Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Die Hand an meiner Wange verunsicherte mich, zugegebenermaßen. Seit der Nachricht vom Tod unserer - meiner - Eltern, war Deandra zurückweisend, nachdenklich und auf eine gewisse Art nicht mehr sie selbst gewesen. Nach einer Eingewöhnungsphase, hatte ich mich damit abgefunden - diese Geste stellte nun aber einen Sinneswandel dar, oder interpretierte ich sie falsch? Nachdenklich blickte ich Deandra an und ließ sie gewähren, dann aber ergriff ich ihre Hand, entfernte sie von meinem Gesicht und barg sie locker in der Rechten. "Wir werden ankommen und uns ausruhen, schätze ich."


    Natürlich ahnte ich, was sie mit ihrer Frage meinte, aber ich konnte nicht darauf antworten. Es würde mir guttun, mir nicht ständig Sorgen darüber zu machen, was von mir Gesagtes bei ihr auslösen würde oder mich ständig zu fragen, ob sie etwas falsch verstand oder nicht nachvollziehen konnte. Kurzum: Abstand würde mir gut tun, und ich glaubte, dass es auch bei ihr der Fall sein würde. Genauer hatte ich über die Zeit nach der Ankunft noch nicht nachgedacht, aber für mich stand fest, dass sie erst einmal wieder in die villa Claudia ziehen würde, und das möglichst bald nach der Ankunft. Zum einen war es Sitte so und Vesuvianus hätte gewiss auch nichts anderes erlaubt, zum anderen wollte ich einfach etwas Zeit für mich haben. Zeit, in der ich mich um familiäre Angelegenheiten kümmern und liegen gebliebene Dinge erledigen konnte. Die Cicero-Sache stand noch aus, ich musste den zuständigen praetor aufsuchen, meine Wahl vorbereiten, Freunde besuchen, Klienten empfangen...kurzum: es würde gut tun, sich nach der unttigen Reisezeit kopfüber in Arbeit zu stürzen.


    Ich deutete auf den Punkt, an dem eben noch Prisca gestanden hatte, und führte Deandra an der Hand zu ihr. "Geht es euch beiden wieder besser? Können wir weiter? Ich bin mir sicher, dass es nicht mehr weit ist, und meinetwegen können wr an der nächsten mansio ruhig schon rasten. Ein stillstehendes Bett ist für den aufgewühlten Magen vermutlich besser als eine schaukelnde Kutsche - Caecus?" "dominus, die nächste mansio ist nur duodecim Meilen entfernt", antwortete er. Ich nickte und sah die beiden Damen fragend an.



    Sim-Off:

    Ihr könnt auch schon hier loslegen, wenn ihr wollt.
    Und wo ist eigentlich Aintzane?

    [Blockierte Grafik: http://img70.imageshack.us/img70/2005/sklave9vv4.jpg]


    Früh am Morgen, der scriba musste eben erst eingetroffen sein, klopfte ein Sklave des Aurelius Corvinus an der Tür des Anmeldebüros. Es verstrich ein kurzer Moment, dann öffnete er nach Aufforderung die Tür und trat ein.


    "Salve", sprach Brix mit germanischem Akzent.
    "Ich bin hier, um meinen dominus zur zweiten Prüfung anzumelden. Sein Name ist Aurelius Corvinus, und er hat das Amt eines tribunus laticlavius inne. Damit entfällt die Gebühr für die Bearbeitung ziviler Prüfungen, nicht?"

    Ohne mit der Wimper zu zucken betrachtete ich, wie Crassus und seine Männer jeden Schemel umdrehten, jedes Kissen begutachteten, jeden stilus skeptisch beäugten und wie sie dabei jede Menge Staub aufwirbelten. Schließlich widmete man sich auch dem Schreibtisch, und dort fand man eine Art Testament, so man es denn so nennen wollte. Ich überflog den Text. "...sowie all diejenigen Werte, die ich selbst erben werde..." Missbilligend schürzte ich die Lippen und schüttelte den Kopf. So ein Quatsch, und das von einem gebildeten Mann. Wenn man tot war, konnte man doch nichts erben, und damit erbten die nächsten Verwandten des Vererbenden. Ich vernahm die Stimme des Crassus und antwortete. "Commodus. Der wohnt außerhalb der Stadt, auf dem Land. Aber ich glaube nicht, dass er überhaupt zugegen ist. Wobei - vielleicht meinte mein Onkel dessen Landgut, als er von einem anderen Quartier schrieb? Das würde erklären, warum er Commodus alles vermacht."

    Mit den Prätis im Schlepptau erreichten Cotta und ich Ciceros Zimmer. Die Tür knarrte etwas bem Öffnen, und vereinzelt flog eine Staubfluse davon. Scheinbar hatte er zu Lebzeiten angewiesen, dieses Zimmer nicht reinigen zu lassen, das wusste ich nicht. Kurz hinter der Schwelle blieb ich stehen. "Hier ist es", sagte ich überflüssigerweise.

    Locker-flockig stand ich also vor Crassus - wohlgemerkt: mit skeptischem Blick und immer noch verschränkten Armen, was ganz gewiss locker und unbeteiligt aussehen musste - als Cotta erzählte. Zufrieden bemerkte ich, dass er diese ganze Angelegenheit als Routine der Prätorianer aufnahm, wie ich es auch tat. Dass es dabei um meinen Onkel ging, verdrängte ich einfach, und da wir nichts mit dieser kaiserfeindlichen Gesinnung zu tun hatten und man uns daher auch keine Beteiligung würde nachweisen können, führte ich den wortkargen Caecilier mit einer Geste und mit Cotta im Schlepptau zum Zimmer des Cicero. "Wenn du uns folgen würdest..."

    Sklaven der Aurelia in Rom*




    Servi Absentivi (im Exil)




    Angestellte der Aurelia



    Sim-Off:

    Darüberhinaus wird die villa natürlich noch von diversen anderen Sklaven bevölkert, die sebstverständlich erfunden und mitgesimmt werden können. :)


    Sim-Off:

    *Können von allen aktiv und passiv gespielt werden


    Sim-Off:

    **Bespielte IDs, die nicht frei verwendet werden dürfen. Leone ist die Ausnahme, er ist eine Gruppen-ID, welche alle Aurelier und unsere Sklaven nutzen dürfen. Das Passwort gibt es bei mir. 8)

    >>>


    Es war ein sonniger Tag, als unsere Wagen sanft durch Rom schaukelten. Heiß sandte sie ihre Strahlen zur Erde und peinigte die Bodenbewohner mit großer Hitze, die sich in den Straßen und Gassen staute, in den Platten der Straße gespeichert wurde und tausende und abertausende Schweißtropfen verursachte. Uns ging es da nicht anders, und als der Reisewagen, für den wir am Stadttor eine Sondergenehmigung erwirkt hatten, endlich vor der villa Aurelia anhielt, stöhnte ich auf und sandte ein Dankgebet gen Himmel. Noch ehe Caecus vom Kutschbock gesprungen war, stand ich neben dem inzwischen verhassten Reisegefährt und vertraute darauf, dass die Sklaven Prisca aus der Kutsche halfen, denn sie war es, die gerade mit mir fuhr. Deandra befand sich bei Helena, doch es konnte nicht lange dauern, bis auch diese beiden ihrem stickigen Holzgefängnis entflohen.


    Inzwischen hatte Caecus gesehen, dass seine Hilfe nicht mehr vonnöten war, und er wandte sich auf der Stelle um und strebte der villa entgegen, um unsere Ankunft anzukündigen. Einige der mitgereisten Sklaven begannen bereits damit, die beiden Gepäckwagen zu entladen, und nur wenig später öffnete sich die porta und der ianitor entsandte weitere kräftige Sklavenhände zum Helfen, damit die Kolonne nicht unnötig lang den Weg blockieren würde. Ich selbst machte mich indes auf den Weg ins Haus und war bereits suchend im atrium angelangt, als ich hastige Schritte vernahm und den Kopf der Quelle des Geräusches entgegen wandte. Die Sklaven, welche an mir und den anderen vorbeiliefen, grüßten Mitsklaven wie Herrschaften freundlich, liebevoll oder einfach nur höflich, eine junge Sklavin von nicht mehr als vierzehn Jahren fiel Deandra um den Hals, ehe sie sich rot im Gesicht hastig zurückzog, und ein schüchterner Sklave warf abwechselnd Helena wie Prisca mehrdeutige Blicke zu.

    "Gern. Wenn du auch einen Blick in Ciceros cubiculum werfen kannst, können wir jenes anschließend aufsuchen", entgegnete ich und warf Cotta einen Blick zu. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Caecilier gern viele Leute in einen Topf warf. Das hatte allerdings wohl auch etwas mit seiner Tätigkeit zu tun, doch sympathischer machte es mir diesen Mann nicht gerade. Zudem kursierte das Gerücht, er hätte eine Flavierin zur Geliebten...also hatte er wohl beträchtliche Geldmassen fließen lassen, denn wie sonst konnte ein Plebejer an eine Dame von edlem Hause herankommen? Einer offiziellen Verbindung würde man aber doch hoffentlich im Weg stehen. Doch mein Bier war das nicht, also erwähnte ich es auch nicht und hoffte, dass sie die Angelegenheit bald erledigt hatte und die Prätis Commodus auf den Wecker fallen würden. :D

    Zitat

    Original von Decius Germanicus Corvus
    Hätte ich doch nur damals den CH absolviert, als es noch schneller ging. Zumindest wenn man den CH nur als lästiges Übel auf dem Weg in den Senat ansieht, zu einer Statthalterschaft oder zu einem Legionskommando.


    Och, ich finde es ganz interessant. Ist doch okay, wenn es nicht alles hopplahop geht - immerhin will man seine ID auch weiterentwickeln. Und 20jährige Senatoren sind ja ohnehin Quatsch. Aber es gibt sicherlich genug, die so denken, Corvus, da hast du recht.



    edit: Und gerade so Fragen wie die von Macer sind teilweise eine Herausforderung. :D

    Der Präfekt verwechselte hier das ein oder andere, nicht Ciceros Haus war dies, sondern das der gesamten gens Aurelia, und da außer Cicero höchstens Commodus etwas über diese kaiserfeindliche Aktion gewusst haben konnte, hätte er ruhig den Wein annehmen können. Immerhin galt sicherlich kein gesamter Haushalt als kaiserfeindlich, nur weil einer über die Stränge schlug - genausowenig wie ein gesamter Haushalt erkrankte, nur weil ein einziges Familienmitglied hustete.


    Ich nickte Cotta grüßend zu, als er sich zu uns gesellte, und war in der Tat gespannt auf die Erklärung des praefectus, die sogleich folgte. Missmutig verzog ich das Gesicht, das war aber auch schon alles. Am Morgen war ich bei Furianus gewesen, welcher mir bereits diese abscheuliche Nachricht gesteckt hatte. Ich verschränkte die Arme und seufzte.


    "Ich erfuhr selbst erst heute morgen davon, dass mein Onkel bei diesem frevelhaften Versuch verstarb. Er hat dieses Haus meines Wissens seit Monaten nicht mehr betreten, das kann dir ein jeder hier bestätigen. Ich selbst kam vor drei Tagen erst aus Germanien zurück, dort leistete ich ein zweijähriges Tribunat ab. Mein letzter persönlicher Kontakt zu Cicero lag noch vor der Reise nach Germanien. Aber als ich der acta diurna entnahm, wie schändlich er sein Amt vernachlässigte, schrieb ich ihm einen Brief mit der Bitte um Besinnung." Ich winkte eine Sklavin herbei. "Sofia, hol mir den Brief, den ich an meinen Onkel geschrieben habe. Und bringe aus seine Mitteilung von vorgestern mit", wies ich sie an und die Sklavin verschwand. "Cicero entsandte vor zwei Tagen einen Boten hierher, der einen lachhaften Brief überbrachte. Gedulde dich bitte einen Moment, du kannst ihn gleich lesen."


    Kurz darauf kehrte die Sklavin zurück mit meinem Brief an meinen Onkel, welchen er nicht einmal angerührt hatte. Nach meiner Ankunft hatte ich selbst das Siegel gebrochen. Sofia reichte Crassus diesen und den anderen Brief und ich wartete, ob noch weitere Fragen aufkamen.

    Der nächste Mann, der das Wort erhob, war ein Senator, den wohl jeder Bürger Roms kannte: Purgitius Macer. Nicht nur seine beeindruckende Amtszeit als aedilis vor einigen Jahren war mir selbst noch im Gedächtnis, sondern auch die Büste zu seinen Ehren in der Academia Militaris und auch der Besuch der von ihm zur villa Aurelia entsandten aquarii, denen er als curator aquarum Roms vorgesetzt war. Sein Scherz ließ mich vage schmunzeln und ich dankte ihm innerlich dafür, dass er mit wenigen Worten meine Nervosität zumindest etwas reduzierte.


    "Ja, Senator Purgitius, das weiß ich. Ich selbst ersuchte den Kaiser um diese Verlängerung. Zum Zeitpunkt meines Gesuchs lag eine große Inventur sämtlicher militäreigenen Lagerhäuser, Schuppen, Stallungen und Speicher an. Der Grund für mein Ersuch war ein simpler: ich steckte inmitten der Planungen und Überwachungen und bat den Kaiser hauptsächlich deswegen um die zweite Amtszeit", erwiderte ich. Ich war noch nie jemand gewesen, der Dinge anfing und sie nicht oder nur unzufriedenstellend zu Ende führte, wenn es eine andere Mögllichkeit gab. "Indirekt beantwortet das auch deine zweite Frage. Ich sehe die zweite Amtszeit als Zugewinn an Erfahrung und diese Erfahrung als Grundstein für eine politische Karriere an. Aus diesem Grund würde ich jedem Patrizier empfehlen, mit der Zustimmung des Kaisers ein Militärtribunat abzuleisten."


    Ehe ich die letzte Frage beantwortete, überlegte ich einen Moment. Macers Fragen waren wirklich gut. "Ich bin bestrebt, jedes mir zugeteilte Amt mit Gewissenhaftigkeit und Fleiß zu erfüllen, Senator. Sich dabei ergebende politische Möglichkeiten werden mit Sicherheit aber auch nicht ungeachtet verstreichen."

    Ich betrachtete stumm eines der prächtigen Mosaike auf dem Boden des atrium. Cicero war also ein Kaiserfeind. Bei allem, was mir heilig war, ich hatte vieles vermutet, aber ganz gewiss nicht das. Mein Onkel war mir immer fremder geworden, seit des Tages, an welchem er mir in Ermangelung eines Erben seinen Siegelring vermacht hatte. Aber dass man sich in einem Menschen so sehr täuschen konnte? Ich nahm mir vor, Aquilius im Tempel aufzusuchen und ihm um seine priesterliche Unterstützung zu bitten. So viel Tod, so viel Leid, das in letzter zeit über uns hereinbrach...


    Nicht nur Furianus war es, der einen guten Schluck Wein gebraucht hatte. Auch ich war froh, die Lippen benetzen und die Gedanken schweifen lassen zu können. Zustimmend und nachdinklich nickte ich einige Male, mehr, als es nötig gewesen wäre, meine Zustimmung kund zu tun. Unwillkürlich spielte mein Daumen mit dem Ring, den Cicero mir vermacht hatte. "Er war höflich, freundlich, aufgeschlossen und gütig", erwiderte ich mit Blick auf den Ring, welchen ich drehte, doch dann riss ich den Blick los und sah zu Furianus. "Wir werden ihn als den in Erinnerung behalten, der er einst war. Hoffen wir, dass es wirklich ein bedauernswerter Zufall war, dass er sich in dieser Gruppe aufgehalten hat. Alles andere fällt mir ohnehin schwer zu glauben."


    Andererseits... Hatte Cicero nicht manchmal seltsam abwesend gewirkt? Gar losgelöst von der Welt und ihren Belangen? Ich runzelte die Stirn. Familiäre Fälle von Irrsinn waren mir nicht bekannt, und ich wollte sein Verhalten auch gar nicht auf eine Krankheit schieben. In meine Gedanken hinein drangen Furianus' Worte, und abermals nickte ich. "Wir haben nichts zu verstecken vor den Prätorianern. Wenn sie unsere villa aufsuchen, wird ihnen Eintritt gewährt werden. Der Großteil der Familie ist eben erst mit mir aus Germanien zurückgekehrt, und ich bin mir sicher, dass auch die ansässigen Aurelier nichts mit dieser Sache zu tun haben." Vom Tod des consul indes hatte ich gleich nach meiner Ankunft erfahren. Kein Wunder, er war auch ein weitaus wichtigerer Mann gewesen als Cicero.


    Der Sinn hinter Furianus' Worten erschloss sich mir augenblicklich, als ich sie vernahm, und ich glaubte zu wissen, warum mein Onkel und er Freunde gewesen waren. Einen Schluck Wein später dachte ich an Sisenna und Helena. Furianus hatte recht. "Ja, er hat zwei Töchter. Helena und die kleine Sisenna. Für beide wird gesorgt werden." Erneut fiel mir ein, dass Furianus auch in seinem Brief bereits eine Andeutung versteckt hatte. Ich glaubte mich zu erinnern, dass seine Verlobte damals verstorben war, halb Rom hatte von einem tragischen Tod auf den Stufen eines Tempels gesprochen. Mir kam eine Idee. "Sicherlich wird sich die Möglichkeit ergeben, einander kennenzulernen. Mein Vetter organisiert ein Willkommensfest. Der genaue Termin steht noch aus, aber das wäre sicherlich eine ausgezeichnete Möglichkeit, dir Helena vorzustellen und auch Prisca, meine Nichte. Ich werde dafür sorgen, dass dir eine Einladung zukommt, Furianus."


    Eine Sklavin wackelte vorbei, und kurz ließ ich mich ablenken. Dann fiel mein Blick erneut auf den Ring. "Welche Auswirkungen hat Ciceros Tod auf dieses Verfahren?" fragte ich den Flavier.

    "Verzeih mir, ja, Corvinus ist richtig", erwiderte ich und versuchte zu ergründen, warum die Prätorianer nun eigentlich hier waren. Leone hatte mir nichts gesagt, und Crassus wollte auf meinen Vetter warten, was durchaus weitsichtig war, obwohl ich kaum meine Neugier beherrschen konnte. Mein schwacher Versuch, dieses Treffen zumindest etwas angenehmer zu gestalten - wer hatte schon gern die Prätorianer auf Mission im Haus? - gelang nicht. Es musste also etwas Ernstes sein, und gerade dafür schien mir Cottas Anwesenheit ebenso unentbehrlich wie wichtig, denn er war es gewesen, der während meiner Abwesenheit die Geschicke hier gelenkt hatte und dementsprechend mehr wusste als ich selbst. "Er wird sicherlich gleich zugegen sein. Kann ich dir derweil etwas anbieten?" fragte ich, und schon trat unaufgefordert ein Sklave hinzu, um umgehend eventuelle Wünsche zu erfüllen.

    Sim-Off:

    NB an die Familie: Die eigentliche Ankunft wird noch ausgespielt, aber das will ich mir einfach nicht entgehen lassen. :D



    Es dauerte nicht lang, da erreichte mich ein Leone, der etwas aus der Puste war. Ich filterte aus seinen Worten das Wort 'Prätorianer' heraus und hob überrascht eine Braue, doch da ich die Herrschaften nicht warten lassen wollte, erhob ich mich von der bequemen cline, auf der ich gelegen hatte, und begab mich ins atrium. Beim Eintreten war ich überrascht, dass selbst der praefectus anwesend war. Skeptisch suchte ich den Blick eines vorbeilaufenden Sklaven, doch dieser hastete unbeirrt weiter. Ich trat auf Crassus zu. "Caecilius Crassus!", grüßte ich ihn höflich. "Sei willkommen in der villa Aurelia. Dein Erscheinen ist ungewöhnlich. Muss ich mir Sorgen machen?" fragte ich ihn scherzend. Cotta war ja ebenfalls benachrichtigt worden und würde sicher nicht lange brauchen, bis er zu uns stieß.

    Was den Postdienst des imperium anging, enthielt ich mich und sah lediglich bedauernd drein. Sicherlich, er war in letzter Zeit unzuverlässig und langsam, aber ob der Senator die Hauptschuld daran trug? Das wagte ich zu bezweifeln. Bestätigend nickte ich, als er Fortuna pries.


    Furianus' Gesichtsausdruck änderte sich, als er das Thema wechselte und nun über das Verfahren sprach, welches auf Cicero zugekommen war. Aufmerksam hörte ich seinen Worten zu, auch wenn sich mit fortschreitendem Sprechen durchaus ein fragender Ausdruck auf mein Gesicht schlich. Cicero nicht aus Rom geflohen, nicht verreist? Irritiert drehte ich den Kopf etwas zur Seite, den Blick nicht von den dunklen Augen des Flaviers lassend. Kaiserfeindliche Gesinnung? Ich lachte leise, aber es klang unsicher. "Das kann nicht sein, mein patruus ist immer jemand gewesen, der..." Und da kam die Wahrheit ans Licht. Cicero war tot. Ich verstummte schlagartig und sah Furianus mit großen Augen und noch halb geöffnetem Mund an. Nach einer Weile schloss ich die Lippen und lehnte mich zurück, die Rechte barg für einen kurzen Moment das Gesicht und ich seufzte hörbar. Stille breitete sich aus. Niemand aus der Familie hatte etwas geahnt.


    Ich fragte mich, was mir Ciceros Tod bedeutete. Natürlich war ich traurig, doch viel mehr enttäuscht. Und ich schämte mich auch in gewisser Weise, da ich meinem Onkel geholfen hatte, für ihn beim Kaiser vorgesprochen hatte, damit man ihm zum comes ernannte. Ich war erstaunt, dass mich Ciceros Tod nicht so tief berührte, wie ich angenommen hatte. Schließlich sah ich erneut zu Furianus auf. "Ich danke dir für deine Aufrichtigkeit. Diese, hm, Information hatte ich tatsächlich noch nicht erhalten." Ich schwieg einen Moment. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er kaiserfeindlich agiert haben soll..." murmelte ich dann. "Weißt du genaueres darüber?" Der Prozess an sich war erst einmal in den Hintergrund getreten.

    "Nun ja, da der Kaiser mich nach Germanien entsandte, lernte ich zufürderstTeile der Provinz und die dort lebenden Menschen selbst kennen.
    Das Amt des tribunus laticlavius selbst ist zwar weniger ein militärisches als vielmehr ein verwaltungstechnisches, doch die Abläufe in einer Militäreinheit, der Tag im Stützpunkt und als Mitglied des Stabes selbst kannte ich nicht. Obwohl ich durch meine Tätigkeiten als Stadtmagistrat Mantuas schon mit Verwaltungsabläufen vertraut war, so lernte ich doch, mein Wissen zu vertiefen und meine Fähigkeiten weiter auszuprägen. Ich nahm auch an Manövern teil und sammelte so praktische Erfahrungen."
    Und ich hatte reiten gelernt, zumindest etwas, aber es war mir peinlich, diesen Punkt zu erwähnen, konnten doch Patriziersöhne durchaus bereits seit Kindesbeinen reiten. Nun ja, die meisten zumindest.

    "Dann sorg auch weiterhin dafür, dass es ihr gut geht", wies ich Sofia an und wandte den Kopf, denn während ich mich mit der Sklavin beschäftigte, klapperte in der Kutsche ein Becher und kurz darauf hetzte Prisca hinaus, recht dicht gefolgt von Deandra. Ein Gedanke bedeutete mein Aufseufzen: Weiber! Und ich schüttelte den Kopf und sah zu Sofia, die eben wieder die Kutsche Helenas betrat. Erneut erklangen Würgegeräusche, doch diesmal war es nicht Deandra, sondern Prisca, und abermals schüttelte ich den Kopf.


    Caecus drückte Deandra derweil einen Lappen, Marmorstaub und einen Büschel Kräuter in die Hände, damit sie den schlechten Geschmack loswerden konnte. Wohlweißlich behielt er etwas davon für Prisca zurück. "Ich habe mich an Milch, Honig, Obst und Dinkelbrot gehalten, wie jeden Morgen", erwiderte ich auf die Frage meiner Verlobten hin. Und es stimmte ja auch: Mir ging es gut. Auf einer Reise musste man zwar Abstriche machen, was Verpflegung und Komfort betraf, aber Dinkelfladen und Honig gab es beinahe überall.

    "Du hast recht, Senator Vinicius, es mag ungewöhnlich sein, als Patrizier ein Tribunat abzuleisten. Jedoch dienten sowohl mein Vater als auch der Großteil meiner Vetter im Militär, und mit dieser Familientradition wollte ich nicht brechen. Zum anderen soll sich ein Mann beständig weiterbilden, um geistig nicht zu ergrauen. Und da ich durch meinen Vater bereits vor einem Vigintivirat den erforderlichen ordo senatorius für ein Tribunat inne hatte, entschloss ich mich, eben dieses vorzuziehen. Angehörigen meines Standes ist es zwar freigestellt, diese Dienstzeit abzuleisten, doch warum hätte ich faul auf meinem Fleisch sitzen bleiben sollen, wenn ich doch einerseits neue Erfahrungen mitnehmen und andererseits dem imperium auf sinnvolle Weise dienen konnte?" erwiderte ich.

    Den halben Morgen ohnehin schon aufgeregt, was mich im Senat erwarten würde, war ich schließlich viel zu früh, doch nicht minder entschlossen, eingetroffen. Die weiße toga candida saß dank meines vestispicius annähernd perfekt und wurde gerade noch ein letztes Mal gerichtet, als man mir mitteilte, dass die Sitzung gleich beginnen wurde. Nochmals rief ich mir die Punkte ins Gedächtnis, die ich vorbringen wollte, und trat dann ein, um Platz zu nehmen. Nach der üblichen Eröffnung bat mich der consul nach vorn, und ich erhob mich mit dem Gefühl, viele Blicke auf meiner Gestalt ruhen zu sehen, was mich nur noch nervöser machte. Leise räusperte ich mich, als ich an meinem Platz angekommen war uns stehen blieb.


    "Werte Senatoren", begann ich und fand das Geräusch, das meine Stimme in den altehrwürdigen Hallen verursachte, recht gewöhnungsbedürftig.


    "Ich danke euch für die Erlaubnis, vor euch sprechen zu dürfen.
    Vor euch steht der Sohn der Aurelia Severina und des Aurelius Antoninus, welcher seinerzeit begonnen hatte, den cursus honorum zu beschreiten, diesen Weg nun aber nicht mehr vollenden kann. Ich selbst verbrachte einige Jahre des Studiums in Achaia, ehe ich in meine Heimatstadt Mantua zurückkehrte und dort unüblicherweise für einen Patrizier in der Stadtverwaltung tätig wurde. Zuerst als magistratus, dann als duumvir lenkte ich die Geschicke der Stadt nach bestem Gewissen. Ich war in der curia Italia vertreten und vertrat den princeps curiae als sein vicarius, so gut ich es vermochte.
    Bereits während meiner Ausbildung in Griechenland festigte sich in mir der Wunsch, mein Leben für das Wohl des Staates aufzuopfern. Ich ehrte die Götter und Ahnen, wie es ihnen gebührt, und entschloss mich vor etwas mehr als zwei Jahren, eine Amtszeit als tribunus laticlaivus abzuleisten. Der Kaiser in seiner Weitsicht entsandte mich zur legio secunda Germanica, wo ich statt der geplanten Amtszeit auf seine Fürsprache hin zwei Amtszeiten verlieb und mit recht sagen kann, dass ich einiges gelernt habe.


    Senatoren, nun also stehe ich vor euch und kandidiere zum vigintivir. Es liegt im Ermessen des Senats, über mein Aufgabenfeld zu entscheiden, und gleich welches Amt man mir zuteilen wird, ich werde es mit Gewsissenhaftigkeit, Nachdruck und Fleiß ausfüllen. Ich möchte euch dennoch darum bitten, mir das Amt eines decemvir litibus iucandis zuzuteilen. Warum, werdet ihr euch fragen, soll es gerade dieses Amt sein? Nun, obgleich der Tod früher oder später ein jeden von uns ereilen wird, so sind es doch stets die Zurückgebliebenen, die Hilfe und Stütze benötigen. Eine Erbschaft kann diese Stütze sein, und deswegen müssen wir uns darum bemühen, Müttern und ihren Kindern, Geschwistern, Söhnen und Töchtern Roms das ihnen rechtmäßig zustehende Erbe schnell und reibungslos zukommen zu lassen, denn es können Existenzen an diesem Erbe hängen. Ich will mich um die gewissenhafte Bearbeitung und den unkomplizierten Ablauf der Erbschaftsangelegenheiten bemühen, die nötigen Grundlagen hierzu habe ich mir bereits angeeignet, und selbst wenn der Senat sich gegen meinen Wunsch entscheidet und mir ein anderes Amt zuteilt, so habe ich durch die Vertiefung in das Erbrecht dennoch etwas für mich persönlich gewonnen. Gewiss werden sich mit der Zeit dennoch Fragen aufwerfen, doch bin ich bereit, mich beständig weiterzubilden.


    Habt Dank, Senatoren, für eure Geduld. In diesem Sinne bitte euch um eure Stimmen."

    Zum zweiten Mal an diesem Tage erhob ich mich, als Aquilius' Verwandter näher trat, der senator und praetor, welcher ein guter Freund meines Onkels (gewesen) und in seine Gerichtssache verwickelt war. Ich nahm die Hand des Flaviers, der selbstverständlich als Sohn des Flavius Felix von sich reden gemacht hatte, wodurch ich ihn natürlich kannte. Ich nahm seine Hand, drückte sie und folgte seiner Aufforderung, mich zu setzen. "Flavius Furianus, es ich danke dir für die Zeit, die du mir gewährst. Ich stelle fest, dass du meinem Freund Aquilius gar nicht so unähnlich bist, ihr seid beide gute Gastgeber", erwiderte ich seinen Gruß und schmunzelte.


    "Nun, ich danke dir für dein Antwortschreiben, auch wenn ich bedauern muss, dass es mich erst bei meiner Ankunft hier in Rom vor wenigen Tagen erreichte - die Empfängeradresse konnte niemandem in Germanien zugeordnet werden, was vermutlich daran lag, dass Wasser die Lettern unkenntlich hat werden lassen. Aber", fuhr ich fort, "immerhin hat mich dein Brief überhaupt erreicht, und deswegen bin ich hier." Ich musterte den Flavier und fragte mich, was Cicero und ihn wohl verbunden hatte, dass die beiden so eng befreundet (gewesen) waren, wie ich zwischen den Zeilen herausgelesen hatte. "Ich bitte dich, informiere mich über den neuesten Stand in der Sache meinen Onkel betreffend."