Ich war beiseite getreten, um den anderen Gäste auch Gelegenheit zu bieten, dem Paar zu gratulieren. Eine wahre Flut an Geladenen schien durch das atrium zu wabern, beinahe musste man acht geben, wohin man trat, um niemandem über die Füße zu laufen. Bisweilen passierte es allerdings doch, und gerade jetzt war ein solcher Moment. Hastig machte ich einen Schritt zur Seite weg und wandte mich dann um. "Verzeihung", entgegnete ich der hübschen Dame (Caenis). "Das war kene Absicht. Ich fühle mich fast wie in einem Bienenschwarm. Die beiden haben recht viele Gäste eingeladen." Und alles, was Rang und Namen hatte, schien anwesend, den Kaiser bisher ausgenommen. "Darf ich dir meine Großcousine vorstellen? Aurelia Laevina, und ich bin Marcus Aurelius Corvinus."
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Kaum hatte ich Platz genommen, zur Rechten der Purgitia und zur Linken von Orestes, wurde der erste Gang aufgetischt. Ich ließ es mir schmecken und lauschte derweil den Gesprächen. Êine Weile später traf Gracchus ein, und er hatte Aristides mitgebracht. Kurz überlegte ich, ob er wohl inzwischen fest unter der Pantoffel seiner Angetrauten stand. Orestes und er schienen sich bereits näher zu kennen und redeten über irgendein Ritual, das er wohl vollzogen hatte. Macer, Durus und Quarto befanden sich gerade im Gespräch über die Dinge, die Quarto noch ansprechen wollte. Nachdem ich die beiden Flavier kurz begrüßt hatte, sann ich darüber nach, dass es bis zu meinem Konsulat noch weit hin war. Ich hatte nicht vor, allzu schnell den Berg hinaufzustürmen, nur um dann oben festzustellen, dass ich vollkommen außer Atem war und die Sehenswürdigkeiten entlang des Weges nicht einmal gesehen hatte.
Ich ließ mir Wein nachschenken, wobei mein Blick auf die einzige anwesende Dame fiel. Sicher langweilte sie sich, so als einzige Frau in dieser Runde. Ich lächelte ihr flüchtig zu. Dann fiel der Name des Ermordeten, und mein Augenmerk lenkte sich nun wieder auf Orestes und Aristides, und ich verfolgte ihr Gespräch eine Weile. Nachdem Orestes auf die ihm gestellte Frage geantwortet hatte, stellte ich selbst eine Frage. "Was ist mit dir, Flavius, möchtest du auch den Weg in die Politik finden?"
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Ich war selbst einer jener Magistrate, deren Namen dort vorn vorgelesen worden waren. Gewiss wusste ich nichts davon, dass Annaeus Modestus seinerzeit dem amtierenden consul bereits eine Liste zusammengestellt hatte und dementsprechend hatte nicht geahnt, dass jene wohl verschütt gegangen und deswegen hierüber noch nicht debattiert worden war. So verwunderte es mich durchaus, dass dieser Disput nun angestoßen werden sollte. Ich war automatisch davon ausgegangen, dass meine Arbeit keine Auszeichnung wert gewesen war. Mit mir selbst uneins darüber, ob ich über jenen Zwischenfall hier bereits vor Rücksprache mit dem collegium pontificium oder dem Kaiser selbst Rechenschaft ablegen sollte, der sich während meiner Amtszeit als quaestor urbanus ereignet hatte, saß ich auf der Bank im Senat und grübelte. Unter anderen Umständen hätte ich nicht die Möglichkeit dazu erhalten, doch sollte ich sie nutzen?
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Vor einem Opfer eine Gebühr zu entrichten empfand ich als ebenso haltlos wie sinnfrei, gleich verhielt es sich mit der angesprochenen Steuer der Patrizier. Nicht, dass ich nicht bereit gewesen wäre, eine solche zu entrichten, wenn sie auch dem Kult zugute kam, doch würde es wohl kaum mehr Opferwillige in die Tempel und mehr Nachwuchs in den culuts locken, wenn Patrizier - oder irgendjemand - eine besondere Steuer zahlte.
Die Reaktion des rex sacrorum auf sämtliche Belange, die den Staat auch nur annäherungsweise zu schröpfen suchten, war eindeutig. Es deutete dies gänzlich darauf hin, dass er, als eine der religiösen Größen des Staates, dieses Vermögen zum Teil als sein eigenes betrachtete. Wieder war mir danach, auszuspucken vor ihm, meinen Ekel und meine Abscheu vor ihm kund zu tun, doch ich beließ es dabei, ihn ein wenig länger als üblich anzuschauen und den Blick dann von ihm abzuwenden. Länger hätte ich es nicht ertragen, ihn so selbstgefällig dort sitzen zu sehen, nicht in dem Wissen um die Taten, derer er sich schuldig gemacht hatte.
Die Tempelfinanzierung, die als eigentlicher Ausgabefaktor des kultischen Vermögens genannt wurde, ließ mich an die verschiedenen Tempel denken, die partiell sanierungsbedürftig waren. Tagtäglich gingen Briefe ein, nicht nur beim scriba des rex, sondern auch an unterschiedlichsten Adressen, und auch auf meinem Schreibtisch hatte ich schon Klagebriefe und Bittstellungen gefunden. Scheinbar versuchten es die ernsthaft bemühten Priester überall, nur um doch mit dem allernötigsten abgespeist zu werden. Ich seufzte leise, brachte mich dennoch nicht in die Debatte ein. Dies war eine Entscheidung, die das collegium pontifcium zu treffen hatte. Ich hatte die Informationen und den Anstoß geliefert, und es war nicht an mir, hier zu intervenieren und mehrmals deutlich mein pro für diese Erhöhung der Verdienste auszusprechen.
Endlich aber kam sie, die Aussage von einem Mann, welcher der Farbe Orange sehr zugetan zu sein schien. Mir lag eine beifällige Bemerkung auf der Zunge, doch schwieg ich wieder. Und schließlich lenkte der rex sacrorum die Aufmerksamkeit aller auf sich, indem er sich erhob und zur Abstimmung aufforderte. "Einen Anreiz bieten, genau das ist es, was ein wenig mehr Geld bewirken kann. Das Siebenmännerkollegium befürwortet diesen Schritt, denn auch wenn es derzeit bergauf zu gehen scheint mit der Zahl jener, die sich dem Dienst an den Göttern verschreiben, so wissen wir doch aus der Erfahrung, die die Zeit uns lehrt, dass dies keinesfalls als längerfristig andauernder Zustand betrachtet werden kann", fügte ich auf die Frage des Fabiers an. Jetzt kam es wohl darauf an, wie viele der pontifices für eine Erhöhung der Verdiensteinnahmen stimmten, auch wenn wohl noch nicht ganz klar war, woher man diese Gelder nehmen sollte.
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"Im Grunde reicht da die simple Versicherung, dass dein Beitritt in den Kult bekannt und gestattet ist. Mehr muss das gar nicht sein, also keine besondere Formulierung, nein", erwiderte ich und schüttelte den Kopf. Wenn sie dieses Schreiben dabei hatte, würde ich die Tafel doch gleich noch beschreiben können, um sie später dem rex sacrorum der Ernennung wegen vorzulegen.
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Ich muss leider ablehnen.
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Guten Morgen,
nun gut, ich denke, wir versuchen es miteinander.
Sage mir doch bitte noch, wie alt Severa in etwa sein soll, dann lässt sich leichter ein Platz für dich finden. Ehe du einsteigst, sollten wir auch noch einige Eckpunkte der bzw. deiner Vergangenheit klären, dazu schreibst du mir nach Freischaltung am besten eine PN.Willkommen in der Aurelia.

Corvinus -
Willkommen zurück.

Ich bin derzeit etwas langsam und bitte das zu berücksichtigen. Ich werde versuchen, niemanden allzu lange warten zu lassen.
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Guten Morgen Severa,
erzähl mal etwas über dich bzw. deine ID. Hast du Pläne, Wünsche? Warum, meinst du, passt du zu uns? Und wo siehst du einen möglichen Platz im Stammbaum für dich?
Grüße
MAC -
Das war glaube eher so gemeint, dass du dich privat darum kümmern und nicht den Kaiser behelligen solltest.
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Zitat
Manius Tiberius Durus et Original von Spurius Purgitius Macer
Die Bedeutung der Berührung der tiberianischen Wange blieb mir ebenso verborgen wie der sehr gut abgeschminkte blaue Fleck, der dort eigentlich prangte. Es war allerdings offensichtlich, dass Durus nicht weiter darüber sprechen wollte, also nickte ich daraufhin nur und schmunzelte anschließend. "Tiberius Durus, bescheiden wie immer", kommentierte ich und lachte.
Ich war mir nicht sicher, wen Orestes schon kannte und wo eine Vorstellung noch ausstand. Also begann ich damit gleich, nachdem ich Macer begrüßt hatte. Die Nachricht von Avianus lag mir immer noch schwer im Magen, was allerdings kein Grund für unnötige Unhöflichkeit war, konnte der purgitische Senator doch am allerwenigsten etwas für Avianus' - wie ich fand - unüberlegtes Verhalten. "Purgitius Macer, sei gegrüßt. Salve auch dir, Purgitia. Darf ich euch Manius Orestes vorstellen? Er ist mein Großcousin und dient derzeit im Kapitol als sacerdos des Iuppiter. Nun, ich bin gespannt, ob es wieder so eine illustre Runde wird wie beim letzten Mal."
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Dass Siv deutlich zurückgerudert war, bewies nicht nur die distanziertere Anrede, die sie mir gegenüber wieder benutzte. Im balneum vor einiger Zeit war es anders gewesen, und warum sie jetzt wieder anders handelte, war mir nicht klar. Ihr Glück war nur, dass sie mich nun nicht dominus nannte. Was ich dann getan hätte, wusste ich nicht zu sagen. So presste ich nur die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und sah sie an. Siv aber hatte den Blick gesenkt. Sie wich mir aus, womöglich, weil sie wusste, dass es ein Fehler gewesen war, nicht gut genug dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nicht passieren konnte. Doch Siv wirkte nicht schuldbewusst, sondern verängstigt, und in diesem Moment ging mir auch auf, warum das so war. Im Grunde konnte ich ihr alles nehmen, nicht nur das Kind, sondern wahrhaft alles. Eine tiefe Furche entstand auf meiner Stirn, während ich darüber nachdachte. Bisher war alles so selbstverständlich gewesen, der Umgang mit den Sklaven, ihre niedere Herkunft. Als Kind einer Sklavin würde der Kleine nicht unbedingt besser dastehen. Er wäre trotz des Umstandes, dass ich sein Vater war, nichts anderes als ein Sklave. Versteckter Sohn eines Senators und dennoch Mensch niederer Klasse.
Unschlüssig sah ich Siv an. Ich ahnte, wie schwer es für sie sein mochte, auf den iatros und die Möglichkeiten sprechen zu kommen, die er anbot. Es wäre so leicht, zuzustimmen und alles weit von mir zu schieben, doch würde ich damit nicht gegen den Willen der Göttin verstoßen? Insgeheim gab ich Caecus die Schuld. Er hätte ihr nicht sagen sollen, worauf es bei einem Opfer ankam, denn dann hätte Iuno es doch ganz sicher nicht angenommen. Doch selbst wenn nicht - konnte ich denn mein eigen Fleisch und Blut verstoßen, ohne es überhaupt gesehen zu haben? Meine Kiefer mahlten aufeinander, ich war ratlos. "Ich will dich nicht fortschicken", sagte ich nachdenklich. "Und verstecken will ich dich auch nicht." Was nützte es schon, wenn ich Siv ein Jahr lang verbarg und dann wieder aufnahm? Das Kind an ihrer Seite würde ohnehin jeder sehen, wenn es soweit war. Ein tiefer Seufzer entwich mir, und ich lehnte mich so weit nach vorn, dass ich die Ellbogen auf die Oberschenkel stützen konnte. Die Hände bildeten ein nachdenkliches Dreieck um die Nasenwurzel herum und ich starrte Sivs abgewetzte Sandalen an. Ich hörte wohl, dass sie das Kind behalten wollte. Und dass sie andererseits auch bereit dazu war, darauf zu verzichten, wenn ich so entschied. Aber das war der Punkt. Konnte ich mich dagegen entscheiden, ohne Iuno zu erzürnen? Ich musste Zweisprache halten, mit ihr und mit mir selbst. Auf Sivs Worte antwortete ich nicht direkt. "Ich werde Celerina morgen fragen, ob sie meine Frau werden möchte", murmelte ich. Das war von langer Hand geplant. Weder wollte noch konnte ich sie vor den Kopf stoßen, wenn ich nicht mein Gesicht verlieren würde, nicht nur bei der Flavia. Selbst wenn Siv einen Sohn gebar und es ein Prachtbursche sein würde, so konnte ich ihn doch niemals offiziell anerkennen. Ein wenig verloren blickte ich auf dem Boden umher. Im Grunde hatte ich mich schon längst entschieden, auch wenn ich mich weigerte, zu akzeptieren, dass ich Vater werden würde. Das Verlangen nach dem Säcklein im geheimen Versteck beim Hausaltar wurde mit einem Mal übermächtig, obwohl ich lange Zeit nicht mehr davon genascht hatte. Ich sah auf, blickte Siv an, die dastand und mich hoffend ansah. Einige Herzschläge vergingen, dann stand ich auf. Der teure Stoff raschelte leise, als ich zu ihr ging und sie ein wenig abwesend an mich drückte. Dabei starrte ich die gegenüberliegende Wand an. "Ich muss in den Tempel gehen", sagte ich nur.
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Zitat
Original von Manius Aurelius Orestes
Unauffällig hielt er nach dem einen, bzw. der einen, Ausschau als sie durch das Haus in das Triclinium geführt wurden, denn er ging schließlich nicht davon aus, dass Arvinia an der Cena teilnehmen würde.Orestes leichte Zerstreutheit war mir weder verborgen geblieben noch wunderte ich mich darüber. Seit dem Gespräch mit ihm war ich mir sicher, dass er sich verliebt hatte. Der Unglückselige. Ich hätte ihm Dinge erzählen können, ihm von Erfahrungen berichten, die zu machen ich ihm ersparen konnte. Doch hatte mein Vater diesbezüglich schon keinen Erfolg bei mir selbst gehabt, und so ließ ich es bleiben, weil ich wusste, dass er ohnehin selbst auf die Nase fallen würde. Ich hegte die Hoffnung, dass er den Blick für das Wesentliche ob dessen nicht verlieren - und so hoffentlich nicht während des Gestmahls eindringlicher auf seine Holde zu sprechen kommen würde. Vermutlich war im Anschluss an das Essen noch Zeit, eine entsprechende Frage zu stellen, damit sich die Verhältnisse klären und man gleichsam einen Ansprechpartner würde ermitteln können.
Quarto und Macer waren bereits anwesend, eine aufmerksame Sklavin verteilte Getränke. Ich verhalf mir vorerst nicht zu einem Wein, erst galt es, den Gastgeber zu begrüßen. Die junge Dame an Macers Seite hatte ich auf der Hochzeit schon bemerkt und zuerst angenommen, sie sei vielleicht seine Verlobte, doch diesen Gedanken hatte ich selbstredend verworfen, als ich ihren Namen aus einem Gespräch aufgeschnappt hatte. An Orestes' Seite trat ich auf den Gastgeber und die anderen zu. "Salvete", grüßte ich zunächst pauschal alle Anwesenden. "Durus, mein Freund, ich hoffe, du bist wieder vollauf gesundet?" erkundigte ich mich dann und lächelte. Was er wohl gehabt hatte? Was es auch gewesen sein mochte, hoffentlich war es nichts Ansteckendes gewesen. "Manius Orestes kennst du ja bereits." Immerhin hatte Durus seiner Prüfung zum sacerdos beigewohnt. "Jedenfalls bin ich sehr gespannt, was du heute Abend für uns alle bereit hältst. Durus' convivia", sagte ich zu Orestes gewandt und schmunzelnd, "sind stets interessant."
Sim-Off: edit: Mein Latein ist zu lang her...
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Von einem Decimus Livianus hatte ich noch nie gehört. Flavas Worten allerdings nach zu urteilen, musste er ein Soldat sein, noch dazu einer, der das Pech hatte, entweder gefallen oder gefangen genommen worden zu sein. Armer Tropf. Allerdings bestätigte mich selbst das nur wieder darin, dass das Militär ohnehin nicht für mich gemacht war. Zwar bezog sich Flava auf eine Aussage von Meridius, den ich ja nun selbst kannte, allerdings erschien mir ein entsprechendes Schriftstück dennoch unabdingbar. Bedauernd sah ich die junge Frau an, die ihren Worten nach zu urteilen schon mit dem Leben ihres Vaters abgeschlossen hatte. "Das ist natürlich eine verzwickte Situation. Ich würde dir gern etwas anderes sagen, aber ich brauche eine Zustimmung deines nächsten anwesenden Verwandten, am besten schriftlich. Das wird dann dein Bruder sein", sagte ich ihr. Es musste alles seine Ordnung haben, und auch wenn die Mühlen der Bürokratie mitunter wahrhaftig ermündend mahlten, so waren sie dennoch die Basis des funktionierenden Systems.
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Die bockige Art des Jungen, denn nichts anderes war er in jenem Moment für mich, stieß mich regelrecht ab. Er kam nach Ursus, der seinerseits nach seinem Vater schlug, und Maxentius und Regulus waren beinahe wie Zwillinge gewesen, was ihre Sturkopfigkeit und schmalbahnige Sicht der Dinge anbelangt hatte. Ins gleiche Horn stieß er. Es war schließlich nur allzu verständlich, dass ich mich aufregte, weil er sich ohne nachzudenken einen Patron erwählte, der ihm nichts bieten konnte. Auf den so genannten Vorteil hin sah ich ihn nur an, fragend, denn als er ihn vorgetragen hatte, wartete ich immer noch auf den Vorteil, den der Purgitier ihm bieten konnte. "Das ist alles?" fragte ich ihn schließlich. "Du willst dir Fürsprache für die Wahl im Senat erbitten und tust das nicht über die Familie, sondern über jemanden, der dir darüber hinaus nichts, gar nichts bieten kann, Tiberius? Ddas musst du mir erklären, ich verstehe es nicht. Nicht einmal im Ansatz!" Immerhin saß ich inzwischen selbst im Senat, konnte dort vorsprechen für meinen Neffen. Und ich war zudem alles andere als gänzlich rückhaltlos.
"Es mag sein, dass mich der Schein getrogen hat - deswegen bin ich hier, um dich damit zu konfrontieren wie es für mich aussieht, wie es auf mich wirkt, dass du so wenig Vertrauen in mich hast, dass du nicht einmal mit mir über deine Beweggründe für wichtige, ja, lebenswichtige Entscheidungen sprechen kannst, denn das ist der Fakt, Tiberius", erwiderte ich nüchtern und setzte mich nun doch. "Ich weiß, dass ich nicht der geduldigste Mensch bin. Aber allein eine Stimme mehr im Senat als Grund für die Wahl eines Patrons anzugeben, empfinde ich als lachhaft. Zudem habe ich Macer als Mann in Erinnerung, den Leistungen eher zu beeindrucken vermögen als im Vorfeld getätigte Absprachen. Und ich kenne den Purgitier, zumindest besser als du, Tiberius. Ich warte also nach wie vor darauf, dass du mir sagst, warum du Klient von ihm werden möchtest. Warum du dir zu diesem Zeitpunkt einen Patron suchen willst. Und warum du es überhaupt tun willst. Was versprichst du dir davon, jetzt, und von Macer?"
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Genaugenommen hatte ich gefragt, ob Tilla es machte, nicht ob sie mochte. Aber den inneren Zwiespalt, in dem die beiden Frauen steckten, bemerkte ich natürlich gar nicht, und Tillas Antwort reichte mir vollkommen aus, auch wenn ich aus ihrem Handgewusel heraus nicht viel ablesen konnte und mich daher nur am Nicken orientierte. Zufrieden registrierte ich, wie Laevina und Tille begannen, sich ein wenig zu beschnuppern. AuF Laevinas Worte hin nickte ich nur, wollte ich die beiden doch nicht unterbrechen.
Allerdings machte ich mir sehr wohl gedanken. Erneut stellte ich fest, dass Laevina nicht gerade besonders gesprächig war, etwas über Literatur und Geschichte war mir viel zu weitläufig und unpräzise, alsdass ich damit etwas hätte anfangen können. Aber die Art der Antwort und wie Laevina dabei drein sah, sagte ungleich mehr über sie aus als es ihre bisherigen Worte vermocht hatten. Sie würde eine Gouvernante brauchen, und Tilla konnte dies allein aufgrund ihres Alters nicht besorgen. Natürlich würde ich die beiden dennoch zusammen lassen. Vielleicht konnte und wollte mir Celerina hierbei helfen, wenn sie denn bald meine Verlobte war und hoffentlich kurz darauf mein Eheweib. Tillas Blick bemerkend, zwinkerte ich ihr kurz zu. Ich war mir dessen bewusst, dass ich sie oft vernachlässigt hatte und sie damit gezwungen war, sich selbst um Arbeit zu kümmern. Das würde nun hoffentlich besser werden, wenn sie Laevina zur Hand gehen konnte.
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Hast du nicht einen Verwandten, der sogar Vorstandsvorsitzender vom goldenen Rennstall ist?

Ich denke, sowas SimOn sinnvoll zu begründen, sollte für die wenigsten ein Problem sein. Notfalls leiht man sich eine bigae einfach aus.
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Salvete,
am 15. Oktober finden die Rennen zu Ehren des Mars statt, vom CD in Rom veranstaltet und vorbereitet. Was wir noch suchen, sind Spieler, die ihre IDs teilnehmen lassen möchten.
Werbung hierfür wurde SimOn vor Wochen bereits ausgehängt und auch in der Acta veröffentlicht, aufgrund der geringen Resonanz (genaugenommen hat sich niemand gemeldet) haben wir uns allerdings entschieden, auch SimOff eine Ankündigung zu machen. Mitmachen kann jeder, man muss keinem Rennstall angehören. Das Preisgeld für den Sieger beträgt 3000 Sesterzen. Einzig ein Zweiergespann sollte man organisiert haben, und zum Rennen in Rom anwesend sein.
Ich möchte auch noch eine Sache ansprechen, die mir persönlich am Herzen liegt. Die Priester und Priesterinnen des IR geben sich große Mühe, immer anspielbereit zu sein und keinen schnell abzufertigen. Wir planen Feiertage im Voraus und hoffen stets auf rege Teilnahme. Da ist es natürlich schade, wenn man stets nur die gleichen wenigen Gesicher teilnehmen sieht.
Wer am Marsrennen teilnehmen möchte, sollte mich in der villa oder im CD-Büro besuchen und sich SimOn anmelden. Wer nicht in Italien ist, schickt mir eine PN und bitte SimOn auch einen Brief. Sagen wir, die Anmeldung läuft noch eine Woche, also bis zum 10.10., denn ein wenig planen müssen wir ja auch.
Wir freuen uns also auf reges Interesse.
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Mir war nicht entgangen, dass Laevina ein wenig irritiert wirkte. Warum dies der Fall war, wusste ich nicht zu sagen. Ich nahm an, dass sie der Umstand abstieß, dass Tilla nicht sprechen konnte, da sie mich in dem Moment dieser Offenbarung regelrecht entsetzt ansah. Auf ihre Erwiderung hin musste ich jedoch lachen. "Nun, dass du lesen und schreiben kannst, will ich auch hoffen, liebe Laevina!" sagte ich nachdrücklich und mit gutmütigem Spott im Tonfall. Dann deutete ich auf Tilla. "Warum fragst du sie nicht selbst?" schlug ich gut gelaunt vor und steckte mir ein Stück Pfirsich in den Mund.
Laevina wirkte, als wolle sie Tillas Dienste nicht in Anspruch nehmen. Ich persönlich fand das schade, die beiden Mädchen waren etwa im gleichen Alter, Tilla mochte zwar ein wenig jünger sein, aber das war schließlich nicht weiter schlimm. "Aber Ausbildung ist ein gutes Stichwort", fügte ich dann an und lehnte mich etwas zurück. "Wie steht es damit bei dir?" Ich nahm zwar an, dass Laevinas Vater Sorge dafür getragen hatte, ihr eine ihrem Stand entsprechende Bildung angedeihen zu lassen, andererseits war die Aurelia noch relativ jung und mochte sie dementsprechend noch nicht abgeschlossen haben. Dann würde ich mich nach einem magister umschauen müssen. "Die schola Atheniensis bietet hier in Rom regelmäßig Grund- und Fortgeschrittenenkurse an, ich schlage vor, dass du dich dort einmal schlau machst."
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Flüchtig dachte ich an meinen eigenen Patron und nahm mir vor, ihm mal wieder zu schreiben. Er war schließlich nun in Hispanie - dort, wo Modestus sozusagen gerade frisch herkam. Langsam nickte ich. "Ja, Hispania. Gutes hat man lange nicht mehr gehört aus dieser Provinz. Ich habe derzeit einen Reporter dort unten, der ein wenig im Dreck stochern soll. Jetzt wo du es ansprichst, fällt mir auf, dass die letzte Korrespondenz mit ihm schon eine Weile zurückliegt... Hm. Aber es ist gut, dass Hungaricus da unten nun den Daumen drauf hat." Ich dachte mit gerunzelter Stirn an Caius Columnus und fragte mich, ob es ihm wohl gut ging. Bisweilen neigte er zu unüberlegten Aktionen, allerdings gab es auch keinen, der so gut schnüffeln konnte wie er.
"Ja, natürlich. Das war auch nicht als Finte zu verstehen, sei unbesorgt. Aber ich habe es nicht vergessen, und du bist nach wie vor herzlich willkommen. Allerdings", fügte ich an und grinste breit, "habe ich während meiner Quästur keine Hornhaut an den Füßen bekommen. Irgendwas hast du falsch gemacht, Caius." Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen und klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter. Prisca als keifende Matrone konnte ich mir nur sehr schwer vorstellen, weswegen Aquilius zwei hochgezogene Brauen erntete. Vielleicht war ihm auch nicht bewusst, wie sehr ich meine kleine Nichte schätzte, als Mensch wie im Gespräch. Erneut nagte das Gefühl des Vermissens an mir, und Eifersucht keimte, als ich daran dachte, dass ich irgendwann gezwungen sein würde, sie jemand anderem zuzugestehen. Insofern war es mir eigentlich ganz recht, dass Aquilius noch nicht offiziell um ihre Hand angehalten hatte. Hier kam ich ihm also zuvor.
Die Art, wie er mir dann vorhielt, bereits von meinen Absichten erfahren zu haben, ließ allmählich eine Falte auf meine Stirn treten. Ich ließ ihn aussprechen, hatte jedoch noch während er sprach wieder den leisen Groll in mir, den ich verspürt hatte, als ich hatte erfahren müssen, dass er Prisca für einen Ausflug ans Meer geraubt hatte. In meinen Augen war das weitaus schlimmer als ein Treffen in heimischem Umfeld. Wer war schon dabei gewesen? Eine Hand voll Sklaven, darunter Tilla. Und hier war Celerinas Familie stets präsent gewesen. "Du hast selbstverständlich recht, wenn du mir vorhältst, nicht eher kund getan zu haben, dass ich Interesse an Celerina hege. Das war mein Versäumnis und dafür stehe ich auch ein. Ich denke allerdings auch, dass ich dich nicht daran erinnern muss, von wem und vor allem wann ich von diesem Ausflug ans Meer erfahren habe, den du mit Prisca unternommen hast." Ich schmunzelte mit der Absicht, meinen Worten ein wenig der Schärfe zu nehmen, sprach dann auch sogleich weiter. "Aber ich vertraue dir, wie du mir, und gerade deswegen werde ich dir gern jede Frage beantworten, die du mir zu besagtem Besuch stellen möchtest. - Abgesehen davon, dass deine Nichte mich mit der wahrhaftigen Fülle an Rosa und dem insgesamt außergewöhnlich pompösen Empfang mehr denn überrascht hat, wären bloß die Austern erwähnenswert, die sie mir serviert hat. ...womit wir wieder beim Alter wären." Ein wenig trocken war der letzte Teil hervorgekommen, und ich sah Aquilius ein wenig melancholisch an, um schließlich zu seufzen. "Ich weiß, dass dein Einverständnis nicht erforderlich ist. Dennoch ist es mir wichtig, ihr mit deinem Wohlwollen den Hof zu machen. Meine Familie ist ebenso traditionsbewusst wie die deine, Caius", rief ich ihm in Erinnerung und lächelte. Zudem hatte ich den Eindruck gewonnen, dass Celerina solch traditionelle Dinge ebenso wichtig waren wie mir, auch wenn sie mit ihrem pompösen Empfang wahrhaftig über die Stränge geschlagen hatte.
In der entstehenden Pause musterte ich meinen Freund seitlich. Etwas bewegte ihn, und als er seine Frage stellte, wurde mir auch klar, was es sein mochte. Natürlich wollte er seine Nichte geborgen und sicher wissen. Ich ließ einen Moment verstreichen. "Nein", sagte ich dann. "Aber das wird mich nicht daran hindern, sie mit dem ihr gebührenden Respekt zu behandeln."