Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ehe sie dazu kam, etwas zu erwidern, tauchte ein Sklavenjunge auf. Minus war es nicht, und diesen hier kannte ich nicht. Ich empfand seine Präsenz als störend, immerhin wollte ich mit meiner Frau sprechen, und zwar allein. Wenn sie nicht Charis schon fortgeschickt hätte, so hätte ich dies übernommen. Der Knabe sah - denn selbst verständlich sah in den unwillkommenen Störenfired an - aus, als hätte er seit zwei Jahren keine größere tunica entsprechend seines Wachstums bekommen. Er trug einen Efeukranz, wie ich skeptisch feststellte, und balancierte eine Schale mit Feigen auf Händen, die im Verhältnis zu seinem Körper zu groß wirkte. Er trat auf mich zu und hielt mir die Schüssel entgegen, doch ich machte nur eine ärgerliche Handbewegung. "Stell das ab und dann lass uns allein", ordnete ich entnervt an und wandte mich danach demonstrativ wieder Celerina zu, die mich eben neugierig beäugt hatte. Sofort fragte ich mich, warum, aber ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Vermutlich aber war es ohnehin gleich.


    Mit dem, was sie eriwderte, war mir nicht geholfen. Im Gegenteil. Keine andere Wahl hatte sie also gehabt. Ich erinnerte mich noch sehr gut an unser letztes Aufeinandertreffen, das vermutlich der Grund für ihre Flucht nach Ostia gewesen war. Die Scham, die ich darüber empfang, war längstens nicht mehr so stark wie in jener Nacht, nur mehr ein Hauch, der von dem stärker aufkeimenden Ärger überdeckt wurde wie Neuschnee ein Schlachtfeld zu überdecken vermochte. Später würde ich Trautwini zu mir zitieren und ihn befragen, das stand fest. Vorerst allerdings musste ich meinen Ärger über ihre Arglosigkeit hinunterschlucken, denn immerhin wollte ich, dass sie ihren Platz wieder einnahm und nicht übermorgen schon wieder nach Ostia verschwinden würde, oder sonstwo hin. Sicherlich war es mir anzusehen, dass ich versuchte, mich zu zügeln. Es brauchte eine Weile, dann hatte ich mich so weit unter Kontrolle, dass ich Celerina nicht mehr anschreien würde, sobald ich den Mund aufmachte. Ganz gewiss hatte sie genau das beabsichtigt, und ich dachte nicht daran, ihr zu geben, was sie wollte. Der Junge war schon längst vergessen.


    "Ich will..." begann ich, besann mich dann jedoch eines Besseren und fing leicht gepresst von Neuem an. "Ich wünsche mir, dass du mich beim nächsten Mal vorher in Kenntnis setzt über deine Pläne. Du bist meine Frau, und als solche obliegt dir die Aufsicht über Haus und Hof. Du bist die Frau eines pontifex, und als solche solltest du an meiner Seite stehen bei öffentlichen Riten und Festen. Und nicht zuletzt bist du eine Flavia, und als solche solltest du nicht davonlaufen, egal vor was." Ich schwieg kurz und sah ihr in die Augen. "Oder vor wem. Also lassen wir dieses Spielchen und reden Tacheles, Celerina. Du kannst nicht einfach ohne ein Wort zu sagen abreisen und deine Pflichten vergessen!"

    Och doch? Was bitte war das für eine Antwort? Ich ärgerte mich über den belanglosen Plauderton, den sie anschlug. Sie wusste doch ganz bestimmt, dass ich es nicht eben gutgeheißen hatte, sie zu den Saturnalien sonstwo zu wissen. Oder sie während meiner Kandidaturphase nicht an meiner Seite stehen zu sehen. Ich hätte noch einige weitere Dinge aufzählen können, schluckte den Ärger aber ersteinmal herunter, presste die Lippen aufeinander und entschloss mich dann doch, Platz zu nehmen.


    Ich setzte mich und sah sie mürrisch an. "Blendend", gab ich kurz angebunden zurück und holte dann mit sichtlicher Genugtuung zum Gegenschlag aus. "Es war ganz besonders höflich von dir, dein erstes Saturnalienfest in unserer Familie in Ostia zu verbringen. Sicherlich hattest du dort sehr viel mehr Spaß als mit uns...Trautwini hat doch sicher gut auf dich acht gegeben?" Ich stützte den rechten Ellbogen auf und legte die Knöchel meiner Finger ans Kinn, um Celerina gänzlich unbefangen anzusehen. Wenn sie ein Spiel spielen wollte, bitte, das konnte sie haben.

    Ich maß die Truhen mit ein wenig Verwunderung, kniff dann die Augen zusammen, als ich Charis entdeckte, die eben irgendein Kleidungsstück faltete. Ich hatte erwartet, dass sie mich über die Absicht meiner Frau, Rom zu verlassen, informiert hätte. Zu gegebener Zeit würde ich mit ihr darüber sprechen. Jetzt allerdings sahen mich die beiden plötzlich an wie zwei Kälber bei Gewitter.


    Meine Lippen teilten sich, um einen Gruß hervorzubringen, doch sagte ich ob meiner Überraschung nichts, als Celerina mich doch recht unerwartet überschwänglich begrüßte. Erneut kniff ich ein wenig die Augen zusammen, skeptisch ob der freundlichen Begrüßung. "Salve", sagte ich dann doch und warf einen kurzen Blick auf Charis, die eben den Raum verließ. Celerina und ich waren nun also allein, und das Angebot, mich zu setzen, stand om Raum. Ich maß die Sitzgruppe mit einem Blick, entschied mich jedoch dagegen, mich zu setzen. Die Situation schien unwirklich und war kurios. Ich wusste plötzlich nicht mehr so recht, was ich überhaupt hier sollte. Angestrengt blinzelte ich, um den Faden wiederzufinden. Ich fühlte mich unangenehm an mein letztes Gespräch mit Siv zurückerinnert, wollte jedoch gleichzeitig diese Sache hier und Celerina nicht mit Siv vergleichen, denn dies hier war anders, und Celerina war nicht Siv - keine Geliebte libertina, sondern meine Ehefrau.


    Ich griff mir an die Stirn und kratzte nachdenklich dort, ohne dass es gejuckt hätte, dann maß ich, noch immer an Ort und Stelle stehend, Celerina mit einem prüfenden Blick. "So. Hast du dich gut erholt?" fragte ich geschäftsmäßig, um höflich zu sein.

    Anmutig und grazil bewegte sich die junge Dame. Ich warf ihr einen anerkennenden Blick zu. Wenn sie sich so sanftmütig und gescheit gab, würde es leicht sein, sie einem entsprechend gut gestellten Ehemann an die Hand zu geben - aber solcherlei Gedanken hatten nocht Zeit, und außerdem wäre es Orestes' Aufgabe, sich darum zu kümmern.


    "Dann seid ihr auf dem Landweg gekommen?" fragte ich ein wenig verwundert, nickte aber nach kurzer Überlegung zustimmend. "Bei den Stürmen auf See vielleicht nicht die schlechteste Wahl. Ihr habt bereits mit Manius geredet, nicht? Wo ist denn deine Schwester?" fragte ich, als mir auffiel, dass ich sie stets wie zwei Mädchen ansprach statt nur als die eine, die sie war. Sagte man nicht von Zwillingen, dass sie stets beisammen waren? Umso verwunderter war ich, dass ich eine - welche auch immer - allein hier antraf.


    Ich musterte sie von oben bis unten. "Ist dir kalt? Möchtest du vielleicht hinein gehen? Ich wollte einen Becher heißen Gewürzwein trinken, vielleicht hast du ja Lust, mir etwas Gesellschaft zu leisten", schlug ich vor.

    Als ich nach Hause gekommen war, hatte Leone mir mitgeteilt, dass meine Frau unterdessen den Heinweg gefunden hatte. War ich eben noch recht guter Dinge gewesen, so war nun der letzte Tropfen der guten Laune zerronnen, und die Realität strömte wieder auf mich ein. In den Wochen, in denen Celerina nicht im Haus gewesen war, hatte ich mich ständig hin und her gerissen gefühlt zwischen Erleichterung, Missmut, Verärgerung und dem Gefühl, dass diese noch nicht lange währende Ehe kurz vor dem Scheitern stand.


    Den feuchten Mantel hatte ich abgelegt, draußen nieselte es. Ehe ich mich in die Höhle der Löwin begab, brauchte ich einen Becher Wein. So war der erste Weg nach meiner Ankunft in dervilla der in duie Küche, wo ich eine Weile herumlungerte und einen Becher heißen Gewürzwein trank. Als ich schließlich selbst merkte, dass ich das Aufeinandertreffen hinauszögerte, versetzte ich mir selbst einen inneren Schubser in die richtige Richtung und steuerte Celerinas Gemächer an. Während ich also darauf zu ging, überlegte ich mir, welchem Gefühl ich während des Gesprächs die Oberhand lassen und was ich ihr sagen sollte.


    Ich hatte mir einige Dinge zurechtgelegt, die es mitzuteilen galt, doch als ich angelangt war an ihren Räumen, waren sie mir plötzlich zum Großteil wieder entfallen. Ich ärgerte mich, klopfte dann an und öffnete die Tür, ohne auf die Zustimmung dazu zu warten.

    Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    Auch Durus ließ sich von allem reichen und kostete es. Es schmeckte vorzüglich, sodass er sich an seinen Tischgenossen Corvinus wandte.


    "Wie viel willst du für deinen Koch? Er ist ja grandios!"


    Ich hatte bis eben gar nicht wahrgenommen, dass ich mich neben Durus gelegt hatte ( :D ), doch als dieser mich nun ansprach, fand ich in die Wirklichkeit zurück. Eben hatte ich Celerina erspäht, die eben zu den anderen Damen stieß. Gut. Vermutlich machte ich einen leicht zerstreuten Eindruck, was nach den Geschehnissen in meiner Ehe vermutlich auch kein Wunder war. Leise seufzte ich, setzte dann einen interessierten und gut gelaunten Ausdruck auf.


    Auf Durus' Satz hin musste ich leise lachen. "Ich bedaure, aber unsere Köchin steht nicht zum Verkauf", erwiderte ich schmunzelnd. "Außerdem hast du sie gar nicht nötig, die cenae bei dir waren auch stets ein kulinarisches Meisterstück." Ich nahm einen neuen Teller entgegen und kostete das Lamm. Es war zart wie neuer Schnee, und ich schloss genießend die Augen. Ja, ich wusste, was Durus meinte. Erneut sah ich ihn wieder an. "Wer ist eigentlich der junge Mann dort bei Titus?" fragte ich ihn und deutete in die Richtung, in der Ursus speiste. Denn ich kannte ihn nicht, also musste er von tiberischer Seite her gekommen sein.

    [Blockierte Grafik: http://img158.imageshack.us/img158/4099/pyrrusqa0.jpg%20| Livius Pyrrus


    Wachstafeln schlugen leise klappernd aneinander, als Pyrrus missmutig durch die Gänge stapfte. Vor einem bisher unbewohnten Zimmer hielt er an. Er hatte keine Ahnung, wie dieser Imbrex so war, aber was tat man nicht alles für eine Handvoll Sesterze? Noch einmal seufzte er tief, dann ging er kurz in sich und klopfte schließlich an.


    Scheinbar war er erwartet worden. Natürlich war er das. Pyrrus ärgerte sich kurz über sich selbst und setzte dann kurzzeitig einen netten Gesichtsausdruck auf. "Salve, Aurelius. Und willkommen in Rom. Der Senator hat mir mitgeteilt, dass du einige Fragen hast und ich dir nach bestem Wissen und Gewissen Rede und Antwort stehen soll. Eh - ich darf mich doch setzen, oder?" Ohne abzuwarten, setzte sich der Peregrine. Er hatte keine Lust, stehend zu referieren, worum auch immer es ging. Wuchtig platzierte er seine Tafeln auf dem Tisch.

    Inzwischen hatte ich genug gesehen - etwas Bemerkenswertes hatte es nicht gegeben, abgesehen von dieser Mäuseplage. Also war ich bereits wieder auf dem Rückweg ins Peristyl, als mir jemand auffiel. Ich blieb stehen und sah genauer hin - tatsächlich, es musste eines der Blümchen sein. Nur welches? Mit einem Lächeln auf den Lippen schritt ich über einen gekiesten Weg hin zu der hübschen - so hübsch hatte ich sie gar nicht in Erinnerung gehabt - Aurelia, die vor einem Beet kniete und unter den Winterschutz - den exotischeren Vertretern der Pflanzenwelt war selbst das italischen Klima im Winter zu kühl - lugte. "Na", grüßte ich und grinste nun. "Ich hatte angenommen, ihr wolltet euch erst erholen und auspacken, aber da lag ich wohl falsch." Ich schmunzelte und breitete dann die Arme aus. "Willkommen in Rom! Ich hoffe, ihr hattet eine gute Reise?" Ob sie mich wohl wiedererkannte? Immerhin war es eine ganze Weile her, dass wir uns zuletzt gesehen hatten. Und ich hatte Probleme, ihr einen Namen zuzuordnen, also ließ ich ihn geschickt erst einmal weg. :D

    Es war früher Nachmittag an jenem Tage, an welchem die beiden Aureliae angekommen waren. Die Sonne hatte sich für kurze Zeit freigekämpft und die Wolken verdrängt, die dieser tage tief über der Stadt hingen. Nun glomm der trübrote Himmelsball schwach über den Wipfeln der wenigen Bäume hier im Garten. Bald würde es dunkel werden und die Sonne hinter dem Horizont versinken. Zwei Sklaven kauerten nahe bei mir in einem Beet und stellte fest, dass es wohl Wühlmäuse gewesen sein mussten. Ich selbst hatte tief die Stirn gerunzelt und ärgerte mich. Wie wurde man Wühlmäuse los? Ich hatte keine Ahnung. Aber scheinbar schienen ihnen die Wurzeln der teuersten Pflanzen am besten zu munden. "Wir könnten die Katze der domina an einem Pfahl anbinden", schlug der eine gerade dem anderen vor. "Eine Katze reicht da nicht", meinte der andere. "Außerdem würde sich das Biest wehren." "Das würde ich mir ohnehin nochmal genauer überlegen. Wenn Celerina zurück ist, ist es nicht ihre Katze, die ihr fürchten müsst", gab ich zu bedenken. "Seht zu, was man dagegen unternehmen kann. Falls nötig, konsultiert jemanden. Ich erwarte, dass nicht noch mehr diesem Ungeziefer zum Opfer fällt." "Jawohl, dominus." Der andere nickte nur. Beiden stand ein wenig Skepsis aufs Gesicht geschrieben. Ich wandte mich ab und ging ein paar Schritte. "Komm... Wir fragen Siv..." sagte der eine nun zum anderen, dann trollten sie sich. Ich inspizierte derweil die übrigen Beete, die weitestgehend unversehrt geblieben waren. Dabei dachte ich kurz an die Blümchen. Mir war zugetragen worden, dass sie inzwischen wohlbehalten hier angekommen waren und sich mit Orest im Gespräch befunden hatten. Ich ließ den beiden noch etwas Zeit mit einem Besuch meinerseits. Sicherlich waren sie erschöpft von der Reise. Das glaubte ich zumindest.

    Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass die Germanicer es bemängelten, dass viele Aurelier im Speziellen oder zu viel Patrizier im Allgemeinen sich zur Wahl stellten oder einen Platz im Senat inne hatten. Ich drehte mich, um zu Ursus sehen zu können, der unter jenen saß, welche die Quästur abgelegt hatten. Er würde einen skeptischen, leicht verärgerten Ausdruck auf meinem Gesicht lesen können. Seine Freundschaft mit diesem Germanicus Sedulus schoen ganz offensichtlich nicht dazu beizutragen, dass die Germanicer von ihrer halsstarrigen Sichtweise einmal abrücken würden. Als ich mich wieder umwandte, fixierte ich den Blick auf Imbrex. Ich hatte es bereits hinter mir, er stand noch mittendrin. Und er schlug sich recht passabel, wie ich fand. Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mich als einer der Aurelier, die den Senat überschwemmten, zu Wort zu melden und darauf hinzuweisen, dass die gens Germanica vielleicht gut daran täte, selbst ein paar Kandidaten zu stellen - doch ich schwieg. Dies hier war Imbrex' Moment.

    "Zugetragen wurde mir der Zustand der betroffenen Tempel inoffiziell vor meiner Amtszeit, durchführen ließ ich die Arbeiten offiziell als Ädil", fasste ich zusammen und hoffte, damit Licht ins Dunkel zu bringen, das Macer umhüllte. "Mit meiner Position als pontifex hatte die Finanzierung und Beauftragung der Sanierungen nur insofern zu tun, als dass ich es als eine Aufgabe großer Wichtigkeit auffasse, den Menschen in den Provinzen den römischen Kult so nahe zu bringen als nur irgend möglich, sind es doch unsere Götter, die die stärksten und mächtigsten von allen sind." Als Freundschaftsdienst konnte man es wohl schwerlich betrachten, wenn man die Tempel in einer römischen Provinzhauptstadt instand setzen ließ.

    Ich nickte auf die Worte des Prätorianers hin. Ausgesprochen freundlich, doch, das konnte man durchaus behaupten. Endlich mal jemand, der nicht wie die Axt im Walde vorging. Sehr löblich war das, durchaus. Als sich der Antonius erhob, stand auch ich auf, um ihm die Hand zu reichen. "Nein, ich habe zu danken. Schließlich wird man als Tribun wohl nicht oft zu einem Boten, der eine Einladung zum Essen überbringen soll", schmunzelte ich. "Dein Präfekt soll mich wissen lassen, ob ihm der morgige Abend zupass kommt oder ein anderer Tag besser geeignet wäre für einen Besuch." Leone würde die Nachricht - mündlich oder schriftlich - entgegen nehmen, und ich würde mich um die ausstehenden Informationen kümmern.


    Ein Nicken zu Minus hin folgte, der sogleich herbeihüpfte, um die Herrschaften hinaus zu geleiten. "Vale, Tribun Antonius."

    Ich konnte nicht umhin, amüsiert die Brauen zu heben, als Piso geschickt auswich, indem er meine Frage gleich in zwei Varianten und zugleich nichtssagend beantwortete. Spätestens in diesem Moment dachte ich mir, dass er den perfekten Politiker abgeben würde.


    "Selbstverständlich, nichts anderes hätte ich angenommen. Ich verfahre schließlich nach demselben Prinzip. Immerhin würde man seine Schwester beispielsweise nur ungern jemandem an die Hand geben, der zwar einen guten Eindruck macht, aber in Wahrheit nicht geeignet ist", erwiderte ich beipflichtend. "Nun ja, aber diejenigen, die infrage kämen, müssen sich selbst darüber im Klaren sein, was sie wollen. Ich kann nur für die Damen des Hauses sprechen, nicht aber für meine Vettern und Neffen." Das mussten sie schon selbst tun, immerhin waren alle alt genug, so etwas selbst entscheiden und regeln zu können.


    Beinahe goldig, mitanzusehen, wie Piso plötzlich verlegen wurde. Nur aus Neugier wollte er also wissen, wer bisher nicht versprochen war. Hatte mich die Frage eingangs noch ein wenig ins Grollen gebracht, fand ich sie nunmehr amüsant, was wohl daran lag, wie er sie vorbrachte. "Nun ja", begann ich langsam, nippte erneut an meinem Wein und betrachtete Piso dann kurz. "Ich kann wohl für meinen Vetter Manius Orest sprechen, wenn ich dir mitteile, dass seine beiden Schwestern in Kürze hier erwartet werden", gab ich preis und trank meinen Becher aus. Mit leisem Klacken platzierte ich ihn auf dem Tisch. "Und dann wäre da noch meine Nichte. Bei ihrem zukünftigen Ehemann lege ich ganz besonders großen Wert darauf, dass er vernünftig, respektvoll und gut gesinnt ist. Prisca heißt sie." Und eigentlich wollte ich sie gar nicht verheiraten. Aber immer noch besser ein Flavier als jemand anderer.


    "Das klingt vielversprechend. Ich hoffe, dass auch mein Erbe irgendwann unterwegs sein wird", erwiderte ich und wusste doch, dass daraus nichts wurde, wenn ich nicht endlich tätig wurde. Ein erster Schritt wäre wohl gewesen, Celerina endlich aus Ostia zu holen.

    Vitellius lachte nur und klopfte Piso auf die Schulter. Naso grinste breit. "Mach dir mal keine Sorgen", versicherte er ganz zuversichtlich und zwinkerte Piso zu. Dann zog er sich zu den anderen zurück, die inzwischen verstummt waren und den Auguren gespannt betrachteten.


    Ich selbst hatte Gracchus gegrüßt und mich dann zu ihm gesellt, mein Platz war nicht mehr unter den septemviri. Gracchus wirkte ein wenig kränklich. Was es auch war, hoffentlich steckte ich mich nicht an. Das konnte ich vor einem potentiellen Ädilat einfach nicht gebrauchen. "Das möchte ich zwar bezweifeln, aber ich habe dir diesen Gefallen dennoch gern getan", erwiderte ich gut gelaunt auf Pisos Worte hin und folgte ihm dann mit dem Blick, als er auf Orestes zu ging. Dann begann sie auch schon, die Inauguration. Vielleicht ergab sich im Anschluss daran die Gelegenheit, ein wenig zu plaudern.

    "Ah", erwiderte ich. "Ich dachte mir, dass es vielleicht doch besser wäre, wenn sie nur vom Hörensagen berichten können. Da ist die Manipulation einfacher. Und außerdem ist sie billiger als Schweigegeld, falls es doch ich sein sollte, der einmal zu viel im Sand liegt." Das Zugeständnis konnte ich Macer ruhig machen. Ich wusste nicht, wie gut er im Ringen war, wie flexibel und gestählt. Das konnte ich nur von mir selbst sagen, und selbst da war ich mir nicht sicher, inwiefern meine Kräfte reichen würden, um Macer in den Sand zu werfen. Ich hatte nur einen Sklaven mitgenommen, zu dem sich der Macers gerade gesellte, wie es den Anschein hatte.


    Wir gingen an einem Halbkreis vorbei, der gaffend um ein kräftiges Paar herumstand. Die zwei jungen Männer hatten sich regelrecht ineinander verkeilt und keiner schien einen digitus breit nachgeben zu wollen. In einiger Entfernung zu ihnen verlangsamte ich meinen Schritt. "Willst du dich erst noch etwas lockern?" fragte ich mehr rhetorisch, immerhin war es nicht gut, wenn man einfach so begann. Das konnte zu schmerzhaften Verspannungen führen, wie mir selbst als Junge einmal schmerzlich bewusst geworden war. Ich würde mitlaufen, wenn Macer sich aufwärmen wollte. "Wir hatten bisher eher weniger die Gelegenheit zum Gespräch. Das ist mir bewusst geworden, als ich dich in der Funktion als praetor aufsuchte, und ich dachte mir, dass man das ändern sollte."

    So lange kümmerte sich der Germanicus also schon um die öffentlichen Gebäude Roms, und so lange hatte man keine größere Baustelle mehr an den Tempeln und Archiven, Hallen und Basiliken gesehen. Ich konnte da den Menatier verstehen. Andererseits hatte ich das genaue Datum der Ernennung nicht im Kopf, und so gingen meine Gedanken nicht in diese Richtung, sondern in eine andere. Ganz offensichtlich fühlte sich Sedulus nämlich übergangen. Wäre ich in meinem Bestreben, etwas an den Begebenheiten für die Thermen zu ändern, weiter gekommen, so hätte ich ihn wohl aufgesucht, eben weil eine Sanierung in seinen Bereich viel. Doch zu viel mehr als einem kurzen Besuch bei Macer, der damals noch procurator aquarum gewesen war, war ich nicht gekommen. Das mit ihm verabrete Treffen hatte ich schon nicht mehr wahrnehmen müssen. "Sei versichert, dass es nicht in meiner Absicht liegt noch lag, dir deine Kompetenzen streitig zu machen", erwiderte ich daher nur. Ich wusste, dass Sedulus befreundet war mit Ursus, und auch wenn ich diese Freundschaft nicht nachvollziehen konnte, akzeptierte ich sie. Selbst Avarus war nicht so zickig wie sein jüngerer Freund.


    Dann schaltete sich Macer ein und sprach mich auf die Vernachlässigung meiner Pflichten an. Das war zwar alles andere als angenehm, aber durchaus berechtigt. Ich hätte wohl Gleiches in Erfahrung bringen wollen an seiner Stelle. "Ich vermag nicht über den Willen der Götter zu urteilen noch in der Zukunft zu lesen. Was ich aber behaupten kann, ist dass ich damals ernsthaft darüber nachdachte, die Position als auctor an jemanden abzugeben, der die Regelmäßigkeit der Nachrichtenverbreitung hätte sicherstellen können. Die auctrix ppa war mir in dieser Zeit eine große Hilfe. Sollte ich mich noch einmal in einer solchen Situation befinden, so werde ich mich für die Niederlegung entscheiden. Es soll dabei nicht unerwähnt bleiben, dass wir innerhalb der Redaktion eine kleine Vorgehensänderung planen, die allerdings noch nicht spruchreif ist." Ich schwieg kurz und entschloss mich dann für eine glatte Lüge, die hier aber niemandem auffallen würde. Immerhin gehörte es sich so für eine Ehe, und über die katastrophalen Ereignisse der letzten Zeit wusste hier niemand bescheid. "Was meine Ehe betrifft, so ist mir meine Frau, wie erwähnt, eine Hilfe, keine Last. Sie hat und wird mich in meinem Bestreben unterstützen, der res publica und den Göttern gebührend zu dienen." Um mich diesmal von meinen Pflichten abzuhalten, würde schon Pluto persönlich erscheinen und mich hinabreißen müssen. Was hoffentlich nicht eintrat.


    "Das ist korrekt, Purgitius Macer. Gestatte mir, dass ich hierzu ein wenig weiter aushole. Eine meiner Aufgaben innerhalb des collegium pontificium ist die Koordination, Überwachung und Zuteilung der Priesterlehrlinge. In diesem Rahmen lernte ich vor mehr als viereinhalb Jahren einen jungen Duccier kennen, Decimus Duccius Verus, der nunmehr selbst aedituus in Mogontiacum ist. Wir blieben freundschaftlich in Kontakt, und bereits vor dem Antritt meines letzten Ädilats berichtete er mir, dass die Stadt Mogontiacum keine Gelder für notwendige Reparaturarbeiten an vielen Tempeln der Stadt aufbringen wollte. Darunter litt das kultische Leben, was ich gerade in einer Provinz, entlang deren Grenzen Heiden leben, als kritisch betrachte. Ich habe Mogontiacum während meines Tribunats bei der legio secunda kennen gelernt und weiß in etwa einzuschätzen, wie die Bevölkerung dort auf unsere Götter reagiert. Es war mir als pontifex eine Pflicht und auch ein persönliches Anliegen, dass die Sanierungen baldestmöglich begonnen werden konnten. Mir selbst blieb dabei nicht viel mehr zu tun, denn als Mittler und Finanzier zu agieren. Decimus Verus war mir dabei eine sehr große Hilfe. Ohne sein Engagement wäre mir nicht einmal bewusst gewesen, dass die Römer Germaniens in ihrer Frömmigkeit eingeschränkt waren. Die Arbeiten begannen und endeten während meines Ädilats, und ich bin der Meinung, dass ein aedilis keinen Hilferuf solcher Art ignorieren darf.


    Nun wirst du, wie ich dich kenne, weiterhin auf der Antwort deiner Frage beharren, die mit dieser Erklärung wohl nicht gegeben ist. Deshalb werde ich deutlicher: Außer einigen diktierten Briefen, dem Interesse am kultischen Leben der Provinz und der Kostenübernahme habe ich Mogontiacum nicht weiter helfen können. Und wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, so wäre ich mit den stadtrömischen Tempeln genauso verfahren. Während der letzten Amtszeit wurde ich daran gehindert, das soll dieses Mal nicht geschehen."