Heute war Laevinas großer Tag. Sie würde heiraten. Nicht irgendwen, sondern den amtierenden consul Tiberius Durus, einen Mann, denn ich sehr schätzte. Anderenfalls hätte ich ihm wohl Laevina auch nicht zur Frau gegeben. Die Räumlichkeiten waren dekoriert in den Farben unserer Familien, rot und blau und golden. Der Großteil der Feierlichkeiten würde schließlich auch hier abgehalten werden. Sämtliche Sklaven waren angewiesen, den Gästen jedweden Wunsch von den Augen abzulesen.
Der Morgen hatte für mich mit einem kleinen Frühstück begonnen. Ich aß sonst selten etwas am Morgen, heute jedoch würde es ein anstrengender Tag werden. Soweit ich wusste, sollte er überdies noch Anlass zu weiterer Gratulation bieten, ebenfalls unsere beiden Familien betreffend. Ich dachte an Orest und seine Tiberia. Bereits am Abend davor hatte ich mir ein Bad gegönnt, da Laevina praktisch das Badezimmer für den frühen Morgen der Hochzeit gebucht hatte. Nach dem Frühstück hatte ich mich ankleiden lassen. Ich trug nun eine schlichte tunica aus dunkelrotem Stoff mit Stickerei, darüber eine elfenbeinfarbene toga. Die Finger zierten diverse Ringe.
Gerade hatte ich selbst das atrium betreten, als Durus auch schon eintraf. Abgesehen von diversen Sklaven und einigen überpünktlichen Klienten der Familie war sonst noch niemand zugegen. Durus trat auf mich zu, um mich zu begrüßen, und ich erwiderte diesen neumodischen Gruß. „Durus, du bist aber zeitig“, stellte ich scherzend fest. Mein Blick streifte die Begleiter des Senators. Dem haruspex nickte ich freundlich zu. „Das kann ich mir vorstellen. Laevina wird sicherlich gleich hier erscheinen. Du weißt ja, wie die Frauen sind.“ Da fiel mir ein: Wo war eigentlich meine?