Sim-Off:Und ich find sie herrlich zu lesen 
Gerade noch so unterdrückte ich ein bedrücktes Zähneknirschen. Es war eine schlechte Idee gewesen - eine ausgesprochen schlechte Idee -, Siv nach ihrem Auftritt auf der Terrasse nochmals zu gestatten, uns zu begleiten. Bedauerlich war es außerdem, denn neben ihren schlechten Lateinsprachkenntnissen hatte ihr die germanische Störrischkeit versagt, in Celerina eine wissbegierige, floraliebende Person zu sehen. So zumindest glaubte ich. Aber, wie sich später wohl noch herausstellen sollte, hatte ich ja keine Ahnung. In jenem Moment jedenfalls fühlte ich mich seltsam, um nicht zu sagen undefinierbar. Die beiden schienen sich weder zu mögen noch das Vorhandensein des jeweils anderen so einfach dulden zu können. Doch statt den wirbelnden Gedanken nachzugeben und mich näher mit diesem Problem - denn zweifelsohne war es eines - zu beschäftigen, drängte ich sie bis zu einem späteren Zeitpunkt beiseite und widmete mich wieder ganz Celerina, die soeben ihre Hand auf die meine gelegt und mich wieder Marcus genannt hatte.
Ein wenig ertappt sah ich auf die schmalen Frauenhände hinunter, lächelte schwächlich und fragte mich, was in Iuppiters Namen ich nun tun sollte. Meine Absichten kundzutun, ohne zuvor mit jemandem aus ihrer Familie geredet zu haben, selbst wenn sie doch sui iuris war, erschien mir unangemessen, ebenso wollte ich den damaligen Fehler der innigen Nähe vor diesem besagten Gespräch vermeiden. Doch Celerina...war sie nicht eben noch eine Spur weiter entfernt gewesen? Konnte es sein, dass sie sich Moment um Moment ein Stückchen weiter heranschob? Mein Herz schlug unangenehm hart gegen meinen Brustkorb. Wenn ich sie nicht... Jetzt nicht.. Sie würde mich gewiss für einen Feigling halten oder, noch schlimmer, jemanden, der nicht seine Absichten vertrat. Aber war es nicht ungeheuerlich, in so kurzer Zeit so viele Schritte nacheinander zu tätigen? Die braunen Augen blinzelten so erwartungsvoll. Bildete ich es mir nur ein? Was tun? Ich hob den Mundwinkel noch eine Spur mehr an - und führte ihren Handrücken an meine Lippen, um einen flüchtigen Kuss aufzuhauchen. War ich damit nun erreicht - oder nicht erreicht - hatte, konnte ich nun beim besten Willen nicht erahnen. Doch sie hier und jetzt zu küssen, direkt um ihre Hand anzuhalten, erschien mir übereilt und einfach unangemessen. Mit dieser Aktion musste sie ahnen, was ich bezüglich ihr und mir dachte, das sollte vorerst genügen. Hoffte ich.
"Gehen wir weiter? Die Königin des Gartens hast du nun schon gesehen, aber weiter hinten habe ich einige seltene Exemplare einer schwer zu pflegenden Art aus Asia...." fuhr ich fort und deutete weiter hinein in das frische Grün des Gartens, mich gleichsam in Bewegung setzend. Natürlich versuchte ich, mir nicht anmerken zu lassen, dass die Gedanken aufgewühlt waren und wild durcheinander peitschten. Den geschlungenen Pfad entlang wandelten wir schlussendlich bis zur entlegendsten Ecke des Gartens, sahen herrliche Magnolien in den sattesten Farben, einen Pfirsichbaum, dessen Früchte bereits reif waren und von denen ich Celerina eine pflückte, und allerlei andere Pflanzen in den verschiedensten Formen und Farben. Einige Male kam es zu solch nahen Momenten wie zuvor an der Orchidee, doch ich achtete darauf, ihr nicht zu nahe zu treten. Das samtpfötige Geschenk, welches ich plante, würde gewiss seinen Effekt verlieren, wäre hier schon allzu deutlich, dass ich Celerina an meiner Seite wissen wollte. Schließlich führte ich sie zurück zur Terrasse, wo ich unsere beiden Becher mit einem Fruchtsaft-Wasser-Gemisch füllte. Der Spaziergang hatte durstig gemacht, zumindest mich, und die Sonne stand derweil in einem solch spitzen Winkel, dass sie durch Geäst und Zweige auf die Terrasse fiel, die inzwischen im goldenen Abendlicht lag. "Ich hoffe, die kleine Führung hat dir zugesagt", sagte ich und schmunzelte, als ich wieder saß.