Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Nach einer kleinen Ewigkeit, wie es schien, erhob ich mich und verkündete das Ergebnis, das der Schreiber ausgezählt hatte.
    "Es sind rund drei Viertel der sodales für die Abschaffung dieses Glücksspielverbots. Damit wird es abgeschafft, per decretum provincialis. Werter Senator, ich bitte dich, diese Botschaft im Senat zu verkünden, ich selbst werde gleich die Aufhebung des Verbots öffentlich machen. Eventuell zur Rechenschaft gezogene Männer und Frauen sind entsprechend zu entschädigen."


    Sim-Off:

    Die Aktivität lässt wirklich zu Wünschen übrig.

    Der Mann hielt einen Stab in der Hand. Welche Funktion er inne hatte, konnte ich nicht genau sagen, aber die höheren Offiziere führten auf Abbildungen stets einen solchen Stab mit sich, glaubte ich mich zu erinnern. Und bei meinem Vater hatte ich auch einst einen solchen Stab erblickt. Doch ich wollte keine Gedanken an den Stab verschwenden, sondern mich lieber auf das Gespräch konzentrieren. Der optio schien nicht angetan von Albinus Besuch. Ich sagte einen Moment gar nichts darauf, nickte dann zögerlich und sprach:


    "Du verstehst sicher, dass ich hierzu kaum Stellung nehmen kann. Ich war bei dem Gespräch nicht zugegen und hörte bisher nur die Ausführungen meines ehemaligen magistratus. Verständlicherweise gibt es bei zwei Gesprächsbeteiligten stets zwei Meinungen und zwei unterschiedliche Auffassungen, was den Verlauf eines Gesprächs angeht. Für gewöhnlich filtere ich die Informationen heraus - in diesem Falle war das die Information, dass das Theater noch nicht fertiggestellt sei - und blende alles weitere aus, da ich kein Urteil abgeben kann, wenn ich nicht selbst vor Ort gewesen bin. Sollte sich mein magistratus zweifelhaft geäußert haben, tut es mir aufrichtig leid. Doch wie gesagt, ich kenne nur eine Seite der Medaille", erklärte ich dem Soldaten aufgeschlossen.


    "Nun, die Wartezeit wäre wirklich kein Problem, aber wenn der Präfekt mit den Bauangelegenheiten betraut ist, wäre ich dir verbunden, könntest du mich zu ihm bringen, Soldat", entgegnete ich in Ermangelung des Namens.

    Ich war mir nicht nur darüber im Klaren, ich legte es sogar darauf an. Wenn sie Wind sähte, würde sie Sturm ernten. Einen Sturm, der unter günstigen Umständen uns beiden eine Brise beschaffen würde. Ich schmunzelte ob meiner Gedanken und erfasste mit dem Blick das kleine Grübchen, das sich beim Lächeln zusammen mit ihren makellos weißen Zähnen zeigte. Und gleichzeitig wuchs in mir der Wunsch, sie augenblicklich in die villa aurelia zu entführen und zusammen mit ihr die günstigen Winde herauszufordern, an die ich eben noch gedacht hatte. Das mochte für sie, die sie eine Flavierin war, ein Spiel mit dem Feuer werden, aber ich würde schweigen können, auch bei gegebenenfalls häufigeren Besuchen.


    Kaum erwähnte sie, dass sie mich vielleicht als Lehrmeister ansah, trat eine Gier in meine Augen, einem raubtier gleich, dass sie beim erstbesten Moment mit Haut und Haar verschlingen würde. Ich kämpfte die Bestie zurück dorthin, wo sie her gekommen war, doch Arrecina hatte meinen Blick vermutlich trotzdem bemerkt. Dieses freche Lächeln, der herausfordernde Ton, ihr Körper und die Hitze, die sich in mir ausbreitete, brachten mich dazu, die Hände auf dem Rücken zu verschränken, ehe sie Stellen berührten, deren Berührungen sich weder in der Öffentlichkeit, noch in Anwesenheit der Sklaven und schon gar nicht bei einer unverheirateten Patrizierin geziemten. Dennoch konnte ich nicht verheimlichen, dass es mich nach dem Geschmack ihrer Zunge dürstete und nach der Wärme ihres bloßen Seins.


    Die leichte Berührung ihres Armes an meinem fühlte sich an wie das elektrostatische Knistern, das man während eines Gewitters auf freiem Felde verspüren konnte. Ich musste gar zweimal Schlucken, ehe ich auf ihre Frage antworten konnte.


    "Nun ja", hob ich an und meine Stimme klang leicht rauchig.
    "Ich habe heute nichts zu tun, das nicht auch noch bis morgen warten konnte. Wenn es dir recht ist, würde ich meine Schuld gern gleich bezahlen. Mir liegen weder Anschreiben noch Zechprellerei. Außerdem siehst du...hungrig aus, wenn du mir diese Bemerkung gestattest."


    Ich warf ihr einen tiefgründigen Blick zu. Sicherlich hatte sie sofort gewusst, was ich meinte. Kurz flammte in mir die Frage nach dem Risiko auf, wenn ich die vermutlich nahe Verwandte eines Senators einfach mit nach Hause nahm und dort vermutlich Dinge mit ihr tat, die unter dem Mantel der Verschwiegenheit blieben mussten, wenn sie nicht sowohl ihr als auch mein Ansehen ruinieren sollten. Verstohlen sah ich mich um und vergrößerte nicht ohne Anstrengung den Abstand zu der hübschen Dame um einige Zentimeter, sie anblickend und begierig auf eine Zusage hoffend.

    Sie schien nervös zu werden. Oder war sie es schon die ganze Zeit über gewesen und ich hatte es nur nicht bemerkt? Nachdenklich musterte ich ihr Gesicht, als sie plötzlich noch aufgewühlter wirkte. Ich kniff ein Auge zusammen und schüttelte den Kopf.


    "Halb so schlimm, wirklich. Normalerweise schätze ich kopflose Frauen nicht, die so forsch vorgehen wie du. Es ist nie gut, wenn man sich unüberlegt in Dinge stürzt, noch dazu wenn sie zwei Beine, zwei Arme, ein Gesicht und einen Namen haben", sprach ich ernst, konnte den Schalk aus meinen Augen jedoch nicht ganz verbannen, sodass ich kaum zwei Sekunden nach meinen Worten belustig grinste.


    "Nein wirklich, der Aufprall hat ja nicht geschmerzt", entschloss ich mich, ernsthafter zu werden. Wobei, diesen Satz konnte man durchaus auch anders auffassen, als er gemeint war. Das fiel mir allerdings erst auf, als die Worte schon in der stickigen Romluft zwischen und standen. So entschloss ich mich, noch etwas hintenan zu hängen.
    "Und wenn es so wäre, dann könnte ich dir vermutlich verzeihen."


    Ich zwinkerte ihr gutgelaunt zu und sah mich dann übertrieben tatkräftig um.
    "Du gehst spazieren. Hier? Wo es doch so viele schöne Parks gibt, in denen die Wintersonne vom Himmelszelt scheint?"

    "Davon ist mir nichts bekannt, comes. Aber ich lasse mich gern belehren hinsichtlich dieses Beschlusses, wenn er mir entgangen sein mag. Wann wurde er beschlossen?" erbat ich mir Auskunft. Das normale lex jedenfalls sah einen Besuch beim Imperator vor, deswegen wunderte ich mich zugegebenermaßen etwas. Doch auch ein aufmerksamer Leser mag bisweilen etwas vergessen oder überlesen.

    Ehe ich mich versah, kam Samira auch schon um die Ecke. Ich nickte. Sehr gut, das lief ja wie am Schnürchen.
    "Ja, richtig. Samira, das ist Kümmrüh. Er ist von nun an mein neuer Sklave und wird mich zum Schutz auf meinen Wegen begleiten. Er ist Brite und..."


    In diesem Moment wurde ich von dem Mann unterbrochen, der etwas sagte, dass sie für mich wie eine endlose Aneinanderreihung von Ü-Lauten anhörte. Ich sah ihn verständnislos an und blickte hilfesuchend zu Samira.
    "Du kannst nicht zufällig keltisch oder so?" fragte ich recht plump und kratzte mich am Hinterkopf. Camryn.
    "Ha, hol mir Camryn her!" befahl ich triumphierend. "Und bereite ein Bad. Und sorge dafür, dass er etwas zum Anziehen bekommt. Ah, und einen Haarschnitt braucht er wohl auch."


    Sim-Off:

    Schlawiner :P

    Zitat

    Original von Cymry
    Zwei kräftige Sklaven machten Cymry frei von seinen Ketten und führten ihn zu seinen neuen Herrn. Cymry tat währenddessen so, als würde ihn das ganze rein gar nichts angehen. Er würdigte Corvinus nicht eines Blickes massierte seine Handgelenke auf welchen noch immer die Abdrücke der Ketten zu sehen waren.


    Ah, da war er. Kümmrüh, so hieß er doch. Ich hielt eine Schriftrolle aus der Curie in der Hand und betrachtete den Sklaven beim Näherkommen. Langweilig würde ihm bei mir sicher nicht werdern, so oft wie ich unterwegs war. Ich nickte den Schergen des Sklavenhändlers kurz dankend zu und musterte dann seine Handgelenke.


    "Ich bin Aurelius Corvinus. Kümmrüh, so heißt du, richtig? Nun, willkommen bei den Aureliern, Kümmrüh", sagte ich.
    "Daheim wird man sich um deine Verletzungen kümmern. Komm."


    Sim-Off:

    Weiter gehts hier =)

    Nach einer kurzen Wegstrecke langten wir schließlich in dem Domizil der Aurelier in Rom an. Eine Zwischenlandung, wie ich mir dachte, denn nachdem der Sklave sauber und neu eingekleidet sein würde, müssten wir uns wohl wieder auf den Weg ins heimische Mantua machen. Ein ianitor öffnete uns und geleitete uns ins atrium. Ihm trug ich auf, ein Bad zu bereiten und einen weiteren Sklaven zu schicken, vornehmlich Samira, damit sie ordentliche tunicae für Cymry heraussuchte.


    "So, da wären wir. Hier wohne ich, wenn ich in Rom bin, was durch die Arbeit in der curia recht oft der Fall ist", sagte ich.
    "Gleich kannst du dich waschen und dir etwas Frisches anziehen. Dein Haar müsste auch mal wieder gestutzt werden. Hm, vielleicht kann das Samira besorgen. Wo sie wohl steckt? Naja. So, du bist also Brite. Verstehst du überhaupt alles, was ich sage? Falls nicht, keltisch wirst du wohl können. Camryn ist meine Leibsklavin, sie wird sich deiner ohne Zweifel annehmen, wenn es mit deinem Latein nicht weit her sein sollte."

    "Eine Abänderung, die Wagen- und Pferderennen außen vor lässt, wäre sicherlich eine Verbesserung, doch trägt diese Verbesserung nicht dazu bei, dass ehrenwerte Männer künftig ohne Sorge dem verknügten Klappern von Würfeln lauschen, geschweige denn diesem Spiel nachgehen können. Ich sage ganz klar heraus, dass ich weder als sodalis dieser curia, noch als einer der duumviri Mantuas dieses decretum je unterstütz habe. Deswegen fordere ich nich voreilig, sondern a) ausgegebenem Anlass und b) in eigenem Interesse, Aelius."
    Ich blickte den comes ernst an und fasste zusammen.
    "Bisher sind also mehr Stimmen pro Auflösung des decretum denn wider die Abschaffung. Ich bitte die Anwesenden sodales nun um eine erneute Abstimmung. Aufhebung des decretum oder Beibehaltung?"


    Sim-Off:

    Ich mache hierfür mal kein eigenes Thema auf, da ja ohnehin schon jeder seine Meinung gesagt hat. Darüberhinaus scheint die Curie derzeit nur aus 4 Mitgliedern zu bestehen. Vielleicht sollte man das ändern. ;)

    "Deine Witze sind hier unangebracht, Artorius", tadelte ich den älteren Mann, der sich scheinbar gern wie ein Bär im rosa Kleid aufführte. Eine gewisse Ähnlichkeit war hierbei nicht zu bestreiten, aber ich hütete mich, ins gleiche Horn zu stoßen wie dieser Mann.


    "Der lex de administratione Italiae ist die weitere Verfahrensweise zu entnehmen. Sie beinhaltet die von mir genannten Möglichkeiten. Ich empfehle dir, Artorius, diese leges zu studieren, ehe du dich das nächste Mal über Vogelschauen äußerst."

    Überrascht hob ich die Brauen. Das lustrum fand also im castellum statt. Naja, was hatte ich auch anderes erwartet, immerhin ging es darum, die Waffen der Soldaten zu reinigen, da wäre ein Umweg über den Tempelbezirk wohl eher wenig förderlich gewesen. Der Gedanke an viele steppende Männer auf einem Haufen allerdings ließ mich wieder schmunzeln.


    "Tja, man kann den Fortschritt scheinbar nicht aufhalten", entgegnete ich auf seine Bemerkung bezüglich des Marsfeldes. Das ganze römische Heer auf dem Marsfeld? Das musste wirklich gewesen sein, als Rom noch in den Kinderschuhen gesteckt hatte. Amüsiert schüttelte ich den Kopf und musterte den Priester erneut. Ich fragte mich, ob er das wohl miterlebt hatte. Den Falten und Runzeln nach zu schließen war es jedenfalls möglich...


    "Natürlich, so war das auch nicht gemeint. Aber ich selbst verspüre eine sehr viel größere Ehrfurcht, wenn ich im Tempel der großen iuppiter stehe. Man fühlt sich näher bei den Göttern. Es ist einfach ein ganz anders Gefühl, als ihnen am Hausaltar zu opfern", beeilte ich meine Gedanken zu erkläutern. Allerdings hatte ich dabei den Eindruck, dass der Geist des ehrenwerten sacerdos wo vollkommen anders herumschwirrte als hier bei mir. Ich ließ zwei Sekunden verstreichen und folgte dann unauffällig seinem Blick, der ins Nichts führte. Dass er eben noch die Fliege verfolgt hatte, konnte ich ja nicht wissen. Schlussendlich räusperte ich mich.


    "Sacerdos?"


    Sim-Off:

    Vielen Dank für die Erklärung, "Aushilfspriester". :D Wie wäre es also mit einem Iuppiter-Tempel? Und: könnte man vielleicht ein eigenes Unterforum für den Tempelbezirk machen? :)

    Ich grinste den ehemaligen Aedil kurz an (ha, ich war schneller gewesen!) und gab Trautwini dann einen Wink, auf dass er dem Sklavenhändler meinen aurelischen Sigelring als Pfand bot, dass seine Bezahlung noch kommen möge. Niemand, der klaren Verstandes war, führte eine solche Summe Geld mit sich spazieren, daher war diese Siegelring-Sache eine durchaus gängige Praxis. Trautwini reichte dem Mann den aufwendig verzierten Ring.


    "Mein Herr wird dir deine Bezahlung zukommen lassen, nimm diesen Siegelring als Pfand dafür, dass er sein Wort halten wird", sprach er und verbeugte sich knapp.


    Weiter hinten wartete ich darauf, dass man den Sklaven zu mir entlassen würde.



    Sim-Off:

    schon bezahlt ;)

    Mich amüsierte das Verhalten des Mädchens, denn sie sah verlegen beiseite, obwohl ich wirklich kaum etwas dafür getan hatte, dass sie sich so verhielt. Gut, eine vielleicht zu schmeichelhafte Bemerkung, ein Blick, aber das alles waren für mich in diesem Moment nur Spielereien und keinesfalls ein ernstzunehmendes Verhalten. Mit gerunzelter Stirn überlegte ich zum wiederholten Male, welchen Stand sie innehatte, ob Peregrine oder Sklavin, als sie mir ihren Namen verriet und erneut verlegen wirkte. Jetzt musste ich kurz lachen. Nadia also. Vermutlich eine Sklavin. Wenn Deandra erfahren würde, dass ich in einer Gasse stand und mit einer Sklavin schäkerte, würde sie missbilligend die Stirn runzeln und mahnend den Finger heben. Dieser Gedanke ließ mich vergnügt grinsen. Nadia blieb der Grund allerdings verborgen, aus dem ich plötzlich so amüsiert wirkte.


    "So, Nadia also", sprach ich dann nach einem Moment.
    "Ich bin Aurelius Corvinus. Und was machst du hier so allein? Ich meine, außer fremde Männer umzurennen... Einkaufen warst du nicht, du führst keinen Korb mit dir", schlussfolgerte ich und lächelte weltoffen. Nadia hatte meine Gedanken zerstreut und das stmmte mich fröhlich.