Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Während ich wartete, wunderte ich mich darüber, dass sie anscheinend ohne Begleitung gereist war. Für eine Frau ihres Standes war das eine undenkbare Sache, noch dazu für eine meiner Verwandten, die nun meiner tutela unterstellt waren. Ich würde dringend mit ihr darüber reden müssen. Ein Jammer, dass dieser Verwalter bereits wieder abgereist war - wohin eigentlich? - ich hätte ihn gern durch die Mangel gedreht. Es hätte sonstwas passieren können. Nachdenklich schwenkte ich den Saft in meinem Glas umher.


    Kurz darauf erschien Laevina bereits. Sie setzte sich, und mittels eines Winks gab ich den beiden Sklaven zu verstehen, dass sie uns nun bedienen konnten. Von verschiedenen kleinen Platten würde Laevina zwischen Herzhaftem und Süßem wählen können. Ein Korb mit kleinen, frischen Brotfladen stand auf dem Tisch. Ich selbst bevorzugte Honig und einen Aufstrich aus Früchten, nahm mir aber auch zwei der kleinen Küchlein, die Niki gebacken hatte. Man fragte Laevina, was sie zu trinken wünschte. "Ich habe nachgedacht, Laevina", sagte ich und griff damit das Thema von eben wieder auf. "Da ich nun quasi die Verantwortung für dich trage, möchte ich nicht, dass du allein irgendwo hin gehst. Ich hätte dich niemals nur mit irgendeinem Verwalter durch das halbe Reich reisen lassen. Nicht auszudenken, was da alles hätte passieren können." Ich stippte ein Stückchen Brot in den Honigklecks auf meinem Teller. Zähe Fäden zogen sich in die Länge, die sich mit Drehung des Brotes um selbiges wickelten und dann in meinem Mund verschwanden. Bedächtig kaute ich. Wie hatte sie nur ihr Gepäck befördert, wenn sie keine Sklaven dabeigehabt hatte? Oder war sie gar ohne Gepäck angereist? Die Vorstellung, wochenlang auf einer Reise zu sein, ohne sich neu einkleiden oder einfach nur waschen lassen zu können, war alles andere als angenehm. "Nun... Was erwartest du dir von Rom? Von der Familie? Von mir?" fragte ich sie.

    Das Licht der schwachen Sonne nahm allmählich zu. Siv musterte mich, was ich bemerkte, sah ich sie doch direkt an und suchte zu ergründen, was sie bewegte. Bei ihrer Antwort fiel mir unser Gespräch wieder ein, wie sie den komplizierteren Weg gewählt hatte und anschließend in meinem Arm eingeschlafen war. Ich konnte ihre Entscheidung nach wie vor nicht nachvollziehen, versuchte indes, die Frage nach dem Warum auszublenden, wann immer sie mir in den Sinn kam. Bisher hatte das dazu geführt, dass ich Siv mehr unbewusst als absichtlich umging, sah man von einigen wenigen Gegebenheiten ab, an denen wir uns wahrhaftig zufällig über den Weg gelaufen waren und uns kurz unterhalten hatten. Mehr war seit jenem Gespräch nicht passiert.


    Siv stellte eine Frage in den Raum. Ich fragte mich derweil, ob sie schon öfter in mein Zimmer gekommen und mich beobachtet hatte, ohne dass ich es je gemerkt hätte. Neuerlich fuhr ich mir mit der Hand übers Gesicht und seufzte. "Ja. Ziemlich wirr..." Ich wollte jetzt nicht über diese seltsamen Träume reden, die ich hin und wieder hatte. Ich war mir sicher, dass an jenem lediglich Celerinas Arrangement Schuld war. Ich überlegte, ob ich Siv fragen sollte, wie oft sie das schon getan hatte und warum. Doch die Antwort darauf würde nur wieder aufwühlen, was ich zu vergessen suchte. So verstrich ein weiterer Moment der Stille, ehe ich zum Tisch hin deutete. "Kannst du mir einen Becher Wasser geben?"


    Ich folgte ihren Bewegungen mit den Augen, wie sie aufstand, hinüberging und Wasser in einen Becher goss. Als sie wieder zurück kam, deutete ich auf eine unbestimmte Stelle auf dem Bett. "Setz dich." Den Becher leerte ich zur Hälfte, stellte ihn dann zu der Öllampe neben meinem Bett. "Wie geht es dir, Siv?"

    "So, da bin ich", sagte Livius Pyrrus, als er eingetreten war. Ich blickte nur kurz auf und deutete auf den Stuhl. Pyrrus setzte sich, während ich mein Siegel unter einen Brief setzte. Der scriba wippte ein wenig mit den Füßen und wartete. "So. Du musst für mich ein Austrittsgesuch für die factio schreiben", sagte ich zu ihm, als das Siegel gesetzt war. Pyrrus sah mich mit gerunzelter Stirn an, fragte jedoch nichts. Und ich hielt es nicht für nötig, ihm zu erklären, warum ich austreten wollte, also erwiderte ich nichts auf seinen fragenden Blick hin.


    "In Ordnung", sagte Pyrrus schließlich und legte mir einen Brief hin. "Der da ist gestern angekommen, aus Germanien. Ein Artorier ist der Absender." Ich nahm den Brief entgegen und öffnete ihn. Er war von meinem Klienten. "Ah, danke. Da werde ich später drauf antworten. Ich werde jetzt erstmal zum capitolium gehen. Und du denkst bitte an das Gesuch." "Ja. Es wird fertig sein, wenn du zurückkommst", erwiderte Pyrrus seltsam folgsam, als ich mich erhob. Ich nickte ihm noch einmal zu und verließ dann den Raum.



    Sim-Off:

    reserviert

    "Du hast recht, er muss es wissen", erwiderte ich nur und machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand. Solange die beiden nicht jede Nacht herumkrakeelten, als seien die Hunde hinter ihnen her, war es mir gleichgültig, was er mit seinen Sklaven anstellte.


    Ich schmunzelte ob Orestes' weiteren Worten wegen und wiegte den Kopf. "Da hast du recht. Ich habe sie noch nicht gefragt, ebenso wenig wie ich ihren Onkel von meinen Absichten in Kenntnis gesetzt habe - Flavius Aquilius ist ihr Onkel, du hast ihn sicher schon einmal gesehen, er ist Marspriester." Wie Orestes gerade darauf kam, dass es unbedingt eine Flavia sein musste, konnte ich nur erraten. Sicher hatte er von ihrem Besuch hier gehört. Es gab schließlich noch eine ganze Hand voll patrizischstämmiger Familien mit Einfluss. Die Lucretier beispielsweise, oder auch die Fabier....wobei das vermutlich nicht mehr lange der Fall war, nach dem, was Antistes sich geleistet hatte. Ich seufzte und war dann ganz Ohr, als auch Orestes mir etwas von einer Frau erzählte. Meine Brauen rutschten erwartungsvoll nach oben. "Tatsächlich?" fragte ich nach und grinste. Zumindest, bis er erwähnte, welcher Familie sie entstammte. Den Rest seiner Informationen hörte ich nurmehr mit halbem Ohr. Das Grinsen war aus meinem Gesicht gefallen, ein verstockter Ausdruck hatte es ersetzt. Erneut hob ich die Brauen an, diesmal jedoch gesellte sich ein zweifelhafter Ausdruck dazu, sowie einige kleinere Stirnfalten, an denen ich mich nun kurz kratzte. "Tiberia Arvinia, hm." Von allen heiratsfähigen patrizischen Frauen hatte er sich eine Tiberia ausgesucht. Ich seufzte tief und nahm ersteinmal einen Schluck Wein.


    "Wie du siehst, bin ich nicht begeistert, Manius. Politisch ist die Ehe mit einer Tiberia...nun ja, sie würde dir nicht viel bringen. Aber gut, beleuchten wir die Verhältnisse einmal genauer. Du sagst, ihr Vater hat sie hergeschickt, damit man ein geeignetes Arrangement treffen kann. Wer zeichnet denn dafür verantwortlich, dass sie eine geeignete Bindung findet?" fragte ich. Wenn es Durus war, würde man sicher irgendwie überein kommen können. Wenn nicht...

    Etwas in Celerinas Lächeln ließ mich sie aufmerksamer mustern. Eben noch war es voller Überschwang und Freude gewesen, bald schon leuchteten nicht einmal mehr die Augen mit. Ein Zeichen, dass es unecht war. Eine kleine Falter erschien auf meiner Stirn und ich fragte mich schon, ob dieser Umschwung ihres Gemüts wohl an meinem Kommentar gelegen hatte. In jenem Moment fanden Celerinas Hände zueinander, sie klatschte, und abrupt erstarb die Musik, ebenso wie die Tänzer augenblicklich verharrten und zunächst erschrocken, dann betrübt zu Celerina hinsahen. Der erste trollte sich, und rasch folgten ihm die anderen. Ich sah ihnen kurz hinterher, wie sie hinter einem rosafarbenen Rosenbusch verschwanden, und wandte mich dann wieder Celerina zu, die soeben den Vorschlag machte, einen kleinen Spaziergang zu tätigen.


    Dem Vorschlag kam ich nur zu gerne nach, konnte ich doch so den Austern und der gesamten kuriosen Situation entfliehen, ohne dass es zu offensichtlich geworden wäre, wie unwohl ich mich fühlte. Dementsprechend nickte ich. "Sehr gern", erwiderte ich, tat es Celerina gleich und erhob mich, auch wenn im Gegensatz zu ihr kein Schmuck leise an mir klingelte. Jede ihrer Bewegungen wurde von einem feinen Klingen untermalt. Ich fand, dass ihr das einen sehr orientalischen Anklang gab, der definitiv zu Celerina passte. Gegenwärtig beschäftigte sie sich mit einem Sklaven, der wie alle anderen ebenfalls diese grausige Farbe trug. Ich musterte diesen Chimerion genauer und stellte augenblicklich fest, dass es wohl das viele Haar auf Kopf und im Gesicht war, das ihm seinen Namen vermacht hatte. Mir persönlich missfiel ein solch mächtiger Haarschopf bei Sklaven, es konnte nur Ungeziefer sich dort einnisten. Zumal er ein Mann war, und die männlichen Sklaven viel eher zur Verwahrlosung neigten als Sklavinnen. Zudem sah es einfach nicht akkurat aus. Da fiel es mir ein... Dieser Mann war einen Parther. Er sah genauso aus wie diejenigen, die man jüngst auf dem Sklavenmarkt erwerben konnte. Das gleiche harte Gesicht, die kantigen Züge. Ich glaubte, diesen Mann schon einmal gesehen zu haben - was auch stimmte, da er für kurze Zeit in meinem eigenen Hause gelebt hatte, was mir aber nicht einfallen wollte. Und ich hatte auch gar keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, da just in diesem Moment sich jemand räusperte und meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte.


    Gracchus stand ein wenig entfernt, musterte die Situation mit erhobener Braue, seinen Kleinen im Arm. Dieses Erscheinungsbild irritierte mich zutiefst. Gracchus, der Inbrgriff der römischen Tugenden, seines Zeichens angesehener Senator und pontifex Roms, hielt seinen Sohn auf dem Arm. Die kleinen Fingerchen hatten sich in den Stoff seines Gewands gekrallt, was in mir die Assoziation mit einem dieser langfingrigen Primaten aus Africa auslöste. Ich sah ihn vielleicht eine Spur zu lang verwundert an, wandte dann kurz den Blick zu meiner Gastgeberin - war dies geplant? - und realisierte dann, welch wunderbare Rettung aus einem roséfarbenen Alptraum Gracchus darstellte. Augenblicklich erschien ein Lächeln auf meinem Gesicht, und ich trat auf ihn zu. "Gracchus", grüßte ich ihn, ohne erneut in die höflichste aller Anreden zurückzufallen - darüber war ich spätestens seit seinem Besuch der Acta wegen hinweg. Vor ihm blieb ich stehen und richtete den Blick von seinem Gesicht auf das des Säuglings in seinen Armen. Wie alle kleinen Kinder es bisweilen tun, verursachte der kleine Flavius mit etwas Spucke und seinen winzigen Lippen ein paar kleine Bläschen vor dem Mund. Ich unterließ es, den Kleinen anzufassen, und sah stattdessen wieder zu Gracchus. "Meinen herzlichen Glückwunsch, Gracchus, zu diesem Prachtjunge", beglückwünschte ich ihn. Dann suchte mein Blick wieder Celerina, der es im Grunde oblag, Gracchus auf den kleinen Spaziergang einzuladen.


    Gewiss hatte sie ihre Familie wissen lassen, dass ich am heutigen Tage eingeladen war. Dennoch war es wohl nicht verkehrt, noch einmal selbst darauf hinzuweisen, das ich heute ohne bestimmtes Ziel hier eingeladen worden war. Nun, zumindest ich hatte für heute nichts weiter geplant als diesen Besuch hier. "Celerina ist so freundlich, mir euren prächtigen Garten zu zeigen." Wer den aurelischen Garten je gesehen hatte, seitdem ich vor Jahren aus Griechenland heimgekehrt war, der wusste, dass mir seltene Pflanzen gefielen.

    Ich war schweißnass. Vielleicht roch ich auch nach säuerlicher Angst, denn die hatte ich wahrhaftig gehabt. Obwohl ich am vorangegangenen Abend erst spät ins Bett gekommen war, merkte ich noch nicht, dass ich hundemüde war. Das würde erst später kommen, wenn der Schreck nachgelassen hatte. Vorerst also fühlte ich mich hellwach und fluchtbereit, zudem durcheinander, da Siv mich ansah. Welcher Art der unsichere Blick war, entging mit vollkommen. Ich hatte jetzt keinen Blick für solcherlei Kleinigkeiten. Ein einziger Gedanke füllte mein Denken aus. Ich musste Iuno opfern.


    Siv stammelte sich derweil etwas zusammen. Ihre Aussage war bereits einige Sekunden lang verstrichen, bis ich realisierte, was genau sie gesagt hatte. Nun schoben sich diese Worte vor die Opfergedanken. Sie wollte mich ansehen? Ich blinzelte, barg das müde Gesicht dann kurz in meinen Händen und fuhr mir durch die Haare. Ich sollte ein wenig laufen, überlegte ich, und mich anschließend ordentlich waschen lassen. Matt lehnte ich wieder den Hinterkopf an die Wand, an die ich gelehnt saß. "Ansehen? Warum?" Sicher hatte sie nur wieder lateinische Ausdrücke verdreht und meinte etwas gänzlich anderes.

    "Das werde ich dann vermutlich kurzfristig entscheiden müssen", gab ich zurück und seufzte tief. Dankbar über jedwede Art der Zerstreuung, griff ich aber recht schnell das aufgekommene Thema auf. Zunächst aber hob ich die Brauen. "Titus? Tatsächlich? Das wiederum habe ich nicht gehört. Denkst du...?" erwiderte ich, verstummte dann aber. Das war seine Sache, genauso wie Caelyn seine Sklavin war. Andererseits war es unser Nachtschlaf gewesen, den sie gestört hatte. Oder gestört hatten. Eine Furche hatte sich auf meiner Stirn gebildet, doch dann zuckte ich mit den Schultern.


    "Hm. Nun ja. Ach... Verzeih, dass ich dir noch nicht gesagt habe, dass ich zu heiraten beabsichtige. Davor steht die Verlobung, und dieselbe ist noch nicht in trockenen Tüchern. Aber wenigstens habe ich inzwischen schon eine Idee, wie ich Celerina fragen werde." Sogar um die entsprechende Lokalität hatte ich mich bereits bemüht... Nun musste sie nur noch eingeladen werden. "Und was gibt es bei dir Neues? Außer deiner durchaus berechtigten Sorge um die pax deorum?"



    Sim-Off:

    edit: Ich versuche, nach und nach alle laufenden Threads "abzuarbeiten" und bitte generell um etwas Geduld, bei mir ist gegenwärtig die Hölle auf Erden im Büro. :)

    "Das freut mich zu hören. Nun, ich denke, mit diesen Hinweisen lässt sich auch etwas anfangen. Dann werde ich nach etwas Interessantem Ausschau halten", erwiderte ich, wobei ich den Auftrag, nach etwas Passendem zu fahnden, samt der relevanten Informationen an Brix delegieren würde.


    Scheinbar wollte Balbus auch noch mit Ursus sprechen, weshalb ich mich nun erhob, da mir alles geklärt schien. "Dann danke ich dir nochmals für die Einladung, Prudentius." Eben fiel mir ein, dass ich den Prätorianer schon einmal hier im Hause gehabt hatte. Damals, als man seinen Vater ermordet hatte und ich noch decemvir gewesen war. Ich nickte ihm noch einmal zu und deutete Ursus eine knappe, einladende Geste mit der Hand an. Dann zog ich mich zurück und buchte gedanklich schon einen Berichterstatter von der Acta mit, der mich begleiten und fleißig alles aufschreiben würde. :P

    Eine tiefe Falte entstand allmählich auf meiner Stirn. Mein Blick ruhte auf dem Kaiser, der ein ums andere Mal so schien, als interessierte er sich nicht für die diskutierten Belange oder schliefe gar. Dass es mit seiner Gesundheit nicht zum Besten bestellt war, stellte keine Neuigkeit mehr dar. Ohne genau bestimmen zu können warum, beunruhigte mich zudem ein wenig, dass Vinicius Hungaricus nun nicht länger in Rom weilte, und sich somit nur Personen in unmittelbarer Nähe des Kaisers aufzuhalten schienen, die in meinen Augen fragwürdig waren. Dieser neue praefectus urbi, der im Sturm Karriere gemacht hatte, war im Grunde unbekannt und gesichtslos, und vom Legaten der Ersten hielt ich auch nicht sonderlich viel. Wer blieb, war Aelius Quarto, des Kaisers Bruder. Vielleicht noch Purgitius Macer, sofern er näher mit dem Kaiser zu tun hatte.


    In meine Überlegungen hinein fragte Durus nun erneut nach dem fiscus. Das aerarium des Saturn war zwar gut gefüllt, doch würden die Einnahmen nicht die laufenden Kosten eines Projektes solchen Umfangs decken können, wie ich von den Recherchen während meiner Zeit als quaestor urbanus wusste. Mein Blick glitt kurz zu Gracchus, ruhte dann aber wieder auf dem Kaiser.

    Ich hatte mir nichts weiter dabei gedacht, mich neben Durus zu setzen, zumal das Plenum scheinbar heute doch eher recht karg besetzt war. Auf seine Frage hin neigte ich den Kopf. "Wir haben einen Reporter vor Ort, werden also bald mehr darüber erfahren. Ich möchte jetzt aber noch nichts weiter dazu sagen, bisher reihen sich wenige feststehende Tatsachen an zu viele Vermutungen", erwiderte ich.


    Dann glaubte ich, einen Blick des consul auf mir zu spüren, kurz darauf meldete sich Purgitius Macer zu Wort. Ich überlegte, ob ich etwas dazu sagen sollte. Eigentlich hatte ich mich eher zurückhalten wollen. Doch als Aelius Quarto zum zweiten Mal nach weiteren Wortmeldungen fragte, ließ ich das Hadern sein und räusperte mich, was vermutlich im Saal unterging. "Ich kann nichts zu den Verdiensten des Annaeus Modestus sagen, auch wenn mir der Mann und sein Engagement gut bekannt sind. Allerdings soll er nach meinem Kenntnisstand neben zwei diplomae auch eine inscriptio für seine Arbeit erhalten haben. Ich empfinde diese Würdigung seiner Tätigkeit als ausreichend." Ich hatte sie mir anders vorgestellt, meine erste Bemerkung im Senat, nicht so banal. Nun ja, man konnte nicht alles haben.

    Die Nymphe purzelte vom Bett. Ich realisierte nicht die Art des Falls, wohl aber den dumpfen Aufprall auf dem Boden. Hatte sie eben geschrieen? Warum hatte sie geschrieen? Zu komplexeren Gedanken war ich gegenwärtig nicht fähig. Zu schockiert war ich über den Traum. Und Gracchus... Ich schüttelte den Kopf, als könnte ich damit diese unsinnigen Vorstellungen vertreiben. Germanisches Kauderwelsch erreichte mein Ohr, ein Fluch - Siv. Zum ersten Mal realisierte ich wirklich, dass sie hier war, in meinem Schlafgemach. Und um diese Uhrzeit. Automatisch sah ich zum Fenster, es war schon hell, aber eben noch nicht richtig. Dennoch, ich stand stets früh auf, längeres Schlafen erlaubte ich mir nur in Ausnahmefällen, wie beispielsweise nach einem Gelage oder einer Feier.


    Da tauchte Sivs Kopf auf und sie fauchte mich an. Ich verstand, was sie mir sagen wollte, auch wenn ich mit einem Drittel der Worte nichts anfangen konnte, erst recht nicht um diese Uhrzeit. Aber zu einer schlichten Antwort war ich gerade nicht im Stande, ich starrte sie nur an, als sei sie ein Geist, und erst allmählich verschwand das Flackern aus meinem Blick und machte einer tiefgreifenden verwirrung Platz. Es mussten Ewigkeiten vergangen sein, in denen ich einfach nur stocksteif und zum Zerbersten angespannt dasaß und mich beruhigte. "Was...machst denn du hier?" war dann die erstbeste Frage, die mir einfiel und die ich mit belegter Stimme hervorstieß.

    Eben noch war ich auf dem Weg des Vergessens gewesen, was die Austern betraf. Doch dieser unmissverständliche Kommentar von Celerina hatte jedwede Hoffnung zunichte gemacht, dass die Muscheln vielleicht doch schlichtweg unbeabsichtigt den Weg auf den Speiseplan gefunden hatten. Einen flüchtigen Moment lang sah ich sie nur entrüstet an. Glücklicherweise blickte Celerina in just diesem Moment nicht zu mir, sondern auf ihr Essen. Also bemühte ich mich, nicht allzu entsetzt zu wirken, und entgegnete souverän und schlicht: "Ah, Muscheln sind nicht so mein Fall." Das wär ja noch schöner, wenn ich hier den Anschein gab, ich hätte solche Mittelchen wahrhaftig nötig und würde sie auch noch gern essen. Das Unbehagen wuchs weiterhin an, sozusagen proportional zu den Anspielungen Celerinas. Darüber halfen auch die einigermaßen neutralen Informationen nicht hinweg, die sie mir nun zukommen ließ. Im Grunde konnte man doch bei einem Säugling gar nicht sehen, wer seine Eltern waren. Zumindest nicht so knapp nach der Geburt. Deswegen war es ja auch so einfach, einem Vater einen Bastard unterzuschieben, sofern der echte Vater kein Africaner war.


    Während Celerina erzählte, quälte ich meine Drossel ein wenig unnötig. Aber besser, ich fasste die Drossel ein wenig harscher an, als ein unbedachtes Wort zu äußern. Wobei ich mich lediglich darauf berief, dass ich den Moment nicht zerstören wollte. Wenn wir uns näher kannten und vielleicht bereits durch eine Verlobung verbunden waren, würde ich Celerina sagen, dass ich rosa ganz grässlich fand und kein Anhänger von übertrieben pompösen Veranstaltungen war. Und dazu zählten auch die Musikanten und Tänzer, die so plötzlich auftauchten, dass mir die Drossel halb im Halse stecken blieb. Zum Aufwärmen schlugen die Herrschaften zunächst einen langsamen Takt an. Ich würgte den Fetzen Drossel hinunter und spülte mit reichlich Wein nach. Kaum war der Kelch leer, ließ ich mir nachschenken. Ich argwöhnte, dass ich nur mit genug Wein diesen Tag würde überstehen können. Aber, so sagte ich mir, gewiss wollte sie nur auftrumpfen - was ihr bereits bei der Blüte in Acanthus' Haar gelungen war. Dies alles wäre nicht nötig gewesen. "Ich bin..." begann ich, als die Tänzer einen weiten roséfarbigen Kreis um uns herum beschrieben. Wie sollte ich den Satz bloß vollenden? Bedient wäre eine weitaus bessere Wahl als entsetzt gewesen, doch hier keinesfalls angebracht. "...beeindruckt. Aber das wäre doch gar nicht nötig gewesen." Dies war dann die sehr viel mildere Variante, die sogar eine durchweg positive Interpretation erlaubte. Ein wenig unsicher sah ich zu Celerina, die Gefallen an den Tänzern und der Musik zu finden schien, ich selbst konnte mich nicht so recht fallen lassen, damit dies möglich gewesen wäre.

    Und plötzlich war sie da, die Hilfe, die nahende Rettung. Ein aschfahles Gesicht mit hohen Wangenknochen und nur einem winzigen Hauch Rosa auf der blassen Haut, dafür aber mit einer Vielzahl ein Hüftpölsterchen, die allesamt wie eine Nummer zu groß erscheinen und die wie kleine Jo-Jos bei jeder Bewegung auf und ab schwabbelten. Unter den Arm geklemmt trug sie etwas, das aussah wie eine Bienenlarve, sich aber anhörte, wie das Kreischen einer Säge auf Metall, und die freie Hand streckte sie mir helfend entgegen. "Bei Iuno, komm mein Bienchen, komm zu deinem Blümchen", zirpte sie nymphenhaft. Ich ergriff ihre Hand, doch als ich das nächste Mal zu ihr aufsah, schien sie eine riesige Iuno zu sein, die mich mit vor Wut glühenden Augen anblickte. "Wenn Nutella das hier erfährt, du armseliger Wicht, dann wird sie Impotentia zu dir schicken!" Und Gracchus, der soeben beschwingt an Iunos Seite geschwebt war und ihr die Bienenlarve abgenommen hatte, pflichtete bedauernd den Kopf schüttelnd bei: "'nd d' h'lf'n d'r 'uch k'ne 'ust'rn!" Quälend langsam wandte ich mich zu Gracchus um. Wenn nicht einmal mehr Austern halfen... Ich war drauf und dran, Nutella anzuflehen, sie möge Iunos Zorn mildern. Celerosa hatte derweil inne gehalten und kraulte ihre Plüschkatze. "Du hättest besser noch mal ordentlich zugeggriffen!" höhnte sie, und der rosarote Parther nickte bestätigend und mit einem süffisant-mitleidigen Ausdruck au dem Gesicht. Das Lebkuchenhaus um uns herum war mittlerweile verschwunden. Es hatte sich in einen filigranen Wirbel aus tausendundeinem Rosenblütenblatt aufgelöst, und jener tobte nun um uns herum, zerrte an den Haaren und fauchte wie ein Orkan in unseren Ohren. Unter uns, über uns und um uns herum war nichts außer tiefschwarzer Schwärze. Einzig das Kreischen von Antonias Bienenlarvensäge übertönte das Heulen des Sturmes noch, bis plötzlich alles still war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Eine schmale Gestalt erschien, sie trug einen roten Schleier und sonst nichts. Es ging also wieder bergauf. Das Rot erschien mir wie der letzte Anker, ehe ich im Wahn verging. Langsam hob die Lichtgestalt den Schleier an. Übergroße Augen und ein winziger Mund wurden sichtbar. "Ich bin Animemanga", hallte es in meinem Kopf wider, ohne dass das Wesen gesprochen hätte. "Die Göttin der Heroen...." Ich wollte lachen, doch ich konnte es nicht. Bewegen konnte ich mich auch nicht mehr. Plötzlich ging das so zarte Wesen in garstigen roten Flammen auf. "UND IHR RUFT MICH WEGEN DEM DA?!" schnauzte es die anderen an. Dann, außer sich vor Wut, richtete sie ihren kleinen Finger auf mich. Ein greller, pinkfarbener Blitz zischte mir entgegen und-



    Ich sog die Luft ein und fuhr aus dem Schlaf heraus in eine sitzende Position. Augenblicklich war ich hellwach. Vor mir saß eine Nymphe, das roséfarbene Licht des Tages umgab sie mit einer Aureole von gleißenden Rosablassblau. Selbst das Haar war von dieser Farbe. Mein Herz setzte kurzzeitig aus, ich war kreidebleich im Gesicht. Siv erkannte ich nicht. Ich zuckte merklich zurück, ein recht stattlicher Schrei entwich meiner Kehle, und meine Lungen konnten nicht schnell genug frische Luft pumpen. Die Götter waren gekommen, um über mich zu richten. Iuno und...Nutella und Impotentia? Ich stutzte, erkannte nun Siv, zitterte aber immer noch, als säße die Leibhaftige vor mir. In meinem Bett. Mit schreckensweiten Augen starrte ich Siv an, die Nachtmahr fiel nur langsam von mir ab. Es war so durcheinander gewesen und zugleich so real. Eine Hand hatte sich ins Laken gekrallt, entspannte sich aber langsam wieder. Ich starrte auf die Bettdecke hinunter. Ich war hier, zu Hause, Iuno war nicht hier, nur Siv. Und ihre tunica war von schlichtem Weiß. Panisch sah ich mich um. Nirgendwo war etwas Rosafarbenes zu entdecken...

    Die Sklavin war bald zurück und brachte tatsächlich Rosenblätter mit. Solche Schmankerl waren nicht viel mehr als ein Hauch auf der Zunge, der meist zu schnell verging, als dass man etwas mehr als Süße schmecken konnte. Dementsprechend schnell waren sie vergriffen, als Celerina den Anfang gemacht hatte. Ein wenig keimte wieder dieses Unbehagen in mir, das Schweigen zog sich für meinen Geschmack ein wenig zu lange hin, nur unterbrochen von der nächsten Platte, die kredenzt wurde. Inzwischen befand ich mich in einer bequemen liegenden Position. Was allerdings als nächstes serviert wurde, ließ mich schon etwas stutzen. Austern. Ich blickte flüchtig zu Celerina hin. Ja glaubte sie denn, ich brachte es nicht? Mein Blick glitt zurück zu den Schalentieren, die mir die Sklavin so eindringlich vor die Nase hielt. Mein Appetit war nun etwas gesunken. Das war eine eindeutige Anspielung. Ich nahm mir nicht ohne grimmige Entschlossenheit vor, Celerina das deutliche Gegenteil zu beweisen, später, sobald es eben möglich sein würde. Mit langsamen Bewegungen nahm ich mir zwei Hälften und lutschte sie aus, bei der zweiten taxierte ich Celerina aus den Augenwinkeln. Sie fütterte gerade ihre Katze mit einer Drossel. Kaum hatte ich die leeren Schalen fortgelegt, bot die Sklavin mir erneut Muscheln an, doch ich schüttelte nur den Kopf. Als ob ich Austern nötig hätte. Das kratzte doch an meinem Ego. Ich ließ mir lieber Wein nachschenken und versuchte, nicht weiter daran zu denken. Austern...


    "Wem sieht er denn ähnlicher?" wollte ich wissen, dankbar über die gelieferte Ablenkung, die mir ihre Antwort auf meine Frage bot. Wenigstens kurzzeitig konnte ich die Muschelsache vergessen. Ich nickte aber nur zu ihrer Äußerung, selbst einmal Mutter sein zu wollen. Vermutlich deswegen die Austern. Darüber vergaß ich sogar um ein Haar die Farbgestaltung. Die Drossel wirkten appetitlich, also ließ ich mir eine reichen und zerlegte sie allmählich. "Du hast dir wirklich große Mühe gegeben mit diesem Arrangement", meinte ich. Gelegentlich blickte ich zu Celerina, aber sie schien vollauf beschäftigt mit dem Essen zu sein. Angestrengt überlegte ich ein Thema, das wir fortführen konnten. "Wie stehst du eigentlich zur Musik? Soweit ich weiß, verfügt die villa Flavia über äußerst fähige Musikanten." Bei den Saturnalia beispielsweise hatten sie ihre Fähigkeiten schon in meiner Anwesenheit unter Beweis gestellt.



    Selig glitt ich auf einem weichen Blütenblatt von zartem Rosa durch eine Nacht, in der alle Katzen sandfarben waren. Gelegentlich kitzelte mich golden klingelnder Blütenstaub in der Nase - was aber nicht weiter verwunderlich war, da ich an vielerlei Blüten unterschiedlichster Rosétöne vorbeiflog. Pastell bis pink und sogar violett, drehten sich die Blüten um mein rosarotes Bett-Mobil, welches, wie ich selbst, im herrlichesten Schweinchenrosa gehalten war, das man sich nur erträumen konnte. Am Horizont zeigte sich bereits, wie konnte es auch anders sein, ein schmaler, hellrosafarbener Streifen. Gerade rauschte ich an Kirsch- und Mandelblüten vorbei - oder sie an mir? - als das Mobil in rasanter Fahrt plötzlich vor einem Lebkuchenhaus innehielt, das zuvor noch nicht dagewesen war. Verwundert stieg ich aus, betrachtete die violetten Schindeln und den herrlichen, prächtigen Garten. Zwei kleine Mädchen mit Bienenflügelchen hielten sich an den Händchen und drehten sich im Kreis , wobei sie auf seltsam vereinnehmende Art einem Singsang gleich etwas von einer wilden Rose sangen. Ich ließ von den Mädchen ab und wandte mich dem Haus zu, wo mir ein zuvorkommender Gracchus mit kleinen Blümchen auf der toga öffnete und mir heiser erklärte: "'s 'st mi' 'ne F.. Fr'de, d'h zu d'schn." Ein wenig verwirrt nahm ich diese Begrüßung zur Kenntnis, ebenso wie den Nektar, der sich nun aus einer Gießkanne über mein Haupt ergoss - ich hätte schwören können, sie war zuvor noch nicht da! Gracchus lächelte ein wenig verklärt und tänzelte zurück, um mich einzulassen, und während ich mich beständig um die Achse drehte, konnte ich dennoch nicht alles erfassen, was ich dort sah. Sämtliche Möblierung schien aus Rosenblättern zu bestehen. Tische, Stühle, Bänke, sogar der Springbrunnen, der in den Rosenmosaikboden eingelassen war und aus dem sich in einem fort Blütenblätter ergossen. "W'r w'rtn sch'n s' l'ng' 'uf d'n ei'n'n M'm'nt", erklärte mir Gracchus selig lächelnd und trippelte um mich herum, gefolgt von einem Schwarm von Schmetterlingen, die sich am Nektar seiner toga laben wollten. Plötzlich war alles in ein gleißend pinkfarbenes Licht getaucht, und da stand sie, Celerosa, in hochhackigen calcei und mit einer violetten Peitsche in der Hand, an deren anderem Ende sich eine monströse Plüschkatze befand. "Sag Saba zu mir", donnerte Celerosa und schleuderte mir die Katze entgegen. Ich wollte ein wenig zurückweichen, doch hinter mir war plötzlich kein freier Raum mehr. Er war es - der rosarote Parther! Kriegsveteran der Feinde, gekleidet in ein knapp sitzendes, militärisches...Etwas aus Sparta und mit unverwechselbarer lilafarbener Haarmähne auf dem Kopf. Sogar sein Schnäuzer war von dieser Farbe. "Ein wenig Tod zum Abendbrot?" fragte er mich unschuldig lächelnd und bot mir einen schmalen Dolch auf einem Silbertablett an, das er mir in den Rücken rammte. Ich duckte mich weg und versuchte zur Seite zu springen, doch aus den unzähligen Blütenblättern hatten sich Gestalten gebildet, die sich in die Riemchen meiner Sandalen krallten und mich an Ort und Stelle hielten. Celerosa schlich nun näher heran und strich mir schnurrend um die Beine, ihr rosaroter Parther katzbuckelte seitlich meines Gesichtsfeldes und Gracchus' rechter Mundwinkel zeigte eine der so seltenen marginalen Zuckungen. "Maaaarcus....Marcusmarcusmaaaarcussss...." schnurrte Celerosa. Ich wollte nur noch zurück zum Bett-Mobil, fort von dort, weg vom Schreck, raus aus dem Haus...

    Ich sah hin. Natürlich tat ich das. Und es waren tatsächlich Male an ihrem Handgelenk zu sehen. Kurz flackerte Entrüstung in meinem Blick auf, dann runzelte ich ärgerlich die Stirn. Wer wusste schon, was Siv angestellt hatte, um diese Schürfwunden zu erhalten. Vielleicht hatte Matho keine andere Möglichkeit gesehen als die, Siv anzuketten, um einem erneuten Fluchtversuch vorzubeugen. Ja, so musste es gewesen sein. Ich setzte mich wieder, und der Barbier haderte mit sich, ob es klug wäre, seine Arbeit wieder aufzunehmen und die Rasur zu vollenden. Er ließ es vorerst bleiben.


    Dann brachte Dina mir Wasser, brabbelte etwas Unverständliches und bestätigte noch einmal Brix' Worte. Ich schürzte die Lippen. Das konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Matho war stets so zuverlässig und korrekt gewesen. Wie sollte das mit so einem Verhalten zusammenpassen? Hier musste es nur um Fhionn gehen. Matho konnte ohnehin keiner mehr helfen, aber bei Fhionn bestand jetzt noch die Möglichkeit. Warum also nicht Matho post mortem verleugnen und sein Andenken beschmutzen? Ich bedachte Dina mit einem süffisantes Lächeln. Zugegebenermaßen benahm ich mich nicht gerade umgänglich. Später sollte ich nur ungern diesen Tag zurückdenken. In jenem Moment aber schien mein Schädel bersten zu wollen, ich sah mich konfrontiert mit einer scheinbar geschlossenen Sklavenfront - und Orestes, der meinte, mir hineinreden zu müssen. Es fing bereits mit seiner Anrede an, die mir gehörig gegen den Strich ging, doch da beherrschte ich mich noch. Ebenso bei der Erwähnung meiner Sklaven. Viel eher aus der Reserve lockten mich allerdings seine Folgeworte. Ich schürzte die Lippen und blickte ihn finster an. "Es ist einfach, jemanden zu diskreditieren, der keinen Einspruch mehr erheben kann. Und um deine Frage zu beantworten, nein, Titus hat nichts dergleichen erwähnt", konterte ich und machte damit deutlich, was ich von seinen Fragen hielt. Zumindest hatte Ursus nichts mündlich erwähnt, doch der Brief, den er geschickt hatte, lag noch mit unversehrtem Siegel irgendwo unter tabulae und Papyri auf meinem Schreibtisch. Ich machte eine unwirsche Geste, und mein Kopf dankte sie mir mit einem stechenden Schmerz, sodass ich einen Moment innehielt und die Augen schloss. Die Kopfschmerzen an diesem Morgen waren unbekannten Ausmaßes, später für mich aber nur eine vage Entschuldigung für mein ruppiges Verhalten.


    "Fhionn", sagte ich dann plötzlich barsch und sah sie an. "Du hast Matho getötet, hinterrücks und ohne Skrupel, wie es scheint. Allein dafür verdienst du ebenfalls den Tod. Du hast diesen Mord in meinem Haus begangen, du hast Blut in dieser villa vergossen, und das, obwohl ich dir vertraut habe. Was macht man in deiner Heimat mit Fremden, die auf diese niederträchtige Art und Weise das Vertrauen des Hausherrn missbrauchen?" Schlagartig richteten sich mehrere sklavische Augenpaare auf Fhionn, die einfach nur dastand und teilnahmslos wirkte.

    Celerina schien sich beinahe noch mehr zu freuen als ich selbst. Dabei dachte ich mir allerdings nichts. Sie war schließlich nicht auf den Kopf gefallen und musste meine Absichten daher schon längst erraten haben. Vielleicht sollte ich die ganze Sache vorziehen, überlegte ich kurz, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Schließlich hatte ich mir eine Kleinigkeit ausgedacht, und es wäre schade darum. Nicht nur des Geldes wegen, auch weil ich mir selbst einen angenehmen Abend versprach wenn... Doch nein, ich sollte nicht weiter darüber nachdenken. Hinterher plauderte ich noch aus, was ich mir überlegt hatte. :D


    Einen Moment später hielten wir beide kostbare Gläser in den Händen. Ich vermutete, dass auch sie aus Ägypten stammten, nicht allein des sonstig arrangierten Ambientes wegen, sondern auch aufgrund der Machart der Kelche. Zudem waren die Ägypter bekannt dafür, Meister der Glasbläserei zu sein, und unsere eigenen Glasgefäße bezogen wir ausschließlich von einer kleinen Meisterwerkstatt bei Alexandrien. "Auf die Zukunft", erwiderte ich, wobei ich mehr an die Karriere dachte als an die Ehe, die wir - so denn alles glatt verlief - irgendwann führen würden. Wie es sich gehörte, opferte ich den Göttern den ersten Schluck Wein, der sogleich im Gras versank, und trank erst dann. Celerina hatte einen sehr angenehmen Wein ausgewählt und traf damit vollauf meinen Geschmack. Andererseits, solange er nicht allzu süß oder gar zu bitter war, konnte man im Grunde nichts falsch machen. Den Abgang des Rebensaftes konnte ich zunächst nicht recht einschätzen.


    Das rhythmische Schnurren Sabas war eine Weile das einzige Geräusch, das man vernahm, und ich musterte Celerina und ihre Katze noch einmal genauer. Es mussten wahrhaftig echte Edelsteine sein, welche sie dem Tier zugestanden hatte. Da fiel es mir plötzlich ein: Der Wein hatte einen Nachklang von Rosen. Überrascht blickte ich das Glas an und kostete gleich noch einmal, derweil Celerina sprach. Was ich von diesem Wein halten sollte, war mir noch nicht ganz klar, er schmeckte nicht übel und war anders, und augenblicklich stellte ich mir die Frage, ob die rosafarbene gekleidete Sklavin wohl auch rosenblättrige Köstlichkeiten heranbringen würde. Nun, das an sich war nichts Ungewöhnliches, kandierte Rosenblätter gab es bisweilen auf jedem festlichen Empfang, wenngleich es diesen Rahmen wohl sprengen würde - doch nach der Blüte im Haar des ianitor, der vorherrschenden Farbe und den beiden Blumenkindern sollte es mich nicht wundern, wenn Celerina auch bei den Häppchen beim Thema dieses Tages verblieben war. "Dabei hatte ich mir solche Mühe gegeben", erwiderte ich, ohne es recht ernst zu meinen, und schmunzelte. Wenigstens schien ich ihren Geschmack mit dem Mäusefänger getroffen zu haben. Die Flavia wirkte kurz darauf etwas abwesend und sah sich um, was mir erneut Gelegenheit verschaffte, sie zu mustern. "Ich hörte, Claudia Antonia habe vor kurzem ihr Kind zur Welt gebracht?" fragte ich sie, in der Annahme, dass alle Frauen gern über kleine Kinder sprachen. "Sie und Gracchus müssen sehr stolz sein. Sag, magst du Kinder?"