Ich hab ja nicht das Schwängern gemeint, sondern das Heiraten. Das scheint bei euch da unten direkt aufs erste Date zu folgen, wa? ![]()
Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus
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Original von Ánthimos Bantotakis
Genau, SC-Frauen machen viel mehr Spaß...[SIZE=7]und Ärger [/SIZE]:DBesonders, wenn man nach dem alexandrinischen 3-Monats-Plan lebt, was?

Ich seh schon die nächste Schlagzeile in der Acta...
"Alexandrien punktet mit 3-Monats-Plan: Von der Krippe bis zum Grab in nur 12 Wochen" -
Stehend hatte ich den stark verdünnten Wein genossen, diesen Tribut hatte ich meinem Unbehagen ob der Situation wegen zollen müssen, doch stellte den Becher auf einen bereitstehenden Tisch, als Aquilius schließlich kam. Er mochte es nicht einmal beabsichtigt haben, doch fiel mir sehr wohl auf, dass er die vertrauliche Anrede erneut nicht nutzte. Schon bei unserem Treffen auf der Hochzeit war es mir aufgefallen, andererseits hatte es durchaus verständlich angemutet, dass er in Gegenwart so vieler nicht allzu persönlich hatte werden wollen. Hier aber und heute, erstaunte mich dieses Gebaren, und zuallererst hob ich eine Braue, die dies kenntlich machte, um hernach gleichsam etwas steif zu antworten. Kein guter Einstieg, fand ich. "Aquilius", erwiderte ich die Begrüßung und ein ebenso getrübtes Lächeln. Es fühlte sich falsch an, sogleich zur Sache zu kommen, doch war seine Frage in dieser Hinsicht eindeutig. Ein wenig ratlos ob des - wie ich ihn empfand - eisigen Empfangs, überlegte ich, wie ich nun am besten vorging. "Nun, deswegen bin ich zwar nicht vordringlich gekommen, aber ich wollte mich in jedem Falle erkundigen, wie es meinem Freund so geht", erwiderte ich und grübelte gleichsam darüber nach, welche Laus ihm wohl über die Leber gelaufen sein mochte. Das ohnehin nur marginale Lächeln wäre mir wohl endgültig vergangen, wenn ich auch nur im Ansatz geahnt hätte, was er dachte.
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Der Namenlose folgte mir wie ein Schatten und hielt sich im atrium ebenfalls dezent im Hintergrund. Ich hatte das Interieur der villa Flavia schon so oft gesehen, dass ich ihm kaum mehr Bewunderung zollte, sondern vieles als selbstverständlich hinnahm. Die gepflegten Seerosen im impluvium beispielsweise, oder die Wachsmasken und Ahnenskulpturen, die wohl in jedem römischen Haushalt einen präsentablen Platz erhielten.
Ich nahm einen Becher mit verdünntem Wein von dem Jungen entgegen und wartete ein wenig angespannt. Meinen Freund hatte ich schon länger nicht mehr gesehen, und es wäre wohl allein deshalb ratsam gewesen, mir für den Rest des Tages nichts weiter vorzunehmen, doch erwartete ich später am Tag einen Besucher zur cena. Doch noch war es lange hin, bis ich an den Heimweg denken sollte, den ich dann - hoffentlich - mit guten Neuigkeiten antreten würde. Der inneren Unruhe nachgebend, blieb ich stehen, nachdenklich und gleichsam erwartungsvoll, und lauschte auf das Geräusch von sich nähernden Schritten.
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Allein unterwegs, nur begleitet von einem ebenso obligatorischen wie namenlosen Sklaven, lenkte ich meine Schritte zur villa Flavia. Es waren nur einige Tage vergangen, seitdem ich das letzte Mal hier gestanden und um Einlass gebeten hatte. Wie die Stimmung innerhalb des prächtigen Gebäudes derzeit war, wusste ich nicht zu sagen, doch sollte ich mein Anliegen nicht mehr weiter aufschieben, wollte ich es bald in die Tat umgesetzt haben. So klopfte der Namenlose und trug sein Sprüchlein vor, das meinen Namen und das Besuchsgesuch für Flavius Aquilius beinhaltete, und ich wartete währenddessen leicht gedankenvergraben vor der flavischen Schwelle.
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Dass Laevina mehr wie ein Spatz aß denn wie eine junge Frau, schob ich auf das Unwohlsein in Bezug auf Schiffe, von dem sie mir erzählt hatte. So dachte ich mir nichts weiter dabei und langte selbst kräftig zu. Das ientaculum war schon länger her, und morgens konnte ich ohnehin nicht allzu viel essen. Kauend wunderte ich mich über diesen gedankenlosen Blandus und schüttelte den Kopf. Doch war dazu wohl genug gesagt, der Schuldige nicht mehr anwesend, und damit das Thema vorerst erledigt.
"Du wirst sie nach und nach alle kennenlernen. Meistens schaffen wir es nicht, die cena gemeinsam einzunehmen, aber die villa ist alles andere als ruhig, du kannst praktisch keinen verfehlen", sagte ich und trank einen Schluck Milch. Die folgenden Worte klangen mir ein wenig oberflächlich, aber das war nur zu verständlich, wenn man bedachte, dass wir uns nicht einmal eine Stunde lang persönlich kannten. Insofern sah ich ihr auch dies nach und nickte nur amüsiert. "Das lässt sich durchaus machen. Wie steht es eigentlich mit deinem Gepäck? Hast du alles Nötige mitgebracht?" erkundigte ich mich. "Nun, wie ich bereits sagte, wende dich einfach an Brix. Er wird dir dann eine Sänfte organisieren, solltest du eine benötigen, und er wird sich auch um ausreichende Begleitung sowie den nötigen Schutz kümmern. Prinzipiell steht es dir frei, die Sklaven für deine Exkursionen eigenständig auszuwählen, jedoch solltest du darauf achten, dass sie ihre Aufgaben nicht vernachlässigen, um dich zu begleiten. Ah, was noch wichtig ist zu erwähnen, Laevina... Sollte es jemals Grund geben, einen Sklaven zu bestrafen, wende dich an mich oder denjenigen Besitzer. Bis wir eine angemessene Begleitung für dich gefunden haben, wird Tilla für dich zuständig sein. Sie ist, wie ich vorhin schon sagte, in etwa in deinem Alter. Am besten lernst du sie selbst kennen", sagte ich und trug hernach einem Sklaven auf, Tilla herbeizuholen.
Während wir warteten, stellte ich Laevina eine weitere Frage. "Prudentius Balbus hat mich zu seiner Hochzeit eingeladen. Er ist ein hochrangiger Prätorianer, und er heiratet eine Verwandte des Kaisers. Möchtest du mich begleiten?" Über den Rand des Bechers hinweg betrachtete ich Laevinas Reaktion.
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Original von Germanica Aelia
Ou, Äppelwoi
Als Teilzeitfrankfurter geb ich mal ne Runde aus ![Freude :]](https://imperium-romanum.info/images/smilies/smiley102.gif)
Du weißt schon, dass ich dich daran erinnern werde?

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Hehe, also middem Babbele hab ich manschemal e Problemsche...
Aber des hier is ganz luschtich. Einfach mal das IR eingeben.
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Kaeso Annaeus Modestus

Caius Flavius Aquilius
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Das Gesuch muss ich leider zurückweisen, tut mir leid. Dennoch viel Erfolg im Spiel.
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Weder Schimmer noch ein gar noch so winziges, mattes Funkeln hatte ich von dem, was gegenwärtig in Gracchus' Kopf vorgehen mochte. Doch schien er mir plötzlich so tief in Gedanken versunken zu sein, dass ich mich nach einem Moment bereits fragte, ob ich mich räuspern oder ihn anderweitig zurückholen sollte in die Situation, die ihm augenscheinlich so sehr missfiel. Doch tat ich nichts dergleichen, sondern wartete geduldig, mochte doch die fehlerhafte Aussprache genauso gut plötzlich auf seinen Geist übergesprungen und damit der Grund sein, aus dem er nach Worten suchte, die er erwidern wollte.
Während Celerina sich dann plötzlich einbrachte, wandte ich das Gesicht hin zu ihr, gleichsam zuckte eine Augenbraue unmerklich nach oben. Ihre Worte ließen darauf schließen, dass ihr Besuch vor ein paar Tagen wohl kaum jemandem hier bewusst war, zumindest nicht Gracchus selbst. Es verwunderte mich, dass Celerina nicht offenbart hatte, dass sie meiner Einladung gefolgt und mich im Gegenzug hierher eingeladen hatte - irgendjemandem mussten die Vorbereitungen für diesen pompösen Empfang doch zudem aufgefallen sein? Doch das Quietschen des kleinen Flavius rief mir in Erinnerung, dass es gegenwärtig andere Prioritäten in der villa Flavia gab, ungleich wichtigere als die Vorbereitungen einer cena oder den Erwerb von Bahnen uber Bahnen roséfarbenen Stoffes. So wandte ich mich nun wieder Gracchus hin, der meine Worte schlussendlich akzeptierte, nicht jedoch ohne eine Schelte auszusprechen. Kurz beschäftigte er sich mit seinem Sohn, der so unbeschwert jedwede Aufmerksamkeit auf sich zog, so auch die meine. Die Ungelenkheit, mit welcher er nach dem so großen Erwachsenenfinger griff, um ihn so schnell nicht mehr loszulassen, machte mich schmunzeln, doch allzu bald wurde mein Augenmerk wieder auf den Garten und seine gegenwärtigen Besucher gerichtet. Celerina wurde durch Gracchus' Worte in Verlegenheit gebracht, wo doch ich es war, der sich hier in der prekären Situation befand. Gleichwohl es weder meine Absicht gewesen noch meine Schuld war, dass ich mich nun hier inmitten des eilends aufgebauten, rosafarbenen Heiligtums des flavischen Gartens befand, sah ich mich in der Pflicht, hier zu handeln, nicht nur aus Gründen der Akzeptanz der flavischen Gepflogenheiten - welche eben unmissverständlich deutlich gemacht worden waren - sondern auch, um Celerina Scham zu ersparen. So räusperte ich mich vernehmlich. "Nun, ich bin mir sicher, dass es ein ungleich sehenswerter hortus ist, allein der Farbenpracht der Rosenbüsche und ihrer Anzahl wegen, doch erscheint mir ein anderer Zeitpunkt durchaus gelegener, um die wahrhaftige Fülle zu erfassen." Ich sah kurz hinauf in den Spätnachmittagshimmel, sah dann zu Gracchus und erneut zu Celerina, an die ich auch die folgenden Worete richtete. "Es ist bereits spät, und ich möchte deine Gastfreundschaft nicht über Gebühr strapazieren, Flavia. Hab Dank für das delikate Mahl und die nette Unterhaltung, die wir hoffentlich in Bälde fortführen können." Ihr, wie anschließend Gracchus, nickte ich zu. Kurz überlegte ich, meine Glückwünsche zu wiederholen, doch erschien es mir unpassend, und so blieb es nur bei einer Verabschiedung. "Valete", sagte ich also und verließ in gemessenem Schritt den Garten in Richtung des Hauses.
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Auf ihren Dank hin wusste ich nichts zu erwidern. Natürlich war diese Statusänderung für sie etwas, das ihr weitere Annehmlichkeiten bescherte, so würde sie beispielsweise von nun an mehr Freizeit haben als ihre Mitsklaven, gleichsam wieder öfter aus dem Haus kommen, da ich Wert darauf legte, dass sie als Leibsklavin mich auf Wegen in die Stadt begleitete. Doch hinter dem gehauchten Wort steckte mehr, und ich wusste, was es war, doch erwiderte ich auch hierzu nichts. Ich fühlte mich nicht in der Lage, emotionale Zugeständnisse zu machen, denn wenn ich es tat, es wirklich aussprach, dann wäre es eine unumstößliche Tatsache. So schwieg ich und sagte nichts dazu.
Meine Frage indes schien ihr größere Probleme zu bereiten, als ich angenommen hatte. So kannte ich Siv nicht, mit sich kämpfend. Doch als sie dann sprach, erkannte ich, dass es nicht die Verlegenheit war, über Matho zu sprechen, die ihr Schwierigkeiten bereitete, sondern ihr Stolz. Der germanische Stolz, der ihr eines Tages noch einmal zum Verhängnis werden würde, wenn sie nicht acht gab. Dass Siv ein sehr freiheitsliebender Mensch war, war mir nicht unbekannt. So manche Nacht hatte sie lieber im Garten verbracht als in ihrem trockenen, warmen Bett, was mir durchaus bekannt war, auch wenn sie dies vielleicht nicht argwöhnte. "Und davor?" fragte ich weiter. Immerhin war herausgekommen, dass Matho schon eine ganze Weile andere unterdrückt und tyrannisiert hatte, nicht erst in Germanien. "Wie kann ich gerecht sein, wenn mir niemand sagt, dass Unrecht geschieht, Siv?" fragte ich mehr rhetorisch denn eine Antwort erwartend. "Ich möchte, dass du mir in Zukunft erzählst, wenn dir etwas nicht richtig erscheint. Ich hoffe zwar, dass Brix seine neue Position nicht zu Kopfe steigt, aber wissen kann man so etwas nun einmal nicht." Ich sah sie dabei ernst an, deutete dann ein Lächeln an. "Und du musst dich nicht dafür schämen, dass er grausam zu dir war. Dafür kannst du nichts. Und da will ich keine Widerrede hören."
Mein Zeigefinger fand den Weg zwischen ihre seitlichen Rippen, ich kitzelte sie kurz und nutzte die dabei entstehende Unruhe, um sie zur Seite zu bugsieren. "Leider ist ein schlechter Traum keine Ausrede dafür, den halben Tag im Bett zu bleiben", sagte ich und seufzte tief, als ich zur Bettkante rutschte, die Beine über den Rand schwang und schließlich aufstand, um mich zu strecken.
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Ist wieder Platz.

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"Genug!" brüllte ich und die Sehnen an meinem Hals traten deutlich dabei hervor. Die Ader an meiner Schläfe war ebenso deutlich sichtbar, wie sie im rasanten Takt der Wut pulsierte. Mein Ausbruch tat mir augenblicklich wieder leid, nicht etwa, weil Dina erschrocken zusammenzuckte oder weil Sofia ängstlich zu Tilla hinter eine Säule gehüpft war, sondern weil sich mein Kopf anfühlte, als hätte ich ihn mit dem scharfen Wort entzweigespalten. Ich presste unnützerweise eine Hand an den Kopf, knirschte mit den Zähnen und atmete flach. Es war mir alles zu viel, zu plötzlich, zu...unerwartet. Ich sah mich der beinahe vollzähligen Sklavenschaft gegenüber, die scheinbar ausnahmslos dafür einstanden, dass Matho tatsächlich ein Tyrann gewesen war. Ja konnte ich denn tatsächlich so blind gewesen sein? Orestes tat nichts weiter, woran ich vermutlich selbst Schuld war, und der Barbier war längst verschwunden. Der Wunsch, Fhionn zu schlagen, war schier übermächtig. Ich ballte die Hände zu Fäusten und ging zu Brix hin. Siv stand neben ihm. Ich piekte ihm meinen Zeigefinger in die Brust. "Du wirst sie einsperren. Nimm dir ein leeres Zimmer, es ist mir gleich welches. Sorg dafür, dass sie nicht heraus kommt." Dann wandte ich mich an die übrigen. "Und ihr anderen verteilt euch auf die übrigen Räume und redet kein Wort miteinander, habe ich mich klar ausgedrückt? Ich will mit jedem von euch reden. Und dann entscheide ich, was ich mit Fhionn mache." Ich wandte mich schwungvoll um, warf Orestes einen Blick zu. Weder wollte ich mit ihm reden noch mit irgendwem sonst, doch während ersteres recht gut machbar war, erschien mir letzteres unumgänglich. Ich wollte diejenigen, die mit in Germanien gewesen waren, zuerst befragen. Fhionn fiel weg, übrig blieben Alexandros, Siv, Hektor und Merit-Amun. Letztere beiden konnte ich nicht entdecken, auf ein Gespräch mit Siv hatte ich gerade noch weniger Lust als auf eine Unterredung mit Fhionn selbst.
"Alexandros!" fauchte ich, ohne im Gehen innezuhalten. Irgendwo hinter mir klapperte etwas - sein Kamm war zu Boden gefallen, so sehr hatte er sich erschrocken - dann eilte er mir hinterher. Brix für seinen Teil blieb stehen, wo er war, bis ich nicht mehr in Sicht war. Dann sackte er merklich zusammen und fuhr sich über das bärtige Gesicht. "Ihr habt es gehört, Leute. Tun wir einfach, was er sagt. Fhionn...?" sagte er müde und sah danach Fhionn an. Er brachte sie kurz darauf in eines der Gästezimmer im ersten Stock. Hier war es schwieriger, davonzulaufen. "Es tut mir leid", sagte er zu ihr und schüttelte bedauernd den Kopf. Schon wollte er abschließen...
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Ich koste ihre Wangen mit Streicheleinheiten, musterte sie dabei intensiv. Den Becher leerte ich anschließend und stellte ihn dann mit einem hohlen Klack zurück. Dass sie errötete, ließ mich schmunzeln. Nur kurz erwiderte ich den Kuss, dann fing ich ihre Handgelenke ein und betrachtete Siv nochmals. Das Blau ihrer Augen erschien mir endlos wie das Meer. Ich ließ sie los und umschloss sie mit den Armen, zog sie an mich heran. Ihr warmer Körper an meinem war ein wenig unangenehm, doch das kurzweilige Gefühl der Zufriedenheit gleich diesen Umstand gleich wieder aus. Ich versenkte meine Nase in ihrem Haar, atmete ihren Duft ein und schloss für einen Moment die Augen. "Ich möchte, dass du nicht mehr bei den anderen schläfst", sagte ich und sah aus den Augenwinkeln hinüber zu einer schmalen Tür. "Die Kammer nebenan gehört jetzt dir." Damit meinte ich das kleine Zimmer, das sich hinter dieser Tür verbarg und das an meine Gemächer angrenzte, ebenso wie die anderen Schlafgemächer der villa jeweils über eine solche Kammer verfügten. Sie waren für die Leibsklaven gedacht, die in den meisten Familien besser behandelt wurden.
Der Daumen und die restlichen Finger der Hand, die dicht unter Sivs Nacken auf ihrem Rücken lag, glitten über ihre Haut und bewegten sich in beständigem Rhythmus aufeinander zu und voneinander fort. Ein wenig melancholisch sann ich darüber nach, dass ich es mir selbst wieder einmal einfach machte, indem ich sämtliche Bedenken schlichtweg über Bord warf und nach Gefühl handelte. Und ja, dies hier fühlte sich richtig an, auch wenn mein Verstand am liebsten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und schreiend davongelaufen wäre, angesichts dessen, was ich in Bezug auf Celerina noch plante. Ich holte tief Luft - Sivs Oberkörper hob und senkte sich mit meinem - und seufzte tief. "Ich möchte dich etwas fragen", kündigte ich an. "Warum hast du mir nichts gesagt, damals? Wegen Matho", fragte ich und sah schräg nach unten, um die Reaktion hierauf auf ihrem Gesicht sehen zu können.
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Die fehlende Freundlichkeit auf Gracchus Gesicht machte sich schlagartig bemerkbar, als ich hörte, mit welchem Ton er sprach. Eisig war wohl noch die netteste Umschreibung dessen. Allmählich verblasste auch mein Lächeln. Ich fühlte mich urplötzlich zurückversetzt in unser Gespräch wegen einer Ausgabe der Acta Diurna, als er bei mir gewesen und sich beschwert hatte. Wie damals, so war ich auch jetzt vollkommen überrascht von seinen Worten, und wie seinerzeit stand ich selbst vor ihm und spürte leichten Ärger aufwallen, gleichwohl die Ursache dessen diesmal ein anderer war. Dachte Gracchus denn, ich würde mich ungesehen an Celerina vergehen? Glaubte er, ich wüsste nicht, was zum guten Ton gehörte, sui iuris hin oder her? Auf meiner Stirn zeichnete sich nun die erste Falte ab, und Gracchus fuhr fort. Ich zwang mich, ihn nicht in einer seiner ungewollten Pausen zu unterbrechen, sondern ließ ihn sagen, was er zu sagen hatte. Ich hoffte nur, Celerina würde mir mit einer Antwort nicht zuvorkommen, was ich ihr durchaus zutraute, war sie doch eine selbstbewusste Frau. Doch hätte ich wohl das Gefühl, mein Gesicht zu verlieren, wenn sie hier für mich einschritt und mit Gracchus sprach. Ich vermied es daher, sie anzusehen, um zu verhindern, dass sie selbst einen flüchtigen Seitenblick als hilfesuchende Aufforderung missverstand. Derweil griff der kleine Flavius immer wieder ins Leere, schloss die kleine Hand zu einer Faust und öffnete sie wieder. Ihn sah ich kurz an, er würde schließlich nicht einschreiten, doch dann fixierte ich erneut Gracchus mit meinem Blick.
"Selbst wenn sie sich nicht dessen bewusst sein sollte, so kannst du dir doch dessen versichert sein, dass ich mir vollauf darüber im Klaren bin, wo und in wessen Gegenwart ich mich befinde", erwiderte ich möglichst ruhig, auch wenn ich dabei eher klang wie Gracchus selbst. Ärger zu unterdrücken, war bisweilen nicht einfach, besonders, wenn mir jemand indirekt unterstellte, falsche Absichten zu hegen. Ich räusperte mich und fuhr fort, ohne die Stimme zu senken, wie er es zuvor getan hatte. Schließlich ging es um Celerina, da konnte sie zumindest von meiner Warte aus wissen, was ich dachte. Auch, wenn mir im Grunde die eigentlich geplante Überraschung damit ein wenig vergällt wurde. "Es ist mitnichten ein Geheimnis, dass ich derzeit nicht verheiratet bin. Ebensowenig ist es ein Geheimnis, dass ich die Sitten und Traditionen meiner Vorväter achte. Wenn ich mit meinem Besuch hier gegen die der deinen verstoßen haben sollte, bitte ich um Entschuldigung. Das habe ich nicht beabsichtigt, und ich hatte auch nicht mit einem solchen Empfang gerechnet." Sollte sich Gracchus weiterhin brüskieren, würde ich gehen und erst nach dem Gespräch wiederkommen, das ich ohnehin noch mit Aquilius führen wollte, ehe es in Bezug auf Celerina weiterging. Immer noch nicht sah ich Celerina an. Warum war es immer Gracchus, bei dem ich mich missverstanden fühlte? Es mochte an seiner Eigenart liegen, die Familie über alles zu stellen, selbst über das eigene Dasein. Aber lag nicht gerade darin unsere größe Konvergenz? Es musste ihm doch, nach allem, worin wir bereits verwickelt waren, klar sein, dass ich weder die Ehre Celerinas oder die ihrer Familie, noch die meine beflecken würde.
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Schmunzelnd legte ich meine Rechte ans Kinn, als Orestes seinem Schüler indirekt deutlich machte, was sich gehörte. Auf den Kopf gefallen war Verus nicht, doch das war nichts Neues, denn das hatte ich schon bemerkt, als er sich bei mir gemeldet hatte. Er würde später einmal einen guten Priester abgeben. Amüsiert verfolgte ich auch, wie er Schüler nun in ihm durchbrach und er eine Frage in den Raum stellte. Ich nippte an meinem Becher, verschluckte mich allerdings beinahe, als ich Louans Worte hörte. Zuerst entsetzt, dann ermüdet, sah ich ihn an. "Louan, ich rate dir, besser deine Finger von ihr zu lassen", sagte ich. Schließlich gehörte sie Orestes. Nun, dann sollte der später auch etwas dazu sagen, falls sich Louan doch mehr an ihr interessierte, als es sich für einen Gast der Familie gehörte. "Wie geht dein Unterricht bei Clara voran?" erkundigte ich mich, um das Gespräch wieder - so hoffte ich - in für die Öffentlichkeit geziemlichere Regionen zu lenken.
Kurz darauf brachte die Bedienung die bestellte Platte mit dem kleinen Imbiss. Neben verschiedenst ararangierten Eiern und Garnelen befanden sich Spieße mit Huhn, Käse, Oliven und allerlei anderem darauf. Die kesse Bedienung zwinkerte Louan zu und verließ dann unseren Tisch. Ich nahm mir zunächst ein halbiertes Ei mit Füllung. "Bitte, greift zu", lud ich ein. "Hast du in der domus deiner Familie eigentlich noch jemanden angetroffen?" erkundigte ich mich bei Verus.
Sim-Off: Ebenfalls WiSim
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Ganz offensichtlich hatte meine Frage sie verwirrt. Ich betrachtete sie aufmerksam. War sie nervös? Die Mär des Traumes indes verblasste immer mehr, schien gar schon so weit entfernt zu sein, dass sie mir immer mehr wie ein Relikt aus jungen Jahren vorkam. Und doch wusste ich, dass dem nicht so war. Ich würde Iuno opfern, so oder so.
Wieder lenkte Siv meine Aufmerksamkeit auf sich. Diesmal nestelte sie an ihrem Saum, sah auf ihre Hände. Mein Blick fiel auf die weiße Haut ihres Oberschenkels. Die tunica wirkte, als sei sie ihr etwas zu kurz. Sie spielte an einem Faden herum, der aus der Seitennaht herauslugte, und sah mich dann an. "Ich weiß", sagte ich. Schließlich ging es mir nicht anders, wenngleich es mir...nun ja, doch anders ging. Unsicher war ich nicht. Eher unschlüssig. Siv zupfte weiterhin an ihrer Kleidung herum. Ich legte meine Rechte auf ihre Hand, spürte dabei auch die Kühle der Haut ihres Beines. Ich wollte noch etwas sagen, hatte jedoch plötzlich eine unüberwindliche Barriere im Hals. Hatte ich sie ursprünglich nur festhalten wollen, damit sich ihr Kleid nicht gänzlich auflöste, strichen nun meine Fingerspitzen über ihre weiche Haut. Es kam mir vor, als verginge die Zeit nun gerade einmal halb so schnell wie gerade eben noch. Langsam schob ich meine Finger unter den Saum, den Siv eben noch malträtiert hatte. Wieder keimte die Frage in mir auf, ob es gut wäre, wenn ich das fortführte, was vor Germanien gewesen war. Und wieder schob ich alles Denken beiseite, die ganzen Wenns und Abers, und konzentrierte mich auf den Appetit, den ich hatte. Siv wurde herangezogen, ohne dass ich meine Position veränderte. Kein Wort kam über meine Lippen, es war wohl auch ohne nur zu deutlich, was ich wollte.
Ich hatte den Kopf in den Nacken gelegt und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Die Kühle der Wand in meinem Rücken war mir jetzt willkommen. Sivs Körper glühte, das Haar war strähnig und klebte schweißnass auf ihrer Haut. Ich strich ihr eine Strähne hinters Ohr und angelte dann nach dem halbvollen Becher, den ich ihr anschließend hinhielt. Im hereinfallenden Morgenlicht und etwas erhöht, wie sie dasaß, wirkte sie erhaben und zugleich wild. Die milchweiße Haut und das helle Haar verstärkten den Eindruck noch. Römerinnen beneideten die Germanischstämmigen darum. Hatte ich während der letzten halben Stunde nicht einen Gedanken mehr an die Situation verschwendet, in der wir beide uns befanden, so tröpfelten nach und nach wieder die Überlegungen in meinen Geist. "Du bist schön", sagte ich schlicht dahin und strich ihr über die schlanke Seite.
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Fhionn schien mich gar nicht zu hören. Irritiert blickte ich zu Brix, der nur die Brauen kurz anhob, dann zu Orestes, der seltsam still war. Dina hatte derweil wieder begonnen, sich leise mit niemandem zu unterhalten, Siv schien nur angespannt zu sein, sonst nichts. Da endlich sprach Fhionn. Ihr Blick war nun wieder klar, sie sah mich direkt an. Und sie wagte es, sarkastisch zu sein. Ich sog die Luft ein und hielt sie an. Wenn ich sofort reagierte, würde ich sie ob dieser Dreistigkeit schlagen, das wusste ich. Also zügelte ich meine Emotionen, soweit es mir möglich war. Diese Frau hatte noch nicht einmal das Spektakel verdient, das man um eine Kreuzigung machte. Ich sollte sie im dreckigen Verschlag eines Schweinestalls erstechen lassen. Eine Kreuzigung würde viel zu viel Aufsehen um sie herum erregen, und damit auch das Augenmerl auf das lenken, was sie getan hatte. Damit wären wir in aller Munde. Durfte ich das zulassen?
Ich stieß den angehaltenen Atem aus. "Ich habe meine Meinung geändert", sagte ich gepresst. Das hier war ein Alptraum. Mein Alptraum. Gleich würde ich schweißgebadet erwachen, ganz gewiss. So verzwickt konnte die Realität nicht sein. "Fhionn wird nicht gekreuzigt. Brix. Du bringst sie hinaus. Nimm den Dolch aus meinem Arbeitszimmer. Ich habe die längste Zeit diese falsche Schlange an meiner Brust genährt. Es ist jetzt ein für alle Mal vorbei damit!" blaffte ich und machte eine unwirsche Bewegung mit der Rechten.
Brix indes hatte sich versteift. Alle Farbe war ihm aus dem Gesicht gewichen. Er hatte gerade den Befehl bekommen einen der Seinen zu richten. Zu töten, obwohl er das nicht wollte. Der Germane war kein Mann, der nicht töten konnte, doch das hier... Das war etwas anderes. Er Schluckte, doch seine rauhe Kehle besserte sich nicht. "dominus, ich..." begann er schwankend, dann straffte er sich. "Ich werde das nicht tun", sagte er mit vollster Überzeugung. Ich blickte ihn an. "Du wirst tun, was ich dir sage." "Ich war stets treu, Herr, und habe alle Aufgaben nach bestem Gewissen erfüllt, die du mir angetragen hast. Aber wie könnte ich Fhionn töten für dich, wo du mich erst vor wenigen Stunden zum maiordomus gemacht hast? Ich kann dir nicht widersprechen, dominus, wenn du über sie entscheidest, denn sie ist genauso Sklave wie ich es bin. Aber ich werde nicht ihr Blut an meinen Fingern haben, weil du es so wünscht. Du musst es selbst tun, Herr." Brix trat einen Schritt zurück und verschränkte die Arme. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er wusste, dass er damit viel gewagt hatte. Ich starrte ihn vollkommen perplex an.