Es verstrichen einige Minuten, in denen nur das leise Knistern und Knacken der Kohlen und des Weihrauchs zu hören war. Dann bahnte sich Priscas leise Stimme den Weg durch die Schweigsamkeit und rührten mein Herz an. "Ja, das haben sie wohl. Sie haben sich ergänzt und der eine war für den anderen die Luft zum Atmen. Das war immer schon so, weißt du? So etwas ist selten, Prisca, gerade in unseren Kreisen. Wie viele Ehen werden aufgrund von Bündnissen und Politik geschlossen? Ich gestehe, dass ich auch für mich selbst etwas in dieser Hinsicht erwartet hatte. Aber im Grunde wird die Ehe mit Deandra später auch diesen Zweck erfüllen, da sie nun eine Claudia ist." Das war sie in der Tat, und dies wurde mir nun wieder einmal bewusst. Ich seufzte leise und lauschte dann wieder Priscas Worten, die nicht so klangen, als seien sie die eines Kindes oder eines Jugendlichen. Vielmehr erschien sie mir nun erwachsen, vielleicht erwachsener als ich selbst war. Ich wandte meinen Blick den Figuren zu, die sie berührte, und betrachtete die Szene genau.
"Da hast du recht", sagte ich schlicht und eine halbe Ewigkeit später, denn es war so, wie sie gesagt hatte. Daran gab es nichts zu rütteln. In Ermangelung erwidernder Worte oder einer sinnigen Tätigkeit, berührte ich einige Weihrauchkörner und konzentrierte mich auf das Knistern im foculus und Priscas Worte. Leider konnte man keine Verbindung zu den Toten herstellen, sie nicht fragen, was ihr Geist dachten und fühlte. Als Prisca sich einhakte, wandte ich den Kopf und sah zu ihr hinunter. Mehr und mehr schien sie Deandras Platz als Schwester einzunehmen, und das war gut so, denn Deandra benötigte nun eine andere Aufmerksamkeit. Ich mochte das Großer-Bruder-Gefühl, und ich hätte fast jeden meiner Verwandten mit meinem Leben verteidigt, besonders aber die Frauen. Dass Cotta sich durchaus gut schlagen konnte, wusste ich ja Dank des Thermenbesuchs. Dieser Gedanke ließ mich schmunzeln, und mit Zuversicht im Herzen zwinkerte ich Prisca zu.
"Die einen mögen dich jung nennen, Prisca, aber ich weiß, dass du erwachsen und anständig bist. Das zeigt mir die Art, wie du dich ausdrückst. Davon sollte sich so mancher orator eine Scheibe abschneiden. Wenn dir jemand etwas anderes sagt, dann höre nicht hin. Vielen trübt Schönheit die Sicht, und in dir vereint sich beides." Ein Lächeln untermalte diese Ansicht, meine Beurteilung Priscas. "Un nun lass uns das tun, weswegen wir hergekommen sind. Anschließend kannst du mir ja vielleicht erzählen, was dich vorhin beim Essen so bedrückt hat", sagte ich und griff nach einigen Opferkeksen.
"Ihr auctores generes, wir opfern euch zu Ehren diese Kekse, auf dass es euch im elysium wohlergehen mag und auf dass ihr wohlwollend auf eure Nachkommen hinabblickt. Euer Erbe wird fortgeführt, was begonnen ist, wird vollendet werden. Kehrt diesem Haus euer Gesicht zu und vertreibt die larvae. Wir bitten euch, stärkt die lares et penates und geht auf in unserer Liebe, die euch stets begleitet." Ich schwieg und legte mit bedächtigen Bewegungen insgesamt vier Kekse in die Opferschale. Nur langsam schwärzte sich das Gebäck und verströmte dabei den Geruch nach Angebranntem. Erneut sah ich zu Prisca. "Jetzt sollten wir aber Volcanus nicht vergessen. Der Gute hat schon lange genug gewartet."