Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    "Hm." Ich nahm einen weiteren Schluck aus meinem Becher und schwenkte diesen anschließend nachdenklich in meiner Hand, die rote Flüssigkeit darin aufmerksam beobachtend. "Ich denke, ich werde dann betreffenden Octavier aufsuchen und ihm eine Beilegung vorschlagen. Es bliebe schließlich so oder so bei einer Geldtransaktion, und eine Verhandlung nur wegen eines Eintrags in der Akte eines Verstorbenen ist ohnehin müßig", sagte ich und blickte Furianus an. Ich war guter Hoffnung, was das betraf, denn auf dem Fest der Octavier hatten wir schließlich ein Bündnis mit Avitus geschlossen, das beide Familien betraf, nicht nur zwei Männer. Darauf würde ich mich berufen. Ich seufzte. Cicero hatte einen Berg Mist hinterlassen, den andere nun abtragen durften.


    "Furianus, ich würde gern eine andere Sache anschneiden. Wie du weißt, kandidiere ich in diesem Jahr. Ich würde mich über Unterstützung freuen", fuhr ich fort.


    Sim-Off:

    Ist zwar schon rum, aber ausgespielt wird's trotzdem. :)

    Ich hörte wohl nicht recht. Immer noch wartete ich darauf, dass man diesen schlechten Witz als solchen enttarnte und uns gebührend empfing - mit Wein und exquisiten Speisen, einem heißen Bad und einem warmen Bett, wie man es wohl erwarten konnte. Doch statt diesen Irrsinn zu beenden, versicherte uns Cotta nur, dass genug Wasser da war. Deandras drängende Aufforderung - zumindest verstand ich die Art, wie sie meinen Namen aussprach, als solche - veranlasste mich schließlich zum Handeln, ebenso wie Priscas Annahme, die Mode habe sich geändert. Ich schnaubte verächtlich, als Lupus sich entfernte und allein Cotta bedauernswerterweise meine Missgunst abbekam - Lupus hatte sich gut aus der Affäre gezogen...


    "Appius. Wir sind in den letzten Wochen über tausend Meilen gereist. Wir haben uns auf der Reise nur notdürftig reinigen können, haben Tag um Tag nur wenige karge Mahlzeiten eingenommen und uns das Sitzfleisch wund gesessen", fasste ich genervt zusammen und wurde dabei immer lauter. Als ich fortfuhr, blieben sogar einige Sklaven stehen und sahen erschrocken in unsere Richtung. "Und nun kehren wir heim, und du willst mir weismachen, dass Brix nicht hier angekommen ist und alles, womit die aurelischen Vorratskammern gefüllt sind, Wasser, pulsum und hartes Brot ist?! Bei Iuppiters Stein und Mars' Bart, ich hoffe für euch, dass dem nicht so ist, sonst verliere ich meine Geduld!" Die war mir ohnehin schon abhanden gekommen, was sicherlich zu merken war, sowohl am Ton als auch an der Lautstärke. Ich schwenkte den Zeigefinger um, mit dem ich eben noch in Cottas Brust gebohrt hatte, und deutete auf eine vorbeilaufende Sklavin, die neu sein musste. "Du! Richte unsere Zimmer her und schaff Wein und gutes Essen herbei. Und zwar flott." Dahin war die Vorfreude auf die Heimat, so einen Empfang wünschte ich ja niemandem.


    Wir standen immer noch im atrium herum, um uns herum wuselten allmählich wieder die Sklaven, beladen mit Gepäckstücken und sonstigem Krimskrams, als Lupus zurück kam. Sein Aussehen machte mich krank, seine Worte erzürnten mich und als schlechten Scherz empfand ich diese Angelegenheit schon längst nicht mehr. Ich wollte ein gutes Gespräch, eine weiche Liege, gutes Essen, wohlschmeckenden Wein, ein Bad und eine Massage - aber nicht Wasser und Puls! Ich deutete auf Lupus. "Lucius,, ich kann nur hoffen, dass du dich so nicht draußen hast blicken lassen. Die Aurelier werden dann nicht nur mit einem abtrünnigen comes in Verbindung gebracht, sondern auch mit einem 'germanischen Patrizier' - das können wir doch nicht verantworten! Oh tempora, oh mores, was ist nur aus uns geworden - was ist nur aus euch geworden?!" rief ich entrüstet aus und hob kurz die Arme in einer hilflosen Geste. Verzagt schüttelte ich den Kopf. Dass Lupus sich über den Brei hermachte, war nicht gerade eine Bestätigung, dass hier alles zum Besten stand. Ich wandte mich wieder an Cotta. "Vetter, ich bin enttäuscht. Wir werden sicher einige Tage bei den Claudiern unterkommen können. Kynetische Lebensweise...dass ich nicht lache!" Ich schnaubte abfällig und wandte mich Deandra, Prisca und Helena zu, die fassungslos um mich herum standen. "Meine Damen - wir gehen", kommandierte ich und wies zur porta.


    Sim-Off:

    Hehe 8)

    Ich stutzte leicht - war Albinus wirklich so überrascht, mich zu sehen, oder interpretierte ich in seine Worte einen falschen Tonfall hinein? Cotta hatte mir erzählt, dass er Albinus - nach Sophus' Verschwinden - ein neuerliches Patronat angeboten hatte, doch nur deswegen allein war ich nicht hier. Vielmehr wollte ich wissen, wie es um Italiens Verwaltung stand, und da Albinus ein guter Bekannter war, lag es nahe, dass ich mir die Informationen direkt an der Quelle holte, zumal die acta diurna in der Sommerpause steckte. "Etwas Wein, wenn es dir keine Umstände macht", entgegnete ich und setzte mich. "Was mich herführt? Nun ja, das sind, um genau zu sein, mehrere Dinge. Ich wollte mich erkundigen, wie es dir geht, dir natürlich gratulieren und dich anschließend zu dieser mysteriösen neuen lex befragen, von der mein Vetter mir erzählt hat. Eine Schande, dass die acta Pause macht, wo doch so vieles passiert in letzter Zeit."

    Der Sklave öffnete mir und ich trat ein. Hinter mir schloss sich die porta wieder, und Brix hatte sich breitbeinig und mit vor der Brust verschränkten Armen neben der Tür postiert. Da war ich nun also eingetreten, erblickte den vielbeschäftigt wirkenden Mann hinter seinem Schreibtisch an und sagte: "Guten Morgen, Albinus, es ist wahrhaft schön, dich zu sehen!" Schmunzelnd steuerte ich den Schreibtisch an und reichte ihm die Hand. "Ist lange her." :D

    Ein paar Tage nach der Ankunft in Rom - die Wahlvporbereitungen waren bereits in vollem Gange und die Wahl selbst stand kurz bevor - fand ich Zeit, um Albinus aufzusuchen, meinen früheren Mitduumvir und jetzigen comes. Dass er damit den Platz eingenommen hatte, den Cicero so kläglich hinterlassen hatte, war sinnvoll und gerecht, ich hätte mir nur wenige andere Männer auf diesem Posten vorstellen können, darunter beispielsweise auch den Artorier, den ich in der Curie zwar als mürrischen Menschen kennengelernt hatte, dem ich aber ein solches Amt zutraute. Dennoch, Albinus wäre auch meine erste Wahl gewesen, und da er nicht nur ein Freund der Familie, sondern auch ein Klient war, gönnte ich ihm umso mehr, dass er nun der oberste Verwaltungsbeamte Italiens war. Cotta hatte mir von einer Neuordnung erzählt, und hierzu wollte ich Albinus selbst befragen.


    So klopfte der Sklave, den ich mitgenommen hatte, an der Tür des Arbeitszimmers und ich wartete darauf, dass man mich herein bat.

    Gleich am nächsten Morgen nach unserer Ankunft in Rom, machte sich ein kleiner Trupp auf, um Deandra zu Hause abzuliefern. Auch ich selbst war dabei, natürlich, immerhin hatte ich Vesuvianus versprochen, auf Deandra aufzupassen und sie heil wieder abzuliefern. Kaum hatte man die Sänfte vor der villa Claudia abgestellt, lief bereits ein emsiger Sklave los und pochte energisch an die porta. Ich entstieg der Sänfte und reichte Deandra eine helfende Hand, ehe wir gemeinsam zur Tür gingen und sie durchschritten, da ein fleißiger ianitor bereits die Tochter des Hausherren erkannt und beide Türflügel weit geöffnet hatte.* "Sorge dafür, dass man Deandras Habseligkeiten ins Haus schafft", teilte ich einer herumlaufenden Sklavin mit, die ich bei meinem letzten Besuch noch nicht gesehen hatte. Deandra am Arm geleitend, hielt ich eine zweite Sklavin an. "Du da, melde uns beim Hausherren an: Aurelius Corvinus, Deandra dürftest du kennen. Und ich würde es begrüßen, wenn ich einen Schluck Wasser haben könnte", teilte ich dieser mit und blickte dann zu Deandra. "Mein Hals kratzt. Hoffentlich ist es nicht wieder eine Erkältung, ich habe allmählich genug davon", sagte ich zu ihr und deutete zum impluvium. "Setzen wir uns dort oder - ach, lass uns besser in den Garten gehen, das gute Wetter muss man ausnutzen", meinte ich. Germaniens Witterung hatte mich das milde und teilweise heiße Klima Italiens noch mehr schätzen gelernt. Hoffentlich war Vesuvianus überhaupt da...



    Sim-Off:

    * Ich hoffe, ich durfte so die obligatorischen Klopfpostings umgehen? ;)

    Da kam die erwartete Aufforderung zum Setzen - oder gleich zum Gehen? Ich neigte dem consul dankend den Kopf. "Ich habe zu danken, verehrter consul, dass man mir Gehör geschenkt hat. Senatoren, habt Dank für eure Geduld."
    Ich nickte einmal dem Gremium zu und warf einen Blick die Runde, dann wandte ich mich um und verließ die heiligen Hallen des Senats, um mir nach dieser Zitterpartie zu Hause einen stärkenden Wein zu gönnen. :D

    Mitten im Schritt stockte ich, als ein zotteliger Braunbär das atrium betrat. Jedenfalls hatte ich im ersten Moment den Eindruck, dass es einer war. Auf den zweiten, gründlicheren Blick hin erkannte ich allerdings, dass es kein Bär war, sondern vielmehr ein neuer Sklave sein musste. Missbilligend registrierte ich, dass er scheinbar viel zu wohlwollend eingekleidet worden war, denn diese Aufmachung gebührte keinem Sklaven. Doch als ich gerade Anweisung erteilen wollte, Cotta zu benachrichtigen, tat der Zottelbär seinen Mund auf und stellte sich als Aureliusn Luous vor. Ich konnte nicht umhin, zu gaffen. Nicht nur, dass ich entsetzt war, wie man sich so gehen lassen konnte, nein, die weiteren Worte bargen noch zusätzliche Überraschungen: Brix hatte scheinbar einen Umweg genommen und war doch nicht hier eingetroffen, und darüber hinaus schien in der städtischen villa Aurelia so einiges im argen. Kynetische Lebensweise? pulsum und Wasser? Ich öffnete den Mund und schloss ihn ungesagter Worte wieder. Das Reden übernahm ohnehin Deandra, die inzwischen neben mir stand und ebenso verwundert schien wie ich. Beim Iuppiter, mit allem hatte ich gerechnet, aber doch nicht damit?! Ich warf Deandra einen fragenden Blick zu und sah auch Prisca hilflos an. Helena betrat gerade das atrium und gesellte sich zu uns. Auch ihr Gesicht erschien mir nicht begeistert.


    Da ich mich so überrumpelt fühlte, fiel die Begrüßung, gelinde gesagt, frostig aus, denn ich stand auf dem Mosaik in Form eines Baumes wie angewurzelt und diesen Lupus anstarrend da. Alles, was ich hervorbrachte, war vorerst ein ziemlich intelligentes "Ähm...", gepaart mit mürrisch gerunzelter Stirn und der Frage, was zum Henkersknecht hier während meiner Abwesenheit geschehen war.


    Nur einen winzigen Moment später kam wirklich derjenige, dessen Schritte ich geglaubt hatte, zu hören: Cotta. Schon während seiner für mich unnötigen Vorstellung - ich hatte ihn gleich erkannt - umarmte ich ihn brüderlich (mir fiel wieder einmal auf, dass mir meine Brüder doch sehr fehlten) und klopfte ihm zwei-, dreimal auf den Rücken. "Appius, alter Haudegen", grüßte ich ihn in vertrauter Manier und fühlte mich gleich fiel besser als nur mit seinem - vermeintlichen! - Bruder, dem ich nun einen flüchtigen Blick zuwarf. Doch schnell wandte ich mich wieder Cotta zu, der nun ebenfalls etwas von pulsum redete. Ich ließ ihn los und sah forschend von einem zum anderen. Trieb man hier seine Spielchen mit uns? Auch Deandra hakte nach, und ich stimmte mit ein. "Das mag ich gar nicht glauben", sagte ich und sah nun wieder den an, der vorgab, Lupus zu sein. "Lucius Lupus? Der Lupus?" fragte ich skeptisch, obwogl er ja bereits im Vorfeld gesagt hatte, dass er Cottas Bruder war, den ich zwar kannte, aber eben wohl nicht mehr gut genug, um ihn unter dieser Matte an Haaren wiedererkennen zu können. Was war nur mit ihm geschehen?


    Verwirrt sah ich wieder zurück zu Cotta, mit dem ich ja den Briefkontakt gehabt hatte. Warum hatte er nichts von den Zuständen erzählt, die hier gegeben waren? "Also", sagte ich schließlich kategorisch und hob beide Hände in einer abwehrenden wie eine Klärung verlangenden Geste. "Was ist hier eigentlich los? Ist Brix nicht schon vor Tagen hier eingetroffen? Was hat es mit dem Puls auf sich? Und warum, bei Mars' mächtiger Lanze, siehst du aus wie ein Germane, Lucius?" Zack, der Hausherr war daheim. :D

    Überraschend für mich kam kein Widerspruch von Deandra, sondern vielmehr eine Bestätigung dessen, was ich eben vorgeschlagen hatte. Und auch Prisca schien mir losgelöster zu sein. Ob das Erbrechen Schuld daran war? Sagte man nicht immer, dass ein Überschuss bestimmter Körpersäfte der Auslöser für Krankheiten, Übellaunigkeit und sonstigen Negativa war? Ich überlegte stumm vor mich hin, die beiden Frauen abwechselnd gedankenverloren musternd. Am Rande bemerkte ich, wie Caecus nun auf Deandra zueilte und ihr die Zahnpflegeutensilien abnahm, während Prisca die ihren von Sofia gereicht bekam, die leicht dümmlich dabei lächelte. “Hm? Ah, Übernachtung? Wieso auch nicht, wie jeden Abend eben. Wie kommt ihr denn auf die Idee, in der Kutsche schlafen zu wollen?“ fragte ich die beiden überrascht und schüttelte den Kopf. “Aber gut. Wir fahren noch bis zur nächsten mansio und dann bleiben wir dort bis morgen früh. Allerdings sollten wir Appius auch nicht zu lange warten lassen, wie ich ihn kenne, hat er sicherlich für eine Hundertschaft eingekauft und erwartet uns pünktlich auf die Minute. Als ihr vorhin geschlafen habt, habe ich Brix mit einer Nachricht an ihn voraus geschickt“, erklärte ich und deutete anschließend auf die Kutsche. “Steigen wir also wieder ein“, schlug ich vor und postierte mich neben dem Tritt, um den Damen hinaufzuhelfen.


    Als Deandra und Prisca eingestiegen waren, ich ihnen gefolgt und Caecus erneut auf dem Bock Platz genommen hatte, zogen die kräftigen Füchse wieder an und nur wenige Sekunden später rollte die Kolonne wieder weiter, der mansio und auf lange Sicht auch der villa Aurelia entgegen.

    Nachdem eine Weile keine Fragen mehr gekommen waren, blickte ich zum consul. Ich wollte mich nicht ohne seine Erlaubnis bedanken und Platz nehmen, das wäre mir einfach unhöflich erschienen. In einigen Ecken wurde leise gemurmelt, andere Senatoren sahen mich nur an oder unterhielten sich mit ihren Nachbarn. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, denn wer konnte schon wissen, ob es positiv oder negativ war, was geredet wurde? Die Sitzreihen befanden sich zu weit entfernt, als dass man hätte mithören können, wenn sich jemand leise unterhielt. So sah ich also zu dem einzigen verbliebenen der zwei consules, in der Hoffnung, er mochte mir erlauben, mich zu setzen oder aber dazu auffordern, weitere Fragen zu stellen.

    "Tut das, aber veranstaltet nicht überall die gleiche Unordnung wie bei Cicero. Hier gibt es nichts, das wir verbergen würden, ergo kann auch nichts gefunden werden. Valete", erwiderte ich, wandte mich um und ging davon. Ich mochte weder fehlende Höflichkeit noch unangebrachten Starrsinn, dem man berufliche Gründe vorschob.

    Verärgert schüttelte ich den Kopf.
    "Commodus brach seine Zelte hier ab, lange bevor Cicero verschwand. Dieser Streit liegt Jahre zurück, und auch Cicero hieß es ein Unding, was zur Spaltung der Familie geführt hatte. Ich selbst kenne die ganze Geschichte im Übrigen nicht, also wirst du wohl oder übel im Stadtarchiv herumsuchen müssen. Mein Vater hätte dir mitteilen können, was vorgefallen war, aber er ist bedauerlicherweise verstorben. Die jüngere Generation weiß kaum etwas darüber, und wenn, dann nur vom Hörensagen. Das ist alles, was ich dir dazu sagen kann und werde", gab ich zurück.


    "War das dann alles oder möchtest du vielleicht noch weitere belanglose Dinge wissen, praefectus?" Wie beispielsweise die Farbe des Morgenurins meines Onkels oder etwas in der Art. Er sollte besser nicht seine Zeit hier vergeuden, sondern dort suchen, wo alle Indizien hinführten. Und das war ganz gewiss nicht diese villa hier in Rom. Du würdest auch in deinem eigenen Interesse handeln... Drohen lassen würde ich mir schon mal gar nicht.

    "Ja, ein Streit", gab ich zurück. "Er liegt schon länger zurück, spaltete die gens in zwei Teile und steht in keiner Verbindung mit dem frevelhaften Verhalten meines Onkels." Mehr sagte ich nicht dazu, denn einerseits ging es weder Crassus etwas an, noch war es hilfreich bei seinen Ermittlungen. Neben dem impluvium blieb ich stehen und verschränkte erneut die Arme.

    "Es ist ein schreckliches Vermächtnis, das Cicero uns da zurückgelassen hat", erwiderte ich abschließend auf diese ganze Prätorianergeschichte um den Aufstand eines Aureliers, in dem ich mich sehr getäuscht hatte. Ich seufzte. "Aber wenn die Götter in ihrer allwissenden Weisheit hinter uns stehen und Crassus mit Weitblick gesegnet ist, werden die Anschuldigungen auch weiterhin nur Cicero und seine Mittäter betreffen und nicht auf die gesamte Familie übertragen werden. Hoffen wir das beste."


    Ich leerte meinen Becher und sah in Richtung des impluvium, von dem ein leises Plätschern ausging. "Das hoffe ich doch", erwiderte ich auf die Antwort die Einladung betreffend. "Es wäre gewiss ein Zugewinn für beide Familien, wenn aus einem ungezwungenen Essen eine Verbindung erwachsen würde." Schmunzelnd ließ ich mir nachschenken und hörte dem Flavier genaustens zu, als er neuerlich auf den Prozess zu sprechen kam. "Eine Beilegung wäre wohl im Sinne aller. Nicht nur, da der Schuster vererbt - und im Zuge dessen vermutlich verkauft - werden wird. Aus dem Nachlass meines Onkels kann die Prozessgebühr entrichtet werden, und damit hätte sich die Angelegenheit erledigt."

    Zitat

    Original von Gaius Caecilius Crassus
    Und wann hattet ihr beiden das letzte mal Kontakt zu diesem Commodus?



    "Ich selbst habe ihn nicht mehr gesehen oder etwas von ihm gehört, seit ich nach Griechenland ging. Das ist etwa zehn Jahre her",
    gab ich zurück. Cotta erging es sicherlich nicht anders, oder? Ein warf ihm einen fragenden Blick zu. "Man hört zwar dieses und jenes, aber seit diesem Streit, von dem ich selbst nichts mitbekam und nur aus Erzählungen schöpfen kann, hatte er, soweit ich weiß, keinen Kontakt mehr zu der Familie, abgesehen von Aurelia Antonia, welche vor einiger Zeit verstarb. Hm, und scheinbar Cicero. Irgendeinen Grund muss es ja geben, aus dem mein Onkel ihm seinen Besitz vermacht."

    Wortkarg oder arrogant? Ich konnte mich nicht recht entscheiden und beließ es daher dabei, dass beides der Fall sein konnte. Den Brief hatte ich an Cotta weitergegeben, welcher ihn mit ebenso fragender Miene durchgelesen hatte wie ich selbst. Der ein oder andere Soldat hustete oder musste niesen bei all dem Staub, doch ich schämte mich nicht für diesen Mangel an Sauberkeit, denn wenn jemals ein Putzversäumnis seitens der Sklaven willkommen gewesen war, dann hier und heute - bewies doch der Dreck, dass wir die Wahrheit sagten.


    "In Ordnung", entgegnete ich auf die Beschlagnahmungsmitteilung und nickte. Es war vermutlich ohnehin nichts Wertvolles für mich oder einen anderen Aurelier dabei. "Dies ist das einzige Zimmer gewesen. Und Commodus...lass mich überlegen...das war Mitte des Jahres 102. Dementsprechend hat er kein Zimmer mehr in diesem Haus. Seine persönlichen Besitztümer ließ er damals aus Rom hinaus schaffen, und seitdem hat er die villa nicht mehr betreten."