Ehe sie dazu kam, etwas zu erwidern, tauchte ein Sklavenjunge auf. Minus war es nicht, und diesen hier kannte ich nicht. Ich empfand seine Präsenz als störend, immerhin wollte ich mit meiner Frau sprechen, und zwar allein. Wenn sie nicht Charis schon fortgeschickt hätte, so hätte ich dies übernommen. Der Knabe sah - denn selbst verständlich sah in den unwillkommenen Störenfired an - aus, als hätte er seit zwei Jahren keine größere tunica entsprechend seines Wachstums bekommen. Er trug einen Efeukranz, wie ich skeptisch feststellte, und balancierte eine Schale mit Feigen auf Händen, die im Verhältnis zu seinem Körper zu groß wirkte. Er trat auf mich zu und hielt mir die Schüssel entgegen, doch ich machte nur eine ärgerliche Handbewegung. "Stell das ab und dann lass uns allein", ordnete ich entnervt an und wandte mich danach demonstrativ wieder Celerina zu, die mich eben neugierig beäugt hatte. Sofort fragte ich mich, warum, aber ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Vermutlich aber war es ohnehin gleich.
Mit dem, was sie eriwderte, war mir nicht geholfen. Im Gegenteil. Keine andere Wahl hatte sie also gehabt. Ich erinnerte mich noch sehr gut an unser letztes Aufeinandertreffen, das vermutlich der Grund für ihre Flucht nach Ostia gewesen war. Die Scham, die ich darüber empfang, war längstens nicht mehr so stark wie in jener Nacht, nur mehr ein Hauch, der von dem stärker aufkeimenden Ärger überdeckt wurde wie Neuschnee ein Schlachtfeld zu überdecken vermochte. Später würde ich Trautwini zu mir zitieren und ihn befragen, das stand fest. Vorerst allerdings musste ich meinen Ärger über ihre Arglosigkeit hinunterschlucken, denn immerhin wollte ich, dass sie ihren Platz wieder einnahm und nicht übermorgen schon wieder nach Ostia verschwinden würde, oder sonstwo hin. Sicherlich war es mir anzusehen, dass ich versuchte, mich zu zügeln. Es brauchte eine Weile, dann hatte ich mich so weit unter Kontrolle, dass ich Celerina nicht mehr anschreien würde, sobald ich den Mund aufmachte. Ganz gewiss hatte sie genau das beabsichtigt, und ich dachte nicht daran, ihr zu geben, was sie wollte. Der Junge war schon längst vergessen.
"Ich will..." begann ich, besann mich dann jedoch eines Besseren und fing leicht gepresst von Neuem an. "Ich wünsche mir, dass du mich beim nächsten Mal vorher in Kenntnis setzt über deine Pläne. Du bist meine Frau, und als solche obliegt dir die Aufsicht über Haus und Hof. Du bist die Frau eines pontifex, und als solche solltest du an meiner Seite stehen bei öffentlichen Riten und Festen. Und nicht zuletzt bist du eine Flavia, und als solche solltest du nicht davonlaufen, egal vor was." Ich schwieg kurz und sah ihr in die Augen. "Oder vor wem. Also lassen wir dieses Spielchen und reden Tacheles, Celerina. Du kannst nicht einfach ohne ein Wort zu sagen abreisen und deine Pflichten vergessen!"