"Gut." Ich nickte ein wenig zerstreut. Wirkte Orestes nur so, oder war er tatsächlich reserviert? Nur warum? Ein erneutes Nicken war als Antwort auf seine Frage zu verstehen. Doch als er den Raum beinahe schon vergessen hatte, sagte ich noch etwas. "Sobald es sich anbietet, werden wir Durus fragen." Das klang ein wenig versöhnlich. Ich stand ebenfalls auf, strebte aber meinem Schreibtisch wieder entgegen. Die Anhörung galt es vorzubereiten.
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Ich sah auf und erwartete nach diesem Klopfen, einen jungen, kräftigen Mann voller Elan zu sehen, doch als sich die Tür nach meinem Hereinbeten öffnete, spazierte sozusagen das komplette Gegenteil herein. Ein wenig überrascht, legte ich den stylus beiseite und musterte den Mann. "Salve. Was kann ich für dich tun?" fragte ich und wies auf den Besucherstuhl.
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Gram und Enttäuschung schienen mein Lebensinhalt zu sein. Das Verderben Sinn und Zweck des Daseins. Ich fühlte mich verlassen, verraten gar. Verwundet zurückgelassen inmitten der Vertrautheit, wie ein waidwundes Tier, das es leid war, sich immer und immer wieder die Wunden zu lecken. Warum nicht einfach aufgeben? Schon Vater war vor der Wirklichkeit geflohen. Der Welt, die Schein und Trugbild zugleich war, wo dein Freund dein Feind, deine eigene Familie die Hundemeute war, die ohne zu zögern in den Rücken fiel.
Eine Amphore Wein. Alleinige Tristesse im trüben Dickicht der eigenen Gedanken. Lag es tatsächlich an mir? Warum waren es dann nur wenige, die beständig an meiner Autorität sägten? Wäre Prisca nur hier. Ich ließ den Kopf über die Schulter nach hinten rollen, lehnte ihn an die kühle Wand, deren farbenfrohe Leichtigkeit mich anödete. Graue Nebel flirrten durch den Raum. Rauch des Genusses, der doch keiner war. Blutige Laken, oder doch nur vergossener Wein? Mir war, als klebte der Saft des Lebens an meinen Händen. Er roch nach der Erde vergangener Jahre. Und der Brief...so zuversichtlich. Glücklich. Ich zwang die Augen auf, nahm einen weiteren Zug. Wattige Umnachtung machte das Leid erträglicher, doch alle Illusion nahm irgendwann ihren Anfang vom Ende. Und obgleich ich das wusste, gab ich mich der flüchtigen Geborgenheit hin, die mir vorgegaukelt wurde. Die ich mir selbst vormachte. Ein Senator, und wenn schon. Ein septemvir, na und? Auctor der Staatszeitung, ja was? Titel, Ämter, was waren die schon in der Suppe der Zeit, wenn der eigene Neffe einem den Rücken kehrte? Wenn der andere sich so offen dagegen wehrte, genau das zu nutzen und sein Heil lieber unter den Fittichen eines anderen suchte? Diese Lektion hatte ich gelernt. Irgendwann glaubte wohl jeder, es möge an einem selbst liegen. Vielleicht war ich tatsächlich nicht der rechte für diese Aufgabe. Sie war zu groß, und doch ruhte sie auf meinen Schultern. Zwang mich, gebeugt zu gehen. Und würde mich dereinst erdrücken, zermalmen unter der Last, die es mit sich brachte, stets doch nur das beste erreichen zu wollen.
Ein Wischen des Handrückens, salziges Glitzern. Süßer Rauch, angenehme Röte – eine hitzige Qual. Das schien mein Lebensinhalt. Warum sich weiterquälen? Ein Splittern auf dem Boden, durchtränktes Fell – der Krug war zerborsten. Ob Blut sich mit dem Rebensaft mischte? Eins wurde? Ein rötliches Rot. Ich langte hinab, griff nach einer Scherbe und wog sie in der zitternden Hand. Ich fürchtete mich. Vor ihnen. Vor dem Ungewissen. Vor mir selbst. Eiseskälte stahl sich in meine Knochen, lähmte die Glieder. Und doch war da etwas Vertrautes, das es erleichterte. Wie scharf simpler Ton sein konnte. Und doch war es nur Erde. Gehärtet durch Flammen... Ob es überhaupt jemand merken würde? Siv. Celerina. Prisca, wenn sie heim kehrte. Severa und Laevina, wenn sie Geld brauchten. Vielleicht auch Manius. Und sonst? Da war nichts weiter. Nur der Name, nur die Abstammung. Alles andere schien verpufft. Aufgelöst durch zahlreiche Diskussionen, zermürbt von wiederkehrenden Worten. Missverstehen, gepaart mit hitzigen Worten und gewürzt von passenden Gedanken, guter Miene zum bösen Spiel... Das alles marterte mich und quälte mich folternd, bis ich am Ende hilflos vor dem zerbrochenen Stundenglas stand, dessen Sand durch meine Finger rann. Jetzt war es genug. Ein letzter Schluck, ein letzter Zug. Benebelt. So musste sich Helena gefühlt haben, dachte ich bitter.
Klirrend schlug die tönerne Scherbe schließlich neben ihren Geschwistern zu Boden. Ich konnte es nicht. Vielleicht, weil da doch noch ein letzter, beinahe verglommener Funken Hoffnung war. Und der Glaube an die Einheit der Familie, trotz allem, was gewesen sein mochte.
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Ich schwieg. Es war ungeheuerlich. Dort, wo Iulianus - wenn er denn sein Augenmerk einmal auf den cultus gerichtet hatte - Strenge und Entschlossenheit bewiesen hätte, ging sein Nachfolger den Weg des geringsten Widerstandes. Ich setzte mich wieder und hatte Mühe, mir meine Enttäuschung über die Worte des Kaisers nicht anmerken zu lassen. Eine versteinerte Miene sollte darüber hinwegtäuschen. Es war nicht an mir, Ratschläge oder meine Meinung zu präsentieren, dies war die Sache der pontifices, und Gracchus sprach mir aus der Seele. Dennoch, sie war und blieb mir unverständlich, diese Milde samt der vorgebrachten Begründung, die mir unangemessen gleichgültig erschien. Und Durus war ebenso im Recht. Jeder der Anwesenden sollte zumindest einen Eid auf den Stein Iuppiters schwören, und doch würde am Ende jemand seinen Mund nicht halten können - und wenn es einer der drei Beteiligten war, der nach einem Becher Wein zu viel über das widerfahrene Unrecht klagte. Nicht zum ersten Mal war ich froh darum, Artikel der Acta bei Bedarf zensieren zu können.
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Zitat
Original von Gorgus
Das bekommt man auch anders hin.

Sischa dat. Aber ist ja nicht jeder so ein Rüpel wie du.

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Zitat
Original von Flavia Celerina
Sobald ich eine Katze sehe, bin ich völlig willenlos!
Ist notiert.

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Ist wieder Platz.
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Dass der Claudier den erforderlichen ordo noch nicht inne hatte, sah man von außen nicht - also war es mir nicht aufgefallen. Auf den Hinweis hin allerdings nickte ich. "Ah, so ist das. Nun, das kann sich ja ändern. Hast du denn vor, irgendwann den cursus honorum zu absolvieren?" fragte ich ihn. Bei einem Adelsspross eigentlich eine müßige Frage, bei einem Claudier obendrein, nahm ich an. Sicherlich würde er irgendwann auf das politische Parkett treten, doch auch hierzu benötigte er den ordo.
Was das Amt des flamen anbelangte, schwieg ich. Einen nachfolger würde es ohnehin nur dann geben, wenn der derzeitige starb oder der Kaiser den Wechsel befahl. Und ob man sich einen Gefallen damit tat, ein solches Amt zu bekleiden, war auch eine Frage. Schließlich oblagen dem flamen Quirinalis Regeln und Riten, die dem des flamen Dialis nicht unähnlich, wenngleich auch nicht so eisern gefasst waren.
"Danke nicht mir, danke dem Gremium, wenn es dich kooptiert hat", erwiderte ich schmunzelnd auf den Dank des Claudiers hin. Ein anderer magister hätte vielleicht zunächst selbst den Kandidaten vorgestellt, doch hielt ich nur wenig davon. Wenn man den Antragsteller allerdings vor Augen hatte und gegebenenfalls Fragen stellen konnte, so war eine Kooptation zumeist einfacher und ging schneller vonstatten, als bei der einfachen Erwähnung irgendeines gesichtslosen Namens.
Der gemütlichere Teil des Gesprächs hielt einige Informationen für mich bereit. Hin und wieder trank ich einen Schluck und nickte. "Dann hast du mir etwas voraus, ich wurde in Mantua geboren", erwiderte ich. "Ist es nicht seltsam, wenn man seine Geburtsstadt erst einmal kennenlernen muss?" fragte ich ihn und dachte kurz darüber nach. "Findest du dich denn hier bereits zurecht?"
Sim-Off: In den richtigen ordo kommst du, wenn sich jemand für dich beim Kaiser einsetzt, ein Patron ist das in der Regel. Du brauchst den ordo, um in den CH einsteigen zu können. Erheben kann dich, sofern dein Vater (bespielte ID) nicht bereits Senator ist/war oder den ordo inne hat(te), nur der Kaiser.
Den ordo equester integriert... So kann man das auch nicht sagen. Aber hackordnungstechnisch steht ein Patrizier über einem Ritter, das ist sozusagen ein Relikt aus alter Zeit. Deswegen kann ein frisch angemeldeter Patrizier durchaus einer Tätigkeit nachgehen, für die ein Plebejer zunächst den Ritterstand sich erarbeiten muss.
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[Blockierte Grafik: http://img129.imageshack.us/img129/8084/wagenlenkerer4.png] | Modicus Pansa
Vierter! Oder doch fünfter? Pansa war sich da nicht ganz sicher, er hatte den Eindruck, dass sich das bei jedem Galoppsprung änderte, den die Pferde machten. Eben noch hatten seine Gäule die Nase vorn, dann wieder die des Bäckers. Und plötzlich machte der Wagen neben ihm samt allem, was dazu gehörte, einen Satz zur Seite, das zumindest sagte Pansa sein Blick aus den Augenwinkeln heraus. Man muss dazu sagen, dass er so schnell gar nichts erkennen konnte, außer einem sich bewegenden Etwas. Und als er dann den Kopf wandte, war es bereits zu spät. Der Bäckerwagen schoss auf seinen zu und überwand den Meter Raum zwischen ihren beiden Wagen in atemberaubender Schnelligkeit. Gleichzeitig fiel der Kerl aus dem cultus ein wenig zurück, sodass der Bäcker nun zwischen dem Gottesmann und Pansa selbst eingekeilt war.
Doch Pansa würde ganz sicher keinen Zollbreit weichen! Er hielt seine Pferde, die von Natur aus ein wenig ausbrechen wollten, um einem möglichen Zusammenstoß zu entgehen, mit eiserner Hand in der Spur. Und er hatte Glück, denn der Bäcker schweifte nun allmählich wieder nach innen und damit auf Paullus Ancharius Mus zu, der alles andere als begeistert war, dass es Bacillus nun wieder auf ihn abgesehen zu haben schien. Doch auch er war anscheinend nicht bereit, auch nur eine Handbreit auszuweichen, und so kam es, wie es kommen musste. All das sah Modicus Pansa allerdings nicht. Er ließ die Zügel schnalzen, trieb seine Tiere mit derben Flüchen an und musste auf die Zuschauer wirken wie ein Lenker, der keine Rücksicht auf seine Umwelt - oder seine Tiere - nahm, nur um zu gewinnen. Tatsächlich war das wahrhaftig der Fall. Er musste seinen Patron glücklich machen. Und er wollte dem Bäcker ordentlich eins reinwürgen. Zudem winkten dreitausend Sesterzen, das war schnell verdientes Geld. Wieder und wieder klatschten die Zügel auf die Rücken der armen Tiere, die weiter ausgriffen. Doch absetzen konnte er sich trotzdem nicht.
An seinem Ohr summte ein dicker Brummer vorbei. Irgendwo rechts neben ihm brüllte jemand etwas, doch die Laute wurden vom Wind so schnell weitergetragen, dass er nicht einmal ansatzweise etwas davon verstand. Dennoch wandte er den Kopf. Und sah dann Bacillus auf sich zu kommen. Dann prallte dessen Wagen auch schon an seinen eigenen. Pansa hätte um ein Haar einen erschrockenen Satz gemacht, klammerte sich geistesgegenwärtig allerdings nur am Holz der Kanzel fest. Ein ohrenbetäubendes Splittern kreischte in seinen Ohren, und er konnte gar nicht anders, als Bacillus mit schreckgeweiteten Augen anzustarren. Das Publikum johlte, irgendwo wieherte ein Pferd - und dann fand Pansa seine Stimme wieder und bedachte den Erzfeind jedes rechtschaffenen Metzgers mit Flüchen, bei denen einer gestandenen Matrone noch die Ohren geschlackert hätten. Gleichzeitig versuchte er, seinen Wagen von dem Bacillus' wegzulenken, ohne gleichsam zu viel des Wegs aufzugeben. Doch sein Wagen wollte sich nicht mehr steuern lassen - was daran lag, dass sich die Deichseln verkantet hatten und nun miteinander drehten. Egal was es auch war, während der Übungsrunden waren es immer die Deichseln gewesen. Also kam für Pansa jetzt auch nichts anderes in Frage.
Auf der Gerade nach der ersten Kurve dann tauchte eine neue Schwierigkeit auf, im wahrsten Sinne des Wortes: Der Decimer, der vormals Platz zwei inne gehabt hatte, fiel scheinbar ein wenig zurück - oder holten sie auf? Es war im Grunde auch gleich. Denn der Abstand zum Wagen des Decimer schmolz unerbittlich dahin, aus welchen Gründen auch immer...
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Nachdenklich hatte ich in meinem eher spartanisch denn wohnlich eingerichteten Arbeitsraum ausgeharrt, darauf wartend, dass Brix mit Fhionn zurückkam. Stumm betrachtete ich durch das Fenster hindurch das wenige Grün, das zu dieser Jahreszeit noch gegeben war und immer stärker von bunten Farben abgelöst wurde. Dann öffnete sich die Tür, Brix leiß Fhionn eintreten und schloss sie dann wieder.
Ausdruckslos betrachtete ich Fhionn. Wie sollte ich beginnen? "Setz dich", befahl ich ihr zunächst, während ich den immer fortwährenden Kopfschmerz weiterhin zurückzudrängen suchte. Dann öffnete sich plötzlich erneut die Tür, die sich genau in meinem Blick befand, und Tilla kam herein. Missbilligend runzelte ich die Stirn. Was wollte sie jetzt hier? Ehe ich etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür ein drittes Mal, Brix steckte seinen Kopf herein und schob Tilla wieder hinaus. Er entschuldigte sich, woraufhin ich griesgrämig nickte. Dann waren nur noch Fhionn und ich im Raum. Ich stand nahe des Fensters, hatte die Hände auf dem Rücken gelegt und musterte sie. Eine ganze Weile ging das so. "Erzähl mir, was auf der Reise vorgefallen ist. Auf dem Hinweg, auf dem Rückweg und während ihr dort wart. Ich will alles hören, Fhionn. Also lass nichts aus", wies ich sie kühl an und wandte mich dann um zu Fenster, um hinausschauen zu können, während sie erzählte.
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"Ah", erwiderte ich und nickte verständig. "Dann brauchst du natürlich keine Einverständniserklärung." Die folgende Aufklärung bezüglich seiner persönlichen Vorliebe nahm ich aufmerksam zur Kenntnis. Seine wortgewaltige Erklärung Zeus betreffend verfolgte ich mit einem zunächst überraschten, dann schmunzelnden Ausdruck. Als ob wir selbst keine anthropomorpischen Vorstellungen hatten. Doch sagte ich nichts weiter dazu, sondern ging eher auf die vorherigen Worte ein. Zunächst aber trank ich einen Schluck Wein.
"Apollo oder Quirinus also. Ich nehme an, dass du ebenfalls Interesse daran hast, irgendwann einmal die Würden und Pflichten des flamen Quirinalis zu übernehmen?" fragte ich nach, während ich gedanklich jeden mir namentlich bekannten sacerdos strich. Keiner, der mir bekannt war, kam als magister für den Claudier in Frage. Ich machte eine nebensächliche Geste mit der Rechten. "Was die Aufnahme bei den collinischen Saliern angeht, bist du dort willkommen. Die nächste Sitzung findet in etwa zwei Wochen statt, ich kann dir den genauen Termin später noch mitteilen, ich habe ihn gerade nicht im Kopf." Irgendwo in den Untiefen meines Schreibtisches befand sich der Terminkalender. Eine Pause entstand. Ich haderte mit mir selbst, ob ich ihn fragen sollte. "Du scheinst noch nicht lange in Rom zu sein?" fragte ich stattdessen. "Zumindest habe ich deinen Namen noch nicht gehört bisher." Geschweige denn, ihn je gesehen. Und es hatte schließlich durchaus Zeiten gegeben, da ich in der villa der Claudier ein und aus gegangen war.
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Es war doch ein wenig seltsam, dass der Claudier meinte, mich über die Wohnstatt der griechischen Götter aufzuklären. Allgemeiner gewählte Worte wären bei mir besser angekommen. Doch war der Claudier noch jung, jünger als ich selbst allemal, und daher übersah ich diesen Fauxpas geflissentlich und nickte bestätigend. "Die Brücken sollte man erst dann überqueren, wenn man sie erreicht hat. Dann ist es also dein Wunsch, Priester des Iuppiter zu werden?" Zumindest nahm ich das an, nachdem er so explizit Zeus erwähnt hatte. Gedanklich ging ich bereits meine Aufzeichnungen durch. Aquilius war ausgelastet, Orestes ebenfalls. Da fiel mir ein, dass ich lange nichts mehr von dem Matinier gehört hatte. Ich sollte mich dringend erkundigen, wie es um seinen Kenntnissstand beschaffen war.
Ich räusperte mich. "Du wirst sicher verstehen, dass ich dich fragen muss, ob dein Vater oder Vormund mit dieser Wahl einverstanden ist. Ich bräuchte zu gegebener Zeit dann eine schriftliche Bestätigung dessen, sofern du nicht sui iuris bist, heißt das." Ich drängte die Frage nach dem Verwandtschaftsgrad zum Kopf der gens vorerst erfolgreich zurück. Es wäre unhöflich gewesen, den Besucher auszufragen.
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Doch der Kaiser ließ nicht erahnen, was in ihm vorgehen mochte. Zumindest mir blieb es verborgen. Die allgemeine Reaktion war Verblüffung. Gemischt mit Verärgerung. Keine dieser Empfindungen konnte ich irgendjemandem vergällen, sah man von jenen drei Herrschaften ab, die es betraf.
Ich hatte mir im Vornherein natürlich Gedanken gemacht. Daher konnte ich nachvollziehen, was in den Köpfen der Anwesenden sich abspielen musste. Drei der höchsten Diener der Götter, des Kaisers und des Staates, die gemeinschaftlich alles verraten hatten, was Rom bedeutete. Das war nicht nur ein starkes Stück, es war ein kleiner Weltuntergang. Den Einwand des einen nahm ich zur Kenntnis, indem ich ihm den Kopf hinwandte und ein freudloses Lächeln entgegnete. "Das brauchst du auch nicht, Finelius. Das werde ich für dich tun."
Kurz darauf hielt ich eine Wachstafel in Händen. "Die Summe beläuft sich auf insgesamt zweitausendsiebenhunderteinundfünfzig aurei, drei denarii und zwölf Asse", las ich ab, dann ließ ich die Tafel sinken und sah erst Durus, dann den Kaiser an.
Sim-Off: edit: Nehmen wir bitte eine stattliche Summe an. Ich habe keinen Vergleich, kann also nicht benennen, ob die angesetzte Summe zu hoch oder zu niedrig ist. Ggf. muss ich das nachbessern, wenn ich eine gute Angabe gefunden habe.
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"Du solltest wirklich bald versuchen, die Augen zu schließen, wenn du morgen so viel vor hast. Wobei morgen genaugenommen schon heute ist. Vermutlich werden wir beide uns irgendwann mittags wie zwei wandelnde Manen begegnen, weil wir kaum geschlafen haben." Ein Seitenblick folgte, dann verzogen sich meine Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen. "Naja. Wenigstens sind wir so vorgewarnt." Severas Antlitz schien zu strahlen, als sie von Laevina sprach. Bereits in jüngeren Jahren hatten die beiden zusammengehalten wie Pech und Schwefel. Ihre Worte, gepaart mit der selbst im Dunkel sichtbaren Freude verrieten mir, dass sich an ihrer Beziehung kaum etwas geändert hatte.
Jedoch, kaum dass ich sie auf ihre Mutter ansprach, wirkte sie befangen. "Nein, das nicht", erwiderte ich auf ihre Worte hin. "Vielleicht hat sie Lust, uns irgendwann zu besuchen? Du kannst es ihr ja vorschlagen. Und dann werden wir natürlich alles daran setzen, dass sie hier in Rom bleibt, damit sich keiner ein schlechtes Gewissen machen muss." Weder sie noch Melina. Ich lächelte Severa freundlich zu und schritt weiterhin langsam an ihrer Seite den Säulengang entlang. Auf der dem Haus gegenüberliegenden Seite raschelten dann und wann leise die Blätter im Nachtwind, vielleicht waren es auch Nagetiere. Das Kaninchenproblem hatte sich jedenfalls noch nicht von selbst gelöst. Ich seufzte leise, als ich an die umgegrabenen Beete dachte. Wenn ich denjenigen erwischte, der die Viecher herausgelassen hatte aus ihrem sicheren Käfig! Ohnehin waren diese Tiere nur für eines gut: Zum Opfern.
Der Tatsache, Severa sich sicher war, ich hätte eine gute Wahl mit meiner Verlobten getroffen, sah ich ehrlicherweise ein wenig skeptisch entgegen. Wenn es keine dringliche Notwendigkeit gewesen wäre, zu heiraten - ich hätte es vermutlich nie mehr getan. Doch so konnte man Celerina durchaus als gute Wahl bezeichnen. Sie war eine Flavia, sie sah recht annehmbar aus und hatte ein Interessensgebiet, das sich mit meinem deckte. Dennoch erwiderte ich nichts, räusperte mich und ging stattdessen auf den Folgesatz ein. "Das hatte ich gehofft." Ein trockenes Knacken aus dem Garten ließ mich kurz innehalten und den Kopf wenden, doch die Hunde schlugen nicht an, also war es nichts besonderes. "Planst du etwas Bestimmtes für deine Zukunft, Severa?" fragte ich sie. Für die Vestalinnen war sie bereits zu alt, aber vielleicht stand ihr eine Gottheit besonders nahe? "Außer, die Märkte zu schröpfen, natürlich. Und gemeinsam mit Laevina den Junggesellen Roms die Köpfe zu verdrehen, versteht sich." Ein marginales Schmunzeln zeigte sich um meinen Mund herum.
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Der Ausdruck auf Sivs Gesicht machte deutlicher als jedes Wort, dass sie wusste, dass es falsch gewesen war, einen Gast durch eine laksige Bemerkung vielleicht vor den Kopf zu stoßen. Ich sagte nichts weiter dazu, sondern bedachte sie mit einem etwas längeren Blick, als sie mir den Wein reichte. Unsere Finger berührten sich kurz, dann hatte sie sich abgewandt und entfernte sich - und ich lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf den Claudier.
Ich wusste nicht so recht, ob ich den Kommentar bezüglich Siv ernst nehmen oder ironisch auffassen sollte. Die Mimik meines Gegenübers half mir dabei auch nicht weiter. So beschloss ich, einfach nur zu nicken und mich hernach dem informativeren Teil der Worte zuzuwenden. Es war schon seltsam, mit jemandem aus jener Familie zu reden, mit der die meine um ein Haar enger verbandelt gewesen wäre. Den Hintergedanken wurde ich einfach nicht los, während ich mit ihm sprach. Kurzum: Es war kurios. "Du möchtest dem cultus beitreten?" Diese Tatsache schien mir viel zu banal. Irgendwie hatte ich anderes erwartet. "Nun ja, in beiden Angelegenheiten bist du bei mir wohl an der richtigen Stelle. Zunächst zum cultus deorum... Möchtest du als Schüler oder aber als sacerdos publicus einsteigen? Hier wäre natürlich die Frage, ob du das nötige Wissen und die Selbstsicherheit mitbringst, die man dafür benötigt."
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Sim-Off: Ich hätte euch auch nocht ein bisschen weiterstreiten lassen können, es war so nett mitzulesen

Ich war nicht gleich heimgekehrt, sondern hatte einen Umweg bei meinem Freund Aemilius vorbei gemacht. Er war in der letzten Sitzung der Siebenmänner wegen Krankheit absent gewesen, und es ging ihm wahrhaftig nicht gut. Blass und kränklich, wie er war, hatte ich ihm geraten, Rom eine Weile den Rücken zu kehren und sich vor dem Winter gut zu erholen. Mein Rat hatte sich mit dem seines Arztes gedeckt, und er wog Für und Wider nun ernsthafter ab als zuvor. Dennoch glaubte ich nicht, dass er Rom verließ, und wenn es nur für ein paar Wochen war.
An der Tür gab ich Leone meinen Umhang und fragte ihn, was es Neues gab. Außer einem wartenden Gast lag nichts weiter an, und so nickte ich dem Nubier zu und strebte ins atrium. Die mich begleitenden Sklaven verstreuten sich hier in alle Winde, begaben sich in die Küche oder an einen anderen Ort. Im Näherkommen gewahrte ich Siv und diesen Claudier, von dem mir Leone eben erzählt hatte. Es war das erste Mal seit langem, da sich jemand aus dieser Familie in diesem Haus aufhielt. Ich sah der Sache mit gemischten Gefühlen entgegen. Nichtsdestotrotz würde ich ihn höflich grüßen. Wie immer, wenn ich Siv sah, seit ihrer Offenbarung, blickte ich sie kurz an, musterte dann ohne nachzudenken ihren flachen Bauch und schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Diesmal erwiderte sie es nicht, sondern spuckte dem Gast stattdessen eine hässliche Bemerkung vor die Füße. Augenblicklich trat ein Runzeln auf mein Gesicht. "Siv. Das reicht." Nicht sonderlich energisch und im Grunde nicht der Situation angemessen wies ich sie damit zurecht, beließ es aber sonstig dabei. Seitdem ich wusste, dass sie schwanger war, konnte ich sie nur noch eingeschränkt zurechtweisen. Dem Claudier schenkte ich nun ein - zweifelsohne angebrachtes - entschuldigendes Lächeln. "Claudius, sei mir gegrüßt. Verzeih ihre Bemerkung, sie ist bisweilen schnell reizbar." Zu Siv gewandt und mich gleichsam setzend, fügte ich hinzu: "Stark verdünnt bitte. Dann darfst du gehen." Sie kannte mich, daher wusste sie, dass ich sie damit fortschickte, ehe sie noch mehr anrichten konnte mit ihrem losen Mundwerk. Gleich darauf wandte ich mich wieder meinem Gast zu. "Ich hoffe, du hast nicht lange warten müssen, Claudius? Wie kann ich dir behilflich sein?"
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Kleiner Tipp: Link zum Forum.

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Sim-Off: Wenn es dir beliebt, würde ich beides gern in einen Thread legen. Da der in der villa zuerst existent war, könnten wir dort weitersimmen. Ich lege einmal den Grundstein hierfür.
Bedauerlicherweise war der septemvir nicht da. Oder eher gesagt, nicht mehr, was ein Tafeln tragender, vorübergehender Schreiber dem Klopfenden auch erzählte. "Salve, wartest du auf den Aurelier? Der ist eben weg, du hast ihn ganz knapp verpasst. Morgen Nachmittag kannst du's wieder versuchen. Ich glaub, er ist nach Hause gegangen, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Schönen Tag noch", drang es hinter einem Stapel vorbeimarschierender Tafeln hervor, ehe der Schreiber um die nächste Ecke bog und damit verschwand. Dem Claudier stand es nun offen, am nächsten Tag wiederzukommen oder aber, in dringlichem Fall, den Senator zu Hause aufzusuchen.
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Der Ausdruck auf Columnus' Gesicht grenzte an irrsinnigen Hochmut, wie ich fand, als er huldvoll schnippte und die Menge daraufhin einen kleinen, dicklichen Mann ausspuckte, der in strahlendstes Violett gewandet war - war das tatsächlich tylusische Seide? Der Mann baute sich mit seinem Bauch vor mir auf und quäkte mit ohrenbetäubender Schrille diverse Titel und sonstiges Gewäsch vor sich hin. Meine Augen verengten sich zusehends, doch ich war wie gelähmt vor Verblüffung und unterbrach den Eunuchen nicht, bis die Menge klatschend und johlend die pompösen Worte des Kerls honorierte. Mit aller Kraft riss ich den Blick von dem violetten Menschen und heftete ihn erneut auf die ausgesprochen selbstgefällige Miene des subauctors, der vor Eitelkeit nur so strotzend auf seinem Elefanten saß. Zweifel, Fassungslosigkeit und die Vermutung, er sei von Irrsinn und Größenwahn der übelsten Sorte befallen, wechselten sich auf meiner Miene ab.
Erst die Bewegung des Jungen ließ mich ihn anschauen. Er kniete vor mir und reichte mir eine Schriftrolle, als sei ich selbst der Kaiser. Zwei Herzschläge lang starrte ich ihn einfach nur an, dann presste ich die Kiefer aufeinander und riss ihm die Rolle aus den Händen. Ich hatte nicht nur das Gefühl, dass alle Augen auf mir ruhten. Es war so. Zeile um Zeile las ich die Ausführungen auf dem Papyrus, größer und größer wurden meine Augen. Spätestens bei dem halben Dutzend Fächerträgerinnen klappte auch mein Mund auf. Am Ende angelangt, starrte ich einen Augenblick lang auf eine unbeschriebene Stelle, dann ließ ich den Blick nochmals über die aufgeführten Ausgaben wandern und überschlug im Geiste. Bereits nach der Hälfte der Kosten lief ich allmählich rot an. Am Ende angelangt, belief sich der Gesamtbetrag auf knappe vierhundertfünfzig aurei. Ich ließ den Papyrus sinken und blickte Columnus an, Worte sammelnd. "Columnus. Du kommst da jetzt runter. Du wirst den Elefanten zurückbringen, und zwar auf der Stelle. Und dann kommst du in mein Büro. Unverzüglich", sagte ich langsam und deutlich. Wer mich kannte, der wusste der Tonlage durchaus einen gefährlichen Unterton herauszuhören. Dann wandte ich mich um und verschwand in der domus, außer mir ob der Dreistigkeit dieses undankbaren, erbärmlichen, nichtigen, kleinen subauctors.
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Sim-Off: Ai, Schande über mich!
Rausgezogene Augenbrauen verkündeten, dass ich von der arglosen Entgegnung Louans nicht recht überzeugt war, das Grinsen auf meinen Zügen gaben allerdings preis, dass ich den Sachverhalt recht witzig fand. Gedanklich sah ich Orestes Louan schon eine Strafpredigt halten, weil er eben doch mit Nuala angebändelt hatte. Ich war nur froh, dass ich ihm dann nicht die Leviten lesen musste, sondern mich ganz entspannt würde zurücklehnen und den Sermon genießen können.
"Aha, dann wohnst du also nicht allein. Das ist gut, irgendwann stumpft man sonst ab. Allerdings dürftest du mit deiner Ausbildung auch genug zu tun haben. Du wirst sicher hart rangenommen", gab ich auf Verus' Erklärung hin zurück und schmunzelte in Orestes' Richtung. Dessen Erklärung bezüglich des Trankopfers war zufriedenstellend, ich nahm mir einen Spieß und genoss die gut gewürzten Happen darauf. "Wie geht die Ausbildung denn voran? Weil Orestes und ich verwandt sind, schickt man immer einen anderen septemvir, der den Wissensstand prüft. Bei euch war doch schon jemand? Soweit ich weiß, war Fulvius Frugi eingeteilt."