Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    [Blockierte Grafik: http://img219.imageshack.us/img219/798/medicuscc2.png]


    Der griechische iatros ließ die Musterung der Sklavin gern über sich ergehen. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass gerade Frauen zu ihm schneller Vertrauen fassten, wenn er freundlich und höflich war und seine Kompetenz in dem für Männer so fremden Gebiet der Frauenheilkunde zeigte. Die Nervosität der Sklavin blieb dem Arzt dabei keinesfalls verborgen. Während er ihren beobachtenden - und vielleicht auch etwas skeptischen - Blick erwiderte, fragte er sich, ob sie vielleicht Ungeziefer ein Heim bot, was durchaus auch eine Möglichkeit sein konnte, dass sie nichts mehr bei sich behielt.


    Kurz darauf schien sie etwas aufzutauen und sprach nun ein wenig unbefangener von sich. Der iatros hörte ihr ganz genau zu, kniff dann und wann aufmerksam die Augen zusammen und nickte hier und dort. Nachdenklich strich er sich durch den ergrauten Bart, der ihm hier in Rom den Beinamen Silberfuchs eingetragen hatte. Auch sein Haupthaar war silbrig, und in Verbindung mit den klaren, blauen Augen wirkte er so manchmal, als sei der Olymp seine Heimat und nicht die kleine Insel Zákinthos im Westen der griechischen Halbinsel. Aracus schürzte die Lippen und lächelte, als Siv schließlich einer Untersuchung zustimmte. Vermutlich malte sie sich dabei weitaus Schlimmeres aus, als letztendlich passieren würde. "Nun gut", sagte er und lehnte sich zurück, um die Arme vor seiner Brust zu verschränken, statt seine Tasche zu öffnen, wie Siv dies vielleicht vermutet haben mochte. "Dann bitte ich dich, meine Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Wie lange ist es her, dass du zuletzt geblutet hast? Und wie ist dein Befinden sonst? Hast du Durchfall? Magenschmerzen? Fühlst du dich manchmal schwindelig, ist dir heiß oder kalt?" fragte er sie. "Was würdest du sagen, isst du viel oder wenig? Und was kannst du bei dir behalten? Trinkst du genug? Das ist sehr wichtig für das Gleichgewicht der Säfte, musst du wissen. Ein Kind kann eine mögliche Ursache sein dafür, dass du zu viel Galle hast. Das Ausbleiben deiner Blutung kann auch damit zusammenhängen, aber es kann genauso gut etwas anderes sein. Deswegen..." Nun kam Bewegung in den Arzt, denn er beugte sich vor, öffnete seine speckige Tasche und holte eine hölzerne Schale hervor, die stark nach Weihrauch roch. Überhaupt schien die Tasche wie das Innere eines Gewürzhändlers zu riechen, zumindest, bis der iatros sie wieder fest verschloss und Siv die Schale hinhielt. "Deswegen bitte ich dich, dich einmal zu erleichtern." Er lehnte sich wieder zurück und betrachtete Siv, als hätte sie ihm eben ein Kompliment zu seinem akkuraten Bartschnitt gemacht.

    Augenblicklich fühlte ich mich an die Austern erinnert, die Celerina mir hatte kredenzen lassen. Ein wenig unwohl war mir dabei schon - sah ich denn wahrhaftig schon so alt aus, wie Aquilius eben diejenigen Männer beschrieb, die sich um solcherlei Gedanken machen mussten? Ich nahm mir vor, endlich den zerborstenen Silberspiegel zu ersetzen, der einmal in meinen Gemächern gehangen hatte. Ganz unwillkürlich musterte ich den Flavier und fragte mich, ob er selbst wohl bereits mit Problemen dieser Art zu kämpfen haben mochte. Gewiss nicht. Dennoch blieb ein vager Zweifel, gleichsam auch trübe Gedanken meine eigene, unmittelbare Zukunft betreffend, und so schwieg ich ein wenig bedrückt, denn mir wollten nicht die rechten Worte einfallen, um Aquilius' Trübsal zu zerstreuen.


    "Hungaricus hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, da hast du recht. Aber bist du nicht Klient von Purgitius Macer?" fragte ich ihn. Was er über meinen Vater sagte, ließ zwiespältige Gefühle in mir aufkeimen, denn zum einen war mein Vater auch im cursus honorum gewesen und stets für die Familie eingetreten, zum anderen hatte er es niemals weiter gebracht als bis zum Amt des quaestor, ehe er freiwillig der Welt entflohen war. Insgeheim empfand ich letzteres als feige, weswegen ich mich schämte, wenn ich der Ahnen gedachte. Vielleicht war es aber auch gerade das Versagen meines Vaters, das mich stets darin bestärkte, noch weiter zu gehen und noch mehr zu tun. Ich wusste es nicht zu sagen, und auch wenn ich Aquilius als meinen besten Freund bezeichnet, so hätte ich ihm niemals die Wahrheit sagen können, ohne mich selbst wie ein Verräter zu fühlen, und so würden diese Gedanken wohl auf ewig mein kleines, persönliches Geheimnis bleiben. Nicht einmal mit Prisca konnte ich darüber sprechen.


    Ein wenig kniff ich die Augen zusammen, als Aquilius mich bat, ihr Grüße auszurichten. Wohl wusste ich von dem Tag, den sie in seiner Gegenwart am Meer verbracht hatte - und ich war seinerzeit alles andere als Begeistert gewesen, dass sie beide versäumt hatten, mich davon in Kenntnis zu setzen. Doch schätzte ich sowohl Prisca als auch Aquilius nicht so gedanken- und zügellos ein, dass ich mir ernsthaft hätte Sorgen machen müssen. Was mich dennoch nicht daran gehindert hatte, besorgt zu sein, noch nachdem bereits einige Tage verstrichen gewesen waren. "Das werde ich gern tun", sagte ich also und nickte. Immerhin kannte ich seine Absichten, so wie Prisca sie kennen musste, auch wenn er sie noch nicht offiziell geäußert hatte, da es zu einem entsprechendem, gemeinsamem Abendessen bisher nicht gekommen war. Eine gute Gelegenheit, Aquilius daran zu erinnern. "Wolltest du nicht ohnehin mal zur cena kommen? Oder möchtest du, dass Prisca dann dabei ist? Falls ja, werden wir wohl beide so lange warten müssen, bis sie ihre Abenteuerlust soweit gestillt hat, dass das Heimweh überwiegt." Ein Schmunzeln folgte auf diese Worte, denn wer wusste schon in den Kopf einer jungen, eigenwilligen Frau zu schauen? Wenigstens hatte sie klaglos hingenommen, dass ich ihr eine ganze Batallion Sklaven als Aufpasser mitgeschickt hatte.


    "Und er wird ganz gewiss nicht nur von seinem Vater alles lernen, was ein junger Mann aus gutem Hause später können sollte", fügte ich an und zwinkerte Aquilius zu. Ob das nun gut oder schlecht war, ließ ich dahingestellt. Im nächsten Moment begann ich, Aquilius erneut als guten Gesprächspartner zu schätzen. Er nahm nicht nur Impulse auf, sondern gab sie gleichsam zurück, was mir im Falle Celerinas durchaus den Stand erleichterte. Ich hatte ganz vergessen, wie angenehm es war, mit Aquilius zu reden. "Ja, da hast du natürlich recht." Ich musterte ihn kurz. Gewiss war ihm schon zu Ohren gekommen, was sich vor einigen Tagen hier ereignet hatte, so ganz ungeplant und überraschend für mich. Wer hätte auch ahnen können, was Celerina alles auffuhr? Ich räusperte mich. "Also gut, ich denke nicht, dass es viel Sinn macht, um den heißen Brei herumzureden. Du wirst ohnehin schon davon gehört haben, nehme ich an. Ich habe mir in den letzten Monaten viele Gedanken gemacht, welcher Familie die Frau entstammen könnte, die ich an meiner Seite wissen möchte. Nun, ich habe eine Frau gefunden, um die ich werben möchte, und deswegen bin ich heute hier." Ich musterte Aquilius und ließ noch einmal einen kurzen Augenblick verstreichen. "Ich bitte dich, mir deine Nichte Celerina zur Frau zu geben."

    Die Erlaubnis zum Eintreten kam recht zügig, und ich ließ mich auch nicht lange bitten und kam ihr augenblicklich nach. Schwungvoll trat ich ein und schloss die Tür hinter mir. "Guten Morgen." Dazu rang ich mich durch, denn eigentlich hatte ich gleich lospoltern wollen. Avianus allerdings schien gerade erst aufgestanden zu sein. Hoffentlich war er zumindest schon wach genug, um meine Worte richtig zu erfassen. Ich ging zu dem Tisch hin, überlegte es mir dann allerdings anders und blieb doch stehen, Avianus zugewandt. "Wir müssen reden, Tiberius." Kurioserweise klang das nicht einmal halb so energisch, wie ich es eigentlich beabsichtigt hatte, was vermutlich daran lag, dass mein Neffe einen allzu zerstreuten Eindruck machte. Dennoch ließ ich ihm kaum Zeit zu überlegen, was auf ihn zukommen mochte. "Ich hörte, du begleitest Titus auf seinen Wegen als quaestor? Und dass du im Begriff bist, dir einen Patron zu suchen." Nüchtern waren die Worte hervorgebracht, und ich gab mir alle Mühe, mir meine Meinung dazu nicht auf dem Gesicht ansehen zu lassen. Daraus, dass mich diese Tatsachen verstimmt hatten, machte ich keinen Hehl, aber es wäre wohl jedem Familienoberhaupt so ergangen, wenn man nicht einmal in Kenntnis gesetzt wurde von Ambitionen und Intentionen des eigenen Neffen. Mit erhobenen Augenbrauen wartete ich ergo auf eine Reaktion hierauf, gleichsam überlegend, ob ich nicht doch Platz nehmen sollte.

    [Blockierte Grafik: http://img219.imageshack.us/img219/798/medicuscc2.png]


    Ihre Überraschung über sein Wissen war ganz offensichtlich. Doch das würde es nur einfacher machen, bis zu ihr durchzudringen. Aracus würde den Teufel tun und ihr sagen, dass er über ihre Übelkeit schon vorab informiert gewesen war. Er würde diesen Vorteil einfach nutzen. "Es ist meine Aufgabe, so etwas zu wissen, junge Dame", sagte er in gutmütig mahnender Manier und zwinkerte Siv zu. Augenscheinlich wollte sie also nicht weiter über den Herbst reden und den Regen, den er mitbrachte. Aracus war das ganz recht, er war ohnehin ein Sommermensch.


    Von der Aussicht, dass er eventuell behilfleich sein konnte, was das Kind anging, schien die Sklavin rein gar nichts zu halten. Vermutlich, dachte sich Aracus, war das Kind zwar kein Wunschkind - sofern die kleine Blondine wirklich schwanger war - aber die Aussicht, diese kleine Freiheit aufgeben zu müssen, ließ die Kämpferin in ihr hervortreten. Oder aber, sie und der Sklave von eben hatten ihren eigene Rechnung ohne den Willen ihres Besitzers gemacht. Aracus schüttelte sanft den Kopf und sah sie danach durchdringend an. "Ich verstehe." Das war alles, was er dazu sagte, und dann setzte sich Siv hin. Der medicus lehnte sich etwas zurück und wiegte den Kopf hin und her. "Das kann viele Ursachen haben. Vielleicht hast du etwas Falsches gegessen oder getrunken, oder ihr verwendet ein Nahrungsmittel, das wo anders her kommt als sonst. Manche arbeiten auch zu schwer. Oder man wird schlicht und ergreifend krank. Ich kann herausfinden, ob etwas davon zutreffend ist und deine Säfte ins Ungleichgewicht bringt, wenn du möchtest."

    [Blockierte Grafik: http://img219.imageshack.us/img219/798/medicuscc2.png]


    Das Schmunzeln des Arztes wurde noch etwas breiter, als er so sah, wie er Siv mit seiner Frage verwirrt hatte. Er legte betont gemächlich die Fingerspitzen aufeinander, sah einen Moment auf das dabei entstehende Konstrukt herunter und blickte dann Siv wieder an. Die wasserblauen Augen des Griechen wirkten amüsiert und zugleich ernst. Viele seiner Patienten hatten ihm schon gesagt, dass sein Blick bisweilen stechend wirkte, um nicht zu sagen forschend. "Ich dachte mir, wir reden ein wenig über das Wetter, da es dir scheinbar offensichtlich scheint, dass du ein Kind unter deinem Herzen trägst", erklärte Aracus seine Frage und neigte den Kopf ein wenig zur Seite. "Oder vermutest du nur und möchtest Gewissheit haben?" fragte er Siv freundlich. Zumindest der Vater des Kindes, der Sklave von eben, schien Gewissheit haben zu wollen. Doch da gab es noch eine Frage, die Aracus in diesem Zusammenhang stellen musste, doch ging diese Frage ihm nie leicht von den Lippen. Eine Falte entstand auf seiner Stirn. "Oder möchtest du wissen, wie man es wieder los wird, sollte es der Fall sein, dass die Übelkeit von der Schwangerschaft kommt?" Diese letzte Frage hatte er ernst gestellt und ohne das Lächeln, das bisher stets sichtbar gewesen war. Ihm selbst behagte es nicht, solchermaßen eine Schwangerschaft zu beenden, doch besser, er tat es für seine Patientinnen mit der richtigen Dosierung, als dass sie an Unerfahrenheit starben, wenn sie es selbst versuchten.

    [Blockierte Grafik: http://img219.imageshack.us/img219/798/medicuscc2.png]


    Der medicus verfolgte den kleinen Disput mit einem nur halbherzig unterdrückten Schmunzeln unter dem Bart. Der Mann, der ihn hierher gebracht hatte, schien sich klar durchzusetzen, denn das Mädchen mit den hellen Haaren wandte sich nun ab und ging hölzern in das Zimmer, neben dessen Tür Aracus immer noch stand. "Ich weiß", entgegnete Brix noch, ehe er sich abwandte und irgendwo hin ging. Einen Moment lang wirkte der medicus durcheinander, dann straffte er sich und ging durch die Tür in das Zimmer, in dem die Sklavin verschwunden war.


    "So. Ich bin Aracus von Zákinthos. Es freut mich, dich kennenzulernen, auch wenn du dich augenscheinlich nicht darüber freust", begrüßte der Grieche die Sklavin. Seinem Latein war ein klein wenig der griechische Akzent anzuhören. Er ging zu dem kleinen Tisch und dem Stuhl hinüber, stellte seine Tasche auf dem Tisch ab und setzte sich. Darüber hinaus gehend tat er nichts weiter, außer Siv anzulächeln. "Es wird langsam Herbst, nicht?"

    [Blockierte Grafik: http://img70.imageshack.us/img70/2005/sklave9vv4.jpg]


    Brix hatte Siv, die erstaunlicherweise kein Widerwort gehabt hatte, ins Innere des Hauses geführt. Sofia, die froh darüber gewesen war, wieder hineingehen zu können, war ihnen ein Stück des Weges gefolgt und dann abgebogen. Jetzt standen Brix und Siv nicht weit entfernt von dem Arzt und seiner Tasche, der aufmerksam zu ihnen hinüber sah, jedoch keine Anstalten machte, sich aufzudrängen. Es war offensichtlich, dass es dort Diskrepanzen gab, da wollte er sich nicht einmischen. Brix hob nur die Braue, als Siv fragte, ob das ein Arzt war. Dass es der Germanin nicht gefiel, untersucht werden zu müssen, war auch ohne ihren empörten Wortlaut klar. Brix seufzte. "Hör mal, ich weiß nicht, was mit dir los ist. Erst das gestern, dann fragst du heute morgen nach Geld, jetzt sagen alle, dass du dich dauernd übergeben musst. Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, Siv. Ich denke, du hattest deine Chance. Und wenn Corvinus mir aufträgt, einen Arzt zu holen, damit er dich untersucht, dann mache ich das. Und du wirst da jetzt hineingehen und dich untersuchen lassen. Ich kann nicht ständig für dich in die Bresche springen", gab Brix nüchtern zurück, dann wandte er sich um und nickte dem Arzt lächelnd zu. "Sie kommt sofort." "Oh, nur keine Eile", erwiderte der medicus und lächelte väterlich. Er verstand zwar nicht, was die beiden besprachen, aber dass das Mädchen nicht untersucht werden wollte, konnte er allein aus ihrer Körperhaltung ableiten. Vermutlich musste sie erst mit ihrem Liebhaber verhandeln, denn für nichts anderes hielt Aracus Brix.


    "Ja, das ist richtig", erwiderte der Sklave, der für uns angeklopft hatte. "Mein Herr, der Senator Aurelius Corvinus, und Aurelia Laevina, sind eingeladen worden." Ich warf einen Blick zu Laevina, die förmlich zu strahlen schien. Ihr bekam ein solches Fest sicherlich gut, und vielleicht konnte sie neue Freundschaften knüpfen. Zumindest wäre dies wünschenswert.

    [Blockierte Grafik: http://img219.imageshack.us/img219/798/medicuscc2.png]


    "Aracus von Zákinthos. Ich werde erwartet." Nach diesemr kurzen, aber ausreichenden Begrüßung, hatte Leone den medicus ins Haus geführt und nach Brix schicken lassen. Während der Grieche wartete, eine abgewetzte, Tasche aus Leder in der Hand, die früher einmal Eindruck geschindet haben mochte, war es auffallend ruhig im Haus. Der Grieche sah sich um, ohne einen Ausdruck der Wertung im Gesicht zu zeigen. Als Brix dann allerdings kam, um ihn abzuholen, bildeten sich unzählige Falten um seine Augen, während er ihn anlächelte. "Du musst der medicus sein. Vielen Dank, dass du so schnell kommen konntest." "Natürlich. Um welchen Notfall geht es denn?" erkundigte Aracus sich. Brix runzelte die Stirn und wies mit der Hand den Weg zur Kammer von Siv, während er sich selbst bereits in Bewegung setzte. "Kein Notfall. Aber mein Herr wünscht, dass du seine Leibsklavin einmal in Augenschein nimmst. Es geht ihr wohl nicht so gut. Sie behält selten etwas bei sich", informierte er den Arzt, der daraufhin nur nickte.


    Bei Sivs Zimmer angekommen, klopfte Brix. "Siv? Der Doktor ist da." Als keine Reaktion kam, klopfte er nochmals und wiederholte seine Worte, diesmal ein wenig fragender. Der medicus stand wartend neben ihm. Immer noch kam keine Antwort, und Brix ahnte, was das bedeuten mochte. Er entschuldigte sich und ging dann einfach in das Zimmer hinein, um es - natürlich - leer vorzufinden. Inzwischen kannte der Germane seine Landsmännin gut genug, um zu wissen, dass sie einen störrischen Eigensinn hatte. Vermutlich hatte sie sich schlicht geweigert, sich auszuruhen, und war irgendwo am Schuften. Brix schloss die Tür wieder und bat den Arzt, an Ort und Stelle zu warten. Er versprach, dass er sich beeilen würde, und das Tat er dann auch. Aracus hatte natürlich schon eine Ahnung, was die Krankheit der Sklavin anging. Er brummelte gut gelaunt in seinen Bart hinein und betrachtete mit Freude die Malereien an den Wänden und die Mosaike am Boden. Patrizier sparten selten mit Pomp und Putz - und mit der Entlohnung.


    Derweil hatte Brix den Garten betreten und entdeckte beinahe sofort Siv und Sofia, die Laub harkten und in großen Behältnissen verstauten. Der Germane verzog missbilligend das Gesicht und stapfte näher heran. Sofia sah ihn zuerst kommen, ließ den Arm voller Blätter fallen und begann, sich zu verteidigen. "Ich hab ihr gesagt, dass sie sich ausruhen soll, aber sie will nicht!" Untermalend schüttelte sie den Kopf. Brix runzelte die Stirn und blieb bei den beiden stehen, die Arme vor der Brust verschränkt. "Schon gut. Siv, du kommst jetzt aber bitte mal mit mir", sagte er, und sein Ton machte klar, dass er auf Verhandlungen keine Lust hatte.

    Nachdem Leone mir erzählt hatte, was der junge Herr Avianus vor gehabt - und vielleicht bereits durchgeführt - hatte, war ich verwundert gewesen. Nicht nur, dass er mir gegenüber kein Sterbenswörtchen davon erwähnt hatte, mich verwunderte auch die Intention dahinter. Und eine weitere Angelegenheit hatte ich mit ihm zu besprechen. Dies war auch der Grund, aus dem ich am Morgen noch vor der salutatio zielstrebig zu Avianus' Zimmer marschierte und dort zweimal anklopfte. Ohnehin war ich nicht in bester Stimmung, denn mein scriba personalis schien nie Zeit zu haben, wenn ich ihn benötigte, und allein deswegen war schon ein Gespräch erforderlich. Ungeduldig wartete ich auf ein Zeichen von drinnen.

    Sofia sah mich gerade so an, als sollte mir das etwas sagen. Nur wie hätte ich denn dafür sorgen können, dass sich ein medicus ihrer annimmt, wenn ich davon nie etwas mitbekommen hatte? Ich dachte nach. Siv hatte sich nie in meiner Gegenwart übergeben oder sich sonstwie auffällig verhalten. Das wäre mir bestimmt aufgefallen. Ich schüttelte kurz den Kopf und gleichsam den Gedanken ab, dann schüttete ich Wein in meinen Becher und ließ das Wasser weg. So ging ich zu Siv hinüber und reichte ihn ihr. "Hier. Damit bekommst du den Geschmack besser weg", sagte ich zu ihr, als Sofia gerade verschwand. "Du kannst dann jetzt gehen, ich möchte, dass du dich ein wenig ausruhst, Siv", fuhr ich fort, zwar freundlich, aber doch würde sie nicht überhören, dass dies als klare Anweisung gemeint war. Jedweden Einwand würde ich abschmettern, es war schließlich nicht gut, wenn man seine Krankheit pflegte, indem man weiterschuftete und seinem Körper keine Ruhe gönnte.


    Ehe Siv etwas erwidern konnte, schneite Sofia wieder hinein, in der Hand einen Eimer und im Eimer einen Lappen. "Da bin ich wieder", verkündete sie. Ich wandte mich um, ging zum Tisch und setzte mich vor mein Mittagessen, denn allmählich kam mein Appetit zurück, was gewiss auch der frischen Luft zu verdanken war. Ein Plätschern war zu hören, als Sofia den Lappen auswrang. "Sofia, wenn du da fertig bist, tu mir einen Gefallen und kümmer dich ein wenig um Siv. Ich möchte, dass sie sich ausruht, aber ich weiß, dass sie das nicht tun wird, wenn man nicht darauf achtet." "Mh? Oh ja, mach ich. Ist auch besser so. Das ist ja kein Zustand, wenn man dauern Ko...brechen muss, meine ich." Solchermaßen befriedigt, kostete ich von den kleinen Klößen, die wirklich ganz ausgezeichnet waren. In meinem Kopf hatte sich ein anderer Gedanke festgesetzt. "Und schick mir Brix, wenn du ihn siehst, ich brauche ihn gleich", wies ich sie an. Und nachdem sie und Siv gegangen waren - ich hatte schlicht keinen weiteren Einwand von der blonden Germanin geduldet - leerte sich mein Teller allmählich und ich wartete auf Brix.


    Der maiordomus kam kurze Zeit später. Er hatte wohl ein mechanisches Bauteil in der Hand, jedenfalls waren seine Hände ölig und sein Ausdruck nicht glücklich. "Du hast mich gerufen?" sagte er, und ich nickte und deutete auf das Etwas in seinen Händen. "Du siehst nicht zufrieden aus, stimmt etwas nicht?" "Naja, diese Kurbel dreht sich nicht mehr, weswegen die Tür zum Stall nur noch sehr bescheiden auf geht. Aber das ist nichts, was ich nicht wieder hinbekommen würde", verkündete Brix. Er und das Ding hatten scheinbar noch ein Rendezvous vor sich. Ich schmunzelte kurz, wurde dann aber wieder ernst und erhob mich, um mich zurück an den Schreibtisch zu setzen. "Sag, weißt du etwas von Siv? Augenscheinlich ist sie krank." Brix seufzte und schüttelte dann den Kopf. Sie verhielt sich ja ohnehin seltsam, allein, wenn er da an diesen Morgen dachte... Wozu sie das Geld gebraucht hatte, war ihm immer noch schleierhaft, alles andere hätte er ja noch irgendwie nachvollziehen können. "Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, was mit ihr los ist", drückte er es vorsichtig aus, denn bloßstellen wegen einer Lappalie wollte er sie schließlich nicht. Ich musterte den Germanen forschend, kam dann zu dem Schluss, dass er keinen Grund zu flunkern hatte, und lehnte mich zurück. "In Ordnung. Dann schickst du jetzt nach einem Arzt, der sie sich ansehen soll. Ich habe keine Lust auf solche Spielchen. Lieber ist nichts, und der medicus ist umsonst gekommen, als dass es doch schlimmer als befürchtet ist. Sich ständig übergeben zu müssen, ist schließlich keine Lappalie."


    Brix hatte schon angefangen zu nicken, als er die letzten Worte vernahm. Misstrauisch kniff er die Augen zusammen, als ich Sivs Unwohlsein bemerkte. Fragend sah ich zurück. Er aber räusperte sich nur und murmelte eine Zustimmung, nach der ich ihn dann entließ. Eine Weile grübelte ich noch über sein Verhalten nach, dann brachte mir Caecus ein abgebenes Dokument, und ich hatte wieder anderes im Kopf. Brix, der das officium verlassen hatte, schickte einen cursor los, um einen medicus zu organisieren. Von Decimus Mattiacus hieß es, dass er in den Osten aufgebrochen sein, um einen Verwanten zu suchen, also wurde nach einem anderen geschickt, der auch bald darauf ankommen sollte...

    "Einen Moment - wie lange geht denn das schon?" schaltete ich mich irgendwann einfach dazwischen, Sivs Ausreden vollkommen ignorierend. Sie war da nicht anders als ich gelagert, was einerseits wünschenswert war, irgendwann aber auch zu Problemen führen konnte. Und nach einem solchen Problem klang der Sachverhalt für mich gerade. Wenn ihr öfter als gewöhnlich schlecht war, wäre es besser, wenn ein medicus sich das Ganze ansah. Misstrauisch beobachtete ich Siv, die sich einen Lappen vor den Mund presste und alles andere als gut aussah. Vielleicht vertrug sie irgendwas vom Essen nicht. Ein Bekannter in Griechenland hatte mir einmal erzählt, das er das blühende Leben war, solange er keine Milch trank. Vielleicht war das auch etwas in der Art bei Siv? Ich stand nahe des Fensters und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. "Siv, du bleibst jetzt erst einmal hier. Sofia kann sich darum kümmern." Ein entsprechender Blick machte aus der Aussage eine Aufforderung. Vielleicht sollte ich ihr auftragen, auch gleich Brix mit der Organisation eines Arztes zu beauftragen, doch hatte ich hier Sofia vor mir und sollte allzu schwierige Aufgaben also besser unterlassen. "Warum sagst du mir nicht, dass es dir nicht gut geht?" fragte ich Siv, nachdem Sofia hinausgehuscht war, und sah sie besorgt - und vielleicht auch ein wenig vorwurfsvoll - an.

    Nach der salutatio, bei der erfreulich wenig schlechte Nachrichten und Bitten aufgekommen waren, hatte ich mich in mein Arbeitszimmer zurückgezogen, um den Brief an den Verwalter meines Olivenhaines zu beantworten. Ich hatte einen Tag zuvor die Nachricht erhalten, dass sich Ungeziefer am Blattwerk der Bäume zu schaffen machte, und das großflächig, nicht nur vereinzelt. An sich war das seltsam, denn Olivenblattwerk galt eigentlich als ungenießbar für Heuschrecken, zumindest hatte ich diese Weisheit irgendwann einmal aufgeschnappt. Im Brief wies ich ihn an, Seifenlauge anzumischen und auf den gesamten Baumbestand zu sprühen, gleich ob die Bäume bereits befallen oder noch gesund waren. Und dann hieß es hoffen, dass die betroffenen Pflanzen bald gesundeten und weder Prozedur noch Schädlinge den Früchten schadeten. Hernach waren diverse Schreiben dran, die ich nur noch unterzeichnen musste. Ein Brief ging an an einen Klienten in Confluentes, dessen Frau schwer erkrankt war, er hatte mich um finanzielle Hilfe gebeten, um den Arzt bezahlen zu können, mit einer weiteren Unterschrift bestätigte ich den Kauf von acht nautisch begabten Sklaven für das Schiff, das in Ostia vor Anker lag. Es folgten noch eine Hand voll weiterer Unterschriften und Siegelsetzungen, und allmählich machte sich mein Hunger bemerkbar.


    Eine gute Weile später hoffte ich, dass Siv bald kommen und mir etwas zu essen bringen würde. Ich spielte bereits mit dem Gedanken, jemand anderem bescheid zu geben. Immerhin hatte sich Siv heute morgen etwas durcheinander verhalten. Sicher hatte sie schlecht geschlafen, und wenn ich an den Traum zurückdachte, der mich neulich heimgesucht hatte, konnte ich durchaus verstehen, dass man nach einer solchen Nacht des Morgens durchaus durcheinander war. Ehe ich aufstehen und zu Gunsten meines Magens entscheiden konnte, etwas nachdrücklicher Essen zu verlangen, klopfte es, und ich bat den Klopfenden hinein. Siv hatte Sofia mitgebracht, und ich ließ die Schreibfeder fallen und streckte mich. "Ah, endlich. Ich hatte mich schon gefragt, ob ihr mich vergessen habt", begrüßte ich die beiden gut gelaunt und schob Briefe und tabulae beiseite, um Platz für die Tabletts zu schaffen. Gleichzeitig stand ich auf - es war ein altes Spiel, denn wenn ich in meinem Arbeitsraum aß, war auf dem Schreibtisch zumeist Platz für das Tablett, doch zum Essen setzte ich mich an den kleinen Tisch, der dicht beim Fenster stand. Von hier aus konnte man in den Garten sehen. Doch dieses Mal kam ich nach dem Aufstehen nicht weit. "Ich wäre fast verhu-" ngert, hatte ich scherzen wollen, als das Wort mir im Halse stehen blieb, weil Siv sich urplötzlich abwandte und hinauslief.


    Hinauslaufen wollte. Überrascht sah ich ihrem wehenden Blondschopf nach, wollte schon Sofia fragen, was mit ihr los sei, als ein Würgen mich auf gänzlich andere Gedanken brachte. Die Brauen hoben sich von selbst an, um die Mundwinkel herum hatte sich eine pikierte Grimasse gelegt, und da erklang das abartig feuchte Geräusch, das man hören kann, wenn sich jemand übergibt. Augenblicklich kümmerte sich nun Sofia um Siv. Ich war so perplex, dass ich erst einmal sprachlos war. Das Essen dampfte auf seinem Tablett und verströmte eigentlich einen sehr delikaten Geruch. Scheinbar war eben jener zu viel für Siv, denn gerade erbrach sie sich erneut, und mein Appetit ging ein wenig zurück. Glücklicherweise konnte ich zumindest nicht sehen, wie Sivs Halbverdautes aussah, doch wohin sie sich erleichterte, ließ eine Falte auf meiner Stirn entstehen. Wenigstens war es kein Teppich, aus dem man die Flecken und den säuerlichen Geruch, der sich allmählich ausbreitete, nicht so leicht entfernen konnte.


    Sofias Worte hallten in meinem Kopf nach. "Ist sie krank?" fragte ich irritiert und versuchte, nicht die unappetitliche Pfütze anzusehen, über die Siv gebeugt war. Mit allen anderen Gedanken, schlüssig oder nicht, weiterführend oder nicht, war ich gegenwärtig überfordert. Ich verzog das Gesicht und ging zum Fenster, um es nun weit zu öffnen und die angenehme Kühle des Herbsttages einzulassen.

    Einen prüfenden Blick später nickte ich. Ich konnte durchaus nachvollziehen, dass sie diese Schwierigkeit selbst hatte bewältigen wollen, schließlich kannte ich Sivs germanischen Dickschädel bereits aus eigener Erfahrung zur Genüge. Dennoch war ich etwas enttäuscht, dass sie sich nicht einmal an mich gewandt hatte. Ich wandte mich zu ihr um und sah sie an, der Traum war nurmehr eine unschöne Erinnerung. Ihre Zusage reichte mir.


    Im nächsten Moment stand sie auf und küsste mich flüchtig auf den Hals. Damit entlockte sie mir ein spitzbübisches Grinsen. "Hm", machte ich und schmunzelte hintergründig. "Wenn ich es mir recht überlege... Beides?" Ich griff mir die tunica vom gestrigen Tag und zog sie mir über - schließlich musste ich nicht unbedingt unbekleidet durch die Gänge des Hauses bis zum balneum laufen. Da Siv bisweilen die Angewohnheit hatte, mich morgens zu mehr Frühstück, als ich gewöhnlicherweise zu mir nahm, zu überreden, fügte ich noch etwas an. "Hol nicht zu viel, Siv, ein wenig Obst, einen Honigfladen oder sowas. Ich warte dann im Bad auf dich", sagte ich und ging dann aus meinem Gemach hinaus in die allmorgendliche Kühle der villa. Bald würde man wieder Kohlebecken aufstellen lassen müssen, überlegte ich noch, dann weilten meine Gedanken voraus bei einem angenehmen Bad, etwas zu essen und Siv.

    Er war da.


    Genaugenommen stand ich gerade am Fenster und sah nachdenklich in den Raum hinein. Rechts auf meinem Schreibtisch türmten sich Korrespondenzen, direkt daneben Berichte amtlicher Art wie auch zwei meiner Verwalter auf Sardinien. Gegenwärtig hatte ich die Arme vor der brust verschränkt und einen Zeigefinger an die Lippen gelegt, die Stirn lag tief in Falten - als es klopfte und mich dieses Geräusch ablenkte. "Herein", sagte ich laut und sah hinüber zur Tür, die kurz darauf Louan ausspuckte. Ich lächelte den Jungen an. "Ah, du bist es. Schon fertig?" fragte ich freundlich.

    Sim-Off:

    Ich bin derzeitig etwas langsam, schließe diesen Thread dann aber, da du schon ein Folgethema angefangen hast. Wir machen dann dort weiter, wenn es dir recht ist. :)


    "Sehr gut. Ich bin gespannt, was deine Fähigkeiten anbelangt, Louan." Und ob er wirklich so gut war, wie er mich glauben machen wollte. Auf seine Erklärung hin nickte ich. "Dann wirst du ausreichend Platz zum Zeichnen haben. Du kannst aber auch jederzeit hierher kommen. Ich werde den Bibliothekar anweisen, dir ein wenig leichte Lektüre zusammenzustellen. Ich denke mir, dies liegt auch in Ursus' Interesse. Und nun", sagte ich und erhob mich, die Schriftrolle in der Rechten haltend, "entschuldige mich bitte. Ich lasse dir die benötigten Utensilien dann zukommen. Es hat mich gefreut, dich kennenzulernen, Loaun." Mit einem Schmunzeln auf den Lippen schickte ich mich an, den mit Wissen so prall gefüllten Raum zu verlassen.

    Ein wenig enttäuscht darüber, dass ich so gar keine Reaktion auf meine Worte hin erhielt, aß ich den Honigfladen auf und spülte mit etwas zu trinken nach. Zumindest schien sie ein wenig aufgeregt, als es nun um Tilla ging. Dass die Kleine nicht sprechen konnte, würde sie schon noch merken. Die Frage war, ob sie bereit sein würde, die seltsame Fingersprache Tillas zu erlernen oder es mir gleich zu tun und mit der Tafel Vorlieb zu nehmen, die Tilla stets bei sich trug, um sich auszudrücken.


    Wenigstens mit der Hochzeit schien ich ein Thema gewählt zu haben, zu dem Laevina etwas sagen wollte. Sie stimmte zu, und ich sah sie zweifelhaft an. "Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob der Kaiser uns mit seiner Anwesenheit beehren wird. Es scheint ihm nicht so gut zu gehen dieser Tage." Ich überlegte einen Moment, ob ich sie darauf aufmerksam machen sollte, sich für den Fall der Fälle angemessen zu verhalten, verwarf diesen Gedanken doch recht schnell wieder. "Ich kenne die Braut nicht, kann dir daher nichts dazu sagen. Aber du wirst sicher Gelegenheit haben, sie selbst zu fragen", vertröstete ich mein Mündel und begann damit, einen Pfirsich in kleinere Stücke zu schneiden.


    Laevina sah wahrhaftig bezaubernd aus. Ich hoffte nur, dass sie die Braut nicht ausstechen würde. Gemeinsam entstiegen wir, festlich gekleidet, der breiten Sänfte, und ich führte sie zum Tor hin. Ein Sklave war angewiesen worden, die Hochzeitsgeschenke hin zur domus der Prudentier zu bringen, damit sie am Folgetag vom frischgebackenen Ehepaar ausgepackt werden konnten. "Salve, Aurelius Corvinus und Aurelia Laevina, wir sind geladene Gäste zur Hochzeit des princeps praetorii", stellte ich uns und unser Anliegen der Wache vor und wartete darauf, eingelassen zu werden.

    Ich folgte seiner Aufforderung und setzte mich neben ihn. Etwas an Aquilius irritierte mich, und ein nachdenklich forschender Seitenblick traf ihn, während ich wartete, dass sich alles aufklären würde, sobald wir im Gespräch waren und er meine Frage nach seinem Befinden beantwortete. Er tat es mir gleich, versuchte vermutlich, ebenfalls in meinem Gesicht zu lesen, doch alles, was er dort bestenfalls erkennen würde, war der Hauch von Irritation ob seines Verhaltens. Und tatsächlich wurde mir klarer, was ihn beschäftigen mochte, als er sprach. Aquilius war nicht dumm, und selbst wenn Gracchus und Celerina nichts gesagt hatten, so würde er dennoch von den Sklaven Dinge gehört haben, die wahr oder auch gänzlich ersponnen waren. Das blieb selbst unter den besten von ihnen nicht aus. Bestätigend nickte ich auf seine Worte hin. "Ich weiß, was du meinst. Bisweilen gewinnt man den Eindruck, die Zeit sei Sand, der zwischen den Fingern davonrieselt, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Aber alt bist du längst noch nicht. Was sollen da diejenigen sagen, die wirklich alt sind?"


    Ich machte eine undeutliche Geste mit der Hand. "Meine Erfolge... Das klingt gerade so, als entstammte es einer griechischen Sage. Dabei versuche ich nur, gemäß dem Sinne meiner Ahnen zu leben. Der Senat ist... Nun ja, ich hatte es mir anders vorgestellt, wenn ich ehrlich bin. Spannender. Es ist natürlich dennoch eine Ehre, zu den patres conscripti zu gehören." Vielleicht waren es auch nur die ersten Sitzungen gewesen, die verschlafen gewirkt hatten. Vermutlich lag es daran, dass ich mir schlichtweg mehr vorgestellt hatte. "Du wirst auch noch in den Genuss kommen, glaub mir", fuhr ich fort und grinste Aquilius kurz an, nur um anschließend wieder ernster zu wirken. "Prisca geht es gut. Das Letzte, was ich von ihr hörte, war dass sie in Mantua halt gemacht hat, um dort in der villa nach dem rechten zu sehen. Scheinbar will sie anschließend weiter nach Ravenna, und das Reisen gefällt ihr so gut, dass ich fürchte, sie wird ihre Reise danach noch weiter ausdehnen. Was die Briefe angeht, mach dir nichts draus. Sie scheint so beschäftigt, dass es für mich armen Tropf auch nur für ein paar schnelle Zeilen reicht. Aber ich soll dich grüßen, zumindest hat sie das vor drei Wochen geschrieben", erklärte ich. Prisca fehlte auch mir.


    "Ich hatte vor ein paar Tagen das Vergnügen, den kleinen Gracchus kennenzulernen. Ein aufgeweckter kleiner Junge, er ist sicher nicht nur der ganze Stolz seines Vaters. Nun, es wird auch für mich Zeit, mir allmählich Gedanken über einen Erben zu machen." Ich schüttelte den Kopf, als er mich fragend ansah. Mein Becher war noch zur Hälfte gefüllt, das würde vorerst reichen.