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Der griechische iatros ließ die Musterung der Sklavin gern über sich ergehen. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass gerade Frauen zu ihm schneller Vertrauen fassten, wenn er freundlich und höflich war und seine Kompetenz in dem für Männer so fremden Gebiet der Frauenheilkunde zeigte. Die Nervosität der Sklavin blieb dem Arzt dabei keinesfalls verborgen. Während er ihren beobachtenden - und vielleicht auch etwas skeptischen - Blick erwiderte, fragte er sich, ob sie vielleicht Ungeziefer ein Heim bot, was durchaus auch eine Möglichkeit sein konnte, dass sie nichts mehr bei sich behielt.
Kurz darauf schien sie etwas aufzutauen und sprach nun ein wenig unbefangener von sich. Der iatros hörte ihr ganz genau zu, kniff dann und wann aufmerksam die Augen zusammen und nickte hier und dort. Nachdenklich strich er sich durch den ergrauten Bart, der ihm hier in Rom den Beinamen Silberfuchs eingetragen hatte. Auch sein Haupthaar war silbrig, und in Verbindung mit den klaren, blauen Augen wirkte er so manchmal, als sei der Olymp seine Heimat und nicht die kleine Insel Zákinthos im Westen der griechischen Halbinsel. Aracus schürzte die Lippen und lächelte, als Siv schließlich einer Untersuchung zustimmte. Vermutlich malte sie sich dabei weitaus Schlimmeres aus, als letztendlich passieren würde. "Nun gut", sagte er und lehnte sich zurück, um die Arme vor seiner Brust zu verschränken, statt seine Tasche zu öffnen, wie Siv dies vielleicht vermutet haben mochte. "Dann bitte ich dich, meine Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Wie lange ist es her, dass du zuletzt geblutet hast? Und wie ist dein Befinden sonst? Hast du Durchfall? Magenschmerzen? Fühlst du dich manchmal schwindelig, ist dir heiß oder kalt?" fragte er sie. "Was würdest du sagen, isst du viel oder wenig? Und was kannst du bei dir behalten? Trinkst du genug? Das ist sehr wichtig für das Gleichgewicht der Säfte, musst du wissen. Ein Kind kann eine mögliche Ursache sein dafür, dass du zu viel Galle hast. Das Ausbleiben deiner Blutung kann auch damit zusammenhängen, aber es kann genauso gut etwas anderes sein. Deswegen..." Nun kam Bewegung in den Arzt, denn er beugte sich vor, öffnete seine speckige Tasche und holte eine hölzerne Schale hervor, die stark nach Weihrauch roch. Überhaupt schien die Tasche wie das Innere eines Gewürzhändlers zu riechen, zumindest, bis der iatros sie wieder fest verschloss und Siv die Schale hinhielt. "Deswegen bitte ich dich, dich einmal zu erleichtern." Er lehnte sich wieder zurück und betrachtete Siv, als hätte sie ihm eben ein Kompliment zu seinem akkuraten Bartschnitt gemacht.