben sie gern." Ich brachte dem Göttervater Kekse dar und griff bei den rituellen Worten an Meditrina nach beiden Karaffen. Aus beiden ließ ich die rote Flüssigkeit fließen, und sie fügten sich zu einem Strahl zusammen, der sich plätschernd in die dafür vorgesehene Schale ergoss. Angesichts der vielen Gäste und der damit verbundenen vielen Opfergaben hatte ich beschlossen, den Wein in der Schale zu sammeln und erst anschließend Schluckweise dem Feuer zu überantworten.


    Nachdem ich die Kannen neuerlich auf ihren Platz gestellt hatte, wandte ich mich wieder an die Gäste. "An der porta hat ein jeder von euch eine kleine Amphore erhalten, in der bereits der Wein vom Vorjahr mit einem aus der neuen Traubenlese vermengt wurde. Ihr mögt nun eure Opfergaben der Meditrina darbieten" sagte ich und machte Platz für diejenigen, die opfern wollten.

    Ich wandte mich um, als der Saal sich immer weiter füllte. Fast jeder der Gäste hatte eine der kleinen Amphoren in der Hand, mit der wir später gemeinsam Meditrina würden ehren. Einige bedeutendere Persönlichkeiten fehlten noch und würden sich vermutlich verspäten. Nun hieß es, die Gäste bei Laune zu halten, ehe die Nachzügler eintreffen würden.


    Aquilius' Worte beantwortete ich mit einem Grinsen und dem Hinweis: "Warte erst einmal das Programm ab, mein Freund, ehe du uns über den Klee lobst. Um das passende Ambiente haben sich haptsächlich zwei Damen gekümmert, die ich dir gern vorstellen möchte." Suchend sah ich mich nach Prisca und Helena um. Einen vorübergehenden Sklaven mit einem Tablett wies ich an, Prisca und Helena zu organisieren. Als die beiden bei uns angekommen waren, deutete ich nacheinander auf Helena und Prisca. "Meine Base Helena und meine Nichte Prisca." Zu den beiden gewandt fuhr ich fort: "Dies ist Caius Flavius Aquilius. Er ist mein bester Freund und noch dazu ein verdammt guter Marspriester."


    Aus den Augenwinkeln fiel mir die junge Sergierin auf, die etwas allein zwischen den Gästen stand und verloren wirkte. Ich hoffte nur, sie fühlte sich nicht ausgegrenzt. Gerade wollte ich mich in Bewegung setzen, um ein paar Worte mit ihr zu wechseln, da gewahrte mein Blick Menecrates und seine Familie. Selbst Callista war anwesend, was mich freute. Einzig Epicharis und Priscas Namensvetterin fehlten. Ich verschob die Sergierin auf später und erwiderte die Worte des Claudiers. "Menecrates, ich freue mich sehr, dass ihr heute herkommen konntet." Deandra war ebenfalls da, sagte aber nicht ein Wort. Ruhig lag mein Blick einen Moment auf ihrem weißen Antlitz, dann sah ich fort. Ich musste über den Dingen stehen, für Gefühlsduseleien war heute keine Zeit. "Du. Stell den Wein fort und bediene die Gäste", wies ich Rutger an, den ich in jenem Moment nicht als flavischen Sklaven erkannte, obwohl er eindeutig keine rote tunica trug. "Entschuldigt mich", bat ich kurz darauf, seilte mich ab und ließ Aquilius mit den beiden Mädels allein, nicht ohne ihm nochmals zuzuzwinkern. Ich begab mich zu Plotina, neben die plötzlich auch Minervina getreten war. "Ich hoffe, es wird ein schöner Abend werden", begann ich ein Gespräch. "Ehe ich es im weiteren Verlauf vergesse, würde ich gern mit dir über dein Stellengesuch sprechen. Es wäre mir allerdings lieb, wenn wir uns das für ein andermal aufsparen täten. Würde dir übermorgen passen?" fragte ich sie ohne Umschweife. "Sisenna, um die es ja geht, müsste auch irgendwo hier im atrium sein. So könntet ihr euch schon einmal kennenlernen", schlug ich vor und sah mich suchend um.

    Die Frist neigte sich dem Ende zu. Ein paar Tage vor deren Ablauf besuchten Livius Pyrrus und ich die basilica, um meinen Teil der zu bearbeitenden Schriftstücke schon einmal einzusehen. Ordentlich gestapelt, befanden sie sich auf einem Schreibtisch nahe des Bretts, an welchem der Aushang getätigt worden war. Auch die acta diurna hatte die Liste veröffentlicht, und umso unglaublicher war der Umstand, dass nicht einmal ein Drittel derjenigen, die etwas erben konnten, sich bis dato hier gemeldet hatten.


    "Vielleicht sind die schon zu reich", schlug Pyrrus vor. "Obwohl man ja Geld imnmer gebrauchen kann." Ich notierte mir einige der Namen und schüttelte den Kopf. "Das glaube ich nicht. Viele sehen den Nachlass eines Verstorbenen auch als Fluch an, mit dem sie besser nichts zu tun haben wollen. So ganz verstehe ich das zwar in den meisten Fällen nicht, aber man kann niemanden zwingen, ein Erbe anzunehmen." "Ich würd' alles nehmen, was übrig bleibt", grinste Pyrrus. "Ja, das kann ich mir vorstellen!" gab ich zurück und schmunzelte.


    Eine Weile war es still. Dann war es neuerlich Pyrrus, der die Stille durchbrach. "Und wenn sich nun niemand mehr meldet? Was machst du dann mit der ganzen Knete und allem, was die Leute so vererben?" "Es geht an den Staat", erwiderte ich. "Auch wenn es noch andere Verwandte gibt?" "Auch, wenn es noch weitere Verwandte gibt." "Pah! Ist ja Beschiss!" "Nein, Pyrrus, das ist Bürokratie." "Ich hasse Bürokratie." Ich lachte und klappte die Tafel zu. "Lass uns gehen, ich bin hier fertig. Hoffen wir, dass es nicht der cursus publicus ist, der die Hälfte der Briefe verschlampt hat, und wünschen wir den Erbberechtigten, dass sie nicht vergessen, sich hier zu melden."

    Annaea Minervina! Verwundert sah ich zu Minervina und zurück zu Modestus. So ein Halunke. Mit keinem Wort hatte er erwähnt dass er verheiratet war! Kürzlich konnte das gar nicht stattgefunden haben. Modestus hätte mich doch sicher eingeladen. Oder? "Tja, mein Freund, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll... Minervina, es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen."


    Mir lag die Frage auf der Zunge, wie lange die beiden denn schon verheiratet waren, als das Erscheinen eines weiteren Gastes, angeführt von einem etwa elfjährigen Jungen, mich ablenkte. Und nach einem kurzen Moment, in welchem ich nachdachte, fiel mir sogleich wieder ein, wer er war und woher ich ihn kannte. Nicht zuletzt gehörte er allerdings der factio aurata an und war ein angesehener advocatus des Reiches. Ich deutete ihm mit einer Geste, doch nächer zu treten. "Decimus M..." Zuerst wollte ich ihn Matho nennen, doch dann erinnerte ich mich daran, wie Lucilla mich beretis berichtigt hatte. "...attiacus? Fragend deshalb, weil ich mir nicht so ganz sicher war. "Es freut mich, dass du Zeit gefunden hast."


    Kurz darauf trat auch Aquilius ein. Schmunzelnd blickte ich ihm entgegen, wie er ins atrium geführt wurde von dem Buben. "Caius, welch Freude!"

    Und darauf trudelte bereits ein weiterer Gast ein, dicht gefolgt von einer nett anzuschauenden Dame, die sich allerdings etwas schüchtern gab. Überrascht sah ich Modestus an, blickte zu der Unbekannten und neuerlich zurück. Alter Haudegen! Vor kurzem waren wir noch zur Tempelweihe in Mantua gewesen, und trotzdem hatte er es versäumt, mir seine Flamme vorzustellen. Ein Schmunzeln erschien auf meinem Gesicht. "Modestus!" grüßte ich ihn erfreut. "Schön, dass du da bist. Darf ich dir meine Base Helena vorstellen? Und das hier sind Prisca, meine Nichte, und Segia Plotina. Ursus und Cotta kennst du ja bereits." Ich konnte es mir nicht verkneifen, gleich weiter nachzuhaken... "Und wen bringst du da mit?" Mein Blick besagte ganz eindeutig, dass ich alles andere als eine Verwandte in Modestus' Begleitung sah. Derweil winkte ich einem der weinbekränzten, herumstehenden Sklaven in Dunkelrot zu, damit sie unsere ersten Gäste wahlweise mit Wasser, Apfelsaft oder gemischtem Wein erlesener Güte bewirteten.

    Ich spinne den Gedanken mal weiter:
    x Waren aus dem Bereich "Nahrungsmittel" ergeben ein neues Produkt, das man neu benennen kann. Das wäre sehr witzig, auch SimOn, und würde dem kleinen gallischen Koch, zu dem Lucilla so gern geht, eine breite Vielfalt an Kreationsmöglichkeiten bieten! Technisch dürfte das auch machbar sein. :]

    Wenn sie ihre Gedanken laut ausgesprochen hätte, wäre mir nur geblieben, nachdrücklich zu bestätigen, dass sie mir natürlich etwas bedeutete. Sie war nicht irgendjemand, sondern meine kleine Cousine, verwaist. Und ich war nicht nur ihr Onkel, sondern auch ihr tutor. All die Anfangsschwierigkeiten aus der Kindheit waren Dummejungenstreiche gewesen, kindliche Sticheleien. Aber waren wir nicht beide erwachsen geworden?


    Helena erschien mir unendlich zerbrechlich zu sein, wie sie mit blassem Teint und der grazilen Gestalt in ihrem Nachtgewandt dort vor mir stand. Ein zärtlich anmutender Ausdruck schlich sich auf meine Züge, als ich die Lippen leicht aufeinander presste und ein aufmunterndes Lächeln versuchte, das natürlich misslang. Wie hätte es auch anders sein sollen in dieser Situation? Sie löste sich von mir und der Zuversicht, die ich schenken wollte. Vermutlich wollte sie keinen medicus, weil sie entweder den Vater des Kindes liebte oder das Kind selbst behalten wollte. Ersteres konnte ja gut und gern sein, doch das Kind würde sie nicht austragen. Das würde ich zu verhindern wissen. "Helena..." begann ich. Doch ehe ich dazu ansetzen konnte, ihr vor Augen zu führen, welche Schande es bedeutete, einen Bastard auszutragen, bestätigte sie die Vermutung mit dem Jüngling, der ihr Herz erobert hatte.


    Nur - wie sollte ich ihr begreiflich machen, dass, falls er ein Mann von schlechtem Stand war - diese Liebe nicht in eine offiziellen Ehe gehen konnte? Erneut trat ich auf sie zu und nahm die schwächlich anmutende Gestalt schlicht in den Arm, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen als Helena sich wünschte oder nun vermuten mochte. "Wenn du ihn liebst, wird es einen Weg geben, Helena. Selbst wenn du jemand anderen ehelichst, so kann diese Bindung noch bestehen bleiben. Ich möchte, dass du glücklich wirst, aber gleichzeitig auch eine ehrbare Frau bleibst. Du kannst kein Kind nicht austragen, wenn es nicht von einem Mann von Stande ist. Oder wir verschleiern deinen Zustand und du musst es weggeben, sobald es das Licht der Welt erblickt hat", sagte ich so behutsam, wie ich konnte. Und ohne eine Ahnung zu haben, worum es überhaupt ging.

    Da trat auch schon Ursus hinzu. Cotta konnte sich einen kleinen Spaß nicht verkneifen, vergaß aber auch nicht das Kompliment an Prisca, die sich plötzlich ebenfalls im atrium aufhielt. Sie strahlte heller als ein Stern am Firmament und würde ganz gewiss sämtliche Männer bezaubern. Ich seufzte leise und schenkte ihr ein Lächeln. Weiterer Worte bedurfte es dabei nicht, Prisca würde auch so wissen, dass ich stolz auf sie war.


    Da Cotta nicht weiter auf meine Frage einging, glaubte ich, es sei ihm unangenehm, über die Wahl zu sprechen. Und so beließ ich es dabei und richtete meinen Blick stattdessen auf den ersten Gast, der einerseits ganz allein kam und andererseits eine Frau war. Dunkle Haare umrahmten ein Gesicht, das mir einen forschen Eindruck machte. Der Junge drehte ab und verschwand wieder im vestibulum, als die Dame selbstbewusst auf unser kleines Grüppchen zu kam und sich sogleich vorstellte. Sergia Plotina also, dachte ich bei mir und nickte vorerst nur grüßend bei ihrer Vorstellung, denn Prisca, die Plotina bereits kannte, nahm das Zepter der Begrüßung erstmals in die Hand. Ich schmunzelte über ihre Bemerkung die Einladung betreffend - Caecus hatte wieder einmal außergewöhnlichen Geist bewiesen, als er die Reime auf die Pergamente gebracht und dem ianitor seine Verslein aufgezeichnet hatte.


    "Ich freue mich, dich kennenzulernen, Sergia Plotina. Ich bin Aurelius Corvinus, dies sind Cotta und Ursus, mein Vetter und mein Neffe. Meine Nichte kennst du ja bereits. Sie hat regelrecht von dir geschwärmt", übertrieb ich etwas, lächelte allerdings freundlich. Da diese Feier ein fröhlicher Anlass sein sollte, wollte ich auch nicht über Geschäftliches reden - zumindest nicht gleich bei der Begrüßung - und so erwähnte ich nicht, dass Prisca mich über den Stellengesuch der Sergierin informiert hatte. Es war später noch Zeit genug, sie um einen erneuten Besuch zu bitten, an dem vielleicht auch Sisenna teilnehmen konnte, denn um sie sollte es ja gehen. "Schön, dass du kommen konntest. Wie ich sehe, bist du auch bereits mit etwas Opferwein ausgestattet worden. Sobald der Großteil da ist, geht es los", versprach ich und hoffte, dass jener Großteil nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen würde.


    Da betrat Helena das atrium. In ihrer hellblauen tunica icht minder elegant als Prisca, wirkte sie grazil und doch noch etwas blass um die Nase. Ihre Schwäche seit der Ankunft aus Germanien bereitete mir ernsthaft Sorgen, hielt sie doch nun schon Monate an. Auch sie bekam ein Lächeln. "Helena, du siehst bezaubernd aus", grüßte ich sie. "Darf ich dir Sergia Plotina vorstellen? Sie ist, wenn ich mich recht erinnere, eine subauctrix der acta diurna", fuhr ich fort und warf gleichsam einen fragenden Blick in Plotinas Richtung.

    Finde ich super!
    Zumal man dann nicht x verschiedene Dinge einkaufen muss, sondern nur eine handvoll. Zugleich minimiert die einfachere Handhabung auch die Möglichkeit des Warenklaus durch Dritte, denn ein komplettes Gericht kann man auch persönlich in der WiSim anbieten statt umsonst in Einzelteilen in die offene WiSim zu stellen. :)

    "Das ist ne Laufbahn, das sag ich dir", raunte Peltrasius Crustus mir zu, denn er stand neben mir. "Erst hört man kaum was von ihm, dann macht er von sich reden als vigintivir, nun ist er Senator, und ein paar Tage später ruft man ihm zum pontifex aus. Geld müsste man haben. Mit Geld kann man alles erreichen." Purer Neid sprach aus den Worten meines Amtskollegens und ebenso puren Neid strahlte sein Blick aus. Ich konnte mich eines Schmunzelns nicht erwehren, indes meine Augen auf dem augur ruhten."Mit Eifer und Ehrgeiz erreicht man bisweilen mehr als mit Geld, Peltrasius. Besser, du unterstellst dem Flavier nicht, dass er jemanden bestochen hat", erwiderte ich und zog mir dafür einen flammenden Blick zu. "Ein einfacher sacerdos war er und niemand kannte seinen Namen. Wenn sein Vater nicht gewesen wäre oder der, der jetzt proconsul ist, dann-" "-Peltrasius, du verrennst dich. Bestätigt die Anzahl unserer Neider nicht unsere Fähigkeiten? Gerade nach dieser Amtszeit, auf die wir beide zurückblicken, sollten wir am besten wissen, was der Flavier als decemvir geleistet hat. Ich habe ihn zudem als einen Römer kennengelernt, der die Tugenden sehr hoch hält. Seine Ernennung sollte besser Ansporn sein denn Grund zum Neiden", gab ich zurück. Und eben dieser Ansporn war die Ernennung des Flavius Gracchus für mich selbst. "Wir werden noch viel zu erwarten haben von diesem Mann." Peltrasius grummelte eine Zustimmung und verschränkte die Arme.

    Es dauerte nicht lange, bis ich das atrium betrat. Ein recht mürrischer Leone hatte mir mitgeteilt, dass eine vestalische Jungfrau mich zu sprechen wünschte, und so hatte ich das Schreibzeug beiseite gelegt und hatte mich erhoben, um die Dame zu empfangen. Die Vestalin musste wegen der Erbschaften hergekommen sein, sagte ich mir, denn ein anderer Grund wollte mir partout nicht einfallen. Ein Sklave war indes an die Vestalin herangetreten und hatte ihr das gewünschte Wasser kredenzt.


    Ich kam gemäßigten Schrittes heran und bedeutete der kränklich wirkenden Flavierin, dass sie nicht aufstehen musste, um mich zu begrüßen. Stattdessen neigte ich ihr mein Haupt und lächelte. "Salve, virgo vestalis Flavia, es ist mir eine Ehre, dich in diesem haus begrüßen zu dürfen." Und das war es in der Tat, denn wann hatte man sonst die Ehre, das Oberhaupt der Vestalinnen eine Besucherin nennen zu dürfen? Ganz bestimmt wusste sie um meine momentane Tätigkeit als Magistrat Roms und den damit einhergehenden Besuchen im atrium vestae, aus dem ich einige Testamente geborgen hatte. Ich setzte mich ebenfalls. "Ich nehme an, die Erbschaften führen dich hierher?" fragte ich sie.