Mitten im Schritt stockte ich, als ein zotteliger Braunbär das atrium betrat. Jedenfalls hatte ich im ersten Moment den Eindruck, dass es einer war. Auf den zweiten, gründlicheren Blick hin erkannte ich allerdings, dass es kein Bär war, sondern vielmehr ein neuer Sklave sein musste. Missbilligend registrierte ich, dass er scheinbar viel zu wohlwollend eingekleidet worden war, denn diese Aufmachung gebührte keinem Sklaven. Doch als ich gerade Anweisung erteilen wollte, Cotta zu benachrichtigen, tat der Zottelbär seinen Mund auf und stellte sich als Aureliusn Luous vor. Ich konnte nicht umhin, zu gaffen. Nicht nur, dass ich entsetzt war, wie man sich so gehen lassen konnte, nein, die weiteren Worte bargen noch zusätzliche Überraschungen: Brix hatte scheinbar einen Umweg genommen und war doch nicht hier eingetroffen, und darüber hinaus schien in der städtischen villa Aurelia so einiges im argen. Kynetische Lebensweise? pulsum und Wasser? Ich öffnete den Mund und schloss ihn ungesagter Worte wieder. Das Reden übernahm ohnehin Deandra, die inzwischen neben mir stand und ebenso verwundert schien wie ich. Beim Iuppiter, mit allem hatte ich gerechnet, aber doch nicht damit?! Ich warf Deandra einen fragenden Blick zu und sah auch Prisca hilflos an. Helena betrat gerade das atrium und gesellte sich zu uns. Auch ihr Gesicht erschien mir nicht begeistert.
Da ich mich so überrumpelt fühlte, fiel die Begrüßung, gelinde gesagt, frostig aus, denn ich stand auf dem Mosaik in Form eines Baumes wie angewurzelt und diesen Lupus anstarrend da. Alles, was ich hervorbrachte, war vorerst ein ziemlich intelligentes "Ähm...", gepaart mit mürrisch gerunzelter Stirn und der Frage, was zum Henkersknecht hier während meiner Abwesenheit geschehen war.
Nur einen winzigen Moment später kam wirklich derjenige, dessen Schritte ich geglaubt hatte, zu hören: Cotta. Schon während seiner für mich unnötigen Vorstellung - ich hatte ihn gleich erkannt - umarmte ich ihn brüderlich (mir fiel wieder einmal auf, dass mir meine Brüder doch sehr fehlten) und klopfte ihm zwei-, dreimal auf den Rücken. "Appius, alter Haudegen", grüßte ich ihn in vertrauter Manier und fühlte mich gleich fiel besser als nur mit seinem - vermeintlichen! - Bruder, dem ich nun einen flüchtigen Blick zuwarf. Doch schnell wandte ich mich wieder Cotta zu, der nun ebenfalls etwas von pulsum redete. Ich ließ ihn los und sah forschend von einem zum anderen. Trieb man hier seine Spielchen mit uns? Auch Deandra hakte nach, und ich stimmte mit ein. "Das mag ich gar nicht glauben", sagte ich und sah nun wieder den an, der vorgab, Lupus zu sein. "Lucius Lupus? Der Lupus?" fragte ich skeptisch, obwogl er ja bereits im Vorfeld gesagt hatte, dass er Cottas Bruder war, den ich zwar kannte, aber eben wohl nicht mehr gut genug, um ihn unter dieser Matte an Haaren wiedererkennen zu können. Was war nur mit ihm geschehen?
Verwirrt sah ich wieder zurück zu Cotta, mit dem ich ja den Briefkontakt gehabt hatte. Warum hatte er nichts von den Zuständen erzählt, die hier gegeben waren? "Also", sagte ich schließlich kategorisch und hob beide Hände in einer abwehrenden wie eine Klärung verlangenden Geste. "Was ist hier eigentlich los? Ist Brix nicht schon vor Tagen hier eingetroffen? Was hat es mit dem Puls auf sich? Und warum, bei Mars' mächtiger Lanze, siehst du aus wie ein Germane, Lucius?" Zack, der Hausherr war daheim. 