Celerina erhob sich und würde den Raum wohl gleich verlassen. Ich würde mit meinem Kopf voller Fragen zurück bleiben. Zumindest glaubte ich es, bis meine Frau sich plötzlich herumdrehte und mich anfunkelte. Plötzlich war sie also sauer. Ich war mir keiner Schuld bewusst. Sie hatte doch gehen wollen? Perplex sah ich sie an, während sie ihren Sermon herunterbetete. Als sie fragte, ob sie so abstoßend sei, runzelte ich die Stirn und wollte schon verneinend entgegnen, wie es bei solchen Fragen die Pflicht des Ehemannes war, doch Celerina sprach einfach weiter und schrammte damit an der Patina meiner Ehre entlang. Ich tat mein Äußerstes, um ihr weiterhin ins Gesicht zu schauen. Und ich verschloss meine Gefühle vor ihr. Natürlich hatte sie mich eiskalt erwischt.
Celerinas Gesicht hatte eine rote Färbung angenommen. Ich haderte mit mir, ob ich mich ebenfalls erheben sollte, denn ich war größer als sie. Doch ich entschloss mich, ihr diesen kleinen Triumph zu lassen und blieb sitzen. Stattdessen steckte ich mir eine Muschel halb in den Mund, schlürfte sie aus und legte sie mit einer Grimasse zurück auf die Platte. Ich mochte keine Meeresfrüchte, das hatte sich eben wieder bestätigt. Erst dann hob ich den Blick wieder und sah Celerina an. "Du bist nicht abstoßend. Und ich verstecke mich nicht. Aber ich habe gewisse Pflichten zu erfüllen und bin abends müde. Hättest du es lieber, wenn ich dir die Kleider vom Leib reißen und dich gleich hier auf der cline nehmen würde?" Jetzt stand auch ich auf. Konnte man diesen Disput als unseren ersten Ehestreit betrachten? Ich runzelte verstimmt die Stirn. "Gedulde dich. Ich bitte darum. Wir sehen uns heute abend zur cena", sagte ich gefasst, nickte ihr zu und machte mich dann daran, das tablinum zu verlassen.
Vermutlich dachte sie nun...ich wusste nicht was sie dachte. Dass ich meine Krankheit noch nicht zur Gänze wieder auskuriert hatte, wäre wohl noch das Angenehmste. Mir ging es selbst nicht so gut bei dem Gedanken daran, wie ich sie abspeiste. Die Müdigkeit war auch nur eine vorgeschobene Ausrede gewesen. Langsam begann diese Dreieckssituation, mir zuzusetzen.