Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Man möge meinen Zwischenruf im Namen des CD verzeihen, allerdings glaube ich, dass es wichtig ist, dies hier zu erwähnen, da du angibst, Priester zu sein bzw. werden zu wollen: Um den Rang eines sacerdos erwerben zu können, musst du das Bürgerrecht inne haben.

    Die Weile war lang genug gewesen, dass ich meinen Hunger hatte stillen können. Laevina war seltsam still gewesen, und insgeheim fragte ich mich schon, ob mit ihr alles in Ordnung war. Ich kannte keine Frau, die derart still war. So saß ich nun in der herbstlichen Sonne und trank ab und an aus dem blauen Glaskelch, der verdünnten Apfelsaft enthielt, bis Tilla kam.


    "Salve, Tilla", grüßte ich das Mädchen, das ein wenig schüchtern Laevina musterte. "Das ist Laevina. Sie ist meine Großcousine und gestern erst hier angekommen. Sie wird auch eine ganze Weile hier bleiben, und ich möchte, dass du dich um sie kümmerst. Machst du das?" fragte ich sie und sah das Mädchen erwartungsvoll an. Dann wandte ich mich an Laevina. "Tilla kann nicht sprechen. Aber sie hat eine Tafel bekommen und schreibt auf, wenn sie sich mitteilen will. Wenn du geduldig genug bist, kannst du auch die Zeichen erlernen, die sie mit den Händen macht", teilte ich ihr mit. Ich hatte nicht genug Geduld gehabt, die Zeichensprache zu lernen, weswegen Tilla in meiner Gegenwart auch meistens ihre Tafel benutzen musste.

    Mir lag eine Bemerkung über seine Trägheit am Morgen auf der Zunge, die ich allerdings herunterschluckte. Ich war nicht hier, um über Kleinigkeiten zu disputieren. Avianus bot mir einen Stuhl an, und vielleicht war gerade diese simple Geste der Auslöser der Entscheidung, mich vorerst nicht zu setzen. "Nein." So einfach wie abweisend tat ich kund, weder an Wein noch sonst etwas Flüssigem interessiert zu sein. Avianus musterte mich derweil, und erneut entstand die steile Falte auf meiner Stirn.


    Sie vertiefte sich und holte ihre kleineren Freunde herbei, als Avianus seine Erklärung ablieferte. Während ich den ersten Teil durchaus noch nachvollziehen konnte, glaubte ich bei den Worten das Patronat betreffend, mich verhört zu haben. Unter der Haut meiner Wangen war zu sehen, dass ich die Kiefer kurz aufeinander presste. Dieser unschuldig fragende Blick setzte allem noch die Krone auf. "Ich habe mich nicht verhört?" echote ich. "Warum glaubt eigentlich jeder in dieser Familie, sämtliche Regeln der Höflichkeit ignorieren zu können? Tiberius, wie kommst du darauf, dir einen Patron zu erwählen? Jetzt, am Anfang deiner Karriere, wo du doch bereits die besten Voraussetzungen für einen akkuraten Einstieg beisammen hast? Und warum hast du dich für Purgitius Macer entschieden?" donnerte ich und ließ Avianus keine Zeit, etwas zu erwidern. Nicht, dass ich etwas gegen den Purgitier einzuwenden gehabt hätte, doch hier ging es ums Prinzip, das der Junge wohl nicht verstanden hatte. Ich machte eine unwirsche Geste mit der Hand. "Nenn mir doch mal einen Vorteil, den er dir verschaffen kann. Du scheinst mir nicht nachgedacht zu haben, sondern bist blindlings losgelaufen, um dir einen x-beliebigen Patron zu suchen. Warum? Macht man das in deinem Alter gerade so? Das allein ist schon ein gravierender Fehler gewesen, aber was ich absolut nicht nachvollziehen kann, Tiberius, ist dass du es nicht einmal für nötig hältst, vorher mit mir ein Gespräch über solcherlei Absichten zu halten! Ja wo leben wir denn?" Ich saß im Senat, ich hatte eine hochrangige Position im cultus deorum inne, war Kopf der Acta und ich hatte ihm den für den cursus honorum notwendigen ordo verschafft. Ich hatte versucht, ihn in die Handhabe der Ämter einzuführen, und seine Ignoranz und Rebellion war der Dank dafür? Oh ja, ich war enttäuscht, maßlos sogar, denn gerade vom erwachsenen Sohn meines eigenen Bruders hatte ich mehr erwartet als kindliches Ungestüm, insbesondere nach meinem Einsatz für seine Zukunft. Auch, dass er mich schon wieder Corvinus nannte, wurmte mich - waren wir einander etwa so fremd wie gute Bekannte? Ich schüttelte missbilligend den Kopf. "Glaubst du allen Ernstes, dass ich nur um meinetwillen beständig nach oben strebe? Dass ich alle Beziehungen nur für mich selbst hege und pflege? Ja schätzt du mich denn so falsch ein?" fragte ich ihn anklagend.


    Und Avianus hatte darüber hinaus noch das Glück, dass ich nicht einmal im Ansatz ahnte, wie demütig und vorsichtig er bei Macer vorgegangen war. Ich hätte ihm womöglich den Kopf gewaschen, sich als Patrizier so aufzuführen, derart unbeholfen jemandem den Speichel zu lecken, ob hochstehender Senator oder auch Kaiser von Rom. Respekt war eine andere Sache. Mir war zuvor schon aufgefallen, dass Avianus mehr nach Ursus kam, der bisweilen auch respektlos war. Wie beispielsweise auf der aelianischen Hochzeit, wie ich fand, als er gleich zwei Begleiter mitgebracht und damit ausgelöst hatte, dass die Aurelia prozentual größer als die Gastgeberfamilie vertreten war. All dies fiel auf uns in der Gesamtheit zurück, nicht nur auf einen einzelnen. Und im Grunde war ich für uns verantwortlich, auch wenn gerade Ursus sich darüber so oft hinwegzusetzen suchte. Dabei schienen nur die weiblichen Aureliae zu verstehen, dass ich stets nur im Sinne der Familie handelte, handeln wollte. Wie sehr mir diese interne Rebellion an die Nieren ging, schien außer Prisca niemand zu begreifen. "Es gibt rein gar nichts einzuwenden gegen den Purgitier, er ist ein pflichtbewusster Mann, nur für dich ist er der Falsche. Er kann dir nirgendwo helfen, wo nicht auch die Familie dir helfen könnte - ich selbst oder sogar Titus. Er mag für jemanden, der ins Militär strebt, der rechte Patron sein, vielleicht auch für jemanden, der in der Verwaltung herumkrebsen möchte, aber er kann dir nichts bieten, mit dem du selbst etwas anfangen kannst."

    Zeit hatte ich gehabt, das war auch nicht die Frage gewesen. Viel eher hatte ich mich gefragt, mit wem ich die Einladung wahrnehmen sollte. Laevina hatte schon bei der Hochzeit Blut geleckt, was gesellschaftliche Anlässe anbelangte, und sie hatte mich gefragt, ob sie nicht teilnehmen könne, doch hatte die Umschreibung der Gesprächsrunde sie schnell davon abgebracht, sodass sie letzten Endes doch kein Interesse mehr daran hatte, mich zu begleiten - was ich ihr durchaus gestattet hätte.


    Doch war ich dennoch nicht allein unterwegs, sondern hatte mich mit Orestes auf den Weg hierher gemacht. Warum er begeistert war, mich zu diesem Treffen zu begleiten, war mich selbst nur allzu offensichtlich, doch bezweifelte ich insgeheim, dass der Grund für seine Begeisterung überhaupt anwesend war. Doch das würde man sehen.


    Die Stürme dieser Tage waren aufbrausend wie eine störrische Geliebte, was mich dazu bewogen hatte, einen dickeren Mantel um die Schultern zu tragen, gehalten im gleichen dunklen Rot, das man auch auf dem Wappen der Aurelia betrachten konnte. Drei Ringe zierten meine Hände, darunter Senatoren- und Siegelring, darüber hinaus trug ich keinen Putz. Ich warf einen Blick zu Orestes, an dessen Seite ich hierher gekommen war, und bedeutete einem der uns begleitenden Sklaven, zu klopfen und uns vorzustellen. Ein Namenloser erledigte dies, und so war kurz auf das Klopfen folgend die folgende Ankündifung zu hören. "Der Senator et septemvir Marcus Aurelius Corvinus und der sacerdos des Iuppiter Manius Aurelius Orestes folgen der Einladung des ehrenwerten Hausherren."

    Zitat

    Original von Flavia Celerina
    (Weck= Brötchen)


    Oha. Das erinnert mich an eine Diskussion um den Rest vom Apfel. Wie nennt ihr den? Hier sagt man Apfelbutzen oder Grips dazu. Es gibt wohl auch Leute, die das Gribbes, Stronks, Strunk oder Buddes nennen. War mir alles fremd.


    Oder Butterbrot: Büttaken, Stulle, ....

    Mein Fehler war vermutlich, Siv schließlich doch anzusehen. Sie stand wohl kurz vor einem Ausbruch in Tränen, und wie erwartet keimte das schlechte Gewissen, auch wenn ich es verärgert beiseite schieben wollte. Siv begann daraufhin zu sprudeln, wie ein munterer Quell. Mit zusammengezogenen Brauen lauschte ich ihr ein paar Worte weit, dann riss bereits der Geduldsfaden und ein nur halb unterdrückter Laut der Ungeduld drang über meine Lippen. "Verdammt, lern endlich Latein", fluchte ich inbrünstig, schwieg dann aber und hörte ihr doch weiter zu. Was hätte ich auch anderes tun sollen?


    Je weiter sie sprach, desto klarer wurde mir allerdings, dass sie micht nicht verstand. Ganz gegen meine sonstige Gewohnheit unterbrach ich sie nicht gleich, sondern ließ sie weitersprechen, mit dem Blick immer wieder kurz zu ihrem Bauch huschend in der Hoffnung, sie bemerke es nicht. Dann stellte ich den Wein fort, zupfte stattdessen unbeabsichtigt immer wieder an meinen Fingern. Ehrlicherweise beeindruckte mich, dass sie auch Iuno geopfert hatte, und nicht nur ihren Heidengöttern. Hätte man ihr vor zwei Jahren prognostiziert, dass sie dies einmal tun würde, so hätte sie denjenigen ausgelacht, dessen war ich mir sicher. Und sie hatte es sich scheinbar nicht leicht gemacht und nur ein paar läppische Kekse verbannt. Das Opfer war sogar angenommen worden, ein kleines Blutopfer. Etwas wie Stolz blitzte in mir auf und hielt sich wacker gegenüber der Unsicherheit und Panik, die von mir Besitz ergriffen hatte, und die gemeinschaftlich nach außen hin wie Verärgerung wirkten, weil sich Wut viel leichter zugeben ließ als die wahren Emotionen.


    Ich sog meine Unterlippe ein und betrachtete Siv einfach nur. Was sollte ich nur tun? Sie fortschicken konnte ich nicht. Einem anderen befehlen, um Siv zu werben oder gar zum Schein eine Beziehung mit ihr anzufangen, konnte ich nicht. Und Siv war eine Sklavin, verdammt noch eins! Wenn sie das Kind tatsächlich austrug, weil es der Wille der Götter war und...ganz vielleicht auch der meine, dann... Er würde ein Sklave werden. Mein Sohn - ganz automatisch ging ich davon aus, dass es ein Junge werden würde - ein Sklave. Das konnte ich doch nicht zulassen. Es wäre verantwortungslos und, ja, verlogen, weil Siv eben nicht nur eine Sklavin war. Ich blickte auf die Lehne des Sessels hinunter und blinzelte einige Male. Dies hier war die schwerste Prüfung, die ich je hatte bestehen müssen. Siv schwieg, wartete in Anspannung. "Es würde doch jeder wissen, Siv." Nüchtern drangen diese Worte aus mir. Ich sah sie erst einen Moment später an. "Sag mir, was ich tun soll."

    Ich ritzte also jene Information in den Wachs der tabula, dass Decima Flava unter einer patria potestas stand. Und genau dieser Umstand führte mich dann zur nächsten Frage. "In Ordnung, so. Dann hast du gewiss ein Dokument bei dir, das die Zustimmung deines Vaters aufweist?" fragte ich und sah sie an, mich dabei in dem unbequemen Stuhl zurücklehnend. Dieses Sitzmöbel erinnerte mich mehr an die marmornen Bänke im Senat, als mir lieb war.



    Sim-Off:

    Kein Problem, wollte es nur erwähnt haben.

    Der Name sagte mir nichts, aber angesichts des Alters der vor mir sitzenden jungen Dame erschien mir dies auch nicht verwunderlich. Als ihre Mutter noch gelebt haben mochte, war mir allerhöchstens der erste Flaum gesprossen, wenn überhaupt. Die Erklärung inde reichte mir vollauf, doch war sie nichts, das ich vermerken musste, es war rein persönliche Neugier gewesen, die mich die Frage hatte stellen lassen, und so nickte ich nur. Beileid zu bekunden, wäre angesichts der verstrichenen Zeit seit dem Tod ihrer Mutter wohl eher unhöflich als nett gewesen.


    "Ja, deswegen ist ihr Kult auch eher klein. Hier in Rom haben wir nur wenige sacerdotes, die ausschließlich der Diana dienen", erwiderte ich auf ihre Frage hin. "Nun gut. Du bist noch nicht verheiratet?" fragte ich die Decima, bereit, Entsprechendes sogleich zu vermerken.



    Sim-Off:

    Ich schreibe Lateinisches und Götternamen stets kursiv, das ist keine besondere Betonung. :)

    "Salve et tu", grüßte ich freundlich zurück und deutete meinem Besucher einen der beiden Sitzplätze vor dem wuchtigen Schreibtisch. Ihr Anliegen war nur insofern eine Überraschung, dass ich eher angenommen hatte, sie würde Priesterin der Venus oder der Iuno werden wollen. Diana aber war ein ausgefallener Wunsch. "Ich bin Aurelius Corvinus, und du bist hier ganz richtig. Setz dich doch bitte." Schließlich sollte man seltene Besucher nicht gleich wieder vergraulen. Ich zog mir eine frische tabula heran und zückte den stilus, um schon einmal den Namen aufzuschreiben, den sie mir eben genannt hatte. Eine Decima. Interessant. "Du möchtest also Priesterin werden. Ein ehrenhaftes Anliegen. Darf ich fragen, warum es gerade Diana sein soll, in deren Tempeln du vordergründig dienen möchtest?"

    Zusätzlich zu meinen Pflichten als septemvir waren nun noch jene eines Senators hinzugekommen. Im officium der regia war allerdings nie sonderlich viel los, so dass ich bisher gut mit meiner Zeit zurecht kam. Allerdings stand das Klopfen gerade in Widerspruch zu dem eben gedachten Gedanken, was mich jedoch nicht davon abhielt, den Klopfenden - oder in diesem Falle die Klopfende - hinein zu bitten und interessiert zu beobachten, während sie eintrat.

    Ich war schließlich stehen geblieben, mit dem Rücken zum Raum, dem Blick aus dem Fenster gerichtet. Abermals fuhr ich mir übers Gesicht, doch das Wissen um Sivs Worte konnte ich nicht fortschieben, so sehr ich es auch versuchte. Die Hände hatte ich inzwischen locker um Nase und Mund gelegt, nachdenklich sah ich an den Handrücken vorbei hinaus. Bona Dea. Wenigstens, dachte ich in einem Anflug von Irrwitzigkeit, musste ich mir keine Gedanken um meine Fruchtbarkeit machen. Andererseits... Wer sagte mir, dass Siv nicht...? Ich schloss die Augen. Das war Unsinn. Schließlich wusste ich, wie es um ihre Gefühle stand. Selbst, wenn sie es nicht gesagt hätte, damals, so sah man es ihr doch an.


    Als Siv sprach, sah ich sie nicht an. Ich konnte es nicht. Würde ich sonst vielleicht meine Meinung ändern? Sie klang so erstickt und gepresst, als unterdrückte sie Tränen. Ich fühlte mich schon jetzt hinterhältig. Schuldigkeit würde sich breit machen, wenn ich sah, dass sie weinte. Ich durfte nicht hinsehen. Es war doch eine bekannte Weisheit, dass etwas nicht tatsächlich passierte, wenn man nicht hinsah. Langsam schöpfte ich Atem, meine Gedanken drehten sich im Kreis. Was nur sollte ich tun? Zu behaupten, jemand anderer sei der Vater, wäre außerhalb der Familie sinnvoll, doch innerhalb? Es war für die meisten kein Geheimnis, dass Siv und ich bisweilen intim miteinander waren.


    Flüchtig dachte ich an Celerina. Sie kannte gewiss Mittel und Wege, dass das Kind nicht geboren werden würde. Allerdings... Was dachte ich da? Es war zum Teil mein Fleisch und Blut. Wieder knirschte ich mit den Zähnen. Sivs Worte rauschten an mir vorüber, eines jedoch blieb hängen: Iuno. Ich erstarrte und fuhr herum, hörte gerade noch, was es mit ihrem Namen auf sich hatte. Mit zugeschnürter Kehle erfasste ich den tieferen Sinn dessen, was Siv gesagt hatte. "Iuno hat dein Opfer angenommen?" fragte ich ein wenig schrill, Siv so entgeistert anstarrend, als hätte sie soeben von so etwas Kuriosem wie sich selbst bewegenden Gefährten gesprochen. Das änderte alles. Wenn Iuno das Opfer angenommen hatte... Das konnte nur bedeuten, dass Siv es richtig gemacht hatte. ...was eine andere Frage aufwarf. "Woher weißt du, wie man opfert?" fragte ich sie. Nie hatte ich Siv mitgenommen, wenn ich opferte. Mir war schwindelig, heiß und kalt zugleich. Mein Blick suchte den Sessel, fand ihn und ich setzte mich. Dann griff ich nach der Weinkaraffe, warf dem Becher nur einen Blick zu - und trank dann direkt aus dem Krug einen gewaltigen Schluck. Ihr Götter...was soll ich nur tun?


    Sicher, ich könnte Siv fortschicken. Aber das brachte ich nicht übers Herz, jetzt nicht mehr. Ich könnte den Griechen wieder herholen lassen, doch konnte ich das verantworten, wenn Iuno das Opfer angenommen hatte, das Siv angeblich dargebracht hatte? Ein leises Stimmchen frohlockte, dass ich Vater wurde. Ich selbst hatte nur ein Bedürfnis: Mich zu betrinken. Und dann mit Prisca zu reden, die nicht da war. Ich legte den Kopf in den Nacken, und sog die Luft ein. "Ihr Götter..."

    Sim-Off:

    8o Wow... selbst gemalt?



    Ich vages Schmunzeln auf den Lippen, ging ich auf Louan zu und nahm dann die Zeichnung, die er zuvor aus der Papyrusmappe geholt hatte. Schon beim ersten flüchtigen Anschauen hoben sich meine Brauen, bei eingehenderer Betrachtung trat der Ausdruck der Bewunderung vollends auf meine Gesicht. "Herrje", sagte ich und studierte jede noch so winzige Einzelheit der vollkommenen Zeichnung. Ich hörte zwar die Aufregung in der Stimme des Jungen, konnte aber den Blick nicht sofort von dem Werk reißen.


    Erst nach einem weiteren Moment riss ich mich los und sah Louan an, mit sprichwörtlich anderen Augen. Dass ein solches Talent dem Jungen innewohntem hätte ich im Leben nicht vermutet. Er musste von den Göttern gesegnete Hände haben. "Das ist fabelhaft, Louan", sagte ich. "Beinahe meint man, die Orchidee wüchse auf dem Pergament weiter." Ich deutete auf einen Stuhl der kleinen Sitzgruppe und setzte mich selbst ebenfalls hin, immer wieder einen Blick auf die Zeichnung werfend. Begeistert lächelte ich den Jungen an, als er ebenso schwärmte von der exotischen Pflanze wie ich. "Sie gefällt dir? Ich habe sie aus Asia importieren lassen. Es heißt, dass es noch sehr viele andere Arten gibt, und ich überlege, ob sich ein ganzes Beet nicht gut machen würde. Was meinst du? Und hast du noch andere Pflanzen gesehen, die dir gefallen? Den Garten kennst du ja jetzt." Gedanklich musste ich Ursus Abbitte leisten. Der Knabe war doch kein vagabundierender Lump, man konnte tatsächlich etwas anfangen mit ihm!

    Ein wenig wundersam war es schon, dass sie sich so sehr schämte für das Malheut zuvor. So kannte ich Siv gar nicht. Sie schien rastlos und ausgeregt, zugleich oeinlich berührt und ängstlich. Was war das nur? Ich blinzelte angestrengt den Schlaf fort, der mich jedoch nur langsam freigeben wollte. Derweil war Siv wieder aufgesprungen und schritt im Zimmer auf und ab. In diesem Moment schwante mir, dass es hier nicht nur um die Sache von vorhin ging. Irgendetwas hatte sie ausgefressen. Nur was?


    "Hm", machte ich und nickte zustimmend. Schließlich hatte ich Brix den Auftrag gegeben, den Griechen herbeizuholen. Meine Augen folgten den Bewegungen Sivs, die mal hin, mal her lief und dabei einen Ausdruck auf dem Gesicht hatte, der alles andere als glücklich war. Ich rutschte noch ein wenig tiefer in den Sessel hinein und harrte der Dinge, die da wohl gleich noch kommen mochten. Unnötig zu erwähnen, dass ich darauf wartete, die Diagnose des Arztes von ihr zu hören. Je länger ich darauf warten musste, dass Siv weitersprach, desto argwöhnischer wurde ich. Schließlich stand eine steile Falte auf meiner Stirn, und Siv kam ganz plötzlich zu mir und blieb abrupt vor dem Sessel stehen. Erwartungsvoll sah ich zu ihr auf. Sie wusste doch, dass ich kein Liebhaber von Ratespielchen war, warum spannte sie mich dann so auf die Folter? Schließlich sagte sie etwas, doch was sie sagte, ließ mich nur verwirrt dreinsehen. Nicht ehrlich? Wie konnte man nicht ehrlich sein, wenn man sich übergab? Unverständlich rückten meine Brauen zusammen, nur um im nächsten Augenblick fassungslos auseinanderzurutschen. Jetzt war ich wach.


    Ich war gar nicht fähig, etwas zu sagen. Selbst wenn, so hätte ich nicht einmal gewusst, was. Ich starrte Siv einfach nur an, hatte keinen Blick für ihre Angst, nicht genug Nerv, um die Nervosität richtig zu deuten. Diese Information traf mich wie ein Hammerschlag, doch in den germanischen blauen Augen war kein amüsiertes Glitzern zu entdecken, das ihre Worte als schlechten Scherz enttarnt hätte. Da war nichts, nur Hoffnung und Angst und Verwirrung. Ich schloss die Augen, holte erst jetzt wieder Luft. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich sie überrascht eingesogen und dann angehalten hatte. Mein eben noch so träger Geist raste. Ich sah Aquilius, Celerina, ja sogar Deandra an mir vorbeiziehen, Situationen, die ich mit jedem von ihnen durchlebt, Worte, die ich mit jedem von ihnen gesprochen hatte. Und ein leises Gefühl der Panik keimte in mir. Jetzt war ich es, der nicht länger still im Sessel sitzen konnte. Ich katapultierte mich regelrecht hoch und wandte mich um, von Siv fort, die Arme vor der Brust verschränkt, die Rechte locker über den Mund gelegt. "Bona Dea."


    Wie hatte das nur passieren können? Ich starrte die Darstellung einer Jagd an, welche die Ostwand des tablinum zierte. Gelegenheiten hatte es wahrlich viele gegeben, und an das Wie erinnerte ich mich nur allzu gut, aber warum war Siv schwanger? Es gab doch so viele Möglichkeiten, wie man genau das verhindern konnte! Zerstreut schüttelte ich den Kopf. Am morgigen Abend sollte ich Celerina darum bitten, meine Frau zu werden - und nun das. Ich hatte gar nicht darauf eingehen sollen, von Anfang an nicht. Es war klar, dass etwas Ungutes daraus erwachsen würde. Ich hätte meine Finger von Siv lassen sollen, nach ihrem Flcuhtversuch erst recht. Ich... Durch den Wirbel meiner Gedanken hindurch drang ein Laut, und ich wurde mir wieder dessen bewusst, dass Siv noch im Raum stand. So wandte ich mich um und taxierte sie. Ohne es bewusst zu steuern, heftete ich meinen Blick auf ihren flachen Bauch, der in ein paar Monaten eine kleine Kugel sein würde. Wie hatte sie das nur zulassen können? Ich würde mein Gesicht verlieren, wenn das herauskam, wenn schon nicht in der Öffentlichkeit, dann in der Familie. Ich atmete gepresst, knirschte mit den Zähnen. "Ich...Wie... Warum hast du nicht...?" versuchte ich mich zu artikulieren, schluckte und riss mich dann zusammen. "Wie kannst du mir das antun, Siv? Ausgerechnet jetzt?" fragte ich sie und deutete ein Kopfschütteln an. "Du hast doch aufgepasst... Das hast du doch?! Ich meine... Warum ist das trotzdem passiert? Ich kann doch nicht...." Wieder schüttelte ich den Kopf, meine Stimme trug jetzt die deutliche Unterschrift der Panik in sich. Ich fuhr mir mit beiden Händen durchs Haar, wandte mich um und begann, mit den Händen auf der unteren Gesichtshälfte durchs Zimmer zu schreiten. Irgendetwas musste ich unternehmen. Nur was? Und wie?

    Nach dem Essen hatt ich zwar noch versucht, weiterzuarbeiten, aber es war wie so oft in letzter Zeit nicht möglich gewesen. Buchstaben und Zahlen verschwammen vor den Augen, ich konnte mich nicht konzentrieren und das Völlegefühl tat sein übriges. Ich war also ins tablinum hinüber gegangen, hatte mich dort in den bequem gepolsterten, tiefroten Sessel direkt am Fenster in der zaghaften Sonne gesetzt und den Kopf in den Nacken gelegt, um ein wenig zu dösen. Ehe ich allmählich weggedämmert war, hatte ich wieder an die Worte von Aquilius denken müssen, das Alter betreffend. Ich würde bald dreißig werden. Konnte es sein, dass man da schon mittags nur noch schlecht Konzentration fand? Wann würde wohl der andere Makel auftreten, von dem er gesprochen hatte? Ich sollte mich wirklich beeilen mit dem Erben, ehe es nicht mehr möglich war, überhaupt einen zu zeugen. Seufzend hatte ich schließlich doch in jenen förderlichen Dämmerschlaf gefunden, nach dem ich wieder Papyri und Wachstafeln wälzen konnte.


    Lange hatte ich nicht so gedöst, zumindest sagte mir das mein Zeitgefühl, als eine bekannte Stimme den Nebel zum Teil lichtete, und mich mühevoll die Lider heben ließ. "Mmh.." murmelte ich, eine Hand schon halb erhoben, um mir über die Augen und dann übers Gesicht zu fahren. Mein Kopf war schwer, ich noch müde, und doch blinzelte ich in die unvertraute Helligkeit und entdeckte Siv, die irgendwie seltsam wirkte. Ich interpretierte in ihre Körperhaltung ein schlechtes Gewissen hinein, gähnte herzhaft und versicherte ihr dann schläfrig: "Ist schon in Ordnung. Das kann jedem mal passieren."

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    Die Sklavin wiederholte noch einmal, was Aracus ihr soeben mitgeteilt hatte. Zufrieden nickte der iatros, klopfte seinen Stößel ab und schüttete das Pulver zurück in das Säckchen, das er eben schon verwendet hatte. "Wenn es leer ist und dir dann immer noch schlecht sein sollte, komm einfach vorbei, dann gebe ich dir ein wenig mehr", sagte er und reichte ihr das Leinenbeutelchen. "Ich wohne in der Via Nigra beim Venustempel. Nummer Vierzweifünf." Der Doktor hob nun seine Tasche auf den Schoß und begann, seine sämtlichen Utensilien wieder einzuräumen. Dass Siv so verblüfft war wegen seinem Schuss ins Blaue, was den Vater anging, verwirrte ihn in keinster Weise. Sicher schämte sie sich etwas, auch wenn Aracus nicht genau wusste warum, denn der maiordomus hatte doch ganz ansehnlich gewirkt. So sagte er daraufhin nichts, stand schließlich auf und klopfte sich nicht vorhandenen Staub aus der schlichten tunica.


    Erst jetzt schien er Siv wieder zu realisieren, sah sie eingehend an und lächelte noch einmal zum Abschied. "Wie? Dein dominus? Oh, ich denke nicht, dass er mich sehen will", sagte Aracus. Brix hatte ihm zuvor gesagt, dass er zu ihm kommen sollte, wenn er bei Siv fertig war. Wegen der Bezahlung und dergleichen. "Also denn, kleine Germanin. Ich wünsche dir und dem Kind den Segen deiner Götter. Und wenn etwas ist, solltet ihr mich rufen lassen. Viel Glück bei deinem dominus!" Sprach's und war kurz darauf auch schon aus der Kammer verschwunden, um irgendwo in der villa auf Brix zu stoßen, um sich sein Honorar abzuholen und diverse Ratschläge dazulassen.

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    "Hm?" Zerstreut hielt der griechische Doktor inne und blickte auf , als Siv ihre Frage stellte. Er wirkte kurz so, als wunderte sich, dass sie überhaupt anwesend war, dann aber schlich sich das Erkennen in seine Züge, und gleichsam erschien ein warmes Lächeln zwischen den Krauseln seines Bartes. "Oh", machte er und ließ eine getrocknete Grille zurück in das Säckchen plumpsen. "Meine Liebe, wenn mich nicht alles täuscht - und ich täusche mich höchst selten, musst du wissen - dann wirst du in einem Dreivierteljahr den Vater deines Kindes sehr stolz machen." Der iatros lächelte Siv noch einmal an, zog dann erneut eine Grille aus dem Beutel und ließ sie in den größeren fallen. Geschäftig und summend hantierte er weiter, natürlich, ohne auf die zweite Frage einzugehen.


    "So", verkündete er schließlich und öffnete seine Tasche wieder, um diesmal ein Schälchen und einen Mörser hervorzuholen. "Das hier wird dir helfen, dass dir nicht ständig schlecht wird." Aracus leerte die Zutaten des Säckchens in die Mörserschale und begann damit, das bunte Allerlei zu zermahlen. "Du musst davon jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen eine halbe Unze in einem Becher heißem Wasser ziehen lassen, bis du die Kräuter nicht mehr erkennen kannst, und dann trinken. Das hilft dir, ganz bestimmt", erklärte er ihr, während er fleißig mörserte. "Du solltest viel Frisches essen und aufpassen, dass du dich nicht verkühlst. Ich werde das auch noch dem Vater des Kindes sagen, Briggs, oder wie er heißt. Er kann ruhig ein wenig auf dich acht geben." Aracus nickte gedankenverloren und sprach gleich weiter. "Und du solltest mit deinem dominus reden, falls er, hm, andere Pläne hat." Er hielt inne und sah Siv mit dem Mörser in der Hand an. "Aber falls er die hat, solltet ihr mich rufen. Es kann bös enden, wenn man, hm, es auf eigene Faust versucht", schärfte er ihr mörserschwingend ein. Dann mahlte er weiter.

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    Ohne sich dessen bewusst zu sein, tat der iatros genau das gleiche wie Siv, nämlich die Arme auf dem Rücken zusammenzufassen. Und er nickte, als sie sprach. "Dann kommst du aus dem Norden", entgegnete er und drehte sich herum, da Siv sich geräuspert hatte und das Plätschern verklungen war. Zufrieden sah er auf die Pfütze in der Schale hinunter, dann wandte er ihr den Blick zu. "Du hast das Meer noch nicht gesehen?" fragte er sie ungläubig. Schließlch war Ostia nicht allzu weit entfernt, und ihm wollte einfach nicht einleuchten, dass Siv noch nicht dort gewesen war. Verwundert blinzelte er einige Male, endete dann in einem "Hm!"


    So wandte er sich also der Schale zu, nahm das warme Holzgefäß auf und betrachtete im hereinfallenden Licht die Färbung des Inhalts. Vorsichtig schwenkte er den Urin herum, schließlich wollte er nichts verschütten, hielt dann die Schüssel dicht unter seine Nase und sog den Geruch ein. "Aha aha aha", machte er leise und schnüffelte noch einmal. Einen Schwenker später stellte er die Schale wieder ab und steckte den Zeigefinger zuerst in Sivs Urin, dann in den Mund. Und schließlich nickte er langsam. "Sauer und süßlich", teilte er ihr mit und öffnete nun wieder seine Tasche, um darin herumzukramen. Er förderte mehrere Leinensäckchen zu Tage und holte auch ein größeres, leeres hervor, dann setzte er sich wieder und verschloss die aromatisch duftende Tasche. Leise summend begann er, ein Beutelchen nach dem anderen aufzuknüpfen, hier eine Unze voll herauszunehmen und dort ein wenig mehr, und nach und nach füllte er mit den verschiedensten Kräutern, Wurzeln und anderen kuriosen Dingen das leere Säckchen. Natürlich, ohne etwas zu sagen, denn das hatte er schlicht vergessen.

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    "Rund fünfzig Tage, hmm", machte der iatros und strich sich nachdenklich durch den Bart. Wenn es wirklich so war, dann würde er es riechen. Und das, was Siv sonst noch beschrieb, klang ganz danach, als sei es wirklich eine Schwangerschaft. Aracus nickte einige Male zerstreut vor sich hin, unterdrückte ein Murmeln zu sich selbst und lächelte die Sklavin dann unter seinem Bart hindurch wieder an. Gerade die Spannungen in der Brust und die scheinbar unberechtigt aufkommende Müdigkeit waren Indizien dafür, dass das Mädchen in freudiger Erwartung war.


    "Ja, ich bitte darum", sagte er dann, als sie ihn so fassungslos ansah. Dann schien ihm etwas einzufallen, und er schaute sie seinerseits peinlich berührt an. "Oh, natürlich.... Verzeih einem alten Mann seine schlechten Manieren", fügte er hinzu und stand auf, um sich umzudrehen und aus dem schmalen Fenster zu schauen. Draußen wirbelte der Wind einige Blätter durch den sonst sehr gepflegt wirkenden Garten. Aracus seufzte leise und begann, doch wieder vom Wetter zu reden, um das Mädchen ein wenig abzulenken. "In meiner Heimat, weißt du, da ist das Wasser blau wie ein Saphir. Wellen mit weißen Schaumkronen branden an die schroffe Küste oder rollen träge über den feinen Sand... Und es ist viel wärmer als hier. Manchmal glaube ich, dort herrscht immer Sommer. So wie in den alten Legenden aus meinem Heimatland, weißt du..." Die Stimme des Alten machte deutlich, dass er in der Erinnerung schwelgte.

    Sim-Off:

    Hab ganz deine Antwort überlesen, Aqui


    Ein wenig gedankenverloren betrachtete ich das bunte Durcheinander an Tuniken, Putz und sonstigem Tand. Trotz allem war es dennoch eine eher kleine, beschauliche Feier, nicht so wie manch eine pompöse Eheschließung, von der man ab und an hörte - und das, obwohl es zwei alte Patriziergeschlechter waren, die sich hier verbanden. Plötzlich traf mich die Erkenntnis, dass mir selbst womöglich eine pompöse Hochzeit bevorstand, denn natürlich würde Celerina ein gewisses Mitspracherecht haben, wenn es denn keine Einwände seitens Aquilius geben würde, was die ganze Chose ohnehin von vorn herein zunichte machen würde. "Mhm.." war das einzige, das ich zum Besten gab als Antwort auf Aquilius' Worte, die ich, wie ich zu meiner Schande eingestehen musste, nicht einmal zur Hälfte verstanden hatte. Ich musterte versonnen die bunten Farbtupfer um uns herum - der Garten war wahrhaft herrlich - und setzte mich dann gemeinsam mit ihm in Bewegung, um sozusagen als Schlusslicht der Hochzeitsgesellschaft zu der Terrasse zu folgen, auf der kurz darauf die Götter ins Spiel kamen.


    Kaum angefangen, schienen Leberschau und Opfer auch schon vorüber zu sein, plötzlich hielt Aristides die Hand der schmalen Epicharis in seiner, leistete den Schwur und wartete auf ihre Erwiderung. Die Claudierin schien mir so glücklich und unbeschwert zu sein wie ich es wohl niemals werden würde, ein Gedanke, der mir einen dumpfen Stich versetzte und mich seufzen ließ. Ein kurzer Seitenblick irrte zu Aquilius, der nicht gerade besser aussah als ich mich selbst fühlte, und ich nutzte den Moment der erwartungsvollen Stille vor dem Gelübte der Braut, um hinten, wo wir standen, meinen Freund mit dem Ellbogen sachte anzustoßen. "Das wird schon noch." Woher ich die Zuversicht nahm, wusste ich nicht, doch ich meinte, zumindest ein ganz klein wenig Halbherzigkeit herauszuhören.

    Zitat

    Original von Nakhti
    Weitere Hochzeitsgäste trafen ein. Nakhti kündete sie an:
    "Senator Aurelius Corvinus und Aurelia Laevina!"


    Mit Laevina an meiner Seite folgte ich dem Sklaven, der ein wenig dunkel um die Augen war - vermutlich einer dieser Ägypter, dachte ich mir. Oder ein Orientale, denn denen sagte man auch nach, dass sie ihre Augen bemalten wie Frauen dies bisweilen machten. Schnell war der Sklave wieder verschwunden, vermutlich, um die nächsten Gäste hereinzubringen, und Laevina und ich fanden uns sozusagen inmitten von gut gekleideten Hochzeitsgästen wieder. "Ich würde sagen, wir gratulieren zuerst", raunte ich ihr zu und deutete auf die Braut hin, die schließlich unverkennbar gekleidet war. Unterwegs machte ich einen Auguren aus, und ich hielt unwillkürlich Ausschau nach einem haruspex. Während wir uns gemächlich den Weg bahnten, erklärte ich Laevina leise die Namen derjenigen, die in unser Blickfeld rückten. "Das dort ist der consul, Aelius Quarto. Er ist der Bruder des Kaisers... Und dort ist Purgitius Macer, Senator und curator aquarum hier in Rom.... Der Bräutigam heißt Prudentius Balbus, er ist ein hochrangiger Prätorianer. Du kannst davon ausgehen, dass dementsprechend viele seiner Kameraden geladen ist. Das dort drüben...." Und es folgten noch einige Namen von bekannteren Gesichtern, die ich zu benennen wusste. Vermutlich würde Laevina ohnehin nicht alles sich merken können, doch das war nur allzu verständlich.


    Schon bald waren wir bei den Brautleuten angekommen. Eine Frau mit dunklem Teint stand ganz in der Nähe und unterhielt sich augenscheinlich gerade mit Quarto. Dann und wann hatte ich jemandem bei Blickkontakt zugenickt. Jetzt aber standen wir bei Balbus und Vespa, und als die Gelegenheit günstig war, stellte ich uns vor. Die Braut kannte ich schließlich noch nicht. "Ein wirklich schöner Tag für die Eheschließung", sagte ich. "Prudentius, wenn du gestattest: Du hast eine wunderschöne Braut." Ich lächelte die blonde Aelia an. "Ich bin Aurelius Corvinus, dies hier ist meine Großcousine Laevina. Meinen herzlichsten Glückwunsch zur bevorstehenden Vermählung euch beiden." Das Geschenk würde es selbstverständlich erst am nächsten Tag geben, wie es Sitte war.