Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Sim-Off:

    Entschuldige bitte, den Thread hab ich vollkommen versemmelt...



    Zitat

    Original von Decimus Annaeus Varus
    ...


    "Nun gut, wenn du mir das sagst", erwiderte ich schmunzelnd auf seinen Kommentar hin bezüglich meiner Zweifel. Derweil verstaute der Annaeus das Geld, welches ich ihm gegeben hatte. Zur Großzügigkeit des cursus publicus enthielt ich mich indes besser. Wer einerseits 2 Freibriefe verschenkte und andererseits den Kunden das Geld aus der Tasche zog, der...nun, der wusste, wie man in Rom Geschäfte machte.


    "Ich danke dir", sprach ich und nahm den Wein entgegen. "Das heißt, die Bauaufsicht oblag dir?" erkundigte ich mich. "Ah, ja. So ist das mit den Verpflichtungen. Ich finde nicht einmal mehr die Zeit für einen kurzen Besuch in Mantua. Allerdings, wen sollte ich dort schon besuchen, das Haus steht seit einer Weile leer. Ich überlege schon, es zu verkaufen. Fällt dir nicht jemand ein, der Interesse an der villa rustica haben könnte? Ich bin leider schon zu lange fort aus Mantua, als dass ich auf Anhieb jemanden wüsste." Die bekannteren Namen Mantuas aus meiner Zeit waren inzwischen zum Großteil verblasst, sei es, weil der Namensträger verstorben oder fortgegangen war, oder weil ich mich schlichtweg nicht mehr erinnerte.


    "Nein, das ist ganz und gar nichts Ungewöhnliches. Mir geht es genauso. Wer einmal für längere Zeit in Rom gelebt hat, den treibt es stets wieder hierher", erwiderte ich. Bei mir war es schließlich nicht anders. Bei der nun folgenden Frage musste ich kurz lachen. "Natürlich darfst du, auch wenn das eigentlich kein großes Geheimnis ist. Ich strebe den Senat an." Einen Schluck später fuhr ich fort. "Irgendwann mit Sicherheit auch das Konsulat. Aber bis dahin wird noch reichlich Zeit vergehen. Ich habe es nicht eilig und erfülle die mir angetragenen Aufgaben lieber mit Sorgfalt als um der Notwendigkeit Willen. Aber wie steht es mit dir? Ich nehme an, dieses officium stellt für dich auch nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach oben dar."

    Ich nickte dankend in Richtung Verus', blickte aber abermals irritiert, als ich hörte, wie er Orestes mit dessen praenomen ansprach. Ein solches Vorrecht genossen normalerweise nur Familienmitglieder und sehr enge Freunde. Vielleicht hatte ich da etwas nicht mitbekommen, aber wundern tat es mich dann doch.


    Wein schien bei allen Anklang zu finden, und kaum bestellt, wurde die Amphore auch bereits an den Tisch gebracht. Ich hatte besseren Rotwein bestellt, angeblich kam er aus Kampanien, wo man auch den noch besseren Falerner kelterte. Die Bedienung kredenzte jedem einen Becher, teilte uns mit, dass die Platte noch einen Moment bräuchte, und verschwand dann wieder, um auch andere Gäste zu bedienen. Wer wollte, konnte sich nun den Wein selbst verdünnen mit dem Krug Wasser, der ebenfalls einen Platz in unserer Mitte gefunden hat. Ich ließ es bleiben. "Wenn sie wirklich so gut spielen kann, wie Tranquillus behauptet hat, dann wird er sie oft genug verleihen müssen", entgegnete ich zu Verus gewandt und und grinste. Dann hob ich mein Gefäß. "Auf eine nette, gesellige Runde", prostete ich den anderen zu und goss den für mich obligatorischen Schluck Wein für die Götter so unter den Tisch, dass die Kleidung möglichst nicht bespritzt wurde. Die Flecken in der Möblierung und in den Fugen des Fliesenbodens zeugten davon, dass dies nicht der erste Schluck Wein war, der dort landete. Anschließend kostete ich und befand den Wein für angenehm.



    Sim-Off:

    edit: Eine Runde in der WiSim. Louan, wo kein Konto, da kein Wein :P

    Bunte Blätter fielen vor einem hellgrauen Himmel gen Boden, wirbelten in fröhlichem Reigen herum und schwebten darnieder. Siv kuschelte sich an mich, löste damit ein äußerst friedfertiges Gefühl in mir aus, wenngleich jenes in Disharmonie zu den immer wiederkehrenden Gedanken stand. Fridilaz...irgendwann hatte ich dieses Wort schon einmal gehört. Vermutlich während einer der Übungsstunden, die, wie es schien, Jahrzehnte zurücklagen. Die Bedeutung dessen war mir entfallen. Ich erwiderte nichts darauf. Es schien ohnehin so, dass Siv urplötzlich schläfrig geworden war. So bettete ich nur mein Kinn auf ihr Haar, schloss einen Moment die Augen und versuchte, all die schlechten und aufreibenden Gedanken wenigstens einen Moment lang zu vergessen, die mir durch den Kopf gingen.


    Es gelang eher kläglich denn tatsächlich. Und spätestens, als Siv es sagte, sie sagte, jene drei Worte, waren die Gedanken von neuem angefacht. Ich öffnete die Augen, die Kehle war mir zugeschnürt. Warum nur sagte sie es? Es war schon so schwer genug. Sie verletzte die unausgesprochene Regel damit, drängte mich in eine Ecke und forcierte damit eine Antwort meinerseits. Doch ich schwieg. Ich sagte nichts, erwiderte nichts, sondern starrte nur wieder hinaus, sah den Blättern zu bei ihrem Spiel mit dem Wind und wünschte mir in jenem Moment nichts sehnlicher, als eines von ihnen zu sein und auf einer Bö davonzureiten, gleichsam alles um mich herum zu vergessen und nur vom Wind beseelt zu sein.


    Was würde daraus nur erwachsen? Es konnte nicht gutgehen, ich wusste es. Und doch konnte ich nicht anders und blieb sitzen, die bald schlafende Siv im Arm haltend und weiterhin den Tanz des Herbstlaubes betrachtend, während Stunde um Stunde verstrich, meine Glieder bald schmerzten und es allmählich immer dunkler wurde.


    ~ finis ~

    Binnen weniger Augenblicke schien alles wieder so vertraut zu sein, so unbefangen. Es sollte nicht so sein. Es würde nur Schwierigkeiten nach sich ziehen und alles noch komplizierter machen, als es ohnehin bereits war. Und Siv schien das nicht zu verstehen. Ihre Gefühle gaukelten ihr vor, dass dies nun ihr Platz war. Im Grunde stimmte das, aber dass sie nicht mehr nach Hause wollte, irgendwann, konnte ich nicht begreifen. Egal wo ich gewesen war, es hatte mich immer zurück nach Rom gezogen. Da mochte manche noch so schimpfen über den Gestank und den Dreck im Sommer. Rom war meine Heimat. Sivs Berührung lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf sie, wie sie dort lag und die goldenen Haare eine Aureole um sie herum bildeten. Ich fühlte mich schlecht. Wieder hatte ich versagt. Ich konnte nicht einmal die Ziele erreichen, die ich mir selbst steckte. Würde ich sonst hier neben ihr sitzen? Gar den Mundwinkel zu einem flüchtigen Lächeln heben, als sie mir nochmals versicherte, dass sie sich vollauf bewusst war, dass sie stets im Dunkel stehen würde?


    Scheinbar willenlos ließ ich mich von ihr hinabziehen. Der Kuss schmeckte tröstlich und tat mir gut, war kurioserweise Balsam für meine Seele. Sivs Körper war nun warm, nicht mehr so eisig wie zuvor. Ihre Berührungen waren lockend, und doch vermochte sie nicht mehr, mich alles vergessen zu machen. Ich hielt inne und richtete mich wieder auf. Celerina dürfte niemals davon erfahren. Es würde meine Unfähigkeit komplettieren. Ich sah Siv an, die Andeutung eines Lächeln im Gesicht. Erwidern tat ich nichts mehr, sondern erhob mich und setzte mich zu Sivs Kopf, wo ich ihr unter die Arme griff und sie vorsichtig zu mir hin zog. Mir war nicht danach, mit ihr zu schlafen. Zu viele Gedanken spukten in meinem Kopf umher. So zog ich sie nur an mich, lehnte mich mit Rücken und Hinterkopf an die kühle Wand und starrte zum Fenster hin. Ich hielt sie einfach nur fest, an Brust und Bauch gelehnt, und fühlte mich zweigeteilt. Innerlich freudig und gleichsam enttäuscht von mir selbst.

    Ich wich ihrem Blick letztendlich doch aus. Das tiefgründige Blau schien mir den Atem zu rauben. Siv hob die Hand wieder, wie im balneum, und ich stand einfach still dort. Ich fühlte mich unfähig, mich zu bewegen, was teilweise auch die Angst sein mochte, dass sie dann vollends zerbrach oder auch nur erneut in Tränen ausbrach. Ihre Finger auf meiner Haut verursachten ein Bitzeln, doch anders als im Bad schreckte ich diesmal nicht davor zurück. Ich war unfähig, mich zu bewegen. Siv schaute ich nun wieder an, zweifelnd, denn welcher Sklave wollte schon nicht freigelassen werden? Und die Freilassung an sich bedeutete ja nicht, dass sie fortgehen musste. Ich wollte etwas erwidern, aber ich konnte es nicht. Überhaupt schien mein Körper gegen meinen Willen sämtliche Bewegungen außer dem rhythmischen Heben und Senken meiner Brust eingestellt zu haben. Ich stand nur da und sah Siv an. Siv, die sich ganz plötzlich vorbeugte und mich küsste.


    Ich stand steif wie ein Brett da. Die Lippen, so weich, die Verlockung war da, und sie war nicht mehr nur zum Greifen nahe, sondern spürbar vorhanden. Immer schon waren solche Berührungen und eindeutige Absichten mein Verhängnis gewesen. Ich war schließlich auch nur ein Mann. Ganz allmählich teilten sich meine Lippen, hob ich meine Hände, zuerst noch widerwillig, doch dann in geschmeidiger Bewegung. Es war, als fiele ein Talent Gewicht von mir ab, als ich Siv an mich zog und ihren Kuss stürmisch erwiderte. Spielend leicht hob ich sie hoch, einfach knapp über der Hüfte, und ging zum Bett hinüber. Mein Kopf war schlagartig leergefegt. Wo eben noch Zweifel und feste Vorsätze gewesen waren, pulsierte nun gähnende Leere. Ich legte Siv auf das breite, gemachte Bett, hielt dann jedoch inne und sah auf sie hinab. Der Anhänger war ein wenig nach oben gerutscht, das silberne Pferdchen gut zu erkennen. Ich sog die Luft ein, setzte mich dann auf den Rand des Bettes neben sie. Allmählich wich die Engstirnigkeit aus meinem Kopf und machte wieder etwas Platz für kühleres Denken. Ich streckte die Hand aus und strich mit dem Handrücken über ihre Wange, ein wenig melancholisch lächelnd. "Bist du dir sicher, dass es das ist, was du willst?" fragte ich sie leise. "Es wird nie mehr geben können als das hier, Siv. Dir steht doch noch alles offen. Du könntest irgendwann wieder nach Hause gehen. Sofort, wenn du möchtest."

    Laevinia wurde mit einem nachsichtigen Schmunzeln bedacht. Immerhin war es ihre erste Nacht hier gewesen, und mein Tadel war ja zudem nur halbherzig vorgebracht. Ihren Kommentar die Sklaven betreffend nahm ich zunächst mit einem Stirnrunzeln auf, doch ehe ich deutlicher machen konnte, dass es mir vielmehr um ihre Sicherheit ging als um alles andere - wobei das andere natürlich ebensowenig zu missachten war - erriet sie es bereits selbst. Ich nickte demnach also nur noch einmal bekräftigend.


    "Nun", erwiderte ich auf die Frage nach einem Leibsklaven hin. "Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht erwartet, dass du allein ankommst." Ein prüfender Blick ruhte auf Laevina, ich war heute schließlich nur wenigen Sklaven begegnet, und vielleicht hatte sie tatsächlich welche aus Griechenland mitgebracht, ohne dass ich davon wusste. "Du bist doch nicht allein gekommen?" hakte ich dennoch noch einmal nach. "Nun denn, aber ich hatte ohnehin darüber nachgedacht, die eine Sklavin an die Seite zu stellen. Sie ist ein wenig jünger als du, aber ich denke, ihr werdet gut miteinander auskommen", erwiderte ich. "Später ist Zeit, sie dir vorzustellen. Aber jetzt lass uns erst einmal hinausgehen. Das heißt, ich werde schon vorausgehen und du kommst nach, wenn du fertig bist - aber wehe dir, du vergisst mich da draußen", witzelte ich und grinste sie an. Ich ging davon aus, dass Laevina sich zumindest noch ankleiden lassen wollte, und da ich ohnehin noch stand, begab ich mich daraufhin gemächlich zur Tür und ging hinaus.



    Draußen war es ein goldener Herbstanfangstag. Mit viel Enthusiasmus konnte man ihn auch noch als kühlen Spätsommertag bezeichnen. Ich saß in der Sonne und trank Saft. Mit dem Essen wollte ich warten, bis Laevina fertig war und zu mir stieß. Drei Sklaven wuselten herum und würden Essen und Getränke anreichen, wenn jemand es wünschte.

    Ich hatte ja gewusst, was ich damit würde anrichten. Und nun war es gut, dass ich hier stand und nicht mehr so dicht hinter ihr. Im Grunde war es sinnlos, was ich hier tat. Ich hätte sie nicht herholen lassen sollen. Ich hätte einfach Brix erlauben sollen, einen medicus zu organisieren. Dann hätte ich nun nicht vor dieser vermaledeiten Wahl gestanden, was ich tun sollte. Ich ärgerte mich über mich selbst, und gleichzeitig war ich froh darüber, so entschieden zu haben.


    Dennoch hatte mein Vorschlag scheinends nicht den gewünschten Erfolg. Siv wirkte bodenlos schockiert und rein gar nicht erfreut. War nicht die Freilassung etwas, das sich jeder Sklave wünschte? Andererseits ging es hier nicht um eine normale Sklavensache. Gewiss gab es viele, die besondere Beziehungen zu ihren Sklaven hatten, ob diese nun rein körperlicher oder auch emotionaler Natur waren. Man hörte auch dann und wann von Plebejern, die ihre Sklaven freigelassen und dann geheiratet hatten. Doch das war undenkbar. Es würde dem Ruf der Familie schaden und meine Karriere von einem auf den anderen Augenblick pulverisieren. Das, wofür ich dann jahrelang gearbeitet hatte, wäre innerhalb weniger Worte ausgelöscht. Und eben weil ich darum wusste, hatte ich niemals auch nur an diese Möglichkeit gedacht, geschweige denn, sie in Betracht gezogen. Siv missverstand das Angebot. Ich seufzte frustriert und strich mir fahrig über die Stirn. Was ich auch sagte, es schien stets falsch zu sein. Scheinbar hatte ich den hang dazu. "Nein. Ich dachte... Ich wollte..." Ich musste mich zusammenreißen. Hier herumzustammeln brachte rein gar nichts. Verstand Siv denn nicht, dass ich im Grunde nur wollte, dass es leichter für sie war, schnell zu vergessen? Selbst wenn das leise Stimmchen flüsterte, dass es eigentlich gar nicht das war, was ich wollte. Siv fragte mich noch einmal. Ich sah sie an. "Nein", erwiderte ich und vergaß beim Anblick ihrer blauen Augen gar, noch einen weiteren Schritt die Flucht nach hinten anzutreten.

    Vorsorglich erwiderte ich nichts außer einem Lächeln auf ihre Frage nach dem Gefallen des rosaroten Blütentraumes hin. Ehrlicherweise fand ich die Farbe ganz schrecklich, doch das konnte ich ihr schließlich schlecht direkt ins Gesicht sagen. Zunächst blieb ich sitzen auf der cline, und beantwortete ihre Fragen. Dass sie mich ihren Lieben nannte, verwunderte mich nach der Küsschen-Aktion bei ihrem letzten Besuch nicht weiter. "Ich danke dir. Ja, ich bin nun Senator. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Vor mir gab es nur wenige Senatoren in meiner Familie. Es ist demnach eine ganz besondere Ehre, dass man mich berufen hat. Dementsprechend guter Dinge bin ich auch, selbst wenn nun etliche obligatorische Termine mehr anstehen als zuvor", erzählte ich und lächelte Celerina kurz an. Die Flavia zog dann plötzlich an einer blauen Schnur, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte, und an dieser Schnur hing die Katze, die ich ihr geschenkt hatte. Mauzend strich sie am Polster der Liege entlang, den Schwanz hoch empor gereckt, und sprang dann hinauf.


    Katzen waren mir schon immer lieber gewesen als Hunde, obgleich beide Spezies auf ihre Art nützlich waren. Ich streckte den Arm aus und ließ das Tier meine Finger beschnuppern, kurz darauf rieb es seinen Kopf an mir und begann laut und ratternd zu schnurren. "Salve, Saba." Kaum ausgesprochen, schockierte mich der Umstand, dass ich mit einer Katze redete, auch noch vor den Augen Celerinas. Andererseits hatte sie damit angefangen und mir das Tier vorgestellt. So war gewiss nichts Verwerfliches daran. Ich räusperte mich und wandte mich nun wieder Celerina zu, die inzwischen die volle Aufmerksamkeit der Samtpfote inne hatte. "Ich vermute, all meine Verschleierungstaktik war sinnlos angesichts deines Intellekts. Du musst sofort herausgefunden haben, von wem das Tier stammt. Aber es freut mich, dass sie dir gefällt. Und der Name passt wirklich außerordentlich gut."

    Ich sog tief die Luft ein und seufzte, als sie ihre Hand aus meiner zog und mich zornig ansah. "Siv", begann ich einen halbherzigen Apell, doch sie hörte gar nicht zu. Ich ließ die Hand sinken und lehnte mich zurück, dann sprang sie auf und stolzierte schimpfend im Raum umher. In diesem Moment erinnerte sie mich an einen zeternden Pfau. Ich schloss bisweilen die Augen und ließ sie einfach reden. Was sonst hätte ich auch tun können?


    Die Antwort darauf wusste ich bereits, bevor ich mir die Frage stellte, doch ich schwieg weiterhin. Siv kratzte, vermutlich ohne es zu wissen, derweil an der letzten Schicht, die mir noch geblieben war. Ihre Stimme schwankte, ihre Schultern erbebten sacht, das goldener Haar hielt meinen Blick indes gefangen. Ihre weibliche Silhouette hob sich grazil vom Rest des Raumes ab. Die letzten Worte, die sie sprach, klangen so sehr nach Trotz und Zynismus, dass ich sie mit einem schlichten "Unsinn!" abtat. Ich musterte eine Weile ihren Rücken, die schlichte braune tunica, die weiche Haut verbarg. Abermals erbebten ihre Schultern. Ich konnte mir das nicht länger ansehen, senkte den Blick kurz und stand dann auf. Stoff raschelte. Ich wusste nicht wohin mit meinen Händen. Es waren nur wenige Schritte, bis ich hinter Siv angelagt war. Ihr Körper strahlte eine Kühle aus, gleichzeitig duftete sie unverkennbar nach frischem Grün. Ich schloss die Augen und versuchte, Herr meiner Sinne zu bleiben. "Wenn ich dich fortschicken wollte, hätte ich es längst getan", sagte ich leise. Ein wenig zögerlich strich ich ihr das Haar aus dem Nacken. Bona Dea, ich wusste, wohin das führen musste, was ich hier tat. Das war ein Spiel mit dem Feuer, und wenn ich nicht acht gab, würde es mich verbrennen. Ich ließ die Hand sinken und zwang mich, wieder einen Schritt zurücktretend. "Aber wenn es dir leichter fällt, werde ich dich freilassen", sagte ich und sah dabei Sivs Hinterkopf an.

    Die ganze Szenerie mutete mehr und mehr wie eine schlechte Theateraufführung an. Jahrhunderte später sollte man es Soap nennen. Der ironische Gedanke daran machte es mir allerdings nicht unbedingt leichter, denn wenn das Stück nicht gerade ein Drama war, endete es zumeist glücklich, und eben ein solches Ende konnte ich mir im Moment nur schwerlich ausmalen. Siv hörte sich in diesem Moment so an, als würde sie nur für mich leben. Schon während sie sprach, schüttelte ich den Kopf. Erst kurz nachdem sie verstummt war, hielt ich damit inne. "Das ist nicht egal, Siv. Es ist nicht egal." Ich betrachtete sie aufmerksam und griff dann nach ihrer Hand. Sie war kalt und zitterte. Und so klein. Abermals schluckte ich und schloss meine Hand um ihre herum. "Das kann nicht alles sein, was du willst. Stets hinten zu stehen. Mit niemandem darüber reden zu können. Es wäre eine Illusion. Ich würde dir nie mehr geben können. Und ich würde es dir jetzt nur schlimmer machen, wenn ich..." ...ehrlich wäre. Wenn ich darauf einging. Gerade noch rechtzeitig schwieg ich und sah auf ihre Hand hinunter. "Es wäre nicht gut", suchte ich mich selbst zu überzeugen. "Für dich nicht und für mich auch nicht." Besonders überzeugt klang es nicht.

    Es roch sogar nach Rosen. Gut, mich hätte dieser Umstand noch am wenigsten gewundert, denn wo Rosen wuchsen, roch es eben nach Rosen. Celerina gab sich allen Anschein, eine ägyptische Prinzessin zu sein. Sie rührte sich nicht bei meinem Erscheinen, wobei ich auch dies weniger schlimm fand. Doch sie trug eine tunica von der gleichen Farbe wie sie den Weg hierher geprägt hatte - rosa - wenngleich ihr Stoff wohl um ein Vielfaches hochwertiger war als der, den man den Sklaven zugedacht hatte. Um ihre Arme ringelten sich goldene Schlangen, die mein Bauchgefühl als außerordentlich passend befand. Gepaart mit den Edelsteinen und dem üppigen Schmuck auf ihrem Dekolletté erschien sie mir beinahe etwas zu überladen, aber nun ja, sie schien auftrumpfen zu wollen, was ich allein schon hinsichtlich der Ausstaffierung dieses Plätzchens bemerkte. Selbst die clines waren mit roséfarbenem Brokat bezogen.


    Nach ihrer Aufforderung kam ich näher, ergriff ihre Hand und ließ die Lippen kurz die Haut auf ihrem Handrücken streifen. "Du siehst bezaubernd aus, Celerina. Mehr noch als der Garten, den du in ein..." rosafarbenes Wattemeer getaucht hast? Ich suchte nach Worten, die passend erschienen. "...angenehmes Ambiente gehüllt hast." Kurz flackerte in mir die Hoffnung auf, dass die villa Aurelia wohl niemals in pink und rosa gehalten sein würde. Spätestens Brix würde das freundlich, aber bestimmt zu unterbinden wissen. Ich nahm Platz. "Wie geht es dir?"

    Eine der ersten Sitzungen im Senat war es, und ich gab mich eher zurückhaltend. Noch waren die Abläufe neu, erschien es mir selbst eher unpassend, mich sogleich zu Wort zu melden. Zumindest ließ man in diesem Jahr die Auszeichnungen nicht wieder unter den Tisch fallen, wie es in dem Jahr davor und jenem davor gewesen war, zu meiner letzten Amtszeit - für die ich meines Erachtens nach allerdings diesmal nichts verdient hatte, denn ich hatte nichts Herausragendes geleistet. Durus, neben den ich mich gesetzt hatte, nickte ich marginal zu. "Von Annaeus Modestus habe ich nichts weiter gehört, außer dass er wohl schon drei Auszeichnungen in Spanien eingeheimst hat, und um Flavius Aquilius war es ebenfalls recht still", erwiderte ich. Im Gegensatz zu Durus kannte ich auch bereits Teile der nächsten Acta, doch erwähnte ich diesbezüglich nichts. Es würde schon für genug Furore sorgen, wenn ein jeder selbst las, was der Reporter in Hispania herausgefunden hatte, gerade auch im Bezug auf Auszeichnungen.

    "Was könnte man auch Schlechtes über eine Hochzeit berichten", erwiderte ich und zwinkerte Balbus amüsiert zu. "Nun gut. In der domus Aeliana, ich werde da sein. Verrätst du mir noch, ob deine Braut ein besonderes Interessensgebiet hat? Ich möchte schließlich nicht mit einem unpassenden Geschenk auflaufen." Was den Prätorianer betraf, so war mir eben ein spontaner Einfall gekommen, doch musste ich erst sehen, ob dieser sich verwirklichen lassen würde. "Habt ihr euch bereits um die notwendigen Kulthandlungen gekümmert?" erkundigte ich mich automatisch. Irgendwann ging einem das religiöse Amt ins Blut über. An dem geplanten Tag der Hochzeit war jedenfalls nichts auszusetzen.

    Rosa. Diese Farbe schien vorherrschend zu sein. Ob das ein neuer Trend im Hause Flavia war? Bisher hatte ich keinen Flavier angetroffen, doch ich vermutete, dass die Farbe nur der Sklavenschaft zu Glanz verhalf. Mir Aquilius in schweinchenrosa vorzustellen oder gar Gracchus, das überstieg meine Vorstellungskraft einfach bei weitem.


    Eines der Mädchen hatte sein Körbchen schon geleert, ehe wir den Garten betraten, kurz schienen sie zu streiten, ob sie sich nun beide aus einem Korb bedienen sollten, dann streuten sie einvernehmlich weiter und verteilten Blütenblätter auf dem Weg vor mir. Ich folgte ihnen einfach und versuchte, nicht weiter über die Bedeutung dieses Empfanges nachzudenken. Meine größte Sorge war gegenwärtig, dass jemand von der Acta davon erfuhr, doch glücklicherweise hatte es gewisse Vorteile, der auctor zu sein.


    Inmitten einer Wolke aus Blüten - wie hätte es auch anders sein können, rosa überwog bei weitem - befanden sich zwei rosafarbene Liegen samt umherstehender rosagewandeter Sklaven und einer rosafarbenen Celerina. Nur flüchtig stockte mein Schritt. Warum hatte es ausgerechnet rosa sein müssen? Ich zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht und ging an den beiden Mädchen vorbei auf Celerina zu. Die ägyptische Aufmachung an ihr fiel mir sogleich ins Auge. "Verzeih mir, wunderschöne Cleopatra, ich suche Flavia Celerina", grüßte ich sie und blieb stehen, um sie anzuschmunzeln. Es war gewiss kein Fehler, dieses Treffen mit einem Kompliment zu beginnen.

    Ich musste nicht lange warten. Während Trautwini sich mit dem ianitor unterhielt, konnte ich nicht anders, als auf die Blume in seinem Haar zu starren. Darüber fielen mir die beiden Sklavenmädchen auch zunächst nicht auf. Erst, als der mürrische Türsklave sich mit seiner Blüte im Haar umwandte und die beiden herbeirief, riss ich den Blick von dem rosafarbenen Tupfer in seinem Haar und sah den beiden Mädchen entgegen. Sie waren gleich gekleidet, schienen aber keine Zwillinge zu sein, und beide hielten ein kleines Körbchen in der Hand. Ich fragte mich bereits, was sie damit vor hatten, als die beiden einen kleinen Disput hatten, sich dann umwandten und Blütenblätter streuend vorausgingen. Ich war so sprachlos, dass ich mich erst einen Moment später in Bewegung setzte. Das Gefühl, die Höhle des Löwen betreten zu haben, verstärkte sich mit jedem Schritt, den ich über die gestreuten Blütenblätter hinweg tätigte. Die beiden Sklaven bekamen die Anweisung, abrufbereit zu warten, und ich vermutete, dass ein flavischer Sklave die beiden in die culina führte, wie es wohl allgemein in vornehmen Haushalten gehandhabt wurde. Ohne zu ahnen, was mich im Garten noch alles erwarten würde, folgte ich den beiden Mädchen hinaus...

    Ich kam nicht zum Antworten, was aber auch nicht weiter schlimm war, da ich ohnehin nicht gewusst hätte, wie ich das hätte formulieren sollen. Sivs Stimme überschlug sich förmlich während sie sprach. Flüchtig dachte ich daran, wie irrwitzig dieses Gespräch war, und versuchte mir einzureden, dass es auch ohne diesen Wortwechsel problemlos hätte weitergehen können. Allerdings gelang es mir dieses Mal nicht sonderlich gut, mir selbst etwas vorzumachen. Ich zog eine Grimasse, die Gefühle zwischen Zerknirschtheit und Sinnlosigkeit beinhaltete, und Siv rutschte mir ein wenig entgegen. Ich blieb, wo ich war, beinahe steif wie ein Stock. Sie zitterte nun wieder. Beinahe wirkte sie wie die pure Verzweiflung auf mich. Ihre Worte wirkten wie ein Geständnis auf mich. Sie waren eines, auch wenn sie es nicht aussprach. Sie berührten mich, die hastigen Worte der zitternden Siv. Ich hatte das Verlangen, sie in die Arme zu schließen, wortlos, doch ich tat es nicht, sondern saß weiterhin unbewegt vor ihr. Diese Starre, sie war meine letzte Bastion, die letzte Festung meines Geistes, auch wenn er die Mauern ganz klammheimlich von innen zu zermürben begann. "..." Ich setzte dazu an, etwas zu sagen, verwarf den Gedanken im letzten Moment jedoch. Was sollte ich darauf erwidern?


    Traurig sah ich sie an. "Und du könntest es ertragen, wenn du nie so viel wert wärest wie Celerina? Wenn du stets im Dunklen hinter ihr stehst, während sie im Licht an meiner Seite glänzt? Wenn wir uns verleugnen müssten? Und die flüchtigen Moment schneller vergehen, als der Augenblick währt?" Sie würde nein sagen. Das musste sie. Es war keine Freude, so leben zu müssen. Für sie. Ich konnte ihr das nicht antun, und Celerina konnte ich es doch auch nicht antun. Ich sah auf den Ring hinab, den ich an der rechten Hand trug. "Ich kann das nicht, Siv. Das wäre..."

    Widerwillig musste ich schmunzeln. Der Junge schien doch etwas Humor zu haben, der mit meinem kompatibel war. Vielleicht war es ja doch ganz amüsant, wenn er eine Weile blieb. Entweder, bis er wirklich etwas gelernt haben würde, oder aber, bis Ursus seiner überdrüssig wurde. "Ich werde dir alles zur Verfügung stellen lassen, was du benötigst, und dann kannst du selbst entscheiden, auf welche Art die Zeichnung am besten zur Geltung kommt", erwiderte ich. "Ich habe dafür nicht das rechte Auge. Du schon, wenn du öfter zeichnest. Wir werden sehen, wie gut die Zeichnung dir gelingt. Ich bin gespannt."


    Er fragte mich, wie lange er sich Zeit lassen konnte. Ich überlegte kurz. "Es wäre schön, wenn du in zwei Tagen soweit bist, aber wenn es länger dauern sollte, nimm dir nur Zeit. Mit Eile ist keinem geholfen, wenn sie die Zeichnung verdirbt." Je nach dem wie gut Louan war und wie schnell er zeichnen konnte, würde ich das Geschenk gleich schon übergeben können, wenn ich Celerina besuchte. Und vielleicht fand sich noch eine andere Aufgabe für den kleinen Gallier, wenn er wirklich etwas auf dem Kerbholz hatte. Ich hatte da schon eine Idee... Doch da fiel mir noch etwas ein. "Hat man dir schon ein Zimmer zugewiesen oder wo schläfst du?" Es konnte schließlich auch sein, dass man ihn zu den Sklaven gesteckt hatte. Nur würde er da keinen Platz zum Zeichnen haben.

    Eine schlichte toga hatte ich ausgewählt. Und mit einem leicht mulmigen Gefühl in der Magengrube war ich der villa Flavia entgegen geschritten. Auf eine Sänfte hatte ich verzichtet, ein wenig Bewegung tat bisweilen ganz gut. Die zwei mich begleitenden Sklaven, Trautwini und irgendein custos corporis von Laevina, begleiteten mich, und der Germane klopfte an die porta, vor der ich schon so oft gestanden hatte. Nie allerdings war ich so innerlich angespannt gewesen wie am heutigen Tage. Wenigstens konnte ich die Aufgewühltheit soweit hinunterkämpfen, dass man sie mir nicht sofort ansah. Es war ja an sich schon ungewöhnlich, dass eine unverheiratete Frau einen Mann zu sich nach Hause einlud, doch was an Celerina war schon gewöhnlich?


    "Salve! Senator Marcus Aurelius Corvinus würde gern einer Einladung von Flavia Celerina nachkommen", sagte Trautwini dem mürrischen Türsklaven der Flavier, als jener geöffnet hatte.

    Zweigeteilt. Ich wusste, was ich nicht sollte, und dass es nur Probleme aufwerfen und alles verkomplizieren würde. Ich wusste auch, dass es so nicht weitergehen konnte, denn das würde nicht nur mich selbst, sondern auch Siv auf Dauer zermürben, wenn dieser Zustand nicht bereits angefangen hatte. Die Zweifel streuten sich wie Samen des Löwenzahns im Wind. War es richtig, es zu lassen? Würde es richtiger sein, wenigstens die Illusion von Glück erneut zu kosten? Bis Siv das nächste Mal davonlief. Ich schloss die Augen, griff mir mit Zeigefinger und Daumen an die Nasenwurzel, doch Ordnung brachte das nicht in meine Gedanken. Ich zwang mich, an Celerina zu denken, die, wenn alles gut ging, meine zukünftige Braut und später mein Eheweib sein würde. Ich schätzte ihre leichte Art und das Wissen um die Pflanzenwelt an ihr, und vielleicht würde ich sie eines Tages lieben lernen. Was sie von mir denken mochte, konnte ich nur argwöhnen, nicht aber wissen. Dennoch... Es wäre so falsch, jemand anderen zu lieben. Mit der Lust an sich hatte ich weniger ein Problem als mit der Herzenssache, der verhassten, nichts als Scherereien bringenden Herzenssache.


    "Nein", sagte ich zögernd, noch immer in der Stellung verharrend. Ich wollte ihr ja erzählen, was mich bewegte, was ich dachte und...dergleichen, doch es war so verdammt schwierig, diese Gedanken in Worte zu fassen, die sie neutral auffassen würde. Denn ich wusste nicht, was ich tun würde, wenn Siv näher kam und... Ich zwang mich, sie wieder anzusehen. Ich durfte daran nicht denken, hinterher war es zu spät, um es rückgängig zu machen, und es sollte doch nicht so sein. Welche Zukunft hätte die Ehe, wenn ich mir eingestand, dass... Und man konnte doch nicht zwei Frauen lieben. Ich schluckte hart. "Ich wusste, dass es keine Zukunft hat. Das hat es doch nie, Siv", fuhr ich abgehackt fort. Ich konnte sie dabei nicht ansehen, das überstieg meine Kraft schlichtweg.