Die Saturnalien standen an. Problematisch war, dass ich bisher kaum Ideen hatte. Für eine Hand voll Sklaven hatte ich kleine Einheitsgeschenke besorgen lassen. Die wichtigeren unter ihnen und natürlich die Familie erforderten allerdings, dass ich mich selbst umsah, um mir Anreize zu holen. Deswegen hatte ich bereits den halben Vormittag auf dem Markt verbracht, Brix, Trautwini und Siv im Schlepptau. Die beiden Sklaven hielten sie ein wenig zurück, trugen die Einkäufe und beobachteten die Umgebung. Siv trug nichts, darauf hatte ich bestanden. Für Avianus und Prisca war ich bereits fündig geworden, Ursus bereitete mir Kopfzerbrechen. Gerade suchte ich nach passenden Dingen für die Mädchen.
"Herr! Schau hier, mein Herr, diese wunderschönen Schminkspiegel, damit wirst du das Herz jeder Frau entzücken können!" Ich wandte mich zwar nach dem begeisterten kleinen Mann um, der die Hände mit runden Spiegeln emporreckte, doch seine Anpreisung stieß mich eher ab, also ging ich weiter des Weges. Aus allen Ecken erklangen Angebote und Werbung, hier wollte jemand handgesponnene Strümpfe verkaufen, dort jemand Schutzamulette, anderenorts versuchte eine Frau, leise klingende Gürtel aus goldenen Plättchen zu verkaufen. Letzteres klang interessant. "Lasst uns mal dort schauen", wies ich die anderen an und strebte in die Richtung der Gürtelverkäuferin. Sie hatte ihren Stand nahe des Übergangs zum Sklavenmarkt aufgebaut. Vor der Auslage stehend, drangen Wortfetzen herüber. Titus Tranquillus verkaufte ebenfalls wieder und lieferte sich ein lautstarkes Duell mit einem Händler, dessen griechischer Akzent deutlich herauszuhören war.
"Mein Herr?" Ich blickte irritiert auf und in das Gesicht der pausbäckigen Marktfrau, die mir einen der Gürtel entgegen hielt. Offensichtlich hatte sie mich bereits mehrere Male angesprochen und blinzelte mich nun fragend an. "Ah. Ja, den nehme ich", erwiderte ich, nachdem ich die Finger über die filigrane Schmuckarbeit hatte gleiten lassen. "Gern. Darf ich dir vielleicht noch diese Armreifen empfehlen? Sie werden aus jeder Frau eine grazile Tänzerin machen!" Fragte sie, als sie den Gürtel einpackte. "Meine Base soll nicht wirken, als sei sie dem zwielichtigen Milieu entsprungen", gab ich trocken zurück, woraufhin die Verkäuferin schwieg. Ich überließ Siv das Zahlen und Brix das Tragen, hatte mich bereits wieder abgewandt und ging nun auf die Ecke der Märkte zu, in der die Sklaven veräußert wurden. Siv, Trautwini und Brix fielen ein wenig zurück.
"Ich weiß echt nicht, warum ich Zeug tragen soll. Ich bin Leibwächter, kein Träger! Siv, wieso trägst du nicht auch mal was?" maulte Trautwini auf Germanisch, als die Frau ihm das Päckchen zu den anderen auf die Arme legte. "Wenn der Herr jetzt angegriffen wird, dann muss ich erst die ganzen Pakete wegwerfen, ehe ich den Dolch ziehen kann. Er sollte es wirklich besser wissen... Gerade auf die Senatoren sieht man es doch heutzutage ab. Ich mein, wenn nicht die, wen sollte man denn sonst überfallen wegen des Geldes?" "Ich frag mich eher, ob er schon wieder eine neue kaufen will", bemerkte Brix und deutete mit dem Kinn nach vorn, wo ich vor einem Käfig stehen geblieben war und eine Sklavin musterte, die ein wenig an Siv erinnerte.