Ich war mir nicht nur darüber im Klaren, ich legte es sogar darauf an. Wenn sie Wind sähte, würde sie Sturm ernten. Einen Sturm, der unter günstigen Umständen uns beiden eine Brise beschaffen würde. Ich schmunzelte ob meiner Gedanken und erfasste mit dem Blick das kleine Grübchen, das sich beim Lächeln zusammen mit ihren makellos weißen Zähnen zeigte. Und gleichzeitig wuchs in mir der Wunsch, sie augenblicklich in die villa aurelia zu entführen und zusammen mit ihr die günstigen Winde herauszufordern, an die ich eben noch gedacht hatte. Das mochte für sie, die sie eine Flavierin war, ein Spiel mit dem Feuer werden, aber ich würde schweigen können, auch bei gegebenenfalls häufigeren Besuchen.
Kaum erwähnte sie, dass sie mich vielleicht als Lehrmeister ansah, trat eine Gier in meine Augen, einem raubtier gleich, dass sie beim erstbesten Moment mit Haut und Haar verschlingen würde. Ich kämpfte die Bestie zurück dorthin, wo sie her gekommen war, doch Arrecina hatte meinen Blick vermutlich trotzdem bemerkt. Dieses freche Lächeln, der herausfordernde Ton, ihr Körper und die Hitze, die sich in mir ausbreitete, brachten mich dazu, die Hände auf dem Rücken zu verschränken, ehe sie Stellen berührten, deren Berührungen sich weder in der Öffentlichkeit, noch in Anwesenheit der Sklaven und schon gar nicht bei einer unverheirateten Patrizierin geziemten. Dennoch konnte ich nicht verheimlichen, dass es mich nach dem Geschmack ihrer Zunge dürstete und nach der Wärme ihres bloßen Seins.
Die leichte Berührung ihres Armes an meinem fühlte sich an wie das elektrostatische Knistern, das man während eines Gewitters auf freiem Felde verspüren konnte. Ich musste gar zweimal Schlucken, ehe ich auf ihre Frage antworten konnte.
"Nun ja", hob ich an und meine Stimme klang leicht rauchig.
"Ich habe heute nichts zu tun, das nicht auch noch bis morgen warten konnte. Wenn es dir recht ist, würde ich meine Schuld gern gleich bezahlen. Mir liegen weder Anschreiben noch Zechprellerei. Außerdem siehst du...hungrig aus, wenn du mir diese Bemerkung gestattest."
Ich warf ihr einen tiefgründigen Blick zu. Sicherlich hatte sie sofort gewusst, was ich meinte. Kurz flammte in mir die Frage nach dem Risiko auf, wenn ich die vermutlich nahe Verwandte eines Senators einfach mit nach Hause nahm und dort vermutlich Dinge mit ihr tat, die unter dem Mantel der Verschwiegenheit blieben mussten, wenn sie nicht sowohl ihr als auch mein Ansehen ruinieren sollten. Verstohlen sah ich mich um und vergrößerte nicht ohne Anstrengung den Abstand zu der hübschen Dame um einige Zentimeter, sie anblickend und begierig auf eine Zusage hoffend.