Na, das wollte ich auch hoffen, dass er nicht mehr stehlen wollte als Zeit. Sonst würde er vermutlich auch nicht weit kommen, schließlich hatten wir Hunde hier, und im Falle eines Diebstahls würde ich nicht zögern, sie auch auf einen Patrizier hetzen zu lassen. Ich nahm also Platz. Dass er Caius Columnus' Bekanntschaft gemacht hatte, sollte mich nicht verwundern, da dieser tolldreiste subauctor beinahe überall seine Finger im Spiel hatte. Allerdings verwunderte es mich doch, auch wenn es erklärte, warum der subauctor nicht unbedingt über Gartenbau und Mythen hatte reden wollen und den Tiberier daher hierher geschickt hatte. "Die Acta freut sich natürlich stets über aktive Mitarbeit aus der Bevölkerung. Darf ich fragen, woher du das Wissen in deinen Arbeiten bezogen hast? Und worum es sich genau handelt?" Als ein Sklave auch mir etwas zu trinken anbieten wollte, schüttelte ich nur den Kopf, woraufhin er wieder zurücktrat.
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Den Kommentar hatte ich wohl gehört, doch erachtete ich es nicht als nötig, nochmals darauf einzugehen. Es musste genügen, meine Worte waren Hinweis genug gewesen, dass mir diese Angelegenheit missfallen hatte. Und ihr Gebaren war mir zudem genug der Reue, so dass ich das Thema nicht mehr anschnitt. Vorerst.
Kaum, dass Celerina die ersten paar Worte gesprochen hatte, musste ich schmunzeln. Warum erschien es mir nur logisch, dass sie an etwas Außergewöhnliches dachte? In allen Dingen, die ich bisher in bezug auf Celerina erfahren hatte, war stets das Unerwartete durchgeschienen. "Wurde dieser Garten nicht Epicharis' Familie wegen gewählt?" fragte ich nach. Ich meinte, sie hätte einmal etwas Dahingehendes erzählt, doch ich konnte mich genauso gut irren. Eine Feier auf einem Landgut klang nicht schlecht, allerdings warf das eine Frage auf. "Wir sollten zunächst überlegen, ob es ein familiäres Fest oder eine größere Angelegenheit werden sollte. Von unseren Gästen können wir schwerlich verlangen, allzu weit zu reisen. Zudem würde sich der Brautzug vermutlich als schwerlich erweisen. Leider ist das auch bei meiner Idee der Fall.... Ich habe vor einiger Zeit den Bau einer corbita in Auftrag gegeben, mein maiordomus versicherte mir, dass sie sogar rechtzeitig fertiggestellt werden würde. Was meinst du, Die Opferriten und das Festmahl könnte man doch auf See einnehmen. Der Brautzug würde dann nur ein wenig länger ausfallen als üblich, wenn wir in Ostia anlegen und zurück nach Rom ziehen."
Ein Sklave trat zögerlich heran, in seinen Händen ein Tablett mit Krügen. Ich ließ Celerina erneut den Vortritt und wählte dann selbst unverdünnten Wein aus, den der Sklave mir einschenkte, während mir bereits eine neue Frage in den Sinn kam. "Möchtest du die sponsalia feiern? Angesichts der bevorstehenden Saturnalien würde ich fast sagen, wir verzichten darauf."
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Wäre es nicht ohnehin schon offensichtlich gewesen, wie wenig es Siv kümmerte, dass Celerina verbrannt war, so hätte ich es spätestens dann bemerkt, als sie ihren Blick in jeden erdenklichen Winkel des Raumes schweifen ließ, nur um micht nicht mit ihrem ehrlichen Blick anzusehen. Und als sie es dann tat, ließ ich meinen Blick fallen, betrachtete die im Zwielicht gräulich erscheinende Haut ihres Halses und seufzte leise. "Ich glaube nicht, dass ich irgendwann heiraten werde", sagte ich schließlich und blickte Siv dabei wieder an. "Deandra ist auch tot. Dieser Claudier hat es erzählt. Und ich habe es nicht einmal mitbekommen. Sie waren beide mit mir verlobt", erzählte ich mit belegter Stimme. Die Götter konnten also nur etwas dagegen haben, dass ich heiratete. Etwas anderes war gar nicht möglich. Obgleich ich mich natürlich fragte, warum sie ausgerechnet mir solche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen sollten, ich war nur eines der kleineren Lichter des Staates. Und dennoch schien ich ihr Missfallen erregt zu haben.
Melancholisch war mir zumute, vermutlich konnte ich auch deswegen nicht schlafen. So zupfte ich nach einer Strähne des goldenen Haares und drehte sie zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her, ohne mir wirklich dessen bewusst zu sein. "Es ist so schwer, alles richtig zu machen. Titus und Tiberius sind mir gram. Manius vertraut mir nicht. Glaube ich. Er hat sich wohl in diese Tiberia verguckt... Prisca wird bald heiraten und hoffentlich glücklich werden. Severa und Laevina sind noch beinahe Kinder, so unbeschwert. Minervina zieht sich immer weiter zurück. Und Helena schreibt mir nicht mehr seit ich sie fortgeschickt habe. Was mache ich falsch, Siv?"
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"Wie?" "Ja, ich habe mir gestattet, einfach einen Termin festzusetzen. Und heute stand nichts in deinem Kalender, deswegen erschien es mir günstig, diesen Tiberier für heute herzubestellen." "Aha." Wenig begeistert darüber, dass der erste freie Vormittag seit rund einer Woche einfach verplant worden war, seufzte ich. Pyrrus runzelte die Stirn und sah mich fragend an. Hin- und hergerissen spielte ich mit dem stylus und dachte nach. "Und ein Verschieben ist nicht mehr möglich, nehme ich an", bemerkte ich lakonisch. "Nein, er wartet bereits im atrium." Strafend sah ich Pyrrus an, seufzte erneut, diesmal tiefer. "Was will er überhaupt? Und wer ist das?" "Faustus Tiberius Dolabella, nicht gerade bekannt, Neumitglied der Aurata, frisch angestellt im Kaiserpalast und entfernter Verwandter von Tiberius Durus." "Wie weit entfernt?" fragte ich, Pyrrus mit zusammengekniffenen Augen musternd. "Äh, sehr entfernt, Senator. Und er kommt wegen der Acta." "Hm. Nun denn." Da blieb mir wohl keine Wahl. Ich seufzte noch ein drittes Mal, dann erhob ich mich. Eine toga trug ich nicht, ich hatte mich heute für eine schlichtweiße tunica entschieden, doch seitlich darüber trug ich einen schmucken Faltenwurf in dunklem Tannengrün.
Als ich das atrium betrat, hatte man dem Besucher bereits einen Platz gewiesen und ihm etwas zu trinken angeboten. Ich setzte einen etwas freundlicheren Gesichtsausdruck auf. "Salve, Tiberius."
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Natürlich war es ihr peinlich. Wenigstens das. Einen Moment erfüllte mich Genugtuung, doch im nächsten war sie schon wieder verflogen. Auf die Idee, sie jemals damit erpressen zu können, kam ich erst gar nicht. Wie auch, wo doch - wie ich glaubte - halb Rom von diesem allzu offensichtlichen Fehltritt Kenntnis hatte? Ich ließ das schlechte Gewissen einen Moment wirken, allerdings war ich niemand, der sich an Scham oder Leid eines anderen erfreute, so dass ich recht schnell danach wieder das Wort ergriff. "Ich werde mich über den Vorfall nicht weiter äußern noch weiter darüber nachdenken, du sollst aber wissen, dass ich dieses Versprechen nicht eines Tages bereuen möchte." Was damit gemeint war, sollte auf der Hand liegen. Im Grunde war es ihre Sache, mit wem sie sich einließ, doch ich konnte und würde nicht tolerieren, dass sie mich zum Gespött der Gesellschaft machte, indem sie mir öffentlich Hörner aufsetzte oder mir sogar einen fremden Bastard als den meinen verkaufte. Dennoch war ich um des Friedens willen bereit, nichts mehr zu dieser offensichtlichen Entlgeisung zu sagen. Ein anderer hätte an meiner Stelle vermutlich nicht einmal mehr hier gesessen, geschweige denn, überhaupt die Frage gestellt, die ich ihr eben gestellt hatte.
Das Versprechen sollte meinen guten Willen zeigen, gleichzeitig hätte ich damit einen Stein im Brett, den ich wohl irgendwann einmal zu meinen Gunsten ansprechen konnte. Die Röte in Celerinas Gesicht bereitete mir beinahe ein ansatzweise schlechtes Gewissen, und ich beschloss, es dabei bleiben zu lassen. Ich war nun also wieder verlobt. "Es gilt nun natürlich, einiges zu planen. Ich würde dich gern zu deinen Vorstellungen bezüglich der Festivitäten befragen. Und selbstverständlich müssen wir das Verlöbnis noch eintragen lassen", überspielte ich also die unangenehme Situation und brachte gar ein Lächeln zustande.
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Plötzlich war etwas anders. Etwas hatte sich verändert. Ich konnte nicht sagen was, und doch war da das Gefühl, dass etwas anders war als eben noch. Und dann öffnete sich leise die Tür zu Sivs Kammer. Ich regte mich nicht, sah ihr nur entgegen. Wie sie in ihre Schlaftunika gehüllt ganz leise näher kam. Fast mochte man meinen, ein Geist schwebte heran. Silbrig schimmerte das Mondlicht auf ihrem Schopf, als sie ans Bett trat. Kurz darauf hatte sie der Schatten wieder verschluckt. Überzogen wie zuckriger Guss einen süßen Keks. Es wunderte mich, dass ich zu so später Stunde solche Vergleiche zog. Einen Augenblick später war der Gedanke bereits wieder verflogen.
Siv hob die Hand und deutete vage zurück. Sie konnte also nicht schlafen. Ein angedeutetes Lächeln huschte über meine Züge, und wieder fiel mein Blick auf den Bauch, der noch flach war und sich unter den falten der tunica verborgen hielt. Ich antwortete nicht, zumindest nicht mit Worten. Vielmehr hob ich den Zipfel meiner Bettdecke an und wartete, bis sie zu mir ins Bett gekrochen war. Mir stand der Sinn nicht nach Vergnügen, ich war vielmehr dankbar über die Ablenkung, die ihre Anwesenheit mit sich brachte. So legte ich stumm einen Arm um sie und wartete, bis sie sich bequem gebettet hatte. Eine Weil war das Rascheln von Stoff beinahe unnatürlich laut zu vernehmen, dann kehrte Stille ein. Ich hatte den linken Arm aufgestützt, hielt den Kopf mit der Hand und betrachtete sie im Dunkel. Sivs Brust hob und senkte sich. Das Lederband mit dem Pferdeanhänger daran kräuselte sich um ihren Hals und verschwand irgendwo seitlich in der tunica. "Sie ist tot." Es war das erste Mal, dass ich es laut aussprach. Nüchern und dennoch melancholisch. Siv musste wissen, was das bedeutete. Auf den Kopf gefallen war sie nicht.
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Der intensive, durchdringende Blick war mir beinahe unheimlich, und doch hielt ich ihm stand und brachte sogar ein lächeln zustande, noch ehe sie ihre Antwort hauchte. Wenn ich ehrlich war, hatte ich nichts anderes als die Zustimmung erwartet, und dennoch fiel mir nun eine Wagenladung vom Herzen, nur auf dass sich gleich darauf eine Schnürung um selbiges herumlegen konnte. Damit war es also klar, und dieses Mal würde ich mich zwingen, den Weg bis zum Ende zu gehen. Ich holte den goldenen Ring mit der Gemme hervor, den mir der Sklave von eben überbracht hatte - die feine Elfenbeinintarsie zeigte einen stehenden Löwen, der einen caduceus in der Pranke hielt. Ich hob ihn an, ebenso wie Celerinas Hand, und streifte ihr den Ring über den Finger. "Dann nenne ich dich von heute an meine Verlobte", erwiderte ich und lächelte nochmals. Ein wenig kühl waren meine Finger, als ich ihre Hand wieder berührte, doch kam das sicher nur von der Kühle der Nacht, die eigentlich gar nicht so kühl war...
Wieder kam mir die Information in den Sinn, die mein Klient mir übermittelt hatte, und mein Lächeln verblasste ein klein wenig, um dann wieder zu erstarken. Ich kam ihr ein wenig näher und gab mir schließlich innerlich einen Schubs. Flüchtig streiften meine Lippen ihren Mund, verhielten kurz und zogen sich dann zurück. "Ich hoffe, damit wird es auch nicht mehr nötig sein, sergische Gesellschaft zu suchen, Celerina", sagte ich ernst. Ich hatte es mir nicht verkneifen können, und sie sollte wissen, dass ich davon wusste und es missbilligte.
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Vielleicht ein wenig unkonventionell, wie meine Frage gewesen war, war sie doch eine Möglichkeit für den Flavier gewesen, sich einzubringen. Natürlich verwunderte mich seine Antwort nicht, immerhin kannte auch ich Epicharis und das ihr eigene, filigrane Wesen. Was das Ausruhen auf den Lorbeeren der Ahne indes betraf, erntete Aristides ein Nicken. Das sah ich ganz genauso. Es war eben mehr als nur Name und Status, der ausschlaggebend war, oder zumindest sein sollte. Mit einem verhaltenen Stirnrunzeln bedachte ich den Flavier, als er seine eigene Familie ein wenig herabwürdigte. Das war zwar ehrlich, doch ich selbst hätte wohl eher geschwiegen, als das offen preiszugeben.
Der so plötzliche Themenwechsel des Purgitiers ließ schließlich eine nachdenkliche Falte auf meiner Stirn entstehen. Ich folgte der allgemeinen Unterhaltung nun eher mit halbem Ohr, während ich darüber nachsann, warum er wohl gefragt hatte. Ob es einen guten Grund dafür gab? Derweil wurden bereits die Würfel geholt, um den Weinmischer zu bestimmen. Flavius Aristides schien nun ausgesprochen gut gelaunt, und die beiden Damen beschlossen, uns allein zu lassen - was vermutlich auch besser so war. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass aus dem Gastmahl tatsächlich ein Gelage werden würde, auch der Frauen wegen, doch sah ich der Angelegenheit durchaus interessiert entgegen. Dennoch beschäftigte mich die Frage immer noch, sodass ich sie schlussendlich stellte. "Purgitius, ich frage mich, ob deine Frage von gerade eben nicht einen bestimmten Hintergrund hatte. Gedenkst du, dich zu binden?" Falls das der Fall war, wäre es wohl nicht verkehrt, die Eisen im Feuer zu lassen.
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Wenn ein Peregriner beispielsweise Quintus Philo heißt und sich das Bürgerrecht verdient, dann darf er sich einen Familiennamen erwählen, beispielsweise den der gens Livia. Er wäre dann Quintus Livius Philo, römischer Bürger. Wenn er bisher keinen römischen Namen (wie beispielsweise "Quintus Philo") hat, kann er sich einen aussuchen. Eine andere Möglichkeit ist es, sich als peregrinus in eine existierende gens adoptieren zu lassen. Das hat z.B. die ID Loki gemacht, nun Tiberius Duccius Lando.
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Mir ist gerade nicht ganz klar, was genau die Frage ist. Ein Sklave ist ein Sklave, der ist kein Peregriner, und ein Sklave ist weniger wert als ein Peregriner. Wenn ein Peregriner sich das Bürgerrecht erarbeitet, darf er sich einen römischen Namen wählen. Das zählt m.E. auch für Sklaven, die freigelassen werden. Der jüngste Fall ist die Sklavin Bridhe, nun Flaviana Brigantica.
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Ein Nicken folgte auf seine Bestätigung. Später, wenn der Papierkram erledigt war, würde ich Pyrrus einen Brief diktieren. Er würde dann auch dafür Sorge tragen, dass jener Horatius Pansa noch am selben Tage zugestellt wurde. Wirklich höflich erschien mir mein neuer Klient. Als er sich erhob, hatte ich ein erfreutes Lächeln auf den Lippen. "In guter Gesellschaft kann man sich ruhig auch mehr Zeit nehmen", erwiderte ich. "Dann sehen wir uns in einer Woche wieder, und bis dahin werde ich hoffentlich die nötigen Informationen für dich haben, Quintus Philo. Mögen die Unsterblichen dich behüten."
Der Sklave, der auch den Wein gebracht hatte, erbot sich nun mit seinem Vortreten, den Gast zur porta zurückzubringen, wo er seines Weges gehen mochte. Ich selbst zog mich, sobald mein Klient außer Sicht war, in mein Arbeitszimmer zurück, wo Livius Pyrrus, mein scriba personalis, bereits mit Griffel und Tafel bewaffnet wartete. Als ich eintrat, nahm er schnell die Füße vom Schreibtisch und sprang verlegen grinsend auf. Doch da ich heute einen guten Tag hatte, scholt ich ihn nicht, sondern ließ mich nur nieder und fragte ihn nach den dringlichsten Geschäften, die es an diesem Tage abzuwickeln galt.
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Wundervoll also. "Das freut mich." Immer noch nicht war ich mir sicher, ob das alles wirklich nötig gewesen war. Doch jeder, den ich gefragt hatte, war sozusagen begeistert gewesen von der fixen Idee, ein Theater samt Schaustellern für einen Abend zu mieten. Nun ja, vielleicht hätte ich nicht nur meine Nichten und Basen fragen sollen... Doch es war nun ohnehin zu spät, um sich darüber nun Gedanken zu machen. Fakt war, dass Celerina durchaus aufrichtig begeistert wirkte, und damit stand dem eigentlichen Grund ja so gut wie nichts mehr im Wege. Zumindest nichts, außer mir selbst. Ich musste unweigerlich an das einst geführte Gespräch zurückdenken. So viele Jahre lag es nun schon zurück. Den Göttern sei Dank blieb mir eine solche Unterredung zumindest erspart dieses Mal.
Ich wandte mich um und blickte über die Schulter, wo in einiger Entfernung im Dunkel ein Sklave in Habachtstellung wartete. Der Blick genügte, ihn sich in Bewegung setzen zu lassen. Mit jedem Schritt, den er näher kam, schnürte sich meine Kehle weiter zu. Ich hatte das Gefühl, einen unverzeihlichen Fehler zu machen, und doch war es das einzig richtige. Der Sklave verneigte sich schräg neben mir, lächelte Celerina mit seinen hellen Zähnen an und gab mir etwas. Zweifellos musste sie spätestens nun wissen, was dies alles zu bedeuten hatte. Ich räusperte mich, suchte so, den Frosch aus meiner Kehle zu vertreiben. Neben ihr sitzend, ergriff ich schließlich erneut ihre Hand und bettete die Rechte obenauf. Sorgsam waren die Worte zusammengelegt worden. Caecus hatte sie so lange geschliffen, bis sie mir angemessen erschienen waren. "Flavia Celerina, Tochter des Flavius Maximus. Du ahnst, was der Anlass sein mag, zu dem ich dich bat, diesen Abend heute hier mit mir in hoffentlich angenehmer Atmosphäre zu begehen. Ich möchte dich fragen, ob du dir ein Leben an meiner Seite vorstellen kannst, als Herrin meines Hauses, als Mutter meiner Kinder und als meine Ehefrau."
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Durch den nur halb zugezogenen Vorhand fiel silbriges Licht ins Zimmer. Ein schmaler Streifen verlief auf dem Boden, über ein Löwenfell bis fast zu meinem Bett hin. Nur schwer konnte man einige Sterne am Firmament erkennen. Der Mond stand schon eine ganze Weile hoch droben. Ich seufzte leise und legte mich bequemer hin. Die Laken raschelten leise, ich schloss erneut die Augen.
Als ich sie wieder öffnete, war der Streifen auf dem Boden ein wenig länger geworden. Sanftes Mondlicht umspielte nun einen der Eckpfosten meines Bettes. Ich konnte nicht schlafen. Erneut verlagerte ich mein Gewicht, stellte einen Fuß auf das Lager und fuhr mir müde über die Augen. Es musste inzwischen weit nach Mitternacht sein. Ich war spät zu Bett gegangen, hatte aber doch keinen Schlaf finden können. Die Nachricht von Celerinas Tod wühlte mich auf, dann die Sache mit Siv und dem Kind. Ich hatte allmählich das Gefühl, der tollpatschige Leithammel einer Schafherde zu sein. Wie kam es, dass stets mir solche Dinge widerfuhren? Hatte ich gefehlt? Ein weiteres Mal wandte ich mich um, blickte nun wieder hinaus in den Himmel. Am Morgen würde sich rächen, dass ich jetzt keinen Schlaf fand. Viel zu schnell wäre die Nacht vorbei, und gleich nach der salutatio stand eine weitere Senatsdebatte an, hernach blieb mir kaum Zeit, etwas zu essen, und ich hatte schon wieder Dienst in der regia. Es würde ein langer Tag werden, und er würde umso länger für mich sein, je langsamer ich in den Schlaf fand. Und doch wollten die kreisenden Gedanken mich einfach nicht gehen lassen.
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Danke? Ich blinzelte, senkte den Blick dann auf die am Boden liegenden, vereinzelten Strohhalme. Angestrengt beobachtete ich einen Käfer, der an einem von ihnen entlang krabbelte. Sie bedankte sich also. Dafür, dass ich sie nicht gezwungen hatte, das Kind - mein Kind - loszuwerden. War das gerecht? Natürlich wusste sie, was für mich dabei auf dem Spiel stand. Wenn sich öffentlich auch keiner wundern mochte, dass ein aurelischer Senator seine Sklavin geschwängert hatte, so würde es doch der mir bevorstehenden Ehe mit Sicherheit Schwierigkeiten bereiten, oder mir einen noch schwereren Stand innerhalb der Familie bescheren. Aber dass sie sich bedankte, war doch ein Zeichen dafür, dass sie nicht damit gerechnet hatte, ich könnte mich so entscheiden. In Wirklichkeit musste sie mich doch für herzlos halten. Und wie konnte ich ihr das verübeln? Sie war meine Sklavin und damit abhängig von mir. Wenn ich heute ihren Tod befahl, wäre sie morgen schon gestorben. Vielleicht war alles nicht mehr als eine Farce. Eine Farce, die sie vergessen ließ, was die Soldaten ihr angetan, wie sie sie fortgerissen hatten aus ihrer vertrauten Umwelt. Soweit ich das beurteilen konnte, hatte Siv sich nur mit Cadhla angefreundet, die Bande zwischen ihr und den anderen waren kaum mehr als Zwangsbekanntschaften, wenn ich mich nicht irrte, von Brix einmal abgesehen. Er sah in Siv seine kleine Schwester und verhielt sich dementsprechend. Doch für mich war dies einerlei, es zählte nur, was zählen musste.
Ob dieser neuen Entwicklung blieben mir die Worte im Halse stecken, die ich hatte äußern wollen. Das Aureliana wollte nicht über die Lippen kommen, ebenso wenig das Wort Freiheit und keine weiteren Worte bezüglich der Zukunft des Kindes, die nicht vom Sklavendasein geprägt sein sollte. Ich schwieg einfach, zu verwirrt von ihrer Dankbarkeit, die mir so fehl am Platze zu sein schien wie ich selbst in dieser summenden, raschelnden Welt des Stalls. Ihre Worte der Erklärung rauschten murmelnd an mir vorüber, einem kleinen Bächlein gleich, und langsam ließ ich die Hände sinken. Eine Farce. Eine Narretei. Ein Auf und Ab, ein Hin und Her. Verdammnis, geprägt durch meinen Vater, der sie heraufbeschworen hatte mit seinem freiwilligen Tod. Ich verschloss mich, doch würde es später am Abend mich heimsuchen und zu ins Verderben führen wollen. Kurz nachdem ich also schon das Streicheln eingestellt hatte, ließ ich Siv los und sah sie an. Mit gemischten Gefühlen musterte ich sie, doch nur kurz, dann wandte ich den Blick ab. "Du solltest nicht mehr so schwer arbeiten, dann", sagte ich matt und schon halb umgewandt. Unfähig, Siv weiterhin anzuschauen. "Ich werde Brix instruieren, er soll dir was Leichteres geben."
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Sim-Off: Anmerkung: Eure porta und der Briefkasten sind geschlossen.

In derzeitiger Ermangelung eines Namen des neuen rex, bitte ich die Anonymität des Briefes zu entschuldigen.Ein flinker Bote des neuen rex sacrorum kam zur Behausung der Iunier geeilg und gab einen Brief ab, der für Iunius Merula bestimmt war.
Rex Sacrorum L. Iunio Merulae s.p.d.
Deinem Wunsche wird stattzugeben. Du wirst in die Provinz Hispania entsendet. Der Tempel des Mercurius wird vorerst dein Hauptaugenmerk verlangen, doch bist du gleichsam dazu angehalten, auch in anderen Tempeln auszuhelfen, so deine Kraft dort gebraucht wird. Das Provinzkollegium wird dich entsprechend zuteilen und leiten.
Eine baldestmögliche Abreise deinerseits gen Tarraco ist gewünscht.
Mögen die Unsterblichen dich behüten
in nomine regis sacrorum
ANTE DIEM VII ID DEC DCCCLVIII A.U.C. (7.12.2008/105 n.Chr.) -
"Dann wirst du in Kürze ein Schreiben von mir erhalten, Iunius. Mögen die Götter dich stets auf deinen Wegen geleiten", verabschiedete ich mich, als der Iunier sich erhob und anschickte, den Raum zu verlassen. Als er gegangen war, zog ich einen Papyrus hervor und begann, einen Antrag zu verfassen.
Sim-Off: Lass sie dir für diese ID noch nachtragen.
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"Ah... Wie hatte ich auch nur annehmen können, dass du das Thema vielleicht vergisst?" sagte ich mehr zu mir als zu ihr, als sie auf die Verlobung zu sprechen kam. "Na, das sind aber viele Fragen... Es ist Celerina von den Flaviern. Sie ist die Großnichte meines Freundes Aquilius. In Lutetia war sie bereits einmal verheiratet, aber ihr Mann starb, und jetzt ist es für sie an der Zeit, wieder zu heiraten", erzählte ich. "Sie ist ein wenig jünger als ich, genau kann ich es dir gar nicht bennen, schließlich fragt man eine Dame nicht nach ihrem Alter." Ein Zwinkern in Severas Richtung folgte. "Aber sie scheint von seltenen Pflanzen sehr angetan zu sein und hat recht fundierte Kenntnisse über die Eigenheiten bestimmter Vertreter der Flora. Diese Passion teilen wir also. Einer der Gründe, aus denen ich der Verbindung ein wenig freudiger entgegensehe als wenn es nur eine rein politische Ehe wäre. Sicherlich, die Flavier sind eine der angesehensten Familien dieser Tage, wenngleich auch ihr Verhältnis zum jetzigen Kaiser ungebrochen kritisch erscheinen mag, aber..." Ich unterbrach mich und blinzelte erschrocken in Severas Richtung. Ein rettendes Lächeln später fuhr ich fort. "Verzeih mir, ich wollte dich nicht mit politischen Floskeln langweilen."
Jetzt musste also ein anderes Thema her. Ich versuchte mich zu erinnern, was Severas Interessen gewesen waren, doch wollten mir keine so recht einfallen, sah man von den diversen Freundschaften ab, die sie während ihrer Romaufenthalte geschlossen hatte. "Ich nehme an, du willst deine Freundinnen bald besuchen? Wie ich hörte, soll Tiberia Albina inzwischen verlobt sein. Sie macht eine gute Partie, es ist der ehemalige proconsul von Hispania. Er hat sicherlich auch noch ein paar interessante Verwandte..." Ein überaus verwegenes Schmunzeln auf den Lippen, warf ich einen Blick zu Severa hin und konnte es nicht unterlassen, ihr freundschaftlich in die Seite zu knuffen.
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Warm lagen ihre Arme an meinem Hals, zumindest, bis sie hinabrutschten und Siv sich in meine toga krallte. Mir wurde erst jetzt bewusst, dass ich mich nicht umgezogen hatte, als ich vom Opfer nach Hause gekommen war. Eine Hand zerwühlte ihr Haar, und ich war so sehr in Gedanken versunken, dass ich nicht registrierte, wie sie von Anspannung heimgesucht wurde. Auch die darauf folgenden Tränen bemerkte ich nicht. Die toga war aus gutem Stoff, dicht gewebt, und er ließ keinen der salzigen Tropfen hindurchweichen. Ich konnte ihre Reaktion nur bedingt nachvollziehen. Sicherlich hatte sie gebangt und gehofft, das wäre nur allzu verständlich gewesen. Gewiss war sie nun erleichtert, das Kind behalten zu können, während ich mich dafür schämte, überhaupt ihr in Aussicht gestellt zu haben, es nicht austragen zu dürfen.
Ich ließ von ihren Haaren ab und ließ die Hand stattdessen unter die goldenen Strähnen und in den Nacken gleiten, wo ich damit begann, automatisch mit dem Daumen über die weiche haut zu streichen. Plötzlich fragte sie mich wann. Wann was? Ich stutzte, blinzelte irritiert. Was meinte sie? Bereits teilten sich meine Lippen, um eine entsprechende Frage zu stellen, als mir aufging, dass sie es wohl falsch verstanden hatte. Irritiert blinzelte ich einige Male. "Es tut mir leid, dass ich überhaupt daran gedacht habe, den iatros vielleicht darum zu bitten.", erklärte ich also. "Es ist dein Kind. Unseres. Ich meine, ich werde es nicht anerkennen können, aber... Es soll dennoch ohne Mangel aufwachsen. Es war selbstsüchtig von mir. Es...kommt nur so...überraschend. Ich dachte wirklich..." Ich verstummte und zuckte mit den Schultern. Es spielte keine Rolle mehr, dass ich gedacht hatte, dass Siv sich darum kümmern würde, keine Kinder empfangen zu können. Das war nun eine neue Situation für mich. Ich würde mich erst hineinfinden müssen, auch wenn es niemals so werden würde, wie Siv es sich vielleicht wünschte. Das durfte nicht sein, der Familie wegen.
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"Du meinst Aurelius Crassus", erwiderte ich. "Ihn habe ich nie persönlich kennengelernt, aber er muss ein wirklich bedeutender Mann gewesen sein." Immerhin hatten wir ihm unseren Stand zu verdanken. Seine Karriere war so steil verlaufen, dass er gehörig Eindruck geschindet haben muss bei Iulianus. Innerhalb kürzester Zeit war er in den Senat berufen und zum proconsul ernannt worden. Wie er das geschafft hatte, war mir heute noch ein Rätsel. "Meine Familie hat dann und wann besondere Individuen hervorgebracht, auch wenn wir uns nicht wie die Flavier oder Claudier rühmen können, einmal einen Kaiser gestellt zu haben." Mit besonders meinte ich nicht nur jene mit besonderen Verdiensten um das Reich, sondern auch ganz andere Individuen. Ich dachte dabei an Sophus oder Commodus, verschwieg das aber natürlich.
"Nun, denke ich, sollten wir auf dein zweites Anliegen zu sprechen kommen. Apollo soll es also sein. Ich werde mich zweckes eines magister umhören und dein Anliegen weitertragen, Quintus Philo. Gehe davon aus, dass deine Ernennung zum discipulus in Kürze erfolgen wird. Ich erwarte dich in, sagen wir, einer Woche zur salutatio. Bis dahin sollte ich in Erfahrung gebracht haben, wer dich unterrichten wird und ob mein Freund eine Wohnung für dich hat. In Ordnung?
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Der Schlag der Pauke, sich stetig beschleunigend, endete schließlich in einem dröhnenden Finale, dann ein letzter Schlag - und es war still. Damon blickte hinauf zu Philostratus, straffte sich nun und stand mit neuem Mute wieder auf. Er warf sich an die Brust und sprach mit entschlossener Stimme.
»Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!«
Mit diesen Worten zog Damon entschieden an Philostratus vorbei, auf das dunkle Tuch hinter der Bühne zu.Erneut trat er dahinter und auf der anderen Seite wieder hervor. Derweil hatten sich auf der gegenüberliegenden Bühnenseite alle Mimen versammelt, darunter auch Damons Freund, der ein Seil um den Halse trug.
Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichter Chor:
»Mich, Henker«, ruft er, »erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!«
Damon, die Hand zur Faust geballt und hoch über den Kopfe erhoben, rief die Worte laut und klar. Alle drehten sich nach ihm um, staunend, die Hälse reckend. Damon sprang mit einem Satz durch die Menge hindurch und neben seinen Freund, um ihn von dem Seil zu befreien und ihn hernach zu umarmen.
Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Augen tränenleerUnterdessen, auf der anderen Seite des Bühnenrunds, war nun der König zu gewahren. Jemand flüsterte ihm etwas ins Ohr, das ihn erstaunt dreinblicken ließ, dann hob er befehlend seinen Zeigefinger und wies nach vorn. Ein Diener nickte und lief hinfort. Der König blieb, sichtlich grübelnd, zurück.
Und zum Könige bringt man die Wundermär';
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,
Und blicket sie lange verwundert an.
Damons Freund wurde vom Seil befreit. Durch die Menschen hindurch geleitet, traten sie schließlich vor den König und senkten kurz ergeben das Haupt. Der König aber erhob sich und kniete darnieder vor den zweien.
Drauf spricht er: »Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!«
Ein kurzer Blick, den Damon mit seinem Freunde tauschte, dann lagen sich die drei in den Armen und verhielten einen Moment so.Fackeln wurden nun rund um die Bühne entzündet, die Mimen stellten sich in einer Reihe auf. Ich begann zu applaudieren. Doch, das war wahrlich ein gutes Stück gewesen. Viel Dramatik, vielleicht sogar mehr in Gracchus' Kresh, doch mit gutem Ausgang. Und das war es auch, was die meisten Frauen liebten. Die Schauspieler verbeugten sich nun gekonnt gleichzeitig, verharrten still und erhoben sich wieder. Dann traten sie ab und die Bühne war verlassen. Ich hatte aufgehört, Beifall zu klatschen, wandte nun den Kopf und betrachtete Celerinas Profil im flackernden Schein der Fackeln und Öllampen, die wie kleine Geisterwesen das amphitheatrum beseelten. "Hat es dir gefallen?"