"Findest du nicht, dass du erst einmal ordentlich Latein sprechen lernen solltest?" fragte ich Siv, und den tadelnden Tonfall vermochte ich dabei nicht aus den Worten zu verbannen. Wäre es nicht Siv gewesen, ich hätte wohl über den Mehrwert nachgedacht, den viele beherrschte Sprachen einem Sklaven verliehen. Doch so kam ich nicht auf den Gedanken und dachte eine Weile darüber nach, wie es wohl wäre, das ein oder andere griechische Gespräch mit ihr zu führen. Natürlich war wir allesamt des Griechischen mächtig, alle Aurelier, darauf hatten unsere Eltern Wert gelegt, und so war es gewesen, so lange ich zurückdenken konnte. Allerdings war mein Sprachvermögen inzwischen wohl bereits so sehr eingerostet, dass ich eine Weile brauchen würde, um wieder hineinzufinden. Vielleicht sollte ich öfter in der Küche vorbeisehen, bei Niki.
"Eindrucksvoll, beeindruckend, faszinierend", half ich Siv aus, als sie sich verhaspelte und nicht weiter wusste. "Ich habe nichts dagegen, dass du lernst, solange es nicht nur Schimpfwörter sind, heißt das. Und so lange du dich nach wie vor anstrengst, gutes Latein zu sprechen. Vor anderthalb Jahren warst du noch kaum zu verstehen", sann ich laut vor mich hin. "Hier ist so viel Wissen? Seltsam. Mir kommt es vor, als berge Rom weniger Wissen als viele andere Orte. Aber das ist wohl relativ... Gibt es denn irgendetwas, das dich besonders interessiert?" wollte ich von ihr wissen.
Jedenfalls erst mal also. Ich schwieg, zupfte mir eine Haarsträhne Sivs, sah darauf hinunter und drehte sie zwischen den Fingern. Wieder dachte ich an Aquilius und daran, dass die Situation mit ihm und seiner Sklavin ähnlich war. Sie war nun eine liberta, ihr Kind hatte die Möglichkeit, sich das Bürgerrecht zu verdienen. Ich wollte nicht, dass mein Sohn zugleich auch mein Sklave war. Es galt, sich zu entscheiden, ehe er das Licht der Welt erblickte. Doch etwas hielt mich zurück. Was, wenn sie doch ging, wenn ich sie entließ?