Also nichts vom Markt wollte sie. Ich überlegte, womit ich ihr sonst eine Freude würde machen können, denn hieß es nicht, dass ein frohes Gemüt schnellere Genesung erfuhr? Zumindest war ich der Meinung, dass ich in irgendeiner alten ägyptischen Übersetzung etwas in dieser Art gelesen hatte. Mir kam eine Idee, die ich gleich nachher in die Tat umsetzen lassen wollte - Brix und Naavi würde ich schicken, die beiden würden sicher Umsicht und Geschick walten lassen und einen aussuchen, der sowohl mir als auch Helena würde zusagen. Zu mir selbst nickte ich leicht, was für Helena sicher komisch wirken musste. Mein Blick ruhte fortan auf ihrem engelsgleichen Antlitz, musterte die fein geschwungenen Augenbrauen und die leuchtend blauen Augen, welche immer mehr von ihrem Glanz zurück bekamen, je besser es ihr ging. Unweigerlich zeigte sich ein Lächeln, denn ihre Worte hatten mir wieder einmal verdeutlicht, wie schön es doch war, wenn man eine intakte Familie hatte, die hinter einem stand. Und natürlich war Helena auch etwas besonderes für mich. Nachdem ihr Vater gestorben war, hatten wir einige Dinge allein zusammen unternommen, nur Sisenna war ab und zu dabei gewesen, und das - so glaube ich - hatte uns noch ein Stück weit näher zusammengeschmiedet.
"Ich weiß es, ja. So wie du weißt, dass du auch stets zu mir kommen kannst", erwiderte ich. Überreizt war etwas untertrieben, ich war vollkommen ausgerastet und hatte mich wie ein Kind benommen, doch da sie so galant darüber hinwegging, wollte ich nicht darauf bestehen, mich erneut zu entschuldigen. Nur wenig später lehnte sich Helena zurück und musterte mich erneut. Draußen begann es zu regnen, wohl einer der letzten Sommerregen für dieses Jahr, ehe der goldene Herbst seinen Einzug halten würde. Und in diese Idylle hinein, in der keiner etwas sagte, erklang ein Satz, der mich verwundert inne halten und meinen Blick zu Helena wenden ließ. Deandra tut mir nicht gut. Ich sagte erst einmal gar nichts, sah Helena nur ruhig an und dachte nach. Hatte Aquilius nicht auch genau das sagen wollen mit seinen Worten? Warum wiederholte Helena das unwissentlich? War ich tatsächlich verblendet? Fühlte ich mich wohl, wenn ich an sie dachte? Zumindest in dieser Zeit musste ich das verneinen. Eigentlich war das seit der schlechten Nachricht in Germanien so gewesen. Ich hatte mich erfolgreich belogen und gut geschauspielert, aber gut ging es mir nicht, wenn ich an Deandra dachte. Und wie auch, immerhin war sie seit zwei Tagen auch spurlos verschwunden, und das ohne auch nur irgendwem ein Sterbenswörtchen zu sagen oder zu verraten, wo sie sich aufhielt. Ging man denn so mit seinen Liebsten um, mit seiner Familie, seinem Verlobten?
Tiefe Furchen zeigten sich auf meiner Stirn, und ich leugnete nicht, was Helena für sich festgestellt hatte. Stattdessen fragte ich sie abwesend und von Urteil freier Stimme: "Wie kommst du darauf?" Nicht etwas, weil ich aufbegehren wollte, sondern weil mich schlicht und ergreifend die Antwort interessierte.