Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    "Piraten!" entfuhr es mir. Ich dachte an die Nordwind. Das musste Ironie des Schicksals sein, ausgerechnet vor ein paar Wochen das Schiff eingeweiht zu haben. Ich schüttelte den Kopf und hörte dem Sklaven zu, der erzählte und doch kaum Informationen verlor. Eines allerdings war doch interessant: Man hatte einen der Piraten gefangen und in den Kerker geworfen. "Kennst du den Namen des Offiziers, der für ihre Rettungverantwortlich zeichnet?" erkundigte ich mich bei dem flavischen Sklaven. Man musste sich revanchieren. Das gehörte zum guten Ton, und ich war nicht gewillt, davon abzusehen.


    Im Geiste versuchte ich mir auszumalen, wie meine Verlobte aussehen mochte. Wenn schon der Sklave - zwar loyal, aber immerhin - erwähnte, dass die Angelegenheit nicht spurlos vorübergegangen sein mochte an Celerina... Vielleicht war es gut, mit meinem Besuch noch ein paar Tage zu warten. Ich konnte ihn mit dem geplanten Besuch bei Gracchus verbinden, überlegte ich, und dann sehen, ob sie mich empfangen wollte. Frauen waren schließlich eigen, was das betraf. Das merkte ich stets an meinen Basen und Nichten - sie zeigten sich nur, wenn sie sich als gesellschaftsfähig erachteten. Da konnte Mann schon einmal in Verzweiflung geraten, weil man so lang warten musste.

    Sie lebt. Ich blinzelte den Sklaven an. Der Junge war vergessen. Celerina lebte. Sie war nicht zu schwarzer Schlacke verbrannt. Wir waren noch immer verlobt. Ich sagte nichts. Keine Regung spiegelte sich auf meinem Gesicht wieder, von grenzenloser Überraschung einmal abgesehen. Glücklicherweise waren die clines gleich in der Nähe. Ich musste mich setzen. Dann sah ich den Sklaven an, der nun größer war als ich. "Wie...geht es ihr?" wollte ich wissen. Allmählich durchdrang mich die Logik wieder. Eine Menge Fragen stellten sich mir. "Wie ist das möglich? Und was hat die classis damit zu schaffen? Wo war sie die ganze Zeit über? Und was ist ihr überhaupt widerfahren?" Fragen an Fragen reihten sich in meinem Kopf aneinander. Von Missbilligung war nun keine Spur mehr. Vielmehr stellte diese Nachricht meine eben erst mühselig geordnete Welt wieder einmal auf den Kopf.

    Der Junge erwischte mich, als ich gerade mit einer Schriftrolle auf dem Weg ins tablinum war. Eigentlich hatte ich mich gemütlich setzen und lesen wollen, doch ob des schlechten Scherzes war meine verhältnismäßig gute Laune gleich wieder dahin. Ich fuhr den Jungen an und drohte ihm damit, ein ganzes Jahr Latrinendienst zu haben, sollte er sich je wieder zu einer solch dreisten Lüge hinreißen lassen. Erschrockene, doch ehrliche Kinderaugen starrten mich an, als der Knabe mir versicherte, keinen Schabernack mit mir zu treiben. Es wartete wirklich ein Botschafter aus der villa Flavia auf mich, und er sollte angeblich tatsächlich eine Nachricht von Flavia Celerina haben. Skeptisch musterte ich ihn, drückte ihm dann die Schriftrolle in die Hand und ging nachsehen. Innerlich schwor ich mir, den Jungen deftig zu strafen, sollte er wahrhaftig gelogen haben.


    Doch es stand wahrhaftig ein fremder Sklave im atrium. Ich verschwendete keine Worte an einen Gruß, sondern ging wortlos auf den Sklaven zu. "Du hast eine Nachricht für mich?" fragte ich ihn unhöflich. Ich hatte es noch nie leiden können, wenn man Schabernack auf die niederträchtige Art mit mir trieb, und dies war hier wohl ganz offensichtlich der Fall.

    "Vermutlich ist deine ablehnende Haltung dem Museion gegenüber auch außerhalb Roms bekannt, Germanicus Avarus", erwiderte ich leicht sarkastisch. "Mir ist zugegebenermaßen auch nicht bewusst, inwieweit das Museion die Finger im Spiel hat bezüglich der ägyptischen Politik - ich dachte bisher immer, die Ekklesia abzunehmen ist nicht Aufgabe des Museion?" Das war in der Tat ein Faktum, von dem ich sonst nichts weiter wusste. Ich war stets der Annahme gewesen, das Museion sei eine Art eigenständige schola gewesen, nur eben ohne die weitreichenden Befugnisse der großen Schwester in Rom, der schola Atheniensis.


    "Germanicus Sedulus, du magst mit deinen Worten recht haben. Allerdings nur dann, wenn sich ein Mann gleich zu Beginn für den politischen Weg entscheidet. Jemand, der diesen Weg erst im Herbst seines Lebens gehen möchte, würde es mit großer Wahrscheinlichkeit schätzen, wenn Kurse in seiner Heimat angeboten werden und er nicht durch das halbe Reich reisen muss, um sich die Voraussetzungen für eine Kandidatur zu erarbeiten."

    Während Trautwini irgendwo hinter mir vergnügt gluckste, vermutlich Sivs Gemurmels wegen, räusperte sich Brix ab und an dringlich, ganz so, als wollte er auf irgend etwas hinweisen, was ihm missfiele. Ich selbst hatte indes nicht die Muße, den anderen zuzuhören, und konzentrierte mich daher voll und ganz auf Charis und den Händler. Jetzt war es an der Zeit, kritisch zu schauen. "Zweitausend. Sonst befindest du dich wohl?" brummte ich. Gleich darauf beantwortete Charis allerdings meine Fragen zu meiner Zufriedenstellung, sodass ich mich nicht abwandte und ging, sondern noch blieb und überlegte. Der Händler redete mir noch einmal ins Gewissen, und gerade wollte ich etwas erwidern, als Siv hinter mir einen Aufstand machte, dass ich mich umwandte. Brix hatte sie nun nicht mehr nur am Arm ergriffen, sondern auch an einer Schulter und sah sie eindringlich an.


    Mein Germanisch war zwar grottenschlecht, aber einige Worte verstand ich dennoch, auch wenn sie kaum einen Sinn ergaben. Siv redete von ihrem Garten und Wünschen, die sie brauchte. Oder so ähnlich. Mit gerunzelter Stirn schickte ich ihr einen missbilligenden Blick - manchmal bekam ihr die Schwangerschaft wohl doch nicht so sehr - und wandte mich dann wieder um. "Sagen wir eintausendeinhundert. Nähen und massieren sind Tätigkeiten, die jeder Sklave kann. Das Kräuterwissen ist mir bestenfalls elf aurei wert", schlug ich dem Sklaventreiber vor.

    Ich wusste nicht warum, doch der ungläubige Blick Ursus' löste in mir eine beachtliche Zufriedenheit aus. Vermutlich glaubte mein Neffe nicht, dass ich mir etwas aus Sport machte - oder er hielt mich schlichtweg für zu alt um noch an einem solchen Wettkampf teilzunehmen. Wollte ich diese Annahme auf mir sitzen lassen? Ich bedachte Ursus mit einem verwegenen Schmunzeln. Hah!


    "Dann wäre das also geklärt. Wann willst du los, Louan? Und wäre es dir überhaupt recht, wenn wir uns einklinken? ...sofern Titus überhaupt den Mumm dazu hat, heißt das", stichelte ich und drückte auch den Ellbogen leicht in Ursus' Rippen. Inzwischen hatten Louan und Caelyn eine kleine Meinungsverschiedenheit, von der ich allerdings nicht allzu viel mitbekam, da Sivs Worte mich beschäftigt hielten. "Darüber reden wir noch, Siv", sagte ich und machte damit deutlich, dass ich nicht sonderlich viel davon hielt, wenn sie mitfuhr. Allerdings sah ich nun auch schon die Schwierigkeit, dass ich es ihr schlecht würde verbieten können, wenn sonst die halbe Sklavenschaft mitfuhr. "Lasst uns das mal überschlagen... Louan, Caelyn, Alexandros... Titus? Und ich, das wären fünf. Nuala, möchtest du auch mit? Manius hat sicher nichts dagegen. Du könntest ihn fragen, ob er nicht selbst auch mitkommen möchte." Wir wären also maximal acht", resümierte ich mit Blick auf Siv, die ich - natürlich nur rein vorsorglich - mit eingerechnet hatte. "Die villa sollte soweit eigentlich in gutem Zustand sein. Ich hatte sie längstens verkaufen wollen... Aber es hat sich noch kein Interessent gefunden", erzählte ich Titus. Im nächsten Moment blitzte der Schalk in meinen Augen auf. "Allerdings fahre ich nur unter einer Bedingung mit", verkündete ich und konnte das Grinsen nur halb verbergen. "Ihr dürft mir nicht böse sein, wenn ihr gegen mich verliert." :D

    Ich gab es auf. Siv verhedderte sich in zu vielen Kleinigkeiten, als dass ich sie noch nebenbei hätte berichtigen können, also ließ ich es ganz bleiben und begrunb den eben erst geborenen guten Vorsatz gleich wieder. Ich war stets der Annahme gewesen, dass sich Sklaven viele Geschichten - und Gerüchte - erzählten, wenn sie abends in ihrer Unterkunft lagen und den Tag ausklingen ließen. Siv blieb dies verwehrt, sollte es des Abends wirklich so zugehen in diesem Hause, da sie längstens nicht mehr bei den anderen schlief, sondern in der Kammer nebenan.


    Dass sie nicht besonders begeistert war von meiner ausweichenden Antwort, konnte ich spüren, auch wenn ich ihr Gesicht ob ihrer Lage nicht einzusehen vermochte. Und dass sie eine Rückfrage stellte, war eigentlich klar gewesen. An das Eingeständnis dachte ich nicht, der Gedanke war mir nicht einmal gekommen, obwohl er logisch gewesen wäre. Und Siv war nicht dumm, sie wusste, welche Vereinbarung ich mit Cadhla getroffen hatte, seinerzeit, und sie bot mir das gleiche an. Mit dem Unterschied, dass sie es für das Kind tun würde und nicht für sich. Auf ihre Worte hin entstand eine drückende Pause. Was sollte ich auch sagen? Ich hatte nicht vor, Siv arbeiten zu lassen, nur damit das Kind - mein Kind - nicht das Dasein eines Sklaven würde fristen müssen. "Ich werde darüber nachdenken", entgegnete ich ihr. Das war relativ knapp angesichts der Situation, zu mehr konnte ich mich allerdings nicht durchringen. Die Nachricht Celerina betreffend hatte mich erst vor kurzem erreicht und das Kind würde überdies erst in einigen Monaten geboren werden. Bis dahin würde ich mich entschieden haben, doch vorerst galt es, andere Dinge zu regeln - und mir darüber klar zu werden, ob ich überhaupt heiraten sollte und wenn ja, wer in Frage kam. Das von Siv geschilderte "Problem" allerdings spukte mir noch im Kopf umher. Ich dachte darüber nach, sagte dann etwas dazu. "Früher oder später wird es ohnehin bekannt werden, zumindest hier im Haus. Es dürfte den anderen nicht schwer fallen, zu bemerken, dass du bei niemandem sonst liegst. Ich würde den Moment gern noch etwas hinauszögern, das dürfte für dich auch angenehmer sein. Ich weiß nicht, wie du sonst behandelt wirst."

    "Ohne Fehler zu machen", erwiderte ich an der passenden Stelle und ließ sie weiterreden. Küchensachen also. Das war es, was sie auf Griechisch verstehen konnte. Ich runzelte die Stirn, Siv versicherte, sie würde weiterhin Latein lernen wollen. Wie allerdings das Griechische ihr beim Latein helfen sollte, war mir schleierhaft. Doch auch das erklärte sie kurz darauf, auch wenn ich die Argumentation nicht sehr schlüssig fand. Nun ja, sollte sie damit weitermachen. Zumindest würde es ihr nicht schaden, sie bestenfalls sogar auf andere Gedanken bringen.


    Bezüglich der anstehenden Saturnalien waren die Informationen natürlich Gold wert, die Siv mir im Anschluss an meine Frage gab. Dass sie die Natur mochte, wusste ich bereits, immerhin teilten wir diese Passion zumidnest in Bezug auf extraordinäre Pflanzen. Dass sie Geschichten und Sagen mochte, war mir neu. Damals - es musste gut ein Jahr her sein - im Garten, kurz nach den Saturnalien, hatte ich ihr von dem Sohn des Pegasos erzählt. Die Geschichte hatte ihr gefallen, das war mir nicht verborgen geblieben, doch dass sie sich darüber hinaus für solcherlei Dinge begeisterte, war neu für mich. Dass sie auch verschiedene Sprachen mochte, nahm ich ebenso kurz Kenntnis, und was auf Papyrus steht verwunderte mich ein wenig. "Wie meinst du das? Welchen Papyrus meinst du?" hakte ich nach.


    "Ja, daran kann ich mich gut erinnern. Ich wusste gar nicht, dass du solche Geschichten gern hörst." Damals, das war eine verwunschene Nacht gewesen. Eine der wenigen Erinnerungen, die ich gut verwahrte und an die ich mich gern zurückerinnerte. Sivs Worte, das Kind betrefffend, drängten die Erinnerung wieder in den Hintergrund. Was er machte, in fünfzehn Jahren. Ich hoffte, er würde es zu mehr gebracht haben als dazu, irgendwem Wein zu servieren oder die toga zu richten. Wieder hingen meine Gedanken nun bei dem Kind fest. Zumindest würde es hier im Haus einfacher werden, wenn keine Ehefrau da war, vor der man gewisse Dinge verbergen wollte, dachte ich und seufzte leise. Siv bettete ihren Kopf auf meiner Schulter, und ich schob einen Arm unter ihr hindurch und hielt sie so an meiner Seite. Die Strähne hatte ich losgelassen. Bei ihren nächsten Worten schluckte ich. Was sollte ich darauf antworten? "Ich weiß noch nicht", antwortete ich ausweichend. Schweigen. "Du solltest die Artikel nicht immer verschlucken. Sie gehören dazu", lenkte ich ab.


    Ad
    Titus Decimus Verus
    classis Misenensis in Misenum
    ITALIA



    Senator M. Aurelius Corvinus centurioni T. Decimo Vero s.d.


    Ich habe deinen Brief erhalten und über dein Anliegen nachgedacht. Jedoch wirst du verstehen müssen, dass ich nicht guten Gewissens für dich sprechen kann, wo ich kaum mehr als die Tatsache erwähnen könnte, dass du für die Befreiung meiner Verlobten verantwortlich zeichnest.


    Du schreibst zudem, dass Annaeus Florus sich bereits eingesetzt habe für dich. Ich möchte mich ungern in Angelegenheiten einmischen, die bereits auf den Weg gebracht worden sind. Überdies weiß ich nichts über den aktuellen Status deines Antrags. Daher halte ich es für das Beste, wenn du selbst deinen Präfekten noch einmal darauf ansprichst. Sollte es hier zu Komplikationen kommen, die dein Patron nicht positiv beeinflussen kann, biete ich dir an, selbst einmal mit Annaeus Florus zu sprechen und nachzuhaken.


    Mehr kann ich in diesem Falle leider nicht tun, was du gewiss nachvollziehen kannst.



    Mögen die Unsterblichen dich behüten.


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    ROMA, KAL IAN DCCCLIX A.U.C. (30.12.2008/105 n.Chr.)


    Ich schämte mich ein wenig dafür, hätte es jedoch um keinen Preis verraten oder zugegeben - ich war irgendwie froh, dass es kühl wurde und Celerina aufbrechen wollte. Das Unterfangen Verlobung war damit zu einem erfolgreichen Abschluss geführt worden, auch wenn einige Dinge den gleißenden Glanz Celerinas ein wenig verdeckten, wobei ich an diesen Sergier dachte. Sollte er mir jemals unterkommen, würde ich passende Worte finden, überlegte ich mir - und stellte im gleichen Augenblick fest, dass dies auch eine Art von Eifersucht war, wenngleich sie auch nicht Celerina als Person betraf. Ein wenig zerstreut stand ich dann also auf und reichte ihr die Hand, um sie zurück zur Sänfte zu geleiten. "Ich werde dich natürlich nach Hause geleiten", erbot ich mich.


    In einen Teil der wartenden Sklaven war Leben gekommen, einige von ihnen entzündeten Fackeln und nahmen entlang des Weges Aufstellung, damit keiner von uns stürzen und sich womöglich noch das Genick brechen würde. Mit Celerina an der Hand erklomm ich die Stufen, half ihr alsdann, in die Sänfte zu steigen. Ich überlegte - sollte ich mich zu ihr setzen? Groß genug war das Gefährt. Eine Eigenschaft, die ich gar nicht bedacht hatte, und für die Brix wohl Sorge getragen hatte. Kurzentschlossen gesellte ich mich zu Celerina, und als die Träger die Sänfte aufhoben, uns fort von den bereits aufräumenden Sklaven und der erleuchteten Stadt entgegen trugen, griff ich erneut nach ihrer Hand, weil es sich so gehörte.


    Wohlbehalten und ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir schließlich den Quirinal, und letztenendes auch die villa der Flavier, wo die Sänfte abgesetzt wurde und ich meinen Weg allein in der Sänfte fortsetzte, nachdem Celerina und ihre Sklavin das Haus betreten hatten. Nun war ich also mit einer Flavia verlobt. Die Götter allein mochten wissen, was noch auf mich zukommen würde.



    ~ finis ~

    Der cursor, der diesen Brief und das kleine Beutelchen überbrachte, ahnte nichts davon, in welcher Verfassung das Dokument verfasst worden war - oder unter welchen Umständen. Denn derjenige, der das Siegel unter seine Unterschrift gesetzt hatte, war zwar einerseits hoch erfreut, dass Celerina noch lebte, doch angesichts besonderer Umstände hatte die bekannte Zögerlichkeit in Bezug auf eine bevorstehende Hochzeit nun wieder an unignorierbarer Präsenz gewonnen.




    Ad
    Titus Decimus Verus
    classis Misenensis in Misenum
    ITALIA



    Senator M. Aurelius Corvinus centurioni T. Decimo Vero s.d.


    Leider war es mir bisher nicht gegeben, dich persönlich kennenzulernen, Decimus, doch möchte ich dir und auch deinen Männern auf diesem Wege für die Errettung meiner Verlobten Flavia Celerina danken. Der beiliegende Beutel enthält eine kleine Aufmerksamkeit und ich bitte dich, sie anzunehmen. Sollte es sonst etwas geben, womit ich mich bei dir erkenntlich zeigen kann, so zögere nicht, es mich wissen zu lassen.


    Mögen die Unsterblichen dich behüten.


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    ROMA, KAL IAN DCCCLIX A.U.C. (29.12.2008/105 n.Chr.)




    Sim-Off:

    WiSim

    Auf dem Weg hierher hatte ich Trautwini angewiesen, draußen zu warten. Es oblag Gracchus, darüber zu befinden, ob Celerina bereits Besuch empfangen konnte. Die Götter allein wussten, welche Tortur sie erlitten haben musste, und mir selbst war schon nicht einmal die Hälfte der Tatsachen bekannt, die sie hatte erdulden müssen, einmal ganz abgesehen von den Umständen, in die sie wohl in die Fänge der Piraten gekommen sein mochte.


    Als der Sklave die Hand hob, um die Tür zu öffnen, fiel mir auf, dass ich bisher niemals in Gracchus Arbeitszimmer gewesen war. Ich vermutete, dass er in diesem Raum ebenso wenig Wert auf Pomp und dekorative Elemente legte wie ich selbst. Allzu leicht verfing sich ein schweifender Blick auf diesem oder jenem Accessoire, was unweigerlich dazu führte, dass die Gedanken fort drifteten und die Konzentration nachließ, und ebendies galt es schließlich zu vermeiden in einem Arbeitszimmer. Gracchus selbst schien beschäftigt. Inmitten seines Heiligtums sitzend, sortierte er wohl unwichtige Dokumente aus wichtigen, denn gerade fand ein durch die Knicke des Knüllens unbrauchbar gewordenes Pergamentblatt seinen Platz ganz am Rande des Schreibtisches. Trautwini wartete vor der Tür auf den Sklaven, damit dieser ihm erlaubte, in der culina wiederum auf mich zu warten. Der Raum entsprach, wie ich feststellte, im Großen und Ganzen meinen Erwartungen, was man von der Anrede indes nicht sagen konnte. Im Geiste hakte ich es allmählich ab, jemals eine Art gemeinsamer Interessensübereinkunft mit Gracchus treffen zu können, und nahm mir vor, ihn zukünftig ebenfalls ganz unpersönlich anzusprechen, komme was da wolle. Vermutlich würde es mit der Hochzeit sich ändern, doch wenn, so würde dieser Schritt nicht von mir ausgehen.


    "Flavius, ich danke dir, dass du ein wenig Zeit erübrigen kannst. Ich hoffe, du befindest dich wohl und bist bisher vom allgemein üblichen Saturnalienstress verschont worden", grüßte ich höflich zurück und nahm auf dem Stuhl Platz, der mir gewiesen wurde. "Es sind mehrere Dinge, wegen der ich gekommen bin. Natürlich bin ich froh, dass es meiner Verlobten wider Erwarten gut geht, und ich würde sie im Anschluss an unser Gespräch gern besuchen, wenn du denkst, dass ihr Zustand es erlaubt. Die anderen Dinge involvieren eigentlich Caius, doch scheint er sich momentan nicht in Rom aufzuhalten?

    "Ich danke dir", erwiderte ich auf die Worte des grimmigen ianitor hin und folgte dem Sklaven, der uns ins atrium führte. Kaum einen Blick aus dem conpluvium hinaus konnte man erhaschen, da kam bereits ein Bote vom Hausherren, der einige Worte mit dem Sklaven wechselte. Kurz darauf wurden wir auch schon weiter zu Gracchus' Arbeitszimmer geführt.

    Was nun genau mit der zweiten Schriftrolle war, wusste ich nicht, doch die erste wäre durchaus tauglich für eine Veröffentlichung. "Du bist in der villa Tiberia wohnhaft? Wegen der Entlohnung und einem Gratisexemplar der Acta, meine ich." Viel würde es für den kurzen Absatz war nicht geben, aber selbst wenig war manchmal besser als nichts. Und vielleicht würde er sich dann auch die Reinigung seines Umhangs leisten können, überlegte ich ein wenig schadenfroh und mit Blick auf die staubigen Flecken.


    "Die Spiele? Die Olympischen meinst du? Leider nein. Aber ich durfte einmal dem Spektakel der Pythischen Spiele in Delphi beiwohnen. Das war schon ein großes Ereignis." Während des ersten Drittels war ich beinahe eingeschlafen. Musischer Wettstreit gehörte nicht unbedingt zu meinen Interessensgebieten. Die Pferde- und Wagenrennen, die sich daran angeschlossen hatten, waren zum Glück um einiges interessanter gewesen. Damals hatte ich eine Menge Geld an einen Studienkameraden verloren, erinnerte ich mich. "Warum fragst du?"

    "Richtig. Am besten fragst du dort einen Beamten nach dem kleinen Heiligtum. Und dort legst du dann den ius iurandum ab", bestätigte ich und fuhr nach einem vielsagenden Seitenblick auf zwei weitere wartende Klienten hin fort. "Du könntest mich auch im Anschluss dorthin begleiten, aber das wird noch ein wenig dauern, fürchte ich."


    Die beiden Anliegen, bei denen ich in der Pflicht gewesen war, waren damit nun abgehakt. Ich nahm erneut einen Schluck Wein. "Und wie ist es dir ergangen in der letzten Woche? Haben die Freunde deiner Familie es gut aufgefasst, dass du bald ausziehen wirst?" fragte ich. "Bei mir selbst gibt es eigentlich nicht viel Neues. Ah, ich wollte dich noch zu einer cena während der Saturnalien einladen, sofern du noch nichts vor hast."



    Sim-Off:

    Du kannst da gleich den Eid ablegen und musst auf niemanden warten, es sei denn, du möchtest das größer ausspielen. Dann kann ich dir einen NPC schicken oder selbst mitgehen, da richte ich mich ganz nach dir.


    Die Saturnalien betreffend schicke ich dir dann einen Link per PN, sobald wir mit dem Aussimmen begonnen haben - bisher sind wir noch beim "Vorspiel". :)

    Ohnehin hatte ich die villa - oder vielmehr Gracchus - aufsuchen wollen, doch hätte dies vielleicht noch Zeit bis nach den Saturnalien gehabt, wenn nicht am Morgen des heutigen Tages ein Bote mit einer Nachricht in die villa geschneit wäre und von der weitgehenden Unversehrtheit Celerinas gekündet hätte. So beschloss ich, Gracchus schon jetzt aufzusuchen und mit diesem Besuch auch einen Besuch bei meiner Noch- oder Wieder-Verlobten zu verbinden, wenn man es denn so bezeichnen mochte. Natürlich war ich froh gewesen, dass Celerina das Schicksal nicht ereilt hatte. Allein die Götter mochten wissen, was sie durchzustehen gehabt hatte.


    Trautwini, den ich bei mir hatte, klopfte, und nachdem er dies getan hatte, wechselte er ein kleines Blumenbukett vom rechten in den linken Arm. Den mürrischen Türsklaven kannten wir beide bereits, und Trautwini besaß nicht die Mentalität, sich eingeschüchtert zu fühlen. "Salve! Der Senator und septemvir Marcus Aurelius Corvinus wünscht den Senator und pontifex Manius Flavius Gracchus zu sprechen, wenn er denn zugegen ist und Zeit erübrigen kann."